Ausgabe 
20.1.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

LsLtzkreis GirHeru

-g Huli gen, 19. Jan. 5-eute vvrmrttag wurde bei einer Treibjagd im Jagdrevier des Apothekers R. Hahn fim Sternheimer (Äemeirrdewald em kapitaler männ­licher Hirsch zur Strecke gebracht. Die beiden Jäger R. Hahn und Wilh. Hofmann von hier gaben gleich­zeitig zwei gutgezielte Schüsse auf das etwa dreijährige, stattliche Tier ab, so daß es sofort tot nieder stürzte. Es wog 1.85 Ztr. Weidmannsheil!

-g. Rvdheim b. -Hungen, 19. Jan. Bei der gestern hier vorgenvmmenen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Schäfer wiedergewählt. Er steht der fitem ein be schon viele Jahre vor.

Kreis Schotten.

x Wetterfeld, 18. Jan. Mitte Juli findet hier das JahreSfest der oberhessischen Posaunenchöre statt. Nahezu 200 Bläser werden an den Massenchören teilnehmen.

Kreis Wetzlar.

= Krofdorf, 19. Jan. Der Pächter des Jagd­bezirks Krofdorf I. schreibt uns: Die Verhältnisse in der Krofdorfer Jagd habe nicht ich in die Zeitung ge­bracht, ich will aber trotzdem die Erörterungen nicht fort­setzen, und auch die Ausfiihrungen des Herrn Forstmeisters Lieber nicht mehr eingehend erwidern. Wenn die mir ge­wordene Nachricht, daß Förster E. Kahlwild mit Schrot geschossen habe, unrichtig ist, so zeigt dies eben, daß man leicht über Vorkommnisse im Nachbarrevier falsch belehrt wird. Die übrigen Angaben meiner Erwiderung über nach­barliches Verhalten, Anzeigen, Stinklappen, Wegeverbot, Fütterung, Abschuß usw. bestreitet Herr Forstmeister Lieber nicht; von Dank habe ich niemals Kenntnis erlangt. Ich aber muß bestreiten, daß überhaupt in meinem Revier am 2. Januar nach einem Stück ^Rotwild geschossen worden ist; das ist positiv unwahr. Es ist am 30. Dezember nach einem Hirsch geschossen worden, den man als Achter ansprach; hierbei waren Zeugen zugegen. Die Identität mit dem weit nördlich im König!. Revier zur Strecke ge­brachten Hirsch ist nunmehr erst recht zweifelhaft. Diesen Zweifel werden auch die Leser Ihres geschätzten Blattes, welche man mit dieser Sache wiederholt behelligt, niemals lösen." (Wir schließen hiermit die Auseinandersetzung über diese Jagdgeschichte, da sie für weitere Kreise ohne jedes Interesse ist. Red.)

<5crid?tsfaaL

Darmstadt, 19. Jan. Das Kriegsgericht der 25. Division verhandelte heute einen etwas tragikomischen Fall, dessen sich der erst 21 Jahre alte Musketier des Jnf.-Rgts. Nr. 116, G. S. V. von Hahn, schuldig gemacht hat. Während der Weihnachtsseiertage war er auf Urlaub zu Hause und geriet mit seiner Frau aus Eifersucht in Streitigkeiten. Die Leiden­schaft übermannte ihn so, daß er sich an der Frau vergriff und sich sogar des Seitengewehrs bedümte. Glücklicherweise ging diese Mißhandlung ohne erheblichen Nachteil für die Frau ab unb S., dessen Aufwallung sich bald wieder gelegt zu haben scheint, veranlaßte durch Schwindel eine abermalige Urlaubserteilung, lmt zu seiner besseren EhehäHte nochmals zurückkehren zu können. Er zeigte seinem Vorgesetzten einen von ihm selbst angefertigten Brief vär, worin chn eine Fremwin seiner Frau, deren schwere Erkrankung mitteilte. Diesen Urlaub überschritt er bann noch ieigemnächtig. Dass Urtdif latwt-ev wegen Körververleduirg, Falsch­meldung, Belügens eines Vorgesetzten und Urlaubsüberschreitung auf drei Wochen strengen Arre st.

