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2.9.1911 Drittes Blatt
 
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feinste Slemwolkn chleine Slemwollen raunstern sind sollen l

er unter der Autlp p, Altona-Bahrenfeld

Ize, Kreuzplatz, und i . oh. Herrn. Schmidt l

Drittes Blatt

161. Jahrgang

Nr. 206

Eichener Anzeiger

ttfdxtn! a-Nch mtt vuSnahm, be« Bannte«*

General-Anzeiger für Oberheffen

DieBUbener ^eeillenblitltr" rpcrten dem ettnifigrr* -vermal rvädfenlhd) betg*!egt. bei MrdibUt: flr Ke Krell ireeimel

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Samstag, 2. September 19fl

Hefetunlbrucf anb Brvtag der Br übliche» Unwrfttir« - viich- und StrinbtudtttL K Eeeet.

lUKiftUn. Expedition anb Druckerei: Schüfe fhwic 7. trpebmon und Serie,: f«®6L lUbeftunce^lll. X«L->^ ^n|ft,erei«*ew

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übertriebcneii Schärfen, die wir

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Wic stellen sich mm die Gehälter späterhin? Bei der Auf.

nähme oben erwähnter Statistik betrug das Monatsgehalt von 542 Verkäuferinnen:

50 Ml. bei 124 Verkäuferinnen

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eben redet, herausfordernd an

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das eine

Verkäuferinnen, in der trotz mancher, wohl etwas für unangebracht halten.

Unsere Dcrfänfrmnen.

Die Monatschrift der Handelskammer Halberstadt ver 3ffentlieht eine Abhandlung über höhere Töchter a l s

Frauen-FettiUeton.

$rau Tonis (Erlebnis.

Humoreske von E. Heinshosen.

Schorsch: Schlecht eingeschänkt? Gleich schickst den Krug wieder hin!! <Gt ist Mitglied des Vereins gegen betrügerisches Einsckänken.)

Frau Toni: Nein, ich meine, der Garten ist nicht recht bc*

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Schorsch (zeigt für einen Moment das Zahnfleisch-: Ach sooo . . Das macht, weil im Löwenkeller die Sckroohlescheh spielen. Aber gib setzt a Ruh, Toner! Ich must zuhör'n, was der Preist daherred't von Krieg und so «wendet sich *c räkelt beide Arme auf den Tisch und sieht den Rachbar,

so viel Beherzigenswert cs zu finden ist, daß wir unsere Leser damit betamit machen roolleif:

Eine früher numerisch ganz unbedeutende Bevölkerungsgruppe,

die der Verkäuferinnen, ist in hm eflbcuNm. da st sie mir Rechl ihohte Jlufmcrfiamfrit beanspruchen {nur Während früher das llcbcrwiegm der Mädchen Himer den

Schon früher einmal waren diehöheren Töcktei im Verkäufen nnenstande vertreten. Erst seit Au Warenhäuser haben sie sich daraus mehr und mehr zurückgezogen Würden sic in grösterer Zahl in diesen Berus eintreten, so würde mit einem schlage vieles gebessert sein. Lesen, Schreiben und Rechnen würden sie ausreichend beherrschen, das sittliche Niveau wäre rin ganz anderes, da die genosseneKinderstube" ihnen das nötige Gegengewickst mit gibt und die Denkungsart der höheren Stände erhält. Mancherlei Vorteile würde solch ein Wechsel ergeben: Ter Prinzipal gewönne eine zuverlässige, selbständige und geschickte Hilfe, das Publikum würde von der ihm Gleich- stehenden ganz anders beraten werden können, der Ton int Geschäft würde von ihr beherrscht und das lunge Mädck»en der unteren Klassen durch Beispiel beeinflußt und erzogen werden.

