Ausgabe 
26.8.1911 Erstes Blatt
 
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den Rusen des Publikums und tausenden von Schulkindern unter dem GM*"t der Glocken bis zum Rathause fort. Truppenteile des 9. Armeekorps bildeten Spalier. Tie Truppen präsentierten. Die Musik spielte den Präsentier­marsch. Vor dem Rathause hatte der Oberbürger­meister S ch n a ck e n b u r g und die städtischen Kollegien Aufstellung genommen. Der Wagen der Kaiserin hielt, der Kaiser ritt heran, ebenso die sechs Söhne. Fürst Fürstenberg und die Herren des Hariptquartiers bildeten einen Halbkreis. Oberbürgermeister Schnackcnburg hielt eine Ansprache und bot dem Kaiser einen Ehren­trunk dar.

Die Ansprache des Oberbürgermeisters.

In seiner Rede führte Oberbürgermeister Schnackenburg aus, nachdem er auf die früheren Anwesenheiten des Kai­sers in Altona hingewiesen, daß Altona infolge seiner Lage neben Hamburg mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Mit Genugtuung habe man aber be­merken dürfen, daß die Königliche Staatsregierung diese schwierige Lage erkannt habe. Tie Anwesenheit des, Kai­sers würde als glückverheißendes Zeichen dafür angesehen, daß unter des Kaisers landesväterlicher Obhut sich die Stadt zu neuem Gedeihen und neuer Blüte emporarbeiten werde. Die Altonaer aber gelobten, die gewohnte Zähig­keit und Energie auch bei der Arbeit um die Zukunft der Stadt allzeit bewahren zu wollen, nach dem alten Wort: Jungs, holt fast!" Der Oberbürgermeister rief den Maje­stäten und der Kaiserlichen Familie ein herzliches Will­kommen zu und bot dem Kaiser einen Trunk echt deutschen Weines dar.

Tie Antwort des Kaisers.

Der Kaiser erwiderte bei Entgegennahme des Chren- trunkes auf die Ansprache des Oberbürgermeisters mit fol­genden Worten:

Herr Oberbürgermeister! Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Willkomm, ebenso im Namen meiner Frau. Die Stadt hat eine schwierige Lage, das weiß ich. Eine längere, kleine Schwester neben einer großen, mächtigen Hansa- stadl hat es selbstverltändlich nicht leicht. Aber wie Sie schon erwähnt haben, ist mein landesväterliches Herz stets beschäftigt, der Stadt nachzuhelfen und sie zu fördern. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß der zähe Wille der Bürgerschaft und die schleswig-holsteinische Ausdauer, die ihr.Charakter ilt, alle Schwierigkeiten überwinden wird. Immer­hin kann ich konstatieren, daß seit meinem letzten Besuch die Stadt sich recht prächtig entwickelt hat und daß die Schar der Kinder einen sehr bedeutenden Zu­wachs der Bürgerschaft darstellt. Ich bitte Sie, bei den Bürgern Altonas, Männern, Frauen und Jungfrauen der Dolmetsch unseres Tankes und innerer Gefühle zu sein, und diesen Wein aus edler deutscher Rebe trinke ich auf das Wohl und Gedeihen der Stadt.

Drei kleine Mädchen, die Töchter des Oberbürger­meisters und die Tochter eines Stadtverordneten, über­reichten der Kaiserin und den beiden Prinzessinnen Blumen­sträuße. Der Kaiser wandte sich nochmals mit freundlichen Worten an den Oberbürgermeister. Dieser brachte ein drei­faches Hoch auf die Majestäten aus, welches begeistert aus­genommen wurde. Der Zug setzte sich hierauf bis zum Liege­platz derHohenzollern" fort, wo eine Ehrenkompagnie vom Füiilierregunent Königin (Schleswig-Holstein) 9tr. 86 aufge­stellt war. Die Majestäten nahmen Wohnung an Bord der Hohenzollern". . ~

Die Festtafel für die Provinz.

