Zweites Blatt
161. Jahrgang
Nr. 197
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Aufnahme des Eotmtage,
General-Anzeiger für Gberheffen
Tie ^Gtetzmer ZamlltenblStler- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqelegt, da» „Xrelrblalt fflr de« Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „£«ibwirtf*ifUld)tn Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Mittwoch, 25. August 1911
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchea Universität» - Buch- und Ereindruckerei.
R. Lange, Dieben.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul»
straße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion: ea® 112. Tel.-?ldr» AmeigerGießen.
Deutscher handwertr- un» Sewerbekammertag.
~ Düsseldorf, 22. August.
3m groben Saal der Tonhalle begann heute unter Teilnahme von Vertretern der Reichsbehörde und der BundeSnaaten sowie der Lokal- und Vrovin«albehörden und sämtlicher deut schen Handwerks- und Äewerbekammern
die erlte Hauptversammlung
dcS 12. Deutschen Handwerks und Gciverbckammertagcs, bem das Herrenhausmitglied Obermeister Plate ^Hannover- präsidierte. Rach den üblichen Begrübungsansoracheu und der Vorlegung des Geschäftsberichts, aus dem wir das wesentliche bereit- mitgeteilt haben, sprach an erster Stelle Znndikus Tr. Wilden lDüsseldorf> über „kommunale Handwerks- särderung". Ter Redner verlangte die Errichtung von Handwerker- und Gewerbeausschüssen zur Beratung und Begutachtung von Anträgen und Maftnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Förderung des Handwerks. Tie Einrichtungen für die Berufswahl sind von der Gemeinde zu fördern. Tie Bildung der Handwerker ist zu heben, und zwar durch die Errichtung und Unterstützung von Fortbildungs- imb Fachschulen. Gemeinsam mit der Fortbildungsschule und den Vertretern des Handwerks soll sich die Gemeinde an der Jugendfürsorge beteiligen, besonders an der sittlichen und staatsbürgerlichen Erziehung Ferner sollen die Gemeinden für die Geschmacksbildung der Handwerker und die Veredelung der Handwerksarbeit zur Schaffung guter Vorbilder oder durch die Unterstützung gelegentlicher Ausstellungen wirken. Ter wirtschaftlichen Förderung des Handwerks durch die Gemeinden und damit des Handwerks dient vor allem eine gute Regelung des VerdingungSwescns. Bei der
Vergebung der Arbeiten
soll sich die Gemeinde nicht auSschliestlich von ihrem geschäftlichen Interesse als Auftraggeberin leiten lassen, sondern auch die berechtigten Interessen dcS Handwerks berücksichtigen. Auch sollen die Gemeinden eS unterlassen, das handwcrkschädigcnde Unternehmen zu betreiben unb in den schon ohnehin für das Handwerk schwierigen Konkurrenzkampf zu dessen Ungunsten ri:i;u- greifen. Tie Betriebskraft, wie Gas unb Elektrizität sollen an bie Handwerker zu günstigen Bedingungen abgegeben werden. Tas Gewerbesteuerspftem ist zu verbessern durch die Einrichtung besonderer Gemeindegewerbesteuern auf Grund des Rom munalabgabengesetzeS anstelle der üblichen Zuschläge zur staatlich veranlagten Gewerbesteuer. Der Redner legte eine Reihe ert- f^rcchender Leitsätze vor, die einstimmig angenommen wurden. Hierauf sprach Syndikus Tr. Pacschkc Breslau über die
Versicherung der Privatangestellten.
