don Gießen, und man hat — wohl nicht mit Unrecht — dies iunt Teil der Beschäftigung junger, der Schule kaum entwachsener Menschen, besonders junger Mädchen, in Fabriken zugeschrieben.
Die Berechnung der Sterblicht'eitsziffern auf 10 000 Einwohner der letzten 16 Jahre in 6 Gemeinden aus den Sterbe» fällen an Lungenschwindsucht bietet folgendes wechselnde BÄd:
1895-1899 1900-1904 1905-1910
Todes- Sterbl.- Todes-- Sterbl.- TodeS- Sterbl.«
fälle.
Ziffer.
fälle.
Ziffer.
alle
Ziffer.
Ulten-Bnseck
17
— 28,2
29
— 50,3
20
— 28,3
Groben'Buseck
37
— 44,0
26
— 30,5
35
— 33,3
Heuchelhenn
22
— 22,0
30
— 26,4
21
— 14,9
Klein-Lmden
12
— 17,0
22
— 28,0
27
— 24,9
Watzenborn
17
- 20,5
13
— 14,3
16
— 13,0
Wieseck
52
— 40,5
62
— 45,2
48
- 26,4
Es steht zweifellos fest, daß nicht die Arbeit in geschlossenen Raumen allein die Ursache der Vererbung und Weiter Verbreitung der Tuberkulose innerhalb der Familien ist, sondern vielmehr das Verhalten und der Verkehr zwischen Gesunden und Kranken. Wo Tuberkulose in einem Hause ist, sind die Erreger der Krankheit, die Tuberkelbazillen, überall zu finden. Schon die kleinen Kinder nehmen bei vernachlässigter Reinlichkeit in Zimmer und Bett Tuberkelbazillen in sich auf, z. B. wenn sie auf dem Boden spielen, und erkranken an Drüsentuberkulose (Skrophulose), woraus sich häufig int Entwickelungsalter Lungentuberkulose herausbildet. Bei jedem schleichenden duften und Hüsteln junger Leute konsultiere man den Arzt und fordere von ihm Offenheit in Benennung des Leidens, man isoliere streng Kranke oder der Krankheit Verdächtige möglichst in besonderem Schlafzimmer, jedenfalls in besonderem Bett, man sei peinlich reinlich am Körper und im Hause, in der Beseitigung und Zerstörung des ansteckenden Auswurfes, man ernähre den Kranken gut und härte seinen Körper ab; man befolge streng die Ratschläge des Arztes, gegebenen Falles die der Fürforgestette für Lungenkranke. Dann muß eine Einschränkung der Tuberkulose zu Stande kommen.
An Lungenentzündung sind 111 (89), an Influenza, tvÄche über die Wintermonate eine weite Verbreitung gefunden und namentlich alte Leute gefährdete, 8 Personen zu Tode gekommen. An anderen Krankheiten der Atmungsorgane starben 62 (76), an Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße 106 (81) Personen, an Schlagfluß 41 (55), an anderen Krankheiten des Rervensystemes 62, darunter 35 kleine Kinder an „Krämpfen".
Dem Magendarmkatarrh fielen 31, zumeist Säuglinge zum Opfer, der Blinddarmentzündung 7 (2) und anderen Erkrankungen der Berdauungsorgane 35 (23).
Bösartigen Neubildungen, meist Krebsgeschwülsten, erlagen 100 (91), den Krankheiten der Harnorgane 36 (33).
22 (18) Personen gingen durch Selbstmord aus dem Leben, 2 endeten durch Mord und tödliche Körperverletzung, 14 durch Ungläcksfall (i. V. 29). .An anderen, oben nicht benannten Krankheiten sind 45 und an unbekannt gebliebener Todesursache 19 verstorben.
Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen.
Dr. Haberkorn.
8. Deutscher Hilfsschultag.
S.u.H. Lübeck, 19. April 1911.
Die heutige Hauptversammlung des achten Deutschen Hilfsschultages im großen Saale der Stadthalle begann mit den offiziellen Begrüßungen.