Altona, 25. .Aug. Ihn 7 Uhr abends begann die Festtafel für die Provinz Schleswig-Holstein im Hotel Kai- ferhof. Dem Kaiferpaar gegenüber faß Oberpräsident von Bülow. An der Tafel nahmen die Kaisersöhne, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Friedrich Leovold, der Großherzog von Oldenburg, der Großherzog uno Erbgroßherzog von Mecklenburg-S.-relitz, sowie u. a. oie amerikanischen General­majore E. A. Garlington und W. Wortherspoon teil. Bei der Tafel hielt Oberpräsident v. Bülow eine Ansprache, in der er den Majestäten den tiefempfundenen Dank' der Pro­vinz Schleswig-Holstein darbrachte dafür, was sie der Krone von Preußen und dem Kaiser in wenigen Jahrzehnten schuldig geworden sei.Tas Belvußksein, jetzt ein urr- veräußerlrcher Bestandteil des Deutschen Reiches zit sein und zu bleiben", führte der Redner auserfüllt uns mit dem Gefühl sicherer .Geborgenheit und stolzer Freude. Zwar ist die Geschichte unseres Landes nicht von altersher ver­bunden mit der Vergangenheit des glorreichen Hauses Eurer Majestät, aber das wissen wir alle, Eure Majestät lieben unsere Küsten, Buchten und Seen, von denen umgeben sechs Kaisersöhnc zu Männern herangewachsen sind. Das Herz Eurer Majestät gehört diesem Lande, da es die Heimat der Kaiserin ist. Daß Gott nicht aufhöre, das ge­liebte Kaiserpaar und das ganze Kaiserhaus zu schützen und zu segnen, ist unser Wunich, unjere Hoffnung und unser Gebet!"

Eine Rede des Kaisers.

Der Kaiser erwiderte aus die Rede des Oberpräsi­denten v. Bülow mit folgendem Trinkspruch:

Empfangen Sie, mein lieber Herr Oberpräsident, den herz­lichsten Dank namens ihrer Majestät und in Meinem Namen für die freundlichen Worte des Willkommens und der Ergebenheit, mir denen Sie uns soeben die Gefühle von Schleswig-Holstein verdolmetscht haben. Wir sind ebenso tief bewegt dadurch, wie durch den glänzenden Empfang der mächtig aufblühenden Stadt Altona. Als wir vor 7 Jahren aus gleichem Anlaß hier weilten, da konnte ich Ihnen die Verlobung Meines ä l t e st e n Sohnes mir der holden Fürstenlochter aus dem Mecklenburger Lande mitteilen. Der Himmel har die Ehe Meiner Kinder reich gesegnet, und inzwischen wurde der Segen der Ehe auch zwei weiteren Meiner Söhne beschert. Der Eintritt einer lieblichen Tochter aus dem Hause Glücksburg in Meür Haus klrüpfte frische Bande zwischen Schleswig-Holstein und Mir zu denen, die schon bestanden durch Meine Verbindung mit ihrer Majestät der Kai­serin. Tie erlauchteFrau, welche als Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin die erste in unserem Lairde ist, wird, so bin Ich überzeugt, mit Stolz von jedem Schleswig- Hol st eineralsseineLandsmännin an gesehen, eine Frau, stets bereit zu helfen, wo es gilt, Not zu lindern, das Familienleben zu stärken, die Aufgaben der Weiblichkeit zu erfüllen und ihnen neue Ziele zu verleihen. Die Kaiserin har dem Hohenzollernhause ein Familienleben beschert, wie es vielleicht nur die Königin Luise vor ihr getan hat. Uns. ist sie ein V o r b i l d geworden für die deutsche Mutter, indem sie 6 Söhne zu ern­sten, r a t t r ä f r i g e n M ä n n e r n herangezogen hat, die nicht gewillt sind, die bequemen ©eiten ihrer Titel und Stel­lungen auszunutzen und, wie so viele junge Leute der Jetztzeit, dem Genuß zu leben, sondern in harter strenger Dienst- erfüllung ihre Kräfte dem Vaterlande zu weihen, uird, wenn es ernst werden sollte, freudig bereit sind, ihr Leben auf dem Altar des Vaterlandes zum Opfer zu bringen. Des­wegen ergreife Ich gern die Gelegenheü, den Tank an ihre Majestät aus zu sprech en für den Segen, den sie Meinem Hause gebracht hat. Bei den vielen Besuchen, die Ich ihrer schönen Heimat gemacht habe, zu Wasser und zu Laiwe, habe Ich Mich mit Freude davon überzeugen können, daß Schles­wig-Holstein vorwärtstreibend sich weiter ennvideU, zumal ocr landwirtschaftliche Test Letzter AevülkLrüng, Wie in arideren, Lan­

