Ausgabe 
18.11.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

161. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfafet 20 Seiten

Die randtagsftichwahlen in Hessen.

Nachdem nunmehr auch die Ergebnisse der Stichwahlen vorliegen, läßt sich ein Bild über die Zusammensetzung des neuen Landtages gewinnen. Sieht man von den acht neugebildeten Wahlkreisen ab, so waren 25 Neuwahlen vor- zunebmen. Davon wurden im ersten Wahlgange endgültig entfd)icbcn 17, die sich auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilten: Nationallideralc zwei, Bauernbündler sechs, Zentrum fünf, Fortschrittler ein, Sozialdemokraten drei. Zn den Stichwahlen wurden in den übrigen acht alten Wahlkreisen die Mandate so verteilt, daß die N a t i o - ualliberaleir drei erhielten, und zwar siegten die Natio­nalliberalen .uredel in Beerselden-Hirschhorn-Wimpsen iStimmenmehrheit 3 3), Mergelt in Fürth-Reichelsheim iStimmenmehrheit 44 , Auler in Bensheim-Zwingenberg (Stimmenmehrheit 14). Tie Bauernbündler be­mannen in den Stichwahlen zwei alte Wahlkreise; Fried­rich in Gernsheim-Pfungstadt (Stimmenmehrheit 415) und Bähr in Büdingen mit einer Stimmenmehrheit von 239. Tie Sozialdemokraten erhielten von den alten Wahlkreisen in den Stichwahlen Höchst und Vilbel. Zn Höchst siegte Hartmann über den Christlich-Sozialen Flcckcnstctn mit einer Mehrheit von 358 Stimmen. Zn Vilbel siegte der Genosse Busold über den Rationallideralen Will mit 142 Stimmen Mehrheit. Von den acht neu* ge schaffen en Wahlkreisen fielen Darmstadt, Mainz und Gießen in die Hände der Fortschrittlichen, Offenbach wurde sozialdemokratisch, in Dieburg wurde ein Zentrums- tandidal gewählt, in Worms ein Rationalliberaler und in Nierstein sowie Rodheim Obcr-Rosbach je ein Bauern­bündler.

Na6) diesen Ergebnissen werden die Parteien im neuen Landtage folgende Stärken aufweisen: Nalionalliberale 16 (bisher 18), Bauernbündler 15 (bisher 13), Zentrum 9 (bis her 8), Fortschrittler 9 (bisher 5), Sozialdemokraten acht (bisher 5), Fraktionslos 1.

Die Stichwahlen haben also im wesentlichen das ge­halten, was sie versprochen hatten. In einzelnen Wahl- bieisen stand die Entscheidung auf des Messers Schneide; bis heute früh waren die Ergebnisse in Wöllstein und Mer­stem noch einigermaßen zwclsell)ajt. Zn diesen beiden Be­zirken sind die Nationallibcralen mit einer ganz kleinen -'saht hinter dem Gegner zurückgeblieben: in Wöllstein hinter Jbeni Fortschrittler Eibach mit 6 Stimmen, in 9Hcr|icin hinter dem Bündlet Wolf mit 53 Stimmen. Aber im Verhältnis zur Haupnvahl hat in Nierstein doch der nationalliberale Kan­didat Schätze! den größeren Stimmenzuwachs zu verzeichnen gehabt. Tie geringe Mehrheit, mit der Wols über Schatzei siegte, zeigt, wie erbittert hier um die Liegespalme gerungen wurde. Ebenfalls eine 9ttederlage erlitt die nationalliberale Partei in Vilbel, wo ihr Kandidat Will dem Sozialdemo­kraten Busold unterlag, der 236 Stimmen mehr erhielt.

