General-Anzeiger für Vberhefsen
Tie ..Gießener Zainilieadlätter" werden dem .Anzeiger' öiermcil wöchentlich beigelegt. daS „Kreisblalt für 6en Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Nr. H6 Zweites Blatt lös. Jahrgang
“ Gießener Anzeiger
Samstag, 24. Juni M
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität--Buch- und Cteindruckerei.
9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei« Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaklion:«-4SH2. Tel.-^ldr-AnzeigerDießen.
politische Tagesschau.
Niemals zurück.
Deutschland hat, daran ist nicht zu zweifeln, in seinem 11 n t c r r i d) t 5 ro c f e n , auch mit seiner Volksschule, einen ziemlichen Vorsprung vor dem Ausland, einen Borsprung vor allem auch vor seinen zahlreichen wirt schastlichen Konkurrenten '??od) immer kommen von Zeit zu Zeit Schulmänner aus außerdeutschen Ländern, um das deutsche Volksschulwesen an £ rt und Stelle kennen zu lernen.
Diese erfreuliche Wertschäpung der deutschen Volksschule zu erhalten, muß Gegenstand der ernstlichstcn Bemühungen aller bciitfd)cii ttntcrrichtsverwaltungen sein Alle Mittel, die 511 diesem Zwecke ansgegeben werden, sind Aufwendungen im Levensinteresse unseres Volkes, unserer ungeschmälerten nationalen Existenz.
Tie Schulreisen der Ausländer bleiben nicht ohne Erfolg : das fnnn der deutsche Schulmann bet Reisen im Auslande auf Schritt intb Tritt beobachten Tas Ausland ahmt natürlick) nicht kritiklos nackt: es hat es vor allem ans die Verpflanzung der Vorzüge der deutschen Volksschule abgesehen nnb ergänzt und verbindet sie mit dem Guten der heimischen Eigenart. So erklären sick) die in der Tat überraschenden Fortschritte, die das Ausland gerade auf dem Gebiet der Polkssckmle zum Teil in verhältnismäßig kurzer Frist aufzuweisen hat. Mit gutem Grltnde schrieb darum Professor Paulsen, der bei seinem Tode als Praecep- tov Germaniae, als Mahner Deutschlands gefeiert wurde: „Kein Zweifel, daß das deutsche Volk den Vorspruna, den es auf dem Gebiet der Volksbildung durch frühe Durchführung der Sd)ulpflicht und eifrige Fürsorge für die Lehrerbildung gewonnen hatte, nur nut Einsetzung aller Kraft erhalten kann: in Frankreich, in Amerika sind ihm auf diesem Gebiete jetzt Konkurrenten erwachsen, die zu ernstesten Anstrengungen notigen. Tenn das kamt niemand zweifelhaft sein, daß bei dem großen Ringen um Weltstellung und Weltmacht diejenigen Völker am besten bestehen werden, die für tüchtige Erziehung und Bildung der Jugend durch eine leistungsfähige Schule und durch öfoiioiiiiidi und sittlich leistungsfähige Familien am besten sorgen. Denen aber, die da meinen, daß ein festes Staatsregiment am sichersten auf der Unwissenheit der Massen gegründet sei, geben die Sdzicksale eines großen östlichen Reiches eben gegenwärtig eine nicht mißzuverstehende Lehre. Ciit Staat, der vor oer Aufklärung ]id) fürchtet, den wird sie gewiß in der übelsten Form heimjuchen."
Unsere staatlichen und die Gesamtheit der kommunalen Schulverwaltungen, nicht zuletzt aber auch die bei der Gesetzgebung maßgebenden und darum in erster Linie verant- iuorthdjen politischen Parteien werden gut tun, die von Paulsen hier mit Nachdruck empfohlenen ernstlichen Anstrengungen zur Vervolllommnung'unseres Volksschul- und Vollsbildungswesens zu machen.
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Ein Aufruf der Deutschen in Kaffraria.
