Ausgabe 
18.5.1911 Erstes Blatt
 
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^aufrichtiger Befriedigung ausgenommen. Tie engen Bande, die die Kaiserhöfe Deutschlands und Rußlands mit einander ver- Enüpfen, sowie die aus bewährter Ueberlieferung und klarer Würdi­gung der beiderseitigen Interessen beruhenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarmächten werden bei Ge­legenheit des Besuches unseres PrinzenpaareS in Rußland er­neut und weithin sichtbar als bedeutsame Bürgschaften des Friedens und dessen Erhaltung die Herrscher der Regierungen Deutschlands und Rußlands als hohes Ziel ihrer Politik ansehen.

Z ar s ko je Sselo, 17. Mai. Der deutsche Kron­prinz und die Kronprinzessin sind heute nachmittag 41/» Uhr hier eingetroffen und vom Kaiser Nikolaus und von der Kaiserin Alexandra empfangen und nach dem Palais geleitet worden, wo später auch die Kaiserin-Witwe cintraf.

Heute abend 8 Uhr fand int Hauptsaal des Zarenpalais ein Galadiner statt. Die Tafel war mit roten und weißen Rosen reich geschmückt. In der Mitte der Tafel saß der Kaiser und die Katserin-Mutter, rechts von der Kaiserin-Mutter der Kronprinz, links von dieser die Kronprinzessin. Anwesend waren ferner die Großfürsten, die Minister, die Hofstaaten, die Präsi­denten des Reichsrats und der Tuma, der deutsche Botschafter, der deutsche Gesandte, der bayerische Gesandte v. Grunelius und die beiderseitigen Gefolge. Während der Tafel konzertierte das Hoforchester. Der Kronprinzessin wurde vom Kaiser Nikolaus der Orden der heiligen Katharina verliehen.

Der deutsch-schwedische Handelsvertrag.

Stockholm, 17. Mai. In der Aussprache über den Handelsvertrag mit dem Deutschen Reiche in der Zweiten Kammer wurde darauf hingewicsen, daß der neue Ver­trag die Lage der schwedisck-en Eisenindustrie direkt verschlechtere und daß Schweden inbczug auf die Stcininduslrie zu große Nach­giebigkeit gezeigt habe. Der Finanzminister gab zu, daß nicht alle Wünsche und Hoffnungen Schwedens erfüllt worden seien, wies jedoch zugleich auf die eventuellen Folgen eines vertrags- loscn Zustandes hin und betonte z. B., daß die Gewinnung eines neuen Absatzgebietes für die schwedische Tischlerindustrie er­hebliche Zeit in Anspruch nehmen würde. Dieselben Gesichts­punkte machte der Minister des Aeußern in der Ersten Kammer geltend und betonte, namentlich, daß die Regierung angesichts der Schwierigkeiten der Tischlerindustrie lieber auf den ganzen Vertrag verziclstet hätte, als in diesem Punkte eine Verschlechte­rung des bestehenden Zustandes anzunehmen. Auch in Sachen der Pflastersteine habe die Regierung die Erfüllung ihrer Forde­rungen als conditio sine qua non behandeln müssen. Obwohl die schwedische Regierung bedeutende Zugeständnisse habe machen müssen, die der deutschen Eisenindustrie für eine Reihe von Jahren eine beträchtliche Menge von Eisenerzen sicherten und sowohl die beiderseitigen Ausfuhrziffern nicht zugunsten Schwedens sprächen, sei der Vertrag nach seiner Ansicht für S ch tv e d e n doch so vorteilhaft, wie er unter den obwaltenden Umständen zu erreichen war. Aus der Mitte der Ersten Kammer wurde außerdem noch geltend gemacht, daß für den schwedischen Eiscn- export und speziell für das Holzkohleneisen nichts oder nichts wesentliches erreicht worden sei. Schließlich wurde der Vertrag in beiden Kammern angenommen.

Zum Rücktritt de; Abg. Dr. Entfleisch.

