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2.3.1911 Zweites Blatt
 
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irnCHM Dr. M. Schulze.Kahleyss, Nervenarzt.

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Im großen Hörsaal der Universität sprach abend Prof. Dr. Dannemannn in der Reihe

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welcher auserlesene Perlen der neuen, allerneuciren ütfe» ratur bringt und mit einem der besten, wahrhaft großen Beethovenschen Streichquartette stimmungsvoll abschließt. Das Rcbnerquartett, welches kürzlich in Berlin und Leip, zig große Triumphe gefeiert hat, bringt von den Modernsten Claude Debussy, denjenigen französischen Kompo­nisten, der augenblicklich am meisten von sich reden macht; 1862 in St. Germain en Laye geboren, studierte Debussy in Paris und erwarb sich 1888 durch eine Kantate den Römer- Preis. Debussy vertritt den fortschrittlichen Geist in bei Komposition und hat gerade mit seinem Streichquartett op. 10 in der allerjüngstcn Zeit Aufsehen erregt. In­teressant ist bei ihm der Versuch, die Harmonie durch be­wußte Einführung böhercr primärer Obertöne zu bereichern. Dvorak, derböhmische Beethoven", ist mit seinem klang­vollen Klavierquintett vertreten; gerade die Kammermusik- literatur ist durch Dvorak sehr gefördert worden, cs sei nur an sein, an nationalen Anklängen reiches Trio Dumcky, an sein Streichquartett in Es-dur erinnert, das vor zwei Jahren uns dieBöhmen" hier vermittelten. Den Be­schluß des Konzertes bildet eines der größten Streich­quartette, die je geschrieben worden sind, op. 132, von Beethoven. Beethoven komponierte das Werk 1825 nach einer überstandenen schweren Erkrankung und hat das Adagio speziell alsheuigen Dant'besang eines Genesenen an die Gottheit" gedacht und ausgeführt. Es würde zu weit führen, eine genaue Analyse dieses grandiosen Werkes zu geben; Musikfreunde seien bei dieser Gelegenheit auf das ausgezeichnete Werk von Theodor H el m^ Beethovens Streichquartette (2. Aufl., Leipzig, bei Siegel) ver­wiesen. Kleine Partituren sind bei Ernst Challier zu haben. Auch sind die Streichquartette in zweihändiger Ausgabe für Klavier bei Littotf erschienen und dadurch zum Selbststudium geeignet.

Kreis Büdingen.

X Nidda, 1. März. Heute wurde hier wieder unter großer Beteiligung von nah und fern ein Alt-Niddaer seit kurzem der vierte zur Erde bestattet, der Maurermeister Friedrich Drott. Der Verstorbene, der zugleich Bauschätzer und Feuerstellenbesichtiger war, führte fein sehr gut gehendes Geschäft bis 1898, wo er es seinem Sohne übergab. Er ge­hörte dem Stadtvorstand, der Kirchengemeinde-Vertretung, dem Turnverein, der Feuerwehr (den beiden letzten als passives Mitglied) an. Ebenso saß er im Vorstand der Gewerbeschule und der BezirkSsparkaffc. Theoretisch und praktisch tüchtig, konnte er von seiner reichen Erfahrung in vieler Hinsicht Rat geben und war deshalb allgemein geehrt und geschätzt. Die verschiedenen Korporationen legten Kränze an seinem Grabe nieder. Ec erreichte ein Alter von über 74 Jahren.

Starkenburg und Rheinhessen.

Offenbach, 1. März. Der Handelskammer ist durch die Kaiser!. Ober-Postdireltion Darmstadt mitgeteilt wor­den, daß das Reichs-Postamt die Errichtung einer Stadt- post an st alt mit unbeschränkten AnnahmebesUgniffen und Telegraphenbetrieb in der Li list raße für das Rechnungs­jahr 1912 genehmigt hat. Hiermit ist den langjährigen Be­mühungen der Handelskammer nach Errichtung einer Post- filiale un westlichen Teile der Stadt entsprochen worden.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 1. März. Am nächsten Samstag und Sonntag begeht die hiesige Freiwillige Feuerwehr die Feier ihres 50jährigen Bestehens durch Kommers, Kirch­gang, Uebuiig, Tafel und Ball. Die Vorbereitungen zu dem am 1., 2. und 3. Juli hier stattfindendcn Athleten- verbandsfest beider Hessen sind von einem ans sämtlichen Vereinen zusammengesetzten Ausschuß in Angriff genoinmen worden. Heute früh zwischen 5 und 6 Uhr richtete hier ein Wirbelsturm mit Hagel schlag an Fensterscheiben und Dächern vielfachen Schaden an.

