Zweiter Blatt
Nr. 92
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberhesjen
Die „Oietzener Zamtllenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtiiblatt für den Krtis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
\6\. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Donnerstag, 20. April f9y
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniverülätS - Buch- und Stemdnickerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:«-^ 112. Tel.-Adr.:AnzeigerSießen»
Grdensschwindel in $rantreid).
Frankreich hat wieder seine „Affäre". Vor einigen Tagen muhte der französische Justizminister sich mit einem Vertreter der Staatsanwaltschaft in Verbindung setzen wegen eines ausgedeckten Verkaufs von Ordensauszeichnun gen Danach wurde ein Rechtsanwalt namens Valens i verhaftet, bei dem mehrere Diplome gefunden wurden, die er zu verkaufen versuchte und die ihm, wie er behauptete, eine politische Persönlichkeit übergeben halte. Im Auftrage des Richters, der mit der Untersuchung in der An- geleaenheit Balensi betraut ist, wurde später auch noch der 'Präsident der nationalen Liga für Menschenrechte, Clementi, verhaftet.
Die wegen der Schwindeleien verhafteten Balensi und ^einenti haben, wie die Untersuchung ergeben hat, nicht Mob gefälschte Diplome bestehender Orden, sondern auch vollständig erfundene Dekorationen unter den 'Hamen „(Goldener Halbmond von Marokko" und „Goldenes Kreuz von Italien" verkauft. Diese letzte „Ordensauszeich nung" verlieh Balensi u. a. einem Polizeikommissar von Lille.
Folgende Meldungen geben ein weiteres Bild von dieser famosen Sache, die in den letzten Tagen zu den bekannten Betrugsfällen im französischen auswärtigen Amt noch hin zugekommen sind:
Paris, 19. April. Die Untersuchung der Angelegenh.'it des Ordensschmindels ergab, daß einige Sekretäre non '21 b g c vrdnc ten sich der Namen dieser bedienten, um Auszeichnungen für andere zu erhalten. Mehrere teilten mit Valensi die Summen, die von den Bewerbern gezahlt wurden. Balensi bediente sich gleichfalls der Nanien gewisser Abgeordneten, um Diplome eines tunesischen Ordens zu erlangen, die er nach Bedarf weiter verkaufte. Sein Mitschuldiger Clementi lieferde ’bm gefälschte Diplome für zwei bis 5000 Franks. Im Äerlause der Untersuchung erklärte der vcrl>aftete Leiter der diplo malischen Revue Menlcmans, er habe auf die Aufforderung iahlreicher Personen, insbesondere zweier Fremder aus Holland und der Direktoren eines deutschen Provinzial > h c a t c r s , welche Auszeichnungen zu erhalten wünschten, mit Balensi darüber gesprochen, mit dem er in engen Beziehungen gestanden habe Balensi versprach, seinen Einfluß geltend zu machen und udergw ihm einige Tage darauf zwei Drplome, in denen die beiden Holländer zu Offizieren der Akademie ernannt wurden Menlemans beteuerte seinen guten Glauben. Er habe nicht vermutet, daß die Diplome gefälscht oder gestohlen fein könnten.
Menlemans steht insbesondere im Verdacht, dem Altonaer T h e a t c r d i r e kt op Prinz ein falsches Diplom der „Akademischen Palmen" verkauft zu haben. Bei der in seiner Wohnung vorgeiwmmcnen Durchs ickping wurden zahlreiche Schriftstücke gefunden, durch die angeblich auch noch andere bekannte Persönlichkeiten arg bloßgestellt wer teil Es heißt, man müsse sich auf mancherlei Ueberraschungm giffaßt machen.
