Ausgabe 
22.7.1911 Erstes Blatt
 
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neue Dreistigkeit desTemps":

Uaris, 22. Juli. DerTemps" verbreitet sich in bhtent Leitartikel über einenIrrtum Deutschlands". Das mächtig gewordene und zähe deutsche Volk entbehre leider jeden Sinnes für Takt und Feinheit. Ihm fehle der Sinn für Benutzung der Gelegenheit und das richtige Maß. Die Unterhaltung mit Frankreich habe sich in Ruhe anspinneu rönnen, mit Aussicht auf eine billige Verständigung, statt Lessen verhinderte HerrvonKiderlen-Wächter 4ede vernünftige Aussprache der ReaierunL Lurch eine brutale Form und machte statt eines Dialogs eine internationale Auseinandersetzung notwendig. Auch ein zweiter Irrtum sei geschehen. Nachdem Frankreich sich geneigt zu einer Auseinandersetzung erklärte, habe Deutschland alles getan, um die Verhandlungen zu er­schweren. Die allgemeine Empfindung sei, daß die maß­losen Ansprüche Deutschlands Frankreich beleidigt hätten. Wenn die Konversation so begonnen habe, so sei es leicht, auf sie zu verzichten. Dieser pessimistische Ar­tikel wird ergänzt durch eine kurze Note, die einfod) sagt, die Verhandlungen sind schwer, aber sie dauern fort und durch einen längeren Bericht aus Berlin, der die dortige Stimmung' als höchst niedergedrückt bezeichnet.

Die spanische Mißstimmung gegen Frankreich.

Auch die spanische Presse klagt überUnverschämtheit" der französischen Presse:

Madrid, 22. Juli. In der gesamten Presse kommt eine immer größere Mißstimmung Frankreich gegenüber zum Ausdruck. Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß Frankreich seine Wut, die es nicht an Deutschland auszulassen wage, nunmehr an, dem armen schwachen Spanien auslassen möchte. Selbst das große konservative BlattEpoea", das stets mit den Franzosen Lurch dick und dünn gegangen ist, redet heute von Unver­schämtheit der französischen Presse.

Eine Anfrage im österreichischen Abgeordnetenhaus.

Wien, 21. Juli. Der Abgeordnete Sustersic und Genossen überreichten eine Anfrage an den Ministerpräsi­denten, in der unter Hinweis auf die in der Marokkofrage geschaffene neue Sachlage, sowie auf die w i ch ti g en H a n - del sinter ess en Oesterreich-Ungarns in Ma­rokko die Regierung gefragt wiro, wie sich die Mon­archie zu der neuen Sachlage verhalte und welche Maßnahmen ergriffen seien, um die Interessen des Landes unter allen Umständen zu wahren, insbesondere um einer schädlichen Präjudiz durch die zwischen Deutschland, Frankreich und .England eingeleiteten Verhandlungen vor­zubeugen.

Au; dem österreichischen Abgeordnetenhaus.

Wien, 21. Juli. Das Abgeordnetenhaus be­schloß in der heutigen Sitzung, vor allem die Bank­vorlage zu beraten. Der Antrag der Sozialdemokraten, den Anträgen wegen der Fleisch not die Priorität ein­zuräumen, wurde mit 194 gegen 168 Stimmen abgelehnt.

Während der Aussprache über die Tagesordnung kam es zwischen den Sozialdemokraten und den Deutsch-Nationalen zu lärmenden Ausein­andersetzungen. Nach Schluß der Sitzung protestierten einige Tribünenbesucher gegen die Ablehnung des sozialisti­schen Antrages.

Der Abgeordnete Kr e k brachte eine Anfrage betreffend die Wirren in A l b anie n ein, in der der Ministerpräsident gefragt wird, ob e:r mit aller Energie seinen Einfluß aus­üben wolle, damit die Pflichten, welche der Monarchie bei den jetzigen Wirren in Albanien obliegen, erfüllt werden.

(Eine englische Stimme.

London, 21. Juli. Gegenüber der Annahme, daß der frühere Schah bei seiner Rückkehr nach Persien auf russische Hilfe rechnen könne, die wahrscheinlich von britischer Seite keinem Einspruch begegnen werde, er­fährt das Reuter-Bureau, das Vorgehen Mohammed Alis sei ganz unabhängig von einem englisch-russi- jchen Einvernehmen. Keine der beiden Parteien dieses Uebereinkommens nähme eine versuchte Einmischung in die inneren Angelegenheiten Persiens mit Befriedigung auf. Die persische Regierung würoe die vollste Freiheit des Handelns in der durch das Vorgehen Mohammed Alis geschaffenen Lage behalten.

