Rechtsanwalts- und Notariats-Bureaubeamten, bete, bereit Verwendung int Staatsdienst, wurden nach dem Aussclmßantrag erledigt, desgleichen einige weitere unwesentliche Vorstellungen.
Eine längere Debatte entspinnt sich über die Vorstellung der fSte u e r a u f s e h e r in Mainz über die (Gebühren der Steuer» aufseher für Schiffsbegleitungen im Neichsdienst. — Ter Ausschuß (Berichterstatter Dr. Osann) beantragt, die Eingabe, soweit sie sich aus die unterschiedlichen Tagegelder zwischen hessischen üind preußischen Beamten bezieht, der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen und eine einheitliche Regelung für alle beteiligten Bundesstaaten durch den Bundesrat zu veranlassen Lind weiter der Eingabe bezüglich der Vergütungen Folge zu geben, bezüglich der Vergütung der Hilfsauf jeher aber nicht.
Mg. Bach (Natlib.) befürwortet den Ausschußantrag; der Dienst der Steuer aufsehe r müßte überhaupt neu geregelt werden, da er nicht mehr im Verhältnis zu den zu leistenden Gebühren bestehe. In Preußen betrugen die Gebühren 6 Mark, in Hessen lnur 3 Mark, und diese Betrüge wurden nicht aus der Landesrasse. sondern aus der Reichslasse bezahlt. Diese Ungerechtigkeit nuine beseitigt werden. Der Redner bespricht ausführlich den dienst dieser Beambcn und legt dar, daß die Tätigkeit der Steuerausseher Int Preußen und Hessen mit verschiedenen Maßstäben gemessen werde. . ,
Auf Vorschlag des Abg. Molthan werden auch die Vorstellungen der Steueraufseher über die Gewährung einer Teuerungs- Fülage Und Erhöhung des Kleidergeldes, sowie über die Verbesserung ihrer Rang-Gehalts- und Aufrückungsverhältnisse mit beraten.
Abg. Molthan betont dann, daß die Ausführungen des Mg. Bach durchaus zutreffend seien; auch er stimme dem Ausschußantrage zu. Die Erhöhung des Kleidergeldes halte er für notwendig und bitte, diesem Ersuchen zuzustimmen. In betreff des Verlangens der letzterwähnten Vorstellung sei er der Meinung, daß keine Gattung der Beamten bei der früheren Gehaltsregelung so schlecht weggekommen sei, wie die Steueraufseher. Der Redner bemerkt, er wisse, daß heute nur Wünsche geäußert werden könnten, aber bei der Neuregelung der Gehälter der Unterbeamten werde er bitten, diese Beamtenkategorie in erster Linie zu berücksichtigen.
Abg. Bach tft gleichfalls der Ueberzeugung, daß bte ©teuer» «ufseher mit ihrem jetzigen Gehalt sich und ihre Familien kaum noch ernähren können. Man müsse die Bedeutung dieser Beamten richtig erkennen und dann werde man zu der Ueberzeugung kommen, daß bei den selbständigen Funktionen dieser Beamten auch die Bezahlung entsprechend sein müsse. Nach seiner Meinung dürsten die Steueraufseher überhaupt nicht zu den Unterbeamten gezahlt werden. Wenn die Ausdehnung nach oben nicht möglich sei, so wirke dies dezimierend auf den ganzen Stand. Zum Schluß IbcmerTt der Redner, daß auch die Kleidergelder dieser Beamten -erhöht werden müßten; es sei doch nicht recht, daß die Kleider dieser Beamten ausschließlich in Darmstadt gemacht werden müßten, es gebe doch auch in Mainz noch Schneider.
