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Das neue £. 3.
Stuttgart, 20. Juni. Wie der Schwab'. Merkur" aus Friedrichshafen erfährt, soll das Luftschiff „Ersatz Deutschland" L. Z. 9 bis Samstag flugbereit hergefteM werden, so daß am Sonntag die erste Probefahrt gemacht werden kann. Schon für oen folgenden Tag ist dann die Fahrt nach Baden-Baden vorgesehen. Nach acht Tagen Aufenthalt soll das Luftschiff nach Friedrichshafen zurückkehren und von dort aus Passagierfahrten unternehmen. — Gestern nachmittag fand in Friedrichshafen eine Sitzung des Aufsichtsrates der Drachenstation statt, bei der Vertreter der Reichsregierung und der süddeutschen Regierungen anwesend waren. Abends waren die Teilnehmer von dem Grasen Zeppelin zu einem Essen eingeladen.
nationaler Deutscher Rundflug.
Die Kieler Flugwoche.
Kiel, 20. Juni. Ter vierte Tag der Kieler Flugwoche war durch ungünstiges Wetter stark beeinflußt. Trotz böigen Windes stieg gleich nach 4 Uhr der Flieger Max Nölle auf einem Grade-Eindecker auf und sicherte sich damit den Frühpreis. Er landete jedoch bald wieder. Nach 8 Uhr klärte sich das Wetter etwas auf, der Wind flaute ab, so daß sich kurz hintereinander neun Flieger zur Fahrt entschlossen. Sie führten prächtige Fluge auf dem Flugplätze aus. Marine-Oberingenieur Loew beschädigre seinen Fritsche-Eindecker beim Landen tun Vorderteil. Hirth, der 8,21 Uhr auf seinem Rumpler-Apparat. aufgestiegen war, stellte mir 2200 Metern einen neuen deutschen Höhenretord auf. Er landete nach 35 Minuten, von der Zuschauermenge mit stürmischen Jubelrufen begrüßt.
Der Einjahrig-Freiwillige Reichardt hat in Kiel zwei neue Euler-Flugmafchinen berüstet und trat gestern wieder in Konkurrenz. Er flog in großer Höhe zum Kieler Hasen, in welchem zurzeit der größte Teil der deutschen Flotte in Erwartung des Kaisers zur Kieler Woche liegt. Reichardt umkreiste die Kriegsschiffe dicht über dem Wasser unter dem Jubel der Marinesoldaten, während die Flieger Büchner und Lindpaintner im Motorboot dem schnellen Fluge ihres Kollegen zusahen. Auf dem Rückfluge überflog Reichardt die breiten Schleusen des Nordostseekanals.
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Aachen, 20. Juni. Der Ortsaussch uß Aachen für den Deutschen Rundflug beschloß von der für Ende Juni geplanten Beteiligung an dem Rundfluge Abstand zu nehmen. Statt dessen soll int Herbst eine selbständige Flugwoche stattsinden.
Lustschiflahrt.
Paris, 20. Juni. Auf Antrag der Gemeindevertretungen von Carthagena in Spanien und Oran in Algerien soll ein W etts lug über das Mittelmeer für die Strecke Carthagena—Oran veranstaltet werden.
Handel.
* Gewerkschaft Klöserweide in Philipp st ei 'n bei Braunfels. Nach dem Jahresbericht der Gewerkschaft für 1910 gestalteten sich die Aufschlüsse wenig befriedigend, als sich herausstellte, daß der Abbäu einer früheren Betriebsperiode eine größere Ausdehnung angenommen hat, als man auf Grund der vorhandenen Grubenrisse annahm. Infolgedessen blieben die erwarteten Ausschlüsse teilweise aus und die Aus- und Vorrichtung konnte, besonders im zweiten Halbjahr, mit dem Abbau nicht gleichen Schrill halten. Die Förderung sank von 30105 T. im Vorjahr auf 27 100 T. Abgesetzt wurden 25 398 T. und es verblieb am Jahresschluß ein Bestand von 2436 T. Für Neuanlagen waren 1910 2080 Mark, für Grunderwerb 4158 Mark nötig. Tie gesamten Aus- und Vorrichtungstosten wurdet: dem Betrieb zur Last gesetzt. Ter Betriebsverlust beträgt 13 102 Mark und erhöht sich durch 30 000 Mark Abschreibungen auf 43 102 Mk, so daß unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus 1909 von 23 996 Mark ein Verlust von 19 105 Mark auf 1911 vorzutragen ist.
