der Liebigstraße brauerei.
•• Maul- Seuche auf dem
2lusiaiifc.
Der deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich zur Gracht verließ London zu mehrwöchigem Urlaub.
Die russische Reichsduma schloß wegen der Lärm- zenen am 15. März den Sozialdemokraten Jegorow auf füns Sitzungen, die Mitglieder der extremen Rächten Obraszow und SamySlowski auf drei Sitzungen aus. .
Aus Christiania wird gemeldet: An der Nachmrttags- itzung des norwegischen Storting, zu der auf den Tribünen ich viele Damen eingefunden hatten, nahm für den beurlaubten Abgeordneten Bratlie Fräulein Anna Rog stabt teil. In seinen Begrüßmlgswvrten bezeichnete der Präsident, während sich die Abgeordneten von ihren Witzen erhoben, den heutigen Tag als einen Werktag in der Ge- chichte Norwegens. Auch der Ministerpräsident, mit dem die meisten anderen Vertreter der Regierung erschienen waren, begrüßte Fräulein Rogstadt, der zahlreiche Glückwunschtelegramme und Blumenspenden zugingen. ,
Der ehemalige Sutton, Abdul Hamid, befindet sich verhältnismäßig wohl. Die Nachricht, daß er einen Selbstmordversuch gemacht habe, ist unbegründet^
von dem ehemaligen Gelände der Aktien- und Klauenseuche. Erloschen ist die Schlachtoiehhofe zu Nürnberg.
Der Ausstand in Marokko.
Paris, 17. März. Aus Fez tvird berichtet: Die Stadt war am 12. Marz von den aufrührerischen Mter- leuten belagert worden, die bis dicht an die Mauer heranrückten und den Palast des Sultans beschossen. Es entstand eine große Panik ,imb der Sultan traf bereits Vorbereitungen zur Flucht. Doch ge- gelang es nach heftigem Kampfe, beit Angriff des Mter- stammes zurückzuschlagen.
des Berliner königlichen Schauspielhauses: „Auf königlichen Befehl Gastspiel des Herrn Haase." Der König hatte mich in Potsdam im „Galanten Abbs" gesehen und an mir Gefallen gesunden. Der Intendant Küstner, der noch zwei Jahre seines Amtes walten sollte, war aber weniger entzückt von meinen Leistungen. Ein unglücklicher Zufall, der mich als Dr. Wespe den Stuhl zu weit an die Rampe rücken ließ und mich damit beim Fallen des Vorhanges von den Mitspielenden abschloß, machte meiner Berliner Karriere ein rasches Ende. Das Genie eines Döring, der übrigens einen Narren an mir gefressen hatte, und seines unversöhnlichen Feindes Dessoir hinderte den jugendlichen Anfänger, der unter der aüsprechenden Kritik von Gubitz und Mischer ohnehin zu leiden hatte, am Emporkommen, und so zog ich es vor, das Jahr hernach (1850), am 13. Februar, als Carlos im „Clavigo" in Prag ein neues Engagement anzutreten. Schon hier von der Gunst des Publikums getragen, habe ich doch erst nach der Karlsruher und Münchener Zeit in Frankfurt (1856 bis 1858) unter der Direktion von Roderich Ben cd ix, der den Widerstrebenden zu halten wußte, meine schönsten Erfolge errungen. Mit einer meiner bekanntesten Rollen, dem Königsleutnant, ist es mir sehr merkwürdig ergangen. Gutzkow, von meinem Riceaut angeregt, drang in mich, auch den ebenso gut das Deutsche radebrechenden Grafen Thoranc zu spielen. Ich war von der Rolle und dem Stück nicht sonderlich begeistert, habe sie zuerst auf einem Gastspiel in Fürth und Nürnberg gegeben und bin erst allmählich in sie hineingewachscn. Dawison, der bekanntlich alles spielen wollte, hat es ebenfalls mit dem Königsleutnant versucht, aber eines Tages kam er zu mir und erklärte mir sehr ernsthaft: „Diese Rolle spiele ich nie wieder, denn da hast du etwas vom lieben Gott selbst mitbekommen."