Von einem Sich-Beschetden ist getvöhnlich gar ferne Rede Ter Ehei must von seiner Verkäuferin verlangen, daß sie sich, wenn auch unauffällig, io doch geschmackbvll und modern kleidet Ta zu kommt, hast sie un schäft Sieben täglich von den Erzeug nifsen der neuesten Modeströmung umgeben ist, denen sie, ihrer ^Beschäftigung und ihrem iwch ungeschulten Geschmack nach, eine übertriebene Wichtigkeit beimessen lernt Tic kaufenden Tarnen fahren i!t gleickfall- di. neuesten Toiletten vor Augen, und fie wird sogar deren Kaustrast sehr danach beurteilen müssen So nimmt d,c angeborene Freude an Putz und Tand, bei bon itc ihrem Bildungsgang nach gewöhnlich kaum das tvirklich Schöne und Gediegene, sondern mehr das Auffallende und Prunkende zu nürbtgen versteht immer mehr überhand. Wirklich fein. Roben und Hüte sind in ihr in den Ansangstahren ihrer Laufbahn aus eigenen Mitteln unerreichbar. Soweit sie nicht in ihm freien Zeit das ^schehene für sich nadmialnnen versteht, iorZt hu Industrie bereitwillig für Surrogate, die wenigstens den Schein der eleganten Tarne erwecken.

Tobet haben diese Mädchen oft unglaublich isenig gelemi und können knapp das Verkaufen, bad doch in der letzt üblichen Art wahrlich sehr wenig an Kenntnissen und Fähigkeiten voraus n«'t Jeder gelernte Arbeiter und Handwerks!ehrling muß über mehr Wissen und Stöhnten verfügen, als die heutige Durchschnitts titrläuferb* aber diese sieht auf jene mit Hochmut berab, weil sie der irrigen Auffassung ist,Tante" zu fein, weil sie sich alt- solche verkleidet.

Wie lassen sich diese Zustände zum Bessern berinslassen? Wir wollen heute nur ein bis jetzt viel zu wenig beachtetes Prine! ins Auge fassen, nämlich den Eintritt der Töchter gebildeter Tranrilien in den Beruf der Verkäuferin.

Früchte hinter ihrem Stuhl niedersällt, dreht sie sich um und sieht die kohlenschwarzen Augen eines jungen Herrn, auf sich gerichtet, mit einem Ausdruck, der erkennen läßt, batz er sie chon lange beobachtet. Einen Moment schaut sie dem Toben der Kinder zu, bann wendet sie sich ab. Zu ihrem Mann, an­gelegentlich): Ist der Rettich gut?

Schorsch (macht eine krause Nase und schüttelt den Kops : Es is' heuer mx mit dem Radi; viel zu heiß is 'S gewesen das hat ihn holzig g'macht. «Schält bedächtig weiter und ist mit halbem Ohr bei der Marokkodebatte.)

Frau Toni (fühlt die dunklen Augen auf ihrem Rücken brennen; wird rot und hat in der Verlegenheit das Bedürfnis, sich zu unterhalten): ' Za, durch die Hitze bat eben alles gelitten nt diesem Jahr 1 Es gibt kaum gutes Gemüse, und alles io teuer. (Summt den Walzer mit, der eben gespielt wird, und bewegt den Kops im Takt-: Weißt, ich könnte eigentlich noch ein Cuartl trinken

Schorsch: Trink noch eine Halbe, Toner!. <9tuft die Kell­nerin an, die mit vierzehn Krügen in jeder Faust am Tisch vorbeifauchl : Zenzi.a Halbe für meine Frau!

$rau Toni weist selbst nicht, weshalb sie verlegen ist, datz er das so laut ruft. Vielleicht gar wegen der schwarzen Augen da hinten . .) tr,

Schorsch: Geb, Toner! mann i dir recht ist, tauuhen wir die Plätz! Wegen der lauten Musik kann ich gar nicht gut hören, was die drei da neben dir diskutieren und die Ge schicht interessiert mich. .