Taß unsere deutschen Landsleute in Britisch-Südafrika ernsthaft gewillt sind, sick) und ihrem Nachwuchs die deutsche Muttersprache zu bewahren, zeigt ein Aufruf, der, von den Deutschen führenden Persönlichteiten East Londons ausgehend, gegemvärtig unter den Deutschen Kaffrarias zivtu- liert. 3in südafrikanischen Parlament steht, und) den Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland, gegenwärtig die Sprack-enfrage Im Vordergründe des politischen Kampfes. Eine aus den beiden großen Parteien der Nationalisten und llnionijtcn gewählte Sprachenkommission soll prüfen, in welchem Verhältnis in Zukunft die englische und holländische Sprache aus den Schulen der füdafriia- iiischen Union zu einander stehen sollen. Dies gibt den Teutsd)eil East Londons Anlaß, in einer für das Parlament bestimmten Eingabe darauf hinzuweisen, das; das Gebiet Kaffrarias feine Entwickelung in erster Linie der deutschen Einwaiiderung aus Pommern und Uckermark nnb der Ansiedelung der deutsch-englischen Legion verdankt, daß in diesem Gebiet heute nod) in mehr als dreißig von Tcutichen gebauten Kirchen Gottesdienst in deutscher Sprache gehalten wird und daß die deutschen Ansiedler des Landes in Treue und Loyalität keinem britischen Bürger nachstehen. Die Eingabe fordert daher die Anerkeiinung I-cr deut sä; en Sprache als Unterrichtssprache für die Unterstufe der Sdjulen in den deutschen Siebelungen, die heute in Kaffraria jiod) über 1U 000 Seelen umfassen.
von öer Auzstclluna »er Deutschen Lanvwirtichasts- GcseUschast in ttaffel.
th. K asset, 23. Juni..
Gestern, am Eröffnungstage, biiud'ten mehr als 1Ö000 Menschen bie Ausstellung, in welcher mc Preisrichter rang waren, um bie Leistungen 511 werten Auf dem Vorinhrungsrmgc für Pferde trafen mir bie maßgebenden Herren des Gießener Pferde- martiaussdiusses. Es find 500 Pferde ausgestellt, darunter uidie aus allen pferdezüchtenden Gebieten des Reiches, mit Ausnahme ber östlichen preuhiidjen Gebiete, welche der schalt fern geblieben lind Am stärksten find vertreten die Kaltblüter, schwere Arbeits- jchläge. Ten Vogel hat hierbei W:ü'alen mit seinem masienhait guten unb hervorragenden Material abgeicho'ien, bann kommt die Provinz Sachsen upd Rheinlanb. Tas Gr 0 ß h er z 0 3tum N esse n, bas nur 18 Tiere zur Ausnellung geschickt :v:, schnitt bet ber sehr scharscn Konlurrenz immerhin mit Ehren ab.
Zn der Geflügclabteilung finden wir 663 Nummern, darunter vorzügliches nnb zahlreiches Material, beiondcrs in Wassergeflügel. Tie Stauungen für bicc Geflügelabteilung find sehr übersichilich und geräumig hergcstcl'i. Reichhaltig sind vertreten .Hühnerhäuser, Geflügelhofe, fowte Aufzucht und Ma-l- einrichtungen. Glänzend hai F. Sartorius >-ühnc 5-Sttingcn aus gestellt, der in feinen Brutapparaten gestern bereits 900 Kücken ausgebrütet hat. Unter den Gellüge! -Ausilellern mden fiel; Namen von bewährtem Klang. Aus der P.oomz Lberhefien nennen wie nur PH Södler - Nieder-Gemünden, A v v e l Uirich'tein, F i s ch c i - Selters, P 1 ctzfch - und R 0 d e m a r - Lauterbach und Zimmer in amt-Lollar.
Tie Kaninchen- A11 s |t: 1 11 n a har 260 Knnimcin aut zuweifen, lauter hervorragende Tier-. Man sieht auf den eritcn Blick, das; tico r.ier ganz außergewöhnliches Material aus Teuiich land zufaminengeNuü^n hat.
Zntereiwni ur die Ausstellung ber <y 1' di c. .Vier tummeln sich m großen Aquarien Bachforellen ^aus Non'au, Westfalen und Hannover neben den Karpfen und Schleien aus Brandenburg.
Sehr neu ist auch die kleine Abteilung der Hilfsmittel zur Fischund Krebszuchi.
