Ausgabe 
22.9.1911 Zweites Blatt
 
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Die

Errichtung eines LupnsheimS

!hvt die Versammlung schon früher beschäftigt, doch waren die mit der Regierung und dem Hessischen L>eUstättenverein deshalb ge­führten Verhandlungen bis zu diesem Sommer ergebnislos. Neucr- dnrgs kam mit dem Heilstätterwcrem die Berenrbarung zustande, daß die .Stadt in der Nähe der zn erbauenden Hautklinik ein Gelände von 3500 Quadratmeter kostenlos zur Verfügung stellt, leine Straßenkostenbeiträge berechnet und die Zuleitungen für Licht und Wasser macht. Tas für das Gebäude und dessen Ein­richtung erforderliche Geld gibt die Laitdesvorsicherilngsanstalt zu 31/2 Prozent. Sie erhält von dem Hcilstättenverein für das Kapital 6V2 Prozent, wofür sie die Instandhaltung des Hauses usw. hat. Das Heim soll für 24 Kranke eingerichtet werden und der miirdeste Verpflegungssatz würde, da sich das Heim bei den beschränkten Mitteln des Herlstättenvereins selbst erhalten nrun, 4,50 Mark betragen. Der Direktor der Hautklinik soll auch beim Lupusheim Q4rerarzt sein. Die Stadt hat ein Interesse daran, daß das Heim möglichst abseits vom Verkehr errichtet wird, was auch im Inter­esse der Kranken liegt.

Es entspinnt sich über die Sache, besmrders über die Platzfrage, eine längere Auszprache, in der u. a Stadtv. Grünewald die Errichtung des Heims als einen großen Erfolg für Gießen und als Segen für die ganze Gegend bezeichnet.

Weiter sprechen die Stadtv. Dr. Sommer, Löber, Beig. Emmelius, Stadtv. Wallenfels, Krumm, Simon, Helfrich und Eichenauer.^

Dem Abkommen wird von der Versamnrlung grund­sätzlich zu gestimmt: der Vertrag soll auf wenigstens dreißig Jahre Abgeschlossen werden.

Folgende

Wirtschaft8konzession?gesuche

werden befürwortet: Von Hch. Knoch für Sonnenstraßc 29, Konrad Weiß für Burggraben 9, Karl O hm für Walltor­straße 3638 (Kolosseum, unter der Bedingung, daß den sicher- heitspoliznlichen Anforderungen entsprochen ivird), Wilhelm B 0 p f (Erweiterung des Betriebs) für Frankfurter Straße 23, Fritz Euler (Erweiterung des Betriebs) für Hmnmstraße 15 und Adalf Seibert für Ederstraße 6.

Die Teuerung.

Stadtv. Vetters regt Maßnahmen zur Linderung der Lebensmittelteuerung an.

Ter Vorsitzende meint, daß man gegenwärtig kaum etwas tun könne. Mit der Forderung, die Grenzsperre aufzuheben, werde die Stadt keinen Erfolg haben. Mehr verspreche er sich von einem Vorgehen unserer Abgeordneten im Landtag. Auch von einem Großeinkauf von Lebensmitteln sei eine wirksame Abwchr der Not nicht zu erwarten.

stadtv. Vetters meint, man solle zunächst wegen Auf- hcknng der Futtermittelzölle vorstellig werden.

Stadtv. Grünewald teilt mit, daß er mit dem Abg. Reh int Landtag eine Anfrage wegen der Teuerung vorbereitet habe, die allerdings teilweise durch die Ermäßigung der Frachtsätze auf Futtermittel erledigt sei. Eine Fleischnot sei zurzeit nicht da, ob sie noch kommen werde, sei ungewiß. Tie Ernte sei teilweise nidjt so schlecht ausgefallen, wie man befürchtet habe. Bon Futtermitteln sei zwar nur Heu genügend vorhanden, doch seien von diesem vermehrtes Angebot aus Canada vorhanden, so daß die anderen Futtermittel dadurch ersetzt werden könnten. Die Hauptursache der jetzigen Notlage sei in der verfehlten Wirt­schaftspolitik zu erblicken, die die Lebensrnittel künstlich ver­teuere.

