Nr. 225
In •le^tner Sejtlpi erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentiici» GktzenerFamllknhläNcr irotinml ivöchenil.Xreir- blal,1är6tnKr<iseit(|tn (Tienstag unLJrritag», zweimal monmL Land wirtschaftliche Leitfrage i ^ernsorech - Anschliifse. (fix b(e Redaktion 112, Verlag u. ttjpebitujn 51 iUdresse (Ci Depeschen:
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Erstes Blatt 161. Jahrgang Freitag, 22. September 19tf
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w.™ politisch«TÄ: August
General-Anzeiger für Gberyejsen gäs
Hotafionsbrud und Verlag öer vrühl'schen Untv.-Vuch. unö Steinörucferet R. Lange Revattlon. Lrpebiliön und vratfere«: SAiilffrafie 7. den
_____ Bübingen: Fernsprecher Nr. 50 Leschäftrftelle Bahndofsirahe |6a. Anteig'enieii: *o. veck.
Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
Der Ausruhr in Spanien.
Die Zeit, in der nach Spanien bie Schatze der ganzen Erde flössen, ist mit der Verkleinerung des spanischen Kolonialreiches dahin. Auch die Nachkommen der Konqui- stadoren sind in der heutigen Zeit geztvungen, zu arbeiten; die spanische Negierung hatte daher das Volk zur Arbeit erziehen und ihm Arbeitsgelegenheit schaffen sollen, wollte sie es verhüten, das; das beschäftigungslose Polt, alles Hell von dem Umsturz des Königtums erwartend, sich gegen sie erhob. Freilich sind Versuche genug gemacht worden, auch in Spanien die Grundlagen für ein wirkliches Erwerbsleben zu schaffen; nur fing man eben die Lache von der falschen Selle an. Tenn auf keinen Fall durfte man eö zulasfen, daß die überaus zahlreichen Mlöftcr zu Fabrikbetrieben wurden, die mit Hilfe der ihnen für einen „Gotteslohn" zur Verfügung stehenden büligeu Arbeit«? fräftc auf vielen Gebieten eine industrielle Konkurrenz nicht aufkommen ließen. Allerdings schützen die Klöster die zahllosen Arbeitslosen und Müßiggänger auü freiem Willen vor dem Hungerwde. Seitdem sie aber im vorigen Fahr zum größten Teil ausgehoben worden sind, sind aus den Leuten, die bis dahin im Kloster arbeiteten oder in der Älofterfüche aßen, revolutionäre Elemente geworden.
Wie mit Ausnahme von Katalonien (Barcelona), wo sich feit einigen Jahrzehnten ein wirkliches Handels und 3nbuftnelcben entfaltet hat, in Spanien von Handel und Industrie nicht viel die Rede feilt kann, fo steht es auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft. Auch hier trifft die Negierung ein großer Teil der Schuld. Denn unter der Konkurrenz des ausländischen Getreides, die die Regierung duldete, mußten die Getreide bauenden inneren Provinzen Spaniens verarmen. Weite Landftreäen find infolgcbcijen brachgelegt worben, und von unter den Pflug nehmen weiteren Gebietes tann heute nicht die Rede fein. Kein Wunber also, wenn der' Mangel an ErwcrbSauellen die Spanier zur Auswanderung treibt, trotzdem die Bevölkerung Spaniens fo dünn gesät ist, daß durchschnittlich nur 40 Personen aus einen Quadratkilometer entfallen. Und von diesen kehren in letzter Zeit noch alljährlich etwa 100000 dem Vaterlande den Rücken, und das sind, wie auch in anderen Ländern, gerade die arbeitfamften und arbeitsfähigsten Elemente!