In diesen fünfziger Jahren wurde meine Entwickelung als Schauspieler abgeschlossen. Ich weiß, daß man mir mehr als einmal den Dorwurf des Virtuosentums und der allzu häufigen Gastspiele gemacht hat. Den ersten Vorwurf kann ich schon deshalb ruhig hinnehmen. weil er so ziemlich keinem bedeutenden Talent erspart worden ist, und was den zweiten anlangt, so habe ich nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich unter Bewahrung meiner künsllerischen Ambitionen mit meiner Kämst auch Geld verdienen wollte, um im Alter gegen jede Not gesichert zu sein, .und heute noch nicht einzusehen vermag, weshalb ich das Geld, das. mein Talent einbringt, in fremde Kassen fließen lassen soll."
tion in der Blockara ein, charakterisierte diese als die Zusammenfassung aller Kräfte des Bürgertums außerhalb von Ultrkrmontanismus und Sozialdemokratie, um deren ausschlaggebenden Einfluß zurückzudämmen, und bezeichnete es als die Pflicht der Fraktion und der Partei in damaliger Zeit, den Block zu stutzen und aufrecht zu erhalten. Der Redner berührte die Erbschastssteuerfrage und die abweichende Haltung des Frhrn. v. Heyl sowie dessen Angriffe, ferner die Rede des Dr. Diederich Hahn in Worms. Zum Schluß sagte er noch u. a.:
Wenn man eine Linksschwenkung der Partei daraus ersehe, daß sie vielfach mit der Frotschrittlichen Partei gemeinsam vorgehe, so sei auch dies eilt Trugschluß., Nicht die Nationalliberale Partei habe sich geändert, wohl aber sei die Fortschrittliche Volkspartei etwas anderes als zu Eugen Richters Zeiten. In einer Zeit des Kampfes um neuaufgetauchte Kulmrfragen müjfe der Liberalismus das Trennende mehr in den Hintergrund treten lassen. —
Kreis Friedberg.
-- Bad-Nauheim, 17. März. Der Frühjahrs-! Gautag des 3. Gaues der deutschen Motorfahrer- Vereinigung findet morgen vormittag hier im Hoteü. Wilhelmshohe statt. (S. Inserat.)
Kreis Büdingen.
-l- Büdingen, 17. Mürz. Die auf heute nachmittag tt ben Hirschgraben cinberufene allgemeine G a st w i r t ev e r«, sa'mmlung war, trotzdem wichtige Gegenstände auf der Tages-! ordnung standen, schwach besucht. Der geschäftliche, ben Gall» wirteverein Büdingen und Umgegend angehende ^.ell der Br- ratungen. u. a. Belassung des Jahresbeitrages auf b Mk., Wahl von zwei Vertretern (Beck-Gelnhaar und Bender-Rohrbach) für den Vertretertag in Pfungstadt und Zustimmung zu einem Anträge auf Erreichung einer bereits von ringfreien Brauereien zugeitan? denen Ermäßigung des Bierpreises wurde glatt erledigt, >o büß die Redner des Tages bald mit ihren Vorträgen beginnen konnten. Der Verbandsvorjitzende C. H a u st - Darmstadt sprach über D£ Bestrebungen und Ersolge der Gastwirte-Vereinigungen. & zeichnete ein klares Bild einer Reihe von Mißständen im Ga - wirtsgewerbe, wie das Zäpferwesen, und gab wertvolle ©in» zur Hebung der Lage des Gastwirtsgewerbes, genossen, cfesHich«r Zusammenschluß behufs Wahrung der Berühmteres,en und Einkaufs der Waren, insbesondere der Kohlensäure und der Minerotwässer aus den eigenen Betrieben des Rhem-Main-Haßwitto' Verbandes und empiahl schließlich Pflege der Einigkeit und Be- kämpiung der Interesselosigkeit. — Der folgende Redner, Direktor G. Hermann-Darmstadt, sprach über Besteuerung des Gwt- wirte-Gewerbes, die Schäden der Privat-Kostgeberei, Penlionai und PrivathotelS, des nahezu steuerfreien FlajchenbierhanbelS, die durch Wittjchallskonze,,ion beeinflußte WertzuwachSsteucr, bas Weinsteuergesetz mit seinen in den Wirtjchajtsbetrieb tief ein* ichneidenden Bestimmungen, die Einrichtung und Führung der Kellerbücherei, und schließlich über die Wohliahrtseinrichtungm des Verbandes, die Stcrbekasfe und die Haftpflicht der Gait- luirte für Personen- und Sachschaden, letztere durch Vclannkgavr von Haftvjlichtfällen und richterlichen Entscheidungen besonders beleuchtend. Ter Redner schloß mit der Aufforderung zu« Anschluß an die Gastwirts-Bereinigung jmb an die Verjichermrgs«
1 einrichttuigen.
gezogen.
