Ausgabe 
22.9.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 225

Zweiter Blatt Jahrgang

Erscheint tigllch mit Außnahm« de« Sonntag«. W

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»tzchentlich. Die ..tanbwirtschaflUche» iett- f e

Irenen" erscheinen monatlich iroeimeL (dCHCFOI*Anzeiger für Oberheffen

Freitag, 22. September

Hot an ort« btu cf und vertag der Br ü h lachen llnwersutt« - Buch- und E^mbnxfertt

t Singt, Gletzen.

Redaktion. G?pedition und Trudecrh Schuft strotz« 7. «Tpebttion und Verlag: esU. ftoafitorce^BUl. Teß-Adr^ ?lngeiß«rttetzea.

Vie LlekNIzilättoersorgung ©berljeffens.

L. Gießen, 22. Sept.

Wir haben bereits in unseremUcbcrMnbivcrf Wolle v heim" überschriebenen Artikel vom 15. b M. (Gies; A»z Nr. 217, 1. Blatt) hervorgehoben, baß bie von ber Pro­vinz prosektierte Ueberlanbzentrale nur einen Teil von Lberhessen mit elektrischer (Energie versorgen kann T,e Grünbe hiersiir sinb in ber Hauptsache bariit zu suchen, baß bie Bersorgungsmoglichkeit von einem zentral ge legenen Punkte ber Betriebssicherheit halber nicht un­beschränkt ist. Tom Provinziaitag luar dies bei seiner im Frühjahr b. 3 erteilten Genehmigung beS von ber Pro vinzialverwaltung vorgelegten BersorgungsprojekteS Wöl­fersheim auch bekannt. Tenn nur hieraus erklärt sich die von ihm gefaßte Entschließung, bereu Grunbgcbanke in dem Vertrauen gipfelte, bie Provinzialvcrtvaltung werbe bas ihrige tun, um zur gegebenen 3®it und innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten auch bie damals noch nicht für bie Versorgung mit elektrischer Energie in Aussicht genommenen Gemeinden mit solcher nach unb nach zu ver sehen. 9hin ist bekannt, baß ber Provinzialvenvaltung hinsichtlich ber Aussuhrung bieses Wunsches gewisse Schran ken gesellt sinb. Sie sinb einerseits barin zu erblicken, daß sich größere Kraftquellen, besonbers im norbösllichen Teil ber Provinz, nicht ohne weiteres auftun lasse», anderer- seitS barin, baß eS aus Grünben einer vorsichtigen Finanz- gebahrung nicht unbebentlich erscheint, weitere Provinzial mittel zu einem Zeitpunkt slüssig machen, in bem noch gar nicht zu übersehen ist, wieweit man mit ber, allein schon für das Ueberlanbwerk Wölsersheim ersorberlichen Summe von beinahe .3 Millionen gelangt unb wie bieses Werk bemnächst bie Provinz belastet.

Es liegt aus ber Hand, daß Bebenken ber vorerwähnten Art bann ausscheiben können, tvenn Gelegenheit geboten wirb, weitere Gemeinben ohne finanzielles Risiko ber Provinz, jeboch unter beren Mitwirkung, mit elektrischer Energie zu versorgen. Eine solche Gelegenheit ergab sich kürzlich, inbem fick, bie S t a b t v e r t r e t u » g Gießens nunmehr zur Versorgung einer Reihe o b e r h e s s i s ch e r Gemeinden unter genau benselben Bebingungen für imftanbe erklärt Hal, unter beiten Gemeinben von bem Ueberlanbiverke Wölfersheim versorgt werben. Tie Slabl Gießen ist hierzu auch in ber Lage, ba sie ein Elektrizität werk besitzt, bas sich, wenn entsprechenb vergrößert unb ausgebaut, für Versorgung eines weiteren Gebietes sehr wohl eignet.

Die staatliche Verivalttingsbehörbe scheint bei dieser Sachlage den Augenblick für gekommen erachtet zu haben, um unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Interessen ber 'Stabt Gießen auch de» der beteiligten Landgemeinden zu dienen. Sie hat beshalb Verhanblungen mit ber Stadt Vertretung l/erbeigefüyrt, bie sich nunmehr zu einem Ab­kommen verdichtet haben, das bereits am 9. d. M. die Genehmigttng des Provinzial-Ausschusses unb gestern auch bie ber Stadtverordnetenversammlung gesunden hat.