Weben diesen wirtschaftlichen Gründen spielen bei dem jetzigen Aufruhr in Spanien noch zwei politische Momente eine große Rolle. Katalonien, und namentlich Bareelona, ist zwar eigentlich nie ruhig gewesen, einmal, weil diese Provinz separatistische Gelüste hegt, und dann auch, weil die spanische Regierung es bisher für unnötig hielt, die X!agc der dortigen zahlreichen Fabrikarbeiter durch eine entsprechende Sozialgesetzgebung zu bessern und zu er leichtern. Sie öffnete damit dort einem Anarchismus Tor und Tür, der allzeit bereit ist, zu rebellieren, falls sich dafür ein günstiger Augenblicl findet. Und dieser schien jetzt gegeben. Tenn der Umsturz der Monarchie in Portugal und bie jetzige Anerkennung der Republik durch die Mächte ließen in dein so wie fo recht demokratisch gesinnten spanischen Volke die Begeisterung für diese Liuatsforin in hellen Flammen empvrlodern. Zweitens aber findet das Vorgehen der Regierung tu Marokko keineswegs die Billigung des ganzen spanischen Volkes Zogen boen, als der Ministerpräsident CanalejaS die Cortes im Iunt dieses
Jahres aufgelöst hatte, bie rcpubliianiicbcn .u geordneten von Provinz zu Provinz, um in jeder Stabt Brandreden gegen bas marokkanische Abenteuer zu halten, llnb mit Recht. Tenn das finanziell zerrüttete Spanien ist weder in der Lage, die Kosten der Besetzung eines weiteren Siuckee in Marokko auf sich zu nehmen, noch fein Marollogebiet erfolgreich gegen oav l;abiua)tige Frankreich zu verteidigen. Es droht daher dem fpanischen Volte nicht nur eine weitere Steigerung der schon setzt uncrb^r.eit Steuerlasten, sondern auch, wie die im Verlauf der Marotkoafsäre schon mehrfach zutage getretenen Differenzen mit Frankreich beweisen, wahrscheinlich in abiehbarcr Zeit eine lnegerische Auseinandersetzung nut der b.nachoarien romani chen Schwesternation, was wiederum eine Erhöhung der Steuern bedingt, will man Frankreich wohlgerusiet gegenübertreten.
Es ist wohl kein Zufall, daß die revolutionäre Bewegung von Bilbao aus ihren Anfang nahm, wo sich der Sozialist Pablo Iglesias, die eigentliche Seele des Aufstandes, und sein republikanischer Freund Seriano lange genug aufhielten, um von diesem sehr geeigneten Punkte aus das revolutionäre Feuer anzuschüren und den allgemeinen Ausstand nach einem wohlerwogenen Plane vor- §ubcreitcn. Heute soll dieser nun beginnen und den bisherigen ganz unerhörten Unruhen bie Krone aufsetzen Tie yiegierung hat bcmgcgcnübcr bie Grundlagen der Verfassung für ganz Spanien aufgehoben, also über Spanien den Kriegszustand verhängt, unter dem z. B. bie Versammlungsfreiheit beseitigt ist und revolutionäre Straftaten nicht von ordentlichen Gerichten, sondern von mllitäriscyen Standgerichten in sunimarstchem Verfahren abgeurteiu werden.
Cb unter dieser Trobnng der allaemcine Ausstand wirklich ausdrich:, will uns, insbesondere bezüglich Madrids, wo sehr energische militärische Vortehrungen getroffen sind, fraglich erscheinen. Tenn die letzten Nachrichten aus den Provinzstädten lauten heute schon etwas günstiger, als noch vor wenigen Tagen. Zwar beiinbet sich noch Bilbao, Barcelona, Saragossa, Sevilla, Valenera usw. in Hellem Aufruhr, so baß der König die geplante Reise nach San Sebastian auf geb en mußte, aber bie Unruhen haben wenigstens keine weitere Ausbehuung erfahren. In der Hauptsache wohl deshalb, well man im ganzen X'anbc politisch verdächtige Personen verhaftete und durch militärische Maß nahmen für Aufrechterhaltung der Crbnung in den vom Aufstand noch nicht infizierten Städten sorgte
Sollte aber trotzdem heute der allgemeine Ausstand in ganz Spanien aus brech en und es dabei zu revolutionären Ausschreitungen kommen, so wird die Regierung - daran ist wohl laum zu zweifeln — mit Hilfe der anscheinend durchaus zuverlässigen Armee seiner Herr werden, zumal General Lveyler feiner ganzen Vergangenheit nach als ein Mann von größter Energie bekannt ist, der keinerlei Schonung kennt. Aber mit der Niederwerfung des fetzigen Aufstandes wäre für Spanien nicht viel gewonnen, wenn die Regierung aus ihm nicht bie Lehre, zieht, daß es fo liste bisher in Spanien nicht fortgehen tann, foll nicht schließlich doch König Alfons das Schicksal Muiiig Manuels von Portugal teilen. Nur auf dem Wege eingreifender Reformen auf allen Gebieten ist es möglich, Spanien die dauernde Ruhe zu sichern und den Bestand der Dynastie zu festigen.