Geh. Rat Dr. Becker dankt bem Hause dafür, daß das Haus den Steueraufsehern ein solches Wohlwollen entgegenbringe. Er glaube ja auch, daß die Besoldung dieser Beamten, eine geringe fei, aber es müsse dem doch die Tatsache entgegengestellt werden, daß der Zudrang zu diesen Stellen ein ganz außerordentlicher sei; der letzten Prüftmg hätten sich allein 350 Personen unterzogen. Erfreulich sei, daß diese Beamten so viel idealen Sinn hätten, nach oben aufzurücken, aber hierzu seien doch auch die entsprechenden Kenntnisse erforderlich. Die Höhe des Kleidergeldes von 70 Mark habe bisher vollständig ausgereicht und zwar gerade deshalb, weil die Anfertigung der Leiber gemeinsam in Darmstadt erfolgte. Der Redner erläutert schließlich noch den Standpunkt der Regierung bezüglich der Diäten in Preußen und Hessen.
Mg. Wolf-Stadecken ist der Ansicht, daß der Steueraufseher ebenso bezahlt werden müsse, wie der Gendarm und die änderen Beamten der gleichen Art. Die Besoldung der einen oder der anderen Kategorie könne nicht einseitig erfüllst werden.
Abg. Molthan bemerkt den Regierungsvertretern gegenüber, daß sein Wohlwollen für diese Beamten auch bei der Bo- soldlMgsrevision anhalten werde. Er bleibe dabei, daß bei der letzten Gehaltsregulierung die Steuevaufseher nicht genügend berücksichtigt wurden.
Abg. B a ch begründet nochmals seinen Standpunkt und führt die vielen Meldungen der Militäranwärter zu Steueraufsehern darauf zurück, daß in Hessen so viel Militär liege. Auch er müsse dringend wünschen, daß die Steueraufseher, bei der Gehaltsregulierung in erster Linie berücksichtigt werden.
Nach einer kurzen Entgegnung des Geh. Rats Dr. Becker, werden die Ausschußanträge angenommen.
Weiter stimmt das Haus folgenden Ausschußanträgen zu: Die Bitte der Steueraufseher um1 eine Teuerungszulage für erledigt zu erklären, die Bitte um Erhöhung des Kleidergeldes aber der Regierung als Material für die demnachstige Beamtenbesol- dungsordnung zu überweisen. Ferner: Die Wünsche der Bittsteller auf Gleichstellung mit anderen Beamtenkategorien bei der bevorstehenden Revision in wohlwollende Berücksichtigung zu ziehen und dem Wunsche auf Gewährung von Aufrückungsstellen auch weiter zu willfahren.
Inbetreff des Antrages der Mgg. Dr. Pagenstecher und Dr. Schmitt und Genossen über die Gemeindesteuern der hessischen Beamten der Eisenbahngemeinschaft begründet Abg. Dr. Schmitt die Forderung auf Entschädigung für diese Beamten. Der Ausschußbericht sei ungenügend und er werde nächsten Landtag seinen jetzigen Antrag wiederholen. Der Ausschußantrag wird darauf angenommen.
lieber die Anträge der Abgg. Haas und Genossen, betreffend die Nebenbahn N einh eim — Für t h bis Reichelsheim und die Balm Fürth bis Reichelsheim, hat Mg. Molthan Bericht erstattet.
Mg. Schönberger bespricht in längeren Ausführungen die Anträge und befürwortet dieselben, wobei er besonders die Wünsche der Anwolmer hes GersprenztaleS zur Geltung brachte und er wandte sich besonders gegen den bisherigen ablehnenden Standpunkt der Negierung. Nach seiner Meinung sei der frühere Finanz- minister Gnaulh der größte Gegner dieser Anträge gewesen, der mit den Staatsmitteln Verschwendung getrieben habe, anstatt sie Praktisch zur Erschließung des Verkehrs zu verwenden. Er hoffe, daß das jetzige Ministerium einsehen werde, wie notwendig die hier geforderte iVerl'ehrserwciterung fei. Der beabsichtigte Anschluß von Lindenfels könne mit der Bahn Reichelsheim—Fürth leichter erreicht werden, als mit der Bahnstrecke Bensheim— Lindenfels, und er danke dem! Ausschuß dafür, daß dieser trotz des ablehnenden Standpunktes der Regierung an dem Bahnproejkt festgehalten habe.