X. Hanau, 19. Juni. Die Generalversammlung der A.-G. Konrad Deines jr., Z i g a r r e n k i st ch e n - und Z i - garenWickelformen-Fabrik, hat beschlossen, aus dem nach den Abschreibungen 46 000 Mk. (i. V. 44 600 Mk.)' betragenden Reingewinn wiederum 6 Prozent zu verteilen.
* Schwindelhafte Hypothekenangebote aus dem Ausland. In letzter Zeit werden durch ertreter aus Süd- unb Norddeutschland Gelder zu äußerst günstigen Bedingungen offeriert. Schreibt ein Tarlehnsuchender darauf, so wandern diese Briese nach Paris und ein angeblicher Bankier oder Finanzier teilt prompt dem Darlehnsuchenden mit, er sei bereit, das Hypothekenkapital — meistens noch mehr als verlangt wird — zu geben; er müsse aber die Bedingung daran knüpfen, daß sein Vertrauensmann die Grundstücke besichtige. Würden sich bei der Besichtigung seine Angaben als zutreffend erweisen, woran er nicht zweifle! — so stehe der Auszahlung des Geldes nichts im Wege. Zur Prüfung dieser Objekte verlange er für den Fachmann einen Vorschuß 'von 400 Mark — öfters auch mehr — und die Kosten für Billett 2. Klasse ab Paris und zurück. Erkundigt man sich näher über den „Bankier", so erfährt man, daß er in einem Winkel in Paris ein kleines Schreibzimmer besitzt und daß dessen Ernährungsquelle in der Öffentlichkeit unbekannt sei. Mit einem Wort gesagt, die Geldanpreisungen beruhen auf glattem Schwindel; denn erstens, wenn die Vorschüsse eingezahlt linb, bleibt gewöhnlich der angebliche Fachmann in Paris, oder erfolgt die Besichtigung, so kommt ganz zweifellos nach einigen Tagen prompt der abschlägige Besckteid. Diesen Leuten ist es nur darum zu tun, Darlehensuchende um Vorschüsse zu prellen; an eine ernste Tarlehensbewillignng denken sie nicht im Entferntesten. Es kann daher nicht genug vor solchen Anpreisungen gewarnt werden.
Märkte.
fc. Frankfurt a. 9)1., 20.Juni. Heu- und Str0hNiarEt. Ungefähren waren 9 Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 2,70—3,20 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 2,30 bis 2,50 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 9)1 f. Alles für 50 Kilo. Geschäft langsam. — Tie Zufuhren waren aus Oberhessen und dein Kreis Dieburg.
'großen und ganzen hatte doch der Berichterstatter Oberbürgermeister Tr. R i e v e - Halle recht, wenn er zum Schluß ironisch bemerkte, man hätte glauben können, daß von der Vorlage nickt nur der Bestand des preußischen Staates, sondern auch der Kirche abhängig sei. Als G e g n e r der Vorlage traten auf Graf Haeseler, Kardinal Fischer, Graf Droste zu Vischering, D. Graf von Zieten- Schwerin, Oberhospredigei D. Dryander und Graf v. Strachwitz. Für die Vorlage verwandten sich neben dem Minister v. Dallwitz, Oberlandesgerichtspräsident Kronsyndikus Tr. v. Plehwe, Dr. Graf Porck von Wa.nenburg,. Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Waldeyer und Prof. Dr. Adolf Wagner. Tie gegnerischen Reden hatten, wie der Graf Aorck sehr richtig bemerkte, das gemeinsame Eharakteriftikum, daß sie alle gegen die obligatorische Feuerbestattung ■angingen. Schon die Ausführungen des Grafen Haeseler, die sich int übrigen von den sogenannten kirchlichen und religiösen Argumenten sreihielten, krankten an diesem Irrtum. Was der alte Feldmarschall über die weihevolle Stimmung, die die Kriegergräber auslösen, sagte, war sicherlich sehr schön, aber es war auch ebenso sehr übertrieben, wenn man künftighin mir noch einen Gedenkstein zu sehen glaubt, an dem geschrieben steht: „Hier wurden die für Ehre und Ruhm des Vaterlandes Gefallenen verbrannt!" Tie Stellungnahme des Kardinal Fischer wunderte wohl weiter niemand, eher schon die des Vertreters der evangelischen Kirche, des Lberhospredigers T r stand e r, der im allgemeinen gemäßigt sprach, aber doch die mit der Erdbestattung zusammenhängenden Gemütswerte uni nichts gemindert wissen wollte und deshalb die Vorlage ablehnte. Von den Ausführungen der Freunde der Vorlage waren wohl am bemerkenswertesten die des Präsidenten v. Plehwe. Er schied das religiöse und politische Moment völlig aus und rückte die Rechtsfrage in den Vordergrund. Er zitierte den alten ^atz, daß das von Menschen geschriebene Recht lein ewiges und bleibendes sei; es habe sich zu allen Zeiten angepaßt den Bedürfnissen der Menschen und werde dies auch in Zukunft tun. Sonst werde das Wort Wahrheit: Es erben sich Gesetz und. Recht wie eine ewige Krankheit fort! Tie Professoren Waldeyer und Wagner, ebenso Gras P o r ck v. W a r t e n b u r g appellierten an die Toleranz; man dürfe die eigene Ueberzeugung andern nicht aufoftroieren; auch hier müsse gelten in dubiis libertas!
In der Einzelberatung sprach dann zu § 1 Gras Oppersdorf, dessen Rede gekennzeichnet ist durch den einen Satz: das Gr b grab hat Preußen groß gemacht! Glücklicherweise machte die Abstimmung der Weiterspinnung dieses Fadens ein Ende. Sie war namentlich: § 1 wurde mit 9 2 gegen 8 6 Stimmen angenommen. Nunmehr drehte sich der Kampf um die zahlreichen Abänderungsanträge der unterlegenen Minderheit, die ab gelehnt wurden. In der Gesamtabstimmung wurde das Gesetz mit 91 gegen 84 Stimmen angenommen.
Aus JstaOt fcaiiO*
Gießen, 21. Juni 1911.
•* Bei dem zweiten Abonnements-Konzert unserer Regimentskapelle, das morgen abend in Steins Garten stattfindet, ist wieder ein Gast Zugezogen worden. Diesmal ist es ein ganz junges Fräulem, Erna Finke aus Berlin, die das für eine Künstlerin ungewöhnliche (Dornet ä Piston meisterhaft bläst. Es können da interessante Vergleichungen zwischen dem gereiften Virtuosen des ersten Abends und der jugendlichen Rivalin des zweiten gezogen werden. Außerdem sind die weiteren Darbietungen wieder sehr geschickt ausgewählt, so daß auch der morgige Konzertabend bestens zu empfehlen ist.
** Wanderausstellung zu Kassel. Da die Beteiligung der Landwirte an dem in Aussicht genommenen Sonderzug nicht so zahlreich ausgefallen ist, daß mit Sicherheit auf die Erzielung des von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. verlangten Garantiebetrages von 1600 Mk. gerechnet werden kann und ferner bei der vorhandenen Teilnehmerziffer nur für die im Sonderzug zurückgelegte Hinfahrt eine Fahrpreisermäßigung gewährt wird, sah sich der Land- wirtschaftskammer-Ausschuß zu seinem Bedauern genötigt, von der Beantragung des Sonderzuges Ab stand zu nehmen.
Kreis Lauterbach.