Das Ergebnis in Gießen bietet keine Uebcrraschung. Die Sozialdemokraten haben fast vollzählig gewählt und den Sieg des fortschrittlichen Kandidaten llrstadl gesichert. Bei der Hauptwahl betrugen die fortschrittlichen uiü) die sozial­demokratischen Stimmen zusammcngenommen 2489; in der

In Eilmärschen geht es jetzt den großen Zanuarwahlen entgegen. Ein Bortreffen soll demnächst in Bayern ge­liefert werden. Erinnern die letzten Vorgänge in der bäue­rischen Kammer nicht an die berühmte Eiterbeulen Ma tat strophe im Fahre 1906, als Staatssekretär Ternburg dem Zentrum die Fehde ausagte? Was Ternburg damals voll­brachte, war diesmal dem Verlehrsminister v. Frauen­dorfer Vorbehalten Er hatte sich gesträubt, dem Zentrum Reverenz zu beweisen. Es hätte freilich daraus auch an­ders kommen können, das Zentrum hatte den ihm miß­liebigen Minister absägen können, wenn nicht der greife Prinzregent widerwillig von dem anmaßenden Gebaren der Zentrumsherrscher sich abgewendet und dem Kabinett Pode- wils den Rücken gesteift hätte zur Auflösung des Land­tages. Damit hatte der Zentrumsgetvaltige Herr v. £r» terer doch wohl nicht gerechnet. Wenn es ihm und feinem Anhang auch gelingen wird, dem bayerischen Zentrum die Trumpfkarten wieder zu gewinnen, so wird doch der Kampf der Geister nicht vergebens entfacht werden. Der hoch­mütig mit der bayerischen Negierung vorn Zaun gebrochene Streit kann dem Zentrum bei den Reichstagswahlen nur sciiadeii, zumal o hier, in

Minister gegenüber, auch sozialpolilisch das Vollseinpfin- den gegen sich hat. lieber die Wahlaussichten schreibt die Köln. Ztg": Der am 31. Mai 1907 nach dem neuen Wahl­gesetz von 1906 gewöhne bayerische Landtag zählte 98 Ultra- montane, 25 oder mit Einschluß des Pfarrers Grandinger 26 Liberale, 20 Sozialdemokraten und 19 Mitglieder der Freien Bereinigung (darunter 6 Konservative und 13 Bauernbündler). Damit unter insgesamt 163 Abgeordneten das Zentrum nicht mehr die Mehrheit hätte, müßte es niindestens 17 Mandate verlieren. Aber selbst wenn dies der Fall fein sollte, wird es darauf antommen, ob dis Freie Bereinigung, die sich in letzter Zeit immer mehr vom Zentrum umgarnen ließ, von dieser Verbindung losge­lost werden kann. Bei der Entrüstung, die der unerträg­liche Uebcrmut des Zentrums in weitesten Volkskreisen wach- gerufen hat, wäre ein günstiges Wahlergebnis wohl zu er­hoffen, wenn nur nicht das dem ultramontan fozialdemo^

iplomalie einigermaßen wiederyerzustelleii.

'dem. Die Aufklärungen, die er im Budgetausschuß

Samstag, 18. November 19U Vez«q*vrei»: monatlich viertel-

AA 'Vv--V

Fl M iS Mk.ä.vier

Hf jähxl. auSschl. Benell«.

. Zeikenpreis: lokal 15i?U

w* a

Uioey; füt ,Feinlle- lo»i*, .Verunschler' und

was unterGrenzberichligungen" und ..Aeuerweebungen' zu verstehen sei, nicht so leicht auSbrechcn werde -v ist also der Weg fiir die Zukunst oorge,eichnet Di t'.'aiioual- liberalen aber sträubten sich noch dagegen, dem iept ab- geschlossenen Marokko- und Kongovcrlrag ein lestuches Leichenbegängnis zu gewähren und bestanden darauf, auiii über diesen Vertrag eine Abstinimung herbei.usühren 2ie Linke stimmte ihnen zu, aber die Rechte ^wollte der Regie­rung die neue Demütigung ersparen So hat also Herr v. Beu'mann Hollweg die Ablaßzettel in seiner Tasche Mit der Wahlstimmung steht es icdoch schleckst. Man hätte denken sollen, der Staatssekretär v Kiderlen Wächter, der zum ersten Male eine große Aktion seines Ressorts vor der Volksvertretung zu verteidigen batte, würde bei dieser Gelegenheit ein paar großzügige Worte ins Volk rufen, um die bisher nicht gerade glänzende Reputation der d..u- schen Divlomatie einigermaßen wiederyerzustellen. Nicht»

