Ausgabe 
18.3.1911 Fünftes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 66

9T5a. Normann (23p.):

Tie gegenwärtige Aufsicht g- h auf Verbesterungsvorschlai

Sie

An einem kleinen

auj Bänken ii&atb, die rings an Lehrer und £cbrcruuien mitten unter tonen.

in der Mitte sitzt ein brr bae>

Photographische Aufnahmen des Meeres^ bodensvomBallonaus. Ein niederländisch-indisches Blatt, derJavabote", beschrieb kürzlich cine/von dem BallonBatavia" an der Küste des Javameeres und entlang den Mündungen der sich darin ergießendem Flüsse gemachten Fahrt, bei der man vom Ballon aus dura> das Wasser eine genaue Ausnahme der Besessen­heit des Meeresbodens mit seinen Erhöhungen und Tiesen, Klippen usw. nyad/ert konnte. Es war, als ob die Lustschijser eine Karte des Meeresbodens vor oder vielmehr unter sich ausgebreitet ge­sehen hätten. Eilt indisd-er Marineossizier hat nun in einer Schrift aus diesen Umstand ausmerksam gemacht und die Regierung aus- gesordert, diese Erfahrung für die Untersuchung des Fahrwassers Cer indischen Meere auszunützen, die bis jetzt noch in sehr un­genügender Weise untersucht seien; denn abgesehen davon, daß mit dieser Methode viel Zeit, Geld und Mühe erspart werden könne, oürse man, wie kaum naher ausgeführt zu werden braucht, auch auf eine größere Sicherheit und Zuverläisigkeit der Ergebnisse der Tief­seeforschung rechnen. Dieser Gedanke scheint an maßgebender stelle aus empfänglichen Boden gefallen zu sein: das inoische Marinedevartement hat beschlossen, mit einem solchenBallon schiss" einen Versuch) zu machen oder wenigstens die vorbereitenden Schritte dasür zu tun.

Herr Otto selbst hat seinen Platz so gewählt, daß er alle übersehen kann. Er leitet die Versammlung in parlamentarischer Form, uni) jeder kann sich zum Worte melden und darf reden, was und wie er will. Zunächst wurden einige Mitteilungen über den Stundenplan gemacht und ein Gesetzentwurf erwähnt, den eine Kommission der ScfFler festgestellt hatte. Derselbe soll hekto- graphiert und vor der Abstimmung jedem Stimmberechtigten in Die Hand gegeben werden. Ein etwa achtjäl-riger Junge fragt, was Hektographieren bedeute. .Herr Otto erklärt das Wort sprachlich (Griechisch gehört zu den Unterrichtsfächern der Schule) und er­örtert kurz und anschaulich) das Verfahren. Ein anderer Schüler wünscht die Abgabe von 5 Quadratmeter Gartenland zum Bau einer Burg. Nachdem der Fehler, den er im Gebrauch des Flächen­maßes gemacht hat (er meiitt ein Stück von 5 Meter im Quadrat, also 25 Quadratmeter), flargeftcllt worden, wird ihm aufgegeben, eine Kartenskizze zu machen und seine Wünsche dann befrimmter vorzutragen. Ein etwa zehnjähriges Mädchen bringt den Prozeß Herber ich zur Sprache, der in jenen Tagen gerade durch die Zei­tungen lief. An die,es traurige Sittengemälde knüpfen sich eine Anzahl Fragen der Kinder, die von Herrn Otto beantwortet werden, und der Tatt und der sittliche Emft, die bei der Erörterung zutage traten, zeigen deutlich den erziehlick-en Einfluß aus die Jugend, Den auch ein Gespräch über ein so heikles Thema haben kann.

Eine andere aus der Mitte der Schülerschar gestellte Frage betraf einen Streik von Eisenbahnbeamten in Rußland. Mit wenig Worten wird erklärt, wie ein Streik der tedjniidjen Be­amten den Verkehr vollständig hemmen muß; ein Lokomotiv­führer z. B. muß seine Strecke genau kennen und kann nickt ohne weiteres durck) einen anberen ersetzt werden, wie an dem Beispiel eines nahegelegenen Bahnüberganges praktisch erläutert wird.

scheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag«.

