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22.7.1911 Erstes Blatt
 
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Samstag, 22. Juli Ml

Erstes Blatt

161. Jahrgang

lekemrAnjeiger

Nr. 170

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Die heutige Nummer umfaßt 14 Selten. .....---------- i.

Politische Wochenschau.

Gießen, 22. Juli.

Tie persische Regierung soll sich mit der Absicht tragen, in einer Note an England und Rußland Beschwerde Dar­über zu führen, daß der frühere Schah ?J?obamntcb Ali wieder auf persischem Boden landen konnte. Diel Gewicht würde man einer solchen Beschwerdenote nirgends beilegen. In einer unheimlichen staatlichen Unordnung ist eben erst in Persien ein neues Ministerium ausgetreten, das sich auf gar nichts stützen kann. Zwar bai Rußland am 25. August 1909, etwa fünf Wochen nach dgr Abdankung Mohammed Alis, sich in einem Protokoll verpflichtet. Maß* regeln gegen Umsturzbemühungen des vom Throne Der drängten zu treffen, und Persien wurde genötigt, Mo hammed Ali, der auf russischem Boden sich niederließ, eine Pension regelmäßig auszuzahlen. Heute aber ent scheidet fein Vertrag und feine Abmachung, sondern allein die Machtfrage. Rußland hat offenbar seine Gründe für die Begünstigung des früheren Herrschers, der von jeher als Russenfreund galt, und wenn ein ewKsches Blatt, Daily NetvS", meint, durch die neuen Ereignisse in Persien werde das russiscli-britische dlbkommen vielleicht härter auf die Probe gestellt werden als der Algeeirasvertrag durch die neuesten marokkanischen Vorgänge, so hat es wohl gar nicht so unrecht. Dasselbe Blatt drückt aber noch den Argwohn auS, Kaiser Wilhelm habe in Potsdam dem Zarenfreie Hand in Persien" gelassen. Diese Vermutung wird doch wohl unbegründet sein. Der Zar wird schwerlich die Ab sicht gehabt haben oder in der Lage gewesen sein, Kaiser Wilhelm in die russischen Absichten bezüglich Persiens einzuweihen An der Newa leugnet man es heute schlank­weg ab, von der Organisation einer neuen persischen Ver­schwörung und dem Vorhaben des früheren Schahs Kenntnis gehabt zu haben. England unternimmt einstweilen keiner­lei Schritte. Man darf an nehmen, daß es Mohammed Ali bei den schlechten Wehrmitteln der persischen Regierung über kurz oder lang gelingen wird, in Teheran wieder seinen Einzug zu halten, denn die bisherigen Nachrichten gebet! die Gewißheit, daß er Freunde und .Helfer und an den Turkomaunen am Kaspischen Meer, die

den Stammsitz der Dhnasti bilden, eine treue

6>«~r>i^aft besitzt. Wahrscheinlich ist er also auch nicht ohne (.cbmitteL Es ist somit dafür gesorgt, daß diepersi­schen Wirren" für die nächste Zeit in den Zeitungen wieder eine stehende Rubrik bilden werden. Wann wird das Reich der ausgehenden Sonne endlich, wie Marokko, zur Teilung reif sein? Und werden die beiden Rivalen darüber ohne Streit ins Reine kommen können? Beim gegenwärtigen Stande der Marokfoverhandl.kngen wird von französischen Zeitungen vielfach die Drohung erhoben, man werde die Angelegenheit wieder vor eine Konferenz schleppen. Diese Aussicht könnte uns in derTat das Leben wieder einigermaßen fauer machen falls England den Pariser Diplomaten beispringt. In London sollte man sich wohl bedenken, Deutschlands berechtigte Forderungen um jeden Preis zu durchkreuzen, und zwar gerade im Hinblick auf den be­wölkten asiatischen Himmel. Es könnte einmal ein Tag kommen, wo England und Rußland ähnliche Verhandlungen führen wie jetzt Deutschland und Frankreich. Wie wäre es bann, wenn in entscheidender Stunde Deutschland wirk­lich feinen Einfluß zugunsten Rußlands aufbieten würde?