e<Scndil4|aai"; K. Neu- rnib; für »Stadt und Land-: E.Hesr; iür den Anzeigenteil: H. Beck.

Nk. 272

Der »keße«er Anzeiger erfcheini ta glich, außer SonniaqS. Beilagen: i viermal rocd'c.ihd) Ä »ictzener.^amillenblaiter! girtunul ivixtcnilJCtete* blattlurdenNreirSletzen a < Ctn-iunö > eite ' cimal i :onnil. tand' »irtschastliche-eits ragen gernipreü' -Anschlusie: ES General-Anzeiger für Gberheffen

Annahme von An zeigen notationsbrutf und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Stcinörudcrd R. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: §chn!strahe 7.

!or7nuwgs's'uhQ vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Sefchästsftelle vahnhosstraße 16a. __________________________

Stichwahl brachte Pros. Urstadt es auf 2413 Stimmen. Ter nationalliberale Kandidat Klingspor hat gegen die Haupt wähl noch 307 Stimmen aus dem nichtsoziaidemokratischen Bürgertum hinzugewonnen. Bei der Hauptwahl führte er 1362 Slimmen ins Feld; diese sind jetzt auf 1669 äuge- wachsen Herr Klingspor ist also mit Ehren unter­legen und die nationalliberale Partei hat keinen An­laß, das Ergebnis dieser Wahl zu beklagen. Was die Wahlhilfe der rechtsstehenden Gruppen aulangi, so ist man auf bloße Vermutungen angewiesen, und wenn wir kürzlich die Zahl der weiter rechts stehenden Wähler auf etwa 300 bezifferten, so kann das natürlich bestritten wer den. Jedenfalls hat man dieser Wahl als Lehre zu ent nehmen, daß die beiden liberalen Parteien in Gießen zu ge­meinsamer Arbeit sich zusammenschließen sollten Es hat sich gezeigt, daß das Bürgertum einseitige Parteiinteressen zu­rückstellen möchte, und das ist zu begrüßen, da die bevor- stehenden Reichslagswahlen ein gemeinsames Vorgehen un­bedingt erheischen, wenn der Einfluß des Liberalismus nicht von vornherein ausgeschaltet werden soll.

Während in Darmstadt die vom nalionallibcralcn Landesausschuß ausgegebene Wahlparole, überall da, wo ein bürgerlicher Kandidat gegen einen Sozialdemokraten in Stichwahl stehe, die Stimme für den bürgerlichen Kan- didaten abzugeben, streng befolgt wurde, so baß der Fort­schrittler Henrich mit großer Mehrheit über seinen sozial- oemolratifchen Gegner Knoblauch liegen konnte, scheinen viele nationalliberalen Wähler im Wahlkreise Höchst ihre Stimme entgegen der offiziellen Wahlparole dem Sozial­demokraten Hartmann gegeben zu haben, der mit großer Stimmenmehrheit über den Ehristlich-Sozialen Fleckenstein siegte. In G e r n s h e i m - P f u n g st a d t dagegen siegte der Bauernbündler Friedrich mit Hilfe der Nationallibc­ralen und des Zentrums über den Sozialdemokraten Raab.

Tie Landtagsersatzwahl in Offenbach-Land.

Wie dieDarmstädter Zeitung" erfahrt, ist die Land- tagsersatzwahl im 17. Wahltreis der Provinz Starkenburg für den verstorbenen Abg. Erb auf Donnerstag, den 25. Januar 1912, anberaumt worden.

von alledem. -----,------ -u . .....

gegeben hat, fallen vertraulich bleiben. Wenn man die oft großzügigen Reden fremder Staatsmänner, besonders eng­lischer, dagegen hält, wird man sich einer gewissen Resig­nation nicht erwehren können.

politische Wochenschau.