^rau Toni errötet in dem Gedanken, bat? itc dem jungen Metlichen nun seitlich gegenüberifcen soll Schließlich bcnkt er gar, daß sie das so eingerichtet! Aber da ist nichts zu machen sie muß den Platz abgeben.).

Ter Schwarze läckelt ein müdes Lächeln und uiblt mit ;wei Fingern der überschlanken weißen Hand an dem modisch gc< Nutzten dunklen Schnurrbart. Tie Linke hält den Panama auf den übcreinandergeschlagenen Knien. Ter Schnurrbart und die schwarze Haarsträhne, die ihm in die Stirn fällt, lassen sein Griicht noä' bleicher, burthgeiftigcr erubeinen, als es an ich idjon ist Er ist schlank und mit vollendeter Eleganz gekleidet, trägt Lackschuhe mit breiten Rändern und seidene rotgermgelte Strümpfe'.

Frau Toni konstatiert das alles, ohne eigentlich hinzu,ehrn. Tie schwarzen Augen sind so unentwegt auf sie gerichtet, daß es sie bei', und falt überläuft. Solche Augen und solch dünne, blaffe Lippen batte bet dämonische Svengali in dem Stück, das sie neulich im Gartnervlahtheater gesehen. Tret Nächte hatte sie von diesen Augen geträumt . . . eie glaubt sich vor den Augen retten zu können, mbem sie mit ihrem Manne spricht): Es ist eigentlich gar nicht so arg voll beute

Lchorsch aufgeregt jeritreut : Was meiup, Toner!?

I Frau Toni: Gar Licht'»H iL'S.

Ter Schwarze iwendet keinen Blick ab;.

Frau Toni weiß kaum noch, was fie mit ihrer Figur fangen soll Zwischen Verlegenheit und Unbehagen reimt (Yesuhl in ihr auf, daß hier ein Erlebnis sich entwickelt der spannenden, aufregenden Sensationen, die sie so oft erträumt. Das hat etwas Beunruhigendes und doch Prickelndes. In wachsen­der Befangenheit liebt sic ihren Hut in die Stirn, um ihn gleich darauf wieder nach hinten zu rüden; fie icrrt an ihrer Uhrkette, stützt bann bie Ellenbogen auf den Tisch und breht an ihrem Trauring. Tabei wagt sie einen flüchtigen Seitenblick).

Ter Schwarze starrt unentwegt, er scheint mit einem Entschluß

wobei freie Station nur mit 40 Mk in Anrechnung .icboadrf rnuibe, so daß dadurch tue Gedaltslwde in Wirklichkeit etwa« günstiger sein mag, zumal die Weihnacht sarannkcuwn Innzukvmml.

Das sind freilich nicht besonders günstige Zahlen, man mutz indes berücksichtigen, daß es sich btcrbci um den Turchschnitt der Verkäuferinnen handelt. Bei gut vorgebildeten, o.rklick fadXia«: ÜTditfn lassen sich auch im Perkäu'erinnenberu e ganz adming*- Iverte itzehaltsskalen erzielen (150 Mk monatlich und darüb« l

Wird etwa der Mangel an Pensionsberechtigung empnintwn * Auch dieser Dann nicht ins Feld geführt nvri*n, benn e* gibt ,bnn zutage mancherlei (gelegenbeit, iidi sicher zu stellen für die ^age der Arln-itSunfähigkeh Schließlich ist.die »mfabruiig der Pen- lonsberechtigung eine solche von höchstens ZilrKtmten.