Auch die Veruntreuungen im auswärtigen Amt beschäftigen noch lebhaft die Justiz und die Oeffentlichkeit:
Paris, 19. April. Der Architekt Chedanne im Ministerium des Aeußern ist nach einem Verhör vor dem Urller- suchungsrichtcr verhaftet worden, unter der Beschuldigung, an der Affäre Hamon beteiligt zu sein Der Untersuchungsrichter verhörte ihn wegen Verschwindens gewisser Teppiche und über die Rechnungslegung von 30 000 Francs im Wiener Botschastspalais, für die der Unternehmer nur eine Rechnung von 17 000 Francs eingcrcicht hat, wovon er übrigens nur 8000 kassierte Zahlreicl)e andere Fälle kamen zur Sprache. Da die Erklärungen Cl>edannes ungenügend waren, beschuldigte ihn der .Richter der Mitschuld an den Veruntreuungen im Ministerium des Aeußcrn und ließ ihn verhaften
Chedanne, der Offizier der Ehrenlegion ist, gilt als sehr reicher Mann und als einer der l>ervorrageirdsten Sünftler seines Faches Es scheint, daß die Verhaftung hauptsächlich aus die Klage des Malers De Wambez erfolgte, der behauptet,
Chedanne l>ahe ihn nm 10000 Francs geschädigt. Als ein Vcr mchtsmoment gegen Chedanne wird auch die Tatsache angesehen, daß er im Dezember vorigen Jahres H a m o n 2 0 0 0 0 0 F r a n c s lieh, um dessen Kassenabgänge zu decken. Ferner wird erzählt, daß eine Anzahl ko st barer Tapisserien, die dein M i n i- ü e r i u m d c s A e u ß e r n, g e h ö r c n , v e r s ch w u u d e n s e i e n, und daß Chedanne auch in diese Angelegenbeit verwickelt sei. Chedanne erhob gegen die verschiedenen Beschuldigungen leidenschaftlich Einspruch.
Die bedrängte Landwirtschaft in den vereinigten Staaten von Horöamerifa.
Washington, 19. April. Der Vorsitzende deS Ausschusses für Mittel und Wege legte dem Hause einen Bericht der Mehrheit des Ausschusses zu Gunsten des Gesetzes, betreffend die Liste der zollfreien Gegenstände für Farmer vor. Ter Bericht erklärt, das Abkommen mit Kanada habe alle Schutzzölle für die Erzeugnisse der Landwirtschaft Treibenden ab geschafft, ohne zu gleicher Zeit in entsprechender Weise die drückenden Zölle für die Bedürfnisse aufzuheben, die sie kaufen müßten, um ihre Betriebe aufrecht zu erhalten. Die Herstellunb der landwirtschaftlichen Geräte werde vom Trust beherrscht, die sie billiger im Ausland als int Inlande verkauften. In dem Bericht werden ähnliche Anschuldigungen gegen die Stahl-, Bauholz- und Fleisch- lrusts erhoben.
Aus Hessen.
Die Vereinfachung der Staatsverwaltung.
R. B. Darmstadt, 19. April. Der parlamentarische Ausschuß für die Vereinfachung der Staatsverwaltung wird am 9. Mai nachmittags unter dem Vorsitz des Staatsministers Ewald zu einer Beratung zusammentteten. Neben der Reorganisation der Oberrechnungskammer und der Frage der Zuschüsse für die Landwirtschaftskammer soll auch über die verschiedenen Vorschläge zur Vereinfachung des Kassenwesens eine eingehende Erörterung stattfinden.
R. B. Darmstadt, 19. April. Der Wahlrechtsausschuß der Ersten Kammer tritt am Freitag dem 21. April zu einer Sitzung zusammen, um sich über die infolge der jüngsten Beschlüsse der Zweiten Kammer noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten betreffs der Wahl- rechtsvorlage schlüssig zu machen.
Der Gesetzgebungs-Ausschuß der Ersten Kammer wird .gleichfalls am nächsten Freitag eine Beratung abhalten, und sich mit den Abänderungsbeschlüssen der Zweiten Kammer, betreffs der Städteordnung und der Land- gern embeorb nun g beschäftigen. Ferner soll auch die Beratung über den Gesetzentwurf, betr. die Kreis- und Provinzialordnung erfolgen.
Die Statistik oct Geburten und Todesfälle im Kreife Gietzen im Zahr 1910.
Die Einwohnerzahl des Kreises Gießen war nm die Mitte des Jahres 1910 auf rund 93 400 angcwachsen, was erneu Zuwachs von 10,6 Prozent in den letzten ö Jahren ergibt.