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bemerkt 'habe, rönnen ttnr um er Berücksichtigung angetnentm Geschäftslage mit den Geschästsergebnisseu im vergangenen Jahre vollständig befriedigt sein.

Ich schließe mit der Versicherung, daß die Leitung des In­stitutes wie bisher auch fernerhin bestrebt sein wird, ihr ganzes Können und Wollen aufzubictcn, die Interessen der Bank stets zu wahren und zu fördern, damit das Jnstiwt immer noch mehr erstarken und sich ausbreiten und segensreich wirken möge zum Wohle unserer Bürgerschaft und zum Rußen unserer ge­liebten Vaterstadt.

Nach kurzer Aussprache hierüber und Erledigung von Anfragen wurde die I a h r e s r e ch n u n g und die B i l a n z genehmigt und dem Vorstand und Äufsichtsrat Ent­lastung erteilt.

Die Verteilung des Reingewinnes von 91519.06 Mk. wird nach den Vorschlägen von Vorstand und Äufsichtsrat in folgender Weise beschlossen: Ueberweisung an den Hauptrcservesonds 9568 Mk., an den Reservefonds II 10 000 Mk. und an den Hausreservcfonds 4000 Mk., 61/2 Proz. Dividende aus 1006 226 Mk. Geschäftsanteilen 65 407.31 Mk. und Vortrag auf die neue Rechnung 2543.75 Mk.

In den Aufsichtsrat wurden wieder- bezw. neugewählt die Herren Louis K a t t r e i n, Herm. E i ch e n a u e r, H. E. Jug Hardt, Wilh. Herbert und Wolf N 01 l.

Das Vorstandsmitglied M 0 e s c r erstattete dann einen Bericht über die tun 13. Mai v. I. vorgenommene Revision der Gewerbebank durch den Verbandsrevisor, der sich sehr anerkennend über die Geschäftsführung usw. ausspruht. Weiter wurde beschlossen, von einer Erhöhung des Höchst­kredits Abstand zu nehmen. Wegen der Erhöhung der auf­zunehmenden fremden Gelder uno der Revision des Statuts soll demnächst eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden.

«anzc Anzahl ötonbmerfcr von dieser Geschäftslosigkeit rechc emp- mdlich berührt werden.

Werfen wir einen Blick auf Unsere geschäftlichen Resultate, ro |cl>en wir zunächst, daß Unser Wechselkonto schon eine Reihe ,on Jahren zurückbleibt nnb im vergangenen Geschäftsjahr eben- chls wieder wesentlich zmückgeblieben ist. Fragen wir nach >cr Ursache, so bemerken wir deutlich, daß die großen Bauwechsel früherer Jahre burd) die darniederliegcnde Konjunktur aus- icfallcir sind.

Wenn wir allerdings den (Geldmarkt im Geschäftsjahr 1910 int demjenigen des vorhergehenden Jahres etwas näher anschen, so dürfen wir doch wohl im allgemeinen eine Besserung konsta­tieren. Bereits am 21. Januar v. I. ermäßigte die Reichsbank 7»en Wechsel - und Lombarddiskont auf 4t/, beziehungsweise auf öV2% und schon am 10. Februar folgte eine weitere Ermäßigung um 16%^ 1

Trotz der ungünstigen Wendung, roeldje der internationale Geldmarkt im März des vorigen Jahres annahm, itxtr es der Reichsbank doch möglich, mit dem Diskontsatz von 40/0 bezw. .5o/o bis Ende September auszukommen. Zum Oktobertermin wuchsen allerdings die Ansprüche, weshalb am 26. September fcrie Erhöhung des Satzes um ein ganzes Prozent erfolgen mußte. Diese Maßnahme begleitete damals der Reichsbankpräsident, «mit einer ernsten Mahnung an die Spekulations-- und Bankwelt, tintb aus dem Umstand, daß bis zum Jahresschluß eine weitere Erhöhung nicht mehr geboten erschien, darf gefolgert werden, daß man allseits bemüht gewesen war, die Kreditbedürfnisse tun» lichst einzuschrä.'cken. Die allerletzten Tage des alten Jahres brachten allerdings Geldsäde. bis zu 7%, doch wurden hiervon mir kleinere Spekulationskreise betroffen, denen offenbar durch das teure Geld die Prolongationen der Engagements erschwert werden sollten. Der Privatdiskont notierte am 31. Deznnber i4°/o, während no chtagS zuvor 41/2 °/o verlangt wurden. In­zwischen hat ja die Reick^bank weitere Ermäßigungen ein treten lassen, und es scheint, wenn nicht besondere Umstände wie Krieg, politische Wirren, Mißernte usw. eintreten, daß unsere wirt­schaftlichen Verhältnisse einer langsamen aber stetigen Besserung entgegen gehen.

