jt ac6 rechts nicht abbrechen, tvie auch wir uns bemühen, >troh der Feindseligkeit, die ein Teil der natioualliberalen Presse Hegen unsere Partei zur Schau trägt, die Brücke nach links zu erhalten.
Gerade die Gründe, die Herr Fuhrmann dafür anfübrt, daß der Wahlkampf sich nicht auf dir Wirtschaftspolitik beschränken soll, bestärken uns darin, daß die Nationallibecalen vielmehr im Grunde mit der Rechten als mit der Linken ihre eigenen Partei- ziele, die zum guten Teil auch die unseren sind, erreichen werden. ■ (Beifall rechts.), Ter Abgeordnete Fuhrmann wünscht stärkeres Eintretex^.für die Reichsintereffen, für die deutsche Wirtschaftspolitik. Hch erkenne an, daß die Volkspartei nicht mehr durchweg auf ihrem alten kosmopolitischen Standpunkt stehen geblieben .ist. daß sie sich in diesen Fragen uns sehr genähert hat: aber trotzdem glaube ich, daß die nationalliberale Partei in diesen großen und entscheidenden Nationalfragcn doch immer nur im Bunde mit der Rechten fechten kann. ' Sie hat den Wunsch, daß das Zentrum nicht ausschlaggebend werden soll. Liesen Wunsch teilen .auch wir alle, und ich glaube, das Zentrum auch (Gr. Heiterkeit.), die Erfahrungen in dieser Richtung werden es doch begehrt haben. KZuruf des Abg. Dr. Paasche.) Ja, Herr Prasche, in dem Augenblick, wo Cie gesagt haben: Ter Feind steht rechts, sehe ich, daß ich mich in unserer dreißigjährigen Freundschaft etwas geirrt habe. (Beifall rechts.) Aber man darf dann nichts tun, um die Sozialdemokratie direkt oder indirekt ?u stärken und insbesondere nichts, um die Rechte zu schwächen. Tenn das hat denn doch der .Blockreichstag in seiner ersten Zeit gezeigt: Nur eine starke Rechte kann ein Gegengewicht nach dieser Richtung bilden. Eine positive i Politik können Sie doch nicht führen mit einer Mehrheit der Linken, deren, größter Teil aus Sozialdemokraten besteht. Wie wollen Sie eine positive Gesetzgebung mit einer solchen Mehr- heit machen? Und was verstehen Sie denn eigentlich immer unter dem Schwarz-Blauen Block? Haben Sie denn nicht auch bei vielen .Gesetzen mit dem Zentrum gestimmt?
Dann bat Herr Fuhrmann drittens erklärt, und Herr Wach- chorst hat es unterstrichen, daß die Herrschaft einer kleinen Be- dölkerungskaste gebrochen werden fall. Das ist eine Anleihe and dem Agitationsstoff Ihrer neuen Freunde auf der Linken; diese aber verstehen unter der kleinen Kaste etwas anderes: Die verstehen nicht nur die Junker darunter, sondern auch die Schlotbarone. Das hätte sich Herr Fuhrmann doch auch überlegen sollen. Hat er sich denn nicht gesagt, daß, wenn er für die bestehende Wirtschaftspolitik eintritt, er dock nickt zugleich die Totfeinde dieser Wirtschaftspolitik bei der Reichstagswahl zur Mehrheit bringen darf? (Sehr richtig! rechts.) Ich hoffe, daß die nationalliberalen Wähler ihren Ueberliefernngen getreu, sich nicht durch die Fraktionspolitik abdrängen lassen werden von der Schlachtlinie, in^die sie gehören, von der Scklacktlinie für Reick unb Reichsverfassnng gegen die Umsturzpartei. (Hurrahrufe bei den Soz.) Es ist tieftraurig, daß sie solche Ausführungen mit ironischen Rufen begleiten. (Sehr richtig! rechts.)