desteilen sehen auch die Landwirte dieser Provinz der Ent­wickelung dieses Jahres mit Sorge entgegen. Was der Staat leisten kann, um ihnen zu Helsen, das ist geschehen und wird geschehen. Ich meine aber, bei der religiösen, christlichen Ge­sinnung Meiner Landsleute und zumal der Schleswig-Holsteiner werden sie nicht übersehen, daß dieTürrediesesabnormen Jahres eine Prüfung ist, die uns der H i m nie l ge­schickt h a t und der wir uns zu beugen habest. Möge Schleswig- Holstein auch fernerhin sich fortschreitender Entwickelung erfreuen, und möge dieses schöne Vaterland ihrer Majestät, das Land zwischen Königsaue und Elbe, als ein ewig unlösbarer Teil Meines König­reiches und des deutschen Vaterlandes von einer Bevölkerung be­wohnt sein, die an Fleiß, hingebender Treue und Anhänglichkeit an Mein Haus von keinem Teile Meiner angestammten Länder sich übertreffen läßt. So trinke Ich dieses Glas, gefüllt mit deutschem Wein, aus das Wohl von Schleswig-Holstein, das auf ewig ungeteilt mit unserem Vaterlande verbunden sei. Tie Provinz Schleswig-Holstein Hurra, Hurra, Hurra!"

Nach der Tafel hielten die Majestäten im Empfangssaal Cercle nnd kehrten dann an Bord derHohenzollern" zu­rück,. von einer vieltausendköpfigen Menge stürmisch be­grüßt.

Heute abend sind noch der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin, die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, Her­zog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, Regent von Braunschweig, hi"r eingekroffen, um an den Manöver­festlichkeiten teilzunehmen.

Deutsches Reich.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" spricht sich zu der in .der Presse aufgeworfenen Frage, ob im Hinblick auf den bevorstehenden Ablauf der Legislaturperiode des jetzigen Reichstages nicht zweckmäßig von Ersatzwahlen ab­zusehen sei, dahin aus, daß die Reichsverwaltung die Frage nicht unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit, sondern lediglich nach den reichsgesetzlichen Vorschriften zu prüfen habe. Darnach beschränke sich die Mitlvirkung des Reichskanzlers darauf, daß er die Anzeige des Reichstagspräsidenten über die Erledigung eines Mandates der Landesregierung mitteile, deren Behörden dann ihrerseits eine neue Wahl und zwar.nach der gesetzlichen .Vorschrift, sofort zu veranlassen hätten.

Die fortschrittliche Fraktion des weimarischen Land­tags beantragte bei der Staatsregierung, zur Steuerung der Futternot beim Bundesrat auf eine zeitweilige Auf­hebung der Futterrncktelzölle hinzuwirken und den .Ankauf von Futtermittel zu zentralisieren.

Ausland.

Das WienerFr emd enb la tt" schreibt: In O efter- reich-Ungarn fand die Nachricht von dem Abschlüsse eines deutsch-russischen Abkommens sympathische Aufnahme bei der Presse, die dabei der allgemeinen Aufsaisung und Empfindung der politischen Kreise adäquaten Ausdruck verlieh. Besonders wird hervorgehoben, daß das Abkommen, wenn es auch keine politischen Vereinbarungen enthalte, doch gewiß als ein deutlicher Beweis der Festigung und der Besserung der deutsch-russischen Beziehungen anzusehen sei. Schon deshalb mußte der Abschluß bei Oesterreich-Ungarn, dem treuen Alliierten Deutschlands, freudige Genugtuung wecken. Von politischer Bedeutung ist auch der Augen­blick der Unterzeichnung, welcher der jedenfalls nicht leichten Stellung Deutschlands in den Marokkoverhandlungen förderlich war. In wirtschaftlicher Beziehung ist der Umstand wertvoll, daß in dem Abkommen das Prinzip, der offenen Tür für Persien ausdrücklich ausgesprochen wird.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Marienbad: Der Papst ist genötigt, sich seiner Gesundheit wegen einer Trink- und Badekur zu unterziehen. Zu diesem Zwecke gehen täglich die erforderlichen Mengen aus der Marienbader Quelle an den Vatikan ab, die durch geeignete Maßregeln in vollkommen frischem Zustande dort eintreffen. Die erste Sendung ist bereits entgegengenommen worden. Der Papst wird alle Morgen drei Becher Kreuzbrunnen trinken sowie hie vorgeschrie­benen Bäder nehmen.