Frankfurt a. M., 19. Jan. Das Schwurgericht verhandÄte heute gegen den 25jährigen Leopold N i e n ß und seine Frau Mina geb. Steinmetz, die sich auf Betreiben ihres Mannes in Hamburg, Leipzig, Naumburg, Pegau, Kassel und Frankfurt a. M. als Dienstmädchen vermietet hatte und dann regelmäßig nach wenigen Tagen mit der Barschaft und den Schmucksachen der Herrschaft verschwand. Beim Verkauf einer in Frankfurt gestohlenen wertvollen Brillantbrosche war das Paar in Köln verhaftet worpen. Nach fast neunstündiger Verhandlung verurteilte das Schwurgericht wegen Urkundenfälschung und Dieb­stahls bezw. Hehlerei den Ehemann zu 4, die Frau zu 3Vs Jahren Zuchthaus.

Ofenpest, 20. Jan. Der Strafgerichtshof von Grvß-Becs- Terct fällte gestern das Urteil gegen die ungarischen Branntwein-

ht Gips und anderen Materialien, ein anderer Teil als Zeich­nungen. Auch Prof. Lederer, der das Hamburger Denkmal entworfen hat, befindet sich unter den Bewerbern. Der Wettbewerb, der den beteiligten deutschen Künstlern wohl eine ganze Million Mark Unkosten verursacht hat, lieferte eine Reihe origineller Entwürfe. Da gehören Anlehnungen an die Engelsburg und das Grabdenkmal des Theodorich in Ravenna zu feinen Selten­heiten, ein Zeichen dafür, wie unsere Architekten an alten Formen hängen. Dann sieht mandekorierte Gasometer", Wassertürme, Burgen und Festungswerke. Sogar die äußeren Formen von Kirchen und Kapellen hat man ;n einem Bismarckdenkmal ver werten wollen. Dabei haben: die meisten dieser Künstler, wie eine Zuschrift an dieWerkstatt der Kunst" berichtet, das Ge­sicht des Denkmals vom Rhein abgewendet. Dazu tritt der weitere ungünstige Umstand, daß dann der Eingang zum oder in das Denkmal und) rückwärts zu liegen kommt und die nun angebrachte Bismarckgestalt, besonders die in Innen- räumen aufgestellte, in den meisten Füllen dem Vater Rhein den Rücken kehrt. Gegenüber her ja begreiflichen Unruhe aber, die sich in Künstlerkreisen angesichts der bevorstehenden Ent­scheidung in dem Wettbewerb geltend macht, und die sich in plen Kunstzeitsäxriften recht lebhaft ändert, wird hoffentlich die Entscheidung selbst eine gerechte, alle Fragen gleichmäßig berück­sichtigende Lösung finden.

Die bayrischeu Jubiläumsmarken sind nun­mehr vom Prinzregenten genehmigt worden. Es werden fünf- zehn Marken in Einfarbendruck auf Tonpapier in Photolithoflach- druck hergestellt. Der bisherige Prägedruck, den Bayern noch allein hatte, ist damit verlassen. Die Pfennigwerte tragen in zwei Arnsfubrungen den treffend ähnlichen Kopf des PrinzregeMen nach bem Bilde Fritz August von Kaulbachs mit dern Datum des 90. Geburtstages 12. März 1911: sie entsprechen in der Größe den jetzigen Pfennigwerten von 30 bis 80 Pfennig. Die Mmckwerte von 1 bis 20 Mark haben 40:34 Millimeter im Umfange unb sinb die größten unter allen europäischen Brief­marken. Sie tragen in reicher, ornamentaler Ausstattung bas Brustbild des Regenten als Jäger. Außer den Marken gelangen drei Jubiläumspostkarten zu 5 und 10 Pfg. unb zu 5 Pfg. mit bezahlter Rückantwort, von Professor Julins Diez mit besonderem Wertzeichenbild auf der Vorderseite und auf ber Rückseite mit einer allegorischen Huldigung für den Jubilar geschmückt, in Vielfarbendruck zur Ausgabe. Mit demselben Markenbild werden Postanweisungen und 10-Pfennig-Kartenbriefe sowie einige Bahn marken für die Verwaltung ausgegeben. Die Gültigkeit der neuen bayrischen Postwertzeichen ist nicht beschränkt. Am 11. März imrb jeixod) der Verlauf der alten bayrischen Postwertzeichen eingeschränkt. Der Prinzregent hat den Künstlern für die An- ferttgung des Markenbildes wiekterholl Sitzutrgen gewährt unU tst. >ehr zufrieden mit den wohlgelungenen Arbeiten.