Wir haben schon schwierigere innere Krisen bestanden als die gegenwärtige. Ich habe das Vertrauen zu dem gesunden Sinn des deutschen Volkes, daß es trotz der Hetze draußen klar sehen wird, wo seine wirklichen Existenzbedingungen liegen. Mitleid mit der Rot ist keine Eigenschaft der Linken; aber wir stecken nicht mit Behagen den Finger in die Wunde und wühlen sie auf, um mit dem Schmerz Bartergeschäfte zu treiben (Unruhe links). Das deutsche Volk wird hoffentlich keinen Sprung ins Dunkle machen. (Beifall rechts.)
Preußischer Landwirtschaftsminister Frhr. 5. Schorlemer. bezieht sich gegenüber Dr. Pachnicke in bezug auf die Spannung zwischen Vieh- und Fleischpreisen, auch auf .Steuerungen des bayerischen Staatsministers, der ebenfalls eine zu hohe Spannung zahlenmäßig nachwies. Es wäre richtiger und besser von den Schweinehändlern gehandelt, wenn sie die Teuerungsverhältnisse, auf die sie sich teilweise auch mit Recht berufen können, nicht bei denjenigen Fleischsorten zur Geltung brächten, die der arme und mittlere Mann kauft, sondern bei denjenigen, die das besser situierte Publikum kauft, da? auch bessere .Preise anlegen kann. (Sehr richtig! rechts.) Abg. Dr. Pachnicke meinte, daß uns bei der Berechnung bet Kartosselprcise eine Verwechselung von Zentner, und Doppelzentner passiert sei. Ich habe gestern gesagt: Zu derselben Zeit, wo man in Berlin im Detail- Handel 8 und sogar 12 Mark für den Zentner gefordert hat, waren in Pommern die Kartoffeln für 2,60 Mk. nicht verkäuflich. .Das muß ich aufrechterhalten auf Grund eingehender Ermittelungen. Ich habe natürlich die Detailpreise hier gemeint, und die Handelspreise in Pommern. Von der Getreidebörse in Hannover habe ich gestern ein Telegramm bekommen, wonach' die Tarifermäßigungen dort den Landwirten zugute gekommen wären, Das erkenne ich dankbar an, Wir, besonders der Eisenbahnminister, haben aber sonst sehr viel Eingaben bekommen, wonach dies sonst nicht der Fall war. Ein Rückgang der Maiseinfuhr infolge des Zolles ist nicht zu verzeichnen. Man muß dabei berücksichtigen, daß ein großer Teil des Mais jetzt als Maiskleie, und zwar zollfrei, eingebt.
Ter Abg. Wachhorst deWentehat seine Angriffe gegen den Großgrundbesitz verbinden zu muffen geglaubt, mit einigen besonders scharfen Sleußerungen gegen den preußischen Herrn Landwirtschaftsminifter. Jn bszug auf die preußische
Ostrnarkcnpolitik st ehe ich im preußischen Land- t a g e zu r 83 e rfügung und bin auch dort gern bereit, der Behauptung entgegenzutreten, daß die preußische Ostmarkenpolitik im Abbau begriffen sei. Im übrigen kann ich versichern, daß die Frage ber inneren Kolonisation das preußische Landwirtschaftsministerium ichr eingehend beschäftigt und daß gerade in diesem Jahre, al|o unter meiner Amtsführung, an d i e Oberpräsidenten £1 n e„ frage gerichtet worden ist, welche Domänen im Laufe der nächsten Jahre sich für Ansiedelungszwecke eignen wurden. Jn- zwijchen find b<c Antworten eingegangen, und es sind bereits eine Reihe vonTomäneii den Besiedlungsgesellschaften zum entsprechenden Preise zur Verfügung gestellt worden. (Hört! Hört! rechts.) Ein Beweis dafür, daß die preußische Landwirtschaftsverwaltung die Bedeutung