Finanzminister Braun wandte sich zunächst gegen die Ausführungen des Vorredners über die Haltung des früheren Fmanz- ministerS Gnckuth und erklärte, daß er den Standpunkt seines früheren Kollegen int Ministerium durchaus geteilt habe. Wenn der Vorredner die Behauptung aufstellte, daß die Aera Gnauth eine Verschlvendung von Staatsmitteln inauguriert habe, so müsse er dagegen Verwahrung einlegen. Das sei eine so ungeheuerliche Behauptung, wie sie in diesem Hause noch nie gefallen sei. Man töimc es wohl doch nicht Verschwendung nennen, wenn der frühere Minister die Zuschüsse zu den Nebenbahnen erhöhte und er erkläre, daß er die Anschauungen seines Vorgängers noch heute vertrete. Vorerst inüsse die Bahn Bensheim—Lindenfels gebaut sein, andernfalls würde der Verkehr im Süden Hessens von Darmstadt' und Worms noch mehr abgeleitet und nach Aiannheim und Baden überhaupt hingelenkt merben. Der Umbau der Bahnlinie Rein- heim—Reichelsheim würde 10 000 Mark jährliche Mehrkosten be» beuten und dazu werde die Regierung ihre Zustimmung nicht geben.
Mg. Molthan findet cs begreiflich, daß Ma. Schönberger so zähe auf seinem Standpunkt beharrt und tritt lebhaft für die Bahnprojekte ein. Die Zweite Kammer habe die Bahn schon zweimal einstimmig gewünscht, aber die Regierung und Erste St'anrmcr hätten ß-desmal abgelehnt. Der Redner spricht sich dann entschieden für die einstimmige Annahme der Anträge aus und legte die Wichtigkeit der Bahn bis Reichelsheim näher bar. Es handele sich hier darum, den Bedürfnissen eines wesentlichen Teiles der Provinz Starkenburg aerecht zu werden und hierfür feien schließlich 10000 Mark jährlich nicht zu viel.. Nach einer
früheren Statistik betrage die Rentabilität 5er verschiedenen befischen Nebenbahnen 1,7 Prozent und er glaube, daß diese Rente in Preußen höher fei.
Abg. Hauck spricht sich ebenfalls im Sinne des Vorredners ür die baldige Ausführung des geforderten Bahnprojekts ans.
Mg. Dr. Heidenreich bedauert die Kritik, die der Abg. Schönberger an bet Tätigkeit des früheren Ministers Gnauth geübt habe, denn dieser habe doch stets das Interesse des Landes im Auge gehabt. Im übrigen tritt der RÄmer für das Projekt Bensheim—Lindensels ein.
Abg. Schönberger verteidigt seine an Finanzminister Gnauth geübte Kritik und erklärt, daß er seine Ausführungen vollkommen aufrecht erhalte.
Finanzrat Dr. Rohde fuhrt aus, baß bet Staat wohl das Recht habe, nach 20 Jahren die Bahn zu übernehmen, aber für die fragliche Linie seien die Kosten zu hoch. Der Staat würde zwar nicht 10 000 Mark, aber doch 7000 Mark Zubuße zu leisten haben. Zur Frage der Erbauung der Bahn Reichelsheim— Fürth führt der Redner aus, baß Preußen die Uebernahme ab- gelehnt habe. Die Linie Reichelsheim—Fürth werde sich bei einer Ausgabe von 1 462 000 Mark nur mit 0,9 Prozent verzinsen. Der Redner bittet, den Ausschußantrag abzulehnen.
Der Ausschußantrag wird hierauf einstimmig angenommen.
Letzter Gegenstand der Beratung ist der Antrag Dr. Ft c na y und Genossen, sowie die Vorstellung des Bauunternehmers I. Struth in Finthern, betreffend die Errichtung eines Gütet- anschlußgleises von Gonsenheim nach Finthen.