Es sprachen Senator Kulenkamp namens des Senats der Stadt Lübeck, Geheimrat Heuschen (Berlin) als Vertreter des Preußischen Kultusministeriums, Schulrat Sieber (Dresden) namens des Sächsischen Kultusministeriums, Ministerialdirektor Slorian (Wien) namens der Oesterreichs scheu Regierung, Professor r. v. Scheele namens der .Schwedischen Regierung, Professor Danahashi namens der Japanischen Regierung, Dr. Reimann Merlin) namens der städtischen Behörden der Stadt Berlin und Lehrer Lornsen (Berlin) namens des Deutschen Lehrervereins.
Der Vorsitzende, Schulrat Dr. Wehrhahn, dankte allen Rednern für die freundlichen Begrüßungsworte. Darauf sprach Staatsanwalt Niehoff (Braunschweig) über: „Die geistige Minderwertigkeit im deutschen Strafrecht, Strafprozeßrecht und Strafvollzüge", indem er die Unterschiede zwischen dem alten und dem in Vorbereitung befindlichen Strafgesetzbuche erläuterte und vom wissenschaftlichen Standpunkte aus beleuchtete. — Den Gegenbericht hatte Schulinspektor Kielhorn (Braunschweig) übernommen. — Die beiden Herren legten dem Verbarckstage folgende Entschließung vor:
„I. Nach den Vorschlägen des Vorentwurfes zum deutschen Strafgesetzbuch und des Entwurfes zur Strafprozeßordnung findet im deutschen Strafrecht a) die verminderte Zurechnungsfähigkeit als Strafmilderungsgrund grundsätzlich Anerkennung, bi wird der individuellen Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen im Strafvollzüge Rechnung getragen, c) wird bezüglich der vermindert zurechnungsfähigen Jugendlichen in erster Linie an Stelle der Bestrafung auf Erziehung Wert gelegt, dl wird die Sicherung der gemeingefährlichen gemindert Zurechnungsfähigen nach Verbüßung der Strafe vorgesehen.
Der Verbandstag erkennt diese Reformvorschläge als einen wesentlichen Fortschritt gegen das geltende Recht an und erachtet es als notwendig, daß dieselben baldmöglichst Gesetzeskraft erlangen.
II. Mit der gesetzlichen Anerkennung der verminderten Zurechnungsfähigkeit muß gefordert werden: daß das auf Ermittelung und Feststellung dieses Zustandes gerichtete Verfahren vervollkommnet und daß insbesondere den Staatsanwaltschaften und Gerichten zur Pflicht gemacht wird, die Hilfsschulpersonalakten heranzu^iehen, wenn Angeschuldigte ober Angeklagte eine Hilfsschule besucht haben."
In bet Aussprache empfahl Rektor Fuschs (Berlin) bie Annahme ber Thesen, wünschte aber noch folgende hinzugefügt:
„III. Der 8. Verbandstag der Hilfsschulen Deutschlands erachtet es für zweckmäßig und notwendig, vor den Gerichten und namentlich vor den Jugendgerichten bie Lehrer als pädagogische Sachverständige zu hören."
Die Entschließung wurde darauf mit diesem Zusatz angenommen.
Nach einer kurzen Pause sprach Hilfsschullehrerin Biesenthal (Berlin) über den „Hauswirtschastlichen Unterricht in der Hilfsschule".
Es wurde darin u. a. ausgeführt, daß, wenn auch nicht Überall ein selbständiger Hauswirtschaftsunterricht eingerichtet werden könne, es doch wünschenswert sei, daß die Hilfsschülerinnen in solchen Fällen mit den allgemeinen Schülerinnen zusammen unterrichtet werden können. Es wurde sodann eine entsprechende Entschließung angenommen.
Es folgte darauf der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag des Prof. Dr. Weygandt (Hamburg) Über
Hirnveranderung bei jugendlich Abnormen.
Der Redner führte u. a. aus, es müsse entsprechend ber Lehre des psycho-pbysischen Parallelismus angenommen werben, baß iebent von ber Norm abweichenden Verhalten ber psychischen Leistungen auch ein von ber vollen Gesundheit abweichenbes Verhalten in ber Beschaffenheit ober in Verrichtungen ber Hirnrinbe parallel geht. Nicht selten finb bie Hirnveränberungen verbunben mit körperlichen Abweichungen von ber Norm. Aus ber Erkenntnis ber Hirnveränberungen lassen sich Gesichtspunkte für Behand- lung und Vorbeugung gewinnen, außerbem ist auch in gerichtlichen Fällen ber Nachweis ber Minderwertigkeit ober Unzurechnungsfähigkeit leichter unb sicherer, wenn eine bestimmte Hirn- toeränberung dabei festgestellt worden ist.
Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Verbandstag wurde mit den üblichen Dankesworten geschlossen. Morgen findet ein Ausflug nach Travemünde statt. Der nächste Verbandstag soll 1913 in Bonn abgehalten Werdern
— " '■HJJ
Preis
50
89
. 50-58 91—95
49
88
41
77
105-114
66
85—90
43
61—63
48
69
60—61
47
60
61—62
47
61
Meteorologische Beobachtungen -er Station Siehe».
Wetter
©
18.
19.
104-112 65
95-103 59
83
62
5
10
9
82-85
61-63
41
48
109
108
99
87
85
98
75
67
46
51
37
33
73—77
65-70
Sonnenschein
Regen
sf
Sanatorium Lindenfels
zwischen Dannstadt—Heidelberg, 400 m hoch herrl. gelegen, fss”/*1
IS E S r
Feinste Mastkälver ..... . 65—63
Mittlere Mast- und beste Saugkälber . 63—68
Geringere Mast- und gute Saugkälber 57—62
Geringere Saugkälber 42—45 Scha *e.
Aeltere Masthammel unb gut genährte
Schafe...........40—42
Weidemastschafe . . 47—49 Schweine.
•2's*5 i E B c-
Handel.
8 Deutsche Reichsbank. Die Rückflüsse bei der Reichsbank haben auch für die zweite Woche kräftig angehalten. Nach dem Ausweis vom 15. April ergibt sich eine steuerfreie Nolen- reserve von 128.5 Millionen Mk. gegen eine Steuerpflicht von 58 Millionen Alk. am 7 April d. Js. DieBejserung ist fast genau dieselbe wie im Voffahre, doch bleibt ber Rückfluß auf Wechsel- und Lombardkonto .nit Zusammen 141.4 Millionen Mk. um rund 37 Millionen Akk. hinter dem des Borjahres zurück, obwohl die Gesamt-Inanspruchnahme in diesem Fahr zum Apriltermin um 164 Millionen Akk. großer gewesen war als im Vorjahre. Dafür haben sich dresmal aber die täglich fälligen Verbindlichkeiten um ungefähr bie gleiche Summe erhöht, um die sie im Vorjahre ab- genommen halten. Der Golbbesland, der durch Zuflüsse aus dem Ausland eine Verstärkung haben dürste, betrug 7984 Mlll. Mk. und hat geaen die Vorwoche um 24.8 Millionen Mk. zugenommen. Er deckt jetzt 49,3 Proz. des Notenumlaufes gegen 43,6 Proz. in ber Vorwoche unb 51,9 Proz. in der gleichen Zeit des Vorjahres.
Berlin, 19. April. Die chinesische Anleihe über 10 Millionen Pfund wird, wie die .Kreuzzeitung" schreibt, hauptsächlich das W ä h r u n g s p r 0 g r a m m m Fluß bringen, reffen Ausgestaltung und Durchführung eingehende Studien und Beratungen während der nächsten Zett erfordert. Erst nachdem die Beratungen zu einem befriedigenden Abschluß geführt sind, wird an die Ausgabe der Anleihe herangetreten. Bekanntlich schloß Amerika für die Anleihe einen Präliinmaroertrag mit China ab, doch sei es allen Beteiligten ratsam erschienen, diejenigen Staaten heranzuziehen, die an der wirtschaftlichen Entwickelung Chinas em hervorragendes Interesse haben. Wie viel bei der Ausgabe deS Anlehens auf den deutschen Markt entfallen wird, bleibt einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten. Voraussichtlich wird die Anleihe einen internationalen Charakter haben und an den Börsen der vier beteiligten Länder einheitlich zur Notiz gelangen.
Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst.
Schlachtwertes 47—52 85—91
Vollfleischige auögemäftete Kühe höchst.
Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 40—43 77—78
Aeltere ausgemästete Kühe unö wenig
gut entwickelte simgereKühe iu Färsen 36—39
Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 32—35 K äl b eu
Drucksachen aller Art Ausstattung stilrein u.preiswert
— 1 - die BrührsoteUnie.-Drufikerei.