Deutsches Aesch.

Aus Balestrand wird gemeldet: Der Kaiser wohnte am Donnerstag abend einer weiteren Fortsetzung der geschicht­lichen Vorträge des Generalmajors Dickhuth bei und machte Freitag vormittag einen längeren Spaziergang.

Der Berliner M a g i st r a t beschloß, einer Anfrage des Reichskanzlers entsprechend, für die Errichtung eines Denk­mals für die in außereuropäischen Ländern ge­fallenen Krieger einen geeigneten Platz zur Verfügung zu

Dänische übersetzen und so dem Verständnis der ganzen zivili­sierten Welt erschließen.

Eine Abfuhr. Folgende Szene auf der Wiener Straßenbahn hat ein Leser desExtrablattes" beobachtet: Beim Naschmarkt steigt eine Marktfrau in einen Waggon der elektrischen Straßenbahn ein und kommt neben eine sehr elegante junge Dame zu sitzen, die sich mit ihrem Nach­bar zur anderen Seite, einem Kavallerie-Offizier, an­gelegentlich unterhält. Der Dame scheint die neue Sitznachbarin 1 nicht zu behagen, denn sie rückt möglichst weit bon ihr hinweg. Nix für ungut, Fräul'n," sagt resolut die Oebstlerin,aber für vierzehn Heller können S' net auf jeder Seiten an Ka­vallerie-Offizier haben . . ." Auf den Gesichtern der Passagiere erschien ein vergnügtes Schmunzeln über diese Aeußerung echten Wiener Volkshumors.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Die Technische Hochschule zu Berlin-Charlotte n- bur g hat dem bekannten Großindustriellen, dem Kommerzienrat .U0cnn-^ hckerhoff in Amöneburg bei Mainz die Würde eines Ehrendoktors ehrenhalber verliehen. Die Auszeichnung er­folgte in Anerkennung von Dyckerhoffs hervorragenden Verdiensten um die wissenschaftliche und praklische Förderung des Beton- und Estenbetonbaus. Der bekannte Göttinger Rechtslehrer Geh. >justizrat Professor Dr. jur. Ludwig von Bar vollendet vm 24. d. Mts.^das 75. Lebensjahr, v. Bar ist Mitglied des internationalen Schiedsgerichts iin Haag, Ehrendoktor der Uni­versitäten Bologna und Cambridge (England). Geheimrat Prosesior Dr. ined. Max I a f s 6 in K ö n i g s b e r g i. Pr., einer der hervorragendlten und erfolgreichsten Forscher auf dem Ge­biete der phvsiologischen Chemie und der Pharmakologie, feiert am 25. Juli seinen 70. Geburtstag. Er ist zu Grünberg in Schlehen geboren. Em Landwirt in M er z enich machte beim Ausräiimen eines alten Hauses einen sein wertvollen Fund von Altertümern aus dem 15. und 16. Jahrhuiidert. Ter Fund besteht hauptsächlich aus Krügen aus Porzellan und Goloiächen In Rom starb im Alter von 54 Jahren der amerikanische Maler Charles Stesow,

stellen und die Kosten für die Unterhaltung der Denkmalsanlage zu übernehmen. Reichstagsabgeordneten Liebe r m ann

vo ^Sonnenberg ist eine erheblicheBmerung

Aus 5) aira u meldet man: -ras Mitglied de» ^reudiichen Abgeordnetenhauses Rentier Emil I u n g h e n n, natl°.£^cr5S Vertreter des hiesigen Wahlkreises, ist in Meran (Tirol) nach schwerem Leiden im 61. Lebensjahre gestorben. __

Ausland.

Das österreichische Abgeordnetenhaus wählte mir 387 von 429 Stimmen Dr. Sylvester zum Prandenten Zu Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses wurden der Italiener Conci-der Pole German, der Chriulichsoziale Jukel, der Sozial­demokrat Pernerstorfer, der Südslawe Pogaemk, der jtuttjene Romanezük und der Tscheche Zdarsky gewählt.

Der Seepräsekt von L o r i e n t wurde von Minister D e l - cass6 ermächtigt, auf der Reede die für die Aufnahme einer Kreuzerdivision erforderlichen B a gg er a rv et - t e n vorzunehmen. Ferner soll dort schon im nächsten Jahre mit der Herstellung eines dritten Docks für den Bau von Dread­noughts begonnen werden.