Stadtv. Friedberger führt aus, die hohen Getreidepreise seien lediglich darauf zurückzuführen, daß man den Jdentitäts- nachweis aufgehoben habe. Man habe dies vor Jähren getan, als der Getreidepreis niedrig gerochen sei (Roggen 120 Mark), aber ihn nicht wieder eingeführt, als dec Preis gestiegen sei tjetzt ist der Roggenpreis 200 Mark). Dadurch werde das In­land von Getreide entblößt und der Preis künstlich hochgehalten. Durch die Zulassung von Mais zum Brennen würden die Kar­toffeln als Nahrungsmittel frei. Er beantrage eine Eingabe wegen Einführung des Jdentttätsnachweises und Aufhebung der Futter­mittelzölle.

Stadtv. Krumm mtterstützt diesen Antrag. Wegen des ge­meinsamen Bezugs von Lebensrnitteln müsse man vorsichtig sein nach den Erfahrungen, die man beim städtischen Fischmarkt ge­macht habe. Uebrigens gebiete es die Gerechtigkeit, festzustellen, daß die Kleinhandelspreise dem Aufschlag auf dem Lebensmittel­markt nur langsam folgten. Eine wirksame Abhilfe der jetzigen Not sei nur durch die Beseitigung der agrarischen Landtags- pnd Reichstagsmehrheit zu erwarten.

Ter Antrag .Friedberger, an die hessische Regierung eine Eingabe zu richten, sie möge im Bundesrat auf Wiriderein- führung des Jdentitätsnachweifes und Abschaffung der Futter­mittelzölle hinwirken, wird einstimmig angenommen.

Verschiedenes.

Tie Koks preise werden wieder so festgesetzt, wie sie im hörigen Winter waren.

Vorn Gleibergverein ist eine Eingabe wegen der un­entgeltlichen Legung der elektrischen Leitung in der Burg an die Versammlung gelangt, da diese Einrichtung die Mittel des Ver­eins übersteige. Tie Gemeinde Krofdorf komme dem Verein eben­falls entgegen und es fei dlussicht vorhanden, daß die Leucht- körper usw. von privater Seite gestiftet würden. Tie Stadt erklärt sich bereit, die Jnftallationsarbeilen in der Burg zum Selbstkostenpreis (etwa 500 Mark) auszuführen ober einen baren Zuschuß von ,200 Mark für die Beleuchtung zu geben.

Tie von bem Oberbürgermeister abgeschlossene Ver­sicherung der Stabt gegen Haftpflicht aus der Auto­mobilhaltung aus 5 Jahre gegen 135 Mark Prämie wird gut­geheißen. Tie Stadt ist bis 150 000 Mark gegen Ereignis­schäden versichert, bis 50 000 Mark für jede beteiligte Person und bis 10 000 Mark für Sachschäden.

Stadtv. Grünewald erinnert daran, auch das Dütomobil selbst zu versichern.

Ter seither bezahlte Beittag an die Deutsche Gesell- schastfür Samariter - und Rcttungswesenist wegen Austritt aus der Gesellschaft gestrichen worden. Ta die Aus­meldung zu spät erfolgte, um für das laufende Vereinsjahr schon zu gelten, werden die 14,80 Mark Beitrag noch einmal be­willigt.

Einige Rechnungen, Arbetts- und Lieferungsvergebungen wer­den nachträglich genehmigt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. September 1911.

Landes Universität. Die Universität St. Andrews, die älteste Universität in Schottland, hat vom 12. bis 15. September l. IS. das Fest ihres 500jährigen Bestehens gefeiert. Der Vizekanzler Lord Balfour of Bur- leigt) und der neugewählte Rektor Lord Rosebery haben die Festrede gehalten. Unsere Universität war bei dieser Feier durch ihren Anglisten Prof. Dr. W. Horn vertreten.

Stadtt he ater. Es sei darauf aufmerksam ge­macht, daß die Ausgabe der Theaterabonnements am Samstag, den 23. d. Mts. beginnt. Die Ausgabe findet täglich in den Geschäftsstunden von 101 und von i/a4 bis 5 Uhr statt. Näheres ist auS dem Inserat in der heutigen Nummer zu ersehen. Nach einem Anschlag am Stadt» theater beginnt die Spielzeit am 1. Oktober mit A. Wil- brandtsDer Meister von Palmyra".

Eine Sitzung des Provinzial-AuSschusses findet am Samstag, 30. Sept., vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Orts arm en-

rund zwei Tage Haft ti er»

bezahlen s ollen.