Die^letzener ZamlUendlätter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgelegt, da« '.Krdiblatt für den Krell «ietzeo" zweimal wöchentlich. Tie ..randwirlfchastllche. Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Denn man Jahr für Jahr von sozialdemokratischer Seite solche Einzel heilen aufbauscht, dann kann man die Erregung De« RegierungSvertrcterS verstehen. DaS Plenum des Reichstages ist wohl nicht das geeignete Forum, das für eine erhöhte S'cherbeu auf See Sorge tragen kann. DaS SchttsahrtSamt in England bat sich nicht so bewährt, wie immer behauptet wird. Was ml- man im Ausland darüber denken, wenn hier immer gegen unsi.e Schiffahrt so geredet wird. Wenn wir alle über dreißig vabre alten Schiffe auö unserer Handelsmarine entfernen wollten, würde eine große Lücke entstehen. Tie gegenwärtige Aufficht ge­nügt. Wir haben bisher vergeblich auf Verbefferungsvorschlage der Sozialdemokraten gewartet.

Samstag, 18. März (9U

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität« - Buch- und Steindruckerei.

9t Lange. Gießen.

Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul- straße 7. Exoedinon und Vertag: ^M dl. Rd)artion;e^U2. TeU-Adr^ AnzeigerGießen.

Gesetzeskraft verleihen.

Tic zwanglose Form, in der aller Unterricht erteilt wird, bedingt natürlich einen anderen Verlauf der UnlerrtdstSstunDen, c-ls wir ihn sonst gewöhnt sind. Aber was ick) z. B. in einer Uitter- rich'sslunde über Einführung in die Grundbegriffe der Trigono­metrie gehört habe, ivar vom methodisck^n Standpunkt aus tiicht nur eintvaiidsrei, jonderri geradezu vorzüglich.

DaS Interessanteste in der^öauslehrersckmle ist der Gesamt- aiitcrridit, der täglich in einer Stunde erteilt wird.

linier Gesamtunterricht versteht Berthold. Otto eine zwanglose Unterhaltung zwischen dem Lehrer und den .2d)ulern, in der alle» -loglicke beivrodx'it wird, tvas die letzteren durch ihre prägen anregen, und es war für mich.eine der intereiianteften^tuöien, die un in meinem an paDagogticken Erfahrungen

Leben gemacht habe, als ich vor kurzem einer solchen Geiaml- unicrriiL)t6fiiuti)e beiwohnen konnte. ... - .

In einem mäßig großeti Doppelzimmer waren etwa .unfjig Knaben und Mädd,en vorscksiedenen Otters versammelt, zwanglos

Aus Serthol» Ottos hauslehrerschule.

Direktor Tr. P a b st iu Leipzig gibt in der Illustrierten Zei­tung folgende anschauliche Schilderung des -Lchulbetnebes bei Berthold Otto:

Berthold Otto ist pädagogischen Kreisen als der Herausgeber desHauslehrer" bekannt, einerWock?enschrist rur ben gelingen Verkehr mit Kindern". Tie imHaustetirer" mid in seinen son- fngeu Sckfristen vertretenen Reformidcen Ottos finden chre ^5er- fuuilid)ung in der von ilnn geleiteten Häuslein: ersctsule in Groß- licksterfetde. Sie hat sich in den letzten Jahren so rasch vergrößert, daß sie vor kurzem in ein eigenes Heim überitcbeln konnte, da» in einer freundlick-en Billensttaße gelegen unb von einem Oartcn mit Spielplätzen umgeben ist. Tort werden die Knaben und 5Dläbcl;en, Die der Schule angehören, gemeiniam unterrichtet, nicht in Klassen, die nach Alter und Leistungen itreng abgeteilt find, fonbern in Abteilungen, die fich die Smuler feibst wählen, yn bet Blathematit z. B. kann der eine in die oberste Abteilung ge­hören unD in irgendeinem anderen Fache in die unterste; er kann sich auch die Fächer wählen, an denen er teilnehmen will, unb wenn es ihm nicht mehr gefällt, kann er wieder ausfck>eiden. ^ru® hingen, die bestimmte Bereckstignngen gewähren, werden in der fcaiivleljreridmle grundsätzlich nicht gemacht. Ebenfoioeuig werden bäufilide Arbeiten verlangt. Ob die Schüler solche anfertigen wollen, ist ganz in ihr Belieben gestellt. Strafen kommen in der Sck/Ule so gut wie gar nicht vor; disziplinarische Einrichtungen ickrajsen sich Die Schüler gelegentlich selbftt iitdem fte einige 1-ara- o.iapbeu über das aus setzen, was in der ^xhule verboten und was c.laubt ist, und durch gemeinsame Abstimmung dtefen Sätzen