Ter Redner meinte, bafi der Gesetzentwurf aus dem Rahmen der allgemeinen Invalidenversicherung heraiiSsalle und damit wieder daS eben abgeschlossene Werk der Vereinigung der sozialen Ges. ne zerstört werde. Durch Annahme de- Entwurfes würde der soziale Frieden nicht gefördert, sondern gestört werde», denn das Geütz bringe denjenigen Personen, die dadurch versichert werden, eine 'linabl von vondervorteilen, welche du bui besetz versicherten Personen nicht erhalten haben Tie Cigau. fation der Versicherung sei zu kompliziert und kostspielig. Zu be mangeln sei auch, bau eine Mitwirkung ber Beitragspflichtigen bei dem Direktorium nicht vorgesehen ist. Für diejenigen Personen, denen staatlich geleitete oder beaufsichtigte Pensionskaneii min bestens dieselben Rechte bieten, wie es die Reich-Versicherung tut, Habe der Versicherungszwang wegzufallcu. Ter .stostenauj- wand, der durch die Tovvelversicherung unb die Kosten der be sonderen Verwaltung entstehe, sei übcrmästig und daher nicht zu billigen. Ter Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag könne daher einem derartigen Gesetzentwurse nicht zustimmen
Rach einer kurzen Aussprache wurden die Leitsätze gegen vier Stimmen angenommen. Damit war die Tagesordnung erledigt, unb die Verhandlungen wurden auf morgen vertagt.
Sozialdemokratischer Parteitag.
+’ Berlin, 22. August.
Ter „Vorwärts" beginnt heute mit der Veröffentlichung des Berichts des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Jena Einleitend wird darin ausgeführt: Je mehr sich in Deutschland die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung entwickelt, desto eifriger schreien ihre erbitterten Gegner, die Scharfmacher der Schwerindustrie und die mit dieser verbündeten Junker, nach Ausnahmegesetzen wider die staatsbürgerliche Gleichberechtigung heischende Arbeiterklasse. Solange es nach Auffassung der Industriefeudalen noch Zeit ist, soll ber sich in gefefcmäfngcn Bahnen rapid vollziehende Vormarsch des klassenbewußten Proletariats mit den Machtmikteln des nie bernen Staates nufgehaltcn werden So betrieb bie Preßmeute bet Junker unb Kapitalisten eine wilde Hetze gegen Partei unb Gewerkschaften, als vom 26. September v. Is. ab einige Tage die Moabiter Unruhen bie Oeffentlicbfeit beschäftigten. Tie Scharfmacher glaubten, daß jetzt die günstige Gelegenheit zur Propa gauba von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie, von Streik unb Zuchthausgefetzen gegen die Gewerkschaften gekom men sei. Tie Philister sollten durch Verbreitung schauerlicher Tatarennachrichten in eine Stimmung versetzt werden, wie sie 1878 nach den Attentaten noch mit Erfolg erzeugt werden foniuc. Aber der Schlag ging daneben Rach den wochenlang dauernden Verhandlungen vor der Strafkammer und dem ^Schwurgericht war die Polizei die eigentliche Verurteilte. Tic Stimmung der Bevölkerung war der sozialdemokratischen Partei andauernd gün stig.wie die Rachwahlen zum Reichstag und zu den Einzel!andlagen bewiesen. Bei den 37 Nachwahlen hatten die Gegner einen Stimmenverlust von 135787 Stimmen, während w i r einen Gewinn von 24 036 Stimmen halten. — Tie Zahl der organisierten Mitglieder der Partei belief sich im Jahre 1911 auf 836 562. Tas bedeutet eine Zu »ahme gegen das Vorjahr von 116 524 unb ist die höchste Mit- gliederzunahme, die die Partei bisher in einem Jahre zu ver zeichnen hatte. In 11 Bezirken beträgt die Zahl der Panci- ntiiglicbcr mehr als 30 Prozent der sozialdemokratischen Reiche tagswähler. Tie Zahl der Wahlkreissekretärc beiter sich aus 75. Parteiorganisationen bestehen in 383 Reichstagswahl kreisen. Die polnisch sozialistische Partei hat in 12 Reichstagswahlkreisen mit 42 Ortsvercinen 2085 Mitglieder. Iugendausfchüsse bestehen an 454, Bildungsausschüsse an 410 und rimderschutz Kommissionen an 136 Orten.