** ReichstagSstich 10 ahl. Wie uns mitgetetit wird, hat sich am Abend der Hauptwahl eine große Anzahl von Privaten von hier und auswärts telephonisch beim Kreis- amt teils nach dem jeweiligen Stand der Wahl, teils nach dem Schlußergebnis erkundigt. Es wird ersucht, derartige Anfragen bei der Stichwahl z u u n t e r l a s s e n, da auf sie umso weniger eine Antwort gegeben werden kann, als die Fernsprechapparate des Kreisamts bis spat in die Nacht hinein für die amtliche Feilstellung des Wahlergebnisses zur Verfügung gehallen werden nrüs,en.
•• Wa y l c r o e rs a m m l un g. Ter Wahlausschuß für die Kandidatur Werner bittet uns, noch darauf hinzuweisen, daß am Sonntag abend in Steins Garten eine Wähler- oerjanmilung jlaufinbet, in der Fabrikbesitzer Schau in au n- Mülheim über: „Tie Industrie und die Sozialdemokratie* und Reichstagsabgeordneter Handwerksineisler Raab über „Der Mittelstand und die Sozialdemokratie* sprechen werden.
** Der Verbandsraa Hejsischer Hrivat - Lrchitekten findet dieses Jahr tun &, 9.t 10. April
hier statt. Mit der Tagung beginnt eine VerbandsauS- tellung von architektonischen Entwürfen, die bis Ende April geöffnet bleibt und den Entwickelungsgang der in Hessen epflegten Architekturen darstellen soll. Zahlreiche Anmel- »ungen aus allen Teilen des Landes liegen vor, so daß )ie Ausstellung ein übersichtliches Bild der gegenwärtigen Kunstrichtung zu werden verspricht.
** Stadttheater. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß für jeden, der einmal herzlich lachen will, die Sonntagnachmittagaufführung des burlesken Schwankes „Die g o l- reneRitterzeit" eine ausgezeichnete Gelegenheit bietet — Die beiden Faustaufführungen am Dienstag und Mittwoch gelten als 20. und 21. Aufführung im Mittwoch- Abonnement. Beide Vorstellungen beginnen deshalb um 7 Uhr, auf welchen Punkt besonders hingewiesen sei.
*♦ Kun st verein. Wegen des verspäteten Eintreffens der neuen Bilder kann die Ausstellung nicht wie vorgesehen morgen Sonntag eröffnet werden und bleibt noch einige Tage geschlossen. Die Gemälde „Frühling" von F. Blök- Antwerpen, „Vor dem Gewitter" von H. Kreysfig-Münä-en und „Wiesengrund" von O. Jung-Stultgart wurden verkauft; sie gingen in hiesigen Privatbesitz über.
**Vom Kolosseum wird uns geschrieben: Gestern abend fand im Kolosseum die erste Vorstellung der Lichtspiele vor geladenem Publikum statt Der große, neu renovierte Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Vorstellung begann mit einem von Herrn Straub ge- prochenen Prolog, der lebhaften Beifall fand. Darauf olgten die einzelnen Nummern, die in bewunderungswür- >iger Weise, besonders durch Klarheit und -Plastik, an den Augen der Zuschauer vorüber zogen. Am meisten interessierte wohl die Aufnahme „Eine lustige Fahrtdurch, Gießen", welche als gut gelungen, trotzdem die Witterung bei der Ausnahme ziemlich trübe erschien, bezeichnet wer- den kann. Sämtliche Bilder wurden durch die Musik, Herr Kapellmeister Herrn. Weller, musikalisch lllustriert und bolerr desl)alb doppelten Genuß. Hochbefriedigt verließen die Gäste die Stätte der modernen Technik und wir dürfen wohl annehmen, daß die Darbietungen den vollen Beifall res Gießener Publikums gefunden haben bezw. noch finden werden.