Von. 110 oiisgestelllen Schäferhund e n find 31 zur Polizci- Innidvrüfung angcnieldet. 3n dieser Abteilung bat das Polizeipräsidium seine Rüden, Frack und -Hektor ausgestellt.
Viel des Znteressanlen und Lehrreichen iinbcii die Besucher der Ausstellung in der toificnfdwhliifni Abteilung, die die allgemeine Landesiultur usw. veranschaulicht. .Hier bat das Hess i- i che Ministerium auf breitem Raum Pläne ber Feldbereini- gung in Hessen und Wasserversorgungsanlagen ausgestellt, darunter auch solche, die von der K n l t u r i n s p e k t i 0 n Gießen an gelegt sind: wir finden her u. a. die Wasserversorgung Alsfeld, die EnNrässerung von Leibgestern, Geilshanfen unb die Lumda Regulierung. Zn der Ausstellung des Ministeriums sind vertreten: Arbeiten der Geologischen Landesanstall, die landwirtschaftlichen Wimcrick ulen des Landes und die Wem unb Obstbauschnlc in Oppenheim. Einen breiten Raum nimmt auch die Sammel- Ausstellung der Lan dwirtschaftskammer für das Großherzogtum fceffen ein Sie gibt ein schönes Bild über de» gegenwärtigen Staub der Landivirtichail im Großherzog tum 'Außerdem Hai die Landwirlschaftslammer in einem eigenen Pavillon wundervolle Kirschen und Gemüse, Spargel, Gurken usw. aus den Vororten von Mainz ausgestellt, die besonders bei den Norddeutschen Landwirten Verwunderung erregen.
Ter Glanzpunkt aller Veranstaltungen, das Wett reit en, Eoneurs Hivpiaue ist es amtlich benannt, das der Verband für Reit und Fghrspon in Berlin veranstaltet Hai, mar gestern und heute, wo es zu Ende ging, auf den Tribünen von rund 8000 Personen besucht An ocn einzelnen Wettkämpfen, bei denen bis zu 35 Reiter ritten, nahmen sehr viele Offiziere teil, wobei namentlid; die Militär-Reitschule in Hannover stark vertreten war. Bei dem sportlichen Reiten lauten mehrere Stürze vor, doch wurden mir zwei Reiter leicht verletzt.
nationaler Deutscher Rundflug.
Stiel, 23. Zuui. König ist mit Passagier um 5,19 Uhr aufgesliegen. Zn Lübeck sind gelandet: 1,57 Uhr Buechner (5,25 11 Lr nach Lüneburg tocitergcflogen 1, 5 Uhr Lindpa 1 nt - n e r 5,15 Uhr weilcrgeilogen . 5,27 Uhr Boltm 0 eller 5,52 Uhr iveitcrgrilogcn , 5,47 Uhr Thelen 6,16 Uhr weitergeflogen , Schauen b ur g ist wegen Motorschwierigkciten bei Trcntwiftcn, 23 Kilometer von Kiel nicbcrgcgangcn und glatt gelandet. R eich ardt ist wegen Motorschadens um 4,40 Uhr bei Bosau gc landet Zn Lüneburg sind angetoinmeii L i n d v a i u l u e r 6,10 Uhr, Buechner 3,16 Uhr und V 0 llm 0 eller 6,50 Uhr.
-<t i c l, 23. Juni Preisverteilung des Wettbewerbes der internationalen Filmwoche Kiel. Hirth erhielt drei Höhen preise, zusammen 750 '.Vif., den Stafcttenprciö von 4500 Ml- den Ehrenpreis oes Staatssekretärs v. Tirpitz, den großen Preis von Kiel in Höhe von 10 000 Mk., den Ziisatzpreis des Knegs- miiiifteriumd von 3000 Mk., außerdem einen Hohenvreis von 2000 Mk., zusammen 20500 Mk. Stba 11 errang zwei Früh- preife von 500 Mk. für einen guten Gleitstug 500 Mk., einen Höhenpreis von 250 Mk, sowie den zweiten großen Preis von Kiel von 5000 Mk, zusammen 6250 Mk Thelen erhielt insgesamt 1250 Mk, Leutnant Z a 1) n 0 iv 2500 AU , Schauenburg 2500 Mk., Goring 3650 Mk., Röver 2250 Mk.. barurtlcr den vierten großen Preis von Kiel in Höhe von 1000 Mark, N ölte erhielt 1500 Mk, Treitschke 2500 Mk., L ö w 1000 Mk. unb Wicnczier 2 3000 Mk.
