Ausgabe 
20.5.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 20 Seiten.

der Zcppciin-Luftfchiffc sind Cpfcr der Sturmes aeworde Etwas sollte doch alle trösten: fein Mensch hat bei dies«

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Es aiol mehrere täferanen Brasiliens und Perus, die ähnliche Kunststücke ausführen. Sie haben die Fähigkeit, sich bestimmten Kieselsteinen völlig anzugleichen und liegen bann ruhig und still, mit dem Stein völlig in eins verwachsen, uni sich dann plötzlich auf ein ahnungsloses Tier niederfallen zu lauen, das ihre Beute wird.

politische Wochenschau.

Gießen, 20. Mai.

Ter Tüsseldorfer Unfall hat verzagte Stimmen laut werden lassen. Man will an die große lammende Zeit der Luftschissat nicht mehr recht glauben, und die Versiehe- runggejellschasten lehnen neue Berirage mit der Zeppelin- < leseUichaft ab. Wo sind die begeisterten Sommertage, da alt und jung, sonderlich am grünen Rhein, der neuen Er- findung entgegenjubelre, da die Kirchenglocken zu dem

Auch der preustisckw Landtag ist noch eifrig bei der Arbeit. Er hat gestern in dritter Lesung das Feuerbestat- tungsgefetz angenommen, und hierbei zeigte sich innerhalb der konservativen Partei eine bemerkenswerte Wandlung Ein Teil der konservativen Abgeordneten stellt sich der Feuerbestattung nicht mehr grundsätzlich entgegen. Ta­gegen gab es bei der Beratung der Ansiedlungsfrage in den Ostmarken wieder erregte Erörterungen, die zu keinem rechten Ergebnisse führten. Ter Minister v. Schorlemer führte nochmals einen heißen Kampf. So entschieden und temperamentvoll auch am Donnerstag seine Sprache war, so zweideutig war die Ausnahme seiner Älusführungen bei den Abgeordneten. Ter konservative Führer, >?err v Hemde braubt, lieft seinem Standpunkt zwar Gerechtigkeit.wider fahren, sprach seine Befriedigung darüber aus, daß keine

Line Ueuemtettung öcr ministeriellen vesugniste in vaöen.

Eine landeLherrriche Verordnung für Ba­den, die in derKarlsruher Zeitung" veröffentlicht wird, besagt: § 1. Tic Zuständigkeit des Ministeriums des groß- herzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheilen bezüglich des E i s e n b a h n b a u e S und Eisenbahn- betriebet geht an daS Ministerium der Finanzen über.

§ 2 Ta5 51 u 11 u 5 - u u b Unterrichts wes en ein- schließ ich ber Einrichtung für Wissenschaft unb Künste wirb einem besonderen Ministerium übertragen, das die Bezeichnung Ministerium des Kultus und Unterrichts führt.

§ 3. Tas Ministerium des großherzoglicben Hauses und der auswärtigen Angelegenheiteii und das Ministerium der Justiz werden zu einem Ministerium verei-

greisen Segler der Lüfte hinaufhallten und die lühnsten »Öffnungen reiften? Zwei Jahre sind verstrichen. Fünf ........... ^"worden

Schwenkung vollzogen worden sei, gefiel sich aber gleich­zeitig so nachdrücklich in Warnungen vor einer zagen, un- ueftimmten Haltung den Polen gegenüber, baß man zur Ueberzeugung kannnt, auch er traue den Regierirngseruä- rungen nicht völlig. Ter nationalliberale Abgeordnete Glatzel machte der Regierung erregte Borwürse. Tas Ent­scheidende ist, daß sowohl die Konservativen wie die Nativ nallibcralcn davon überzeugt sind, es hätten sich sicherlich Fälle finben lassen, wo nach dem Sinn des Gesetzes die Enteignung hätie cingMcitct werden können. Es wird für nächste Zukunft nun sehr interessant sein, zu sehen, was die Regierung tun wird. Ter erste Enteignungsfall wird Reiche wahrscheinlich höchst lebhaft wieberhallen.