Madrid, 21. Sept. Zn dem Volkshause wurde gestern nachmittag eine Haussuchung Dorgenommcn. Zwifäsen mehreren Gruppen, die sich vor dem Gebäude angefammett hatten, und Polizeibcamten tarn es zu leich
ten Zusammenstößen. Ter sozialistische Stadt rat Q n e i» d o wurde verhaftet.
M a b r ib, 21. Sept. Eine Wiederauf nahmeber Arbeit macht sich in bet Provinz bemerkbar, jedoch bauert bie Agitation in den Provinzen Gijon und Valencia fori. 3n Zauva warfen die Auflandigen mit Sternen nach den Truppen, die darauf Schüsse abfeuerten. Eine Zivilperson wurde getötet, vier verwundet.
Um marofto.
Ti.' „Verständigung r. . » ..gum aber sicher näher Daran ändern auch die beiderseitigen *uij^sntcruitgen nichts mehr.
Ter Stand btt deutschen Banken.
Tic „Nordd. Altgem. Ztg betont gegenüber den in letzter Zeit im Auslände Dcruicitdcn Nurnrichlen über bic finanziellen Verhältnisse und den Stand der Banken in Deutschland, daß diese burcuiv/g i dcr B gründung entbehren und zumeist auf direktes ll edel wollen gegen Teutschland zurüuzufuhren sind Sie führt u. a. aus.
Die jiuanziclle Lage Teutlchlands erwies ihre Widcrstauos- fraft in der leytcn Zeit zur Genüge bann, daß die hierher ge- ocbencii ausländischen Guthaben, die ausang 1911 aus saß 600 Mukionen geschützt würben, bii auf eütnt geringen Bestand zurückgczahlt wurden, ohne bah der hiesige Geldmarkt irgendwetä.e Erianrttcrung erlitten Hot. Im übrigen banbcUe es sich dabei — wiederum im Gegensav zu den Ine ruber verbreiteten Meldungen — kemesivegs um Künotgungen des Auslands, sondern lediglich um ohnehin faltige Verbindlichkeiten. Es ist damit zu rechnen, daß der diesmalige C u a r t o 161 er m i n sich für uns vielleicht ich>p,criger gestaltet als sonst aber Befora- uiffe außergewöhnlicher Art brauchen wir nicht zu hegen. E» muß daher nut aller Entschiedenheit gegen bic Nachrichten Front gemacht werden, die den Stempel der Böswilligkeit auf der Stirne tragen und nur dazu benimmt find, gegen untere Finanz- und Wirtschaftslage im Auslande Stimmung zu machen.
Beunruhiguug der Pariser Börse.
In Paris, wo man so oorii.i nver o.utfche Verlegenheit gejubelt hatte, muß man nun zugeben, daß „eine gewisse Geldklemme" gerade auch in Frankreich herrschte. Eine Note des „Mattn" erklärt: Tie im Auslande verbreiteten Behauptungen über eine beunruhigende Lags des Pariser Geldmarktes entsprechen nicht der Wahrheit. Wenn kiirzltch auch eine gewisse Geldklemme herrschte, welche man der durch den Gang der deiltsch-franzöfischen Verhandlungen geschaffenen Ungewißheit zuschreiben muß, so ist es doch ivieder normal geworden. Ter Ministerpräsident und ehemalige Finanzminister Eaillaux und der jetzige Finanzmiiiister Kioy haben sich durch eine rasche Untersuchung davon überzeugt, daß bic Reportsätze für bic nächste Ultimoliquidation niedriger fein werden als bei der uorangegangenen Medioliquidaltou und daß der Pariser Platz nm Ende dieses Monats alle nötigen Kapitalien zu feiner Verfügung haben wird.