ber^iuneren Kolonisation nickt verkennt. Wenn wir auf der anderen Seite in einer Provinz wie Hannover die eine oder andere Domäne veräußern, so hat das seinen guten Grund dann, bafj bort sehr hohe Pre'se gezahlt werden, daß dort im übrigen die Landwirtschaft auf einer so hohen und entwickelten Stufe sich befindet, daß sie des Vorbildes des Tomänenpäckters nickt mehr bedarf. Ich glaube, wir handeln im wohlverstandenen allgemeinen Staatsintereffe, wenn wir die dort erhaltenen Summen zum Ankauf im Osten benutzen und den preußischen Tomänenbesitz vermehren. (Sehr richtig! reckts.) Nun hat aber auch d i e i n n e r e Ko l o n i s a 11 o n i h r e G r e n z e n. Es gibt Gegenden, die fick für die Ansetzung von Bauern nicht eignen, und es liegt auch nicht im allgemeinen Interesse, die ländlichen Gegenden von mittleren und größeren Grundbesitzern zu entblößen. Eine Zersplitterung des Großgrundbesitzes würde zweifellos eine erhebliche Verminderung ber Getreideabgabe zur Folge haben. Desivegen hängt die Frage der Versorgung Deutschlands mit Getreide auch wesentlich davon ab, daß wir imstande sind, die großen Getreideanbauflächen auch ferner zu erhalten. (Beifall rechts.),
Abg. Wcrncr (Neformpartei):'
Wäre der Teuerung durch lange Reden abzühelfeu, so müßte Dr. Pachnicke reichen Erfolg ernten. Warum sprach er nicht bon den Groß-Berliner Spekulanren? Zahlreiche Freisinnige im Lande haben sich für Beseitigung der Getreidezölle ausgesprochen. (Hört, hört! rechts.) Wo die Freunde Pachnickes die Mehrheit haben, wie in der Berliner Stadtvertretung, versagen sie im Kampf gegen die Teuerung. _ Da hat der heutige „Vorwärts" ganz recht. Deutschlands Größe fordert das Festhalten an unserer Zollgesetzgebung.
Abg. Lehmann-Jena (b. k. P.):'
Wir haben heute viele Schlagworte gehört, die auch im Wahlkampf noch Verwendung finden werden. Herr Bebel hat der bürgerlichen Gesellschaft den Krieg bis zur Vernichtung erklärt. Wenn wir so dumm sind, nicht gleiches mit gleichem zu vergelten, so ist das nicht die Schuld der Sozialdemokratie, sondern unsere. Die Erklärung des Reichskanzlers für den Schutzzoll wird laufen Widerhall im Lande finden, und nicht bei den schlechtesten. Mir ist eine Politik lieber, die in normalen Zeiten etwas taugt und in anormalen versagt, als eine, die in anormalen etwas taugt unb in normalen versagt. (Heiterkeit.) Die Beschimpfungen, die man gegen, den Bund ber Landwirte gerichtet hat, sind zu niedrig, als daß man sie noch zurückzuweisen hätte. Der Bund der Landwirte ist aufgebaut auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit, l Großes Gelächter links, Beifall rechts.) Der Bund vertritt nicht nur die Großgrundbesitzer. So polizeiwidrig dumm sind wir nicht, für die Großgrundbesitzer die Kastanien aus dem ^eiier zu holen. Vom Hansa-Bund wird aber kein Mensch in zwanzig Jahren mehr reden. Der Bauernbund aber trägt Verwirrung in die Schlachtreihen, jetzt, da der Feind schon vor den Türen steht. Versündigen Sie sich nicht mit solchen Redensarten von der Hungersnot. Weg mit den Schlagworten. Jetzt bewähren sich gerade die landwirtschaftlichen Naturallöhne. Tie Vergnügungssucht sollte eingeschränkt werden. Tas Gespenst