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20.4.1911 Erstes Blatt
 
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Kf. Die elf Köpfe des heiligen Martin. Ganz Frankreich lacht über den ,fHetniaK" eines Brüsseler Antiquars, des Herrn Tubygt, der von der Kirche in SoudelUes für den Preis von 41 000 Francs den verehrungöivüxdigcn «Kopf des heiligen Alanin', eine Goldschiniedearbelt auS dein 1L Jahrhundert, er­standen hat. Herr Dubygt dachte, deii Kops deS heiligen Manin an einen Liebhaber in England iür einige 200 000 Francs rueiict- zuveriausen; als er deut Engländer aber die Goldarbeit vorlegte, erklärte dieser lachend, das sei m eine Nachbildung, und der ed.te Hopf deS heiligen 'Martin be unde sich in London. Tarob entstand nun große Auireguug in Paris, in Brüssel und in London; man löschte nach, und dabei stellte sich heraus, daß es nicht nur einen eajtcn Kops des heiligen Manin aus Gold gäbe, sondern, ie weiter >nan sorschie, desto mehr goldene Kopse des heiligen Diartm stellten sich hudraähnlich ein. Schon vor 1907 batte der llnterstaatsselretar Lujardin-Beaunieu den Kops m SoudeilleS in einen ^tahlschranl verschlicsten lassen; da dieser jetzt perkauite Kopf aber nicht der echte sein soll, muB die Veriaiischuug schon vorher vorgenoninien

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wehren, tTbotDmmgen studentischer IkorporEonen von hier und Straßbnrtz, sowie Hunderte von Bürgern und Land­wirten vertreten. Die Strasten, besonders aber der Fried­hof und die angrenzenden Höhen waren von dichten Men- schenmasscn besetzt. Sechs Gendarmeriewachtnieister trugen den mit Blumen und Kränzen reichgcschmuckten Sarg zur Gruft, wo Pfarrer Heermann dem Verblichenen einen warmen Nachruf widmete. In Marburg hatte man bis jetzt ein derartiges Leichenbegängnis noch nicht gesehen.

Herborn, 19. April. Hier konzertierte am ersten Feiertage im Saale des .Nassauer $of«8- eine Gießener Prioatkapelle, deren Leistungen einen wirklichen Genust boten. Trotz deS guten Wetters, daS die Bewohner zu AuS- flügen lockte, war der Besuch deS Konzertes sehr gut. Reicher Beifall lohnte den Mttwirkcnden der Kapelle die vorzügliche

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worden fein. Nun hat, wie die ,'Hnnnlc5- oenaiten, ein gründ­licher Kenner der Frage, Herr Roineuf, die Frage nach dein Kopie des heiligen Martin in die Hand genouimen, und danach sieht die Sache ctroa so aut: Im Jahre 1907 bot ihm ein Kunst Händler die berühmte Goldschnnedear eil zum Kaufe an -- da-Z war Nummer 1. Wenige Tage später bot ihm ein Pariser Antiguar einen anderen Kops des t-ciligen Martin an Nummer 2, dann tarn ein dritter Pariser untiquar mit einem Kopie bc5 beiltgen Martin Nr. 3. Wenig später erfuhr er, der echte Kopf befände sich m München. Er hatte Gelegenheit, ihn zu sehen, und erklärte ihn für die Fälschung Nr. 4. Kurz darauf traf au4 London die Meldung ein, der Kops be» heiligen Martin fei dort Nummer d. Ter Brüsseler Antiquar hat die Fälschung Nr. 6 ui Händen, brci weitere falsche Köpfe werden in verschiedenen Städten Italiens au'bewahrt, macht neun, und c5 versteht sich eigentlich von selbst, dost in der berühmten Sammlung Pierpont Morgan« der Kops nicht fehlen darf macht 10. Irgendwo aber (leider roei3 nie­mand, wo) must sich doch der echte Kops de« heiligen Manin be­finden, so daß man gegenwärtig von 10 solchen Meisterwerken der Goldschmiedekunst glaubhafte Nachricht hat.

* Selbstgespräch. Lebemann:Ach waS! Ich habe jetzt die 2Btiber satt ich werde heiraten!"

* Aus Frauenmunde. T-amc:Tiefe junge Frau Doktor ist wirklich von c.nvörendcr Schönheit!"

Wiedergabe deS auSgewählten Programmes.

n. Limburg, 19. April. In der Nähe des Wester- waldorteS Th al heim wurde vor einigen Tagen eine Tropf st einhöhle entdeckt, die wunderbare Sterngebilde bergen soll. Die Höhle ist etwa 25 Meter zugänglich, soll sich aber, wie alte Leute wissen wollen, auf Hunderte von Metern forterstrecken. Wegen des herabgesallenen Gestein« war ein weiteres Vordringen bisher unmöglich.

b. Laurenburg, 19. April. Der Osterhase brachte der Familie des Möbelhändlers und Schreinermeisters Fr. Wolf ein Zwillingspärchen, womit die Kinderschar des Ehepaars die stattliche Zahl von 29 erreichte.

w. Wiesbaden, 19. April. Gellern abend fuhr in der Nähe der Station Chausseehaus unterhalb der Hohen Wurzel ein Berliner D r o schk enauto mo b il, in dem sich zwei Damen und ein Kind befanden, infolge Ver­sagens der Bremse gegen eine Telegraphcnstange. Die In- fassen wurden in hohem Bogen herauSgeschleudert, erlitten aber nur leichte Verletzungen. DaS Automobil ist tota zertrümmert. Im hiesigen St. Josefshospttal erhängte sich ein Kranker aus Bremerhaven an der Kltngclschnur, die über seinem Bette hing.