In den letzten Tagen haben zwei große Gerichtsver­handlungen in Deutschland Aufsehen gemacht. In der einen, gegen den jungen Grafen Wolff-Metternich, einem Neffen des deutschen Botschafters in London, der verschiedener Be­trügereien beschuldigt wird, ist das Urteil noch nicht ver­kündet. Was so viel Absehen dabei machte, war nicht die interessante Persönlichkeit des gesunkenenAristokraten", sondern die Tatsache, daß er trotz der traurigen Beschaffen­heit seiner persönlichen Fähigkeiten und gänzlichen Ver­armung Eingang in Lf'izierskreise und b i allerdings frag­würdigenGeldaristokraten" fand, lediglich vermöge seines Grafentitels. Auch der Besitzer eines biederen Schuh- schäftes ließ verlauten, Grafen, die von einem Schlosse stammten, hätten bei ihm immer Kredit.

Kann man im Anschluß an diese Vorkommnisse irgend eine Klasse des deutschen Volkes, sei eS der Adelsstand, die Geldaristolratie oder das gewöhnliche Bürgertum, verant­wortlich machen? Gewiß nicht. Aber Lehren müssen aus diesem Prozesse dennoch gezogen werden. Auf der einen Sfitc wird man bei uns Deutschen noch manche Vorurteile abftreifen müssen, nicht hinter jedem glänzenden Titel ohne weiteres eine überragende oder auch nur würdige Persön^ lickkeit annehmen dürfen. -Und auf der andern Seite darf Schein nicht mit Sein verwechselt werden, indem man, dem Klang des Geldes nachgelend, persönliches und gesellschaft­liches Unvermögen einzig durch Reichtum zu entschuldigen für erlaubt erachtet. Warum verkehrten die Gardeoffiziere bei den Frauen Wolff-Wertheim?

Die Macht des Geldes war auch in dem andern Prozeß, in dem von zwei Duellgegnern nur einer noch vor den l^erichtsschranlen erscheinen konnte, die Wurzel des Nebels. Ser junge Herr von Richtbosen nahm finanzielle Hilfe in Anspruch, die er vor Gericht als wucherisch und schmutzig verpönte. Herr v. Gassron, der frühere Offizier, dessen Absichten freilich höchst zweifelhaft waren, ist durch die Hanp seines Gegners gefallen und kann sich gegen Beschul­digungen nicht mehr wehren Die Ausgabe des Kriegs­gerichtes war, die Handlungen des Ueberlebenden zu prüfen. Es hat ihn mit der Mindeststrafe von zwei Jahren Festung für genug bestraft erachtet. Unseres Erachtens mit Recht. Demi v. Richthofen war zuerst beleidigt und überfallen worden, nachdem fein Gegner die Folgen der eignen, zum mindesten höchst unklugen Handlungsweise zu tragen ge­habt hatte. Und die öffentliche Meimmg konnte den An­geklagten nicht dafür verantwortt'ich machen, daß heute so traurige Händel noch bnr.h Zwei kämpf enifdneben werden müssen. Der Fall Richthofen-Gafsron ist eher tragisch zu nennen als zum Ausgangspunkt moralischer Betrachtungen zu machen. Verfehlungen, wie sie im Leben gar häufig Vorkommen, wurden aufs Schwerste gebüßt. Interessan­tere und lehrreichere Ausi -linse könnten die seelischen Wand- lungeWoes Herrn von Gafsron geben. Aber über diese Geheimnisse at der Tod den Schleier gezogen Man soll dem Toten reine Steine nachwerfen trotz der Urteils­verkündung des Kriegsgerichtes.

Die sranzösUch-deulschcn Verhandlungen.

Sechs Tage hatten bi? Berliner Verhandlungen über die Agadirfrag? zwischen dem beutfr.ru Staatssekretär Herrn v. Kiderlen Wächter und dem französischen Botschafter Herrn Cambon gerade gedauert, als sie am Donnerstag den 13. Mai abgebrochen werden mußten, weil Herr o. Kiderlen erklärte, daß er sich die Vorschläge Frankreichs, die zu einer Einigung zwischen beiden Mächten führen sollten,

näher überlegen müsse, ehe er sie zur Aussprache stellen könne. Diese Vertagung der Konferenzen läßt natürlich ganz ohne weiteres oen Schluß zu, daß die deutsch fron- ; ösischen Verhandlungen, die bis zum 13. glatt verliefen letzt auf Schwierigkeiten gestoßen sind. Und diese .An­nahme wurde noch babiuvn unterstützt, daß Herr v. xi derlen jüngst den Reichskanzler auf Hohenfinow aufsuchte, mag auch das an der Börse verbreitete Gerücht, Herr von Kiderlen sei zum Vortrag beim Kaiser nach Norwegen be oblen, schnell genug sein energisches Dementi erfahren jaden. .