Jkdem" meldet: Der türkische Thronfolger über­bringt an den deutschen Kaiser ein Handschreiben des Sultans, in dem auch der Dank für die herzliche Auf­nahme der ottomanischen Gesellschaftsreisenden ausgedrückt wird.

Aus Belgrad wird gemeldet: Ein hiesiges Blatt bringt die Aufsehen erregende Nachricht, wonach König Peter sofort nach der Hochzeit seiner Tochter abdanken werde, während sich der Thronfolger als König von Serbien um die Hand einer russischen Prinzessin bewerbe. Der Zar soll diese Bedingung selbst gestellt Haven. .Amtlich werden diese '.'Nachrichten ocmeittiett.

tzeer nnd LLotte.

Ein Unfall des LinienschiffesHessen".

Kiel, 25. Aug. Das LinienschiffHessen", das in der Kieler Bucht Torpedoschießübungen abhielt, über­rannte in vergangener Nacht den norwegi­schen DampferSknld", welcher 'sank. Die Be­satzung des Dampfers und eine an Bord befindliche Frau wurden gerettet.

Ackersund" war aus Götsborg ohne Ladung unter­wegs nach Malmoe. Das Schiff ist drei Seemeilen öst­lich von Bült auf 18 Meter Wafsertieie gesunken. Die Mast- spiHen ragen Über Wasser. Ein Torpedoboot .ist an der Unfallstelle zurückgeblieben, die durch eine Boje bezeichnet wird.Hessen" ist nicht beschädigt.

Line schauerliche Bluttat in der wetterau.

Rendel, 26. Aug. Hier hat sich heute morgen gegen 5 Uhr eine schauerliche Bluttat ereignet. Der von hier stammende, etwa 28 Jahre alte Wilhelm Gunderloch erschoß seinen Schwiegervater, Schwiegermutter, Frau, Schwager und Schwägerin und flüchtete dann in einem Automobil in der Richtung nach Gronau zu.

Gießen, 26. Aug.

Die Nachricht von der schauerlichen Mordtat, die eine ganze Familie vernichtete, gelangte heute morgen in aller Frühe hierher. Alsbald begaben sich Staatsanwalt Dr. Brill, Kriminalkommlssar Müller und em Schutzmann mit Polizeihunden nach Rendel zur Untersuchung der Mordtat.

Der Täter Wilhelm Gunderloch entstammt einer wohlhabenden Rendeler Bauernfamilie, war aber leichtsinnig und verschwenderisch. Schon vor etwa fünf Jahren war er wegen Ermordung feines Bruders in Unter­suchung. Es wurde damals Notwehr angenommen und die Untersuchung deshalb eingestellt. Hieraus heiratete er die Tochter des Metzgermeifters und Landwirts Friedrich Eber­hardt, der in der Hauptstraße HO wohnt und im Dorfe sehr angesehen war. Aus der Ehe entsprossen zwei Kinder. Das Zusammenleben der Eheleute Gunderloch gestaltete sich sehr unglücklich, da G. fein leichtsinniges Leben fortsetzte und fein und seiner Frau Vermögen zum großen Teil ver­schwendete. Im Januar 1910 flüchtete er mit einem Frauen­zimmer ins Ausland, angeblich nach London, während feine Frau mit ihren Kindern, zwei Knaben von 4 und 3 Jahren, ihn wegen Mißhandlung und Bedrohung verließ und in ihr Elternhaus zurückkehne. Gunderloch tehrts gestern nacht nach Renocl zurück.

