Ausgabe 
24.8.1911 Erstes Blatt
 
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schiffe und ein französisches auf haitianischen Ge­wässern. Es heißt, daß sämtliche Schiffe dort bleiben werden, Lis die Rückstände der haitianischen Schuld, die sich auf eine Million Dollars in Gold 'belaufen, bezahlt sind.

Arbeiterbewegung.

Ausständige Hafenarbeiter in Frankreich.

Marseille, 23. Ang Infolge der Entlassung eines Dockers der Schiffahrtsgesellschaft Transports Maritimes sind 2 0 0 H a f e n a r b e r t e r in den A u s st a n d getreten.

Die Zig a r r e n a r b e i t e r un d - a rb c i t e r i n n c n Berlins hielten am Mittwoch eine Versammlung ab, um die Unzulänglichkeit der gegenwärti­ge n L ö h n e zu besprechen. Der Verdienst der Großberliner Tabakarbeiter sei sehr zurückgegangen. Es wurde eine Tarifvorlage angenommen, die den Arbeitgebern vorgelegt werden soll. Die Arbeiter hoffen, auf friedlichem Verhand­lungswege weiter zu kommen.

Die Lohnbewegung der El ektromon teure in Berlin führte am Mittwoch zu Arbeitseinstellungen bei verschiedenen Firmen Großberlins. Vorläufig dürften jedoch, derB. ß. am Mittag" zufolge, nicht mehr als 500 Arbeiter in Betracht kommen.

Der Ausstand in der Nürnberger Blech spielwarenindustric ist durch beiderseitiges Ent­gegenkommen beigelegt. Die Arbeit wird am Montag wieder ausgenommen. Falls bis zum 23. Au au st kein Nachgeben seitens der Metallarbeiter erfolgte, sollte nach einem Beschluß des Ausschusses des Kartells der sächsi­schen Bezirksverbände des Gesamtverban­des Deutscher Metallindustrieller am 23. Aug. die Aussperrung von GO Prozent der gesamten Belegschaft vorgenommen werden. Ties ist zur Gewißheit geworden, nachdem die Metallarbeiterschast Leipzigs bis Mittwoch keinerlei Schritte getan hat, von dem bisher eingenommenen Standpunkt abzugehen. Der Streit in der sächsischen Me­tallindustrie hat eine Verschärfung erfahren. Die Lage i n der deutschen M e t a l l i n d u st r i e muß als ernst bezeichnet werden.

.-uv Verfügung stellen, crsuchm wir, sich unserer Wctzr ack- Mit­glieder anzuschließen, um ihre Kenntnisse zu Nutz und Frommen in die Tat umzusetzcn.

A d. Bourgeois, Schriftführer der G. F. ö-.

Wir freuen uns, daß hier anerkannt wird, jede sach­liche Aussprache diene der Aufklärung und Abstellung von Mißständen. Selbstverständlich haben unsere bisherigen Ausführungen einzig und allein diesen Zweck verfolgen wollen. Wir wissen es, wie opferfreudig und unverdrossen unsere Wehrleute bei Bränden bisher ihre Schuldigkeit getan haben und wollen dazu beitragen, daß ihnen diese wackere Gesinnung auch künftig trotz mancher zutage ge­tretenen Uebelständc nicht verloren gehe. Darum ist es erforderlich, daß die vielfach in der Stadt verbreitete Miß­stimmung über das System unserer Feuerlöscheinrichtung ourch eine öffentliche Besprechung beseitigt wird. Wer bei neuen Verbesserungsvorschlägen das erste Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, ist uns dabei gleichgültig; Die Hauptsache ist, daß alles Zweckdienliche endlich verwirk­licht wird. Vdr allem möchten wir den von den verschie­densten Seiten geäußerten Wunsch nochmals hervorheben, daß mehr eingesessene Gießener der Wehr bci- tretcn. Wer Lust und Befähigung für das schöne Werk der Menschenliebe hat, melde sich zum Eintritt! Wir sind der Uebcrzeugung, daß die. geplante Reform nunmehr rasch und zweckdienlich durchgesührt werde unter Benutzung aller Erfahrungen, die bei den letzten Bränden gewonnen wor­den sind. ,

Die zeuerlöscheinrichtungen der Stadt Gießen.