Rach bicjein Abkommen verpslichtet sich bie Stabt, 43 im nördlichen Teil des M r e i s e s G i e ß c n be­leg e n e n Gemeinden, beren Versorgung von Wölfers­heim aus nicht mehr ins Auge gefaßt war, elektrische Energie unter denselben Bedingungen zu lie fern, wie sie für den Bezug von Elektrizität auS dem Kraftwerk Wölfersheim fest stehen. Da ferner bie Stadt mit ber Lieferung spätestens zwei Jahre nach den abgegebene» AnschlußerNäruitgen zu be­ginnen hat, so werden die Gemeinden innerhalb kürzester Srift, bei a l *> b a l b i g e i» Vertragsabschluß zum Teil schon hiS zum Herbst nächsten JahreS, in ben Genuß ber Licht unb Kraftquellen kommen können Im übrigen ist in bem Uebercinkommen »och von ivcscntlichcr Bebeutung, baß bie

Etabt ohne Genehmigung ber Provinz die Verträge mit den Gemeinden nicht ändern kann, so baß sämtliche Ge meinden, gleichviel ob sie von der Provinz oder von der Stadt aus versorgt tverden, völlig gleichgestellt sind Be sonders muß die etabt ber Provinz bann nachfolgen, wen» diese etwa die Strompreise herabsetzen sollte Endlich soll im Interesse eines inöglichst einheitlichen Bau und Ge­schäftsbetriebes die Stadt gehalten sein, Vorschriften »der bie an die ^nftaUatcurc zu stellende» Anforderungen, ferner bie Stromlieferungsbedingungen für bie einzelnen Ab nehmet sowie schließlich die Znstallationsvorschriften nur im Einvernehmen mit der Provinz zu erlassen Znstalla kionsmonopole ober sonstige Vorrechte sind daburch aus­geschlossen

Hiernach sind die Interessen der Gemeinden, sur die jm vollen Einverstänbuis mit der Provinz in Gießen eine Kraftquelle erschlossen werden soll, im ganzen Umfang ge wahrt. Tic Vorteile, bie sich für bie Stadt aus dem ge­dachten Uebereinkommen bieten, bestehe» i» ber Haupt fache darin, daß bie Provinzialverwaltung die nötigen Ver Handlungen mit den Gemeinde» übernimmt unb dadurch ber Stadt bei der Schafsung ihres Interessengebietes eine nicht zu unterschätzende Hilfe leistet. Schließlich bahnt das Abkommen insofern schon jetzt eine Interessengemeinschatt ber beiden großen Versorgungsquellen an, als sich Provinz und Stadt gegenseitig, soweit erforderlich, ein T-urdv lkitungsrecht durch ihre Interessengebiete zugesichert haben unb auch für eine spätere gegenseitige Aushilfeleistung mit elektrischer Energie Vorsorge treffen wollen.

Wir glaube», daß bas nunmehr zwischen Provinz unb Stabt abgeschlossene Uebercintommen allseitig mit Genug hiung begrüßt werden wird unb möchten besonders audi unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß sich zwei für das Wirtschaftsleben unserer Provinz so bedeutungsvolle Faktoren im wohlverstandenen, beiderseitigen Interesse die $änbc gereicht haben, um in friedlicher Nebeneinander- arbeit der Allgemeinheit zu bienen.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 21. Sept. 1911.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: bie Beigeordneten Keller und Emmelius; die Stadwerordneten Tr. Ebel, Eichenauer, Faber, Friedberger, Gabriel, Grünewald, Habenickt, ."oaubaai, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Iann, Iughardt, Krumm,

Leib, Löber, LooS, Orbig, Petri, Plank, Simon, Tr. Sommer, Troß, Vetter-, Wallenkel-, Tr. Wimmenauer, Sinn.

Äillrilungrn.