Wilhelm Gunderloch hatte vor 2 Jahren fein Be,itztum für 100 000 Mk. verkauft, wovon 15 000 Wk. für ferne

Kinder gcrid;: i sichergestellt wurden. Die übriges 85000 Mk. scheint er inzwischen verjubelt zu haben, was wohl der Anlaß zu seiner Rückkehr und seinem Entschluß wurde, die ganze Familie zu ermorden.

Ueber die Bluttat selbst berichtet uns unser B.-< Berichterstatter: Der Mörder drang heute nacht in den Hof ein und erwartete seinen 55 Jahre alten Schwieger­vater, der morgens 5 Uhr das Vieh zu füttern pflegte. Als dieser ahnungslos den Hof betrat, erschoß der als guter Schütze bekannte Gunderloch ihn mit einem alten Jagdgewehr. Durch den Schuß wurden die Angehörigen Eberhards aufmerffam und eilten notdürftig bekleidet nach dem Hof zu, so daß sie nach und nach dem Mordbubest vor die Flinte liefen. Zuerst wollte der Schwiegersohn Eberhards, der 40 Jahre alte Karl Wissenbach, seinem Schwiegervater zu Hilfe eilen. Er wurde ebenfalls er­schossen, als er kaum' den Hof betreten hatte. Dessen Frau, die 38 Jahre alte älteste Tochter des Hauses, wurde im Hausflur und deren 54 Jahre alte Mutter auf der Treppe erschossen. Die 28jährige Frau des Mörders wollte durch den Speicher über das Dach flüchten, als sie von der töd­lichen Kugel ereilt wurde.

Durch die Schüsse waren die meisten Bewohner Rendels aufgeschreckt worden, doch wagte niemand den nach der' Untat ruhig durch den Ort geoenden Mörder festzuhalten.

Die Angabe, daß G. im Automobil weggefahren fei, beruhte auf einer Vermutung, die sich nicht bestätigte.

Der Polizeihund des Schutzmanns K'lös von Gießen, der die Spur des Mörders alsbald nach der Ankunft der Gießener Gerichtskommission aufnahm und verfolgte, sand nämlich nach 11 Uhr in einem an der Straße nach Nieder- Dorfelden zu etwa 1000 Meter vom Ort gelegenen Kar- toffelacker die Leiche des Mörders, der sich mit dem Gewehr selbft erschossen hatte.

Von der ganzen Familie leben nur noch die beiden Kinder Gunderlochs und das ein Jahr alte Kind seines Schwagers Wissenbach.

Aus Stafct und Canfc*

(Siegen, 26. August 1911.

-** Ruhestandsversetzung. Der Großherzog hat den Kontrolleur bei der Saline und Badeanstalt Bad-Nauheim, Kanzleirat Peter A l e t t e r zu Bad-Nauheim, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand verletzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

* Die Kosten unseres neuen StadtthcaterS sind jetzt genau festgestellt. Das Theater hat im ganzen 6 64145 Alk. 41 Psg. gekostet, und zwar für Fundamentierung, Bau, Dekorationen für die Bühne, Beleuchtung und 2luS- stattung des HauseS. Gedeckt wurden die Kosten durch 413 894 Mk. freiwillige Spenden auS der Bürgerschaft, einem Zuschuß der Stadt von 49 479 Mk. und einem verzinslichen Darlehen der Stadt von 200 000 Mk. Den Bauplntz hat die Stadt frei zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen ist vergesellschaftet und geht nach 30 Jahren, als Entgelt für die unentgeltliche Hergabe des Bauplatzes, in den Besitz der Stadt über. Die Stadt ist Mitglied der Gesellschaft und der jedesmalige Bürgermeister ihr Vorsitzender.