Tas Groftherzogliche Hoftheater in Darmstadt beendet, wie uns von dort geschrieben wird, soeben mit einem ziveimaligen Gastspiel der Wiener Altistin Eahier (19. unb 21. Mai) seine diesjährige Winlerspielzcit, die zwar mehr als die vorigen große, ernste Arbeit unb auch manchen künstlerischen Erfolg gebracht hat, jedoch finanziell, wie man hört, nicht allzu günstig abschlieften soll. Daran mag die große Konkurrenz der zahlreichen Konzertvereine schuld sein, die infolge ihrer festen Ein­nahmequellen und ihrer geringen Spesen imstande sind, bem Publikum erste Kräfte zu billigsten Preisen vorzu­führen; doch ist es wohl auch die Folge der unsicheren Finanzgebarung des Hoftheaters, wo man den Begriff der werbenden Ausgaben nicht kennt oder doch nur selten sich zu der Ueberzeugung durcpzuringen vermag, baß man große Einnahmen auch nur durch große Opfer für Neuerwerbungen und Engagements erzielt. T-asWie" ber Vorstellungen trägt ja meist auch Dem verwohnten Geschmack Rechnung. TasWas" gibt in diesem Jahr weniger zu Ausstellungen Anlaß, indem die allzuleichte Muse etwas in den Hinter- gründ gedrängt wurde und mehrere gute und zugkräftige- Neuheiten erschienen. Von 86 reinen Opernabenden waren 23 Wagner gewidmet. Im Personal fanden nur Verhältnis mäßig geringfügige Veränderungen statt. Es kamen neu der Heldentenor Becker aus Mainz, der 2. Ba­riton Semper aus Weimar, die Primadonna von Su g h unb im Schauspiel die Ingen olieb-Naive Prevost, die indes bald wieder ausschie es verlassen uns der Tenor- buffo be Lecuwe (Wiesbaden, Die Soubrette Zeiller (München) und die Schauspieü;eroine Oster (Dresden^. Auch in bett zweiten Fächern sind einige Zu- und Abgänge

Halfer Wilhelm in England.

London, 19. Mai. D.is Kaiscrpaar besuchte heute n. a. das HcizogSpaar von Tevonfhire. Um 1 Ulyr jdibüMtt es beim Herzogpaar von Eonnaught.

Jlad) ucui gestrigcu Tiner bei Lord Landsdowne fand ein Ball statt, oer z u Ehren der Prinzessin Viktoria, Luise ocianitallet wurde. Der Kaiser stattete heuic früh, nach- bent er den Vortrag des Gesandten v. Treutler cntgegcngenommcn hatte, eine Zieihe Abschiedsbesuche ab Die Kaiserin und dic Prinzessin bC|iid)iiit die Wallruc Sammlungen.

Ter Lordmajor hat heute nachmittag dem deutschen Botschafter, in ber Botschaft int Namen der Mitglieder ber englisch-deut­sch c n Freundschaftsgesellschaft ein bcionberö gebun- dcncS Buch übcrrei.at, das einen Ber lau über die Erosfnungs- verjainmlung ber Gesellschaft im Maniionlxtuse am erf'ten Mai cnlhalt und das ber Kaiser eulgegenzunehmen geruht hatte.

Ju Ehren des Kaisers und der Malierin fand heute abend ein Festball int B uck ing Ham pa la st statt. Tem Brauch ent­sprechend, wurde der Tanz durch uil loniglicln Quadrille er­öffnet, an ber der ;-i..iicr und die Kaiserin, sowie König Georg und Königin I'art) i.-ihmtmen. Alle Mitglieder her iuntglid)cii Familie wohnten dem Feste bei, ebenso ine Damen der Hof- gesellsel)afi, sowie iamckiche Bolichaner mit ihren WcmaWinncn Der wundervoll in Weitz und Gold gehaltene Ballsaal, von großen Kristalllandalabern glär.»ciiD erhellt, bot einen überaus präch­tigen Anblick. Tie Malierin trug ein mattrotes Kleid, mit einem Goidmuster ourchwirlt, unb einen goldenen Gürtel, dazu große orieutaliiche Perlen und eilt Brillantbiadem in Perlen. T-ie Prinzessin Viktoria Luise trug ein Kleid auS Rosachiffon mit goldenen und silbernen Perlen bestickt und. einen schwarzsamtenen Gürtel.

Ter M'aiici- b iiid'.-c nachmittags beit Herzog von Norfolk, die Kaiserin nahm den Tee bei der Prinzessin Christian.