Es wird fodann die Expeditionsbuchhalterin Hedwig Sperling aufgerufen. Sie erklärt in großer Aufregung: Ich verweigere jede Aussage. Vors.: Das können Sie nicht. Jeder Zeuge muß aussagen, auch wenn es ihm unangenehm ist: wir müßten Sie sonst eventl. verhaften. Zeugin: Ich werde meine Aussage auf das allernotwendigste beschränkerr. Äuf Antrag des R.-A. Pagen­stecher wird sodann die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, den Vertretern der Presse der Aufenthalt im Saale jedoch g<< stattet, nachdem sie erklärt hatten, nichts zu veröffentlichen. Die Zeugin verbreitet sich über die einzelnen Fälle und bemerkt dabei, daß die Assistentin wohl eine Antwort falsch aufgefaßt haben möge. Später hat die Zeugin einen Strafbefehl erhalten, nach welchem sie ohne jeden Grund zwei Tage Haft ver­büßen sollte. Die weitere Vernehmung der Zeugin ergibt, daß sie einmal einen Offizier geküßt habe. Bors.: Warum haben Sie uns das nicht aleich.gesagt. Wir Richter wissen doch aum, wie weit solche Verhältnisse führen. Angekl. Hirsch: Alle diest Fälle beweisen doch nur, welcher Schnüffeleien I ich die Polizei schuldig gemacht hat, und daß keinem der Mädchen ein Vorwurf zu machen ist: die Mädchen könnten erhobenen Hauptes den Saal verlassen. Der Vorsitzende wnst diese Aeußexung des Angeklagten als unangebracht zurück.

Die roeiterbin vernommenen Mädchen erklären, daß auch ste

aut Veranlassung der Polizeiassistentin Strasbefehle er- halten hätten, gegen die sie Einspruch erhoben haben. Zwisckeo der Polizeiassistentin Schapiro und der Mutter einer der Zeuginnen kommt es zu einer ziemlich heftigen Szene

Es gelangen hierauf mehrere Fälle zur Besprechung, wonach sich die Polizetassiftentin verschiedene Ucbergrtffc habe zuschulden kommen lassen. Es wurde gegen sie sogar einmal auf eine M- zeige hin ein Strafverfahren eingeleitet, das aber bald wieder eingestellt mürbe. . ...,

Der Student Weinheimer wirb über seine angebliche Tcilnchme an verschiebenen bienstlichen unb sonstigen Gänaen der Polizeiassistentin vernommen. Er gibt an, baß er die Afststelttm zweimal begleitet habe und beim zweitenmal auch den Mann der Schapiro itnb den Polizeiaspiranten Bruder getroffen habe. Er bestreitet, daß er sich als Lockspitzel habe gebrauchen

Der frühere Polizeibeamte Storing, jetzt H>oli)eikommiss« in Halle, bekundet, daß er einmal mit der Pol.zeiapistentm und einem Kriminalbeamtsn an einer Razzia ,teilgenommen habe. Hierbei habe die Assistentin zu ihm gesagt, er fei hierzu nicht retbt brauchbar, er mache ein zu ernstes Gesicht- Dos Hobe tim

verbände? Gießen gegen den Ortsarmenverband Butz­bach wegen Unterstützung des Johs. Barkhahn auS Hamburg 2. Gesuch des Wilhelm Schneider zu Butzbach um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. 3. Hllfsbedürftigkeit des Theodor Held von Offenbach a. M. 4. Beschwerde des Ludwig Treut zu Büdingen wegen Verweigerung der Gemeindenutzungen. 5. Klage des OrtSarmenverbandeS Hanau gegen den O rtSarm en verba n d Lich wegen Ersatz von Verpflegungskosten für Max Duphorn.

B. DekanatSsyn ode. In der gestern mitgeteilten Entschließung der Dekanatssynode muß cs statt unter 14 Jahren" heißen unter ,17 Jahren".