Nein, ma-5 die höheren Töchter zuntckdali. liegt aut dem Gebiete de Herkommens Ter «Xiufmann galt bei den oberen stlaff-m bisher schon wenig genug (!) nun erit Angestriue eme» iolchen Mannes zu werden borreur! Wir bilden von unser«» Müttern über das, was für unsere Töchter paßt, eine Anschaltung ererbt, welche geradezu lächerlich ist. Wohl ist eS für eine höhere Tochter standesgemäßHausdame" nt sein, and) wenn der X)auiv berr nicht ganz gesellschaftsfähig ist Wohl bctt' das gnädige 3räu'.ein als Gouvernannte, Volksschullehrerin. Privatlehvertt, ufw. tätig sein, ohne sichunmöglich" zit machen wohl 'Jf*

ulfo für einenBanausen ' kochen, sie darf anderer Leute Sruiorr raschen und hüten, ihr kärgliches Brot erweichen in einem mamn, id dem vielleicht Kinder der Armut ausdünnm öl'« m id önnt warmen Räumen bei der Auswahl von Waren mit ihrem c^eid'mack, ihrer ^ennMis von der Herkunft und drwickdarkert, <>er Tau er Hastigkeit und Preiswürdigkeit der Ware dem Publikum brizustehen, das ist begrabable, bas darf fie nicht!

Sold* Ausfafsmigen sind nicht deshalb ndMig, weil sie weit riTbreuct sind Sie sind vielmehr ebenso unpraktisch wie logisch. Tie Stellung desPrivatbeamten" ist im Lause d« Zeit cny? rocfentlid, anberc geworden. Allein schon die große Zahl und die in ihr zum Ausdruck kommende Bedeutung für unsere ^.>olkS- uirtschast bat ihm die Wege zu einer besseren Bewertung gevbnrf. Tic in den letzten Jahrzehnten entstandenen großen Wekbaftc br$ TetailhandelS haben eine Verschiebung des Verlurltniises zimsdren Chef und Berkäuseriii erbracht. Freilich gibt eS auch letzt noch manchen Geschäftsinhaber, dLr erst lernen müßte, mit Töchtern höherer, o t ä n bt a l S seinen Angestellten um zu gehen, aber ebenso gibt es sehr viele, in bereit Betrieben alle Voraussetzungen für die Mitwirkung soldier Hingen Tarnen durdxuis gegeben dt. Und iro das ber Fall ist, sollte man die allen Urteile, bie Vorurteile geworben sind, fallen lassen. Niemand anders als ein gebildetes, weibliches Wesen ist in der Lage, die Aufgabe einer richtigen, wirklichen Verkäuferin zu erfüllen. Tenn nicht die angelernten Mätzchen und Redensarten vonapart" und Jdnd" machen bas Wesen einer guten Verkäuferin ans, sondern Verltändnis für bie

ng des Geschmacks, für di sittett'dev

chen nur selten finden, solange sie nicht burd) gute Beispiele bahnt erzogen werden

Unter dem weiblichen Zkontorperwna! gibt es bereits eilte Strömung, welche bat Eintritt wirklich gebildeter tuiu in den Vcrkäuferinnenberuf für erst reden'inert halt. Sie erkennen nicht nur den hohen Wert bei fittlid n Einnnilnna ein- i gebildeten jungen Mädd)ens mit festem Üharaflei in iold/ vsiel lung - die Vorteile für GesdwitsinHaber und Publikuin - an, sondern sie betrachten sie and) als Bahnbrecherin für den Heber- schuß ait Weiblichkeit unserer mittleren Stätibc, für die noch lange nicht genug Berufe vorhanden sind, in denen sie sich ihren Anlagen nach betätigen können

Möge dieser Ueberschuh mehr und mehr wenn die nötige Veranlagung vorhanden ist mit den veralteten Vorurteilen i bredicn ujtb sich dem Verkäuferinnenbcruf in höhernn Maße zu- wenden.

Wenn man den Zweck des Aufsatzes, gebildete Zainen dem Verkäuferinnenberuse zuzuweitden, billigen und unter­stützen will, so darf man nickst den Fehler begehen, gleich­zeitig zu erklären, daß das Ansehen dieses Standes heute minderwertig sei, insofern als die Perläuserinnen den An­sprüchen auf Bildung und sittliches Verhalten nicht genügten. ES gibt auch unter den heutigen Verkäuferinnen eine sehr große Zahl, die durchaus keine Vorhaltungen, sondern die größte Achtung verdienen und die man nicht bnmit tränten

zu ringen).