Ter Vorsitzende erinnert daran, daß wahrend der Ferien der Versammlung in der Marburg e ein B:

gebrochen ist, der leider große Timensionen angenommen bade An den Bericht über den Brand habe der Gießener Anzeiger eine mißliebige, wahrdeitswidnge Äritif angeschlosfen Die Feuerwehr habe, wie er ftststrllcn wolle, voll und gar,; ihre Wicht getan. Sie sei zu rechter Zeit dagewcsen und habe alles getan, den Brand zu löschen und namentlich den Mann heranSzuboleii, der m dem brennenden Gebäude geschlafen habe. Daß da- Feuer einen so großen Umfang angenommen habe, sei darauf zurück zuführen, daß da- Haus so viele, leicht brennbare Stoffe enthalten habe 15 Minuten nach dem ersten Alarm sei Wasser dagewese», was für eine freiwillige Feuenvehr eine sehr gute Leistung sei. Auch sonst sei kein Mangel bei den Löschgerätschaften und Ar­beiten gewesen. Ten Leistungen der Feuerwehr sei burchau« Tank und Anerkennung zu zollen ^Bravorufe».

^Anmerkung der Redaktion: Ter Schristsübrer ber Freiwilligen Feuerwehr bar in einer von uns veröffentlichten Zuschrnt selbstunuuiwunden zugegeben,"daß manches noch verbesserungsbedürftig sei" und rociicr erklärt, daß eine sachliche Aussprache zur Aufklärung und Abstellung von Mißständen diene. Um eine solche Aussprache war es uns einzig und allein »u hin, und wir bestreiten, daß wir einewahrheitswldrige und mißliebige Kritik" geübt haben. Wir werden morgen auf die Angelegenheit Uiriicffoimncn.)

Ferner teilt der Vorsitzende mit, daß eine Einladung zu der Blumenausstellung am nächsten Sonntag in der Stabt» Mädchenschule vorliege.

Baugesuche.

Bei ben Baugesuchen des Hch. T r e ch s l e r um Genehmigung zur Errichtung einer Eishalle unb des Großh. Eisenbahnbetriebs aiutes I für cm Stellwerksgebäude auf dem Bahnhof werden die erbetenen Tispensc befürwortet.

Gelandeangelegenheiten.

Badeanstaltsbesitzcr Philipp Müller ist um Gewährung einer Entschädigung und Ermäßigung des Pachtvreises einge­nommen, da cm Teil des ihm verpachteten Geländes ander- wcitig in Anspruch genommen wurde Man beschließt, die Pacht auf IO Mark zu ermäßigen und ihm eine einmalige Entschä­digung von 16 Mark zu gewähren.

Verschiedene Pächter von städtischem Gelände in der ftlinif st raße, deren Pachtvertrag im Herbst 1912 abläuft, sind um Verlängerung ihrer Pachtverträge eingekommen. Man beschließt, dem für drei weitere Jahre zu williahrcn unter der Bedingung, daß für Düngung usw. keine Entschädigungsansprüche gewährt werden, wenn die Räumung der Felder früher erfolgen muß.

Eine Giese an bat Kläranlagen, bie seither durchschnittlich jährlich 67,87 Mark cinbrachte, wofür die Stadt die Mollen der Bewirtschaftung hatte, wird bem Maschinisten Schnabel für jähr» lid) 60 Mark verpachtet.

Turch die Feldbcreinigung ist eine neue Regelung der Be­rn ä s s e r u n g s r e ch t e in ben Lchsenwiesen erforderlich gewor­den, wo fiskalische und städtische Wiesen durcheinander liegen Mit dem Nachtrag zu dem 1853 abgeschlossenen Vertrage ist man einverstanden.

Zuschuß für ben Konzertverein.

Ter Konzcrtverein hat au die Versammlung eine Eingabe um Gewährung eines Zuschusses von jährlich 1000 Mark gerichtet Ter Verein begründet dies damit, daß er seit Jahren an einem Tesizil leide: der Voranschlag für das kommende Vercinsiahr l'chlicßt mit 16 864 Mark Ausgaben und 15 900 Mark Ein nahmen ab. Tie Finanzdeputation beantragt, mit Rücksicht auf die durch bas neue Gemetnbesteuergesetz bebingte Ungcwißh it über bie Finanzlage ber Stabt, die unter Umftänben eine Erhöhung ber Gemeindesteuer nötig mache, von ber Bewilligung eines bau ernben Zuschusses für jefct abzusehen und einen einmaligen Beitrag von 500 Mark zu bewilligen