Optimismus in Paris.
Paris, 21. Sept. Ägencc Havas.) dlachdem die gestrige Unterredung zwischen dem Botschafter Eainbon und Dem Staatssekretär K i d c r l e n - W ä ch t e r die Neigung Teutschlauos bestätigt hat, den Boden einer end- gülugen Verständigung mit Frankreich über Marokko zu suchen, kann man der Ansicht fein, daß nach Prüfung des deutschen Standpunkte?, dem sich die französische Regierung in diesen Tagen widmen wird, und nach der endgültigen Ausarbeitung au point der vorliegenden Formeln ein Einverständnis wird erzielt werden können.
Vom öigarrenarbeiter jum (öpernbirettor.
Mit erwartungsvoller Spannung buch London bei Er- öffnuna der neuen großen Ham mer stein Lper enlgegcn und inzwischen beschönigt man sich eifrig mit bei Pcrs'önllchkeit dieses uncrnuiblid)en Tbeatern.auncs, bei ein Rieieuunteriiehmen nach dem anderen geschallen bit und jeut sogar nicht davor zurück- schreckt, Riescnsummen riir die Möglichkeit zu opfern, das eng tische Publillim m großem Stile zum Cperngenuß zu erzichen Eine englische Zeitschrill bat be i vielgenannten Tuetior befragt und dabei cnäbrt die Welt, daß L s c a r v a m m e r ft e i n , bei als Vorbild großzügigen ameritamschcii Untcriiebmuugsgeines jo gern genannt wild, kein Amerikaner ist, sondern — was übrigens schon lange bekannt war — ein Deutscher, ein richtiger Ber- liner Junge, der in der Rcichshauptstadt geboren luib er zogen worden ist. Er kann aber and» auf einen romantischen Lebenslauf zurückblicken, denn fein erster Schm: in den Kamp' ums Tasein führte ihn als lü jährigen Iungeii in eine Zigarren- tabrit und als kleiner Zigarrenarbeiter, als Anfänger und Lehr fing, begann er feine Laufbahn.
„Ja," fo erzählte Hammerstein feinem Befuckcr. „mein erstes selbstverdientes Geld erwarb teb m einer Zigarren'abrll. Ich war von zu Hause öurdigcbranni Die Gcfdnmtc in im Grunbc sehr einfach. In Berlin wurde id) geboren und erzogen: als id) aber 15 Jahre alt war, veranlaßicn mich einige itrcnge Map nahmen meiner Eltern, mein, schöne Violine nh 140 Mark zu verkaufen und mit diesem Schatz in der Brustta'd e dem Heim meiner Kindhellsei iiinerungen Lebewohl zu lägen Bis nach Liver Pool schlug ich mich durd', dort ging ich an Bord eines alten «eg l- idiffcs, des „Zfaae Webb", um bic Fahrt nach Amerika nn;a treten. Tret Monate wahrte diese Reise, unb als .ar endlich die amerikanische Küste erreichten, hatte ich glücklich nod) 10 Schilling in dec Tasdie. Gleich am nächsten Morgen machte ich mid» auf bic Suche nach Arbeit, fand eine Gelegenheit, wo Jungen rrenarbeiters erlernen konnten,.wurde auch mit einem Wochenloyu von 10 Mark angcfkllt unb ’äb mim müll bereits auf Dem Wege zu meinem Glück." Tie Tabakinbustrie war es auch, bie Hammerstein die ersten größeren Einnahmen brachte unb ipater die Gelegenheit gab, feinen ^ieblingsplan m verwirklichen: Thmterdirektor zu werben. Als richtigcr^Bcr liner hatte er ein offenes Auge, ein gewi fcS erfinbernd*.•? valent ivar ihm angeboren und halb begann iid) der «inn beS iungeii Zigarrenarbeiters mit dem Plane zu befch^lligen, bie >>anbarbeit dec Zigarreninbustric durch niechaltlfche virbeuslciiningcn zu er fetzen. ,^d) fctzic mich hin und begann, c.nc Maschine zu en: werten, bie imitaiibc fern sollte, Zigarren t mai .ii und die Handarbeit zu ersetzen, llnb id) hatte auch Girat. Beub war der Apparat fertig und ein gefchastsschlauer danken bezahlte mir