Gießen, 18. 9toh.

Während Herr v. Bethmami-Hollweg und feine Helfer nicht ablasfen, Zusnnunungserklärungeu zu [ammeln für ihre Marollopolitik, die vom Reichstag und her deutschen Presse so wenig Beisall gefunden hat, wurde im Budget- ausichuß amtlich ein langsamer Rücktritt angetreten. Es verhält sich also wirtlich so, wie es in den zahlreichen Ver­öffentlichungen gutwilliger Industriellen und Handelstrei­benden zu lesen ist: man will den marokkanischen Kadaver, der die Luft verpestet, endlich verscharren, will mit der Volksmeinung Frieden machen, indem man ihr für die Zu­kunft Besserung verspricht. Künftig sollen koloniale "Neu­erwerbungen und Abtretungen von Reichsgebiet in beson­deren Gesetzentwürfen zur Abstimmung dem Reichstag vor­gelegt werden. NurGrenzberichligungen" will die Regie­rung unter eigener Verantwortung auch fünftig selbständig vornehmen. Ter Reichstag hat dem zugestimmt. Man hat sich offenbar dabei beruhigt, daßGrenzberichtigungen" zu den Seltenheiten gehören und daß ein Streit darüber,

Hriedrich von Thudichum.

(Zu feinem 80. Geburtslage.)

Friedrich Karl Wolfgang Thndichum ist am 18. November 1831 zu Büdingen geboren, als zweiter nohn des durch feine Sophotlcs-Uebcrsctzung bekannten Gumnajial ^irekiois und Eber- Midi en rat S Dr. Georg Thndichum, und seiner Ehelrau Friederike, geb. Baift. Im Frühjahr 1849 bezog er als li>,-Jähriger die ilnwersitä: Gießen, um RcchlswinensebaN zu ftuoiercn, metepe nach den großen Äeignissen des Jahres 1848 zu erhöhter Wichtig­keit zu tommen versprach. Im Frühjahr ISo- beitanb er Referendar-Examen und wurde dann auf ieuren Wumar zur Er­lernung des prältlichen Dienstes zuerst jur ein halbes ^ahr dem Hofgericht zu Darmstadt, dann für ein ^rahr dem Landgericht

Amtsgericht) Büdingen und zuletzt dem Krersamt Bübingen 9 Da für den Sohn von Georg Thudichuni, der am 27. Lev- lanber 1850 als ^geordneter zur Zio^uen Kammer den Llaais- slreichen des Ministeriums v. Talwigk Widerstand geleistet halte, in Hessen alle Aussicht fehlte im Staatsdienst voran zu kommen, siedelte Thndichum im Mai 1856 nach Gießen über, um nch dort sür den Beruf eines Advokaten Reästsamvalts- vorzubc- reuen. Allein die Zahl der Advokaten war eine geubloncne, vor ^Iblauf vieler Jahre an ein Emrücken in eine frei werdende Ltelle nicht zu denken. ,

Sv trat Thudichum einmveücn beim Gie, er Vorgericht ein, dann bei zwei Rechtsanwälten, fühlte sich über nicht wohl ui öiqem Beruse und beschloß mit Bervüligung ferne» Vaters, nch der akademischen Lansbahn zu widmen. Am 19. Augnit Ibo/ er­warb er den Doktorgrad u.id versaßte die Habilitatwne Lchrtn, eine Arbeit über dieGeschichte des Freien Gerichts Karchen in der Wetterau". .

Als Gegenstand seiner im April 1858 begonnenen Vorlemngen wählte er zunächst die Deutsche Rechtsgeichich:e, die ihn zu wichtigen Entdeckungen führte, und Temsches Privatrechl. .. .