Lübeck, 23. Zum. Wienczicrs ist 6.43 Uhr abends hier gelandet, wobei sein Apparat so schwer beschädigt wurde, das; er heute den Flug nicht mehr wird forticeen können. K önlg, ber bvei 3miidiciiianöiingeit machen mußte, ist 7.19 Uhr mit Passagier nach Lüneburg abgeilogen. Reichardt, der eine Zwischenlandung unternommen hatte und nachmittags wieder ausgesticgen war, mußte nadi kurzent Flug wegen Molar- idiroicrigleiten in einer Waldlichtung wieder niedergehen, wobei sein Motor beschädigt wurde.
Staöt siiio ttanO.
Gießen, 24. Juni 1911.
" Tie Linde blüht! Früher als sonst hat sich die Lindenblüte entfaltet. Ci", ist einer der letzten der bei uns blühenden Bäume. Von den beiden heimischen Vlrtcn macht gegenwärtig die brcüblöttcrigc Sommerlinde sich durch den Wohlgeruch ber Blüten angenehm bemerkbar. Kurze Zeit später folgt dann die ricinblättcrißc Winterlinde.
" Kunstverein. Tie Ha bl il - K ollckti an 1111b bie Gemälden von Teivcs, Brokhuscn, Schrener, Felber unb anderen bleiben nur noch acht Tage, cinfchließlich zweier Sonntage, ausgestellt. Vertäust würben Werke von Heroux, Proch nnb Wonbra, bie in hiesigen Privatbesitz übergehen.
•• Erfinder. Man schreibt nns: Heute obenb findet im ,Schipka-Paß' eine Erfinder - Bersaminlnng statt, nm bie Interessen bei Modellbau, Anmeldung und Ver- wcihingen gemeinschaftlich zu vertreten. In Frankfurt a. M. haben sich die Erfinder zusammengeschlosfen, unb ben Gr* finbern hiesiger Gcgenb fall Gelegenheit geboten werben, bie Zwecke nnb Ziele ber Vereinigung näher kennen zu lernen.
Kreis Büdingen.
X Kohden, 23. Juni. Unsere neue Wasserleitung ist nahezu fcrliggel'teÜt. DaS Wasser kommt von bem östlich gelegenen Höhenzug, von bem auch Unter-Schn.itlen sein Wasier bezieht, wird unter ber Nibda her bis zur Kreisstraße Schotten—Nibba geführt, unter beren Fußsteig bie Rohrlecki-ng läuft. Ter Wasicrbehälter befinbet sich oberhalb bcs Torfes. Tic Lcitiing ist besonbcrs ein Segen für den am Berg gelegenen Teil beS Dorfes, der fein Wasser von ben int Tal gelegenen Brunnen holen muß, waS besonders im Winter eine beschwerliche unb gefährliche Arbeit ist. Wenn gar Feuer ansbricht, so ist für diese Leute kein Rat. Aber auch die im unteren Teil des Torfes Wohnenden werben bald einsehen, welch ein Segen eine Wasserleitung ist; beim baS sicht überall, wo eine Wasserleitung beschafft ist, fest: Tie Gcmcinben würben sie nie wicbcr ^ergeben.
Kreis Friedberg.