Frau Toni lstützt das Kinn in die Hand und ichaut m entgegengesetzt?r Richtung. Minutenlang. Ihr ist so sonderbar ie Mute: angstvoll und doch .. Sie muß zugeben, baß der Mensch zwar unverschämt, aber sehr, sehr interessant ist, daß er fast genau dem Bilb entspricht« bas sie sich als Backfisch von einem Musiker ober Maler gemacht, den sie angeschwärmt, obwohl er nur in ihrer Phantasie existierte Es Albt also wirNich solch feine, vornehme Männer Und sie muß ihm doch gefallen, da er sie nicht am dem Auge läßt ... Cb auch ihr Haar in Ordnung ist? Greist ordnend mit der Hano in den Nacken und in dass blonde Stimgelock Plötzlich schrickt sie zusammen).

Schorsch baut sehr mit der Faust auf den Tisch aber nicht seiner Frau wegen, rote diese gedacht, sondern weil er mitten im Tiskurs ist über Marokko

Ter Schwarze (in augenscheinlich zu einem (fmtschluß getane* men. Er winkt die fceUnerin heran und zahlt Auch b a bei schaut er herüber kaum, daß er einen Blick auf die Münn wirft, die er hingibt).

Frau Toni atmet befreit auf und fühlt doch etwas wie Bedauern. Aber da er nun geht, kann sie schon ein bißcken un­genierter schauen--das heißt ist der Mensch wahnsinnig??

Er gebt nicht--er kommt auf sie zu. . . Jene frami>-

fnbe Lähmung, wie sie ein starker elektrischer Strom rerrrrsacht, befällt fie. Tas das ist die Sensation bie Katastrophe . . .), Ter Schwarze (lächelt sein müdes Lächeln, lüftet den Panama und beugt sich über die entsetzt zu ihm ausstarrenden Blauaugen, Flüsternde Pardon» Madame--Ihre Bluse ut baaai pqch<

last zwei «.x.

also, trüge fic den Ring nicht, kein Mem^. - sie überhaupt Der heiratet ist, so mäbchenhatt lieht sie aus in ihrer weichen, rosigen Blondhrit

Frau Toni bat übrigens sehr wohl Zeiten, in benen fie es selbst kaum glaubt. Sie ist nämlich viel allein unb Hat nicht viel zit hm, so kommen beim Stunden, m benen bie Blau- äugen weltentrückt sich weiten und sic in Madchcntraume^ im) einspinnt, wie dereinst . . . Ihre Seele ist bann mtt bet eudge nach unirdisch Schönem und Romantiichem, nach etwas, bas über den Alltag der Münchener Treizimmcrwohnung hinaus, ragt, nach einem ungewöhnlichen Erleben ...

Kommt dann ihr Mann beim, Jo ist seine erste Frage gewiß nach dem Essen. Und sodaim, iiachdem er das Zakett abgelegt hat, zeigt er, wie er geschwitzt ist. Und bann erzählt er etwa, bas; er oen Monilautcrer Wasil in Nieder-Äutichbach verklagen muß, weil der nicht zahlen will, der Lump der! . .

Georg Hollinger ist em echter Münchener - untenept und breitschultrig, und die dicke silberne Uhrkette mit der von Hirschhaken liegt schwer über der prall gcroomten xscue. Er trägt bas Haar ganz kur», mit der Maschine gcidimtten, und wenn er lackt, zeigt er nickt bloß die Zähne, sondern da» ganze Zahnilrisck Er fabriziert Kunstdünger und ist sein eigener Reuen- der. Tas Geschäft übrigens gebt gut, und Frau Tonis Eltern hatten also recht gehabt, als sie damals gesagt, daß der Lckorick Hollinger eine glänzende Partie fei für eine mitteUoie Lehrer^ tocktcr vom Land, und die Toni ist ja and) lehr zutrieben unb glücklicki trotz aller erträumten Sensationen.

