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Ur. 95 Erstes Blatt W. Jahrgang Zreitag, 2b April \9\\
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Annayme von Anzeigen Hotationsbnid Uflö Verlag der vrühl'schen Univ.'vuch. und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Lrpedltion und Druckerei: Zchulstrahe Land": E.Heß;Zur den bis Donr^ua^Tuf)” Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle vahnhosstratze 16 a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die Belagerung von Zez und die Zranzofen.
lieber die von Frankreich geplanten militärischen Maßnahmen in Marokko wird amtlich gemeldet, daß die aus der Schauja nach Fez zu entsendende Truppenabteilung an 2000 Mann zählen und einen (Sabre von algerischen und französischen Instrukteuren, sowie mehrere Artillerie- Abteilungen erhalten werde. Was die Verstärkung der Militärposten am rechten Mulujaufer anlange, so habe die Regierung dem General Toutöe freigestellt, über die sämtlichen Mannschaftsbestände seiner Division zu verfügen, um die Sicherheit des Grenzgebietes zu gewährleisten. Es scheint, daß die französische Regierung vorläufig sich darauf beschränken will, durch die Truppen- ansammlung auf dem rechten Mulujaufer die aufrührerischen Stämme von Fez abzulenken.
Der „Temps" bemerkt hiei m müsse sich fragen, ub dies genügen werde, um die Sicherheit des Dberstleut- nanis Mangin und seiner Slreitkräsic zu verbürgen, falls ihm die Munition ausgehen solle.
Paris, 20. April. Nach einer Meldung aus Tanger wurde die unmittelbare Umgebung von Fez durch den Kampf vom 12. April f r e i g e m a ch t. Die Lage fei am 14. April noch ziemlich kritisch gewesen, aber die Bevölkerung scheine etwas beruhigter.
Tanger, 20. April. Die Nachrichten bom Heer Vremonds reichen bis zum 14. April zurück. Zu diesem Zeitpunkt machten Regengüsse die Wege ungangbar, (er Sebufluß bildet bei seinen Mündungen bei Regatta und Mokkas einen See von mehreren Kilometern Lange. Jede Bewegung ist unmöglich, aber die Haltung der Truppen ist gut. In dem Kampf vom 12. April wurde ein einziger ffaib getötet und zwei Mann verletzt, währena der Feind etwa 100 Tote und Verwundete halle. Tie Wirkung des Kampfes war beträchtlich. Trotzoem lehrten die ^cherarda wieder in ihre Stellungen rings um die Truppen zurück. Ein Bote zu Fuß, der am 16. April aus Fez zu den Truppen kam, erzahlie, daß die Stadt ruhig fei, Lebensmittel hereintümen und die Kontingente der Hhaina eingetrossen wären. Nam einer M Tdung an3 Fez vam 13. April war der Kampf am 12. April gegen die Beni Mtcr, Uarain und Diamar ein bedeutungsvoller Wink für den Machsen. Der Feind wurde bis auf 200 Meter an fite Befestigungen von Fe; herangelockt und dann durch das Feuer der Artillerie gelichtet. Die Verluste des Machsen betragen vier Tote.
Nack) den lehren Nachrichten operiert Major Bre- mond mit seinen Truppen etwa 40 Kilometer nördlich von Fez. Hauptmann Moreau, augenblicklich in Elksar, organisiert aus dem linken Ufer des Lukkos Verpslegungs- kolonnen für die Truppen Bremonds.
Paris, 20. April. In Marseille werden die Pakeiboote „Espagne", „Aquitaine" und „Muluya" bereit gemacht, um in Marseille, Bona, Philippeville und Algier ungefähr 2 7 00 M ann mit der Bestimmung nach Easablanea aufzunehmen
vom Ausstand in nicjiio.