Ter König und die Königin fuhren heute nachmittag mit ihren hohen Gästrn, dem Kaiser, der Kaiserin imb der Prinzessin yiltoria Luise, fon-ie mit bem Prinzen von Wales unb der Prin­zen in Marn in o ienem Wagen nach Kensington zu ben See* und Landkriegs spielen i n Olympia. 2lls die Maie- stäten in ber Hoslogc Plap nahmen, pr.ifeniierten die Soldaten. Tie vereinigten Mm'ns. rvs spielten die Nationalhymne unb das Publikum brach in stürmische Hochrufe aus, die sich wiederholten, als ber Kaiser die Ehrenwache besichtigte.

Bald nachdem das Kaiiervaar und das Königspaar von den Kriegsspieien naai dem Palast zuruckgekchrt waren, trafen ber König Manuel und die Königin Amalie von Richmond ein unb verweilten einige Zeit im Palast.

Auch die hessische Zweite Kammer bemüht sich, ihre Ar­beiten zu fördern. Durch die Erörterung kleinerer Wünsche unb Beschwerden hat sich das HauS gestern zur Erledigung und Annahme einer bedeutsamen Regierungsvorlage durch gerungen. Rach einer zweitägigen Beratung wurde die Errichtung einer Brikettsabrik mit elektrischer Uebcrland- zentrale bei Wölfersheim einstimmig angenommen. Tie Meinungsverschiedenheiten drehten sich hauptsächlich darum, ob ber Staat selbst den Betrieb führen oder ob er ihn einer Gesellschaft übertragen solle. Indem man die Notwendig- reit einer kaufmä n n ische n Leitung betonte, einig . man sich, die Regierung zu ersuchen, ben Betrieb einer A in en- ober einer anderen Gesellschaft zu übertragen, wobei der Staat sich möglicherweise an dem Unternehmen beteiligen |oll. Soll bieic Form sich niair ermöglichen lassen, so luirb bic Regierung ersucht,bei Errichtung der Brikettsabrii und der Ueberkandzentrale durch AnstelUing eines 2. tauf- männischen Direktors, sowie durch gctrciuue Buchführung unb Bllanz für die einzelnen Teile be^> Gesamtunternehmens eine größere Garantie für die Rentabilität der staatlichen Aufwenonngen zu schaffen". Ter Beschluß wird der Provinz Lberhessen hoffentlich zum Segen gereuten.

nigt, das den Namen Ministerium deS groftherzoglichen Hauses, der Justiz und der auswärtigen Angelegenl-eiten führt. .

4 Der Lberfckmlrat wird aufgehoben: feine Zn- ständig leit geht an das Ministerium des Kultus unb Unter* richts über. Tic §§ 1 bis 3 dieser Verordnung treten am 1. Juni, der £ 1 am 1. £ hoher d Z. in Wirksamkeit.

Der Gronherzog von Baden enthob ben Minister des groftherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegen­heiten, Freiherrn Btarschall v. B i e b e r st e i n, auf sein Ansuchen auf 1. Juni b Fs. seines Amtes unb versetzte ihn unter besonderer Anerkennung seiner langjährigen aus­gezeichneten und irfolgreichen Äenste in den Ruhestano. ferner ernannte der Großherzog aus Anlaß der nuterin 19. Mai beschlossenen Aenderung in der Organisation ber Lberstaatsbehörden mit Wirkung vom 1. Zuni b. Zs. ben Staatsminister Tr. Frhr. o. Tusch unter Belassiing bes Präsidiums des Staatsministeriums 311m Minister des groß- herzoglichen Hauses, ber Justiz und bcS Ausioäriigcn und den Ministerialdirektor Geheimen Oberregierungsrat Dr. Boehm zum Minister des Unlerricksts und des Kultus. Ter Groftyerzog hat an den Minister Frhrn. Marschall, v. Bieberstein aus Anlaß seines UcbcrtrUts in den 9iuhe- stand eilt sehr herzliches Handschreiben gerichtet unter Ver­leihung des Grogkreuzes des Ordens Bertholds I. Der Minister weilt zurzeit in Lugano.