Darmstadt, 17. Mai. Tie Fraktion der Fort­schrittlichen Volkspartei hat an Abg. Dr. Gut­fleisch folgendes Schreiben gerichtet:

Mit lebhaftem Bedauern haben wir von der Niederleguug Ihres Landtagsmandats Kenntnis genommen. Es tut uns aufrichtig leid, daß Ihr Gesundheitszustand Sie genötigt hat, auf eine Ihnen lieb gewordene Tätigkeit zu verzichten, und wir können mit Ihnen fühlen, wie schwer Ihnen dieser Entschluß geworden ist. Ihre nie versagende Sckwffenskcast, Ihr sachliches und objektives Austreten, Ihre gründliche Sachkenntnis haben Ihnen bei allen Parteien, und nicht zum Mindesten bei der Regierung, eine int parlamentarischen Leben seltene Achtung und einen nicht zu unterschätzenden Einfluß erworben. Unsere Fraktion beklagt tief nicht nur im Interesse der Partei, sondern auch des hessischen Volkes Ihr Ausscheiden aus Ihrer parlamentarischen Tätigkeit und hofft mit Zuversicht, daß Sie, sobald es Ihre Gesundheit erlaubt, uns als tatkräftiger und erfahrener Ratgeber weiterhin zur Seite stehen.

Wir wünschen Ihnen recht baldige Gesundung und verbinden damit den aufrichtigen Dank der Partei für Ihr unermüdliches und erfolgreiches Wirken für das Volkswohl und für die Volks­rechte im wahrhaft liberalen Sinne.

Aus Hegen.

R. B. Darmstadt, 17. Mai. Für die morgen in der 2. Kammer beginnende Beratung der Regierungsvor­lage über dieErrichtungeinerBrikettfabrik auf der Grube Wölfersheim mit elektrischer Ueb erland- zentrale für Oberhessen haben sich in den jüngsten Taßen die Aussichten sehr wesentlich verbessert. Es ist in wiederholten eingehenden Besprechungen zwischen Re- gierungs- und Volksvertretern gelungen, die anfangs vor­handen gewesenen erheblichen Bedenken gegen das Mil­lionenprojekt wesentlich zu verringern und den Boden für eine Annahme der Vorlage zu ebnen. Tie Fraktionen der Bauernbündler, des Zentrums, der Freisinnigen und der Sozialdemokraten haben sich in vertraulichen Be­sprechungen im atlyemeinen für die Vorlage entschieden; das Zentrum beabsichtigt, zur besseren Sicherung der Renta­bilität der neuen Anlagen die Anstellung eines zweiten kaufmännischen Direktors zu beantragen. In der national- liberalen Fraktion, die sich heute nachmittag ebenfalls mit der Vorlage beschäftigte, sprachen sich die Wortführer gleich­falls für die Bewilligung des Gesetzentwurfs aus. Es wurde beschlossen, dem schon bekannten Älusschußantrag noch fol­genden Zusatz anzufügen:Die Regierung wird ersucht, die Brikettfabrik nebst elektrischer Zentrale und den Betrieb der Grube Wölfersheim an eine Aktiengesellschaft zu übertragen und sich an einer solchen zu beteiligen. Die Regierung hat nach dieser'Gründung der Kammer'Mit­teilung zu machen."

Ausland.

Neu York, 17. Mai. Ein Telegramm der Associated preß Kus der Stadt Mexiko meldet, daß Präsident Diaz bereit sei, vor Ende des Monats ab zu danken. Nach einer Meldung derNewyork Times" soll die Abdankungsurkunde bereits unter­zeichnet sein.

Nach der Meldung derNewyork Times" aus der Stadt Mexiko sandte der beut j- ch e Gesandte an das Ministerium des Aeußern einen Protest, in dem erklärt wird, das Eigentum und Leben der Deutschen würden ungenügend beschützt. Die Mitglieder der deutschen Kolonie unterzeichneten eine in demselben Sinne gehaltene Vorstellung.