der Leutenot nimmt bedrohlichen Umfang an. Soweit darf die Technik nicht gehen, daß Fütterungsmaschinen erfunden werden. Gönnen Sie dem Bauern doch auch einen kleinen Ausschlag -u seinen Produktionskosten. Ter Redner bespricht eingehend die Gefahren ber Maul- unb Klauenseuche. (Vizepräsident Schultz- Wir sind nicht bei ber Maul- unb Klauenseuche! _ Ä' Goth ein : Nur bei ber Maul seuchel — Große Heiterkeit) Heute Landwirt sein heißt: ein Opfer für das Vaterland zu bringen! ^(Beifall rechts.), -------
-■/ Abg. Korsanth (Pole)?' . _•
' Prinzipielle Freihändler sind ja im Reichstags überhaupt nicht mehr vorhanden. Selbst die Sozialdemokraten verwahren sich gegen diesen Vorwurf. Freilich, auch die jetzige Wirtschafts- politik läßt viel zu wünschen übrig. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, daß z. B. in Ob e r sch l e s i e n die arbeitende Bevölkerung eine lohnende und auskömmliche Beschäftigung nicht finden kann. 9J?an soll den Bauernstand fördern ohne Rücksicht auf die Nationalität. Jetzt ist an ein Herauswirtschaften der Grundrente im Osten nicht zu denken infolge der verfehlten preußischen Politik, die die Bodenpreise ins Ungemessene wachsen ließ Oberschlesien ist ein typisches Beispiel dafür, wie die Bodenverteilung
eines Landes nickt fein soll/ Tie Regierung sorgt nur für bV Henckel, die Hohenlohe, die Ujest. Im Volke aber sät sie Haß.
Abg. Herzog (wirt sch. Vgg.):
Was hat diese Hiebe mit ber Steuerung zu tun? Nur aus Agitafionsrücksicklen wird ber sckwarzblaue Block für die Säuerung veranlworilick gemacht. Es gibt gar Lünen iolcken Tie alte Phrase von der Brotverteuerung ist verbraucht. Von einem Mangel kann keine Rede sein. Bei den Wahlen spielt bie Frage bes Sckntzes ber nationalen Arbeit bie erste Nolle. Alles andere ist Nebensache. Wenn die Liberalen siegen, wird kein gcldcnes Zeitalter kommen, sondern die Zeit der gol. denen Internationalen. (Sehr ricktig! rechts.) Für sie wird cs ein aroßer Fifckzug sein Und ziehen wird die Leins die Sozialdemokratie. (Beifall rechts.)
Abg. Kobelt (b. k. F.) polemisiert unter großer Heiterkeit des Hauses gegen den Abgeordneten Nietzerlöhner. Die Herren von Neckten unb ber Mitte sind sick ja über die Angelegenheit sehr klar und haben als Tritten im Bunde den Landwirtfckaflsminstier, ber feine bekannten Erlasse in bie Welt binauspofaunt hat anstatt im Bundesrat auf die Anwendung aller gangbaren Mittel zur Erleichterung der Lebens- mittelvcrforgnng zu bringen, nimmt ber Ministestr daS Sprachrohr zur Hand und bläst von oben her nack den unteren Stockwerken: Wir hier oben wollen nickts tun. besorgt Ihr es! In bezug auf die Einfuhrfcheine meinte der Minister, die Presse und sonstige Leute, die darüber reden, verständen von der Sache nicktS; ich kann das nickt nackvrüfen, aber für feine Erlasse an die Ober» vräfibenten unb feine Anregung an bie Städte, die Versorgung selbst in die Hand zu nehmen, trifft das in der Tat zu. Wer auch nur eine Ahnung hat, der weiß, daß die Städte dazu gar nicht in der Lage sind, ohne aus dem Stenersäckel Verlufte zu decken; ihnen stesthen nur ungelernte Kräfte zur Verfügung, unge-
fckultes Personal. Es fehlen bie vorschriftsmäßigen