Ku r z e N a chr i cht e n a u s K ii n st u. W i s s e n s ch a ft d^tur schütz park bewilligte die Stadt Hambürg 0-0000 Mark wahres,übvention. Der Verein hat bekanntlich rn der Lüneburger Heide den Grundstock zu einem norddeutschen Nationalpark nach dem Muster bes Bellowstonepark- angelegt Unter den zahlreichen, in den letzten Tagen betgetreteuen Mit­gliedern mit größeren Beiträgen befindet sich u a auch der König von Württewherg, Pcx Wprinz von Buden, her Landgras von Hessen ufto.

panischer, die zum Bereiten von Branntwein vergällten Spions verwendet hatten, wodurch mehrere Leute an Vergiftung starben. Wegen fahrlässiger Tötung wurde Kovacs zu 9600, Koslovacstr zu 200 Kronen verurteilt.

Vie Reftorsgattin als Totschlägerin.

S. u. H. Nürnberg, 19. Jan.

Der Zuhörerräum des Schwurgerichtssaales ist auch heute wieder überfüllt, namentlich von Damen der besten Gesellschafts­kreise. Die Angeklagte, die mit ihrer Pflegerin Pünktlich zur Stelle ist, sieht heute weniger leidend aus als gestern. Der Gerichtshof beschließt die Verlesung der kommissarischen Aussage des ersten Ehemanns A. H. Dillinger. Dieser lebt gegenwärtig in Berlin, er ist 63 Jahre alt und gelähmt, so daß er nicht vor Gericht erscheinen konnte. Der Zeuge bezeichnet in seine« kommissarischen Aussage die Angeklagte, mit der er 15 Jahre ver­heiratet war, als hochgradig hysterisch, sehr gebildet und im Grunde gutmütig. Sie habe sich vielfach wissenschaftlich unb namentlich Mit ber Frauenfrage beschäftigt. Als der Zeuge, der seinerzeit Reichstagsabgeordneter war, einmal aus Berlin nach Hause zurückkehrte, ging die Angeklagte mit der Waffe gegen ihn vor. Der Zeuge hat ihr den Vorfall aber nicht nachgetragen. Der Zeuge hält seine ehemalige Frau für stark erblich belastet, eine Schwester von ihr sei im Jrrenhause, unb seine Freunde hätten ihm schon damals geraten, seine Fran auf ihren Geisteszustand hin untersuchen zu lassen. Sie hatte auch verschiedene Extra­vaganzen unb behandelte manchmal die Kinder grausam.