Washington, 17. Mai. Das Staatsdepartentent hat der britischen und französischen Regierung durch ihre hiesigen Botschafter den Entwurf eines allgemeinen Schiedsgerichtsocrträges als Grundlage für Verhand­lungen über den Abschluß dauernder Verträge unterbreitet. Fragen, welche die nationale Ehre und vitale Interessen berühren, werden na*,- diesem Entwurf einem Schiedsspruch unterworfen. Im all­gemeinen soll der Haager Schiedsgerichtshof über die Streitfragen entscheiden. Im besonderen Falle sollen besondere Ausschüsse mit der Entscheidung betraut werden. Die Lösung jeber Streit­frage bedarf der Gutheißung des Vundessenats.

Aus StaSt und Land.

Gießen, 18. Mai 1911.

Der Verkaufstag der Großherzogin, der am Tienstag, 13. Juni, in Gießen stattfindet, soll zur Verstärkung des Fonds Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin zum Besten unbemittelter tuberkulöser Personen in Hessen dienen, für die keine Versicherung eintritt oder für deren Heilbehandlung andere Mittel nicht zur Verfügung stehen. Wie segens­reich dieser Fonds bisher gewirkt hat, ist aus den folgenden Mitteilungen zu ersehen: Im Jahre 1909 wurden auf Kosten des Fonds in Heilstättenbehandlung bezw. in Krankenhäuser oder Bäher 87, und 1910 88 Personen ausgenommen, wozu noch die im Jahre 1910 stattgefundenen Wiederholungskuren für 24 Per­sonen kommen. Im Jahre 1911 wurden bis jetzt 93 Per­sonen (einschl. 13 Wiederholungskuren) in Heilstätten, Kran­kenhäuser oder Bäder ausgenommen, wofür insgesamt 11197,41 Mark für Verpflegungen verausgabt wurden. Im Jahre 1909 sind 20673,32 Mark und 1910 32 994,86 Mark Kosten hierfür entstanden. Weiter tourbeit aus dem Fonds Unterstützungen gewährt für Beschaffung stärkender Lebens­mittel, zur Beschaffung von Betten, zur Beschaffung von Zahnersatz und künstlichen Gliedern, Uebernahme der Haus- miete für die Familie während der Tauer eines Kuraufent­haltes, Zuschüsse zu Kurkosten, Zuschüsse zu Badekuren, so­wie Beiträge zur Errichtung von Kinderhetlstätteu, Beiträge an den Heilstättenverein uno an Fürsorgestellen für Lungen­kranke. Hierfür sind 1909 640,35 Mark; 1910 4209,10 Mark und 1911 bis jetzt 2317,50 Mar. verausgabt worden. In folgenden Heilanstalten, Krankenhäusern und Bädern waren auf Kosten des Fonds Kranke untergebracht: Eleonoren- Heilstätte bei Winterkasten, Ernst-Ludwig-Heilstatte bei Sandbach, Lungenheilstätte von Göttmaun Wwe. zu Reichels­heim im Odenwald (2r. Fischer-, Alice-Hospital zu Tarm- stadt, Krankenhaus in Langen, Evangelisches Krankenhaus in Lampertheim, St. Bonifauus-Kramenhaus zu Hirschhorn, Kreiskrankenhaus zu Viernheim, Villa Friedrichsruh in Wimpfen, Elisabeth-Haus in Lad-Nauheim, Konitzky-Stift in Bad-Nauheim, Mathildenhospital zu Büdingen, Kreis­krankenhaus zu Alsfeld, Städtisches Krankenhaus in Worms, Nassauische Heilstätte bei Naurod im Taunus, Städtisches Krankenhaus Frankfurt am Main, Akademisches Kranken­haus zu Heidelberg und Ernst-Ludwig-Heilanstalt von Dr. Lossen in Darmstadt. Seit Bestehen des Fonds wurde bis jetzt Oon 452 Personen um Unterstützung aus ihm nach­gesucht und in 335 Fällen konnte dem 'Gesuche entsprochen werden. In 117 Fällen könnte dies nicht geschehen, da die um Unterstützung Nachsuchenden zum Teil bei der Landes­versicherungs-Anstalt gegen Invalidität versichert waren, was eine Gewährung von Unterstützung aus dem Fonds bestimmungsgemäß ausschließt, teils wurden die Gesuche von den Bittstellern wieder zurückgezogen. In letzter Zeit konnte wegen der außerordentlichen Inanspruchnahme des Fonds und der dadurch bedingten Erschöpfung der Mittel eine größere Reihe von Gesuchen leider nicht mehr berück­sichtigt werden, weil nach der von der Großherzogin ge­troffenen Anordnung der verzinslich angelegte Fonds nur bis zu einer bestimmten Summe, um für die Zukunft ein Stammkapital zu behalten, aufgebraucht werden soll. Es ist deshalb aufs innigste zu wünschen, daß der Gießener Verkaufstag der Großherzogin dem so segensreich wirken­den Fonds einen recht erheblichen Betrag zuführt.