* Zu dem Dünsberg-Turnfest, das morgen statt­findet, find 264 Anmeldungen eingegangen. Die Fest- Vorbereitungen sind sämtlich vollendet und versprechen ein schönes Fest. Die Turner fahren mit einem Sonderzug um 8,20 Uhr mit der Biebertal-Bahn nach Bieber und marschieren von dort gemeinsam über den Dünsberg-Abhang nach dem Festplatz, der unmittelbar am Forslhaus Bieber sehr schön liegt und von der Station Bieber direkt in einer halben Stunde zu erreichen ist. Das Wetturnen beginnt etwa um 11 Uhr. Da eine ganze Anzahl der besten volkStütnlichen Wetlnrnec des Gaues Hessen an bem Wettkampf teilnehmen wird, sind gute turnerische Leistungen zu ermatten und der Besuch der Veranstaltimg ist auch Richtturnern zu empfehlen. Für Be­wirtung und geschützte Unterkunft im Falle eines Regens ist bestens gesorgt.

* * Dl e Fechtriege des Gießener Turnvereins von 1846 feiert am 9. und 10. September d. IS. ihr 25jähriges Bestehen durch Festkommers, Schaufechten, Festkonzert und Ball.

* * Die näch stjährige Regatta der Gießener Ruder- besellschaft von 1877 ist aus den 15. Juli festgesetzt worden/

** Ein bummer Junge, der ein Spaßvogel sein wollte, hat die Gießener Bevölkerung in eine gelinde Aus-, regung versetzt, in dem er an verschiedenen Stellen der Stadt ein fingiertes Telegramm anfchlug, nach dem das LuftschiffSchwaben" heute hierher tarne. Hoffentlich gelingt es der Polizei auf Grund der Handschrift den Täter zu ermitteln, damit er wegen groben Unfuges vestraft wer­den kann. Um von unserer Seite aus einem derartigen Unfug, durch den im Publikum eine leidige Unsicherheit über die Zuverlässigkeit von Aushängen entsteht, künftighin vor­zubeugen, werden wir unsere Telegramme nur noch aus be­sonderen Formularen mit dem gedruckten Kopf: Tele­gramme des Gießener Anzeigers veröffentlichen.

* * Ein Giegener Schulmann m Madrid. Lchr- amtSaffeffor W. Schmidt an der Oberrcaljchule zu Mainz wurde auf Vorschlag des Auswärtigen Amtes zum Direktor der deutschen militärberechtigten Realschule zu Madrid ge­wählt. Herr Schmidt ist geborener Gießener, er war bereits vier Jahre an einer deutschen höheren Schule in Buenos Aires tätig. Die Schule, deren Leitung er in Madrid über- nimmt, ist eine der angesehensten AuSlandSschulen. Sie hat 285 Schüler, von denen ein großer Teil spanischer Herkunft ist. Die Schulgemeinde hat erst im letzten Jahr ihr pracht­volles, ganz modern eingerichtetes Schulgebäude emgeweiht.

Kreis Büdingen.

H- .Büdingen, 25. .Aug. Die Verwaltung des hiesigen M athild en Hospitals beabsichtigt schon längere Zeil, zur Vergrößerung des Hospckals einen neuen Anbau zu er­richten, in dem eine große Liegehalle und Isolierzellen für Lungen­kranke eingerichtet werden tollen. Von einem Teil der Be­wohner Büdingens und ganz besonders von den Besitzern der Häuser und Gartengrundstücke im oberen Steinweg und der Gym- nasiumsstraße wird diese Vergrößerung beanstandet und geltend gemacht, daß durch Ausnahme von Lungenkranken im Howüale der Wert ihrer Grundstücke bedeutend verringert und auch Bü­dingen als Luftkurort durch Fernbleiben von Fremden Verlulte erleidet. Tie Hospitalverwaltung stellt in Abrede, daß nur aus- gesprocyen Lungenkranke in diesem Neubau oerpslegt werden soll­ten, sondern es würden meist nur bleichsüchtige und blutarme Personen Aufnahme finden. Vorige Woche sind nun die Plcme zur Weitergabe an das Kreisamt aus der Bürgermeisterei cmgercunt- und die Arbeiten zur Vergebung ausgeschrieben morden. 4IC Bewohner des Steimvegs und der .Gpmnasiumsstraßc und die Stadt haben gegen die Errichtung des Anbaues irimpruch erhoben,, wem; er zur Auf nähme p.on .Lungenkranke,; fciyien jsü»