**Jhr25jährigesGeschäftsjubilLum feiert am Montag, 20. März, die Vtodewaren-Firma Alexander S a l o m o n u. C i e. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen — das Geschäft wurde Ki^chenplatz 9 gegründet — hat es die Firma im Laufe der Jahre verstanden, sich zu einer der bedeutendsten am Platze emporzuarbeiten. Heute zeugt das prächtige Geschäftshaus Schulstraße 4 von der Große der Firma. Im Inseratenteil unseres Blattes dankt die Firma für das Vertrauen, das sie bei der Gießener Damenwelt genossen feit
- Die allgemeine Fortbildungsschule in Gießen wurde vom Oktober 1910 bis März d. I. von 440 Schülern besucht. Die Leitung der Schule hatte, wie in früheren Jahren, Hauptlehrer Knauß. Die Entwicklung der Einrichtung hat sich dahin bewegt, daß man zwar an den allgemeinen Bildungszielen festhält, dabei aber an den Gedankenkreis dec Schüler anknüpfte und deren Berufstätigkeit zum Ausgangs, punkt ihrer Belehrung macht AuS diesem Grunde hat man die Besucher in 6 Gruppen mit je 3 aufsteigenden Jahres- klassen eingeteilt. Die Gruppen umfaßen: 1. Kaufleute und verwandte Berufe, 2. Metallarbeiter, 3. Holzarbeiter und im Baugewerbe beschäftigte junge Leute, 4. Nahrungsmittel- und Bekleidungsgewerbe und 6. Schüler mit ungelernten Berufen. Zweifellos laßen sich diese Gruppen bei stärkerer Zunahme der Fortbildungsschüler noch weiter spezialisieren, so daß man mit der Zeit zu reinen Fachklaßen kommen würde. In den 15 Klaßen der Schule wurde Unterricht im Rechnen, Lesen, Aufsatz, Geometrie, Buchführung, Wechsel- lehre, VecfaffungSkunde, Kalkulation, Berufs- und Material- künde erteilt. Am 16. Marz fand eine Prüfung dec fünf zur Entlassung kommenden Klaßen der Schule statt, die bewies, daß Lehrer und Schüler ihre Schuldigkeit getan haben und die entlaßenen jungen Leute gar manches gelernt haben maS ihnen im Leben von Nutzen sein wird.
•* Die Besitzer von Luxuswagen, LuxuS- reitpferden, Automaten, Musikwerken und Fahr- rädern weisen wir daraufhin, daß bis zum 31. März die betreffende Steuer (Stempelabgabe) bei dem KreiSamt entrichtet sein muß, wenn man sich vor Nachteilen schützen will.
- Besitz wechsel. Weißbindermeister Fink kaufte von j der Stadt 800 Quadratmeter Baugelände zu je 16 Mk. in
Au» Heften.
Abg. Dr. Stresemann in Mainz. Am Mittwoch hat Reichstagsabg. Stresemann in Mainz in einer Rede sich gegen die „Wormser Ecke" gewandt Die parteiamtliche „Ncttionallib. Korresp." verweist darauf, daß seine Ansick)ten auch die Ansichten der nationalliberalen Parteileitung seien gegenüber den Angriffen, die von der „Wormser Zta." gegen die Führer der Partei erhoben worden seien. Dre Korrespondenz druckt u. a. folgende Stellen aus der Rede Strefemanns ab:
Die „Wormser Ztg." hält sich für berechtigt, die Mitglieder der Reiic^tagsfraktion und die Führer der Partei Tag für Taa nicht nur sachlich, sondern auch in persönlich verletzender uno absprochender Weise anzugreisen. Wenn aber die so angegriffene Parteileitung sich dazu anschickt, ihren Standpunkt im Hessenlande W vertreten, dann wird der Vorsitzende der Hessischen LandeS- partei dagegen um Hilfe angerufen und man droht mit den Folgen, die nun eintreten würden. Es ist ganz selbswerstänblich, daß sich die Parteileitung baird) solche Drohungen nicht davon znrückhalten lassen wird, ihren Standpunkt zu vertreten. Die heutige Rede entspricht einer Anregung des geschästsführenden Ausschusses der Nationalliberalen Partei, der es als seine Pflicht angesehen hat, hier in Hessen einmal die Stellungnahme der Partei in den Kämpfen der Vergangenheit und Gegenwart darzulegen.