Mg. Wolf-Gonsenheim wendet sich gegen den Ausschußantrag, der auf jetzt nicht mehr zutrefsenden Verhältnissen basiere. Die Militärbehörde baue eine entsprechende Bahn und das genüge. Der Redner bittet, den Ausschutzantrag zurückzuoerweisen.
Mg. Molthan führt aus, daß der Ausschuß sehr wohl )ie Bahn bet Militärbehörde in Bettacht gezogen habe. Et bittet, dem Ausschußantrag zuzustimmen und bas Haus beschließt demgemäß.
Die Sitzung wird darauf um l1/? Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr.
Aus den Reichstaasausschüsseii.
:: Berlin, 17, Mäi.
Der Budqetausfchuß erledigte zunächst die Aussprache über die bergt echtlichep Verhältniss e in Den t s ch-Süd w estaf r it a durch An- nahme einer vom Zentrum beantragten Entschließung, die die Erklärungen des Staatssekretärs Dr. von Lindequist zur Kenntnis nimmt und die Erwartung ausspricht, daß in Zukunft demgemäß verfahren iverde. Von nationalliberalet Seite wurde eingewandt, daß sich der Msschuß und der Reichstag durch eine solche Entschließung für die Zukunft unnötig binde, man möge die Erklärungen einfach zur Kemttnis nehmen und sich das Recht der Kritik wahren. Der Staatssekretär bat dagegen um Annahme der Entschließung, die doch bet einmütigen Auffassung des Ausschusses entspreche. Daß das Budgetrecht des Reichstages gewahrt werden solle, habe er schon erklärt, und das ei auch selbstverständlich.
Hieraus setzte der Budgetausschuß die vor einer Woche abgebrochene Aussprache über die Dernburgschen Mai-Verträge fort. Staatssekretär Dr. fron Lindeguist legt aktenmäßig dar, daß das Reichskolonialamt den Wünschen des Ms- chusses und des Reick>stages entsprochen habe. Ein volksparteiliches Aussch-ußmüglied wiede-hllt hieraus gleichfalls unter Bezugnahme auf die Akten seine Ausführungen von der vorigen Woche. Sie gehen darauf hinaus, daß dec Budgetausschuß im vorigen Jahre die Richtlinien des abzuschließcnden Vertrages estgelegt habe, in den Akten des Budgetausschusses protokolliert, und daß Dernburg lediglich auf Grund dieser Richtlinien gehandelt habe, was Dr. Dröscher im Plenum ausdrücklich anerkannt habe; allerdings habe dieser noch weitere Konzessionen verlangt, die aber Dernburg nicht annehmen zu können erklärt habe. Im Ausschuß habe sich niemand für einen Prozeß ausgesprochen, so daß nur ein Vertrag übrig blieb und Erzberger habe direkt anerkannt, daß der Reichstag nicht berufen sei, die Verantwortung ür einen solchen Vertrag zu übernehmen, da es sich lediglich um eine Verwaltungsangelegenheit handele, in der Dernburg souverän sei. Der fortschrittliche Redner ist der Meinung, daß Dernburg bamit vollkommen gerechtfertigt sei.
Er sand aber lebhaften Widerspruch. Der Wortführer des Zentrums steht nach wie vor auf beut Standpunkt, daß die Verträge angefochten werden können und hat seine Gründe in einer Denkschrift niedergelegt. Die Frage sei, ob nicht ein besonderes Diamantengesetz geschaffen werden solle, wodurch die Diamanten generell in das Eigentum des Staates üb er geführt werden. Wohl erworbene Rechte, nicht bloße Ansprüche, müßten selbstverständlich gewahrt iverben. Die Vorrechte und Monopole müßten beseitigt nxrbäi.
Der Vorsitzende des Ausschusses, Freiherr von Gam'p, bat, sich möglichst auf Vorschläge zu beschränken, bis man dieses Ziel erreichen könne.
