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GerichtssaaL.
. Darurftlavk, 20. April.
Kriegsgericht. Tief gesunken ist der aus eirrer gcb- lüirierten Bauernsanrilie ftanrmcnbe I. F. Dörlomm aus ©rofs- hausm, der s. Z. das Gymnasium besucht Lat, das MaürritäM, examen bestand und dann in Gieren 9 Semester IUrrsprudemz fbw drerte. Dort ist er bei seinem „Studium" vollständig versackt und versäumte es, sich bei der Militärbehörde mnrerft von dem Einjährig- Freiwilligen Dienst zurückstellen zu lassen, so daß er als unsicherer Heerespflichtiger beim Inf.-Regt. 115 eingestellt wurde. Mit den Einjährigm-Schnürm war es nun vorbei und muß er drei Jahre dienen. Durch seine anfangs gute Führung benützte miau ihn als Botallionsschreiber, doch scheint ihn auch hier sein Leichtffiun nicht verlassen zu haben. Im November v. I. behielt er den Betrag von 15 Mark, den er zur Bezahlung einer Rechnung verwenden solide, für sich, da er an« scheinend tn Geldnot war und fälschte den Namen der Firma, die den Betrag erhalten sollte, auf der Rechnung. Erft jetzt tat der Betrug heraus und hätte D. doch hinreichend Zeit gehabt, bis Angelegenheit zu ordnen. Das Gericht billigt ihm mildernde Unrstände zu und verurteilte ihn zu 4 Wochen strengen Arrest. Mit Rücksicht auf die Sachlage mußte auf Beizung in bte 2. Klasse erkannt werden.
Vorstand wird eine Festschrift heraus geben, die eine Ueber- frcht über die Entwicklung und Verbreitung der Bienenzucht und des Vereins in Oberhessen enthalten soll. Mit der Wanderversammlung ist eine Verlosung von Honig und Bienenzuchtgerätschaften verbunden. In dem grckßen Saal und Garten der Diebigshöhe wird zugleich eine Ausstellung von Erzeugnissen der Bienenzucht abgehalten werden, die allgemein zugänglich ist. Dazu sind bereits mehrere ^hren- vreise gestiftet, u. a. vom Großherzog, dem deutschen Jmker- ound u. a.
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L. Bad-Nauheim, 20. April. Mit jedem Zuge treffen Kurfremde ein. Etwa 800 Kurgäste sind zurzeit anwesend. Im Elisabethhaus, in dem zwei Monate keine Kinder waren, wird nächsten Montag die erste Sommerperiode beginnen. Auch wird in diesen Tagen das neue katholische Heim bezogen, das der Kettlerverein ins Leben gerufen hat. Es kommt in den einen Teil des Lindenhofs, den der Verein käuflich erworben hat. Das seitherige katholische Schwesternheim, das nur wenige Räumlichkeiten besaß, wird anderweitig verkauft werden. Auch das Eleo- norenhospiz, das zur Aufnahme wohlhabender Kurgäste dient, die Familienanschluß wünschen, hat seine Räumlichkeiten durch Erwerbung eines zweiten Hauses vergrößert. — Der Südflügel unseres Bahrthosempfangsgebäudes ist nun nahezu vollendet. Im Anfang der nächsten Woche wird der Wartesaal 1. und 2. Klasse dem Verkehr übergeben, nachdem Wochen lang nur ein Wartesaal für den ganzen Verkehr diente. Bereits sind Wasch- und Toilettenräume fertiggestellt. Der Südflügel, der Bureauräume, Post und Gepäckabsertigungsstelle enthält, ist im Rohbau vollendet.
A Groß-Karben, 20. April. Eme rege Bautätigkeit herrscht in Kloppenheim, Groß- und Klein- Karben, die an unserer Bahnstation liegen. Da viele Arbeiter, die in Frankfurt beschäftigt sind, in genannten Orten wohnen, so wird fast stets in der Richtung nach dem Bahnhof gebaut. Wenn die Bautätigkeit so weitergeht, werden in einigen Jahren Groß- und Klem-Karben zusammengebaut sein.