Stadw Grünewald suhri dazu aus, er sei damit ciiioer- standen, baß man nickt letzt schon baucriib den Zuschuß bewillige, aber man solle dock diesmal bie 1000 Mark zugestehen Ter Konzcrtverein sei nickt mit jebem anderen Bevern zu vergleichen, er habe die hervorragende Bedeutung, daß er für unsere Ltadt weithin bekannte, rühmlichst bekannte Konzerte veranstaltet, die eine At irafiton unserer Stadt, neben dem Theater iaü Die einzige, bilden Es sei dringent» notwendig, daß die Stadt Gießen alles tue, was Kunst und Visscnschast »ordert, womit auch der wirtschaftliche Vorteil verbunden sei, daß der Zuzug Fremder sich vermehre Weithin inen die Gießei,er .Konzerte bekannt und^ man begegne auswärts bauiig bem Hinweis auf sie Andere Städte, Heidcl berg, Würzburg usw, versammelten bei ftongreficnji nb sonstigen Veranstaltungen große Menschenmengen, die den Stabten große Vorteile brächten: Gießen fei durch feine geographisch und durch seine londichastlickic Lage hervorragend geeignet, Kongreßstadt zu sein. Fehle ein Saalbau, so solle man ihn bauen. Tie Stadt solle die Initiative ergreiscn zu seiner Errichtung, alle Kräfte bie öffentlichen und die privaten, sammeln und den Bau errichten. Geschehe das nicht, so verweise immer einer auf den anderen Tic E-ntwicklung Gicßcns werde stagnieren, seine Bevölkerung nehme sehr mäßig zu, es müsse alles geschehen, um bie Anziehungs­kraft zu steigern.

Ter V o r , i tz e n b e erklärt, Gicßen stagniere nicht. Zwar sei 1905 bis 1910 die Zunahme nicht so stark gewesen wie in bem Jahrfünft vorher, aber das iei in fast allen Stabten so gewesen. Gerade in der letzten Zeit seien eine Masse von Einrichtungen entstanden, auf die man stolz sein könne.

Stadw. Löber ist der Ansicht, baß wohl jeder gern zur Hebung ber Kunst alles bewilligen werde, wenn wir in finanzieller Beziehung in einer aufsteigenden Linie seien, aber bei der lebigen ungewissen Sage solle man ben Vorschlag ber Finanzdepuralwn annchmen.

Stadw. Vetters kann nicht ohne weiteres für Dir Fvr berumi stimmen. Für die reichen Leute, aus denen der Konzert- r-erein vorwiegend bestehe, sei die Teckung eines Tefiztts von 1000 Mark doch eine Kleinigkeit. Mit ber Bewilligung unter stütze die Stadt etwas, was nur wenigen Leuten zugute komme. Wenn Veranstaltungen für die Allgemeinheit stattsänden, ließe sich cber darüber reden Er bezweiftc, daß auf diesem Wege etwas zur Hebung des städtischen Brrkehrs geschehe.

Ter Vorsitzende erklärt, das ständige seitherige Defizit sei stets non einzelnen Privaten gedeckt worden. Vor Jahren habe der .Konzertvere.n ein volkstümliches Konzert veranstaltet, von dessen Eindruck auf die Besucher er ,'ehr erfreut gewesen sei.

Stadw. Krumm meint, es fehle dem Kon^rtverein an Popularität in der Bevölkerung. Trotzdem sei er bereit, bie 500 Mark zu bewilligen, d'.c hoffentlich für den Verein ein An sporn seien, auf dem Gebiet der Bolkskonzerte vvrzngehen. Ter Bau einer großen Kvnzerthalle sei nicht so eünad) ^inb eine Rentabilität sei kaum zu erwarten. Ohne kräftige Jnitiaiwe von Privatleuten sei wohl in den ersten 10 Jahren nicht daran

zu denken. Uebrigen? sei der Moniertvtrnn selbst Schuld daran, wenn er nicht bekannter fei.