Lebend geboren wurden in den 80 Gemeinden im Jahre 1910: 1390 Knaben und 1261 Mädchen, au lammen 2651 Kinder; ziehen wir hiervon die Kinder fremder Dttllter, die bald wieder die Stadt Gießen, wo sie zur Well gekommen, verlassen haben, ab, so bleiben als Zuwachs zur Bevölkerung durch Geburten 2250 oder 24°/00 der Enuvohnerzabl (un Vorjahre 24,7°/pO).
Totgeborene wurden 50 männliche uno 53 weibliche, zusammen 103, gezählt.
Gestorben sind im Berichtsjahr 1376 Personen, 635 männlichen und 741 weiblichen Geschlechts lim Jahre 1909 waren es 1424 Todesfälle).
Ausgrabungen im heiligen See der Zulas.
Zwischen den einsamen und unwegsamen Cordiller en in Kolumbien, wo zwischen zackigen Felskegeln 10 000 Fuß über dem Meeresspiegel die fülle Wasserfläche des sagenumwobenen Guatavita-Lees büntl, herrscht seit einigen Monaten eifrige Tätigten: Ingenieure, Landmesser und Ettwrbeller sind am Werte Es sind die Vertreter und Angestellten einer großen ^englischen Gesellschaft, der Contractors Limited, die in aller Stille den Plan gefaßt Hal, den berühmten See trocken zu legen und auf feinem Boden nach den sagenhaften Schätzen zu fahnden, die die Inkas seinerzeit bei ihrer Knechtung durch die Spanier in den Sieten des heiligen Sees vor der fcabgür ihrer Heber minder in Sickwrheit braducn. Der größte Teil des Wassers ist bereits ab- geleilct, und die ersten oberflächlichen Untersuchungen der zurückgebliebenen tiefen Sumpfschicht haben bereits eine ganze Reilw von kostbaren Edelsteinen und Gegenstäichen aus lauterem Golde ans Tageslicht gebracht, die bereits für sich ein stattlick)es Vermögen darltellen. ~
Bereits die ersten Arbeiten belohnten die modernen Schatzgräber durch die Auffindung eines massiven großen Bandes aus schwerem Golde, man fand einen großen Goldkessel, zwei goldene Schlangen, 20 Smaragden von ansehnlicher Größe, zwei seltsame Statuetten, die offenbar Weihgeschenke waren und ebenfalls aus reinem Golde gearbeitet sind, sonne eine ganze Reihe güldener Arm- und Fußspangen. Das wissenschaftlich interessanteste Stück unter den bisherigen Funden ist zweifellos eine große Goldschussel, in der alle Zeickwn des Kalenders der Fnkas kunstvoll eingraviert sind. Diese überraschenden Ergebnisse der so oft geplanten Suche nach bau Schatz der Inkas bilden ^allem Anschein nach die ersten Vorläufer für weitere Funde: nun, nachdem, wie ein amerikanisches Magazine darlegt, der Seeboden freiliegt, harrt her Schatzgräber, die nut allen Mitteln der mobemeat Technik arbeiten, die Ausgabe, die zurückgebliebene große, an 10 Meter tiefe Suinpfsclückt zu durchsuchen. Nach den alten Uebcrlicfcrungcit und nach den Forschungen_über die Gebräuche der JnlaS galt in alten Zeiten der Guatavita-See als die Wohnstätte der Gottheit, die dem Volke jenen Reichtum an Gold und Juwelen fahenfte, durch den die Inkas berühmt mären.