Aus Lissabon wird über eine merkwürdige Ehrung des französischen Sozialisten Jaurös gemeldet: Der De­putierte yaure§, der sich nach Argentinien begibt, wohnte am Donnerstag in der Deputiertenloge der Kammersitzung bei. Auf Antrag des Ministers des Aeußeren wurde Jaurös emgeladen, unter den Abgeordneten selbst Platz zu nehmen und hieraus unter stürmischem Beifall und Hochrufen auf Frank­reich in den Saal geführt.

Aus Stadt und Laud.

Gießen, 22. Juli 1911.

Ein Probeflug auf dem Trieb.

K.N. Noch regte sich kein lautes Leben, als mich Herr Kahnt in seinem Kraftwagen ab^otte, damit ich mir seinen heutigen Probeflug ansehen könne, lieber den Straßen tag das erste fahle Licht des Tages und über dem Wiesecker Grund strich der Frühnebel, als wir die Kaiser-Allee hinauf- sausten und gleich darauf vor dem Flugschuppen hielten, in dem das schone, schlanke Fahrzeug untergebracht ist. Em paar Herren vom Sportverein, dem die hiesigen Flüge zu verdanken sind, waren schon anwesend, ein paar kamen kurz nach uns an. Das erste Frührot stieg über den Bergen hervor. Die Flugmaschine, deren Gerüst aus Bambus­stäben besteht, wurde aus der Halle gefahren, nachgesehen und dann der Motor, der die große Schraube aus Nuß­baumholz treibt, von einem Monteur angekurbelt. Rot und rund stand die Sonne über den Höhen, aber ohne Licht. Wie eine glühende Eisenscheibe stand sie hinter dem Dunst. Allmählich hatten sich mehr Zuschauer eingefunden, die neugierig bei dem Flugzeug standen, das von starken Händen gehalten wurde. Ratternd und knarrend setzte die Zündung ein, rascher und rascher saust die Schraube, daß der weiße Sand hochaufspritzte, und die ganze Maschine wie ein ungeduldiges Rennpferd zitterte und bebte. Ein leiser Befehl, die Monteure lassen los, und wie ein Vogel im Flug schoß die Maschine dahin auf dem sandigen Bo.den. Ein leiser Druck auf den Hebel, sie hebt sich leicht und frei in die Sufi, sie schwebt sie fliegt. Fliegt gerade in den Himmel hinein, der Sonne zu. Scharf und laut knat­tert der Motor. Eine Weile schwebt der künstliche Vogel mit seinem dunklen Riesenleibe vor der glühenoen Scheide) hundert Meter über der Erde, Leicht und frei wie ein lebender Vogel steht er vor der Sonne, dann biegt er ab und fliegt in kühnem Bogen nach Norden, schwernt weiter um . . . da wird es ganz still. Der Motor, der erprobt werden soll, hat ausgesetzt. Jetzt gilt es. Wir halten den Atem an und schauen mit starren Augen auf das Flug­zeug, das sich rasch senkt. Plötzlich ist es in einer Mulde verschwunden. Der Flieger ist gelandet. Aber wie? Wir wissen es nicht. Der Apparat ist in der Bodensenkung ver­schwunden. Das Automobil rast davon und verschwindet. Wir stehen angstvoll und warten. Da kommts heran. Die Maschine erscheint wieder aber ohne Flieger. Von kräftigen Händen wird sie herangefahren. Da rasselt auch der Kraftwagen heran; Herr Kahnt sitzt lächelnd darin, aber er ist doch nicht zufrieden. Er mußte im Gleitflug heruntergehen, und bei dem Aufprall auf die Erde hat sich ein Rad verbogen, nur ganz wenig, kaum zu merken, aber der kühne Flieger muß seine Probeflüge unterbrechen, damit das Rad nicht ernstlich beschädigt wird und die für morgen vorgesehenen Flüge in Frage gestellt werden. In einer halben Stunde soll wieder geflogen werden.

Es ist kurz nach fünf Uhr, und immer mehr Zuschauer finden sich ein. Da beschließt Herr Kahnt, um etwaigen Unfällen vorzubeugen, die durch das Fehlen von geeigneter Absperrung leicht eintreten könnten, die Versuche abzu- brechen und die Maschine in die Halle bringen zu lassen. Wir steigen wieder in den Kraftwagen und unterwegs be­merken wir, daß der Abbruch des Fluges das beste war. Eine Menge Neugieriger eilt zum Trieb. Die Vorsicht hatte sich als berechtigt erwiesen, wenn Herr Kahnt auch be­dauerte, daß nun viele Leute umsonst gekommen waren.