Die Lage in Mexiko ist noch äußerst gespannt: der Führer der Aufständischen bedrohr augenblicklich die Stadt Iuarez, und mit einem Waffenstillstand ober Friebensver- handlnngen scheint es nichts zu werden:
Ncwyork, 20. dlpril. Der „Newpork Times" wirb aus Washington gemeldet, der Ton der A n t w o r t b e s P r ä s i b e n - len Diaz mache den Eindruck, als wolle er die Bereinigten Staaten zu einer Intervention h-erausfordern, in der Hoffnung, daß ein lieber schreiten der Grenze durch amerikanische Truppen alle Parteien Mexilös gegen rimcrita vereinigen werde._________
Nach einer Depesche aus El Paso in Texas forderten die Aufständischen die Stadt Iuarez auf, binnen 24 Stunden sich zu ergeben. Nach einem Telegramm aus der Stadt Mexiko verlangten die Abgeordneten einen vollständigen Bericht über die Friedensverhand lungen. Wenn auch bisher die Verhandlungen nur von unter geordneten Agenten der Regierung geführt itmrben, so ist eS doch kein Geheimnis, daß der Minister des Aeußern die betreffenden Direktiven gab.
Die „Assoeiated Preß" nieldet aus El Paso: Madero verweigerte unbedingt einen sofortigen Waffenstillstand. Erst nach der Schlacht bei Iuarez werde er über einen Wassensnll- tanb reden. Madero benachrichtigte die ausländischen Konsuln n Iuarez, daß er Iuarez wahrscheinlich alsbald angreifen werde.
Washington, 20. April. Gomez, der hiesige Vertreter Maderos sandte an diesen ein Telegramm, in dem er ihm abrät, Iuarez jetzt anzugreifen. Er tolte es unbedingt für notwendig, weitere internationale Verwicklungen zu verhüten.
Die elektrische Zugförderung und die preußische Staatsbahnverwaltung.
Das EisenbahnanlLihegesep, das demnächst dem preußischen Abgeorbnctenhause zugehen wird, wird in größerem Umfange als bisher Mittel für die elektrische Zugförderung anfordern. Neben der zweiten Rate ,ür den Ausbau der Strecke Magdeburg—Dessau—Bitterfeld—Leipzig—Halle als elektrische Eisenbahn werden, wie bekannt, die ersten Raten zum elektrischen Ausbau einiger schlesischer Gcbirgsstrccken (Lauban—Dittersbach—Königszelt, Hirschberg—Grüntal, Hirschoerg—Landshut, Ruhbank—Libau, Nieversalzbrunn—Hack),lad; gefordert werden. _ Tie elektrische Zugförderung wird int Lause der nächsten Jahre auf den preußischen Staatsbahnen auch aus anderen Strecken noch zur Anwendung kommen, wahrscheinlich dürfte auch die Elektrisierung der Beniner^Stadtbahn nur noch eine Frage der Zeit sein, da die Staatsbahnverwaltung mit den bisherigen Erfolgen auf den bisher elektrisch betriebenen Strecken (Berlin—Lichterfcld, Hamburger Vorortbahn, Dessau-Bitterfeld) sehr zufrieden ist. Tie Vorteile der elektrischen Zugförderung werden in dem Eisenbahnanleihegesetz eingehend klargelegt werden, in einer Denkschrift, der wir folgendes entnehmen:
Die Versuche, die mit den elektrischen Lokomotiven auf der Strecke Dessau—Bitterfeld, die seit kurzem in Betrieb genommen ist, baten bisher zu keinen Mißständen geführt. Die Ver,uck)c haben so befriedig., daß der c cuJ uj.-it ^1;guvförbernng in Zukunft bei der preußischen Staatsbahnverwaltung die größte A n f m e r k s a m k e i t geschenkt werden wird, nachdem die Dampflokomotive zu einem Grade der Vervollkommnung gelangt ist, welche eine wesentliche Verbesserung kaum erwarten läßt, so daß man annehmen muß, daß trotz der hervorragenden Leistungen der Dampflolö- motiven den gesteigerten Anforderungen des Personen- und Guter betrieb^ in der Zukunft nicht mehr genügen kann. Die Maße der neuen Schnellzugslokomotiven lassen sieg aus technischen Gründen nicht mehr überschreiten und die Befeuerung dieser R i e s e n m a s ch i n e n durch Menschenhand macht bei dem gewaltigen Kohlenvcrbrauch der Maschinen schon letzt erhebliche Schwierigteilen. '.Wan wild ui Juluua alio, wenn man die Zuggeschwindigkeiten und die Zugfolge noch vergrößern will, auf die elektrische Lokomotive zurückgreifen müssen, zumal die Vorteile des elektrischen Betriebes gegenüber dem Betrieb mit Dampflokomotiven sehr erheblich sind.