und jeder weiß in einer dem Zuhörer verständlickßm unb mtereffan* ten Weise bavon zu sprechen. Mir siel babei eine Erzählung ein, Die Rubols Hildebrand, der berühmte Germanist, aus seiner Lehrer­zeit am Leipziger Tlwmasghmnasium mitgeteilt hat. In einer Unterrichtsstunde war von den Ohren des Haien gesprochen worden. Da erhob sich ein Försterssohn unb berichtigte, baß der Hase keine Ohren, sondern Löfsel habe. Dies war für Hildebrand eine will­kommene Gelegenheit, ben Jungen zum Reden zu bringen, der nun von Wald und Wild und Wcidmamisbrauch vielerlei zu erzählen wußte, was von seinen Klassengenossen mit offenen Augen und Ohren verschlungen wurde. So ging die Stunde hin, ohne baß bas vorgeschriebene Pensum erledigt worden wäre. Aber Rudolf Hildebrand m.n.tt, daß die Jungen in dieser Stunde vielleicht mehr gelernt hätten als in vielen anderen Stunden, in denen da» Pensum pfiickstgemäß abgebafpclt wurde. Diese Aeußeruna möchte ich aus den Gesamtunterricht Berthold Ottos anwenden. Man muß ihn sreilick) aus eigener Anschauung gesehen haben, wenn man sich das richtige Bild davon machen roill. Auch wird es nicht jebem Lehrer gelingen, solche Unterrichtsstunden abzuhalten^ aber jeder sollte es wenigstens einmal versuchen, wenn er seine Schule zu einer Schule machen wjll, in der das alte Wort gilt: Non idiolae, sed vitae nicht der Schule, sondern dem Leben unb aus dem Leben müssen wir lernen. Das ist ein alter, aber leider immer noch viel zu wenig beachteter Kernsatz pädagogischer Weis­heit!

fünftes Blatt 161. Jahrgang ,

Giehener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gderhessen

Vizepräsident Dr. Schultz:

Sie dürfen keinem Redner Unsinn vorwerfen.

Abg. Schwartz-Lübeck (Soz.):

ES kommt für den Verlust eine« Schiffe? nicht offejn da? offfer eines Schiffes in Betracht, sondern vor allem die Besatzung. Die Besatzung ist meist zu schwach unb oft minderwertig »egen der geringen Löhnung.

Abg. Kirsch (Zenlr.)S

Alle?, was hier vorgebracht wurde, genügt nicht zu der Be- bauvlung. daß die Sloman-Dampfer seeuntüchtig sind. D>e Unter­suchungen über die letzten Unfälle sind noch nicht abgeschlossen Man kann also fein endgültiges Urteil fallen Jedenfalls aber ist der Beweis nicht erbracht, daß die Kontrolle der SeeberufS- genostenfchaft mangelhaft ist.

2Tbg. Heckscher (Vp.)k

Die Vorwürfe gegen die Sloman-Linie sind nicht berechtigt. Allerdings steht die Reederei in dem begründete Stufe, bet« tue. gaben für die Schiffe und ihre Ausrüstung ub-rauS ängstlich zu fein. Daran mag der Verwalter der Reeder« em pcrutfelteß Maß von Schuld tragen. So sind di- schwer krank-nder. Angriffe entstanden. Es wäre aber zweckmäßiger unb verständiger gewesen. Darauf zu warten, biS bas staatlich eingesetzte unabhängige Gericht entschieden bat. JebensallS wäre es fluchwürdig, wenn eine Reederei absichtlich seeuntüchtige Schiffe hinaussch'cken wurde Ich könnte mir nichts Niedrigeres und Gemeineres denken! (Bestall.) Ter Redner nimmt den Führer der Seeberufögenostenschaft gegen sozialdemokratische Angriffe in Schuh. ES mutz doch tiefen Ein­druck machen, baß selbst ein so unabhängiger Mann, wie Direktor Joucquiöres, als Vertreter deS ReichSamtS des Innern, sich gegen die staatliche Kontrolle und für die Seeberufsgenosten- schäft auSfpricht.