Tie proletarische Jugendbewegung ii?; g. wellige Fortschritte gc macht. Tie Zahl Der Abonnenten der „Arbeiterjugend" h.tt sich von 45 000 auf 65 000 vermehrt. Jugend leim beste! en in 130 Orten; die Gesamtausgabe für jic betrug 44 091 Mar'. Im Berichts jal)r wurde die Agitation gegen die Reichsverstcherungsordnung gemeinsam mit den Gewerkschaften fortgesetzt. Ferner erschien ein Flugblatt zur Agitation für die Maifeier. Tic Agitation unter den Landarbeitern bat gute Fortschritte gcmadn Ter Landarbeiterverband hat in allen Gauen Deutschlands festen Fnß gejaß: und zählt zurzeit in 382 Gruppen über 12 000 Mitglieder. Tie Zahl der sozialdemokratischen (4 e m e i n d e v c r - tret er ist im letzten Jahr von 7729 aus 8910 gestiegen. — Senn Die Beteiligung an der Maifeier auch nicht so groß wie im Vorjahre war, wo die Maifeier auf einen So:mi..g io war Dock, eine so starke Beteiligung 'n r.i'eichiien, wie neck nie an einem Brachen tage Ta:- mcic.icn üc .Neinstimme >.d die Berichte aus NorD- und Süddeutschlano Tiu Gegner, die da
flloubrn, daß bie Maifeier tot sei, erlebten das Gegenteil. Tie Zahl der täglich erscheinenden Tarteiblätter bat sich gegen das Vorjahr um sechs vermehrt, so daß bie Partei jetzt 81 Tageszeitungen besitzt Für ba> sozialdemokratische Prenebureai! bat die Parte v " 3200ti ' ii-, bezahlt Ter ..Vorwärts" erbrachte im Berichtsjahre einen lieber schuß von 165 558 Mark, die „Gleichheit ' einen solchen von 13 239 Mark, die „Reue Seit'* 1403 Mark und der Wahre Jakob' 40 342 Mark Ter Abonnentenstand be? letztgenannten B.atte? belief fick aut 1 Juli 1911 auf 307 000 Tie Part cischu l e hielt im Bcrickt'iakrc ihren 5. halbjährlichen Kursus al Leider 6 et rüg die Teilitehtner:abl in bieferi TursuS nur 21, ba die Gewerk schäften von den für sie freigeballen en Platzen nur vier besetzt hatten. ES waren wieder, wie in früheren Jahren, bie Verbände ber Bergarbeiter und Maurer, die je zwei ihrer Mitglieder auf die Parteischule entsandt batten. Unter den 24 Pan . ckülem waren zwei Genossinnen. Zn 171 Orten wurden 345 Vor- trogskurse mit 2879 Vorträgen unb 45 873 Teilnehmern ab gehalten Ter Hafsenabschlus; ivird alS sehr günstia' bezeichnet Ti Barteifaife schlief-, i:t Einnahme und Ausgabe mit 1 427 823 Mark ab. Ter Berickn geht dann auf die Tätigkeit b. r sozial bemokratifchen Reiche lag» rat ion unb t • n Stellu: ,i zu den verschiedenen Gesetzesvorlagen ein.
Airche und Schule.