Betrachten wir mm die Resultate deö abgelaufenen Gcschäfts- sahrs weiter und sehen uns die Bewegung des Vorschußkontos näher an, so könneu wir hier eine kleine Besserung verzeichnen, denn der Umschlag hat sich um zirka 31 000 Mark vergrößert, aber auch eine weitere Besserung will ich nicht zu bemerken unter­lassen, nämlich die Vorschüsse gegen Verpfändung von Wert­papieren haben recht erheblich zugenommen, aber auch eine Ver­schlechterung wül id) nidjt unerwähnt lassen, es betrifft die Zins­rückstände, welche sich um zirka 11000 Mark vergrößert haben. Immer muß ich ioicber die Gelegenheit benutzen und die betreten­den Müglieder dringend ersuchen, die Zinszahlungen prompter vorzunelMen. Wenn ich aud> entschuldigend zugeben will, daß die allgemein geschäftliclze Depression als veranlassende Ursache in Betracht gezogen werden kann, so müssen wir auf der anderen Seite doch nicht vergessen, daß die Bank iuird) Zinsverlustc ganz erheblich in liaditeil kommt.

Die Außenstände im Kontokorrentverkehr haben sich im ver­gangenem Geschäftsjahr loesentlich gehoben, es sinket dies zunächst seine Begründung im Wachsen des geschäftlichen Verkehrs selbst, aber auch, wie ich vorher bereite bemerkt habe trägt die aus- fteigenbe Jtonjunltur im allgemeinen hierzu bei. Ganz anders hat sich das Gesckjäst rm Kontokorrent B also mit Guthaben int lausenden Geschäftsverkehr vollzogen. Hier haben sich die iGuthabcn zu verkleinern, auch teilweise zurückzunehmen.

scheinen, als ob wir einen enormen Rückgang in diesem Geschäfts­zweig verzeichnen müßten, und doch ist dies in Wirklichkeit nicht so schlimm, baut die Ursachen liegen nicht im Rückgang der gesckjäftlichen Branche, cs kommen hier besondere Umstände in Betracht, welche unsere Kunden teilweise veranlaßt haben, ihre Guthaben zu reklamierest auch teilweise zurückzunehmen.

Das Esfellenloitto weist ivesentliche Veränderung nickst aus; das Wektenkommissiollsgeschäft läßt im großen und ganzen noch erheblich zu wünschen übrig, da viele unserer Müglieder sich immer noch nickst für ihre Gcsckstiste unserer Bank bedienen, vielleickst auch nicht zu wissen sck>emen, daß wir den An- und Verkauf von Wertpapieren an allen Börsen, ebenso wie jedes andere hiesige Baull-aus besorgen. Auch stehen wir unseren Mitgliedern bet Anlagen von Kapitalien mit Rat und Tat zur Seite, stellen aud) bereitwilligst zur Selbstorientierung die bei uns aufliegenden Börsenblätter und Börsennotizcn zur Verfügung. Termin- und Speku 1 ationsgesd)äfic vermitteln wir selbstredend nicht.

Das Jmnwbüienkmsto ist kleiner geworden wie im vorigen Jahr, wir haben inzwischen das Haus in der Ost-Anlage abgestoßen, auch haben wir in der jüngsten Zeit das Haus in der Johannes- straße verkrust, so sdinß für die Zulunst voraussichtlich nur noch unser Bankgeüäude auf diesem Konto zu Buch bleiben wird. Wenn wir die Hausverkäuse auch gerade nicht alS besonders günstig bezeichnen wollen, so haben wir doch die Besricdigung, daß wir einen direkten Kapitalverlust nicht zu verzeickpien haben. Wir haben die Häuser abgeftoben, weil es für ein Kreditinstitut wie das Uusrige nicht ratsam ist, crlieblichen Immobiliarbesitz zu haben, und man sich immer nur zum Erwerb von Häuser dann entsclstießt, wenn es ganz brüigcnbc Umstände bedingen, wie dies hier der Fall gewesen war.