Die Angeklagte lehnt sich während den Verlesung des Protokolls apathisch zurück unb stützt den Kopf an das Pult des Gerichts­schreibers. Der Gerichlsarzt Tr. Frickinger redet ihr ver­geblich zu, sich wieder aufzurichten, sie stößt ihn und ihre Pflegerin unwillig zurück. Dorf.: Sind die Aerzte ber Meinung, daß bie Angeklagte verhandlungsfähig ist?. Dr. Frickinger: Davon bin ich fest überzeugt, bie Angeklagte will nur nicht. Sie ist nicht ohnmächtig, sondern macht ganz deutliche Abwehrbe­wegungen. Die Angeklagte lehnt sich jetzt wieder zurück und schließt die Augen. Der Vorsitzende verhandelt barauf weiter unb läßt ein neues Protokoll verlesen. Danach befunbet ihr erster Ehemann Dillinger, daß die Angeklagte einmal mit dem Tranchier­messer auf chn losgegangen sei unb wieberholt Selb stmordab sichten geäußert habe.

Der folgende Zeuge ist ber städtische Oberarzt de Volini. Er bekundet, daß er am 25. November 1907 in die Wohnung ber Angeklagten gekommen sei. Sie habe ihm einige Striemen an ber Backe gezeigt und gesagt, daß diese von Mißhandlungen durch den Ehemann herrührten, ber sie mit einer Reitpeitsche geschlagen habe. Die Angeklagte habe auch von einer Scheidung gesprochen.

Fräulein Helene Meßt al er kennt bie Angeklagte voM Brocken-Verein her. Sie bezeichnet sie, abgesehen von ihren! Erregungszuständen als wahrheitsliebend bis zum Extrem, als logisch, pflichttreu und barmherzig. Einen Mord mit Absicht könne sie ihr unmöglich zutrauen. In einem Erregungszustand sei allerdings nichts mit ihr anzufangen gewesen.

Die Buchhändler switwe Lin Haber aus München sagt im wesentlichen dasselbe aus unb bekundet, baß Dr, Herberich ein sehr gutmütiger Mann gewesen sei.

Jnsepktor Rob. Bauer aus München hat mit der Angeklagten in einem Hause zusammen gewohnt. Schon beim ersten Besuch bezeichnete die Angeklagte ihm ihren Mann als nervös. Später hörte er einmal aus der Wohnung Lärm und dann einen Fall. Das Dienstmädchen der Angeklagten kam unb wollte ein Beil haben. Der Zeuge lehnte bas aber ab, worauf ein Beil aus bem Keller geholt wurde. Professor Herberich soll damit die Tür­füllung eingeschlagen haben, nachdem die Angeklagte hinter sich zugeriegelt hatte.

Frau Babette Bauer schildert die Angeklagte als lieb unb gut, sie sei aber keine Hausfrau gewesen. An gekl. (ein-, fallend): Ja, nach Frau Bauers Geschmack natürlich nicht. Bors. (zur Angeklagten): Schweigen Sie, wir hängen genug von Ihren Launen ab.

Der Verteidiger stellt fest, baß der Vorfall mit dem Beil Fastnacht 1901, am 19. Februar, sich ereignete unb baß am 1. März noch bie Verletzungen bei der Angeklagten sichtbar waren.

Praktischer Arzt Dr. Ossi an (München) bekundet: Dr. Herberich war sehr gut, die Frau war exaltiert, ich hielt sie für hysterisch. Wenn ich die kleinen Kinder zu behandeln hatte, glaubte sie, daß schon der Tob vor der Tür stehe. Die Angellagte ver­sucht hier wieder zu unterbrechen. Der Vorsitzende rügt das unb weift sie darauf hin, baß sie nachher zu Wort kommen könne.

Das Dienstmädchen Brande! bestätigt, daß am 1. März eine neue Türfüllung da war. Die Angeklagte hatte Verletzungen, namentlich ein blaues Auge. Vorst: Sprach sie von Miß­handlungen? Zeugin: Nein, aber später dachte ich es mir. Bors.: Wie war der Ehemann? Zeugin: Der Herr Doktor war sehr gut, auch ijur Angeklagten. Das Dienstmädchen B r e s s e l erzählt, daß die Angeklagte auf ihren Mann sehr stolz war. Eine weitere Zeugin, ebenfalls ein Dienstmädchen, behauptet, daß die Wirtschaft vielfach nicht richtig geführt wurde. Namentlich wurde das Essen wegen zu späten Einholens nicht rechtzeitig fertig, so baß Dr. Herberich sein Essen zu spät bekam, weshalb es bann tm Hause Skandal gab. Es tritt hierauf die Mittags­pause ein.