Zu bestimmten Zeiten des Jahres, hauptsächlich zu Beginn «s Frühlings und zu Beginn des Derbstes, wurden der Gotthell große Opfergaben ans Gold und Edelsteinen dargebrackt. Wir besitzen dank den Bemühungen der Wissenschaft eine ziemlich genaue nernttnrö von dem Gang jener Zeremonien. An den Ufern des ^ees lag ein prächtiges, breit gebautes Boot, dessen Bug mit einer rofjen güldenen Gestalt gescknuückt mar. Wie sie bestauben auch «lle anderen üppigen Ausschmückungen des religiösen Fahrzeuges «ns Gold, ja der ganze Rumpf des Schiffes mar über und über not Gold beschlagen. An den großen Opfertagen nahm der längste <*meiter mit einem prupLoollen Gefolge auf dem Fahrzeuge feinen
Platz ein; die ganze Geisckichkeit war über und über mit Goldstaub bedeckt. Das Schiff selbst mürbe mit den prächtigen und kostbaren Opfergaben beladen und ruderte dann zur Mllte des luiligen Sees. Hier wurden unter Gebeten und Gesängen die goldenen Spenden der dankbaren Gläubigen Stück um Stück in die Fluten geworfen, die Priester selbst sprangen ins Wasser und reinigten sich von der Goldschicht, die ihren Körper umkleidete, um dann zum Ufer zurückzukehren. Unter den Inkas herrschte sogar der Brauch, hin und wieder einen gefangenen Feind, über imd über mit Juwelen und Goldschmuck zu bebedat und ihn bann, der Gottheit darzubringen, indem man den Unglücklichen lebend in den heiligen See warf, wo er natürlich unter der Last der Opfergaben sofott ertranf. In späteren Jahrhunderten, als die Zivili- satton der Inkas zu höheren Stufen emporgeklommen war, scheint bamt ein aufgeklärteres Geschlecht die Opfergaben für den Gott beschränkt zu haben, wenngleich die großen zweimal im Jahr stattfindenden Opserzeremonien auf dem heiligen See noch fortdauerten, als die Spanier und Pissaro mit seinen Horden in Peru einbraimcn und die Inkas uittenvarfen.
Die Ucbcrhcferung berichtet davon, daß die Inkas schließlich den Hauptteil ihrer unermeßlichen Gold- und Juwelenschätze in die Fluten des heiligen Sees versenkten, um sie den fremden Eindringlingen zu entziehen. Man hat daraufhin im Laufe des Jahrhunderts auch mehrfach unternehmende Menteurer gesehen, die mit unzulänglickicn Hilfsmitteln die Ufer des heiligen Sees nach Gold durchforschten. Noch zur Zell der spanischen Herrschaft wurde einmal der Versuch unternommen, den See brachzulegen; die Arbeit wurde schließlich nicht vollendet, aber am einen Rande des Seebeckens $eugt nach ein tiefer Einschnitt in das felsige User von den Bemühungen vergangener Generationen, den berühmten Schatz der Inkas zu heben. Aber alle jene Unternehmungen wurden entweder nacht zu Ende geführt oder beschränkten sich auf die Durchforschung des Ufers. Daß in der Mitte des Sees noch gewaltige Goldmengen schlummern, haben jetzt die ersten Funde jener englischen Gesellschaft bewiesen, und man wird damit rechnen dürfen, das; in den nächiten Monaten bei der Durchsuchung des Sumpfbodens noch wellere und aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutendere Funde gelingen werden.
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— Gemeinsame^ Tagung für Denkmalpflege uni) Heimatschutz^Salzhurg 1911. Im vergangenen Jahre hat sich der Tag für Denkmalpflege bei feiner letzten Tagung in Danzig mit dem Bund Heimat schütz zufammen- gefchloffen, berart, daß fortan alle zwei Jahre größere gemeinsame Tagungen svattllnden sollen. Auf Einladung der Stadt Salzburg und unter Vermittlung des österreichischen Kultus- ministettums wird die erfte derartige Tagung am 14. und 15. September dieses Jahres in der genannten ehrwürdigen und denkmal- reichen Bischofsstadt stattfinden, wo sich aus den führenden Kreisen der Stadt ein OrtÄmsstchuß gebildet hat, der nui dem in Danzig
Um die Sterblichkeitsziffer der kreisangehörigen $8 berechnen, müssen die in den klinischen Anstalten zu Gießen zu Tode gekommenen 249 Kt eis fremden in 2ll>zug gebracht werden, dann kommen auf 1000 Lebende bei 11-7 (Wcitorbcnm 12,03 Todesfälle (i. B. 12,6 °'Oo , für die Kreisstadt ipar die Sterblichkeitsziffer 10 %o- Diese niederen Zahlen sprechen für günstige hygienische Verhältnisse des Kreises, wttckre iioch klarer hervortreten, lucmt man die Verteilung dec SterbcfäHe auf einzelne Altersklassen betrachtet.