Ein Vertreter der Nation illiberalen sieht die Verträge als zu Recht bestehend an. Es sei im Interesse der Rechtssicherheit wickstig, daß solche Verträge nicht hinterher vom Budgetausschuß angetastet würden. Der Entwicklung der Kolonien wäre das nicht förderlich. Anderer Aufsafftmg ist der Wortführer der wirtschaftlichen Vereinigung; er meint, daß, wenn sich die Kolomalv-erwaltung unbedingt auf den 23oben der Rechtsgültigleit der Verträge stelle, alles Reden im Reichstage keinen Zweck habe. Der Staatssekretär wiederholt seine Erklärung, daß er die Verträge für rechtsgültig halte und das Kolonialamt nicht barmt denke, sie zu ändern. Von der Regierung wird hierzu weiter angeführt, daß die Rechte der Kolonialgesellschaft ohne Entschädigung nicht zurückgenommen werden können. Ewigkeitsrechte seien nicht weggegeben, iuie der Zentrumsreimer behauptet hatte. Die Rechte der Gesellschaft aus das ihr verliehene Gebiet verfallen nach Abbau der Diamanten. Der Gewinn der Kolonialgesellschaft werde viel zu hoch angenommen.
An'ttäge zu dieser Angelegenheit sind nicht gestellt, die Aussprache schließt.
Der Schiffahrtsabgaben-Ansschuß verständtgte sich heute über die durch den Anttag GotHein geforderte Begriffsbestimmung der natürlichen Wasserstraßen im Gegensatz zu den künstlichen. Danach sind unter künstlichen Wasserstraßen im Sinne des Entwurfs nur Kanäle im eigentlichen Sinne zu verstehen, nicht auch kanalisierte Flüfse uub andere natürliche Wasserstraßen, deren Verkehrsbrauchbarkeit durch Bauten derart gesteigert worden ist, daß sie überwiegend auf solchen Verbesserungen beruht.
An die Stelle des Artikels 3 her Vorlage wurde folgende Bestimmung gesetzt: Zur Deckung der Kosten für die Herstellung und Unterhaltung solcher Anstalten, die vor der Verkündigung des Gesetzes auf anderen als auf den im § 1 des Art. 2 der Vorlage genannten Wasserstraßen ausgeführt sind, sowie für (frfabbauten bereits vorhandener Regulierungswerke dürfen Be- sahrungSabgaben nicht erhoben werden.
Der Ausschuß gegen die Kurpfuscher setzte heute die Aussprache über die Tierkurpfuscherei fort. Zur Erörterung steht die Frage, ob diese überhaupt grundsätzlich durch das Gesetz geregelt werden soll. Bon fortschrittlicher Seite wurde die Einbeziehung der Tierkurpfuscherei für notwendig gehalten, um im Osten erfolgreich die Einschleppung und Verbreitung der Viehseuchen zu üerlyütbetn: denn durch ein Verbot der Tierkurpfuscku'rei werde man Den Tierärzten dort erst die Existenzmöglichkeit geben; die beamteten Tierärzte reichten nicht aus. Der Rainer richtete daher an die Regierung die dringende Aufforderung, die Praktisck>en Tierärzte bei der jetzt bevorstehenden Einführung des Neichsviehseuchengesetzes im weitesten Umfange zur tätigen Mithilfe heranzuziehen. Tie Maul- und Klauenseuche sei seines Wissens durch die Unterlassung rechtzeitiger Anzeige in Ostpreußen zuerst verbreitet worden, und der Sckmldige sei ein Kurpsusckwr gewesen. Auch von nationalliberaler Seite lvird unter Bezugnahme auf eigene Erfahrungen die Einbeziehung der Tiere bringend erMotzlsü. Vom Zentxum wird wider
sprochen. Von konservativer Seite wird die Tierbvhimh, lung durch Laien für unentbehrlich erklärt, aber dem zugestimmt daß bei ansteckeirden Viehkrankheiten Ausnahmen gemacht werden'
Die Aussprache fant nicht zu Ende. Der Antrag, alle aw zeigepflichtigen Seuchen und Krankheften des § 10 des Reichs- viehscuchengesetzes den Kurpfuschern zu verbieten, hat Aussichi auf Annahme.