Abg. Naab sWirtscki. Vg.)r

ES ist unrecht, wenn man hier die Zufriedenheit mit der Tätigkeit der Seeberufsgenostenschaft öffentlich ausspricht. Da- mit unterdrückt man ihren Eifer, die Verhältnisse zu besiern. In der Ueberwachung bet Schiffahrt kann unb muß mehr ge- schehen. Der Webner forbert ein ReichSschiffahrtSamt.

Abg. Molkcnbuhr (Soz.):

Die Art, wie der Regierungsvertreter gegen meinen Freund Metzger polemisiert hat, ist glücklicherweise hier nicht üblich. Sie läßt sich nur durch seine Erregung entschuldigen. Wenn er aber keine besseren Argumente hat, als die, daß das Wasier keine Balken habe, so muß es um seine Position schlecht bestellt sein. Unsere Anklagen richten sich nicht gegen die Seeberufsgenossen, schäft, sondern gegen die Untätigkeit bet verbündeten Regie­rungen, Die sich um die Verhütung von Seeuniällen au wenig kümmern.

Abg. Seniler (Natl.):

Ick) bin entschieden gegen jedes VertuschungSsbüem. B^e -t also nur das UcberwachungSsystem. Aber ich kann nicht einwgen. warum wir die staatliche Ueberwachung brauchen. Wir wnn«. stolz Darauf sein, wie unsere SeeberufSgenosten,cbast ihre PsUch» erfüllt, und haben keinen Grund, daran etwas zu ändern, .ter Redner verliest aus einer englischen Zeitung eine -ul10£ Slritif über die Seeberufsgenossenschaft. (Pi;epra,ibent L ch u I tz unterbricht die Verlesung mit der Bemerkung, daß hier nur deutsch gesprochen werden darf. Heiterkeit.) Ich bitte Da? Reichkamt dringend, unS unsere gute Sclbstverlvaltung zu lässt

BeimStatistischen Amt" spricht

Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.)'

für ein besseres Zusammenarbeiten des ReichSsiatisti schon Am^ mit den Statistischen Aemtern der Einzelstaaten. DaS wird auch zu einer wesentlichen Vereinfachung der Statistik führen. Heute werden Arbeiten in ben LanDeSstatistischen Aemtern erledigt unb bann noch einmal im Reichsstatistischen Amt. Diese doppelte Arbeit könnte wirklich gespart werben.

Es werden oft geradezu Toktorsragen an die Interessenten gerichtet. Der Redner führt Beispiele an aus den Fragebogen über die Lage des Müllereigewerbes. Ich verkenne Den Wert bet Statistik in keiner Weise. Aber in der Beschränkung zeigt sich auch hier der Meister.

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Wir werden uns bemühen, den Anregungen des Vorredners zu entsprechen. Ter Vorredner aber hat unrecht, wenn er von einer doppelten Arbeit des Reichs unb der Einzelstaaten gesprochen hat. Die Arbeit wird nur einmal geleistet, unb diese andere Be­hörde übernimmt nur die Ergebnisse, die ihr zu Veröffent. lichungen geeignet erscheinen.

Abg. Dr. Rocsicke (Kons.):

Ich möchte Vorschlägen, die statistischen Arbeiten noch zu bet- mehren und zwar durch Aufstellung einer industriellen Pro. duktionsstatistik, damit den falschen Angaben in den Flug­blättern des HansabundeS entgegengetreten werden kann. Dr. Stresemann hat sich schon mit der Frage beschäftigt, aber mit einem erstaunlichen Mangel an Sachkenntnis, Ich kann cS nicht glauben, baß die deutsche Industrie so kleinlich ist, daß sie nicht eine wahre und objektive ProduktwnSstatistik wünscht. Wird das aber so ehrlich wie bei der Landwirtschaft durch­geführt. bann wird fick zeigen, datz die Landwirtschaft die meisten Werte produziert. (Beifall rechts.)

Abg. Brey (Soz.) wünscht eine Ausgestaltung der Statistik auf die gewerblichen Vergiftungen.