Räume, cs fehlt jede BtanckeleunlniS über Verwertung, Verteilung, Herrichtung von Fleiick und Fleischproduktion. Der Webner wendet sich gegen die Ausführungen des preußischen Landwirtschaftsministers und des b ave rischen Minister von Brettreich über die Spannung zwischen Vieh- und Fleisckpreifen, und meint. Herr v. Brettreich würde als Münchener Schlächtermeister noch ein besseres Geschäft machen, wie als Minister (Heiterkeit), vorausgesetzt, daß er ein Kaustpublikum findet, das so beschränkt fei, wie er es augenblicklich annehme. (Heiterkeit.) Der Redner gibt eine drastische Schilderung von dem Entstehen einer Statistik. Ta kommt ein Schutzmann in einen Schlächterladen und fragt: Wie teuer der- kaufen Sie dies und das? Und in einer anderen Stadt fragt auch so ein Schutzmann einen Schlächtermeister — und das wird dann zusammengerechnet und dann ist das Statistik. (Große Heiterkeit.) Von einer Verteuerungspraxis kann nicht die Rede fein. Das gegenwärtige hohe Angebot an Schweinen unb Kälbern ist lebiglich in bem Mangel an Futter zur Aufzucht unb in ben Sperrmaßregeln aus Anlaß ber Maul- unb Klauenseuche begründet. Von Ende Dezember an und im Frühjahr wird man neben außerordentlich hohen Rindviebpreisen auch sehr hoste Sckweincprcise bekommen. Auch das Gesetz über die Preisfest, stellung nach Lebendgewicht ist mit daran schuld. Auf die Weife, wie es sich der preußische Laubwirtsckastsininistec denkt,, läßt sich ein Preisccgulator nicht schassen. Lediglich Ihre Steuer- und Wirtschaftspolitik ist schuld. Sie haben dem Handwerker, dem Gewerbetreibenden, Lasten über Lasten auferlegt. Sie geben vor, eine echte und rechte Mittelst andspolitik zu treiben, legen kleine Pflästerchen auf, wo es Sie nichts kostet, und setzt kommen Sie und wollen den Zwischenhandel ausschalten, den Mittelstand kaltstellen. Wo diese Existenzen, die heute schon schwer zu ringen haben, bleiben sollen, darüber machen Sie sich keine Kopfschmerzen. Das kann sick jederzeit wiederholen gegen andere gewerbliche Berufe. Der Mittelstand wird hoffentlich erkennen, was er von Ihnen zu erwarten hat. Sie werben sich auf die Dauer der Einführung argentinischen Fleisches nicht widersetzen können. Es ist notwendig eine Erleichterung der Vieheinsuhr, Aushebung der Futtermittelzölle, weitgehende Förderung der heimischen Viehhaltung, eine mindestens zeitweilige Aufhebung gewisser Leoensmittelzölle. Geschieht das, dann werden wir in aller Kürze wieder erträglichen Zuständen entgegensetzen dürfen. (Beifall links.)
Ein 58 er fagungS antrag wird angenommen."
Präsident Graf Schwerin-Löwitz beraumt die nächste Sitzung auf Freitag, 12 Uhr, an mit der Tagesordnung: Weiter- beratung. 1
Abg. Bcbcl (Soz.) Beantragt, die Interpellationen über die Maul- und Klauenseuche an erster Stelle auf die Tagesordnung zu
Tie Abgeordneten Dr. Wiemer (Vp.s und Basser- mann (nl.) schließen sich unter Hinweis auf die Vereinbarungen im Seniorcnkonvent diesem Anträge an.
Der Antrag wird gegen das Zentrum, bfe Kon sedativen und einen Teil der Wirtschaftlichen Vereinigung anae, nommen. . . u , < \
- - Schluß 7,y4 Uhr. ■ V
Reichsgerichtsbrief.
(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Okt. 1911.