Eine Erklärung der Sozialdemokraten über die Verabfchiedrrvy der Reichsverficherungsordnung.
Der Reichsversicherungsausschuß trat heute zu- ämmen, um seinem Plane gemäß von den beiden ihr überwiesenen Gesetzentwürfen das Gesetz über die Aushebung der freier Hilfskassen zu beraten. Ein sozialdemokratisches Mitglied ba: aber, diese Vorlage den durch die Vollberatungen der Reichs- Versicherungsordnung überarbeiteten Mitgliedern des Ausschusses nicht schon jetzt zur Beratung zu stellen, sondern es bis zum Herbst zu vertagen. Die sozialdemokratische Fraktion beabsichtigte keine Verschleppung. Wenn nichts besonderes passiere, könne die zweite Lesung der Reichsversicherungsordnung noch,im Lause dieser Woche erledigt werden. Der Ausschuß beschloß, dem Wunsche insoweit Rechnung zu tragen, als zunächst das Ciiiführungsgesetz zur Reichsversicherungsordnung beraten werden soll. Diese Beratung beginnt morgen.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 18. Mai 1911.
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** Eisenbahndirektion Mainz. Der Regie, runas- und Baurat Hartmann, Mitglied der Eisenbahndirektion in Mainz, ist behufs Wahrnehmung der Stelle des Oberbaurats zur Eisenbahndirektion in Brvnberg versetzt worden.
** Nationalliberaler Verein. Am Dienstag sanl im „Kaiserhof" eine Versammlung des Nationalliberalen 93er- ein§ statt. Herr Redakteur Henrich aus Wetzlar hielt einen sehr instruktiven Vortrag über „Deutsche Handelspolitik und die nationalliberale Partei". Noch dem ersten Teil des Vortrages setzte eine überaus lebhafte Aussprache ein, in der eine Reihe volkswirtschaftlicher Fragen erörtert wurden. Die Aussprache dauerte bis Mitternacht. In 14 Tagen wird Herr Henrich den zweiten Teil seines Vortrages halten.
** Die Bahn WetteroU-Rhein. Der Wege- bauausschuß des Kommunallandtags für den Regierungsbezirk Wiesbad en hat zu dem Schreiben des Magisttates in Idstein vom 25. Januar 1911 betreffend ein Gesuch um Erbauung einer Eisenbahn von Bad-Nauheim über Usingen nach Idstein und von hier weiter nach einer Station der Aarbahn, sogenannte Taunusquerbahn folgenden Antrag beschlossen, der heute (Donnerstag) im Kömmunablaudtag auf der Tagesordnung steht: Das von der Stadt Idstein und 37 weiteren Gemeinden an das Haus der Abgeordneten und ihm unterbreitete! Gesuch vom Januar 1911 um Erbauung der darin näher beschriebenen Taunusquerbahn zur Kenntnis zu nehmeir; diesem Gesuche insoweit zu entsprechen, als die Notwendigkeit anerkannt wird, die sehr entwickelungsfähigen und durch den Mangel einer Bahnverbindung zum Teil zurückgebliebenen Landstriche, die zwischen der Maiw Weserbahn (Bad-Nauheim) und der Nebenbahnverbindum Homburg v. d. H.—Usingen—Weilmünster—Weilburg uno demnächst auch Grävenwiesbach—Albshausen (Wetzlar), zwischen diesen Nebenbahnen und der ehemaligen Ludwigsbahn, der von Frcnrkfurt a. M. und Wiesbaden über Medern- Hausen nach Limbftrg führenden Vollbahn, zwischen ber Ludwigsbahn und der Bahnlinie Wiesbaden—LanaenfäMl> bach—Diez liegen, besser als bisher durch Bahnverbindungen aufzuschließen, indem nach Art der Cmtwickelung der Westerwald- und nördlich der Lahn im Bezirk Wiesbaden erbauten Bahnen auch von Osten nach Westen fuhrende Schienenwege gebäut