Markte.
Groß°Felda, 18. April. Unseren heutigen ,0 ft e r m a r F te begünstigte herrliches Jrühlingswetler. Der Markt war stark besucht. Ter Schweinemarkt wies eine starke Auffahrt auf. Die Preise waren in Anbetracht des Kartoffelmangels keinesfalls niedrig. Trotzdem ging der Handel so flott, daß alles Angebot abgesetzt wurde. Man bezahlte für Ferkel erster Qualität das Paar 65 bis 70 Alk., zweiter 55—65 Mk., dritter, bie wenig »eriveten waren, 50—54 Alk. Diese Preise entsprechen denjenigen des „Oslermarktes' zu Grimberg, auf dem sich gleichfalls eine lebhafte Nachfrage nach Ferkeln zeigte.
Limburg a. b. Lahn, 19. April. Fruchtmarkt. Durch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 16,50 ML, weißer Weizen (angebaute Fremdsorte) 16,00 SDlL, Korn 11,80 Alk., Gerste: öuttergerfte 0,00 Mk., Braugerste 00,00 Mk., Hafer Alk. 7,90, Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln 8,00—8,50 Mk.
F.C. Wiesbaden. V ie hh 0f-M a rk tb eri cht vom 19.April. Austrieb: Rinder 28 (Ochsen 11, Kühe 17, Bullen 0), Kälber 106 Schafe 36, Schweine 272.
Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe unb Schweine ruhig.
Ungejochte
Färsen, Kühe.
Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 47—49
Vollfleischige Schweine über 2 Zentner
Lebendgewicht 47—43
Vollfleischige Schweine über 21/, Zentner
Lebendgewicht . 47—48
Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 43—00 55—00 43 55
Ueberftanb bei Rindern, Kälbern, Schafen unb Schweinen.
Vermischtes.
♦ I n Seenot. Nach einer Llvydmeldmtg auS Kapstadt ist der portugiesische Dampfer „Lusitania", von Mozambique nach Lissabon unterwegs) bei Bellews Reck auf Grund geraten. Die Passagiere und die Besatzung, insgesamt 800 Personen, wurden teils vom englischen Kreuzer „Forte", teils vom Schleppdampfer „Seetsman" übernommen. Die Strandung erfolgte bei dichtem Nebel. Eine Dame ist ertrunken, ein Schiffsjunge wird vermißt. Ein Rettungsboot der „Lusitania" kenterte, während es an Strand gesetzt wurde. Hierbei ertranken zwei Insassen des Bootes. Nach einer späteren Meldung ist auch der dritte Offizier ertrunken und das Schiff gesunken.
Kleine Tageschronik.
In Berge-Borbeckbei Essen befestigten spielende Kinder auf oem Rücken eines 6 jährigen Mädchens eine mit Petroleum gefüllte Konservenbüchse und zündeten den Inhalt an. Tas Kind wurde furchtbar verbrannt und starb kurze Zeit darauf.
In Ober st ein bei Saarbrücken stürmten 15 junge Burschen bei einer Schlägerei eine Wirtschaft und zerstörten die Einrichtung. Schließlich griffen der Wirt und sein Bruber zu Geweinen und verwunbeten einen der Burschen lebensgefährlich und zwei andere schwer.
In Erlhausen wurden beim Böllerschießen fünf Burschen, welche Benzin nachgossen, lebensgefährlich verletzt. Einer davon verlor das Augenlicht.
In Berlin geriet ein Wächter der Wach- und Schließgesellschaft nachts in den Fabrikgebäuden der Firma Bernhard u. Simon in der Ritterstraße mit zwei Einbrechern in einen blutigen Kampf. Er wurde überwältigt und früh auf der Treppenflur geknebelt porgefunden. Die Diebe enttarnen ohne Beute.
In Berlin war die Hitze am gestrigen Mittwoch größer als in irgendeinem anderen April der letzten 26 Jahre. Mittags Ueg die Temperatur bis auf 26 Grad.
Auf einem Ausflug des Turnvereins „Vormholz" brachen Streitigkeiten ans. Dabei wurde ber Hofbesitzer Lieber von feinemBruder mit der Fa h n en sta n g e e r schl a g en.