Das Geschäftsanteilüontv hat sich um zirka 30 000 Mk. ge­stärkt, so daß solcl/es am 31. Dez. v. I. einen Bestand von 1045 770 Mk. aufweist, ebenso sind unsere gesamten Reserve­fonds uni 15 000 Mark gewachsen; wenn die heutige General­versammlung die vorgeschlagene Gewinnverteilung genehmigt, so verfügen wir über rund eine halbe Million Reserve, also nahezu 50 Prozent der Mitgliedergtühaben. Es ist ja bekannt, daß, so lange der Reservefonds die Höhe der Mitgliederguthaben nicht erreicht hat, wir gesetzlich gezwungen sind, mindestens 10 Proz. unseres Reingewinnes dem Hauptreservefonds zuzusühren, wie dies ja auch unter 8 50 bezw. § 65 unserer Statuten vor­gesehen ist. Diese Vorsicht ist in früheren Jahren und auch in diesem Jahr bei dem Vorschlag zur Verteilung des Reingewinns vorsorglich eriuogcn und in Berücksichtigung gezogen worden. Durch den immer sich mehrenden Geschäftsverkehr und die hier­durch veranlaßte Steigerung des Geschäftes und Umsatzes ist selbstredend auch die Erhöhung der Betriebsmittel bedingt ge­wesen, und es ist daher für die Sicherheit des Institutes unbedingt geboten, daß die entsprechende Erhöhung der Reserven folgen muß. Nach dem Geiwsseufchaftsgesetz darf der Hauptrescrvesonbs nur int Falle einer Unterbilanz hcrangezogcn werden und hierzu ist die Genehmigung der Generalversammlung erforderlich; cs be­stecht daher zur Vereinfachung und Erleichterung des Geschäfts­verkehrs seit vielen Jahren bei allen Genossenschaften und auch bei der nnfriflen die Einrichtung zur Deckung von cd. cintretenben Verlusten, baß sog Spezialrclcrvcn vorhanbcn sind, z. B. Re- icrvejonbs II (Haus-, Essektenwesen usw.). Zur gedeihlichen Ent­wicklung und zur inneren Stärkung und Sicherheit der Bant ist es dringlich, geboten, die Reserven reichlich zu kotieren, wie dies bei uns auch seit Jahren geschehen, und auch bei dem Vorschlag diesmaliger Gewinnverteilung wieder vorgesehen ist. Selbst wenn die Jahresergebnisse scheinbar die Verteilung einer größeren Dividende rechtfertigen könnten, so würde ich doch bitten, davon abzusehen und die Stärkung der Reserven und Spezialreserven in allererster Lime zu berücksichtigen und nicht eine kleine Erhöhung der Dividende zu beschließen und damit direkt zur Schwächung der sicheren Posüion unserer Bank bei- zutragen. Die Mitglicberbewegung unserer Genosfelischast war im abgelaiifcncn Geschäftsjahr nicht von Belang, wenn auch am Ende des Geschäftsjahres eine kleine Verringerung zu verzeichnen ivar, so ist dies doch recht unwesenllich, deiut freiwillig durch Aufkündigung schieden 74 Mitglieder auv, während 1910 87 Mit­glieder neu zugetreten sind. Der Aussall ist lediglich durch Tob und Ausschluß veranlaßt, es ist daher eine Verminderung des Vertrauens in der Abnahme der Mitglicdcrzahl nicht zu erblicken.

Jcl; habe so ziemlich alle Geschäftszweige berührt und will nur itod) mit wenigen Worten die Resultate unserer diesjährigen iHcdmung Urcifcn, da Sie ja alles Nähere aus dem Gcsdiäits-- bericht ersehen haben werben Der gesamte Umsatz betrug zirka 61400000 Ml', unb bas Gewinn unb Verlustkonto schloß mit einem Reingewinn von 91 519 Mk. ab Wie id) eingangs bereits