A Aus der Wetterau, 20. April. In schönster Blütenpracht stehen gegenwärtig die zahlreichen K irschen- anlagen bei Rendel, Ober-Rosbach, Ockstadt und Fried- berg. Der große Kirschenwald am Taunusabhang bei RoS- bad), dessen Ertrag den Bewohnern jährlich Tausende von Mark einbringt, bildet in seiner weißen Blütenpracht ein herrliches Bild. Auch die Pflaumen- und Birnbäume, die Aprikosen und Psirsiche haben zu blühen begonnen. Das gelinde Wetter ist der Entwicklung der Blüten günstig.
Starkenburg und Rheinhessen.
Dieburg, 21. April. Zwei Personen wurden von Radfahrern umgerannt. Der eine der Umgerannten wurde getötet und der zweite lebensgefährlich verletzt.
! Mainz, 20. April. Gestern abend 9r/s Uhr ließ sich die 26jährige Ehefrau Klara Rohr aiis Heideshcim von dem Binger Zuge überfahren. Die Lebensmüde ist Muttei von zwei Kindern. — Heute morgen fand man den Musketier Seitz aus Rimbach i. O. in einem leeren Eisenbahnwagen erhängt auf. Seitz war über die Osterfilertaqe in die
= Rodherm a. b. Bieber, 20. April. Heute nacht gegee V22 Uhr wurde unser Dorf durch die Hornsignale der freiwilligen Feuerwehr, sowie durch die Sturmglocken alarmiert. Es brannten zwei aneinandergebaute Scheuern, sowie em Stück eines alten Wohngebäudes. In wenigen Minuten war die freiwillige Feuerwehr zur Stelle, griff den Brandherd mit drei Schlauch- lin'.en von der Wasserleitung /m und sicherte so, die mit dem Brandherd eng verbundenen, zum Teil aus Holz gebauten Gebäude. Nur der außerordentlichen Schnelligkeit der Wehr war es zu verdanken, daß das Feuer keinen größeren Umfang an- nahm^ Erft nach geraumer Zeit traf die PflicAseuerwehr mit der Spritze ein. Nachdem die Gefahr, daß das Feuer weiter um sich greifen würde, beseitigt war, wurden die Gebäude sammeimerissen und abgelöscht und gegen 4 Uhr konnten die Mannschaften unter Zurücklassung einer Brandwache wieder ab- rücken. Den Wert einer tüchtigen, stets alarmbereiten Feuerwehr konnte man hier wieder richtig schätzen lernen. Es ist nur zu bedauern, daß diese so nützliche Einrichtung von der GauernLe keinerlei Unterstützung gewährt wird, und alle seine Wnh-Ägi» ohne weiteres abgewiesen werden.
Hessen-Nassau.
F. C. Wiesbaden, 20. April. Im Januar batte eine Versammlung von Interessenten in Erbenheim beschlossen, von neuem für die Errichtung einer Vollbahn durchs „Ländchen" einzutreten, und zwar soll die Bahn von Wiesbaden nach Hofheim am Taunus und Anschluß an eme Bäderbahn nach Soden—Cronberg—Homburg—Friedberg— Nauheim erhalten. Die Vorarbeiten zu diesem Projekte sind auf einem toten Punkte angelangt, da man erst sehen will, ob die projektierte Schnellbahn Wie8baden-„LändchenE— Frankfurt zur Ausführung gelangt.
* Aus der Reichshauptstadt. Die Morge» blätter melden aus Berlin: Als gestern abend eine ältere Dame Unter den Linden aus einer Droschke gestiegen war und sich anschickte, den Kutscher zu bezahlen, stürzte ein junger Mann auf sie ^u, riß ihr die G e l d t a s ch e aus der Hand und versuchte, tnt Menschengewühl zu verschwinden. Er sprang auf ein Automobil, das aber durch Notsignale von einem Schutzmann angehalten wurde. Der BursA wurde verhaftet. — Die Aufführung von „Rich ardEl im Zirkus Busch wurde durch einen Unfall gestört. Bei den großen Umzügen zahlreicher Ritter stürzte« hinter der Bühne zwei Reiter so unglücklich vom Pferde, daß sie den Fuß brachen. Die scheu gewordenen Tiere schlugen wild um Jtcg und Herr Bonn selbst sowie der Darsteller des Clärens wurden derart verletzt, daß chnen Verbände angelegt werden mußten. — Am öo- henzollerndämm brannten etwa 12 Morgen fünfzehnjährigen Baumbestandes. Es mußte eine nicht weniger als 450 Meter lange Schlauchleitung hergestellt werdew um Wasser zum Löschen zu geben. Am Bahnhof Eich- kamp brannte eine große Strecke Wald nieder.