Da die Flüge von gestern und heute lediglich den Zweck hatten, den Motor zu erproben, um ihn für morgen völlig in Ordnung zu bringen, ist dem Versagen natürlich nicht die geringste Bedeutung beizumessen, und wer morgen auf den Trieb kommt, wird dabei auch sicher auf feine Kosten kom­men. Der große Triumph, den der Menschengeift in unserem Jahrhundert errungen hat, ist der Sieg über die Luft; die Flieger sind die Pioniere der neuen Zeit, deren weitere glänzendere Entwickelung wir noch nicht absehen können. Einen Hauch dieses Geistes aber verspüren wir, wenn wir einen Flieger auf seinem eleganten Fahrzeug in den Himmel stürmen sehen.

** Tageskalender. Kinderlieder-Konzert im Saale des Gefellfchaftsvereins. Samstag nachmittag ö Uhr.

Sch ützenv ere. n: Sonntag und SDlontag: Schützeipest auf dem Festplatz am Scbützenhaus.

Bo 1 ksiest i n Dau dringen Sonntag nachm. 3 Uhr.

Gießener Sportverein: Flüge des Archuetlen Kahnt Sonntag nachmittag 5 Uhr.

Kine matograph: Neuer Spielplan. Biograph: Neuer Spielplan.

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Neue Funde in der hiesigen Universitäts- bibliothek. Unter den im Jahre 1908 von der hiesigen Universitätsbtbltothek erworbenen Papyri hat Professor Dr. Glaue, dem wir bereits die Entdeckung der Gießener Fragmente der gotischen Bibel verdanken, die Reste einer bisher unbekannten griechischen Uebersetzung des famaritanischen Pentateuchs nachgewiesen. Er hat über lerne Entdeckung in denNachrichten der k. Gesellschaft der Wissenschaften zu Güttingen, Philologisch.historische Klasse, 1911, S. 167 200 und 263266" eingehend berichtet. Em interessantes juristisches Stück derselben Sammlung hat Professor Eger-Bafel untersucht und als ein vorzüglich er-

hattet G-Iuch um p-St-,üch. E'bf-.g.,

ÄUewÄ vetMe« unb m n« feilen er.

'.S ÄÄSfS? W idma n n zu Hopfmannsfeld für diese Stelle bestätigt.

- Lehrerpersonalien. Ueberfragen wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich List aus Maar die -ehrerstelle an der Gemeindeschule zu Feldkrucken.

" Die hessische Handwerkskammer teilt mit, daß am 31. Juli der Meldeschluß für bie Meisterprüfung ist und daß nach diesem Termin Anmeldungen für dieses Jahr nicht mehr angenommen werden.

-Verlobung. Am 19. Juli fand zu Schlotz Anholt bei Bocholt (Westfalen) die Verlobung deS Grafen>Karl zu Solms-La ubach mit Ihrer Durchlaucht E" Rosa zu Salm-Salm, Tochter deS regierenden Fürsten zu

un st verein. Die Gemäldeausstellung am Brand bleibt auf einige Wochen geschlossen.

Die dritte diesjährig Tagung deSL-chwur- gerichtes beginnt am Montag, den 25. September. Zum Vorsitzenden des Schwurgerichtes für Ober Hessen wurde Landgerichtsrat Brüel in Gießen, für Starkenburg Land- ^erichtsrat Nagel in Darmstadt, für Rhetnhesien Land­gerichtsrat Stiegel ernannt. , , , rr«

** Eine öffentliche Schlaf- und Ruhehalle nach dem Vorschlag von Professor Sommer m Gießen ist bei der internationalen Hygiene-Ausstellung rn Dresden eingerichtet worden und soll sich gut bewahren. Besuchern der Ausstellung sei die Bejichtigung und Benutzung empfahlen.Bienenausstellung auf der LiebigShöhe erhielt nicht, wie versehentlich gemeldet, der Eisenbahnassistent Schmidt, sondern der Bahnhofsaufsehcr Schmidt au§ Villingen den ersten Preis. Ferner erhielt Postsekretär Kumpf seinen Ehrenpreis für eine Klotz beute und eine Zwischenbeute. Außerdem erhielt die Fabrik landwirtschaft- licher Maschinen Karl Buß, Wetzlar, die silberne Medaille in der Geräteabteilung.