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* * I n Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog am Mittwoch u. a. Hauptlehrer Mockenhaupt von Büoingen.

* * Juuizpersonalien. Ter Großherzog hat den Notar mit dem Amtssitz in Darmstadt Geh. Justizrat Ernst Schmeel auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm das Ritter­kreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen mit der Krone verliehen, sowie den Rechtsanwalt Justizrat Dr. Artur O s a n n in Darmstadt zum Notar mit dem Amtssitz in Darmstadt, als Nachfolger des Notars Geheimen Justizrats Schmeel, ernannt.

* * Lehrerpersonalicn. 11 ebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Gorr aus Heuchelheim (Kr. Gießen) eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Obcr-Ohmen. Entlassen wurde die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Bieber (Kr. Offenbach) Karoline N old en auf ihr Nachsuchen. In den Ruhestand verseht wurde die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Ober-Noden Eva Brunn auf ihr Nach­suchen bis zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schwabs bürg.

* * Das Ergebnis des hessischen Blumen­tages am 6. und 7. Mai zum Besten der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge beträgt nach der Mitteilung der letzteren 165 000 Mark.

* * Feuerlöschwesen. Baumeister T r a b e r ist, wie uns mitgeteilt wird, von der Stelle des städtischen Brand­direktors zurückgetreten.

* * Der GesangvereinHarmoni e", einer der ältesten Vereine der Stadt, blickt in diesem Jahre auf sein 65jähriges Bestehen zurück. Ter Stistimgstag soll im Herbste festlich begangen werden. Der Verein gehört dem Lahntal-Sängerbunde an und nimmt daher auch an der Jubelfeier des Männergesangvereins Wetzlar teil.

* * Kein Selbstmord. Nach den inzwischen ange­stellten Ermittelungen erfolgte der (in der Montagsnummer gemeldete) Tod des Studenten Kobligk aus Altona nicht durch Selbstmord, sondern infolge Unvorsichtigkeit bei dem Gebrauch von Schlafmitteln.

* * Zusammenstoß. Gestern vormittag stieß ein Automobil mit der Elektrischen Straßenbahn in der Bahnhofstraße am Hotel Schütz zusammen. Tas Auto wurde nur leicht beschädigt, so daß es bald wieder weiter­fahren konnte. Das Auto kam erst am Tage vorher aus der Fabrik und machte seine erste Fahrt.

* * Versendung von Paketen während der P fing st zeit. Tie Versendung mehrerer Pakete mit einer Postpaketadresse ist für die Zeit vom 29. Mai bis einschl. 3. Juni weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland ausgenommen Argentinien gestattet, Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete mit einer Postpaket­adresse versandt werden.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 17. Mai. Einen seltenen Appell werden am 3. Pfingstseiertag alte Lehrerveteranen be­gehen. Die unser Lehrerseminar zu Ostern 1858, 1859 und 1860 verließen, wollen an diesem Tage noch einmal in Bad Homburg zusammenkommen. Es sind von den 130 damaligen

Friedberger Seminaristen mir wenige, die der heute ab- gegangenen Einladung folgen können.