Abg. Doormann (Vv.) wünscht eine beschleunigte Feststellung und Veröffentlichung der Er- gebniffe der Betriebszählung hinsichtlich der Beiträge zur Jnvw- lidenversicherung, da sie sonst für die Verabschiedung der Reichs- Versicherungsordnung, die feine Parteifreunde noch in dieser Ta. gung wünschen, zu spät kommen würde. Der Redner spricht weiter über die Handelsstatistik, deren Wertangaben unmöglich zutreffend sein können. Ohne Einmischung in den Streit über den Hansa- Bund man muß bei der Bewertung aller Prr^uklionSziffern große Vorsicht walten lasten.

Staatssekretär Dr. Delbrück und Ministerialdirektor Caspar äußern sich über die statistischen Fragen.

Sonnabend, 11 Uhr: Kalidebatte.

Deutscher Reichstag.

150. Sitzung. Freitag, den 17. März. .

Am Tische de» Bundesrat»: Dr. Delbrück, Der- muth, Richter, Caspar.

Präsident Graf Schwerin-LSwih eröffnet die Sitzung nm 1 Uhr 15 M,n. mit folgenden Worten: Heute bor 50 Jahren ist der italienische nationale E t n h e r t S st a a t ossiziell begründet worden, und daS ganze italienische, Volk feiert heute diese Begründung und Vereinigung deS ZkonigrerchS Italien. (Lebhafter BeifaL Tie Abgeordneten haben sich bi8 auf einige Zentrumöabgeordnete von den Sitzen erhoben.) Das deutsche Voll wird an dieser Feier deS ihm verbündet und befreundeten italienischen Volkes einen lebhaften Anteil nehmen. (Beifall.) Ich habe mir deshalb gestattet, im Namen deS Deut,chen Reichs. tagS an den Präsidenten der italienischen Depu. tierten tammer ein Telegramm folgenden Inhalts gcjanDt: wu« Anlaß des heutigen Jubiläums deS dem Deutschen Reiche btrbünbcien Königreichs Italien spreche ich Ihnen Herr Präsident nnd der Deputiertenkammer die herzliche Anteilnahme deS Deut- ,chen Reichstags aus.- (Erneuter Beifall.)

Ihr Beifall zeigt mir, datz ich mit dieser Kundgebung in Ihrem Sinne gehandelt habe. Ich stelle das mit Befriedigung fest. (Lebhafte Zustimmung.)

Hierauf übernimmt Vizepräsident Dr. Spahn daS Präsidium.

Der Etat des Relchsamfs des 5nnem.

(Sechster Tag.)

Die Einzelberatung wird bei ben .allgemeinen FondS" fort­gesetzt unb zwar beim Beitrag für den Verband deutscher Arbeitsnachweise.

Dbg. Severing (Soz.)" x spricht gegen die christlichen Gewerkschaften und den Abg. GieS- t-ertß. Der Redner wendet sich gegen die A r b e i t a e b e r n a ch - weise mit ihren »schwarzen Sitten". Sie sind der schlimmste Herd der Beunruhigung im wirtschaftlichen Leben. Sie sind schuld an vielen großen Streiks, wie in Hagen-Schwelm und Remscheid Wo bleibt die gesetzliche Regelung der Frage? Herr GtesbertS hat daS letzte Mal eine Scharfmacherrede gegolten.

Dbg. GiesbertS (Zenfr):

In die Arbeit des Verbandes deutscher ArbeitSnachwetse muh mehr System hincinkommen. In Düsseldorf sind z. B. die Nachweise aller Richtungen zu einem Ausschuß zusammengetreten, der vorzügliche Dienste leistet. Auch wir bedauern die Ausbrei­tung der Arbeitgeber Nachweise. Ter Redner weist die Angriffe SeveringS zurück und äußert gegenüber einer Bemerkung deS sozialdemokratischen Redners über sozialdemokratische Arbeitgeber- verbände den Wunsch, solche kennen zu lernen.

Tie ^iusjprache über Den Kalipropaganda-Fonds wird auf Antrag des Abg. Frhr. v. Richthofen (Kons.) auf Sonn­abend vertagt.

Abg. Geck (Soz.) fordert die Gründung eines Reichsschul- mufeumß.

Dbg. Frank-Ratibor (Zentr.) tritt für die Hausierer ein.

Beim SchifsSbermes'nnckSamt fordert Abg. Metz er (Soz.) staatliche Kontrolle der Seetüchtigkeit der Schiffe an Stelle der privaten durch die SeeberufSgenoffenschaft. Ter Redner tragt eine Reihe von Fällen vor, in denen Seeleute zu Schaden g. kommen sind, weil sie auf veralteten Schiffen mit minderwertigen Maschinen Dienst tun mutzten. Besonders die Sloman-Linie laste alte seeuntüchtige Dampfer laufen.