Vom Vorstände.der Gießener freiwilligen Feuerwehr erhallen wir zu den bisherigen Veröffentlichungen eine Zuschrift, deren Sachlichkeit sehr anerkennenswert ijt; sie lautet:

Infolge der .Kritiken über den Brand der Hofraite des Oeko- nomen Sievers sicht sich der Vorstand der G. F. F. gezwungen, hierzu auch vsfcntlich Stellung zu nehmen.

Daß manches noch vcrbcsicrungsbedürftia ist, geben wir un­umwunden zu, in erster Linie die Art der Alarmierung.

Schon vor zehn Jahren hat der Vorstand von der Stadt­verwaltung in einer schriftlichen Eingabe gefordert, daß zirka 25 Feuerwehrleute an einer elektrischen Klingelleitun.g angefchlossen würden, um in kurzer Zeit die erste Hilfe zu leisten. Die Sache scheiterte damals daran, daß zu wenig '-Bürger und Bürgersöhne, denen es eigentlich zuerst zukäme, sich gegenseitig beizustehen, der Freiw. Feuerwehr angehören. Mit anderen Worten, cs mangelt an Leuten, die mehr an einen ständigen Wohnplatz gebunden sind.

Zurzeit beginnt die Alarmierung immer noch mit dem An­schlägen der Sturmglocke des Stadtkirchturms und der Wächter ist angewiesen, nicht eher zu beginnen, als bis er Flammen sieht.

Unseres Erachtens wäre die Anwendung einer Tampfsirene, vielleicht vom Elektrizitätswerke ans, durchgreifender.

Wenn man nun bedenkt, daß die Wehrlcnte auch erst die Unisorm anzieben müssen, einerlei, ob sie schon int Schlafe ober sich von ihrer Wohnung entfernt befinden, alsdann an das Geräte- Hans eilen und von da mit den Löschgeräten auch noch einen Weg wie diesesmal von ca. 8 Minuten zurückzulegen haben, so ver­geht eine Viertelstunde, welche denjenigen, die sich in der Nähe befinden oder aus den Wirtschaften direkt dahineilen, doppelt lang erscheint.

Die Alarmierung begann vom Stadtkirchturm um 11 Uhr Und um 11,17 Uhr waren vier Strahlrohre im Betrieb.

Wenn die Hunderte von müßigen Zuschauern, Mälinlein wie Weiblein, die angrenzende Straße wie eine Mauer besetzt halten, so wird der nurüdenben Wehr das Aufsuchen der Hydranten da­durch nur erschwert.

Ein Freilassen der angrenzenden Straßen ist die erste For­derung der Feuerwehr, sonst ist ein übersichtliches und schnelles Eingreifen uinmoglich gemacht.

Wie schwierig das Zurnctdrängen der Menschenmassen Sonn­tag nacht war, davon weiß die Schutzmannschaft mehr zu erzählen.

Tas Ablöschen des Brandes wird von so vielen 'Augenzeugen geschildert und kritisiert, denen jede fenerwehrtechnische Meinung abzusprechen ist.

Die erste Fracke bei der Feuerwehr heißt: Sind Menschen­leben in Gefahr. Wenn nicht, so ist die nächste Aufgabe die, an- grenzende Nachbarhäuser zu schützen. Die brennenden Gebäude, wenn es keine Wohnhäuser sind, kommen erst in zweiter Linie. Ob diese mehr ober iveniger zusammenbrennen, kommt nicht in Frage, denn was das Feuer nicht ruiniert, geht durch das Wasser doch zu Grunde.

Aus diesen Gesichtspunkten geht auch hervor, daß die große Leiter erst später Wasser bekam, da die beiden Schlauchlinien nach bem gefährdeten Hanse von Keßler gelegt werden mußten.

Auch eine Beruföfenerivehr hätte nicht anders handeln dürfen.

Daß die Scitweine zu Grunde gingen lag an der Bauart des Stalles, da sich der Eingang zu den Ställen innerhalb des brennenden Gebäudes befand, und die Türen nicht nach dem Hofe zu gelegen waren. Tie Kühe wurden durch die Feuerwehr unter tatkräftiger Mitwirkung einiger Soldaten und eines Knechtes auS dem brennenden Stalle gerettet.