Das Gericht stellte fest, daß der Brand desRathauses in Schaerbeckan sieben verschiedenen Stellen angelegt worden war.
Nach der im Marz d. Js. vorgenommenen Volkszählung betrug bieEinwohnerzahlvonParis2 846 986 gegen 2 722 734 im März 1906.
In P aris stürzt 0 sich die 18jährige Magdalene R e st a n d, die Tochter des Bankiers und Nichte des berühmten Dichters, nach einem Wortwechsel mtt ihrer Mutter aus dem dritten Stock auf das Straßenpflaster. Sie erlag ihren Verletzungen.
In Moskau ermittelte die Geheimpolizei eine Räuberbande, die große Warenmengen auf der Nikolaer unb Moskauer Ringbahn stahl. 20 Diebe würben verhaftet, darunter zehn Eisenbahnschaffner. Auch in Kasan wurde eine Anzahl Eifenbahndiebe verhaftet.
In dem KirckHorse Petropawlowsk zerstörte eine Lawine die Dorfkirche. Drei Personen sind umgefomnten, drei wurden schwer verletzt.
Bei Bietigheim sprang die Frau des Fabrikarbeiters Fischer mit ihren drei Kindern, zwei Mädchen im Aller
custschiffahrl.
Vom deutschen Rundslug.
Berlin, 19. April. Zu dem deutschen Rundslug um den B.'Z.-Preis der Lüste 0011 100 000 Alk., vom Verlag Ullstein geftiftet, bewilligte nach einer Mitteilung des Verlags das preußische St r i e g 6 m t n i ft e r 1 u ni zwei Zusatzpreise von 5000 und 4000 SIL, deren Bedeutung aber dadurch erhöht wird, daß von der siegenden Fabrik em Apparat angekaust werden soll, der besonderen Anforderungen der Kriegsbrauchbarkeit entspricht. Tie Ausschreibungen zu dem Rundflug, der von zahlreichen deutschen Städten mit sehr namhaften Preisen anSgeftattet ist, werden in den nächsten Tagen nach Genehmigung durch den deutschen Lustschiffer- Verband veröffentlicht werden. Der Rundflug, der am 11. Juli m Berlin beginnt, berührt aller Voraussicht nach Hamburg, Stiel, Schwerin. Hannover, Münster, Düsseldorf, Köln, Aachen, Tms° vurg, Dortmund, Kassel, Nordhaujen, Halberstadt und Dessau.
Reims, 19. April. Ein von dem Leutnant Frougere gesteuerter Eindecker st ü r j t •» infolge eines Windstoßes aus 20 Nieter Höhe ab. Ter Ojsizier wurde am Oberschenkel schwer v c letzt.
— Zur Physiologie der Luftschiffahrt. Jede neue Maschine, die in den Dienst des Menschen gestellt wird, übt ihre Rückwirkung auf ihren Meister selbst aus, unb diese Wirkungen bieten bem Physiologen ein interessantes neues Feld der Forschung. Heute ist es vor allem die Luftschiffahrt, bie die allgemeine Anteilnahme auf sich lenkt, unb auch auf diesem Gebiete treten neue Erscheinungen des seelischen und physischen Lebens auf, die sorgfältige Beobachtung erfordern. Ein italienischer Gelehrter, Professor Nieddu-Semidei, bat sich als Erster eingehend damit beschäftigt und berichtet im Pariser Cosmos von seinen Ergebnissen. Unter d-en Führern von lenkbaren Luftschiffen und Flugmascknnen ist streng darauf zu achten, so führt er aus, daß sich die Organe der Atmung unb der Blutlauf ebenso wie bie Nervenzentren vollkommen betätigen. Ihre Tätigkeit ist beim Aufstieg zu großen unb selbst mittleren Höhen einer so starken Anspannung unb so zahlreichen Störungen unterworfen, daß sonst leicht die Unfälle eintreten können, wie sie sich in letzter Zeit so häufig ereignet haben. Das Sehvermögen ist natürlich von größter Bedeutung für die Erkennung von Zeichen und Wegen; die Flugzeugführer müssen daher nicht nur sehr scharfe Augen haben, sondern auch sehr farbenempfindlich sein. Nicht genügend Bedeutung wird gewöhnlich aber dem Ohre beigemessen. Die Führer müssen vollkommen gesunde