Bei diesen Schwierigkeiten handelt es fick' natürlich weder um den Marsch der Franzosen nach Fez, noch um die Anwesenheit eines deittschen .'lanonenbootes int Hafen von Agadir. Beide Fragen sind schon vor dem 13. Juli ans den Verhandlungen ausgeschieden, nachdem Frankreich, wie es scheint, anerkannt hat, daß die Aufrollung der Agabirsrage nur eine Folge seines Marsches nach Fez war, eineGeste", wie man sich in Paris ausdrückt, allein dazu bestimmt, den unter dem Kabinett Monis eingeschlafenen deutsch fran­zösischen Märokkoverbandlungen einen neuen Antrieb zu geben. So wurde bis zum Donnerstag den 13. Juli nur arüber verhandelt, unter welchen Bedingungen Deutsch­land sein Kanonenboot von Agadir zurückzieben wolle, und Herr v. Kiderlen Wächter hat darauf prompt geantwortet, daß das von dem Augenblick an geschehen würde, wo^die Franzosen ihren Rückinarfch nach der Schanja und die Spa­nier nach Melilla beendet haben würden, wodurch der ver­letzte Algeeirasvertrag wieder hergestellt wäre. Herr Garn bon scheint dann seinen Kollegen darauf aufmerksam ge­macht zu laben, daß Mulen Hasid selbst die Anweseuhe der Franzosen noch länger wünsche, da er immer noch um feine Herrschaft zittern müsse, was Herl v ter denn auch eiugesehen haben mag. Herr Earnbon hat bann wahrscheinlich an den deutschen Staatssekretär ba Ansinnen gestellt, Deutschland möge sich politisch au» Ma rokko völlig zurückziehen, und als Herr v. Kiderlen Wächter erklärte, daß das unmöglich sei, eröffnete ihm der fran zösische Botschafter, daß Frankreich eventuell zu gewissen Kompensationen geneigt wäre Welche Kompensationen Earnbon Deutschland angeboten bat, ist bis zum heutigen Tage nicht bekannt geworden: sie scheinen auch Herrn von Kiderlen-Wächler in keiner Weise genügt zu haben, weil er mit diplomatischer Höflichkeit eine Unterbrechung der Bei' Handlungen verlangte.

Diese Unterbrc oung hat heute gerade acht Tage ge dauert. Die französische Presse, die auch die meisten Falschmeldungen über den Inhalt der Verhandlungen ver össentlichte, wurde in ihrem Tone immer übermütiger und erschwerte den Fortgang der Beratungen. Heute wird ihr endlich von der leitenden Stelle in Paris eine Zurück Weisung zuteil:

Eine französische amtliche Berichtigung.

Paris, 21. Juli DieAgence Havas" ueröffeuUidü folgende aus dem Ministerium stamme.ide Note: 23er fchiedene Pariser Zeitungen veröffentlichen seit einigen Tagen Informationen oder Berichte über diplomatische Befprechungen betreffend die französisch-deutschen Verhandlungen. Wir sind ermächtigt, zit erklären, daß alle diese Informationen ober Berichte auf keinen Benachrichtigungen beruhen unb bie Verantwortung baher nur den Verfassern obliegt.

Wie nötig bie Pariser Blätter eine solche Absertignng hatten, beweist folgenbe

Breitenbach und die moderne Baufunft

Ein Protest bes Bundes deutscher Architekten.

Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten bat, wie wir gemeldet haben, einen Bericht Dcranlroortlid) gezeichnet, in dem die Stellung der preußischen Regierung zur modernen Bau tun ft batflclein wird. Der Minister schrieb:

Gegenüber der in neuerer Zeit ausgetretenen Bewegung, in bet kirchlichen wie in der bürgerlichen Bau tuns: unter Ab­wendung von allem Herkömmlichen neue Ausbrucksrnittel Tüt die Baugedanken bei Gegenwart zu suchen, glaubt die «laalsbau Verwaltung Zurückhaltung üben zu müssen in, der Ueberzeugimg, daß es als ein baukünstlerischer Verlust an un eben ist, wenn der Boden der geschichtlichen llebcricfcrung verlassen und damit am die Verwertung bet Reichtums der Gestaltungskraft .verzichtet wird, den die Kultur früherer Jahrhunderte hinterlassen hat."

