Ausgabe 
24.6.1911 Zweites Blatt
 
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des Gerichts folgendermaßen begründet: Recht belastend ist für beide Angeklagte, daß die Mitangeklagte isticftod)tcr den Itras- baren Verkehr unumwunden zugibt, ^ie ist aber in ihrer Aus­sage vielfach schwankend gewesen und hat aus Rache und Gehasjig- leit Mzeige erstattet. Sic bat außerdem int ^ahre 1906 als Mutter eines unehelichen Kindes beschworen, daß sie mit keinem anderen Manne als einem Burschen namens F. (also auch nut ihrem Stiesvater nichts geschlechtlich verkehrt habe. Das Gericht ist nicht in, der Lage, aus diese alleinstehende, durch andere Zeugen nicht unterstützte Aussage eine schwerwiegende, auf Zucht­haus lautende Verurteilung zu gründen, so daß beide Angeklagte mangels ausreichenden Beweises f r c l g e s p r o ch e n werden.

Kleine Lageschronik.

In Rannstedt in Thüringen scheuten die Pferde eines Arbeitsfuhrwerks und überrannten drei Kinder der Arbeiterfamilie Jacobi. Das j ü n g st e K i n d wurde getötet, das fünfjährige Töchterchen lebensgefährlich verletzt und das älteste erlitt schwere Beinbrüche ,

In dem von dmi Fürsten Bismarck angelegten Friedrichs­ruhe r T o n w e r k bei Einbeck entstand Feuer, das den größten Teil der Anlagen vernichtete.

Seit Freitag mittag steht die Ortschaft Wardmannv- dor f bei Klagenfurt in Flammen. Die Feuerwehren sind wegen Wassermangels machtlos. Sieben Ge­höfte mit ihren Nebengebäuden sind bereits nieder­geb rannt. Den Besitzern ist alles Vieh und alle son­stige Habe verbrannt. ,

Bei Mecheln ist eine Fähre mit 20 Fahrgästen gesunken. Man spricht von acht Ertrunkenen, doch war eine F e st st e l l u n g bisher unmöglich.

In Salzwedel wurde der Postschaffner Neuling von einem umstürzendcn Postpatetwogen erschlagen. Der Postillon des Wagerrs wurde schwer verletzt.

3n Thorn wurden beim dritten Bataillon des Infanterie- Regiments Nr. 61 jytc Kantinenwirt,, ein Unterzahlmeistrr und ein Unteroffizier verhaftet, weil sie Lieferungen für das Militär zur Seite brachten und veräußerten.

Auf der kanalisierten Odcrstrecke ist das, Wehr bei der N e i s s c m ü n d u n g gebrochen. Das Wasser ist abgeflosscn. Die Odcrschiffahrt ist l a h m g e l c g t.

Die in Tasdorf bei Rüdersdorf wohnende Witwe Geritz, die vormittags zur Ableistung des Ofscnbarungseides vor das Amtsgericht geladen war, brach vor dem Gebäude besinnungs­los zusammen. Si? hatte aus Angst vor dem Eide Lysol getrunken. Sie liegt in ihrer Wohnung bedenklich darnieder.

Vörsen-Wochenbericht.

Frankfurt 'a. M., 23. Juni.

Die Rüstungen zum Quartals- und Semesterschluß lassen erwarten, daß alles glatter geben wird als man befürchtete. In Bankkreisen und bei der Spekulation denkt man über die Geld- rn a r k t s f r a g c ruhiger, nachdem es gelungen ist, neue aus­ländische Gelder für Ultimo heranzuziehen. Das Geld für Börsen- operationen ist durch die Maßregeln der Reichsbank und den privaten Banken doch wesentlich teurer geworden und die Ver­teuerung nahmen auch viele Effektenbesitzer zum Anlaß von Positionslösungen. Dadurch bat der Markt eine gewisse Reini­gung erfahren und da das Privatpublikum wenig Neigung ver­spürt, feinen Besitz aufzugeben, tonnen sich die Kurse ziemlich behaupten. Selbst die teilweise ungünstig lautenden Meldungen aus der Montanindustrie vermochten daran nicht viel zu ändern. Tarin drückt sich das Vertrauen auf die im allgemeinen befriedigende Beschäftigung der heimischen Industrie aus. Ter lebhafte Güteraustaufch ist in dem letzten Ausweis der deutschen Eisenbahnen wieder deutlich zum Ausdruck gekommen, und die Mitteilungen in der letzten Aussichtsratssitzung der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zeigten, daß dies führende Unternehmen der Elektrizitäts-Industrie weiter über einen großen Auftrags­bestand verfügt. Die Ziffern des deutschen Außenhandels be­wegen sich in steigender Lime und aus diesen Merkmalen leitet sich baö Vertrauen auf eine günstige Fortentwicklung der heimischen Wirtschaftslage her. Was besonders die Montanindustrie betrifft, so haben die besseren Nackwichten vom amerikanischenEisen- markt, auf dem jetzt eine Klärung einzutreten scheint, die