*DerOhrfeigenkavalier. Die Mvrgenblätter melden aus Wien: Während der Aufführung einer Parodie des „R osen- k avalier" im Ronacherthcater hatte eine Schauspielerin einen Komiker scherzweise gestört. Er revanchierte sich, indem er die Kollegin in der folgenden ©jene .aus dem Konzept zu brivgen suchte. Empört hierüber riß, nach dem Falle» des
Landkreis Gießen.
„ y Steinbach, 20. April. Die Vorstände der hiesigen Vereine faßten einmütig den Beschluß, am Blumentag — 7. Mai — im Saale des Herrn Görlach gemeinsam eine Feier äu veranstalten. Der Eintritt soll für jedermann frei sein. Der Blumenverkauf findet am Tage statt und wird abends im Saale fortgesetzt.
△ Allendorf a. d. Lahn, 21. April. Die traurige 91 a ebr t d>t traf bei der hiesigen Familie Phil. Arnold ein, daß ihr 21 jähriger Sohn, der bei der Werftdivision in Kiel biente ertrunken ist. Wilhelm Arnold befand sich über Ostern auf Urlaub in Lübeck und ist dort bet einer Wasser Partie ertrunken. Der hoffnungsvolle und brave junge Mann hatte in Heuchelheim das Schmiede Handwerk erlernt und trat im Herbst 1909 in die Marine ein. Die Beerdigung findet heute in Lübeck statt.
Kreis Büdingen.
4. Büdingen, 20. April. Blum entag. Frau Rentner Roth hat sich bereit erklärt, die Körbchen für alle Büdinger Blumenverkäuferinnen zu leihen. 42 Mädchen werden den Verkauf besorgen, von denen stets zwei und zwei zusammen gehen.
Kreis Lauterbach.
= Herbstein, 19. April. Bei der heutigen Bürg ernt eist er wähl wurde der Seitherige Bürgermeister Engelbert Schneider ctnfiimmig mit 261 Stimmen (von 320 Stimmberechtigten) wiedergewcchlt. An die Wahl schloß sich eine Hulüigungsseier der Gemeinde unter Anführung des Gesangvereins und der Stadtkapelle.
Kreis Friedberg.
♦* Erledigte Lehrerstelle. Die mit einem kctth. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule ru Münster (Kr. Dieburg); mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Münster steht das Präsentationsrecht zu.
** Blumentaig. Am Mittwoch nachmittag hatten sich 75 junge Damen in Steins Saal eingefunden. Der Vorsitzende des Komitees Provinzialdirektor Dr. Ufinger und Regierungs-Assessor Wolff erklärten, wie Me Sache gehandhabt werden sollte. Dr. Usinger erklärte, daß 75 Damen viel zu wenig sei, um den Bmmenverkauf an dem Tage richtig betreiben zu können. Man habe auf 300—400 Töchter unserer Bürgerschaft gerechnet, die im Interesse der Sache sich betätigen würden, darum müsse er bitten, weitere Helferinnen anzuwerben. Man möge sich unter der Adresse Dr. Usinger, Kreisamt Gießen anmelden. Aus den weiteren Darlegungen des Provinzialdirektors ging hervor, daß immer zwei junge Mädchen zusammen in einem engbegrenz- ten Revier tätig fein und nach zwei Stunden durch zwei andere Verkäuferinnen abgelöst werden sollten. Es wird weiße oder wenigstens Helle Kleidung gewünscht. Weitere Meldungen von Damen werden bis Samstag mittag erbeten.
*• Landwirtschaftliche Versammlungen. In Grünberg finden morgen Samstag den 22. l. M. die Generalversammlungen des K reiS-Rind erzucht- v er eins für Vogelsberger Vieh und des KreiS- ZiegenzuchtvereinS im Gasthaus „zum Hirsch" statt. Die Versammlung des Kreis-Rinderzuchtoereins beginnt um SVr Uhr, diejenige deS Kreis-Ziegenzuchtoereins um 2 Uhr nachmittags.