Dr. Strefemonn ging alsdann in etwa 1t/,stündigen Ausführungen auf die Haltung der nationalliberalen Frak-
Aus SiaOt uno Land.
Gießen, 18. März 1911.
** Tageskalender. S t a d 11 h e a t e r: Sonntag nachmittag 3*1, Uhr: ,Tie goldene Ritterzeit"; abenüs 71/, Uhr: „Heimat."
Kolosseum: Samstag abend 6 Uhr: Eröffnung bet Lichtspiele.
Kinematograph: Neuer Spielplan.
Biograph: Neuer Spielplan.
Ausstellung der Alicejchule (Kirchstraße 20) Sonntag und Montag 11—b Uhr.
W a h t e r v e r s a m m l u n g für bie Kandidatur Dr. Werner Sonntag abenb 8*/, Uhr in Steins Garten. Redner: Fabrikant Schaumann -Mülheim und Reichstagsabg. Raab.
A n l a g e m u s r k am Sonntag vormittag U1/, Uhr in der Süd- Anlage. Spielplan: 1. Ouvertüre g. {Operette: „Banditenslreiche* von Suppö; 2. Fantasie a. d. Oper „Tlignon" von C- Thomas; 3. Hommage ä Saiut-Sauis von Louis Lombard; 4. Marjch aus der Oper „Faust* von Gounod.
*• Lehrerpersonalien. Ueb ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Diefenthäler aus Spiesheim Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Herchenhain.
♦* Steuerpersonalien. Der Steuerauf- feher Peler Eugert zu Als,eld wurde an das Hauptsteueramt Mainz versetzt und Ludw. Bender aus Alsfeld 3um Schreibgehrlfen bei dem Finanzamt Alsfeld ernannt.
**DieErlaubniszurEinsuhrvonSchlacht- v i e h aus Frankreich nach Hessen wurde vom Ministerium des Innern mit Wirkung vom 18. März ab zurück-
Deutsche» Aeich.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeichng" schreibt: Dem Vernehmen nach macht dre Kaiserin die Fahrt nod) Korfu gemeinsam mit dem Kaiser; demgemäß wird sie trotz ihres angegriffenen Gesundheitszustandes bei der Unterbrechung in Wren an dem Besuche des Kaiser Franz Josef teilnehmen. Prinzessin Victoria Luise begleitet die Eltern nach Wren und Korfu, ebenso mack)t Prinz Joachim die Reise nach Wien mit, da der Kaiser Wert oarauf legt, dem Prinzen den Paten vorzustellerr.
Im R e r ch s j u st i z a m t fand am 15. März eine Beratung mit Sachverständigen und Vertretern des Verbandes deutscherLohnfuhrunternehmer und des Vereins deutscher Straßenbahn- und Kl ein b a b n vermal t u n g e n statt, bei der es sich namentlich um die Ausdehnung der reichsgesetzlichen Regelung auf die Haftpflicht für Sachbeschädigungen und die besonderen VerlMttrisse der Straßenbahnen handelte. Die Sachverständigen waren grundsätzlich mit den von dem Reichsjustizamt gemachten Vorfchlägen einverstanden und haben auf weitergehende Wünsck)e im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes verzichtet. , „ c ,
Von neuen Anträgen im Reichstag sind bemerkenswert: Zur zweiten Beratung des Haushalts des Reichsamts des Innern beantragt das Zentrum die verbündeten Regierungen um Einbringung eines Gesetzentwurfs zur Abänderung des Gesetzes, bett, bas Viehseuchengesetz vom 26. Ium 1909 zu ersuchen, in welchem bie Entschäbigungspflicht bes Staates cmsgedehnt wirb aus Viehverluste, welck>e burch Maul- und Klauenseuche und deren Folgen hergeftihtt werden. — Zum Haushalt für das auswärtige Amt beantragen bie Sozialdemokraten und die fort- 'chrittliche Volks Part ei den Reichskanzler zu ersuchen, mrch Anknüpfung von Verhandlungen mit England dre A r m ee - und Marinerüstungen zu beschränken.