9?un nimmt der Bund deutscher Architekten dos Wort und veröffentlicht folgende Erklärung:

Tie allgemeine Fassung, daß die Bewegung für die Bau gcdanken der Gegenwart neue Ansb.ucksmittel zu suchen, in neuerer Zeit aufgetreten sei, fordert zu Widerspruch heraus -tieje Be Messung ist vielmehr so alt, als bet Fortschritt in der Kunst. Sie ist besten einzige Quelle. _

Auch ist es ein Irrtum, wenn ausgeführt wirb, bau mit ber so falsch gekennzeichnelen Bewegung eine Abwendung von allem Herkömmlichen verbunden sei. Vielmehr werden die Kunst s ch ö p f u n g e n aller früheren Zeiten so eifrig wic nur je und räumlich unb zeitlich wcst u in fassender studiert (unb nach Gelegenheit genutzt), als das irgendeiner früheren Zeit möglich ioar. ES handelt sich bei der vernicintlich neuen Bewegung keineswegs um ein. Verlassen desBodens geiähi r-* lidjer Uebcriiefennig",_ foitöcnt darum, nicht an den dem Laien rasch verständlichenStilmcrhimlen" haften zu bleiben, sondern die k ü n st l c r i s ch e n I de c n besonders in Rdmhmns unb Farbe zu erfassen und sie unseren heutigen Zwecken bienftbar zu machen. Gegenüber dieser Aufgabe, bie nur unter sorgsamer Beachtung der geschichtlichen Uebcrliefcrung erfüllt werden kann, tritt Di? Verwertung des Reichtums an Gestaltungskraft, den die Kultur früherer Iahrlnrnbertc hinterlaßen Hal", völlig zurück. 2i:_be schränkt lief) bei völlig veränderter Bcskimmung ber Gebäude meistens auf die Uebernahrne b. ier oder jener Ausdrucksweise, oft sogar auf eine ferne und frembe Ornamentik.

Das vom Minister der öfsentlichen Arbeiten angeschnittene Problem liegt ziemlich viel tiefer, als «?::" ver­fasset des angeführten Satzes ennimmt. Es rcärc erwünsch:, wenn die Staatsbauverwaltuug Die gl uh: Zur. .. Jtung, Di' kc neuen architektonischen AuSdrucksmitteln geg nüber üben zu muffen

glaubt, auch bei ber beiläufigen Lösung kunstgefchichtlicher und ttinstphilosophischer Fragen übte.'

Dagegen bedarf es durck-aus .-ick't der Begründimg ber Zutück- haltmtg gegenüber ben neuen Ausdrucksmitteln, da jeder Sach­kundige diese Zurückhaltung anerkennen wird. Tie neuen Aus­drucksmittel sind von jeher für den ganz engen Kreis derer ge­wesen, die die Kunst weitergebracht haben, die aber auch unter den Bau beamten der Staatsbauvcrwal- tu n g h5 ch st selten fein dürften.

In den Händen aller übri1 :: haben die neuen Ausdrucksmitttl stets zu Entgleisungen geführt."

Ter Vorstand des undeS Teutscher Architekten.

EinDürcr-Fundin Frankfurt. In der S 2 f r i- ft c i ber Teutschordcnskitche ist, wie wir schon gemclbct haben, Kirchenmaler Baltin seit einigen Monaten mit ber Ausbeckuna alter, aus dem Ansang des 16. Jahrhunberls stam­mende? Wandmalereien beschäftigt. An der Nordwand ist nun, wie bie Frank'. Ztg. ntittcilt, inmitten von Figuren Der Madonna, des hl. Georg und des hl. Christophorus ein 3 c l b ft b i \ ö nj 0 Albrecht Dürers zum Vorschein gekommen, das laut In­schrift 1525 gemalt ist. Obgleich von einem Ausenthalt Dürers in Frankfurt im Jahre 1525 nichts bekannt ist, hält Maler Ballin, ein erfahrener R -tauralor, das Bild für echt. Es wird ver­mutet, daß sämtliche Wandbilder von Gehilfen Dürers nach Originalen.irürfen des Meisters gemalt wurden und daß dieser nach Vollendung der Ausmalung nach Franftur. kam, um an das Werk die letzte Hand anzulegen und bei dieser Gelegenheit sein Selbstbildnis an Stelle eines neben dem bl. Chriftophorus dar- gestellten Graniten in bie Komposiiion eingcimilt h.u. Möglich wäre ouck, daß .'? (>:! ilfen das Selbstbildnis nach einer Vorlage Dürers gemalt haben Ter Meister ist in Halbftgur, Taft das volle G-fick,: dcnt Jefdauer zum endend, bargeücllt. Er tragt cm federgefchüiücktes Barett: bas Haar liegt über die Stirne und wallt über bie Sckniltcm: Schnurr und Vollbatt finb weniger ftari als bei De:i betanntai Selbstbildnissen: Mund, Nase und obere Gesicknsrarlie unverkennbar Dürers Züge: das Ge­füllt macht i ?:: eine-- noch jugendlichen Mannes.