-r. Lauterbach. 20. Juni. Der Handelsverein hielt gestern eine Sitzung ab, in welcher über die Einführung des Achtnhr-Ladenschlusses und die Neuregelung der Sonntagsruhe in hiesiger Stadt beraten wurde. Nach Mitteilung des Vorsitzenden, Fabrikant Dürbeck, hat man bereits im Dezember 1909 beschlossen, allerdings nur bei teilweiser Vertretung der hiesigen Geschäfte, den Achtuhr-Ladenschluß einzuführen und die Verkaufsstunden an den Sonntagen auf vormittags 8 — 9 und nachmittags 12—3 Uhr zu verlegen. Man hat die Sache inzwischen nicht weiter verfolgt, weil man eine baldige reichsgesetzliche Regelung erhoffte. Neuerdings sind wieder an den Handelsverein bez. Wünsche von den Interessenten gestellt worden, wobei darauf hingeiviesen wird, daß inzwischen sämtliche Nachbarstädte die fragliche Angelegenheit geregelt haben. Es wurde beschlossen, um die Sache besser in Fluß zu bringen, daßder Vorstand des Handelsvereins vorerst sich nut den Vorständen sämtlicher hiesiger Jnnimgen, sowie mit dem Gewerbeverein in Verbindung setzen soll. — Weiter ist aus den Verhandlungen hervorzuheben die Mitteilung, daß auf Antrag eine Verbesserung der ZugVerbindung mit Frankfurt dadurch in Aussicht steht, daß der Zug ab Frankfurt 827 abends, an Fulda 1054, an den Zug Fulda—Lauterbach 10-8 Anschluß erhalten soll. Dadurch wird eS möglich, eine Stunde länger in Frankfurt verweilen zu können wie seither. Weiter will die Eisenbahndirektion Frankfurt die Einlegung des schon lange gewünschten neuen Zugpaares Gießen — Fulda und umgekehrt für 1912/13 in Erwägung ziehen. — Die hiesige kaufmännische Fortbildungsschule, eine 23er- anftaltung des Handelsvereins, zählt jetzt 31 Schüler.
Kreis Friedberg.
o Rosbach v. d. H., 18. Juni. Die Kirschcnerute schreitet rüstig fort; bis in die späten Abendstunden herrscht aus dem Kirschberg reges und gr,n^i'iigcs Treiben. 'Auswärtige Händler, die täglich hunderte von Körben verladen, sind letzt in großer Zahl anwesend. Ten Höhepunkt der Ernte bilbet das Kirsch- s e st, das immer viele auswärtige Besucher anloctt uno dieses Jahr am nächsten Sonntag aus dem Waldkchlößchen am Taunusrand veranstaltet wird. — Gestern hielt auf dem Waldschlößchen der Bezirtslehrerverein <• j < epbcrg -Bad-Nauheim bei zahlreicher Beteiligung von Lehrersfamilien aus der ganzen Umgebung em Sommerfest ab, das nuch im Zeichen der Kirschen- ernte stand. Mit Kaffee und Kirschkuchen wurde die Familienfeier eingcleitct, gesellige Unterhaltungen und Tanz schlossen sich an. Zur Unterhaltung trugen besonders Seminarlehrer Kuhn, der durch den Vortrag einiger Lieder erfreute, Frl. Tiemer und die Lehrer Muth und Weinert-Friedberg bet. Der Obmann Koch- Friedberg hielt eine Ansprache.
Kreis Wetzlar.
w. Wetzlar, 19. Juni. Im Zusammenhang mit der Veränderung der Gleisanlagen unseres Bahnhofs ist jetzt die Ucbcrführung der Siegener (Hermannsteiner) Straße in Angriff genommen. An Stelle der von der
Bildfläche verschwundenen früheren Güterabfertigung wird ein Damm aufgeschüttet. Die von den Beteiligten zu den Kosten der Ueberführung zu leistenden baren Beträge betragen rund 70000 Mk.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 20. Juni. Die Vorbereitungen zudem vom 1.—3. Juli hier stattfindenden 12. Hessischen Athleten. Verbandsfest sind im Gange. Mit dem Aufbau der Festhalle wurde bereits begonnen. An den Wettkämpfen werden sich etwa 200 Sportsleute aus allen Teilen Heffen-Naffaus und Heffens beteiligen. Ein besonders scharfer Wettbewerb dürfte sich um die Erringung des Verbands-Wanderpreises entspinnen.
— Kirchhain, 20. Juni. Heute mittag gegen ^2 Uhr wurde ein Arbeiter aus Röddenau bei Frankenberg, der in der Stuhlfabrik in Frankenberg beschäftigt war, beim Ueber- schreiten des Geleises während des Rangierens in der Fabrik von der Lokomotive überfahren und in zwei Stücke geteilt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der 38 Jahre alte Verunglückte ist verheiratet und kinderlos.