Taß Mißgriffe einzelner Vorkommen ist zu bedauern, ist aber bei den aufregenden Szenen eines so großen Braitdes begreif­lich, wenn man in Erwägung zieht, daß der Brand an einem Sonntag abend, wo ja allgemein etwas mehr Alkohol genossen wird, und der Brandherd an einer Straße gelegen war, die alle Kirmeögäste von Wicseck her passieren mußten. Wir wollen nicht verhehlen, daß auch einige unserer Wehrleute Kirmcsgästc waren. Tic mit einem Wasserstrahl Bedachten sollen sich aber auch nicht in Sachen mischen und kommandieren wollen, was sie nichts angeht.

Wenn gegenseitig erhitzte Gemüter aneinander geraten, wer­den solä>e Fälle auch in späteren Zeiten Vorkommen.

Wir Feuerwehrleute waren alle mehr oder weniger durckntäßt, von dem Qualm den wir dabei schlucken mußten, gar nicht zu reden. Tie wenigsten haben gesehen, was unsere Stcigermann- schaft in dem verqualmten Gebäude beim Absuchen der Schlaf­stellen auszuhalten hatte, als es hieß, eS würde noch ein Knecht vermißt, und daraufhin auch wirklich noch ein fest schlafender Knecht aus dem brennenden Gebäude befördert wurde.

Tie Einwohner der Stadt Gießen brauchen mit der Tätig­keit ihrer Freiwilligen Feuerwehr nicht so unzufrieden zu sein, ist doch Gießen die einzige hessische Stadt, wo die 23ränbe in den letzten 40 Iak-ren, io lange sich Schreiber dieses erinnern kann, stets durch die Tienstsreudigkeit ihrer Feuerwehr auf ihren Herd beschränkt wurden, und Menschenleben nicht zu beklagen waren

Eine jede saMiche Aussprache, dient zur Aufklärung und Abstellung von Mißifanden, nur muß die Angelegenheit in einem Tone gehalten werden, durch welchen den freiwilligen Feuerwehr­leuten, welche Zeit, Oleld, Gesundheit und Leben für das Gern unwohl aufs Spiel setzen, ihre gewiß nicht leichte Aufgabe auch noch verleidet wird.

Tie Verfasser der verschiedenen Artikel, welche die rbesse- rungen der Löscheinrichtungen in so reichem Maße der Zeitung

Aus Stafct und Land.

Gießen, 24. August 1911.

Z u RegierungS bau meistern wurden ernannt die Negiernngsbauführer Ernst Ackermann anS Berga a. d. Elster, Berthold Anton auS Darmstadt, Jos. Bordells aus Mainz, Karl Dürr aus Bockenheim, Jos. Gerlach aus Heldenbergen, Karl Lerch und Ernst Lincke aus Darmstadt, Aug. Metzger auS Langen und Adolf Stoll an6 Gettenau.

" Erledigt ist eine mit einem kathol. Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu MoSbach, mit der OrganisiendienÜ verbunden ist. DaS Präsentationsrecht steht dem kath. Pfarrer und dem Gemeindevorstand daselbst zu.

* * Von der Gendarmerie. Dem Vernehmen nach wird der Kommandeur de8 Hessischen Gendarmeriekorps Freth. v. Normann ivegen geschwächter Gesundheit von seiner Stellung ziirücktreten. AIS sein Nachfolger ist Oberstleiitnant Schmidt auScrsehen.

* * Hofspediteure. Die Herren Adolph und Wilh. Lyncker, Inhaber der Firma Adolph Lyncker, bahnamlt. Nollstihrunternehmer hier, wurden vom Groß Herzog zu Hofspcditeuren ernannt. Die Ernennling erfolgte auS Anlaß der jetzt 40jähngen Jnhaberschaft der Familie Lyncker in dem Geschäft.

* Die neue Kinderklinik, die hier errichtet werden soll, wird von der Großhcrzogl. Zentrale für Säuglings» und Mutterschutz errichtet. Der Staat hat für den Neubau den Baiiplatz ziir Verfügung gestellt.