** Bienenzüchterverein. Die gestern vormittag 10 Uhr im Hotel Schütz hier abgehaltene Ausschußsitzung des Oberhessischen Bienenzüchtervereins war aus allen Teilen Oberhessens gut besucht. Nachdem der Vorsitzende, Lehrer B u ß-Leihgestern, seiner Freude über den zahlreichen Besuch zum Ausdruck gebracht hatte, erstattete der Rechner, Lehrer H o tz-Nidda, den Kassenbericht über das abgelaufene Jahr. Die Einnahmen belaufen sich auf 3403,73 Mk., die Ausgaben betragen 2996,77 Mk., so daß ein Heberschuß von 406,96 Mk. bleibt. Die vorgelegte Rechnung wurde von zwei Mitgliedern einer eingehenden Prüfung unterzogen, wobei sich keine Anstände ergaben, so daß dem Rechner Entlastung erteilt wurde. Der Verein ist jetzt bei Gericht eingetragen Daraus ergibt sich die gesetzliche Verpflichtung jedes Mitgliedes, das den Verein verläßt, zur Zahlung des laufenden Jahresbeitrages. Der für das Jahr 1911/12 vorne tragene Voranschlag beläuft sich auf 2947,33 Mk. Vom v. bis zum 10. Juni wird bei Lehrer Hens-el-Hirzenhain ein Kursus für Anfänger in der Bien-enKucht abgehalten, wozu natürlich nur Bereinsmitglieder zugelassen werden. Der Kursus für Fortgeschrittenere wird an demselben Orte vom 25. Juni bis 1. Juli stattfinden, wobei Lehrer Hensel und der Vorsitzende unterrichten werden. Auch dieser Kursus ist nur für Vtttglieder. Auf Antrag des Zweigpereins Schlitz wird die nächstjährige Ausschußsitzung am 3. Ostertag mittags 12 Uhr ihren Anfang nehmen. Einen großen Teil der zur Verfügung stehenden Zeit nal)m die Besprechung über die diesjährige 50. Jubiläumswanderversammlung ein, bie anfangs Juli auf der Liebigshöhe abgehalten werden soll und deren Vorbereitung und Ausführung der hiesige Zweigverein übernommen 'hat. Es wird ihm dazu ein
vvu 200 Mk. ans dem HaAptverein bewilligt. Der
Aus Stabt und Lund.
Gießen, 21. April 1911.
** Tageskalender für Freitag, 21. Avril: Zirkus Straßburger: Eröffnungs-Vorstellung. Abends 8'/. Uhr in Oswalds Garten.
**Ob derKaiser in diesem Jahre nach Gießen kommt, ist noch nicht bestimmt. Hiesigen Kreisen, die es wissen müßten, ist nichts davon bekannt, und man rechnet auch nicht damit, daß der Kaiser sein hessisches Regiment in diesem Jahre besucht, da sein Wiesbadeiier Aufenthalt nur vier Tage dauert. Die tn auswärtigen Blättern verbreitete Nachricht, der Kaiser komme am 12. Mai hierher, beruht lediglich auf Kombinationen.
Ballonfahrten von Gießen. In unserer Stadt ist eine Bereinigung in Bildung begriffen, die Freiballon- Fahrten von hier aus veranstalten will. Man hott sich bereits mit der Bürgermeisterei wegen Lieferung von Gas zur Füllung des Ballons ins Einvernehmen gesetzt. Das Gaswerk hat schon Pläne und Kvstenvoranschläge zur Errichtung einer Ballonfüllstation auf dem Hinteren Teil des Werkgrundstückes ausgearbeitet, wobei angenommen ist, daß die Füllung von 12—1600 Cbm. Gas nicht länger als 30 bis 40 Minuten Zeit in Anspruch nehmen darf. Die erste Fahrt des Ballons, der den Namen „Gießen" führen wird, soll in 1—2 Monaten vor sich gehen. Die Gondel wird so bemessen sein, daß außer dem Führer drei Fahrgäste bequem darin Platz finden.