X Breitenborn, 20. Juni. Auf dem hiesigen, der Akticn-Gefellschaft Mitteldeutsche Hartsteinindustrie Klein-Stein- heim gehörenden Basaltwerke sind bei zwei italienischen Arbeitern die schwarzen Pocken festgestellt worden. Tie übrigen italienischen Arbeiter sind sofort der Schutzpocken- impfimg unterzogen worden.
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Mutterschutz und Säuglingrsürsorge in Hessen.
R. B. Darmstadt, 20. Juni.
Die Zentrale für Mutterschutz und Säugling s f ü r f o r g e hielt heute ihre Jahresversammlung ab. Den Vorsitz führte Finanzminister Braun, der den Zweck der Versammlung und die Tätigkeit der Zentrale kurz beleuchtete.
Dann gab der Verwaltungsdirektor der Zentrale, Regierungsrat P i st o r , den Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Ter Hauptgedanke der Tätigkeit der Zentrale sei die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und die Stärkung und körperliche Entwickelung der Säuglinge, sowie der Mutterschutz in der kritischen Zeit. Dabei wolle man aber keine armenrechtlichen Verpflichtungen übernehmen und auch nichts, was mit Armenunterstützung verwandt ist, grundsätzlich auch keine Geldunterstützung gewähren. Das Arbeitsgebiet solle nämlich das ganze Land und auch die kleinste Landgemeinde bilden. Es sei überall gleichmäßig die Förderung des Stillens, die Förderung einer vernünftigen Kinderbehandlung und die Förderung der Einsicht in den Wert eines Kinderlebens notwendig. Dies solle erreicht werden zunächst durch Verbreitung von Drucksachen über Stillregeln und Merkbüchlein (39 000 Geburten) und deren Verteilung durch Aerzte, Schwestern, Hebammen und sonstige Vertrauenspersonen, deren Mitarbeit und Aufklärung äußerst wichtig sei. Im ganzen kommen in Hessen ca. 50 Beratungsstellen in Betracht, über deren Einrichtung der Redner eine ausführliche Schilderung gibt. Solche Beratungsstellen sind eingerichtet in Friedberg, Heppenheim, Tieburg, Groß-Gerau, Bretzenhain, Alsfeld, Hernsheim > Lauterbach, Hechtsheim, Viernheim, Kostheim, Birkenau, Alzey, Oberroden und Bingen. Ferner bestehen mehrere Beratungsstellen in Mainz; je 2 in Darmstadt und Gießen, eine in Offenbach, eine in Worms. Weiter wird die Errichtung beabsichtigt, in Lampertheim, Pfungstadt, Eberstadt, Weisenau, Bürstadt, Gonsenheim, Lorsch, Groß-Zimmern und Wimpfen. Besonders auf dem Land müsse die Organisation noch ausgebaut werden, so daß in jeder Gemeinde Vertrauenspersonen vorhanden sind. Zu erstreben sei vor allem Stillpropaganda, Stillbeiträge und ärztliche Beratung. Zum Schluß richtet der Redner an alle Interessenten, besonders die Geistlichen aller Konfessionen, die Schwestern aller Richtungen, sowie an alle Aerzte, Hebammen und die für das Wohl des Volkes bedachten Frauen die Bitte, mitzuhelfen an der Aufgabe der Zentrale. Nach dem im Anschluß daran erstatteten R e ch n u n g s b e r i ch t belaufen sich die Ausgaben für 1910 auf 20 024 Mk., die Einnahmen auf 37 415 Mk. Das Gesamtvermögen der Ernst Ludwig- und Eleonoren-Stiftung und der Zentrale beläuft sich nach dem Stande vom 1. April 1911 auf 247 101 Mk., davon sind rund 50 000 Marl für Schulden zu rechnen, so daß ein Ueberschuß von 197101 Mk. verbleibt. Nach dem Voranschlag für 1911 sind die Einnahmen mit 25 291 Mk. und die Ausgaben mit 65 660 Mk. angenommen, so daß ein Zuschußbedarf von 40 374 Mark erforderlich ist. Für das Eleonoren-Heim stellt sich die Einnahme auf 1230 Mk., die Ausgabe auf 10 500 Mk. Für die beiden Beratungsstellen und die Milchküche in Darmstadt beträgt die Gesamtausgabe 6500 Mk. Die Versammlung erteilt dem Rechner Entlastung.