Durch eifrige Studien und Fonamngen verschalle er nch eine iidx'te Kenntnis von den ehemaligen Rechts Zuständen der Wetterau. Das Ergebnis war sein großes Werk:Tie Gau- und Mark-Bersassung in Deutschland" J860., in dem er dte Markgenossenschaften iiachgewicsen hat.

Ohne Zögern wandte sich Thud'.cknim nun der Er'orichung des Germanischen Altertums zu,^und nach monatclangen V<r- handliingen zwischen Vater und Sohn kam das gemeinschastliche Werk:Der Altdeutsche Staat,^mu bei gerügter U.be;>i\-;tng und Erklärung der Germania des Tacitus" zum Abschluß.

Dec von Thndiü'UM in Gie:>n ins Leo en gerufene historische Verein hat erst später eine lebhaftere Tätigleit entwickelt.

Neben seinen Hauptarbeiten ließ Thuaiämm die tirchlichen Angelegenheiten nie außer Augen und v.nnchte einen '< - - in iur Be ehrung über die zeitgemäße Snnpdai oerfaifung in»iAeit iu rufen. Er eröffnete die erpe öffentliche Versammlung im

Rathaus zu Gießen am 13. Februar 1862 mit einem Vortrag: lieber die lässigen Freunde und die tätigen Feinde der Union". Damals entftaiU) seine SchriftKirchliche Rückscknitte im Groß- herzogMms Hessen".

Am 11. März 1862 erhielt Tbndichrun einen Ruf an die Universität Tübingen als außerordentlicher Professor für Deut sch es Prwalrecht und Rechtsgeschichtc.

Während eines AusenthaltS' in Liebenstein hatte er Viktoria Stein, die Tochter eines in Darmstadl lebenden Gutsbesitzers Gustav Stein naher kennen gelernt, mit der er sich am 1. Juni 1865 vermählte.

1865 erschien seine Schrittlieber unzulässige Beschränkungen dos Rechts der Verehelichung", und 1866 der 1. Band einer Rechtsgeschichte der Weiicrau", der aussührliche Beweise für die früheren Aufstellungen m feiner Gau- und Markversasfung lieferte.

Durch seine Arbeüen über das Eherechl u. a. trug er viel zur Aufhebung der polizeilichen Beschränkunaen der Eheschließung bei. Bald darnach erichien sein großes Werk über das Ver- iassungsrecht des Norddeutschen Bundes und des Zollvereins. Das Buch zog dem Verfasser die volle Ungnade der Machthaber ui Stuttgart zu und der von der Fakultät zuerst la.n 2. Januar 1868 gestellte, am 26. Februar 1870 wiederholte Antrag aui Be­förderung Thudichums zum Lrdinarlus sand daher keine Gnade bei dem Prcußenfernd Golther.

Im Dezember 1868 fühlte sich Thndichum aufgefordert, dem Hessen-Darmstädtisck^n Minister Frciherrn v. Talwigk und fernem Stab zu Leibe zu gehen, und fertigte in Einer Tags-Arbeit von morgens 6 dis abends 9 eine Uebcridü ihrer Taten, unter dem yliche Rückfchrirre im GroßherzogtLn Hessen 18501869". _

Fm Februar 1871 beantragten die ^u.rnger ^urmcn-tjanuuit und der akademische Senat zum bnncnniai vergeblich die Be­förderung Thudichums zum ordentlichen Professor. Sein Freund Roben Römer ließ jetzt die Trohung verlornen, die Zurück lefung Thudichums ui der Kammer der Abgeordneten zur Sprache bringen zu wollen: das wirkte: am 23 ücai 1871 erhielt Thu­ch amm, nach y jülmgem Dienst, im Schwabenalter von 40 Jahren, die Ernennung des Srdinarms.

Im Herbn 1873 folgte t.r bisherige Vertterer des Kirchen­rechts einem Ruf an eine andere Universität, uno cs nahmen

-

fortan eie kirchenrechtlicheu Sorieiungcn zu übernehmen.