Tie Tekauatsshnode Schotten und der Fall Iatho.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
Als Urheber der Besprechung der Jatho-Augelegeuheit unb des angenommenen Antrags sei auch mir das Wort oersiattct — nicht um den Streit zu schüren, fonbent zur Verständigung Da freue ich mich, mit dem Einsender des betr. Artikels in Nr. 195 dieses Blattes im großen und ganzen einer Meinung zu sein, nämlich, daß die Hauptsache ist, „das Evangelium von Christus und sein Verstehen und Aneignen", sowie „daß das Christentum nicht Lehre, sondern Leben ift". Deshalb ist, wenn das fein willkürlich konstruiertes Zerrbild ist, eine „dogmatische Predigt, die andauernd die Zuhörer mit Glaubensartikelti, kirchlichen Lehrsätzen, wie die Lehre vom Teufel, ber Sünde usw. Sonntag für Sonntag belastet usw." auf positiver Seite geradesogut eine Verirrung, wie die Bestreitung und Leugnung dieser Dinge eine solche von liberalen Predigern ist. Aber wir verachten die Lehre nicht und vermögen nicht, Lehre unb Persönlichkeit voneinander zu trennen; Lehre ist uns vielmehr Ausdruck des Glaubens, und dem Wort: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über". Und weil wir gerade nur das Evangelium als lebendige und lebenwirkende Gotteskraft kennen und oerfünben deshalb unser Wiberstand unb Widerspruch gegen alles, was nicht Predigt des Evangeliums ist. Wir verstehen nicht, wie man von Iathos Predigt sagen kamt, baß sie das alte Gold des Evangeliums unb der Bekenntnisse neu münzen, den alten Gottesglanbeti in neuen Bildern Darstellen wolle. Es ist vielmehr eine neue Religion, bie mit dem Evangelium nichts mehr gemein hat. Deshalb unsere tiefe Erschütterung, unsere heiße Betrübnis über die Erklärung der 87. Wohl wird gesagt, daß diese fein Eintreten für Iatho und seine Theologie sein soll. Tatsächlich ist sie da5 doch, unb der Schlußsatz in jener Erklärung ber 87 hebt icnc Versicherung wieder auf, wo gesagt wird, daß hoffentlich .u nicht ferner Zeit Iatho kraft höheren Rechtes in sein Pfarramt zurückkehren werde. Die Insinuation, daß nach unserer Erklärung keiner der 87 mehr Vertrauen verdiene, weisen wir entschieden zurück, wenn auch richtig ist, daß durch die Erklärung viel Vertrauen zerstört worden ist und die Wirkung der Erklärung in erster Linie eine nieder reißende ist, namentlich bei den Laien. Diese waren es auch in Schotten, die große Beunruhigung und Erregung leigten unb auf der schärferen Resolution bestanden. Von den 24, die für den Antrag stimmten, waren nur 6 Mil glieder der positiv-kirchlichen Vereinigung. Daß bie Er- tlärung die Synode beschäftigte, darf die 87 nicht wundern, da ihre Erklärung ja gerade für die Gemeinden bestimmt war. Nebel, Pfarrer, Laubach.
Aus Stadt ititfc Land.
Gießen, 23. August 1911.
'• Ordensverleihung. Der König von Preußen hat dem Eisenbahn-Werkslättenschrciner Goldmann in Großen- Linden daS Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
** Landwirtschaftskam mer-Ausschuß für Oberhessen. In der Vorstandssitz.ung vom 19. d. Mts. wurden einige wichtige Angelegenheiten erörtert und folgende Beschlüsse gefaßt: Angesichts der durch die anhaltende Trockenheit geschaffenen Notlage und der tvachsenden Seu- chengefabr sollen die geplanten Ackerbau- unb Obst aussteklung en zu BaD Nauheim, Lindheim, -Ilsfeld und Schotten in diesem Jahre au s f a ll e n und auf ba-? nächste Jahr verlegt werden. Tie in Kapitel Obstbau frei gewordenen Mittel sollen vorbehaltlich entgültiger Aeschlußfassung Der Lbstbaulommission zur iierauegcwe des Oberh. Obst sortimentes, Prämiierungen von B.iumpflanzungen, Unterstützung des Obftmarktes Büdingen, Errichtung von Obst fortenreinzuchtstationen zu Salzdausen und Friedberg und Hess. Odstsortimenl, dessen Herausgabe schon vor den Ans- Teilungen erfolgen sollte, wird nun erst einige Wochen später erscheinen weil Die fünf noch fehlenden farbigen Abbildungen nunmehr erst hergestellt iverden können. Tie in Kapitel Ackerbau erübrigten Mittel sollen hauptsächlich zur Minderung der Futternot und zur Ergreiiung von Mitteln dienen, die jetzt noch zu einer Vermehrung der ,vuttcrbeftänbe für den Herbst unb für bas tonunenbe Frühjahr führen tonnen. Das Bestreben der Weideturatorien, den Weidegang auf den Provinzial Iungoiehweiden aufrecht zu erhalten und den Weidebeschickern die Viehhaltung zu erleichtern, finden volle Billigung. Tie Bescyraniung oes vorzeitigen Abtriebes auf die Fohlen der Weide Wernings, die 21,»- jährigen Fohlen der übrigen Weiden und die freiwillig adzu treibenben anderen Weidetiere wird demnach gutgeyeißen. Ter diesjährige Biehimport aus der Schwerz soll vorläufig unterbleiben, und erst zur Ausführung gelangen, sobald bie Seuchcnveri ältnisse günstiger geworden sind, was viel leimt im kommenden Frühjahr erwartet werden tann. Tic Vorführung bewährter '..-mfcqinen soll 111 sechs Orten der Bezirke .Grunbcrg, Alten-Buseck unö Lollar ftattfinben.