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* Für Kau-Gummi gibt die Bevölkerung der Vereinig­ten Staaten jährlich den Betrag von 3 200000 Psund Sterling aus, für die Bekehrung der Hcibcn aber bloß 800 000 Pfund Sterling. Dieses Mißverhältnis veranlaßt die amerikanische Frauenmissious-Gesellschast einen Feldzug gegen bai Gummü Kauen, die wirtlich ekelhafte amerikanische Unsitte zu unternehmen. In allen Bahnlwfshallen der Untergrund- unb Hochbahnen in New York gibt eS Automaten, die den Verlaus von Kaugummi be­treiben, der int allgemesneit ein blühender Hanbelsartilel ist. Ein eigenartiger Anblick gewährt sich einem Neuankömmling in Newyort, der reick)lick) Gelegenheit ha!, in jedem Straßenbahn' wagen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln die ividerlid-cn Gelichtsverzerrmigen zu beobadstcn, die er sich airsangs nicht er­klären kamt. Er nimmt in der Regel an, daß die unglückliche Bevölkerung von Netvyork in großem Maßstab an Gesichtscheuma' tismus leiden muß. Schließlich erfährt er die Wahrheit unb konstatiert mit Verwunderung, daß Männer, Flauen, Kinder, Greise und selbst liebreizende junge Damen dem Laster des Gimtmi kauens lplldigen. Ob btmuiad) die Campagne der Frauen-Missions- Gesellschast voti Erfolg begleitet sein mi.it>, unterliegt großuü Zweifel.________________________________________________

d$rflcm(|U)e Hei:gioiisgejcu|ü}rt|t. Sotterdicnft.

Sabbatfeier am 4. März 1911.

Freitag abend 5.45 Uhr.

Samstag morgen 8.30 Uhr.

Samstag nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbat-Ausgang 7.00 Uhr.

Wochengottesbienst: Morgens 6.45 Uhr, abends 7.00 Uhr.

träge über das hessis che Irren wesen. Einleüend hob er die Schattenseiten eines Arztes, besonders! des Irrenarztes, hervor, beften Wirksamkeit oft mit Mißtrauen aufgefaßt und dessen Person mitunter den heftigsten Angriffen ausgesetzt 'sei. Die Stenntni» über beit Wert ber ärztlichen Tätigkeit müsse darum geweckt werden durch dahingehende Ausstellungen, wie dies bei dem in Berlin ftattgehabtcn internationalen Kongreß versucht worden set, sowie durch passende Vorträge, von denen sich der Redner ge­rade für die Bevölkerung Gießens etwas verspricht, da lyicr in nächster Zeit die neuerbaute 4. Landesirrenanstalt ihrem Zw:ck übergeben werden soll. Der Redner fuhr dann fort: Unsere Zeit zeichnet sich aus in dem Bestreben, aus dem Gefühl der Humanität heraus der öffentlichen Wohlfahrt zu dienen und dem Kranken, die Möglichkeit zu bieten, feine Gesundheit in möglichst kurzer Zeit wieder zu erlangen. Die Kraükenfürsorgegesetze, sowie die dadurch notwendig geworbenen Krankenhäuser unb Heilstätten machen ungezählte Millionen notwendig und erfordern große Zu­schüsse des Staats und Der Gemeinden. Schon hört man die Klagen über angeblich übertriebene Humanität, die aber sofort verstummen müssen, wenn man unicre s-bu<uauninc mit oeucn anderer Länder vergleicht, wo auf Schritt und Trüt Lahme, Krüppel, Sieche unser Mitleid und unsere Barmherzigkeit Hervorrufen, ganz zu schweigen von den vielen andern Wohltaten einer geordneten! Kran c p lege. Dix Ai9prü^;e cjter höheren Kultur unb das füllt .je PsuchtbcwiitzHein decken sich vvllstäuoig mit der Idee des Nutz- lichleitsprinzips. So sind auch in letzterer Zeit in allen Teilen Deutschlands neue Irrenanstalten gebaut worben, und es mutz tnc)c TcOtjödje zu der Frage führen:- Ist die Zahl der geistig Kranken Progressiv höher, als das nach' dem Wachstum der Be- volkcrungsziffer sein dürfte? Die Ansichten ärztlicher Autoritäten sind in der Beantwortung dieser Frage geteilt, aber keineswegs ist die Tatsache erwiesen, daß die steigende Kultur auch eine Zunahme der Geisteskranken bedinge. Vor allem ist auch fest--, zuhallen, daß heutigen Tages viele, die üt früheren Tagen im Hause bchandell wurden, der viel geregelteren und darum vor­zuziehenden Anstaltspflege überwiesen werden, wo bei der aus­gezeichneten Lebensweise und Behandlung so mancher ausgesprochene Blödsinnige eüi hohes Alter erreicht, wodurch das Bedürfnis der Vergrößerung oder Neubauten in erster Linie bedingt ist.