Sonntagnackmittag im Braubausgarten^. .

Frau Toni trägt einen glockenförmigen Strohhut mit weitzem Flieder unb eine neue Bluic aus Mouffeline de lainc mit dis­kretem Cberlidit und burfafdicinenbcn blauen Bändcken -ckonck hatte sich fdiredhdi tapfig und ungeduldig angefteUt, als er ihr daheim die Bluse hinten zugemacht: bei jedem Haken und bei jedem Truckknopf batte er sackermentert, baß man zu spät kommen und keinen Platz mehr kriegen würde!) Nun bat man einen sehr schönen Platz sogar und es ist wundervoll unterhaltend: am nämlichen Tisch zcknkeu sich drei ältere Herren über Marokko, die Grundl-Kapelle spielt umschichtig Wagner und Lehär, unb von Zeit zu Zeit prasseln einige ber reifen Kastanien, früditc nieder: bann stürzen sich die Kinder darauf und balgen sich um bie brauitblanfeit Kerne.

Frau Tont <kommt aus bem Lachen gar nicht heran- Es gehört nicht viel: ba»j, sie zu amüsieren. Wae eine der itacheligen

LoderlNicken eines Tetailhmieelsdetnebes b-c Ausnahme bildete, - tzt wob! in allen größeren (*-i(faiftrn di her Mehrheit. Za, man kann vielleicht behaupten, daß bie Groß beimigeidrifte, insbesondere die Warenhäuser, ihren SiegcSzug nickt batten unternehmen können, wenn ihnen nicht das große Heer weiblicher Söldner wohlfeil zur Dcrfagung gestanden hätte.

Ob die ^Betätigung der Frau auf diesem Gebiet und in dreiem Um fern i erwünickst ist ober nickst, erscheint eine müßige Frage, da fie betritt durch daS sait accompli der rohen latiadnn venntnrortet ist ES kann sich also nur nvck darum handeln, Mißstände, welche aus dieser gegebenen Sachlage etwa erwachsen lind, möglichst zn beseitigen.

?(ach einer Erhebung des Kaufmämrisckieii Verbandes für weibliche Angestellte vom Zähre 1906, die sich auf 576 Verkäufe- rinnen erstreckte, hatten besucht die Volksschule 450 (rund 80 Proz die Mittelschule mir 67, die höhere Mädchenschule nur 58.

Um möglichst sofort zu verdienen, ohne erst Kosten für ihre Aii.bildung zu verursachen, haben also jene 80 Prozent den Verkäuferiniienberns ergriffen Tiefer fdieint besonders lodenb : ih r leichteren, angenehmen Arbeit, der freien Abendstunden unb der Möglichkeit baldigen Verdienens bei Verzicht auf eine gründliche Lehre (V* Zahr Lehrzeit hatten 2 Prozent, dis 11 Zahr <30 Prozent, bis 1 Zghr 53 Prozciit.)

So kommt es, daß ein großer Teil der Verkäuferinnen sich aus Bevölkenrngssdrichteii rekrutiert, welckie nicht in der Lage find, die VorbednigiUigen zu erfüllen, die man an den Nachwuchs im Verkäuferinnen beruf stellen muß imb soll. Ties hat sich, ivie mich der Verbcind für we,blickte Angestellte konstatiert, im Laufe der letzten Zahrzehnte durch das Annwchsen der Waren- hmiier mehr und mehr herausgebildet Genriß haben es einzelne -Betriebe verstanden, ihr Lerkäuferiiinenpen'oiuil so auszuwählen, .oaß viele billige Anforderungen erfüllt sind. Gewiß haben auch Verrin- iwtblidrr Handelsangestellter in dieser Hinsicht fegend- rrifa gewirkt aber im großen und ganzen ist da« Niveau, auf jrm die Verkäuferinnen stehen, ein niedriges, allzu niedriges, und uoar ioiuohl nach JVeraitiii>ien mrd Fähigkeiten, als auch noch Lebeussührung der Lebensauffassung.