Außerdem wurden mehrere andere Angelegenheiten be«. sprachen und erledigt.
•• Die Kindersterblichkeit in der Stadt Gießen hat sich in der hinter uni liegenden kritischen Zeit, soweit Binder unter einem Jahr in Betracht kommen, überaus günstig gestaltet. Geboren wurden bei der ortsansässigen Bevölkerung von Juni bi8 20. August 130 Kinder (im gleichen Zeitraum auch 130 Kinder von ortsfremden Mutterns. An Todesfällen ereigneten sich bei den Gießener Kindern unter einem Jahre 12, darunter 7 Fälle, die durch Magen- ober Darmkatarrh herbeigeführt sind. — Im Sang linaSheim in der ^irchstrnße rourben wahrenb dieser Zeit, vom Juni bis heute, täglich im Durchschnitt 35 — 36 Kinder verpflegt. Darunter 28—30 unter einem Jahr alte. Von diesen starb Ansang Juli an Lungenentzündung 1 flinb, ein Ergebnis, da? als glänzend zu bezeichnen ist, weil in der Anstalt meist schwächliche, mangelhaft oder falsch ernährte llinder Anfnahmefinden. — Unser Säuglingsheim beherbergt zurzeit ein 14 Tage altes ZwillingSpärchen, daS von einer Bauersfrau im Streife Alsfeld geboren wurde unb, 6 Tage alt, 1250 unb 1350 Gramm wog, als man eS nach Gießen brachte. Tie beiden ftinber sind wie Die Püppchen anzuschauen unb baS eine ist sehr fchivach. Selbstverstänblich bebnrfen die Zwillinge ber arößten Pflege, doch haben fie sich in den wenigen Tagen, die sie sich im Säuglingsheim befinden, einigermaßen entwickelt.
•• Gießener Kinderklinik. Die Erbauung der neuen Kinderklinik in der Friedrichstraße ist bem Architekten Han? Meyer übertragen worben, der auch die Pläne dazu neu entworfen hat. Die Ausschreibung der Arbeiten soll in den nächsten Tagen erfolgen,
" Außerordentliche Belohnungen und Anerkennungen für bewiesene Aufmerksamkeit, Umsicht und Entschlossenheit in Gefahr erhielten: der Lokomotivführer Hainbach in Gießen, der Zugführer Dechert in Gießen, ferner der Bahnarbeiter Renher in Lauterbach, die Lokomotivführer SitziuS in Wiesbaden, Keßler in Darmstadt, Tfd)irnerin Mainz, sowie der Lokomotivheizer Schütrumpf in Mainz.
Landkreis Gießen.
r. Londorf, 21. Slug. Gestern hielt der Turnverein sein 91 bt um en. Morgens um 8 Uhr begannen auf dem Festplatz ,nuf dec neuen Wiese* die Hebungen. Außer Turnen am Reck, Barren unb Pferb bestauben bie Wettübungen in Freiübung, sowie HinbecniSlaufen unb Kugelstoßen. Nachmittags gab eS ein Volksfest, bei bem bie Friedberger Musikschule anfspielte. DaS zwischendurch vorgeführte Schauturnen lockte viele Zuschauer au, die den Leistungen der Turner reichen Beifall spendeten. 9(benb5 7 Uhr verkünbete der Präsident dcS Turnvereins, Edler, daS Ergebnis be5 PreiSturneuS. ES erreichten in der Oberstufe: 1. Heinr. Rohrbach 951/., 2. Ludw. Aumann 931 3. I. Meßmer
84'/,, 4. Cchneckec 82'/,, 5. Ludw. Fabel 82 Punkte; in der Unterstufe: 1. PH. Höchst 101'/., 2. IohS. Anmann 98, 3. Fr. Haffelbach 93'/,, 4. Mar Adler 92'/4, 5. IohS. Winkelhaus 86'/2, 6. Hrch. Bott 78'/4, 7. Karl Winner 78 Punkte.