Landkreis Gießen.

b. Wieseck, 21. Sept. In der gestrigen Gemernde- ralssitzung waren nur zwei Punkte auf der Tages­ordnung. Tas Ortsbaustatut wurde bis $u Art. 12 durchberaten, die übrigen Artikel wurden auf eine spätere Sitzung verschoben. Betreffs der Lebens rnittelsrage wurde folgende Entschließung auf Antrag des Bür­germeisters an die hessische Regierung angenommen: Zur Bekämpfung der bevorstehenden Teuerung aller Lebens­mittel wird die hessische Regierung ersucht, um Aushebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel, JDeffnen der Gren­zen, erleichterter Vieh- und Fleischeinfuhr unter Au frech t- erhultung der nötigen Vorschriften des Seucheg setzes, zum Schutze der Gesundheit des Volkes, Verbilligung des Vteh- unh Getreidetransportes auf der Eisenbahn. Es wurde sodann noch ein Ausschuß gewühlt, der zum Bezüge der nötigsten Lebensmittel Angebote einziehen soll. Am Frei­tag, 22. l. M., abends 81/3 Uhr ist abermals Gemeinderats­sitzung. Die Tagesordnung eitthült die Genehmigung des Planes zur Entwüsserung der neuen Schule am Lichtenauer Weg und der Schulstraße. Die übrigen Punkte sind nicht öffentlich.

----- Grünberg, 22. Sept. Am 24. September findet hier die Einweihung des Neubaues der Höheren Bürgerschule statt. Mit der Feier ist eine Zusammenkunft der ehemaligen Schüler verbunden, 'lieber hundert haben schon ihr Erscheinen zugesagt. Em Fackelzug leitet am Samstag abend die Feier ein. Sonntag findet um 11 Uhr der Weiheakt statt. Um 3/42 Uhr ist Festessen im Hotel ,zum Hirsch", um 8/45 Schulfeier in der Turnhalle. Abends findet ein Kommers statt. Am Montag nachmittag ist in Hamels Garten Schülerfest, verbunden mit turnerischen Hebungen unb Wettspielen. Die Anstalt umfaßt die Klassen Sexta bis Unter-Sekunda und hält Ostern 1912 zun^ .erstenmal die Prüfung zur Berechtigung des einjährig.freiwillicM Dienstes ab.

Kreis Alsfeld.

+ Alsfeld, 21. Sept. Von einem Auto mobil überfahren wurde gestern abend in der Hersfelder Straße das vierjährige Kind des Arbeiters K. Als es aus die andere Seite der Straße zu Spielkameraden gehen wollte, wurde das Kind von dem Automobil ersaßt. Tas Kind erlitt schwere Verletzungen. Den Führer des Auto­mobils trifft keine Schuld.

Kreis Lauterbach.

^Radmühl, 21. Sept. Infolge der fast in jedem Winter sich einstellenbeit Ueberschwemmungen des SalzflusseS bei Radmühl, die hauptsächlich durch die un­genügenden Flutdurchlässe der Salzbrücke zwischen der hessischen und preußischen Gemeinde Radmühl herbeigeführt werden und worunter der auf hessischer Seite gelegene Mühlenbesitzer P. Maul schwer zu leiden hat (seine Mühle stand 5. B. im Februar 1909 bei der damals rasch abgegangenen Schnee- schmelze teilweise 1 bis P/2 Meter unter Wasser), wird die Brücke einer bedeutenden Vergrößerung durch Ein­bauten weiterer Flutdurchläsie unterzogen. Die Arbeiten werden durch das Landratsamt Gelnhausen ausgeführt, jedoch trägt der Kreis Lauterbach, da beide Kreise gleiches Interesse an der Brücke haben, die Hälfte der etwa 3400 Mark be­tragenden Kosten.

Kreis Friedberg.