Diese Vorteile sind Verringerung der Betriebskosten infolge Zusammenfassung der Krafterzeuger, die Möglichkeit der Verwendung eines billigen Brennmaterials, nämlich der Braunkohle statt der Steinkohle, die Verringerung des toten Gewichtes ber Züge infolge des Fortfalles der Mitnahme von Brennmaterial und Wasser, die größere Leistungsfähigkeit der elektrischen Lokomotive, die unter Umständen ohne Aufenthalt viele 100 Kilometer fahren kann, die geringeren Unterhaltungskosten
ber Lokomotiven und die geringeren Unterhaltungskosten des Lbci baues, die Möglichkeit größerer Streckenbelastung burch Zulassung einer erhöhten Zugdichte, der Fortfall der Flurschäden durch Funkenwurf der Lokomotive und erhöhte Tiensterleichterungen für das Personal, das den Witterungseinslüssen und dem Kohlen chmutz bei der elektrisckfcn Lokomotive nicht ausgesetzt in, da das Führerabteil in einem geschloffenen Raume liegt, und bei rcr Einfachheit der Bedienung ber elektrischen Lokomotive der Führer größere Sorgfalt aus die Beobachtung ber Signale verwenden kann.
Deutsches Aeich.
Aus Korsu wird gemeldet: Am Donnerstag nachmittag fanden sich mit dem Kaiser bei den Ausgrabungen die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der König der Hellenen, der Mron Prinz und die Kronprinzessin von Griechenland und die Königin Mutter von England ein. Beim Abschluß der Arbeiten vor den griechischen O fiert a gen teilte der Kais er a n bi e Arbeit er Geld aus, und die Prinzessin Viktoria Luise über reichte jedem Arbeiter ein Öftere i. Der König der Hellenen tot dem Kaiser bas Ausgrabungsrecht zu ber Ausgrabung be5, Tempels überlassen.
Der „Reichsanzeiger" schreibt: Dem bisherigen Botschafter in Tokio, Frhrn. Mumm v. Schwarzenstein, wurden die Brillanten zum Kronenorden erster Klasse verliehen.
Die Landesgruppe Deutsches Reich dec ^nicnuittonalcn kr i - m in ali frischen. Bereinigung trat am Donnerstag in Berlin zu ihrer 14. Tagung zusammen. Zahlreiche Vertreter der juristischen Welt waren aus allen Teilen Deutschlands erschienen, u. a. Professor Dr. Kühl-Berlin, erster Staatsanwalt Steinbreck)L- Berliu; außerdem hatten Vertreter elttsandt: das Reichsjustizamt, das Reichsmarineamt, das Rcichskolonialamt, das preußische Justizministerium, daS preußische Kultusministerium, das preußische Ministerium des Innern, das bayerische, sächsische und hessische Justizministerium. Wirtl. Geh. Oberregierungsrat Dr. d. Tischendorf begrübe die Versammlung im Auftrage des Staatssekretärs des Reichsjustizamts. Unterstaatssekretär z. D. Professor Dr. v. Meyr-Münchcn führte den Vorsitz.
In Braunschweig begann das Internationale Ko lo n i al - I n st i t ut am Donnerstag seine diesjährige Tagung, nachdem abends zuvor Empfang beim öerjogregenten auf der Burg Tankwerderode fLattgefunton hatte.
In letzter ;,cit tauchte in Zigarrenindustricllen Kreisen vielfach das Gerücht auf, daß der frühere Staats- se kretär des Reichstolonialamts,Dornburg, beabsichtige, ein Aktienunternehmen der Ta- batindustrie ins Leben zu rufen. Gegen dieses Gerücht wendet sich nun Tcrnburg in einem Schreiben an die Redaktion der „Süddeutschen Tabakzeitung", in dem er da* rauf hinweist, daß dieses Gerücht in feiner Weise den Tatsachen entspricht.
Ausland.
Das po r tu gie f i f ü-, e Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat wird, wie man aus Lissabon meldet, demnächst veröffentlicht. Tie Republik gewährleistet Gewissenssreihcü und hebt die katholische Religion als Staatsreligion aus. Der öffentliche Kultus wird geroijicn Beschränkungen unterworfen. Die Lasten des Kultus tragen die Kultusvereinigungen. Die Vereinigungen dürfen sich nicht in die Erziehung und bat Unterricht misck-eu. Tas Gesetz bestimmt bann Näheres über die Gebäude, Kirchengüter, Kathedralen unö Kirchen, die als notwendig angesehen werden. Sie werden den Vereinigungen unentgeltlich für den Kultus überlassen. Den Priestern, die zur Zett der Erklärung der Republik im Amte waren, werden Ruhegehälter zu- erlannt. Päpstliche Erlasse dürfen ohne die Erlaubnis der Regierung nicht veröffeMlicht werden.