Als erste Zeugin wird bann die Privatin Stofe ne r ver­nommen, die im Jähre 1905 sechs Monate als Stütze in ber Familie der Angeklagten tätig war. Die Zeugin bekundet, der Ehemann fei ein seelenguter Mann gewesen. Die Angeklagte aber habe gar keinen Versuch gemacht, ihrem Mann das Lehen angenehm zu gestalten. Sie habe ihn viel geschimpft und auch angespicn.

Frau Hofrat Dr. v. .Vor st er, die Vorsitzende der Orts­gruppe Nürnberg des Deutschen Frauensttmmrechtsvereins, be­kundet, daß bie Angeklagte sehr extrem gewesen sei.

Oberlehrer v. Gaffel meier, der zu dem Lehrerkollegium ber Töchterschule gehörte, stellt dem Verstorbenen das denkbar beste Zeugnis aus. Er ging jeder Beschwerde gewissenhaft noch und war ein ruhiger objektiver Mann. Die Angeklagte hält er für leidenschaftlich unb stark exaltiert, von übersprubelndem Wesen. In der Gesellschaft träte sie oft störend hervor. Der Zeuge bekundet noch, es sei einmal davon gesprochen worden, daß die Mädchen in bezug auf Herz und Gemüt gefördert werben müßten. Da erklärte die Angellagte, bie Hauptsache sei nicht das Gemüt, sondern bie Intelligenz. Heber bie Schule ihres 5Wanne3 meinte sie, die Eltern bekämen gar kein Recht, sie wolle ihre Tochter aus ber Schule heraus nehmen, und wenn ihr Mann dagegen sei, sich scheiden lassen. Bors.: Welchen allgemeinen Eindruck hatten Sie? Zeuge: Ich habe die Angeklagte für etwas überspannt gehalten, aber nicht für anormal. An­geklagte: Sie haben mich ja sogar für eine Sozialdemokratin gehalten.

Professor Bopp ^München) früher in Nürnberg schildert einen Vorfall, wobei die Angeklagte einmal zu ihrem Mann sagte, er ,ein ein Bauernlackcl. Die Angeklagte entgegnet, ne hätte nur gesagt: Tie Windeln hängen dir noch an. Dies )ci geichehen, als eines ihrer Kinder von dem Hauptlehrer Dorsch gezuchttgt worden war unb ihr Mann nicht energisch genug cingrirt Der bereits als Zeuge vernommene Oberlehrer Gaffel- meler wird nochmals aufgerufen unb bekundet, baß er von den MM.andlungen nichts gesehen Irobc. Angeklagte: Sie sind vielleicht ettoas kurzsichttg? (Heiterkeit.)

Daraus gelangt ein Urteil des Landgerichts Neuburg a. d. ?onau aus dem Jahre 1894 zur Verlesung. Laut diesem ist Dr Sterbend) auf Grund des § 240 des Str.-G.-B. wegen 21 sach­lich zusammentr essender Schülermißhandlungsfälle zu 140 Mark Geldstraic verurteilt worden. Auch ein Kollege von ihm erhielt eine Geldstrase Im wesentlichen lmndell. es sich um Ohrfeigen.

bernd wurde u. a. in Betracht gezogen, baß die Eltern aus­drücklich um eine strenge Behandlung ihrer Söhne gebeten haben

Die nächste Zeugin ist die Sprachlehrerin Mathilde König ^te ist oer Ansicht, daß die Angeklagte im Grunde, ihres Wesenü seelengut ist, daß sie aber sehr exaltiert war.