B Fricdbe^
hier stattiindendeu V e r r r e 1 e r c 2 g des H a i i i a v e r b a n d e s -
cn-j den Friedberger G -ckuchiSbläticri tt rann alt ei: Trehe., Kriegsjal-t !>»>, mr öe anderer Berückiichngung d.r Ereignisst
haben dic ,vricoorrg^K Kr .g ive-. r.nc üci.id)nn i-^.ausgrgK.u. ksii dem ersten TKu, ü.. mit 3?i.ui.-;d)€n Anstchten van Alh und Ncu-Friedbetg ausgeimi.Kcn Brafdmrc gibt Lbei ehret F. Trc'er eine tur;c Gefchichi. unb Beschreibung von Friedoerg, während Buchhändler C. ^errba in der zweiten Hälfte 01 Oeitfjwite des
Veteranen und Militätoppeins Friedberg bcbanbcli Heute morgen hat das P 1 erd des Päästers Müller vrnt Löwenlwk iemen Knifcherangefallen und ins Geiick'k gebiifcn. Ter Kuticher mürbe so stark verlest, daß ihm die Nase Kennen unb bie Ober
aus Koblenz madit seit gestern in 11 nlerer legend mit einem Feiiel- hallon Versuche in ber brahtioien Telegraphie. Mit Koblenz, Karlsruhe, Habamar, Naucn unb Pans Giiclturm• ivurbcn Verbindungen bcrgestetti V'n dem Publikum werden die Hebungen mit großem Znicreisc vcriolgi Morgen werden im Kreise Büdingen n eitere Versuche genmcku
x B a d-N au heim, 23. Juni. Die Errichtung eines weiteren neuen V 0 lkSschrilge bäudcS ist eine Frage, die schon in nächster Zukunft bie Stadtverorbneten beschäftigen wirb. Tie vor 10 Jahren gebaute stattliche 16klassigc Stabt* schule kann bereits nicht mehr alle Klaffen aufnehmen; einige sind bereits fetzt schon in der Ernst*Lubwig*Schule unter- gebracht, die aber ihre Räume selbst bald benötigt.
— Bad* Rau heim, 23. Juni. Der englische Krönung Stag, zu bem die Vorbereitungen von der Babe* nnb Kurverwaltung mit einem von beit zahlreichen englischen Kurgästen gewählten Festkomitee, an besten Spitze Lord- Abntiral Fisher, der bekannte Londoner Vlrzt Sw Lander Brnnton, Mr. Kuatchbull-Hnggesten, G. L. Eambell standen, nahm einen glänzenden Verlaus. Am Nachmittag fand auf dein Golfplatz, ber sich zum stark besuchten Festplatz gestaltete, unter dem Schatten beS FranenwalbeS ein 5 Uhr-Tee mit Militärkonzert statt. Hieran schloß sich baS Festesten auf der Terrasse, bet bem bie Kurkapellc unb baS MusilkorpS der Darmstädter Artillerie spielten. Tie Festrede auf baö englische KönigSpaar hielt Sir Lander Brnnton; Air. Ca mbeli brachte bas Hoch auf Kaiser unb Großherzog aus. Im Namen der staatlichen Behörben sprachen Knrbirektor Oberst von Franken berg unb Geh. Banrat Dr. Es er. Zu gleicher Zeit sanb im neuen Konzertsaale ein außerordentlich Ilark besuchter Blumenball statt, während Park und Ter- raste bei Eintritt ber Dnnkelheit im feenhaften Märchenzauber der italienischen Nacht erglänzten.
Starkenburg und Nhcinhessen.
m. OffenbaLh, 23. Juni. Tic Polizei verhaftete ben 18jährigen BuchhanblungSgehilfen Josef Merkel auS Koburg, der seit einiger Zeit in einem hiesigen Geschäft m Stellung war. Merkel soll in ber Hofbuchhandlung von Brückner & Nenner tu Meiningen, wo er früher tätig war, Briefmarken im Weck von über 250 Mk. gestohlen haben, bie er bann vcränßerte. Außerdem hat ec in seiner hiesigen Stellung sich noch weitere Veruntreuungen zu schulden lommen lassen.
w. Jugenheim a. b. B., 23. Juni. In ber Babeanlage des Gartens ertrank baS breijährigc Kinb beS Bilbhaiiers Dr. Daniel Greiner.
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Gicßcucr Strafkammer.
X Gießen, 23. Zuni. Eine Herausforocmng ;^m Zweikampf.