Die Haftpflicht der Eisenbahn bejchäftigte wieder einmal das Reichsgericht aus folgender Veranlassung: Am 2. November 1907 morgens gegen 5 Uhr wurde der Schuhmacher T. auf dem Bahnhofe Friedberg in Hessen von einem Güterzuge überfahren und getötet. T. war Sonntags nebenbei für die Post tätig. Als er am 2. November morgens gerade im Begriff war, einen Handwagen mit Paketen durch ein zwischen zwei Gleisen befindliches Gitter nach dem Gleis III zu fahren, erfaßte ihn der Zug. Er hinterließ eine Frau mit sechs unmündigen Kindern, die vom Fiskns Schadenersatz in Gestalt einer Rente verlangen. Der Fiskns verweigerte die Zahlung, da T. entgegen der Vorschrift ohne Begleitung eines Postbeamten, der die Türe zu öffnen hatte, und ohne sich um- zuschauen, darauf losgefahren sei. Aus diesen Gründen wies <ruch das Landgericht Frankfurt a. M. die Klage der Witwe ab. Das O b er l a n b e s g e r i ch t Frankfurt a. M. dagegen erkannte die Ansprüche der Fran für gerechtfertigt an unb führte dazu aus: Es sei lediglich zu prüfen, ob ein Verschulden des T. vorliege. Hierfür könne der Fiskus nicht anführen, daß T. unterteilen habe, sich genügend nmzuschauen; er habe wohl nachgewiesen, daß T. alte Vorschriften gekannt hat, aber, es stehe nicht fest, daß er fahrlässig gegen sie verstoßen habe. Es )ei morgens um fünf Uhr sehr ireblig gewesen, so daß er, da es mcht erwiesen sei, daß er den erst seit tnrzem fahrenden Zug gekannt habe, diesen sehr wohl fiir eine Rangierlokomotive habe halten können, zumal feine Verpftichtung für ihn bestanden habe, sich von den fälligen Zügen Kenntnis zu verschaffen. Auch ein objeftiver Verstoß gegen die Vorschriften der Post stehe nicht fest. Wenn er auch zurzeit des Unfalls nicht mit bei erforderlichen Begleitung eines Postbeamten gefahren sei, so stehe doch sest, daß bis kurz vor der Unfaltstelle ein solcher da war; erwiesen sei nicht, daß er dessen Fehlen gemerkt habe. Ta die Gittercure offcn gestanden habe, hätte er annehmen können, daß er mit Hilfe des Beamten den Wagen auch bei Gefahr leicht über die Gliche hatte bringen können. Mithin sei ein Verschulden des Verunglückten nicht ersichtlich, deshalb trete das Haftpflichtgesetz in Kraft. «
Mit diesem Urteil wollte sich der Fiskns nicht zufrieden geben Unb legte R ev t) i o n beim Reichsgericht ein. Ter 6. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofs hob das Urteil de» Ober- landesgertchts Frankfurt a. M. auf unb verwies die Sache zur anbertoetten Verhandlung und Entscheidung an da» Obertandesgericht zurück.
HamidcL.
CralU' 2G* C--fr' 3” öcv henligcn Hauptversammlung ber Man n esmannrohr en werke wurde die BUan- ber ( c- wmn- und Verlu|trechnnng einstimmig genehmigt und eine sofort zahlbare Dividende für bie alten Aktien zu 121/, Proz. und si c die
neueii Aktien zu 6'/«'Proz. feftgefeijt. Tie Erhöhung bes Aktienkapitals um brei Millionen Mark zum Erwerb ber Gewerkschaft Grillo, Funke & Co.-Gelsenkirchen.wurde gleichfalls einstimmig genehmigt. In ben Aufsichtsrat ivnrbe Karl von der Heydt wieder- gewählt unb Geheimrat Funke neugemähtt.
Büchertisch.