Hoffnung gestärkt, daß dadurch auch der heimische Eifcnuiarkt wieder eine Anregung erhalten werde. Nur so erklärt es sich, daß die Zerfahrenheit, die jetzt in der heimischen Montan - industrie herrscht, einen so geringen Eindruck aus die Börse, macht. Nach größeren Schwankungen zeigen M o n t a n p a p i e r e gegen die Vorwoche nur geringe Veränderungen, nur Ncassener Bergbau zogen auf die Fufionsverhandlungen mit Buderus 71 _>°/o an. Guten Widerstand leistete auch der Bankaktien markt, wobei Er­wägungen über die höheren Gewinne mitspielten, die die Banken aus den Zusatzprovisionen für Kontokorrentsorderungen zum Quar- talewechsel ziehen. Auch Wiener Banken unter Führung von Kreditaktien waren begünstigt. Bahnen lagen zum Teil etwas 'chwächer, während Schiffahrtsaktien sich gut behaupteten, ^nter- e begegneten auch wieder Kolonialpapiere, namentlich die Shares der South West Africa Eo die etwa 5p,o anzogen. Fndustriepapiere verkehrten unter Schwankungen in wenig einheitlicher Tendenz. Elektrowerte konnten sich ziemlich be­haupten, nur Brown Boveri gaben 12°/o noch auf den etwas enttäuschenden Tividendcnvorschlag von 7o,o. Die Aktien chemischer Fabriken lagen vorwiegend fest: Holzverkohlung gewannen . 5J4°£, Höchster 6°,o, Wegelin Rußfabriken auf die in Aussicht stehende höhere Dividende 9°/o und Weiler ter Meer 10%. Zellstoft Waldhof verloren 3%. Von Maschinensabrilaktien fliegen Schnell­pressen Frankenthal 4%, Beck & Henkel 41/2%, Armaturen Klein Gi'.oo, während Fahrzeug Eisenach und Metall-Aetzwerke je 4% einbüßten. Einen Kursrückgang von 45% erfuhren die Aktien der Mitteldeutschen Gummiwarensabrik Louis Petrn- auf dm Mel­dung vom Scheitern der Verhandlungen mit der A.-E.-G., sowie auf Gerüchte von neuen Unstimmigkeiten in der Verwaltung und einem zu erwartenden ungünstigen Semestralabschlutz. Priv.- Tiskont 3Vs %.

Märkte.

Gießen, 24. Juni. Marktbericht. Ans heutigem Wocken- marrte kostete: Butter pr. W 1,101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 80 Vfg., Enteneier 1 Stück 8-0 Pfg., Gänseeier 1 Stuck lo bis 00 Pfg., Käse pr. St. 68 Pfg., Käsematte vr. St. 56 Pfg., Tauben pr Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hahnen vr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. St. 1,80-2,20 Mk., Ganse das Pfd. 75-80 Pfg., Ochseiifleiseh pr. Psd. 8694 Pff^ 'Rindfleisch pr. Psnnd 86-90 Pfg., Knhfleisch 70 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfinid 7090 Pfg., Kalbfleisch vr. Psd. 8892 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6088 Pfg., Kartosfeln pr. 100 Kg. 9.00 bis 10.00 Mk., Weißkraut das Stück 30 bis 40 Pfg., Zwiebeln per utr 8,0010,00 Pik., Milch das Liter 20 Pfg., Aepsel per Ztr 20 bis 30 Mk., Nüsse 100 Stück 5060 Pfg., ver Ztr. 000 Pik., Bohnen per Pfd. 00-00 Pfg , Kirschen das Psd. 15-20 Pfg. Marktzeit von 71 Uhr.

Die nach- A sind am Sonntag dem 25. Juni

stehenden <ulü von 12 Uhr mittag.-» bis 12 Lhr nachts nur für dringende Fälle sicher anzntreüen: D

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In der Sommerfrische Scotts Emulfion.

Während der heißen Jahreszeit weiß manche Mntter nicht, was sie ihren Stiemen geben soll, wenn sie zart find und nicht recht gedeihen ,vollen. Solche Mütter dürsten mit Nutzen von den nachstehenden Zeilen Kenntnis nehmen:

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Ich habe meinem Söhnchen Werner vom 7. Monat ab, sobald es zu zahnen anfing, Scotts Emulsion gegeben, und infolgedessen hat es, bevor eS noch ein Jahr alt war, 12 Zähnchen, darunter aiich Backenzähne, spielend leicht bekommen. Auch sonst ist der Junge in dieser Zeit ein ganz anderer Kerl geworden, der fidel und inunter in die Welt guckt. Es ist ein Kind mit starkem Knochenbau unb festem Fleisch. Selbst in der Sommerfrische gebe ich dem Kleinen Seolts Einnlfton weiter, da sie sich beim Milch- wechsel so glänzend bewährt hat. Es wäre das Beste für t sämtliche kleinen Kinder, täglich mit der Milch Seolts Emulsion zu bekommen; den Müttern würden dann viel Sorgen und schlaflose Nächte erspart bleiben."

(gez.) Frau Marie Amandi.

Scotts Emulsion entspricht in jeder Hin­sicht den Anforderungen, die an ein voll­kommenes Stärkungsmittel gestellt werden müssen, denn Scotts Emulsion ist leicht ver­daulich, wohlschmeckend, reich an Nährstoffen siark-bätVifä« und deshalb zu jeder Jahreszeit, auch ganz

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Absolute Feuchtigkeit

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Windstärke

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Wetter

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Niedrigste , 22. , 23.

Niederjchlaq: 2,5 mm.

23.

745,3

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Wir beauftragen Sie, bei Ausbruch von Maul- und Klauen­seuche in Ihrer Gemeinde sofort dem zuständigen Kreisveterinär-» amt telephonisch oder telegraphisch Mitteilung fiter-* von zu machen. t ,

Tas gleiche fiat zu erfolgen, wenn Verdacht auf Maul* und Klauenseuche vorliegt.

Gießen, den 23. Juni 1911.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

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