20000 Mark mr meine Erfindung; für ihn wurde sic bald eine Goldgrube."
Tifi er erste Erfolg stackrlte den Erfiudcrehrgeiz des jungen Mannes naturgemäß doppelt an; „ich fuhr fori, zu erfinden und es dauerte nicht lange, da hatte ich eine meiner besten Maschinen criunöcn: einen euwarcu zur Emnvvung Der Tabaks- blätter. Das Entrippen war damals eine komplizierte Arbeit, Da bic Meiier an den Rivven immer idm eil abrtumpftcit. Tas Problem nar nicht ;u lö'eu, bis mir ber glückliche Irin fall kam, einen Avoarai zu bauen, der anstelle ber Men er Sagen verwendete. Meine Maschine war imstande, bic Blätter ju cut- rippcn, lie abzuzahlen, in Bruidel von 5<J Blatt zuiammenzubeiien unb auizustoveln Tanin war mein Gluck gemacht, unb Otei: Ernndung brachte nur beinahe eine Million " Ader bieie Erfolge >"u;b nur ein Bruchteil Der Aro.n, di
item anternabm. In der Tat beiiyt er gegen 80 Patente mr die ver'chikdenarttg'tcn Eritnbungen, unb er erzählte fernem Mudtcr aud', daß nod» heute Die Veicha'iigung mu derartigen Problemen »eine bene Erholung iei. Zinrncr in cs dann Die Tabak- mDuitrie. Der er seine Mußeimnoen wrornet, wenn bic Tbeatei sorgen ibn ermüdet traben Als der Beiucher seine Verwunoerung darüber ansivrach, warum Stammet ft ein immer wieder zu i einen gioteu gewagten Theater»pdulaiIonen zurüdiehre, wahrend feine EninDungen ihm Dodi eine io gute Einnaumeauelle boten, baue der alte Lheatermann nur ein fidnelzucken eis Antwon. „Sehen Sie, das Tabakge'chä't ist Proä. Die Leitung einer £pcr Vocue. Ich hatte von Yln'äng an eine Leidenschait mrs Tbcater Kaum hatte id» in Der Tabakbranche Gelt» verdient, io benutzte ich es auch ichou zu TheateruMernehmungen"
SZne Lau'babn als Tllekror tat Hammerstein übrigens auch in Ämtrifo, m Reuvork, wo
Bowcry vachtctc unD hier eine Zntlang DnitfdK Schau-wele aullührte „Toch 0-as ist lange her und geckah m Den Inten, ba tdi ;um ersten Male mu meinen Erllnoungen Geld vcrDünr hakte. „Ja, ich weiß, Theatergnuwungen unb riskant. Unter- nehmu.rgen Vor 16 ober 17 Jahren baute ich am Vroadwao em vaia'iahnlicycs Svernlraus, iro u'. große Etnrn und prächtige Hamits ivielen lallen wollte. Ich gab Riciewummen^auL, aber der Erfolg kam mcht. Tann ließ iü» in Dem saufe Schau'piele am führ en, in Denen Frau Beere als Star caicrai. Aber eie Einnahmen blieben audj nun aus. Ta wandelt: idr Dcä^Ib:a;ei kurzem!chloffen in ein Variete um, und von c.aem Tage an wurde Die Kaffe allabendlich belagert und bestürmt. Die Gc- id,id-te Dio'cs Theaters ist üxrj erzad.t: Erst war es Äeyerbeer
unb ichiicLlich Lagerbier — rmd das machte b:n großen Erfolg."