Es starben im Mter von:
1910 1909
0- 1 Jahr
178 — 15,8 */.
188 — 16,33 */.
1—15 ,
114 — 10,1 ,
149 — 12,86 ,
15—30 „
105 ---- 9,31 ,
104 — 8,98 ,
30-60 „
249 = 22,1
236 — 20,36 ,
60—70 „
196 — 17,4 ,
207 — 17,85 ,
über70 „
285 = 25,3 „
275 — 23,60 ,
zusammen:
112?
1159
Hieraus ist zu ersehen, daß über 25 Prozent der Verstorbenen das 70. Lebensjahr überschritten hatten, und 15,8 Prozent auf das Säuglingsalter fallen. Vergleicht man die Zahl der Lebendgeborenen mit den im ersten Lebensjahr verstorbenen Kindern, so kommen auf 100 Geborene 7,9 verstorbene Säuglinge: für das Großherzogtum ist die eillfprerhendc Zahl 11,3, für die Provinz Oberheffen 7,2, für br Stadt Gießen 9,0, für den Landbezirk 7,6. Fügen mir noch an, daß int Berichtsjalwe nach unseren in bett öffentlichen Impfterminen gemachten Erhebungen von 1833 Impflingen die Kinder bis zu in Filter von 3 Monaten in 17,3 Prozent, von 3—6 Monaten in 21,7 Proz., von 6—9 Monaten in 23,5 Prvz., über 9 Monate in 24,3 Proz. mit Muttermilch und nu r i n 1 3,2 Prozent (darunter eine größere Zahl von Pflegekindern) nicht mll Mutternnlch ernährt worden sind, so müssen wir mit der Pflege und Ernährung der Säuglinge, welche die Grundlage für das Gedeihen und die Gesundheit der Kleinen bilden, im Steife Gießen sckwn recht zufrieden sein.
Daß die Statistik des Stillens richtig ist, dafür barr als Beweis angesehen werden, daß die Beobachtungen der letzten! 3 Jahre in den entsprechenden Prozentzahlen fast genau über* cinftimmen. —
Bemerkenswert ist, daß Kinder im ersten Lebensjahre gegen Infektion mit den schwereren Jnfektionskrankhellen, Tiphtheri'' und Scharlach, fast immun, durch Keuchhusten schon mehr gefährdet sind: sehr viele Säuglinge, iin Berichtsjahre fast der oierte Teil 39 , starben an angeborener LebenSscbwäche Frühgeburt, Bildungsfehlern im ersten Lebensmonate, bann folgen als häufig angegebene Todesursache „Krämpfe" (35), hierauf akute Krankhellen der Lungen 37), endlich Darmkatarrh und andere Ernährungsstörimgen 028).
Ordnen wir die Todesfälle nach den wichtigsten Krankheiten und Krankheitsgruppen, so war Alten s chW ä ri)c 168, ßet be ns schwache im ersten Lebensmonat f39 mal als Tobest Ursache genannt. An Wockienbettfieber sind 5, an anderen Folgen von Geburt und Wochenbett 2 Frauen gestorben. An den wesentlich "bem Kinedsaller gefährlichen ansteckenden Krankheiten sind 32 Kinder und 2 Erwachsene gestorben, nämlich von 216 Scharlachkranken, die zu unserer Kenntnis gekommen sind, 4 (i. V von 444:34), an Diphtherie von 283:7 (i. V. von 174:11), an Masern 9 7 , an Keuchhu sten 10 18). Typhus- Fälle waren 7 gemeldet, davon ist eine Person, die sich außerhalb des Kreises infiziert hatte, gestorben Daß die Erkrankungs- und Sterbeziffern an Unterleibstyphus in den letzten 10—15 Jahren ganz erheblich herabgegangen sind, haben wir unseren -ahlreick>en Zenttalwasferversorgungen zu verdanken.
An Rose starben 5 (5), an Blutvergiftung anderer Art 11 (8).