Der Bittschriften-Ausschuß bes Reichstags hat eine Bittschrift bett. Festlegung bes Osterfestes bem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen und folgende Entschließung angenommen, den Reichskanzler zu ersuchen, durch geeignete Maßnahmen dahin zu wirken, daß entsprechend den Beschlusien des Handwerker- und Gewerbetages und bes deutschen Haiidelstags bie großen zeitlichen Schwankungen des Ostersestes beseitigt und bad Osterfest aut einen bestimmten Sonntag sestgelegt werde.
wart der Prmzessiu Latikia, deS Herzogs von Genua und des Finanzministers Facta als Vertreters der Regierung imb der Vertreter Roms und Florenz eine Gedächtnisfeier abgehalten wurde. Sodann vereinigte ein großes Bankett auf dem Gelände der Ausstellung 1911 die Bürgermeister und die Spitzen der Behörben. c
AM in Mailand, Bologna, Genua und m trnderen Städten wurde der Tag festlich begangen.
Staatssekretär Grey Lbe^die Schieüzgerichtzsrage.
In London fand am Freitag abend daS JaHresbankett der Internationalen Schiedsgerichtsliga statt. Sir Edward Grey führte aus: Ich bemerke, daß einige Worte, welche ich neulich geäußert habe, so ausgclegt wurden, als ob ich behauptet hätte, daß ein allgemeiner SchiedSgerichtsver- tr ag zwischen zwei großen Nationenglei chbc de u- tenb mit einem Desensivbündnis sei. Wenn em allgemeiner Schiedsgerichtsverttag zwischen zwei großen Nationen abgeschloffen und feste Wurzeln in bem Empfinden der Bevölkerung beider Lander schlagen würde, dann aber eines von beiden im Lause der Zeit infolge eines Stteites mit einer dritten Macht angegriffen werden sollte, in welchem Stteit dieser dritten Macht eine schiedsgerichtliche Entscheidung vorgeschlagen und von ihr abgelehnt worden wäre, so wurde meiner Ansicht naa) sicherlich eine starke Sympathie zwischen ben beiden Mächten bestehen, die den Schiedsgerichtsverttag miteinander abgeschlossen haben. Aber das ist eine Angelegenheit, die von der ösfentlichen Meinung ab hängt. Die Bedingung oder Bestimmung eines Descnfwbüno- nisses aber in den Schiedsgerichtsvertrag einstigen, hieße seine Aussichten hier und anderswo verschlechtern uno könne sogar andere Länder zu der Annahme verleiten, daß der Vertrag zwischen ben betten Mächten gegen eine ober mehrere der anderen Mächte gerichtet set. Das würde seine mögliche Wirkung^ auf bie Verminderung der allgemeinen Rüstungsausgaben vollständig vernichten.
Wenn der Schiedsgerichtsverttag zwischen zwei großen Landern geschlossen wirb nach ben Grundlinien, wie ihn der Präsident der Vereinigten Staaten als möglich entworfen hat, so lassen Sic ihn von beiden beteiligten Mächten ohne Hintergedanken abschließen, aber lassen Sie die Akächte keine engen Grenzen setzen sür ihre Hoffnung auf die wohltätigen Folgen, die auS bem Vertrage im Laufe der Zeit sich ergeben können. Folgen, bie, wie ich benle, sich weit über bie beiten in Bettacht Eonunenten Länder hinaus ausdehnen müssen. Die Wirkung von dem gesetzten Beispiel auf die ganze Welt würbe unbebtngt wohltätige Folgen haben müssen. Ein gutes Beispiel setzen heißt hoffen, baß andere folgen werden. Wenn andere Mächte folgen, so wirb es schließlich envas wie eine Frietensliga geben. Diese Dinge müssen stcb jedoch den Weg durch ihr eigenes Gewicht bahnen können und nicht erzwungen werden. Man muß den Ansang machen, bevor es irgend einen Fortschritt geben kann. Hat man begonnen, so mutz bas Tempo bes weiteren Fortschritts von ten Umftänben ab- hängen und davon, baß Ebbe und Flut in ten Gefühlen und Steen ber Menschen sich nicht zergliedern lassen und Dinge zu einer Zeit möglich machen, die zu einer anderen unmöglich waren. Ich möchte aber bie Jte-e Tafts nicht beschwören burch zu vieles Grübeln barüber, was alles aus ihr entliefen könnte.