Tie i^cfckiastsiiihaber klagen seit Zähren darüber, daß die ".'LLdchen selbst bei der Ausfüllung der einfachen Kassenzettel vielfach versagen. Ebenso hat die Aufnahme in den Zwangsfortbildungs- ickvtlen sehr beNrurrlttbe Lilcken im Wissen und Können der jungen Verkäusenn ergeben.

Viele können nur sehr mangelhaft lesen, so daß zum Teil die äfefdxift .unbaber selbst sich für die Einschulung ausgesprochen haben, obwohl ihnen die Sckulpflickit viele Opfer aufcrlcgi. Man hofft auch, durch tnc SckuUptUcku als Abschreckungsmittel für ungeeignete Elemente rin. Aufbesserung des Bcrkäusermnenmateriais zu er- itelen Dttin die ihrer Vorbildung und mangelnden Begabung nodi völlig Ungeeignet en scheuen erfahrmigsgeniäß die wenn and geringen Holten und die geistige Anstrengung so, daß sie sich lieber inhcren, für sie besser geeigneten Berufen zürnenden. Beispiels. n>cifc mußten in Hall'erstadt bei der ersten Aufnahmeprüfung un Apnl 1907 von 82 Pslrchtschülermnen 31 der Vorstufe, d h. ber Klaffe, roeldw zunächst die Lücken ber Volksschulbildung aus- fallen will, iiberroicjen werden. Im Schuljahr 19081909 kamen non 42 Neuaufnahmen nur noch 14 auf die Vorstufe.

Nock schlechter als mit den Fähigkeiten und Kenntnissen ber angehenden Verkäuferin steht eS häufig mit Lebensführung unb Lebensauffassung. Wir wollen nicht von batVerkäuferinnen" ipreck <n welche ein ungebundenes, unmoralisches Leben hübten, obwohl die Zahl dieser Mädchen, besonders in Großstädtat, sicher­et) nickt ganz klein ist. Aber auch bei sehr vielen anberat Mädchen sieht es mit der Lebensführung und Lebensauffassung ffl - mangel hast aus. ___________________________________

Was hat nun bisher die höhere Tochter zurückgehalten, Ver­käuferin zu werden9 Tic Niedrigkeit der Bezüge? Gewiß nicht! Tom der Beruf alS Volksschullehrerin, als Privatlehrerin, Ma lerin, Stickeriii usw., dem so viele Mädchen au5 guter F-amilic sich zuwendai, ist irrt Verhältnis nicht so günstig gestellt, unb erfordert noch lange unbesoldete und zum Teil kostspielige Vor- bcrrihmgdjaljrc.

Nickt so beim Verkäuferinnenberuse! Durch den Einfluß der Warmhäuser erhalten die jungen Mädchen jetzt schon größten teils während der Lehrzeit eine kleine Vergütung. Nach der Statistik des .staufmäimisd>en Verbandes roriblidier Angestellter erhielten von denen, die 1 v bis 'lährige Lehrzeit burfagemadit haben, nur 10 (von 583) keine öergütung, bei einjähriger Lehrzeit betrug bie Vergütung im ersten Halbjahre schon bei 259, im zweiten Halbjahre bei 268 Lehrlingen zwischen 5 bis 25 Mk. monatlich, außerdem batten zivei nur freie Station, unb 6 freie Station mit Vergütung, während eine Verkäuferin ein Lehrgeld zahlte. Bei l1*. bis 2 jähriger Lehrzeit und darüber bleiben bie Zahlen im Verhältnis annähernd gleich.

Im Marz ist fic neunzehn geworden unb habet schon zwei Zähre verheiratet, die kleine triau Hollinger Za x - - " -sch würde glauben, daß

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