* * Die Gießener Kleinkinder sch ule begeht in diesem Jahre das Fest ihres 75 jährigen Bestehens. Die für unsere Bevölkerung segensreiche Einrichtung wurde auf Betreiben des verstorbenen Kirchenrats Dr. Engel seinerzeit von der Loge Ludwig zur Treue begründet, dessen Mitglied und späterer Meister vom Stuhl jener war. Tic Loge spendet alljährlich noch zu Weihnachten zur Erinnerung an Dr. Engel, der einer der populärsten Geistlichen war, die Gießen je besessen hat, eine Gabe an den Kindergarten.

* * Geräuschloses Pflaster. Vor der Stadtknaben- schiile ist gestern begonnen worden die Nord-Anlage für geräuschloses Pflaster oorzubereiten, das in SFuiupf- aspha lt von der Firma I. S. Kahlbetzer, Frankfurt a. M.- Köln hergestellt wird. Die Unterbettilng führt die Stadt in eigener Regie aus.

* * Wieder ein unschöner Fleck beseitigt. Der tiefe Graben, der gegenüber dem Schlachthof die Nodheiiuer Straße entlang hinzog und die gerade nicht wohlriechenden Abwässer der Schützenstraße zur Lohbach abführen sollte, ist durch die durchgeführte Kanalisation jener Gegend überflüssig geworden. Man ist jetzt dabei, diesen unschönen Fleck durch Zuwerfen zu beseitigen und auf bem so gewonnenen Gelände- streifen den Bürgersteig anzulegen.

Blühende Kastanienbäume befinden sich zurzeit in der Universitäts-Reitbahn am Brandplatz.

* * Vom Kinematog raph wird uns geschrieben: Das neueste Meisterwerk kinernatographischcr Darstcllungskunsl, betitelt Wbgrünbc II. Serie", also ein Gegenstück zu dem bereits früher in Gießen gezeigten ersten Teil, hatte sich gestern abend eines guten Besuches zu erfreuen. Der Kinematograpl) kennt kein Hinder­nis mehr, er bietet jetzt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, er ist als Erhalter wirklicher fünftlid)er Leistungen unentbehrlich ge­worden. Selbst unsere Schauspicler benutzen eifrig das lebende Bild, um aus dem Spiel berühmter Fachkollegen Anregungen und Belehrung zu schöpfen.Abgründe" zweiter Teil ist ein derartig geschickt aufgcbautes dramatisches Meisterwerk mit seiner Fülle eindringlicher Wahrheiten, daß wir erschüttert die läuternde Kraft dieser kunstvoll dargestellten Realistik empfinden. Tie be teiligten Künstler, sämtlich Mitglieder einer bedeutenden Kopen­hagener Bühne, haben die ihnen gestellten mimischen Anforde­rungen mit Meister selbst erfüllt. Tie Kunst, seelische Vorgänge durch die Pantomime wicderzugeben, hat überhaupt durch die Kinematographie erst jene Vervollkommnung erfahren, wie sic auf dcr Normalbühne. noch nicht anzutreffcn war.Abgründe" wird daher in Gießen berechtigtes Aufsehen erregen, zumal auch in technischer Hinsicht etwas Vollkommenes geschaffen wurde.

' Besitzwechsel. Die Firma I. Jttmann hier hat das Fangmannschc Haus, Bahnhofstraße, über­nommen.

** Zur Raupenplage. Die Trockenperiode hat die Vermehrung der schädlichen Raupen sehr begünstigt. In vielen Gemarkungen beherrschen sie sämtliche Kohlfelder, so daß die Landwirte diesen Schädlingen ratlos gegenüber» stehen. Erneutes fleißiges Ableseu sowie Verfolgung auf ihrer Wanderung kann Mhilfe schaffen. Zu Tausenden wandern sie nämlich nach ihrer vollständigen Entwicklung den nächststehenden Gebäuden zu, um sich in einem Schlupf- winkel zu verpuppen.

Landkreis Gicsten.