Es tritt hierauf wieder eine Paust ein. Die Angeklagte gebt tnzwMen M ihrer Wterin bent Flur spazieren

unb erwidert huldvoll die Grüße ber spalierbildenden Zuhör« und ^chorerimren^ $^anbiung erzählt die Frcm des Steuer-, inspektors Großmann aus Nürnberg, daß die Angeklagte bet einem Besuch in ber Wohiiung ber Zeugin mit bem Stocke ihr Kinb berartig prügelte, daß der Aock zerbrach. Sie babe bann noch ein Stück des Stockes vom Boden aufgehoben unb auf ihr Kinb weiter geschlagen. Die Angellagte war stets exaltiert, so daß bie Zeugin wohl fürchtete, sie werde sich vielleicht ein Leid antun. Vorst: Wissen Sie, Frau Rektor, noch etwas von dieser Züchtigung Ihres Kindes? Angell.: Ich weiß nur, ba6 nur Frau Großmann davon im Gefängnis erzählt hat. Die Zeugin be­kundet weiter, die Angellagte sei ost über polttische Fragen so erregt gewesen, daß sie sich alles von der Leber herunter reden mußte. Ost war sie erbittert, baß fte twn ihrem Manne Nicht genügend Mittel zur Führung des Haushalts erhielt.

Versicherungs-Direktor B ä u m l e r bekundet, die Angeklagte war im allgemeinen eine nette Dame, die ihren Mann Siebes tat. Dieser war herb unb verschlossen. Die AngAagte schien öfter geistesabwesend zu sein. Bert: Was haben Ihre Tochter Ihnen über das Verhältnis ber Eheleute erzählt ? Zeuge: Meine Tochter sagte, der Rektor behanble seine Frau nicht sehr geziemend.

Oberlehrer Dr. K n h l m e i e r, ber Nachfolger Dr. Herberrchs, an der städtischen Schule erllärt, daß.sich der Verkehr zwischen ihm und Tr. Herberich nur auf wissenschaftliche Beziehungen be­schränkte. Aus Befragen des Vorsitzenden bekundet der Zeuge, daß Dr. Herberich in den letzten Wochen offensichtlich gedruckt war. Auf dem letzten Spaziergang sagte er: Das Leben lost sich für mich in Probleme auf, ich will die Last ber Vergangenheit: aber nicht auf mich wirken lassen, ich fasse bas Leben mehr verstandesgemäß auf. Vorst: Also em Gefühlsmensch war er nickt? Zeuge: Im eigentlichen Sinne nicht. Aber bicnftbmü zu seinen Schülern. . , . ,, c

Eine Reihe weiterer Zeugen werden ebenfalls über das Ver­hältnis ber Ehegatten vernommen. Als ber letzte Zeuge, Real­schullehrer L e b c r m a n n , über basselbe Thema vernommen wird, unterbricht ihn wiederholt die Angellagte, worauf ber Staats­anwalt beantragt, sie aus dem Saale zu entfernen. Die An­geklagte s p r i n g t a u f, r a u f t s i ch b a s H a a r unb ruft: Gut ich gehe! Plötzlich aber wirft sie sich zu Boden. Es muß eine Pause eintreten und die Angellagte wird hinausgetragen.

Als die Verhandlung wieder beginnt, erzählt ber Zeuge einen Vorfall aus Kassel. Es wurde davon erzählt, daß ein Mann zwei Frauen habe, worauf bie Angellagte fragte: Sind bie Männer wirklich so leistungsfähig? Als der Zeuge diese Sache vorträgt, schreit ihn die Angeklagte an: Sie sind ein Lügner! unb als der Zeuge zurüektritt, ruft sie ihm noch ein Schimpfwort nach.

Die Verhandlung muß abgebrochen werden unb wirb bann auf morgen vertagt.

....... - ......!! 11^

Handel.