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Kreis Friedberg. '

L Friedberg, 19. April. Das im vergangenen Jahr »nn-ch das Dombenattentat arg verwüstete Rathaus ist Innern wieder hergestetlt worden. Zu den .^rstellungs- ^stcn hat die LandeSbrandkasse einige tausend Mark bei- t ragen. Jetzt wird auch daS Aeußere erneuert, das na deutlich auf einer Seite damals arg gelitten hatte Heute fat man mit der Aufstellung des Gerüstes begonnm.

^n. Friedberg, 19. $tiL Von dem Uebersall auf i.,n Schutzmann Kaiser ist noch folgendes zu melden: Den «ecberchen des Polizeikommissars Weis ist es gelungen, le beiden Verbrecher festzunehmen. Die Täter sind der Loengler, Schirmflicker und Hausierer Philipp Kümmel, ?,b am 3. März 1873 zu Dettenhausen tn Oberhessen, wohnhaft zu Mainz, sowie dessen Stiefsohn Georg Shim-

geb. den 17. April 1893 zu Mühlhofen in »a^rn. Sie Surben in der Nähe von Ober-Mörlen durch Bad-Nau- ^imer Gendarmen, sowie durch Sck>utzmann Kaiser-Frted- b ra verhaftet. Ihre Waffen lMten sie vor ihrer Aest- ,aümc versteckt. Sie leugneten hartnäckig, sind ledoch in

Fau^r/ach^^ Sb. 19. April. Sin hier zu Besuch «eilender Junge st ü r z t e aus dem 2. Stockwerk emeS Neubaues, uj fünf Meter Höhe auf einen Hausen Ziegel. Außer einigen Bnnen Kopfwunden und einigen Verletzungen an den Zahnen jit ihm wunderbarerweise nichts pasfiett.

uiiuuiii u.u .iio Hessen.

nn Darmstadt, 19. April. Die Uebergabe der städtischen elektrischen Straßenbahn in Betrieb und Lei- ung der Allg. Elek trizitätsg eselischast, uön die utieü Verhandlungen schweben, erregt wette hiesige Kreise. Emige -lädte. darunter Königsberg, haben ähnliche Vertrage abgeschlossen 7nd unser Oberbürgermeister ist der Meinung, daß em durch eine oxidlidjait rationeller, mehr kaufmännisch geleiteter Betrieb, an htm jid) die Stadt nur finanziell beteiligt, für die städtischen Saiuen nur von Vorteil sein könne. Dr. Glässtng war deshalb vor einigen Tagen in Königsberg, um sich über die dortigen Verbältnifse zu informieren. Nach den Crsahrungem bte man fcia mu der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft gemacht hat, hat inan in weiten Kreisen Scheu vor derartigen Vertragen, die der Siadtverwaltung in lebet Weise die Hände binden und dem Der- iir und damit dem Publikum in keiner Weise Rechnung tragen.

Ü. B. Darmstadt, 18. April. In der hexischen Hchutzmann sschule hat der FrühjahrSlehrgang seinen Ansang genommen. AuS den Städten Darmstadt und Vlainz urhiucn je 4 Schutzleute, ou8 Worms 3, ou5 Offenbach 2 unö auS Alzey, Bad-Nauheim und BenLhcim je einer, ira Ganzen also 16 Schutzleute teil.

Hessen-Nassau.

VMarbura,lL. April. Zu einer erhebenden Trauer- fimdgebung gestaltete sich die heutige Beerdigung des aus io traurige Weise umS Leben gekommenen Landtag^- al>gcordneten Geh. Reg.-Rat Landrat v. Regel ein. In oem Leimentonoutt, dem die Jägerkapelle voranschritt, be- merkte man viele auswärtige hohe Beamte und Mtriiars, ii a. Ober-ReateiTungsrat Ries v. -Sdyeuer 11^)10,3 aus Kaf,er L,nb General Jacobi aus Berlin, ferner waren in dem «juge cuoa 60 Kwiegervereine mit Fahnen, sämtliche Feuer-

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Die Schiller-AuSgabe per Tempel-Klassik er ist wiederum ein bedmttendes Stuck voran geschritten: Die Bände 2, 3, 4 und 13 sind erschienen. Im ersten dieser Bäiide sind die Jugenddramen Schülers vereinigr (Räuber, Fiesco, Kabale und Hiebe). Zu diesen Jugenddrameii fin* alle Vorreden, Sclbst- Befprechungen und Abhandlungen gleich nutgcgebcn, die von Schiller selbst herruhren. Diese Selbstrezenlioncn crlcubtern das literaihistorifche Verständnis auf die beste Weise. Ein iwch un­mittelbarerer Zuscmimenhang besteht in Band 3 zwischen dem Atm Karlos und den Briefen über Don Karlos, die in anderen Aue, gaben gewöhnlich in weit anjcinaitberlicijcnben Bänden getrennt sind. Der vierte Band vereinigt alle ästhetischen Hauptjchriftan. Von den Jugeiidschttften über Theater und Schaubuhne angc- sangen, bis zu den großen Abhandlimgen über ästhetische Sitten, ästhetische Erziehung usw. Dieser Band bildet das EingangStor zu den klassischen Dramen in den folgenden Bänden. In Band 10 besitzen wir endlich den Abfall der vereinigten Ntederlcutde, den Freiheitskamps des von den Spaniern so unterdrückten Volkes. Auch die Scyiller-Ausgabe schließt sich in ihrer künstlerischlli Qualität der gemobnitn schönen und anerkannten Gcsamtausstat- tung der Tempel-Klassiker an.

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