Reiskirchen, 23. Aug. Unser Wasserwerk und die Kanalisation sind fett voriger Woche vollendet und nunmehr in Betrieb gesetzt. Die Arbeiten begannen Mitte Mai. Ter Kostenpunkt beträgt 95000 Mark. Bei dem Bau gab es keine Störung im Verkehr, auch keine Stö­rung an den landwirtschaftlichen Arbeiten. Die Bauleitung, die Kreistechniker Müller führte, arbeitete sehr zur Zu­friedenheit der Bewohner. Trotz dcr Trockenheit liefern ldie Quellen täglich 200 Kubikmeter Wasser, während Rets-

.irchcu nur 60Kubikmeter benötigt. T.e Kanalisation hat sich bei den Gewittern vor etwa 4 Wochen gut bewährt. Sämtliche Häuser sind auf Kosten der Gemeinde ange- chlossen. Tie Arbeiten der Was erleitung und der Kanali« ation wurden von dcr Firma Breuer-Höchst a. M. ausge- ührt, Maschiuenhaus und Hochbehälter hat die Firma Schäfer und Lindenstruth-Gießcn erbaut. Aus Anlaß dcr Eröffnung fand eine kleine Feier statt, an der Regierungs- baumcistcr Knöll-Gießcn, KreiStechniler Müller-Gießen und der Ortsvorstand teilnahmen.

A Ettingshausen, 23. Aug. DaS Fe l d b er ein ig« ungSoerfahren ist seit vorigem Jahre im Gange. Gestern ivlirdcn luicoer für ctwa 12 000 Mk. Drainierungsarbeiten vergeben, und zivav fast sämtlich au hiesige Arbeiter, so daß daS meiste Gelb im Dorf bleibt. Bei diesen Arbeiten handelt eS sich um die Entivässerllng deS Feldes der Gcinarkung Harbach. Dcr durch lmsere Gemarkung fließende Esch erS- bach ist unterhalb des Dorfes reguliert und gerade gelegt ivorben. Leider mußten dabei die alten Weidenbüsche und Bäume fallen: dcr neue Wasserlauf ist bäum- und strauchloS. Um dcr Fulternot etwas 311 steuern, ließ die Forstbehörde heilte die Einwohner in den Wald bestellen. An die zahl» reich erschienenen Leute wurden die Grasplätze zuni Abmähen verteilt, und bald sah man die Leute mit Wagen und Karren das ßhci§ nach Hause bringen.

O p v c n r 0 d , 23. Aug. Gestern begann dieErrichkung unserer Wasserleitung unter Leitung dcr Kulturinspektion! Gießen. Tic Quellen liegen oberhalb des Dorfes, das Maschinen- haus kommt dabei, der Hochbehälter auf dm gegenüberliegenden Berg zu sichen. Tic Leitung baut die Firma Oltsch-Zweibrücken .und das Maschinenbaus Bauunternehmer Schcpp-Burkhardsfelden, Kreis Alsselv.

A Nieder - Ohmen , 23. Aug. Wie häufig die Funken aus der Lokomotive die gänzlich ausgedörrten Böschungen des Bahndamms in Brand setzen, zeigen die ungcmciii zahlreichen Brandstellen am Bahndamm zwischen hier und Alsfeld, lieber dreißig solcher abgebrannten Plätze werden auf dieser Strecke bemerkbar. Manchmal sind auch die den Damm abschließenden Fichtenhecken an- gebraunt, einmal hat sich die Brandstelle sogar in unmittel­barer Nähe einer Waldecke befunden. Getreide kann jetzt nicht niehr durch Lokomotivfunken angczündet werden, da die Felder vollständig geräumt sind.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 23. Aug. Unter einem Transport von 58 Schlachtschweinen, der gestern abend auS Nord« deutschland auf bem hiesigen Bahnhof eintraf und für die Wurslsabrik von Duchardt bestimmt mar, wurde die M aul- 11 nt) Klauenseuche festgestellt. Ein Tier war bereits auf dem Transport au der Seiiche eingegangcn. Da die Schweine schon nach dein Schlachthof verbracht waren, mußte der ganze Betrieb desinfiziert werden. Die Bahnhofstraße wurde für den Verkehr von Klauenvieh gesperrt und die übrigen Vor- fichlömaßregelu gegen Wciterverbreitirng der Seuche getroffen. Die Schweine sollen 011S einem verseuchten Gebiet stammen.

Kreis Schotten.