Heimat beurlaubt und hatte sich au§ Furcht vor Bestrafte« wegen Urlaubsüberschreitung das Leben nehmen wollen, konnte jedoch durch sofort angestellte Wiederbelebungsversuche ins s2cben zurückgerufen werden.
ch Dingen, 20. April. Die heutige Sitzung der Stadt- v er ordne tenversammlung beschäftigte sich mit der Fch. Heilung des städtischen Voranschlags für 1911. Der Hauptpunkt war, wie der sich ergebende Fehlbetrag von rund 34 000 Mk. gebedt 1 verben soll. Der Finanzausschuß glaubt dieses Ziel durch Erhöhung der Umlagen um fünf Prozent, sowie Erhebung einet Kanal st euer erreichen zu können und hatte einen demgemäßen Beschluß gefaßt. Befürwortet wurde diese Verteilung durch Bürgermriiter Neff, Landtagsabg. Pennrich u. a. Aus einen axv. deren Standpunkt stellten sich bie Stabtv. May, Dulcins, Ohler und anbere. Sie waren der Ansicht, daß von ber Fäkalienleitung alle Bewohner ber Stabt, ob Hausbesitzer ober Mieter, Vorteil hätten, und daß aus biesem Grund eine Sonberbelaftung ber Hausbesitzer nicht angebracht erscheine. Die Kanalfteuer sei weder gerecht noch angebracht, höchstens so, baß wie nr vielen preußischen und badischen Stödten eine Kanalsteuer von allen Anwohnern erhoben hxjrbe. Diese Ansicht wurde von den Gegnern als für Hessen zwecklos .bezeichnet, weil ber hessische Staat biess Art ber Erhebung ber Stabt Gießen nicht genehmigt habe und nicht zu erwarten fei, baß die Regierung inzwischen ihre Ansicht geändert habe. Nach fhinbentanger Aussprache wurde bei der Abstimmung die Einführung einer Kanalsteuer in Höhe von ins- gesamt 19 420 Mark mit nenn gegen sechs Stimmen, bann bie Einführung einer Kanal steuer in Höhe von 6000 Mark mit dem gleichen Stimmenverhälttiis abgelehnt.
Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 20. April. Gestern nachmittag um 5 Uhr wurde auf der Straße zwischeu Aßlar und Wer- dorf der hier beschäftigte Steinmetz Lütgen von einem Automobil angefahren und so zur Seite geschlew, dert, daß er bewußtlos liegen blieb. Der Verletzte wurde ins hiesige Krankenhaus gebracht. Ohne sich um den bewußtlos Daljegenden zu kümmern, fuhren die Automobilisten davon.
cuftschWahtt.
Deutscher Zuver lä ssigkeitsflug.
Straßburg, 20. April. Wie der „Oberrheinische Verein für Luftschiffahri" bekannt gibt, ist der deutsche Zu- verlässigkeitsslug am Oberrhein nun tn jeder Beziehung gesichert. Er findet in ber Zeit vom ,20. bis 28. Mai 1911 statt unb zwar mit folgenben Strecken: 1. Tag: Baben-Baben— Freiburg 103 km; 2 Tag: Freiburg—Mühlhausen 104 km; 3. Tag: Mühlhcru sm—Straßburg 100 km; 4. Tag: Schau fliegen in Straßburg; 5. Tag: Straßburg—Karlsruhe 90 km; 6. Tag: Karlsruhe—Mannheim 100 km; 7. Tag: Mannheim—Frankfurt.
welche die Hinzufügung gewisser Artikel verlangte, was bie übrigen iltanrömtgheber grundsätzlich annatzwen.
Aus Tunis wirb gemelbef: Die Könige von England, Spanien unb Italien richteten an ben Präsidenten Fallisreä Zischen, in denen sie für ben dm Scknfsm bereiteten Empfang Mlich bauten. Fälliges weihte einen Teil ber Bahnlinie Susa- Sfax em.
-,. "ach Selee an ber Oftgrmze von Montenegro mar- schierenbe türkische Kolonne besetzte ben Ort Gruse. Als fte dm Berg Mintsch zu besetzm versuchte, wurde sie von Auf- "bi scheu angegriffen, wobei ein Soldat getötet wurde.
Da Gebirgsgeschütze wegen des Schnees nicht auf ben Berg hinaufgeschafft werben konnten, mußte sich die Kvlonne aus Gruse zurück- 8iehm, Wobei ein Soldat unb ein Maultiertreiber verwundet Würben. Bet bem Rückzüge griffen bie Aufftänbischen bei Krupa twerillals an; die Truppen hatten keine Verluste.