Stadw. Wallensel« war in der Finanzdeputation zu­nächst gegen ben Antrag Tie Stadt stehe vor Aufgaben, die recht viele Mittel erfordern, auch inrn die Konseauenzen zu be­fürchten. Schweren Herzens habe er schließlich für bie 500 Mk. nefnnum Wenn diele bewilligt werden, habe man sich wohl iedc» Jahr mit der Sache ui beichästigci

Stadtv. Grünewald bemerkt, es sei nicht richtig, was die sozialdemokratischen Stadtverordneten meinten, daß nur die Reichen die Monieric beiudblcn, audi von Mindcrdcmittelien gc- fchehe dies. Tic Sozialdemokranc trete für Fordenmg von Kunst und Wissenschaft ein und sic soUte auch im vorliegenden Falle nickt aus private Hilft verweisen, iondern Mittel der AUgemein- heit bewilligen Solche Ausgaben, wie die geforderte, feien nicht unmittelbar rentierend, sie ivirhni aber au» die Tauer, nützlich für die Stadt. Sic mufft dafür sorgen, daß man gut in Gießen wohne, daß man gerne daselbst wohne, iveil c» An­nehmlichkeiten bieic Tos romme letzten Endes jeden Gewerbe- treibenden zugute, das sei eine mciticbaucnbc Politik, bei der 500 Mk keine Rolle spielen. 3ebcr Verein übrigens, der dec Allgemeinheit, wenn auch nur mittelbar, nütze, werde von der Stadt unterstützt, sogar der Zicgenzuchtverein

Stadtv. Tr. Ebel ist bei Ansicht, daß ber Kvnzertvereiir deshalb so unbekannt sei, weil gute Musik teuer se,. Es fei nicht richtig, baß man alles, was für bie Kunst zu geschehen habe, aus die Privatinitiative verweise, ebenso wenig wie die- z. B. bvi öffentlichen Bibliotheken unangebracht sei Die Tätig­keit des Konzertvereins komme ber Allgemeinheit zugute Man tolle jetzt bie 1UU0 Mk bewilligen und nadi einem Jahr, wenn man die Finanzlage übersehe, der Frage einer bunerrtben Be Billigung näher treten Inzwischen solle man mit bem Konzert» herein über gewisse barem ui knüpfenbe Bebingungen verhandeln: Bolkskonzerte, Vertretung ber Stabt im Vorstand usw

Stadtv. H a b e n i ch t bcsürwortct die Bewilligung von 1000 Mark Gegenüber dein Stadtv Vetter» bemerke er, baß jährlidi nickt 23, ionbern 7 Konzerte veranstaltet würben. Ta» vor- hanbene Tesizit flamme au» früheren Jahren ber. Es sei in Aussicht genommen, im nächsten ober übernächsten Jahr em popu lärc» Moniert |u geben. Im übrigen würden bie Veranstaltungen bes Vereins nicht nur von ben sogenannten oberen Zehntausend, sondern vorwiegend von anderen Leuten besucht

Stadtv. ft r u in m ist der Ansicht, daß die Sache mit der Sozialdemokratie nicht» zu tun habe Er habe sich für die Be­willigung von 500 Mk ausgcfprocheii, weil er das für richtig halte. Tie Verstaatlichung der Kunst sei nicht io einfach, diese 2ad)c müsse man der privaten Initiative üboclaiien. Tränierte! der Bevölkerung wisse nicht» vom MoiuertDeran, der da» große Publikum durch billige Preise berainiehen solle Im nächsten Jahr solle die Stadt mit dem Verein über sein Programm und bann über ben Zuschuß verhandeln

Stadtv. Hau dach sührt au», die Tätigftit des ftomert* verein» liege zweiscllos int Interesse der Stadt, da durch fic der Zuzug hierher gefördert werde. In dieser Hinsicht sei der Konzertvereiil nut dem Theater zu vergleichen Daß früher Defizite entstanden seien, habe vieNeichi mit an der Verwaltung gelegen. In der letzten Zeit seien die Preise der -ollsten gestiegen, weshalb das Desizit geblieben sei. Die Konzerte seien im allgemeinen recht gut besucht: daß da» Abonnement zuruckgehe, liege an der allgemeinen Teuerung. Mit einer Verbilligung der Konzerte werde man nichts erreid>en, da man keinen großen Raum für iie habe Volkskonzerte könne ber Verein wohl nut bann veran­stalten. wenn bie Stabt noch mehr tu«.