Der Lungentuberkulose sind 120 (143 , der Tuberkulose anderer Organe 45 (46) zum Opfer gefallen: somit kommen auf 10000 Einwohner an Lungenschwindsu cht Gestorbene: 12,83 (15,5), an Tuberkulose überhaupt 165 ober 17,6 °/ooq. . Die Sterblichkeit an dieser verheerenden Seuche geht allmählich und langsam, wie es in der Nattir der chronisch verlaufenden Krankheit liegt, zurück. Tie Tterblichkeitsziffer war z. B. 1903 noch 23°/6n„ und 1904 22%O, für den Kreis Gießen.
Erhöhte Sterblichkeit _ an Lungenschwindsucht zeigten schon Jahre lang die größeren Landgemeinden in der Umgebung
gewählten geschäftsführenden Ausschuß der gemein (amen Tagung das Programm jetzt soweit festgestellt hat, daß dessen Veröffenp' lichung in der nächsten Zeit bevorstcht. Wie bisher bei den Tagen für Denkmalpflege, so ist auch bfri der ersten gemeinsamen Tagung mit dem Bund Heimat schütz die Teilnahme an den Verhandlungen völlig frei. Es ist hierzu weder eine Einladung/ oder Aufforderung erforderlich, nich wird die Zngchörgikeit zu einem verwandten Vereine ober Verbände vorausgesetzt. Bon" jedem Teilnehmer wird zu den Kosten der Tagung ein Beitrag: von sechs Kronen erhoben, wofür auch der gedruckte stenographische Bericht überianbtjyirb. Die Mitglieder des Bundes H:imatschu^ haben zu allen Sitzungen unentgeltlichen Zuttitt.
. — Richard der dritte int Zirku s. Am Samstag ging im Zirkus Büsch zu Berlin Shakespeares „König Richard 111/9 unter der Regie des Herrn Ferdinand Bonn in Szene, lieber die Aufführung schreibt die Vossischc Zeitung u. a.: „Shakespeares „Richard III." im Zirkus übertraf die schlimmsten Erwartungen, die durch diesen dramaturgischen Ungedanken erweckt worben waren. Ter traurige Mut, vor der Nachäfterei einer erfolgreichen Sensation, nicht zurückzuschrecken, wurde noch durch die Dreistigkeit übertroffen, ein Drama der Weltliteratur nicht nur in das nüchterne,, illusionslose Zirkusrund äußerlich hineinzuzwingen, sondern auch innerlich den hergebrachten Gf fett en der großen Reitbude zu opfern.! — — — Der ganze theatralische Zirlüsenthusiasnrus, der sich, ettvas Historisches anschminken will, ohne in Wahrheit irgend, eine große Tradition der Vergangenheit für sich zu haben, und der, wenn nicht unsere ganze Bühnenkunst in die Brüche gehen soll, auch keine Zukunft für sich bat, konnte nicht gründlicher ab; absurdum geführt werden als ourch diesen Richard lll. im Zirkus Busch, in dem ein ehemaliger Künstler sich als grotesker Manager/ als ein Clown der Tragik von den Freunden lialsbrecheri'Ischer' Kunststücke bejubeln ließ, während die Kunstkermer ihren Unwillen vernehmlich zu erkennen gaben und sich angeekelt von der Schaustellung abwendeten." Die Berliner Presse ist einmütig in der Ablehnung des Bonnschen Experimentes, Shakespeares Richard III als cllcensisches Spektakelstück m die Arena zu verpflanzen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen-' schäft. Der 2 8. deutscheKongreß für innere Medizin, der vom 19. bis 22 April in Wiesbaden stattfindet, wurde durch Geheimrat Professor Dr. Kre h l - Heidelberg eröffnet Zu dem Kongreß sind etwa 300 Aerzte ans allen 2eilen Deutschlands und bem Auslände eingetroffen. Die Verhandlungen finden im großen Saale des .Kurhauses statt. Mit dem Kongreß ist eine Ausstellung medizinischer Instrumente, Präparate und Bücher verbunden. — Das alteingesessene Verlag:haus von Hoffmann u. Camvein Hamburg, das seinerzeit Werke von Heine, Börner und Hebbel auf den Markt gebracht hat, ist von dem Verlagsbuchhändler Max Lande erworben und nach Steglitz verlegt worden. — Die Leitung der Berliner Vollsoper übernimmt vom 1. September 1912 aji die bekannte Opernsängerin Aurelie Läv y