.— Mutter unb Kino. Monatsschrift für Sauglings- füriorge. Herausgegeben vom Verein für Säugtingsfürforge im Regierungsbezirk Tüfseldorf, der Großherzoglicyen Zentrale für Mutter- unb Säugtingsfürforge inHesse n unb ber Abteilung VI des Labiichen Frauenvereins, Karlsruhe, unter Mitwirtung ber hervorragendsten Fachleute. Mit der Ottobernuminer ist die Zeitschrift m den vierten Jahrgang getreten unb erscheint jetzt j e b e n M o n a t. Ter Bezugspreis bleibt unoeränbert. (Verlag von Mutter unb Kinb, Tüssetborf, Worringer Str. 60.) Aus bem Inhalt ber ersten Nummer: Tie Auioritäten der Kinbcrsinbe von Dr. Eugen Neter. Die Mitarbeit der Hebammen in ber eaughngSfüriorge. Die Not von Mutter unb Kinb (mit Abbildungen). Aus bem Jahresbericht des Vereins für Säuglings- funorge int Regierungsbezirk Düfieldarf. Die Gesundheilsregeln von Salerno von Tr. Siegmund Hirsch, Frankfurt a. M. Kleiile Mitteilungen. Allerlei.
bei
Psarrer B ech to ls h e i m er.
Airchttche Nachrichten.
Eoa7,gelische SemeinSe.
Sonntag, ben 29. Dftobei^ 20. nach Trinitatis.
Sotterdienst.
3n der Ltadttirche.
Vormittags 9^ Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für bie Mallhäusgemeinde.
~ . Pfarrer D. Schlof | er.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schivabe.
Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matlhausgemeinbe. .
Dienstag, den 31. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Matthäns- letal: ö v a u e n in i f f i o n § u e r e i n.
Mittwoch, den 1. November, abends 8 Uhr: Versammlung der fonhrimevicn weiblichen Jugend bet Marknsgeniernde.
Donnerstag, den 2. Noveuwer, abends 8 Uhr, im Matthäus- jaalc. y i b e l h u n ö e. (Bilder aus dem Leben der Apostel.)
,n........ .. _ Pfarrer 1). Schlosser.
Jmd)|mimtigcn Sonntag, 5. November, als am Resormations- feli, wnd im Abeuogotiesdien t Beichte und heiliges '.'tbcndmalil für Die M-Mdmis- lK6o(ktt u,Crtcn. ÜI»m«,d«»g
dem Pwiier feder Gcn»einde erbeten.
3n der ZotrannestirHe.
Voiimttags 9’/a Uhr: Pfarrer B e ch i o l s h e i ui e r.
Voiinuiags 11 Uhr; Kinderkirche für die Lulaigernernde.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ausield.
lUbenb5 71/» Uhr: Versammlnng der fonfirmievten mann- lichen Jugend der Lukas- unb Johannesgemeinbe.
Mittwoch, ben 1. November, abends 8 Uhr: y ihelftunb e un eutasfaat. Planer B e ch,-> l s h e i mer.
Freitag, den 3. November, ilachmfttags 6*/, Uhr: Versammlung ber konfirmierten weiblichen Jugend der Johanncs- geinembc.
Stächslkünftigen Sonntag, den 5.November, als am ^e^ornlatiolt§- Abendgottesbienst Beichte unb heil. Abendmahl iit die Lnkav- und Zohannesgemeinde statt. Sliunclbimgeii bei dem Pfarrer feder Gemeinde erbeten.
. ,s^x\ selben Sonntag wirb die alljährliche K a l l » 110
den Giistav-Adols-Vereul erhoben.
Natholifche Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag, den 28. Oktober 1911:
» . um o Uhr und abends um 8 Uhr; Gelegenheit
ijci'e -oeiclju
Sonntag, den 29. Oft., 21. Sonntag nach Pfingsten.
Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.
» um 7 Uhr: Tie erste hell. Btesse.
* y*n q llhr: Austeilinig bet hl. Kommunion.
• um 9 Uhr Hochamt mit Prebigt.
m r ’ n =ulu H/'l. 'Messe mit Predigt.
Nachmittage um 6 Uhr: Ehristenlehre; daraus Rosenkranz-Andacht Mit Segen.
badjMn'i’t'eegen. nbe"b ®V. Uhr ist Rastnkraaz-Aa-
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