Stadtv. Grünewald betont nochmals, daß auch minder­bemittelte Leute in die Konzerte gehen Menen sei bekannt durch seine guten Konzerte, bieic müßten erhalten bleiben. Man kranke wesentlich an bem Mangel eines großen Saales, hierbei müffe die Stabt die Initiative ergreifen. Er wolle nochmals daraus Hin­weisen, daß Gießen keine Mongrcfic habe. Namentlich die Ge­schäftsleute sollten für die Beschaffung der Mittel eintreten, daß man solche hierher bekäme Er bedauere sehr, daß die alte Klinik dafür nicht geeignet sei

Ter Vorsitzende bemerkt, daß ja ein Saalbauverein Vor- Iwnben sei Was an ihm Rcbner> liege, Leichehe, um dessen Ziele zu sördetn. Zurzeit könne aber die stadl nichts in ber Sache tun.

Stabtv. Habenicht führt aus, bei Saalbauverein besitze Kurzen 50 00U Mk, aber die Zunahme dieses Kapitals erfolge lehr langsam Es sei übrigens zu beachten, oaß durch die Kon- zene zahlreiche Leute von auswärts hierher kämen.

Stadlv. Tr. Wimmenauer schließt sich ben AuSsuhrungen der Stadtv Grünewald, Habemchl und Tr Ebel an Er habe seit mehr als 50 fahren Musikerinncrungen au» Gießen und könne feststellen, day das hiesige Musikleben große FortschriUe gemacht habe. Ten in den letzten Jahren eingclrtlenen gewissen Rückschritt solle man verhüten Er stehe nicht aus dem Stand­punkt, daß man nur der Allgemeinheit zugängliche Beranstaft lungeit unterstützen solle Man solle für diesmal 1000 Mk. be­willigen, sich aber nicht binden und zusehen, daß auch Bolks- konzertc veranstaltet würden.

Stadtv Heichelheim bat sich in der FtnaitzdeputatiOitz zunächst für Oie Bewilligung von 1000 Mk ausgesprochen, aber lich später mit Rücksicht aus die vorgetragenen (jfaüftbt mit 500Mk. begnügt Vielleicht sei e» dem .Konzertverein auch möglich, seine Ausgaben zu verringern Später könne man vielleicht eine höhere Summe bewilliaen

Stadtv. Haubach ist der Ansicht, daß man mit ber Ge­winnung von Attraktionen sehr vorsichtig fein solle, damit nicht dadurch eine Steuer er Bähung unb baburtb das "ftgerueil des Beabsichtigten eintme Er könne nid» zustimmen, daß die Stadt in der Saalbaufrage die Jnitiattve^ergreiien solle. Es sei nicht richtig, daß durch einen großen Saal die Veranstaltung von Monierten ohne Defizit ermöglicht werde, denn schon jetzt feien die Konzerte manchmal recht leer Er erinnere daran, daß das Theater im letzten Jahr 5000 Mk. Zuschuß bekommen habe und bei der jetzigen Teuerung sei anzunehmen, daß eS dieses Jahr nicht besser sein werde.

Stadtv Löber meint, ote große Politik, die Stadtv Grüne­wald empfehle, sei mit Rücklicht auf die Finanzen nicht durch­führbar. Man habe Grund, vorsichtig zu sein, und es sei gut­baß ber Oberbürgermeister in diesem Sinne vorgehe.

Stadw. Tr. Sommer bezeichnet es als eine Notwendigkeit- daß der Konzerwerein auf seiner Höhe gehalten werde. Die jetzige Sage sei so, daß etwas geschehen müffe. Man solle aber direkt die Bedingung stellen, daß im nächsten Jahr ein Bolkskonzert veranstaltet werde. Da für den Saalbau ein Grundstock von 50000 Mk. vorhanden sei, solle man an bie Vorbereitungen herantreten. Vielleicht könne man eine ähnliche Volksbewegung wie beim Theater Hervorrusen, rote dies damals dem Stadtv. Haubach uns Prof. Fromme gelungen sei.

Bei der Abstimmung wrrv der Antrag auf bedingungslos Bewilligung von 1<X>) Mark gegen 7 Simmren abgelehnt und einstimmig ein einmaliger Zui'ckvrtz von 500 Mark beschlossen.

Zur Saalbaus rage bemerkt der Cbcrbürgmr« iFire noch, wenn dachr nickt mehr Interesse wie seither wackg-rinen nxrbe, werde man noch lange darauf warten können. Die Vorarbeile« seien längst gemacht.