Es folgt die Berichterstattung der einzelnen Beratungsstellen. Dr. H o 11 i - Worms berichtet über die Entwickelung der dortigen Beratungsstelle, zu welcher die Stadt 6000 Mk. Zuschuß zahlt. Kreisrat v. Hahn- Heppenheim macht nähere Angaben über die dortige Organisation, die Minister Braun als typisches Bild für alle anderen Beratungsstellen bezeichnet. Regierungsrat Stenger-Dieburg berichtet über die dortige Kreis- und die Stadtfürsorge, die eine dankenswerte Schöpfung des Herrn Ministerialrat Dr. Kratz seien. Kreisrat Dr. Heinrichs- Alsfeld berichtet, daß bei der dortigen Stelle alle vier Wochen ein Aerztewechsel stattfinde; die Säuglinge seien im allgemeinen gesund. Minister Braun bemerkt, daß ihm die hohe Zahl der Kinder dort nicht sehr gefalle. Dagegen sei. der schnelle Wechsel der Aerzte zu empfehlen. Med.-Rar Tr. Hebel» Friedberg führte aus, daß im Kreis Friedberg bis jetzt acht Beratungsstunden stattfanden, der Bestand sei 43 Säuglinge, darunter mehrere größere; der älteste Säugling war 6 Jahre alt. (Heiterkeit.) Ein Kind wog nur zwei Pfund und wurde einer Frau in Pflege gegeben, die im ganzen vier Kinder stillt; hier wurden 20 Mk. bar als Unterstützung gegeben. Gegen den Aerztewechsel hat der Redner nichts einzuwenden.
Provinzialdirektor Tr. U sing er berichtet über den Kreis Gießen und besonders über die beiden Beratungsstellen in Gießen. Wecker würden zwei Beratungsstellen in Grünberg und Lich beabsichtigt. Tr. Bach- Mainz schildert die Tätigkeit der Mainzer Vereine. Es beständen dort eine Krippe, die täglich mit zirka 33 Kindern belegt sei, ein Säuglingsheim mit durchschnittlich acht Säuglingen und außerdem ein Wöchnerinnenheim. Daneben sei die Mutterschutz-Beratungsstelle und neben der Krippe des Vereins noch^zwei weitere Krippen vorhanden; die Stadt Mainz leiste für die Säuglingspflege einen Zuschuß von zirka 12 000 Mk. und es seien in der Stadt alle die Ideen durchgeführt, die Regierungsrat Pi stör als notwendig bezeichnet habe. In ideeller und materieller Hinsicht sei aber noch ein engerer Zusammenschluß mit der Großh. Zentralstelle zu erstreben. Bürgermeister Tr. Schmidt-Mainz führt ans, daß der amtlichen unb privaten Fürsorge im Mainzer Bezirk etwa 1000 Kinder unterstehen; die private müsse der amtlichen Fürsorge angeschlossen werden. Für die Ziehtinderfürsorge seien Damen mit einem Gehalt von 800 bis 1200 Mark pro Jahr angestellt. Kreisrat Dr. Fresenius-Worms bemerft, day dort eine Zweigstelle und Ortsausschüsse gebildet würden, die zu bestimmen haben, ob ein Arzt zu bewilligen sei usw. Tie Kassenärzte sollen die Kinder besuchen; dadurch würden auch Differenzen zwischen Laiid- und Stadtärzten vermieden. Weiter berichteten noch Kreisrat B ech- t ho l d-Bensheim und zwei Krantenschwestern über die Verhältnisse in Gernsheim bezw. Groß-Gerau, Alzey, Echzell und Bretzenheim und eine Krankenschwester über die Darmstädter Kinderfürsorge. — Nachdem die beantragte Ergänzung des Aus- schusses bis zur nächsten Generalversammlung zurückgestellt wor- den war, schloß Finanzminister Braun die Sitzung mit Tank | an Alle, die den Bestrebungen der Zentrale ihre llntcrftü*umg leihen.
Verantwortlich für den politischen Teil i. V.: 9t. Sange.
Meteorologische Beobachtungen der Station Siegen.
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Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene
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