Katastrophen das Leben lassen müssen. Tic tödlichen Un­fälle ber anderen Flieger sind schon nicht mehr zu zählen: Zeppelin braucht nicht zu trauern. Unb er hat auch Vies mal ben Kops wieder hoch gehalten. Kann man sich in die Seele dieses Mannes hineinbenken? Lange Jahre seines Lebens bat er seinem Erfinderdrang gcwibmct. Nun ist das große Problem gelöst: Lustschi,fe können lenkbar fahren, und zwar mit außerordentlicher Geschwindigkeit. WaS braucht es für ben Erfinder mehr'? Er ist alt uno bat ben Traum seines Lebens verwirklicht gesehen. Z'ppelin, ber jahrelang unverdrossen vergeb.ich arbeitete uno Opfer aiiflucnbctc: er sollte schon in biefen zwei Jahren daran verzweifelt fein, sein Wert tociicr zu söroern? Seine Arbeit ist getan, und er dars stolz sich ihrer freuen. Wie cS schon so ost war, wird sichs aua) hier n-ieber zeigen: ein anderer wirb seine Arbeit vollenden. Tie kleinmütige Menschheit luirb sich gedulden müssen. Zn Wahrheit war s gar nicht die Düsjelborfcr Zerstörung, bic das Lamento und die dusteren Prophezeiungen beruorrief, sondern es war die lange aufgespcicherl' Enttäuschung, die sich Luft machte, darüber, baß ber gcwölmlichc Bürger noch immer an ber Erde kriechen müsse unb nicht auch einmal bic stolze Fahrt burd) die Lüste mad)cn könne. Es ist eine prachtvolle Lehre, die der alte Graf uns jetzt wieder gibt. Er ist fein Mann des Rausches unb der Sensation. Rom ist aud) nicht an einem Tage erbaut worden. Lasse man bic großen Luft­zigarren einstweilen, scheinbar, erlöschen. Vielleicht kommt iijre Zeit boch noch. Tic Wnnber ber Lust aber werden doch täglich größer. Euler, der im Herbste 1903 in Frank­furt noch liaglidje Dörfliche machte, flog nm Donnerstag wie der Blitz von Darmstadt nach Heioclberg. Auf die Flugmaschine richten sick) bic Augen aller. Luttfahrvcreitve werben gegrunbet. Unb heute beginnt berZuverlässig­leitsflug am Oberrhein". Wenn wir ben rubmrcbigcu Fran­zosen zeigen könnten, das; sie uns beute [em großes Stück mehr voraus sind, dann wäre die Lust am Zeitalter der Luftsd)ifsahrt doch nicht vorbei! Viel lieber seh' id) das große Fliegeninsekt über mir dahinbrunimen als den Schrecken der Landstraße, bas Autolnobil, dahertosen, dessen Glanzzeit geschlvunben ist. Letzthin finb aus bem hessischen Parlament wieder einige Pfeile gegen cs abgeschwirrt, und es scheint alUnälflich in Mißkrebil zu kommen. Ein Grund mehr, daß sick) bic Fliegertechnik rasch vervollkommne.

Die Parlamente leisten noch fleißig Arbeit. Tie mut­lose Stimmung im Reichstag scheint einem lobenswerten Arbeitseifer gewichen zu sein. Uno, 0 seltene Ueberraschung, selbst bic Herren Genossen finb mit babei, bic Reichsvcr- fidicrungunter Dach unb Fad)" zu bringen. Sie wollten bic Paragraphen bei ber Beratung znsamniengZaßt haben, und bic Rechte zollte biefem Wunsche Beifall. Beim tau- feubsten Paragraphen gab c5 Bravo-Rufc. DaS umfang­reiche Bud) ber Unfallversicherung ist bereits crlcbigt.

Sn,eiten als Schauspieler.