Der Redner geht bann naher auf die Entwicklung der Irren- fürforge in Hessen ein. Die Uranfänge fallen in die Zeit der Reformation. Sie gingen von dem Gedanken aus, sich gegen die Tobsuchtsansälle dieser Kranken zu schützen. Man brachte sie darum in feste Stadttürme oder in Kellergelasse. Etwas später bemerkt man Anlässe zu Hospitälern, vornehmlich an manchen Bischofssitzen. Philipp der Großmütige errichtete im Jahre 1535 aus säkularisierten Klöstern und Pfarrgütern vier Hospitäler: Heina, Merkshausen, Hofheim und Gronau, zwei davon für Männer und zwei für Frauen. Vor Ausbruch des 30 jährigen Krieges zählte man in diesen Anstalten an 1000 Kranke, welche Ziffer durch beit Krieg so herabyebrückt wurde, daß es im Jahre 1640 nur noch zwei waren. Dteser allerdings nur vorübergehende Rückgang mußte eüter später stetigen Steige­rung weichen. An der Spitze stand anfangs ein Hospitalmeister ober Hausverwalter, seit 1821 ein Hospitalarzt. Tie Bemühungen bei medizinischen Fakultät Gießen, hier ein Hospital zu errichten, scheiterten an Geldmangel, denn die im Jahre 1830 dafür vor­gesehenen 80 000 Gulden wurden für Rüstungen, Kasernenbauten und Kanonen ausgegeben. Zn Dem Hospital Hofheim, dessen ältere Bauten 1896 iiicbcigermcn uno durch neue ei jetzt wurden, tarn 1865 die Distalt zu Heppenheim. Auch butd> die Errichtung der psychiatrischeu Klinik in Gießen 1895 konnte keine dauernde Entlastung gesdjassen werden, ebenso durch die Siechenanstalten, die etwa 150 Kranke zu ihren Jitsasscn zählen, die einer Irren­anstalt zuzuweisen sind. So entstanden üt den beiden vorher nicht bedachten Provinzen zwei Irrenanstalten: Alzey und Gießen, wodurch die kostspieligen Krankentransporte mehr oder weniger weasallen. In den vier Hospitälern können 27002800 Kranke QuiQcnontmen werden. In der Förderung der Hilfsschulbewegung sowie durch die Errichtung von Bildungsanstalten für schwachsinnige Kinder bleiben dem Staat noch Zukunftsausgaben zu lösen übrig, deren Verwirklichung mit Kosten verknüpft ist, die sich aber nicht umgehen lassen. Ganz kostenlos für den Staat ist indessen die Ausbreitung deS Interesses, das der Menschenfreund allen den Bestrebungen cntgcgcnbringcn soll, die darauf ausgehen, bas LoS ber geistig Armen zu bessern. Ter Hilfsverein für die Geisteskranken hat sick) das Ziel gesetzt, die aus den Hospitälern Enllassenen, denen es an Barmitteln fehlt, sich eine Existenz zu grünben, zu unterstützen. Er veranlaßt zu buttem Zwecke alliäbrütij Sammlungen, die durch seine Vertrauensmänner (für Gießen Oberbürgermeister Mecum) veranstaltet werden. Den Bewohnern der Stadt Gießen, die durch die Errichtung der 4. Landesirrenanstalt bedeutende Vorteile haben, ist dabei Ge­legenheit geboten, ein guted Werk tatkräftig zu unterstützen. Die Ausführungen deä ReduerS wurden sehr beifällig ausgenommen.

21ns itadt ituO Caitö.

Gießen, 2. März 1911.

** I il Audienz empfangen wurde vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Hauptmann Hachliug von Lanzenauer, Kouipaguiecyef im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116.

Hofpersonallen. Der Großherzog hat den Schloßverwaller Hch. Obst zu Friedberg in den Ruhestand versetzt und den Ober-Hoslakai Gg. Borger zum Schloß- ucrmaUer in Friedberg ernannt.

** Vom K 0 nzer 1 verei » wird uns geschrieben; Die inusiicuijcye Winterjaison wird am kommenden Sonntag mit einem Kammermujikabend bcscylossen irwrden,

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