1877 erichien dann der 1. Band über das geltende Deutsche Airchenrecht unter dem TitelDeutsches Kirchenrecht des 19. Jahr- hundetts".

Tuudichum faßte nun den Entschluß, in einem größeren Werk mit de... TiterBisma.as parlarn.mansche x^mvfe und Siege'

I die Po, .. des Kanzlers in durchaus unu.id.lcver aber allgemein I Deiüu.n .er Form dar .eilen und zu rechifenigen. Tie I. Ad- | teümig e.ichieu im Mai 1887. Drei Jahre später, im Oktober

1890, folgte die II. Llbteilung der Parlamentarischen Kampfe und Siege. De Entstehung und Bedeutung der Westfalischen Femgerichte unterwarf ec in einer Festschrift einer eingehenden Prüfung und gelangte zu dem Schluß, daß die Femgerichte nichts Altgermanischcs oder von Karl dem Großen Eingefulnles seien, sondern ein Werkzeug der päpstlichen Inquisition gegen die Häretiker. Im Jahre 1898 folgte eine SchriftDie Rechtssprache in Grimm's Wörterbuch".

Thudichums Forfchungcn über Gau- und Territorial^eschichte waren früher wefentllch auf Fränkische Lande, Wetter au, Unter- Main und Hessen, sowie auch auf Westfalen gerichtet gewesen; sich auch mit feiner neuen Heimat Schwaben eingehender zu beschäftigen war bisher bei seinen amtlichen Aufgaben und der Teilnahme an der Erörterung politischer Fragen nur in be­scheidenem Umfang tunlich gewesen; feit J.880, iah er fich in diesen Hinsichten erleichtert und nahm die neue Aufgabe mit Eif:r in die Hand.

In der Münchener Allgemeinen Zeitung vom 13. Januar 1884 überOrganisation und Arbeitsplan der historischen Ver­eine", sowie in einer gedrucktenDenkschrift über die Einrichtunx und den Nutzen gedruckter historischer Grundkarten" vom 8. Mai 1885 setzte er die Ziele des Plans und die geforderte Beschaffen­heit der Karten näher auseinander, betonte namentlich die Not­wendigkeit eines einheitlichen Maßstabs, Formats und Harten* Netzes für ganz Deutschland.

Zur Feier des 300jährigen Bestehens der Universität Gießen verfaßte Thndichum für die Festschrift:Wettereiba, eine Gau- Geschichte", welche ein Bild der Entwicklung von den ältesten Zeilen bis zur Gegenwatt bietet

Im Hinblick auf das neue B. G B. entroar er die Geschichte deS Deutschen Prioatrechts Am 1. April 1901 trat der Ge­lehrte in den Ruhestand und iand nun ungestörte Muße, kirchen- geschicktliche und theologische Arbeiten, Cie ihn feit Jahrzehnten beschäftigt hatten, 5am glücklichen Ende zu führen. Zunächst erfd-ienen dieÄirchliäien Fälschungen" und 1901Tie Wahren Lehren Jesu". Juzwifchen halte Thndichum an der Vorgeschichte der Reformation em'ig weiter gearbeitet, und im Juli 1903 fein WerkPapsttum und Rcsormaiion im Mittelalter" ver­öffentlicht. In den Jahrcn 1907 und 1909 folgte dann in zwei Banden Cie Geschuhte der Deutschen Reformation von 1517 bis 1525 und 1525 bis 1537. Nach glücklicher Bewältigung dieser weitgrcifendcn Aufgaben, wandte fich Thndichum lieber den Kirchlichen Fälschung,n zu Das neueste im September d. Js erschienene Wett Thi''"l>um- hat dieGefck'.chic d-es Eides" zum Gegenstand.

Sckon vor längerer Zeit jpurbc Thndichum von dem König von Württemberg, dcr fein Schüler war, der persönliche Adä verliehen.