Ter einer hiesigen Siudentci,Verbindung angehörende StuDcnr <i. A. aus Frankfurt a. M hatte sich verpflichtet gefühlt, einra ihm bekannten jungen Tarne öavon Mitteilung zu madKit, daß sich ein junger Kaufmann abfällig über sie geäußert habe. Ter Kaufmann, der ebenfalls ein Semester studiert hatte, erfuhr davon und crtlärtc in einer Öen Studenten verletzenden Weise, daß er tiefen iorbern werde. Ter Student jber kam ihm ;uvor uno ließ ihm durch den ihm befreundeten Studenten K. Z. aus Köln eine Forderung auf schwere Säbel überbringen. Inzwischen aber hatte der Kaufmann erfahren, daß der Student ein guter Fechter fei, und lehnte die Forderung ab: außerdem entattete er Anzeige. A. wurde wegen .Herauswrdcrung zum Zweikampf nnb Z. wegen Kartclltragcns zu ie einem Tag F c Ü u n g s h a s t verurteilt. Eine Partie nm preußischen Buß- und Be11n
Am vrcußischen Buß- und Bettag machicn zehn Mitglieder eilte» Vereins in Griesheim a M. einen Ausflug 11 ad) Okarben. Tort befudjtett sie die fämilichen neben Wirtfchaiien und ge- iaitgtcit in sehr animierter Stimmung auf den dortigen Bahnhof/ um mit dem Abendzug die Heimreise über Frankfurt a. M. an- zutreteu. Hierbei ging cs lehr laut zu. Ohne irgendwelche Veranlafiung wurde der etwas beleibte Vorsteher der Haltestelle mit „Frcßfovv" und „Saufovv" tituliert. Tcc Bahnstcigfchastner wurde als „2 Mk. 50 Pfg Beamter" Der höhnt. Tic Beamten aber taten als ob i'ie die Beleidigungen nidit hörten Nachdem die Fahrkarten gelöst waren, begaben iidi die Ausflügler in die nab. gelegene Wirtschaft zurück. Inzwischen nahte der Zug heran und die Schranken wurden vorfchriflsmäßig geschlosfcn Tic Aus* flugkr glaubten nun, ne feien mit Absicht ausgesperrt morbert nnf einer von ihnen rief: Ieyl kriegt er feine Prügels Ein Teil von unten drang aui den Bahnsteig ein. Mit Stocken und abjerii'tmen Latten ichlng man den öienfttuenbcn Beamten liier r und richtete ihn derart zu, bah er möglicher Weise dauernde Nachteile an seiner Gesundheit erlitten hot Erst als ber Bahn- steigschaf'uer, der durck; ein Fenster geflüchtet war, Hilfe herbei* rief, nahm oie Mißhandlung cm Ende. Gegen vier der An* grc. r hat das Schöffengericht zu Vilbel recht empfindlich. Strafen verhängt Zn der heutigen BeruiungSverdandlung wurde der Aus* laufet G. D. unb der schlöffet G. W. zu je drei Monaten Gefängnis - öer criniiitan$lidKn Strafe — wieöet oer» urteilt, während die Strafe öer vciden Houptbenii gtcn, des Drehers H O. auf acht Monate Gefä 11 gnis und die oes Drehers Z. M. auf neun Monate Gefängnis erhöht wurde.
Ein Zugenölicher.
Ter Schüler W. N. ans Fritdberg ist in eine Dortige Gerberei eingcnicgcn unb hat ;we SviritnSilaidicn emivenbet, die er für 30 Pfg. d er raufte. Ter Erlös icurbc in Schokolade umgefeftt. Tie Tat stellt sich als G.nbruchsbicbstahl öar. Tas Urteil lautet auf zwei Tage Gefängnis.
Ungetreu e£ Ar bei ler.
Ter Arbeftcr W. B von Sacfcn erhielt im Zaiiuat l. Z. von einyn Monteur Öelölctiage von 3.85 Mk nnb 3 60 Mk - um Waten in Hungen zu tauten. Er verbrauchte aber das Gelb für iid) unb fälschte Oie Ciuttung auf Den bciben Lieferscheinen. Er erhält wegen Unterschlagung unb Urkundenfälschung eine Woche Gefängnis.
Unter Ausschluß der L c si c n tl i chrc i wurde öiciaui gegen oen Taglöhner G. L. vo" Nicoer-Äoclen und dcßcn Siiefiochter Luiie, nunmctji •jercltclid':' W. von ca verhandelt. L. ift befmulöigl, als Pilegepaici. iahrelang mit iciner Siiefiochter blut'ckwnberstdien Vcrlehr ünterhalun --u haben. Nach Wiederherstellung bet Oestentlichkeit wurde bas Erkenntnis