werden, welche möglichst die genannten, in der Hauptrichtung von Süden nach 9torben verlaufenden Bahnen miteinander in Zusammenhang bringen. Demgemäß die Bitte an die Königl. Staatsregieruna zu richten, wiederholte eingehende Ermittelungen anzustellen, wie den schon seit vielen Jahren in den mannigfachsten Btttschriften vorgetragenen Eisenbahnwünschen aus dem Teile des Regierungsbezirks, der von dem Taunusrücken und der Lahn einerseits und von dem Rhein und der Provinz Oberhessen andererseits begrenzt wird, umfassend und wirksam abge- holsen iverderr tann, in der Richtung, daß, sofern eine Vollbahn wegen zu großer Geländeschwierigkeiten und unverhältnismäßig hoher Baukosten nicht angängig fein sollte — allmähl i ch und in einzelnen A b s ch n i t t e ri — die den dringlichsten lokalen Bedürfnissen entsprechenden nov- malspurigen Nebenbahnen als Meliorations- und Zv bringerböhnen für die Hauptbahnen in Angriff genonrme'. werden, ohne bei ihrem Bau die Möglichkeit auszm schließen, durch ihretr Zusammenhang eine neue Verbindunx zwischen der Wettermr und dein Rheine herzustellen.
** Billige Briefe nach Amerika. Folgende Schisü befördern Briefe nach tb.cn Bereinigten Staaten vm Amerika suimlPreis von 10 Pfg. für je 20 g: „George Washington' ab Bremen 20. Mai, „Kronprinz Wilhelm" ab Breiuci 23. Mai, „Amerika" ab Hamburg 25. Mai, „ftäiftc Wilhelm II." ab Bckcjmen 30. Mai, „Einemnat.i," cd Hamburg 1. Juni, „Prinz Friedrich Wilhelm" ab Bremer 3. Juni, „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 6. Jun, „Kaiserin Auguste Victoria" ab Hamburg 8. Juni, „Kronprinzessin Eecilie" ab Bremen 13. Juni, „Kronprinz Wilhelm" w Bremen 20. Juni, „George Washington" ab Brenren 24. Ium, „Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 27. Juni, „Amerika" ab Himburg 29. Juni Alle diese Schiffe öMjej, „Eincinnat'i" stüÜ Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit oor bent Abgang die schnellst» Beförderungsgelegenheit bieten. Es, enrpfiebt sich, die Briefe mit einem Leit vermerk wie „direkter Weq obei" „lieber Bremen ober Hamburg" zu versehen. Die Portoermäßigung erstreckt sich nur auf Briese, nicht auch auf Poit- fartcii, Drucksachen usw., und gilt nur für Briefe nach den Wr- cinigten Staaten von Amerika, nicht quch nach anderen .Gebieten Amerikas, z. B. (Sanaba.
Landkreis Gießen.
= Stangenrod, 18. Mai. Nächsten SamStag den 20. d. M. begehen unser Bürgermeister Joh. Bock und seine Ehefrau Margarete, geb. Dannn, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische ihre goldene Hochze t. Der Bürgermeister ist 75 und seine Ehefrau 72 Jahre alt. Möge es dem Jubelpaare vergönnt fein, auch noch du diamantene Hochzeit zu feiern!
K Lich, 17. Mai. Ein Einbruchs dievstahl hntrw? vergangene Nacht im Stiftspsarrhaus e, in der Wo»' nung von Stiftsdechant Kliugelhöffer verübt. Heute nwr- gen fand man Türen und Schränke geöffnet, nur iw .üassenschrank hatte Widerstand geleistet. Im Stumere zimmer ist eine größere Summe Geldes abhanden kommen, darunter die Kasse des Frauenvereins. Dre Po zei ist fleißig auf der Suche nach der Spur des oder Diebe. Der Kirchenplatz wurde abgesperrt, damit bte Lp» nicht verloren giuge, Heute mittag ist nun dji
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