1$. Siegerinnber Eisensteinverein G. m. b. H. Nach bem Bericht bes Vereins betrug bie Forderung ber Vereins-., gruben im Dezember 5575 Sonnen Glanz- und Brauneisenstein, 41612 Tonnen Rohspat unb 93 722 Tonnen Rohspat, zusammeln also 169 026 Tonnen Eisenstein. Der Versand belief sich auf 189 524 Tonnen Eisenstein, also mit einem Mehr von 20 498 Tonnen über bie Förberung, um welfte Menge die Vorräte ab- nahmen. Die ©efamtförberung des Jahres 1910 betrug 2 018 694 Tonnen, während ber Versand die Förderung um 86 251 Tonnen überstieg, um welche Menge ber Vorrat sich verringert hat.

Märkte.

le. Wiesbaden, 19. Jan. Heu- und Strohmarkt. Angesahren waren 13 Wagen Heu und Stroh. Man notierte: Heu 6.20-7.20 Mk., Stroh (Richtstroh) 4.30-5.10 Mk. - Frachtmarkt. Hafer 16.0017.20 Mk. Alles für 100 Kilo.

Spielplan öes Siebener Staöttfyeaters.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Dienstag, 24. Januar, abends 8 Uhr, 15. Dieustags-Abonne« ments-Vorslellung:Glaube und Heimat." Tragödie eines Volkes in 3 Akten von Karl Schönherr. Ende IO1/., Uhr. Mittwoch 25. Jan., abends 7 Uhr, 14. Mittwochs-Abonnements-Vorstellung, unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments: Er und seine Schwester." Ende 9h, Uhr. Freitag, 27. Januar, abends 8 Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (außer Abonnement, Gutscheine haben Gültigkeit): Festvorstetlung zum Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers. Gastspiel von Fräulein Käthe Gothe vom Großherzogl. Hoftheater in Darmstadt:TUnna von Barnhelm." Lustspiel in 6 Aufzügen von G. E. Lessing. Ende gegen 11 Uhr. Sonntag, 29. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, bei kleinen Preisen, unter Mitwirkimg der Kapelle des hiesigen In­fanterie-Regiments :Die Förster-Christel." Ende 6 Uhr. Abends 71/, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen:Glaube und Heimat." Ende 10 Uhr.

In Vorbereitung:Faust" .Herr und Diener"Man soll keine Briefe fchreiben."

riirchUche «ad,rieften. (Lvaugeusche wemeinoe.

Sonntag den 22. Januar, 3. nach Epiphanias: Gottesdienst.

2n der Ltadttirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Malthäusgemeinde. -If , ... Pfarrassistent Schorle m in e r.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 8 Uhr: _ Versammlung der konfirmierten mäpnlichen Jugend der Alatthausgemeinde. '

Dienstag beu 24. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Matthäus, saale: Frauenmissionsverein. 1

Mittwoch > den 25. Januar, abends 8 Uhr: Versammlung der konftrnuerten weiblichen Jugend der Markusgemeinde 9 Donnerstag den 26. Januar, abends 8 Uhr, im Matthäussaal:

B i b e l st u n d e. (Bilder aus der Apostelgeschichte.)

Freitag den 27. Januar, Vormittags 1 Vereinigt«

Öet bÖe§ ^urtstages Leiner

Vormittags 91/, Uhr-:^Piar°^B e6no lsheimer Vormittags 11 Uhr: Krnderkirche für die Lukasgeme'inde.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Au^ekd.°l§ h -"ner.

l i ch e i/Jugend'der^o'u der konfirmierten w e i b-

im SuÄatn 251 3m.uar sMu.tbe

$=r|amnilung ber to,.furnierten we°"chen L-n' L Johann es gemeinde. -jugeno o«r

katholische Gemeinde.

t~ Gottesdienst.

,.r NS um-.- iMöte UV& Sonntag bei. 2 2. Januar: »'L?? "°°l> Spiobanie.

um WFSr h-l-- B-icht.

: "rn 8 Uhr: tetrthmh« hl Kommunion.

nm 11 \\u Hochamt mit Predigt.

Mittags nm Fest-Andacht

9, nut Segen.

* L°u"°r, n bE"