L. B ad--Nauheim, 21. Sept. Im Laufe der nächsten Woche werden das isr. Kinderhospital, das isr. Männer- und das isr. Frauenheim geschlossen. Das KinderhospitcU, Elisabeths uns, das ein eigenes Badehaus besitzt, bleibt bis zum Februar 1912 geöffnet. Gar nicht ge­schlossen werden das -Militärkurhospital und das Konitzkystift (Kurhospital). Im'Badehaus des Konitzkystifts werden von Weihnachten an, wenn alle staatlichen Badehüuser geschlossen sind, Bäder aller Art, auch Sprudelbäder, verabfolgt werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. Darmstadt, 21. Sept. Die Kun st aus stel- lung auf der Künstlerkolonie im Jahre 1913 wird vom 18. Mai bis 6. Oktober stattfinben. Die Aus­stellung soll umfassen: Werke der freien Kunst, der ange­wandten Kunst und der Architektur. Als Aussteller sollen zugelassen sein: die Künstler der Kolonie mit ihren Ge­mälden und Zeichnungen, ihren plastischen Werken, ihren Plänen, Entwürfen und Modellen, und mit von ihnen selbst hergestellten kunstgewerblichen Gegenständen, Kunstgewerbe- treibenbe nnd kunstgewerbliche Verkaufssirmen mit Gegen­ständen und Werken, die nach Entwürfen von gegenwärti­gen Mitgliedern der Künstlerkolonie yergestellt sind, lieber die Zulassung dieser Gegenstände entscheiden die entwerfen­den Künstler. Die .Hauptteile der Ausstellung werden fein: der Platanenhain, der als großer Festraum unter freiem Himmel gedacht, mit plastischem und gärtnerischem Schmuck, mit keramischen Erzeugnissen und einer groß­zügigen, künstlerischen Beleuchtung versehen werden soll, int Platanenhain wird das Ausstellungsrestaurant feine Stelle finden. Es soll mit seiner Architektur, wie mit seiner Innenausstattung und seinem Inventar, einen Be­standteil der Ausstellung bilden. Hier ist also den verschie­denen Industrien Gelegenheit zur' praktischen Vorführung ihrer Erzeugnisse geboten. In dem städtischen Aus- stellungsgebäude sollen mehrere reich ausgestattete Wohnräume vorgeführt werden, ein Empfangssaal, Salon, Musitsaal, Speisesaal, Herren- und Tarnen,Rimmer, Raum für kirchliche Kunst usw. Ferner wird der Rosenhof gärt­nerisch und mit ornamentaler Plastik auszuschmücken sein und zwar so, daß die Möglichkeit besteht, abendliche Vor­stellungen darin zu veranstalten. Von den am Olbrichweg zu errichtenden Etagenhäusern sollen zwei bis drei in die Ausstellung, bezogen werden, und in den Etagenhäusern sollen sechs oder mehr komplett eingerichtete Miet­wohnungen vorgeführi werden, deren Ausstattung.rn sich in mäßiger Preislage halten. In den Atelier sollen fogeuaimte Atelierausstattungen der Künstler vorgeführt werden. Wahr­scheinlich rverden der Ausstellung auch einige Verkaufs- läden eingegliedert werden, deren wechselnde Auslagen von Mnftlern der Kolonie zu arrangieren find.

m. O s f e n b a ch, 22. Sept. Gegen nie Wählerliste, die 11186 Wahlberechtigte, darunter 2789 Doppelwähler, aufweist und bis zum 27. September in der Bürgermeisterei aufliegt, sind zahlreiche Einsprüche erhoben worden, bei denen es sich namentlich um die Fwage des dreijährigen Wohnsitzes handelt. In der Auslegung des Artikels 6 des Wahlgesetzes vom 3. Januar 1911, nach dem jeder Wähler mindestens drei Jahre in Hessen ansässig fein muß, hat sich eine Streitfrage darüber gebildet, ob diese Be­stimmung so auszulegen ist, daß die,er dreijährige Wohn­sitz ununterbrochen sein muß. Das Kreisamt hat ent­schieden, daß jeder Wähler einen ununterbrochenen Wohn­sitz in Hessen aufweisen muß. In der Streitfrage um die Vertretung des Bürgermeisters hatte der zum stellvertr. Bürgermeister bestimmte Beigeordnete Rech Dem Kreisamt auf die an ihn ergangene Aufforderung big Vertretung an den dienstältesten Beigeordneten Porty sofort abzugeoen, die Antwort zuteil werden lassen, daß er zur Niederlegung des ihm übertragenen Amtes sofort bereit sei, falls sich das Kreisamt in seiner Verfügung auf den Artikel 122 der Städteordnung stütze. Das Kreis­amt hat jetzt geantwortet, daß es sich nicht auf die §8 122 und 123 der Städteordnung berufe, aber auf Grund der Beschwerde des Beigeordneten Porth hin die vorläufige Ueberlassung der Stellvertretung an diesw verlange, brs die Entscheidung der Aufsichtsbehörde gefallen sei.

Hessen-Nassau.

0 Marburg, 21. Sept. Heute wurde im Fronhof die vom Landwirtschaftlichen Kreisoerein vor Jahren ins Leben gerufene Ob st Verkaufsstelle für dieses Jahr er­öffnet. Trotz der schwächeren Obsternte gestaltete sich daß Angebot reichlich. Durchschnittlich wurden bezahlt für Koch­äpfel unb Birnen 1012 Mk. unb für feinere Tafelsorten 1520 Mk. Der Handel gestaltete sich lebhaft. Die Ver­mittlungsstelle wirb morgen unb Samstag früh noch einmal geöffnet sein. Die durch die große Hitze dieses Sommers sehr schadhaft geworbene Orgel in ber lutherischen Pfarrkirche soll laut Beschluß des Presbyteriums durch eine neue ersetzt werden.