— All en darf a. d. Lda., 22. Ang. Der Freiballon .Hansen*, Führer Referendar F. R. Landmann, Mitfahrende Frau und Fräulein Iager-ManSkopf von Frankfurt 0. M., der heute vormittag 7.25 Uhr in Griesheim a. M. ausgestiegen war, landete heute vormittag 11.35 Uhr nach schöner Fahrt glatt auf freiem Felde bei unserem Städtchen. Mit Hilfe der rasch herbeigeeilten Bevölkerung wurde der Ballon rasch verpackt unb auf bem hiesigen Bahnhof verladen.
-d- Stangenrod, 20. Aug. Heute sand hier die Einweihung der wiederhcrgestellten >lirche fürdieGe mein den Stangenrod unb Leh 11 heim statt. Zu Dieser Feier hatten sich nicht nur die Einwohner der betressenden Gemeinden, sondern auch viele Leute der näheren und weiteren Umgebung eingefunden. Als Vertreter des Kreisamts Gießen war Regicrungsrat Merck und als solcher der >ireisbaubel)örde Kreisstraßcnmeister Mohr, der die Leitung hatte, erschienen. Tie obere ."lirchenbehvrde ließ durch Dekan Wagner aus Grünberg die Glückwünsche aussprechen. Baurat D i e h m , Gießen, der leider verhindert war, hatte schriftlich Glückwünsche übermittelt. Tie Feier wurde mit dem zweistimmigen Gesänge des Chorals: „Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel" von den Schullinderir von Stangenrod cingclcitct. Im Beisein genannter Herren, sowie der beiden Geistlichen, der Lehrer und des .stirchen- vorstandes fand die Schlüsselubcrreichung statt. Aach diesen üblichen Formalitäten öffnete Dekan Wagner die rlirche. Run strömte die schon lange harrende Menschenmenge hinein, so daß noch viele aus den Treppen und Gängen Platz nehmen mußten. Die Zahl der Besucher wird aus etwa 400 geschätzt Psarrer Schmidt von Grünberg versah den Altardienst. Dekan Wagner hielt die Fest- prcdigt. Aus ihr konnte man entnehmen, daß bie Kirche m Stangenrod eine der ältesten in Oberhcfsen ist Sie wurde im Jahre 1220 eingeweiht. Im Laufe der Jahre hatte sie verschiedene Reparaturen erfahren, jedoch in den letzten Jahren war sie so baufällig geworden, daß eine gründliche Renovierung vorgenommen werden mußte. Tank der Lpfcrwilligkeit der beiden (Gemeinden Stangenrod und Lehnheim konnte mit den Arbeiten im vorigen Jahre begonnen werden. Tie altehrwürdige Kirche macht in dem neuen Gewände auf den Besucher einen erhebenden Eindruck und ist ihr Besuch allen Fremden angelegentlichst zu emv fehlen. Tic kosten der Renovierung betragen etwa 110«^ Mark. Am Schlusfc des Festgottesdicnstcs 'wurde mit den entsprechenden Auszeichnungen eine Kapsel in Den Altar cingeinauert.
a. Hungen, 22. Aug. Der Triebwagenverkehr Hungen —Gießen und rückwärts bis Nidda, Hungen- Mücke bezw. Hungen—Friedberg mit Gegenzügen ist nun bereits im letzten Winter- und Sommersahrplan eingesetzt, obwohl bis heute die Wagen noch nicht verkehren.