--- Lau bach, 23. Aug. Ein stattlicher Neullaü erhebt sich eben im Garten des Gräflichen Johann- Friedrichs-Stifts, dicht am alten Haus. Er soll jclbstzahlenden Alten, Einsamen, Pflegebedürftigen ein freundliches und doch nicht teures Heim bieten. Der eine Stock ist für männliche, der andere für weibliche Bewohiic^ beftimmt. Die Eröffnung soll noch in diesem Herbst statt­finden. Der Bau selbst wird aus eigenen Mitteln des Stifts' errichtet, für die innere Einrichtung hofft man auf die Hilfe von Wohltätern. Die leitende Schwester Magdalene Ger­mann ist gern fiu jeder Auskunft bereit, nimmt auch mit Dank jede Gabe entgegen, ebenso Pfarrer Nelwl.

Kreis Friedberg.

L. Bad-Nauheim, 23. Ang. Die Erweite­rn n g s a r b e i t e n int Stadthause sind nun int Innern beendet, der äußere Anstrich wird in der nächsten Zeit er­folgen. In dem Stadthause bleibt Bürgermeisterei, Orts- gendjt, Standesamt usw. während in das Erdgeschoß neu die Stadtkasse kommt. Sie war seither im einige hundert- Fahre alten Rathause untergebracht. In das Rathaus wird die Gewerbeschule ein^iehen.

x Bad-Nauheim, 23. Aug. Der Lndwigstagj wird hier am Freitag von der Kurverwaltung wieder in der seit vielen Jahren üblichen Weise festlich begangen. Nach­mittags finoet Festkonzert aus der Terrasse statt. Abcitds wird bei einigermaßen günstiger Witterung eine Illumina­tion der Terrasse und des Kurhauses und im Konzerthaus ein Ball mit Blumenwalzer veranstaltet.

Dorheim, 23. Aug. Mit Bezug auf die in Nr. 191 b. Bl. enthaltenen Mittciliutgeit über bic Person des Burgett ineisters Schudt teilt uns dieser mit, daß die Eingaben un­richtig seien.

Starkenburg und Nhcinhefsen.

M. Offenbach, 24, Aug. (Prio.-Tel.) DaS drei Jahre alte Söhncheu des Fabrikanten Welpert stürzte gestern nachmittag vom Balkon des Hauses Bettinastraße 46, 2. Stock, und erlitt einen Schädelbruch. Herite morgen ist daS Kind gestorben.

w. Schornsheim, 23. Aug. 60 Personen, die an einer goldenen Hochzeit teilgenommen hatten, erkrankten unter heftigen Schmerzen. Ein Arzt stellte VergiftungS- erscheinungen fest, die auf den Genuß einer Speise zurück- zliführcn waren. Es imirbcn sofort Gegenmittel angewendet.- Die Erkrankten sind außer Gefahr.

Neu-Isenburg, 23. Aug. Der Arbeiter Gustav' Heil­bronn, der in der Nacht zum 18. Juli seine Frau bei Sprend­lingen angeblich aus Versehen erstochen hat, hat gestern ein Ge­st ä n d n i s abgelegt, in bem er zugibt, seine Frau im Zorn deshalb erstochen zu .haben, weil sie ihm nicht ausreichend zu Willen gewesen sei.

ch. Bingen, 23. Aug. Heute fand hier eine Milchhandler- versammluitg statt, in der der Preis für den Liter Milch auf 2 4 Pfennig festgesetzt wurde. Die Erhöhmtg tritt am 1. Sep^ fernher in Kraft. Die Erhöhung wurde mit dem Futtermangel und der Milchpreiscrhöhung durch die Produzenten begründet.

Hessen-Nassau.

* Naunheim, 23. Aug. In unserer Gemeinde ist die Maul- und Klauenseuche eingezogen und be­herrscht bereits neun Gehöfte. Nach Meinung unserer Landwirte steht das Auftreten der Seuche mit ihrem s2luf* treten in der nahen Stadt Wetzlar int Zusammenhang, sic wurde gewiß durch Handelsleute zugetragen.

= Wilsbach, 23. Aug. Wilsbach ist in feiner Be­wohner- und Häuf erzähl immer mehr zurückgegangen, da die Industrie fehlt und wir von jeglichem Verkehr ab­geschlossen sind. Der beschlossene Schulhausncubau ist abermals zurückgestellt worden, obgleich Pfarrerwohnung und Schulsaal unter einem Dache vereinigt find. In