linke Hand tetr Pinsel unb Palette, bie rechte die JnschrifttafA. Unter ihr breitet firn Dürers Mantel 11 reichem Faltenwurf aus, der einer Anzahl Wapven, darunter das des Kaisers Maximilian I., aU Hintergrund Dient. Bildnis und Inschrift sind, soweit die Konturen in Betrack: komme::, vorzüglich erhalten. .

GoethesUrmeiner". Wic ber Cottasche Ver­lag mitteilt, ist nach Ueberminbung immer n.uer Schwierigkeit.u niimnchr als gesichert zu betrachten, daß GoethesUrmeiftcr"

im September dieses Jahres erscheinen wird.Wilhelm Meistere- theatralische Sendung" das ist der eigentliche Titec liegt bekanntlich den Lehnahren Wilhclnt Meisters" zu Grunde, bietet aber inhaltlich wie stilistisch wesentlich anderes als der spätere Roman und ist fein Fragment wie berUrfauft", sondern voll­kommen lückenlos, streng einheitlich und abgerundet. Einer Lurue- Ausgabe für Bücherfreunde, bie nur in einer beschränkten An­zahl numerierter Exemplare hergeßellt wird, soll im Abstand von etwa drei Wochen eine wohlfeile, aber bestens aiisgesrattete Ausgabe des mit so großer Spannung erwarteten Werkes folgen.

Theodor Mommsens Bruder. Professor August Monnnsen, der jüngste und einzig überlebende ber bekannlcn drei Brüder, vollendet am 25. Juli b. Z. sein neunzigstes Lebensjahr. Wie Theodor und DyckMommsen fit er ga n den Wissenschaften gelebt und sich in vielsachen Schriften, haupnächlich auf dem Gebiete ber griednfeh tt Chronologie, einen geachteten Namen erworben. Er ist noch einer ber tccnigcn Uebcrlcbenhcn, die im Jahre 1848 aktiven Anteil am Kampf ber Herzogtümer gegen Dänemark genommen haben, unb verlor hierdurch seine Si llung als Gvninafiallehrer in Flensburg, mußte das Heimatland per lassen und kehrte erst int Fahre 1861 als Professor nno Konrektor <m der Dom schule nach Schleswig zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung int Jahr? 18>3 wirkte. Seitdem lebt cr in stiller Zurückgezogenheit in einem Vororte Hamburgs und erfreut sich noch beute bei völliger geistiger Frische einer verhältnismäßig guten Gesundheit.

Das erste Bnck> der Lappen. Johann Aaffson T u r i, Jäger, Fischer unb Poet, ist der erste Lappländer, der ein Buch geschrieben hat. Tutt ist nebenbei auch cm Künstler, denn er hat das Leben und Treiben seines Volkes in Silbern und Zeichnungen geschildert, die, wenngleich pttmitiver Natur, doch den Vorzug ber Wahrheit und Lebrnslreue für sich haben. Es gibt heute nur noch 7 000 Lappen, die nomadisierend ihren 'Jiennticrl)erben von ben Winter nach den Somm-?rwttdeplätzen jo' gen. Wenn Der erste Schnee des langen lappländischen Winters fällt, legt Turi seine Schneeschuhe an und verschwindet. Den ganze,t Winter hindurch ist cr auf der Jagd, schläft glücklich und cuftieden in seinem Schlaiiack und glaubt, daß nichts in der Welt fchancr sein könne, als seine im Wintereife erstarrte Heima:. Das Bück', das Turi geschrieben hat, ist die einzige zuverlässige Quelle, die über das nördlichste Volk Europa:- näheren Aufschluß gib: t'angc Zeit hindurch sträubte sich der Autor gegen bie Vercftent lichung, a'vr die Bemühungen Hjalmar Lundboms bf- Dircktors ter schwedischen Eisengrupven in Larrland, haben 1. endlich bewogen, das Buch der OcfTentl'chkei! zu übergeben. Emil-. Demant, eine Dänin, die regelmäßig in Lappland zu jagen pflegt, unb bie Turi seit Jahren kennt, wird das Buch ms