Fast mu aden berühmten Künstlern feiner 3eü ist vamm.r- ftein im Laufe seiner Zänjfeu als Theateroirekror in Berührung
gekommen, unb er wc»b manch- luingc Geschichte, insbefonderd über Den 'Aberglauben berühmter Ihtmtlcrinnni zu erzählen. „Eine unserer berühmtesten Primadonnen betritt niemals die Bühne, ehe sic nicht Dreimal einen Dolch auf den Boden geworfen bat. Bleibt Die Klinge Dreimal im Holze stecken, fo ist Das ein gutes Vorzeichen, »ie wird sicher gut singen und einen großen Erfolg haben. Fall! Der Dolch aber um, »o ui bic Künstlerin den ganzen Abend unruhig unb kommt aus ihren Aengsten nicht heraus. Eine andere sehr bekannte Sängerin hat bei nur nie Die Diele beirrten, ehe ich ihr nicht em Schuiingstuck gegeben hatte, oas sie währeno ter ganzen Vorstellung trug MerkwürDig »st übrigens die weit- VciLrcitctc abcrgläuuiiu e .\oneigung, die Sangcrmuen gegen Die grüne Farbe haben. Ich kenne eine ganze Reihe hervorragender JtnnftlCiinnen. Die urun wie Gift meiden uno alle Cpern ha'ien, wo grüne Räume und grüne Szenerien Vorkommen "
— Tas Erdbeben auf der Bühne. Aus London wirb berichtet: Tas erste große Ereignis der nun cmfeBenben Londoner Thearerfaifon wird allen Anzeichen nach das Trury-Lane- Tbcatci bringen: die Ausführung eines „Tramas", das den Titel rührt „Tie Hcllinung" und dessen große Szene ira dritten Aki mit weiser Beredmung au’ die künstlerischen BedürfNifse des englischen Ibeaterpubhtums eine große Erdbebenkatastrophe auf bic Bühne Lruigt Ingenieure, Thcatermeister nnö Kulissen- fabritantrn sind oercits siebcrha'': am Werke, um alle Vorbereitungen zu Diesem neuen „Elou ' britischer Theaterkunst zu tre’ien Tic HanDlnng spielt n einer Stabt Siziliens, uuo die Zerstörung Durch das Erdbeben soll mit Dem größten Realismus wicbergcgehen werden. Tie Raturkatastrophe verteilt sich au’ zwei große Szenen, von ocnen^bic erste in Der von Dem Autor zum Untergang verurteilten Stadt m einem Hotelzimnui spielt Man erlebt Die ersten Drohenden Anzeichen der kommenden uatanrovi-e und ocrfprimt di von dieser Spannung außer» orDcnlliche Wirkung auf das Publikum Tann beginnt Die Erce zu beben. Die Wände o?s Zimmers verschieden sich. Die Mauern beginnen zu bröckeln die Tür »paltet sich, unb un letzten Augenblicke gelingt es noch. Die entsetzten Insassen des EemaLes zu reuen In oer folgen
linge im vose venammeli, während dec Zuschauer mit Augen unb Ehren Den Einsturz Des Hames noch miterlcben Darf. Im Hintergrund des BuhnenbüDes iteht man Das Meer, und cos »äaunge Bild wirb gekrönt von den mächtigen Hmn'ien Des Aetna, dessen rcurigem Schlunde weithin Icucbiende Flammen entströmen. „Was ich hiermit versuche", verbeiß: Der Direktor ces Theaters Den Lonooner xunitiieunDc:’. „soll oic größte Meinung Des -c.it; .nrealismus ;üerben. Unb Damit verbinde ich eine szenische X^iebcrgaae Des Derby Rennens, Das Publikum wird die Pferde an Der berühmten Tartenham-Me vorüberschießen sehen..."