Ein Rundschreiben des Obmanns der j u n g t ü r k i s chen Kammerpartei bezeichnet die Meldungen von einer Spaltung der Partei abermals als falsch. Die Stärke und Disziplin der Partei seien unverändert. Infolge des Beschlusses der Partei, Programmänderungen vorzunehmen, bildete sich eine Gruppe,
Eine geheimnisvolle ttranihcit
Immer wieder rauchen int Reiche der medizinischen Wissenschaft neue Probleme auf, die ber Lösung ljaricn, erst kürzlich wurde aus einer kleinen Insel an den Küsten England.' ber Ausbruch einer Seuche gemelbet, deren Wesen und Entstehung den Gelehrten Rätsel aufgibt. In der Revue berichtet Dr. A. de Neuville von einem anderen geheimnisvollen Leiben, das kürzlich Gegenstand der Forschtmg geworben ist und gegen bas die Heilkunde trotz aller Bemühungen noch kein Abwchrmittel zu finden vermochte.
Eines Tages erschien bei einer der berühmtesten ärztlichen Autoritäten Washingtons ein kräftiger Fischer und bat um ärztlichen Rat. Im vergangenen Jahre sei er in seinen Arbeiten schwer behindert worben burch eine schmerzhafte Geschwulst an ber linken Schulter. Er öffnete die Beule, und heraus kroch ein weißer, platter Wurm von etwa 2 Ztm. Länge bei l1? Ztm. Breite. Der Fischer wunderte sich, aber bekümmerte sich nicht weiter um die Angelegenheit. Ein Jahr später entdeckte er auf ber Brust fünf ober sechs Auswüchse. Er öffnete sie mit einem Messer und fand überall Exemplare des gleichen Wurmes. Der Ärzt in Washington schüttelte ben Kopf, aber er untersuchte den Mann und stellte zwei Beulen fest, eine an der Leistengegend und eine unterhalb ber linken Brustseite. In jedem Geschwür fanb er einen Wurm. Das Tier schien ber Gat- tung der Blasenwürmer anzugehören, war jedoch von einer Art, die der ^.issensüiast bisher unbelännt war. Die rätsel- tofien Parasiten wurden dem bekannten amerikanischen Hel- mintologen Pros. Smith übergeben, der in ihnen Eingeweidewürmer erkannte, die in Japan bereits einmal beobachte. worben waren. Wie ein amerikanischer Binnen- sischcr daran erkranien konnte, blieb schlechthin unerklärlich; ebensowenig fand man bas Tier in ben Annalen ber mebi- zinisafen Wissenschaft verzeichnet. Man muß sich wohl oder übel damit begnügen, ben rätselhaften Krancheitsfall genau ;u überwachen. Da man kein Mittel kannte, mußte man beobachten, wie bas Leiben des Fischers immer mehr an
wuchs. Bald empfanb er furchtbare Schmerzen, unb schließlich wurde er wahnsinnig. Diese Zerstörung ber Geistesklarheit war nicht überraschend: bie Parasiten hatten bas Gehirn erreicht. Der Mann starb in einem Anfall von Delirium tremens. Bei der Autopsie untersuchte man sorg- fältig das Schäbeltnnere: bas Gehirn war von ben Würmern durchlöchert und zernagt. Es blieb nur rätselhaft, wie der unglückliche Patient diese Oualen unb inneren Verwüstungen so lange ertragen konnte. Der nrörderische Parasit wurde bann genauer untersucht. Er hat keine regelmäßigen Formen, rollt sich, breht sich unb gemahnt manchmal an einen mehrköpfigen Fötus. Seine Fortpflanzung ist ganz ungewöhnlich: die Köpfe lösen sich ab, wandern burch bie Gewebe, entwickeln sich unb werben zu neuen ganzen Würmern, bie sich im menschlichen Organismus festsetzen. Im vergangenen Jahre würbe in Tokio von ben Professoren ber mebizinischen Fakultät eine Frau untersucht, die die gleichen Symptome dieser rätselhaften Erkrankung zeigte. An einzelnen Teilen ihres Körpers fanb man in einem