Heer und Flotte.
, . derlin, 20. April. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Haushaltungsgesetz für 1911, ferner eine Bekanntmachung des Kriegs Ministers, daß ben Unteroffizieren und Mannschaften ber Armee dienstlich verboten wirb, Zivilpersonen, Handwerksmeistern ber Truppen, militärischen An- staltm usw. Beihilfe z-ur Ausübung ihres Gewerbebetriebes zu letften. Dm Unteroffizieren unb Mannschaften wirb befohlen, fron jeher an sie ergehenben berartigen Aufforbermig bem Vorgesetzten Mridung zu machen.
Stuttgart, 20. April. Gestern mittag begaben sich, wie der , Staatsanzetger" meldet, die Generale ä la suite seiner Maje- Mt des Königs, General ber Kavallerie Graf v. Zeppelin unb wneraueutnant Freiherr v. Reischach, sowie bie bienfttuenben Flügeladjutantm in bas Residmzschloß, um Seiner Exzellenz bem ©en er al der Infanterie und Generalabiutantm Freiherrn v. Bil- sing.er im Namm färntiiefer ©eneralohjutanten nnb Generale ala suite, sowie Flügelabjutanten zu seinem am 25. April statt- ftnbenben 50jährigen Militärbien st jubiläum eine Jubckäumsgabe zu überreichen. General ber Kavallerie Graf 10. Zeppelin hielt borouf eine Ansprache, auf bie ber Jubilar gerührt bankte.
, . Vonde". Lichtfpielen im Kolosseum wirb uns geschrieben : Die jetzt vorgeführten nur erstklassigen Schlagerprogramme find bie benfbar besten, so baß ein reger Besuch bring mb ju mipsehten ist. Hierbei sei u. a. noeft nebenbei benannt: Napo-
«onabarte, Caro Neune, Einquartierung in ber Mühle, &a|ar Birotteau usw. Um ben Besuch beö Programms jeber- mann ju ^möglichen, veranstaltet bie Direktion heute einen großen ,og bei vollständigem Programm, gegen ermäßigte Preise.
Der Vortrag über den Schwarzwald, her füc heute abend angekündigt war, findet nicht statt.
**Freimarkenrollen. Wie das Amtsblatt de? ReichSpostamts mitteilt, werden vom 1. Mai ab Freimarken- voflen, bie zur Verwendung für Portokontrollzassen, Frankiermaschinen usw. verlangt werden, zum Nennwert, also ohne ben bisher erhobenen Ausschlag von 25 Pfennig für bie Rolle, an das Publikum abgegeben.
** Ein amüsantes Gießener Studenten- Stammbuch enthält die berühmte Stammbücher- Sammlung Friedrich Warneckes, deren Auktions- Katalog die Firma C. G. Boern er,Leipzig, versendet. Es ist dies das Freundschaftsbuch des Studenten Grave 1 i u s, das dieser in den Jahren 1779 bis 1781 in Gießen verwandte, ein hübscher Lederband mit Goldverzierung, der nicht weniger als 147 Einträge von Gießener Studenten enthält. Vielen sind die Sichouetten beigefügt. Bemer- mngen von des Besitzers Hand geben über bas Leben einzelner seiner Freunbe Ausschluß. Oesters kehrt der Vermerk wieder: „Wurde relegiert ober „ist verschollen", „ging in aller Stille nach Haus". Bei pem C. F Klingelhöf er heißt es: „Im Frühjahr 85 verlor er sich schlechter Streiche halber in ber Stille, schwänzte (b. h. prellte) hier unb ba die Wirte und ließ sich endlich chls Kaysers Mousquetier engagieren". Ein Gustav Friedrich Gotte schrieb folgende Sttophen ein: „Betritt den Weg der Weisheit unb der ^ugenb, dies Jüngling ist der Weg zum wahren Glück. Dann sichst Du einst auf Deine Jugend mit Scham und Reue nicht zurück." Sein Lebenswandel war dem wenig entsprechend; eine Randnottz besagt: „Schwänzte 1779 und Ging nach Jena, von da wurde er 1781 relegiert und kam wieder hier her, weil er aber nicht recipiert to-urbe, ging er unter die Engelländer und wurde Corperal."