Starkenburg und Rhein Hessen^

R.-B. Darmstadt, 17. Mai. Unter dem Vorsth dec Frau Staatsminister Ewald sand heute nachmittag in Gegen- wart der Großherzogin die Schlußsitzung des Haupt- ausschusscs für den Blumentag statt. Provinzialdirektor Fey wies auf den glänzenden Erfolg der schönen Sache hin, der alle Erwartungen übertroffen habe. Zu diesem Erfolge hätten die Vertreter aller Berufsstände mitgewirkt, und be­sonders dankbar müsse die Tätigkeit der zahlreichen Helferinnen in Stadt und Land anerkannt werden. Ueber den Verlauf des Blumentages in der Stadt referierte Bürgermeister Müller, über den Verlauf und das Ergebnis auf dem Lande Kreisschulinspektor Prof. Kissinger. RegicrungSrat Pi stör aab alsdann eine allgemeine Uebersicht über das pekuniäre Ergebnis des Blumentages, dessen Gesamterträgnis rund 1 6 5 0 00 Mark betrage, bei nur etwa 7 000 Mk. Unko sten, also mehr als das Doppelte von dem, was man zuerst geschätzt und erwartet hatte.

= Darmstadt, 17. Mai. Tie Komposition des 100. Psalms, die bei dem Reger-Musikfest am 28. Mai int Hostheater zur Aufführung gelangt, ist das 106. Werk des Meisters. Die Erstaufführung des Wertes auf dem ToNkünsllerfest des All­gemeinen Deutschen Musil'oereins in Zürich 1910 war das be­deutendste Ereignis jener Festtage. Vornehmlich int Bachschm Geleise sich bewegend, schreitet es mächtig einher, kontrapunktisch großartig, mit gewaltigen Klangmassen und -Wirkungen. Die Tonsprache, die hier zu uns redet, mag nicht jedermann sofort verständlich sein. Deshalb wird, wie auch jüngst in Heidelberg, der Psalm zweimal, mit dreiviertelstündiger Zwischenpause, zu Gehör gebracht, um so ein tieferes Eindringen in seinen Auf­bau zu ermöglichen. Es ist höchst wünschenswert, daß diese Ge­legenheit, durch zweimaliges Anhören das Werk genauer kennen zu lernen, von möglichst vielen Besuchern des Festes benutzt wird. Die Eintrittskarten gelten für die ganze Dauer des Konzerts von 68 Uhr, also für beide Aufführungen; doch dürfen sie auch von zwei Zuhörern für je eine der beiden Aufführungen gebraucht werden. Tie Einzelheiten bezüglich des Festes sind aus den Anzeigen ersichtlich.

d. Mainz, 17. Mai. Heute nachmittag vor 6 Uhr ging ein außerordentlich heftiges Gewitter mit woltenbruchartigem Regen und Hagel über unsere Stadt. Besonders heftig wütete das Wetter in der Neustadt und den angrenzenden Straßen der Altstadt. Eine Unzahl Keller und Erdgeschoßwohnungen wurden unter Wasser gesetzt, in der Gärtnerstraße mußte die Feuerwehr das Wasser aus beit Parterrewohnungen herauspumpen. Bei der heutigen Gewerbegerichtswahl fielen auf die Liste der Arbeit­geber 93 Stimmen (bei der Wahl vor 2 Jahren 283 Stim­men), auf die Liste der Arbeitnehmer erhielten die freien Gewerkschaften 3017 Stimmen und die christlichen Gewerk­schaften 432 Stimmen. Auf die freien Gewerkschaften ent­fallen 23 und auf die christlichen Gewerkschaften 3 Bei­sitzer. Bei der Wahl vor zwei Jahren waren auf die freien Gewerkschaften 3505 und auf die christlichen Gewerkschaften 575 Stimmen entfallen. Das Unwetter dürfte viele Wähler von der Wahl abgehalten haben.

-o. Worms, 17. Mai. Aus die hiesige Vereins­bank kam am Montag ein Mann, der einen auf 30 000 Mk. lautenden Depositenschein vorzeigte, auf den er 8000 Mark abheben wollte. Da die Kasse im Moment nicht soviel bares Geld flüssig machen konnte, gab mau dem Manne nur 2700 Mark und ersuchte ihn, später wieder zu kommen. Der Mann kam aber nicht wieder und es stellte sich heraus, daß er den Depositenschein bei einem Einbruch in dem pfälzischen Dorfe Zell gestohlen hatte. Der Einbruch erfolgte in der Nacht auf Montag in das Haus des Handelsmannes Johann Müller, während die Leute auf einem Tanzvergnügen waren.