Ministerialdirektor Dr. b. Jonquiörcß:

Unsere Einrichtungen sind natürlich nicht vollkommen. See- Unfälle werden Vorkommen, solange auf See gefahren wird. Tas Wasser hat keine Ballen. Die hier vorgebrachten Einzelsalle be­reiten nicht« gegen die SeeberufSgenostensckvft. Die $erant- wortuna mutz dem Scbisf'sührcr überlasten bleiben. Er trägt die Schuld, wenn etwas passiert. (Zuruf b. d. Soz.: Tie Seeberufs- genostensck)aft hat die Mitschuldl) Mitschuld gibt e8 hier nicht.

Sie können nicht verlangen, daß sedeS Schiff von einem M.tgNed der SeeberufSgcnostensckaft vor der Ausfahrt von 8 hl Z kon- trolliert wird. Dann würde der Sch'ttSverkehr aufhoren. Cme solche Kontrolle ist nur bei der «uSsahrt bet ^Uvwanbererschlsfe vorgeschrieben, wo eS sich um Tausende von Menschenleben bandelt Nun ist der Fall gewiß traurig, aber euch leiten, bafe oDcin bc» der Sloman-Linie drei Schiffe verloren gegangen sind. Aber diese Dampfer sind untergegangen in der gefährlichen Bucht von BiS- caya und bei einem Unwetter, wie es leit Jahren nicht da war. ES liegen Berichte der Kapitäne vor daß eS em Sturm war, wie sie ihn feit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Das sind doch aceeptionelle «erhaltmste. Nun verlangen Sie. daß über dreitzig Jahre alte Schiffe generell für seeuntüchtig erklärt werden sollen. Aber schlicsilick' ist die Schiffahrt doch auch nur em Gewerbe, doS nach den Grundsätzen der Rentabilität betrieben werden muß. Die Secherufkgenostcnschaft tut, was sie kann. Sie (zu den Soz.) behaupten freilich, die Seeberufsgcnostenscbaft fei weiter nichtc- als eine Vertretung der R c e d c r c i i n t e r e, , e n t e n. Dabei ist den Beamten jede Beichästigung gegen Entgelt bei Ree- dreien ausdrücklich verboten. Ich protestiere dagegen daß man die Ehr: der deutschen Kauffahrte,,chif,ahrt herabsetzt Diese Ehre wollen wir bod)ballen. (Abg. Lede bour: Unsinn!) Für mag daß Unsinn fein, für uns nutzt. (Beifall.),

Eine weitere Frage betraf die Zeitungsmitteilung, daß ein Ozeondamvier verbrannt sei und die Besatzung sick) aus eine un- be.vo.,nte Insel gerettet hätte, wo sie von den Nohrungsmittettc emes Depots gelebt habe, bis man sie auffand. 2 ar an knüpfen jüi) eine Menge Fragen über die Einzeihetlen des Unglücks. Ein nickst minder interessantes Thema der Unterhaltung war der Un- glücksfali Des Unterseebootes im Kieler Hafen. Ein Mädchen meinte, die Mannsd?aiten der Beiatzung müßten sich wohl gezantt haben, iver zuerst von ihnen durch das Torpodorohr gerettet werden füllte/ Ein kurzer Hinweis aus die in der deutschen Armee unD Marine herrsä.euöe Disziplin stellt die Sache sofort klar und mach, einen tieferen Etndrud, als eine langatmige Erörterung übet Pf lickst und Pflichtgefühl ihn hervorgcb.acht haben würde. Auch die Aeußerungen des Staatssekretärs Tirpitz im Reichstage werdet, herangezogen, worauf ein Junge, der das TorpedosdnffVulkan" , uciium...«., gesehctt hat, eine Bestechung davon gwt So geht die Unter»

i der Wand herum liefen, einige Haltung hin tutD her, und es zeigt stchkiar, dab dte Kmder, tndett. " -bnprt A«, Cinem kleinen sie ihre Ansichten intö Erslchrungen mitteilen, ,tch gegenseutg selb». Lehrer7Lr^ Pwtokoll^ ^> belchren. Jeder hat offenen Angen sein Stück Wett gesetzt