Der prozetz der polizeiaWentin jfrau Dr. Schapiro.

~ Mainz, 21. Sept.

Zu ber heutigen dritten Sitzung des Schapiro-Hirsch-Prozeffes war ber Zubrang bes Publikums ein ganz riesiger. Namentlich zahlreick)c junge Mäbchen aus allen Standen, bie mit ber Frau Schapiro zu tun aehabt haben, befinben sich im Sitzungssaal, in welchem Frau Schapiro am Anwaltstische Platz genommen bat. Es würbe heute in ber Zeugenvernehmung fortgefahren. 23er* schiebens Mäbchen bekunben, baß gegen sie auf Veranlassung ber Polizeiassistentin Schapiro Untersuchungen und Strafverfahren ein­geleitet worben seien, und zwar in vielen Fällen mit Unrecht. Eine Frau Künstler betunbet, ihre beiben Töchter, anständige Mäbchen, seien eines Tages auf bie Polizei zu ber Assistentin vorgelaben worben, bie ihnen vorgcworfen habe, baß sie sich mit Männern herumgelrieben hätten. Schließlich habe bie Mi- stentin zugeben müssen, baß sie sich geirrt habe. Die in bem Prozeß vielfach genannte Betty Löwenstein bestreitet entschieben ieben Verkehr mit Offizieren unb leugnet, jemals Anlaß zu polizeilichem Einschreiten gegeben zu haben; sie muß aber zugcben, baß einzelne ihrer Bekannten Beziehungen mit Offizieren unter­hielten. Die Leiterin bes Wiesbadener Cäcilienheims, Frl. v. Barner, erklärt, sie habe als Mitgliü) der Inneren Mission früher die ihr überwiesenen Mainzer Mäbchen in Pflege ge­nommen, habe aber später bie? abgelehnt, da sie eine Bezahlung bafür nicht erhalten habe. Die Zeugin erklärt weiter, F-rau Dr. Schapiro habe int Verkehr mit Mäbchen nicht bie erforbet« liche Nachsicht gehabt, es fehle ihr das richtige iucib* liche Empsinben.

Dem Voffitzenben würbe fobamt mitgeteilt, baß bie Mehrzahl der als Zeugen geladenen Offiziere erst morgen aus dem Ma­növer znrückkchrt unb in Mainz eintreffen werbe. Der türkische Leutnant Hussein Hassai bittet um seine sofortige Vernehmung, weil seine Abkommanbierung beenbet sei unb er nach ber Türkei zurückkehren wolle. Der Zeuge Leutnant Knabe besttettet, baß es in ber Kaserne zwischen ihm unb ber Meta G. zu Vertraulich teilen gekommen sei, unb stellt ferner in Abrcbc, baß sie zu einem anberen Zweck in bie Kaserne gekommen sei, um ihr Bild zu holen. Der Angeklagte Hirsch macht daraus aufmerksam, daß ihm der Untersuchungsrichter gesagt habe, Leutnant Knabe habe angegeben, baß sich bie G. stets als armes Mädchen bezeichnet habe, bas .sich feine Ehre nicht rauben lassen wolle. Rur bei bem Beigeordneten Bcrnbt unb bei Frau Schapiro sollte es bazu kommen, aus einer ganz harmlosen Geschickte ge­werbsmäßige Unzucht hcrauszukonstruieren. Der Leutnant Hussein Hussai weist barauf hin, baß er ben beutschen Eib ver­stehe. Er gibt zu, mit ber Rebaklionssekretärin Sperling verkehtt zu haben. Ebenso gibt Leutnant Bras Beziehungen zu ber Zeugin Sperling zu. Hierzu bemerkt ber Angeklagte Hirsch, baß es harmlose Verhältnisse zwischen Leutnants und jungen Mäbchen immer geben werbe, solange es Leutnants unb junge Mäbchen gebe. Auf ben Einwanb bes Vorsitzenben, baß der Leutnant wiederholt die Zeche bezahlt habe, meinte der Angeklagte Hirsch, ob vielleicht das Älädchen für ben Leutnant hätte

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