Ohren haben, in denen das Labyrinth des inneren Ohres und besonders die drei Bogengänge, bie seinen hinteren oberen Teil bilden und als Sitz der Gleichgewichtsempsindung angesehen werden, vollkommen arbeiten: der Sinn für dynamisches Gleichgewicht kann durch Uebung sehr viel feiner entwickelt werden, und es ist nötig, die Maschrne in vollem Fluge zu führen, Hindernisse 311 vermeiden unb besonders beim Aufstiegen ober Herabkommen. In einem Falle hatte ein Führer bei seinen ersten Versuchen Irrtümer in ber Richtung begangen, unb eine Prüfung seiner Ohren ergab dann, daß er an einer eitrigen Mittelohrentzündung litt, die eine Herabminderung des Gehörs und eine Störung der Bogengänge zur Folge hatte. Wenn er mit geschlossenen Augen in gerader Linie gehen sollte, so wich er regelmäßig zur Rechten ab. Diese Abweichung war noch deutlicher, wenn er in einem Kreise zu gehen versuchte, indem der Kreis sich in ber einen Richtung statt? vergrößerte und in der anderen sehr viel kleiner wurde. Diese Beobachtung führte den Untersuchenden dazu, die „Kreisprobe" bei Personen einzuführen, die Luftschiffer werden wollen. Das Gehör muß auch deshalb normal sein, weil eine sorgfältige Beobachtung ber Motorgeräusche von wesentlicher Bedeutung für das Gelingen des Fluges ist
Höchste Temperatur am 18. bis 19. April =- 4- 28,6*1
Niedrigite , , " " ----
Niederschlag: 2,0 muu
•Sf 85 2
CO
Die „Hram" in Vuenor-Aires.
In Buenos-Aires ist die „Frarn", das Expeditionsschiff Arnundsens, aus dem Südpolartteis kommend, eingetroffen. Kapitän Nilsen stattete bem norwegischen Gesandten und dem norwegischen Konsul einen Besuch ab und teilte mit, daß das Schiff das antarktische Festland erreicht habe, unb Amunbsen beabsichtige, mit acht Begleitern unb hundert fünfzehn Hunden nach dem Pol vorzubringen. Die Fahrt der „Fram" fei ohne Zwischenfall, ber ein größeres Interesse beanspruchen könnte, verlaufen, der Gesundheitszustand der aus zehn Mann bestehenden Besatzung des Schiffes sei vortrefflich gewesen. Die „Fram" kehrt anfangs Oktober in das Südliche Eismeer zurück, um die Expedition wieder aufzunehmen.
von sechs Monaten und zwei Jahren und einem Knaben aa Mer von vier Jahren, in bie Enz. Während ber Knabe gerettet werben konnte, ist die Frau mit heu beiden Mädchen ertrunken.
In Kartum wurde eine Fabrik mit Herstellung von Brennmaterial aus Sudd (Nilschilst eröffnet. Der neue Brennstoff erhielt den Namen „Suddit". Die Lösung des Problems, den Sudan mit billigem Brennmaterial zu versorgen, wird als ein gewaltiger Fortschritt in der wirtschaftlichen Erttwickelung des Landes betrachtet.
In der Pinxton -Kohl en grübe wurde ein elektrisches Kabel glühend und es brach Feuer aus. 400 Arbqitzen nwren eingeschlossen. Der Qualm drang aus der Schacht Öffnung und Hunderte von Frauen und Kindern scharten sich in großer Aufregung zusammen. Ein Rettungskorps begab sich mit Sauerstoffapparaten in den brennenden Schacht. Es gelang, sämtliche Eingeschlossene zu retten.
Durch- pro 100 Pfd. jchntttspreis lel'enilä1^ pro 100 Pfund O chs en. von-^ilvon-bir
Vollfleischige, ausgemästete, höchsten
Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 49—51 88—90 Junge, fleischige, nicht ausgemäsle unb ältere ausgemästete 45—48 84—87
Foulard ■ Seide
— Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! —
D5/i G. Henneberg, Zürich.
April 2«-L
02
1911 8c « x
19.
2"
742,7
213
6,6
35
SSW
3
19.
9“
744,9
14,1
7,9
66
WNW
2
20.
7“
748,3
10,6
8,6
91
WSW
2