Biel ist über Mimiery geschrieben worben, jene merk- foürbigc Fähigkeit ber Tiere, besonders der Insekten, ihre Aehnlichkeit mit einer anderen Tierart oder bem Milieu, in bem sie sich bejinben, bazu auszunutzen, um einem Feinde zu entgehen obi't eine Beute zu erhaschen. Ist das Wort Mimiern, bas eine possenhafte Nachahmung besonbers durch Gebürbcn bedeutet, schon mit bem Wesen bes Schauspielers verwandt, so kann man einen solchen Vergleich noch weiter ausdehnen und eine Reihe von Insekten roirflidi als ge­schickte Komödianten betrachten, die vovund mit den anderen Tieren ein bald grausiges, bald lustiges Schauspiel auf- sühren. Diese Kunst ber Verstellung unb ber Nachahmung, die konsequente Turdnüljrung einer bestimmten Rolle wirb besonders von manchen Sckfmettcrlingen unb Käfern aus­gezeichnet burchgeführt, wie G. Roux in ber Revue auf Grund neuer Forschungen erläutert. Tic ihnen von der Natur gespendete Gabe der Sdfutzfärbung nutzen.manche Schmetterlinge so raffiniert aus, daß sie aud) das schärfste Auge täuschen. Da ist der S ch ö n i p i n n c r, ein Schmet­terling, ber Indien und die trepi)dien Gegenden der alten Welt bewohnr. Er ist eins der schönsten, aber aud) der geschicktesten Lustwescn, die man kennt. Seine Flügel sind mit leuchtenden Flecken geschmückt, die sich von einem leb­haften Grund abheben. Er weiß wohl, daß Vogelschnäbel und Menschenhände ihn wegen dieses Schmuckes leicht fassen können. Deshalb wendet er einen Trick an, sobald er irgend welche Gefahr fürditet; er setzt sich auf ein trockenes Blatt unb schließt bie Flügel fest, so daß ihre leuchtenden Spuren nicht sichtöar sind und er vollständig mit der Vegetation zu einem verschmilzt. So bleibt er stundenlang ohne die ge­ringste Bewcguna, ohne das; auch nur ein Zittern seines Rüssels ober feiner Keinen Fühlhörner ihn verrät.. Er hört das geringste (Jeräu)d) in seiner Umgebung und stellt sich tot, da er fia) bann sicher weiß. Ist bie Gefahr vorüber, bann wagt er es, einen anderen Schutzvrt zu suchen, aber auch dabei ist er höchst vorsichtig. Er laßt sich zunächst wie

ein trockenes Blatt zur Erde fallen unb bleibt fo einige Mi­nuten unbeweglich ober überläßt sich bem Wind, der ihn einige Schritt weit fortlrägt. Er führt seine Rolle so glänzend durch, daß es äußerst schwer ist, ihn zu fangen.

TieGottesanbeterin", die man für ein harm­loses Geschöpf halten möchte, wenn man ihre fromme Geste sieht, der fic auch ihren Namen verdankt, ist ebenfalls höchst aejchickt, sich im Laub zu verbergen, wo sie auf unkluge Mücken lauert. Wenn sie sich auf einer grünen ober gelb­lichen Pflanze nicbcrläßt, bereu Farbe mit der ihren ganz genau überein stimmt, bann sucht sie sich extra eine recht jonnige Stelle aus, weil bas Helle Licht bie Zllusion nur noch verstärkt. Sie fühlt sich vollkommen sia)cr, baß sie nicht bemerkt wird, unb führt ihren Part so vortresf- lica durch, daß sie ohne die geringste Bewegung ihre Beute zu packen und bann in Ruhe zu verzehren weis. Unter ben Insekten, die man alsKopisten" bezeichnet, weil sie ein anderes Tier trefflich nachzuahmen verstehen, befinden sich Meister der Verstellung. Ta ijt ein Schmetterling, der Ä t I a s s p i n n e r, der sich damit zerstreut, die Naja zu kopieren, jene giftige Schlange, deren Biß den Tod unab­wendbar nach fich zieht. Das Insekt hat gar keine Äehn- lichlcit mit dem Reptil, aber als trefflicher Komödiant weiß cs den Eiridruck der Schlange, der bei den anderen Tieren so furchtbares Entsetzen erregt, vorzüglich zu treffen. Zn einem Laubbusch versteckt läßt es die Spitzen seiner Flügel hervorragen, die künfllich so gestellt sind, daß man den Kopf einer Klapperschlange zu sehen glaubt Tie Feinde des Schmetterlings wagen dann nicht, feine Ruhe zu stören, denn sie glauben wirklich den Kopf des giftigen Reptils zu sehen. Ein Schmetterling Brasiliens weiß sick) dadurch in Furcht zu setzen, daß er die Gestalt eines Schleiereulenkopfes annimmt. Ten Vögeln und Reptilien, die ihm nachjagen, scheint dann plötzlich ans dem Laub der Kopf des Nachtvogels entgegen zu drohen. Tiefe Wirkung bringt das Tier durch eine geschickte Stellung seiner Flügel zu dem Laub hervor. Schmetterlinge aber sind nicht die einzigen, die solche Kornöoiantcncricts anvenben.

Nr. 118 Erstes Blatt M. Jahrgang Samstag, 20. mal M

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