Hessen-Nassau.

= Herborn, 17. Mai. Die hiesige mtnmehr voll­endete 3. L a n d e s i r r e n a n st a l t, die Dienstag, 20. Juni eröffnet werden soll, hat sieden Millionen Marr erfordert. Sie ist einstweilen für 650 Kranke eingerichtet, so daß für längere Zeit dem Bedürfnis Rechnung getragen ist. Der jährliche Zugang an Geisteskranken beträgt im Bezirk durchschnittlich 70. Für erwachsene Taub stumme hält am 25. Juni, vormittags 11 Uhr, in dem Chor der Stadtkirche Dekan Ernst zu Eckstein einen Gottes­dienst ab.

w Frankfurt a. M., 17. Mai. Heute abend nach 9 Uhr versuchte der Arbeiter Dengler seine Geliebte, eine Prostituierte, in deren Wohnung in der kleinen Fischergasse mit einem Messer zu ermorden. Er brachte ihr einen ziemlich tiefen Schnitt in den Hals bei, so daß die Schwer­verletzte in das Heiliggeisthospital übergeführt werden mußte. Bei der Verfolgung des Täters verletzte dieser einen Arbeiter, der ihn feslnehmen wollte, leicht an der Hand.

AniveriZtäts-Nachrichten.

Darmstadt, 17. Mai. Einem Ruf an die kaiserlich chinesische Reichs-Universität P e k i n g als Professor für Mineralogie folgt jetzt ein geborener Darmstädter, der bts- herige Assislem am mineralogischen Institut der Universität Heidel­berg und Mitarbeiter der Großh. Badischen Geologischen Landes­anstalt, Dr. Ernst Becker. Ursprünglich Offizier im hiefigen In- fanterie-Leibgarde-Regiment, studierte er n. d.Darmst. Ztgck seit 1900 Naturwissenschaften, besonders Geologie und Mineralogie und promovierte 1904 in Halle mit einer geologischen Bearbeitung des Roßberges bei Darmstadt.

Leipzig, 17. Mai. Ter hiesige Universitätsprofessor der Nationalökonomie Dr. Ed. B i e r m ann errichtete zu Gunsten des Volkswirtschaftlichen Seminars der Universität Leipzig eine Stif­tung von 5 0 0 0 0 Mark zum Andenken an seinen verstorbenen Vater, den Bremer Großkaufmann Biermann.

London, 16. Mai. Ter außerordentliche Professor der allen Geschichte an der philosophischen Fakultät der Universität Berlin Dr. C. F. L e h m a n n - H a u p t ivurde als Professor des Griechi­schen an die Universität Liverpool berufen als Nachfolger des aus den Lehrstuhl der alten Geschichte nach Oxford berufenen Pro­fessors Myres.

Gerechtssaae.

R.B. Darmstadt, 17. Mai. Vor dem Kriegsgericht hatte sich heute der Musketter BoranowSki vom Jnf.-Reg. Nr. 116 in Gießen wegen unerlaubter Entfernung von seinem Triippenteil, zu verantworte. Er wurde deshalb und wegen verschiedener falscher Bekundungen zu 3 Wochen Mittel­arrest ti er urteilt.

Lustschiffahrt.

Berlin> 17. Mai. Bis zum ersten Meldeschluß für den d euts chen Rundflug 1911 um den ,,B. Z'' Preis der Lüfte, der am 11. Juni beginnt, ließen sich acht­zehn Flieger einschreiben: Emil Jeannin, Hugo Büchner, Robert v. Mosner, Oskar Wittenstein, Otto Lrndpaintner, Bruno Hanuschke, Georg Schendel, Witterstätter, H. Oele- rich,. Karl Müller, Eugen Meneziers, Gustav Otto, Hans.