Schach. Das vom hiesigen Schachverein arrangierte Simultanspiel be§ amerikanischen Schach­meisters Marshall fand gestern abend im Safe Ebel statt. Außer einer großen Zahl hiesiger Spieler waren auch die Spieler aus Friedberg, Bad-Nauheim, Marburg und TraiS- Horloss gekommen, um ihre Kunst auf den 64 Feldern an des Mei'sters Kunst zu messen. Der "Meister spielte 29 Partien. Er gewann 25 Partien; 2 Partien gegen Herrn Haupt­mann Dieckmann aus Friedberg und Herrn Rothenberger- Gießen wurden remis, ivährend Herr Architekt Phil. "Nicolaus- Gießen und Herr A uster litz-Gießen ihre Partien zum Gewinn führten.

* Der Verein Co ntentia hat seinen Ausflug nach Dutenhofen wegen des Fluges auf dem Trieb um 8 Tage versch oben.

KreiS Friedberg.

----- Bad-Nauheim, 21. Juli. Bis zum 20. Juli sind 22601 Kurgäste angefonnnen, wovon an genanntem Tage noch 8310 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 20. Juli 260075 abgegeben.

Bad-Nauheim, 21. Juli. Ter Opern- und Konzertsäuger Alfred Käse, der für das am Samstag, 22. Juli, stattsindende Künstterwnzert im Konzerthaus ge­wonnen ist, wird in Bad-Nauheim zum ersten Male gehört werden. Sieben seiner vielseitigen Leipziger Bühnen- und Konzertlätigkeit hat sich der Künstler auch außerhalb Leip­zigs durch Gastspiele sowohl in Deutschland wie im Aus­land einen Namen gemacht als Oratoriensängcr und fein­sinniger Lieder- uno Balladeninterpret. Käse erhielt von der Kgl. Atademie der Tonkunst in München die Ehren­münze in Bronze und vom Herzog von Sachsen-Altenburg die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Am Sonntag, 23. Juli, veranstaltet der Schachmeister Frank I. Marshall nachmittags von 2i/2 Uhr ab im neuen Konzerthause ein großes Simultan-Spiel.

©tartcnUiirg unD Rhein Hessen,

m Offenbach a. M., 22. Juli. Die Stadtverordneten Louis Feyh und Christian Schmidt-Weißgerber haben das Beispiel ihres nationalliberalen Parteiführers, des ehe­maligen Stadtverordneten Louis Feistmann, nachgeahmt und ebenfalls ihre Mandate als Stadtverordnete niedergelegt.

! Mainz, 21. Juli. Da die Kreisverwaltung die Er­richtung eines Kreisgewerbegerichtes beabsichtigt, findet in nächster Zeit eine Zusammenkunft sämtlicher Bürgermeister des Kreises statt. Dabei kommen hauptsächlich die Ge­meinden in Frage, deren Einwohner in industriellen oder anderen gewerblichen Betrieben tätig sind.

Kreis Wetzlar.

8. Aßlar, 21. Juli. Die durch ihre Drahtfabriken (Merkenbach-Aßlar) bekannte Firma Berkenfeldt & DrebeS ist aus dem Hansabund ausgetreten.

Hessen-Nassau.

t Aßmann shausen, 21. Juli. In einem Stein­bruch oberhalb Aßmannshausen wurde heute vormittag eine Frauensperson gefunden, die einen Schuß im Kopfe hatte. Man überzeugte sich, daß sie noch lebte und schaffte sie in einem Nachen nach dem Hospitale in Bingen. Da I)ie Verletzung, die sich hinter dem rechten Ange befindet, sehr schwer ist, dürfte es fraglich sein, ob die Berichts mit dem Leven davonkommt. Unweit der Stelle, wo sie gefunden wurde, lag ein neuer Browningrevolver. Die Verlebte trug «.eine Papiere und keine Wertgegenstände bei sich. Lie dürste etwa 20 bis 30 Jahre alt sein. Ob es sich um einen Selbstmord Handels ist noch nicht erwiesen. . tv. N a f) a u, 21. Juli. (Privattelegramm.) Die Mauern dn Ruine des im 12. Jahrhundert erbauten Ahnen- ] d) I ° )) e § des Freih errn von Stein sind heute nackt eingesturzt. Weitere Einstürze drohen noch, ^.as in der Nähe stehende Denkmal des Freiherrn von Stein ist nicht gefährdet. Der Platz ist abgesperrt.

Wiesbaden, 21. Juli. Einem hier zur Kur weilenden D eu t sch -A m erik a n er wurden im Kurha use uon zwei internationalen Ga unern, anscheinend einem Ir­länder und einem Engländer, mit denen er sich kurz vorher angefreundet hatte, 2700 Mark in Papiergeld und ein Pfandbrief über 300 Pfund Sterling gestohlen. Die Gauner entkamen unerkannt.