Kubikzentimeter Gewebe bis zu 1500 biefer Würmer. Dabei gelang bie seltsame Feststellung, baß ber Patient nur ein oorübergehenber Wirt seiner Henker ist. Man sanb Larven bes Parasiten in Tierkorpem, so z. B. in ber Zunge eines frisch geschlachteten Ochsen. Dem Ochsen hatten die Würmer nichts angehabl, aber nach der Schlachtung blieb bie Larve im Fleische. Ein Mensch aß bavon, unb ber immer noch lebcitbige furchtbare Feinb entfaltete sich nun in bem menschlichen Körper, ber seiner Entwicklung günstiger ist. Diese Erscheinung erinnert an die Trichinen, bie bei ben Schweinen ungefährlich sind und erst bem Menschen verderblich werben, der sie genießt. Die in Tokio untersuchte Frau war 33 Jahre alt unb der amerikanische Fächer 48. Seibe starben an ihrem Leiben, und beide haben Kinder hinterlassen. Die Nachkommen zeigen einstweilen keinerlei Sympwme ber Krankheit, boch es wäre verfrüht, die Ansteckungssähigkeit zu verneinen. Tenn ebenso wenig wie ber 92ame ber Krankheit ist bie JnkubLtionsfrist bis
her erforscht, bie ameritanifchen unb japanischen Aerzte erschöpfen fich in Hypothesen, aber bis heute ist cs noch keinem Gelehrten gelungen, das Rätsel zu lösen.
— Die Teufelsbibel. Jenes unschätzbare Literaturdenkmal, das in den Kreisen der Bücherkemier „Gigas librorum" beißt, im allgemeinen aber als „Tcuselsbibel" bezeichnet wirt>, füllte nach Mitteilungen italienisck>er Blätter vor kurzem wieder einmal, wie es bereits früher geschehen, einiger seiner kostbaren mit der Hand geschriebenen Pergamcntblötter beraubt worden sein. Die Nachricht beruht auf einem Irrtum: denn neben dem Codex aureus, dem Buch des Marco Polo, der deutschen Reimbibel aus dem 14. Jahrhundert, und andere Kostbarkeiten der Königlichen Bibliothek zu Stockholm ruht wohlverwahrt und tag* lich auf fein Vorhandensein kontrolliert auch der Gigas librorum, für den vor wenigen Jahren von einem amerikanischen Sammler vergebens ein Millionenvermögen geboten wurde. Er ist eine Handschrift von ungeheurem Umfange, die von den Scbweden am 6. August 1648 bei der Eroberung von Prag gleichzeitig mit dem Codex argenteus, der gotischen Bibelübersetzung beäj Bischofs Ulfilas, erbeutet wurde. Nach einer Angabe int Manuskript waren zur Herstellung des Pergaments nicht weniger als 160 Eselshäute erforderlich. Inhalt des ungeheuren Buches sind das Alle Testament, in der Vulgataübersetzung und sieben andere Schritten aus dem 9. bis 13. Jahrhundert, darunter das Bellum Judaicum des Jofephus und die böhmische Chronik des Cosmas. Tem seltsamen 9fernen „Teufelsbibel" liegt die sagenhafte Heber* lieferung zugrunde, daß ein zum Tode verurteilter Mönch, um sich Gnade zu erroirTeit, das Buch mit Hilfe des Teufels in einer Nacht zusammengefchrieben und zmn Tank dafür das Bild des Teufels ui das Manuskript hineingemalt habe. Bruchtecke eines noch viel umfangreicheren Buches sind im Jahre 1909 für bie oftafiatische Abteilung des Museums für Völkerkunde in Berlin; erworben worden. Es surd die Bücher 4908 und 4909 der chi* nesischen Riefenenzyklopädie Yung-lo-tatien, bie mehr als 2000 starke Bände stark war Au eine Drucklegung des ungeheuren Werkes konnte selbstoerftändlich nie gedacht werden, und man begnügte sich, es zweimal aöfchreibeu zu lassen. Das einzige übrig gebliebene Exemplar wurde bis auf wenige Bände, von denen einer nach Berlin gelangt ist, bet dem großen Brande der, Han-lui-Atademie in Peking zerstört.


