Ausgabe 
15.12.1911 Erstes Blatt
 
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Tie Abstimmung.

'/Lebhafter Beifall.) Indern wir bm es tto m enger ge­halten, wenn cS möglich ist, wünschen wir unjcrc Aufgabe zu ^Mlen Wenn wir dies tun, entsprechen wir nur bem in Eng­land von dem Staatssekretär des Auswärtigen ausgedrückten Gefühl mnb dem Gefühl, das; kürzlich bei seinem Besuch, den »vir in wert­voller Erinnerung behalten werden, der Minister des Aeu- Lern einer verbündeten Macht zum Ausdruck gebracht ha.t (Lebhafter Beifall auf der Linken und aus verschiedenen anderen Bänken/» . ,

Kolonial Minister Lebrun

ftihrte unter Beifall aus, in welchem Geist die Regierung m die Abtretung des Gebiets eingewilligt habe. Die Regierung, habe Librewille und den mittleren Kongo behalten wollen wegen seines Reichtums und wegen der guten Verbindungen in diesen Gebieten. 'Tas Abkommen würde für dieses Land keine unangenehmen Fol­gen haben. Es sei sich selbst genug. Lebrun erklärte lodann die Zufahrtsstraßen in Zentralafrika und legte dar, daß der Zugang in die französischen Gebiete auch nach dem Abkommen durch den Kongo jund den Ubangi gesichert bleibe. Er machte des werteren Angaben über die Ausdehnung des abgetretenen Gebiets, das ans 50 000 Quadratkilometer sumpfigem B o d e n (Marecage), 50 000 Quadratkilometern Urwald und 100 bis 120000 Quadratkilometern anbaufähigem Lande bestehe. Ter Kolonialminister stellte sodann den abgetretenen Gebieten am Kongo den Zuwachs gegenüber, den das afrikanische Ko­lonialreich) erfahre, und sagte schließlich: Kann man es nicht sagen, daß es die Brazza sind, die Frankreich Marokko gcfchenlt haben? Frankreich wird ihnen dafür ewig dankbar fein.

Ter Abgeordnete Iaur 6 s forderte genaue Angabe über die Art, in der die französisch-spanischen Verhandlungen geiuort werden sollen. Nachdem Jaurös Bedenlln über die Opportunität des Antrags de Mun geäußert hatte, bestieg

C a i l l a u x

die Tribüne und führte aus: Tie Verhandlungen mit Spanien gründen sich auf das Abkommen von 1904. Frankreich beabfich- tigt, mit Spanien in einem Gefühl vollster Freundschaft und größter Herzlichkeit zu verhandeln. Es beabsichtigt, die Würde Spaniens zu wahren bei allem Eintreten für die Interest en Frankreichs. (Lebhafter Beifall.) Auf das twdamalige Ver­langen de Muns, etwas über die Besprechungen zu erfahren, die der Entsendung desPanther" nach Agadir vorausgegangen seien, erwiderte Caillaux, er werde darauf antworten, wenn die Kammer sich über die Vorlage ausgesprochen habe. Er habe die Pflicht, vorher nock) verschiedene Redner zu hören.

Ter Abg. Deschanel, Vorsitzender des Ausschußes für auswärtige Angelegenheiten, bekämpfte den Antrag de Mun und betonte: Tie Lage Europas verlangt, daß wir die Frage regeln. Wir haben Deutschland gebeten, die Fragen nicht miteinander zu verbinden.

Der vom Grafen de Mun gestellte Antrag, die Rati-- fizierimg des deutsch-französischen Abkommens bis nach Abschluß der französisch-spanischen Verhandlungen aufzu- schieben, wurde mit 448 gegen 98 Stimmen abgelehnt.

Noch ein Echo im englischen Uterhaus.

London, 14. Dez. Im Unterhaus wurde die Aus­sprache über die auswärtigen Angelegenheiten von Sir Henry Norman (liberal) wieder eröffnet. Er erklärte, die Reden Sir Edward Greys und des deutschen Reichskanzlers hätten gewiß die Schiefertafeln gereinigt, wenn sie nichts neues darauf ge­schrieben hätten. Englands Freundschaft mit Frank- r«ich sei aus der Spannung, welcher sie ausgesetzt war, nur noch stärker hervorgegangen. Die Beziehungen mit Deutsch­land wurden jetzt das werden, was die beiden Mächte daraus zu machen wünschten. Der einzige Weg, Deutschland zu dem Schritte zu führen, der beide Nationen von der Bürde der immer wachsen­den Rüstungen zur See befreien werde, sei, ihm die Hebet» aeugung b ei z u b r i n g en , daß Englands Flotte nie dazu angewendet werden würde, Deutschlands Ausdehnung in irgendeiner Richtung zu behin­dern, die mit den Interessen und der Ehre Großbritanniens vereinbar sei.

Lord Beresford sagte u. a., es wäre falsch, wenn Groß­britannien sich in die berechtigte (Apansion eines großen Reiches tote Deutschland mischen sollte. England müsse es zeigen, daß seine Macht von der Erhaltung der Herrschaft zur See abhänge, und man könne das versichern, ohne Deutschland gegenüber un­höflich zu sein. (Beifall.) Ein Krieg mit Deutschland wäre ein Verbrechen, und.er .könne nicht einsehep, warum England nicht mit allen Nationen Freund sein sollte, wenn es dadurch feine Politik zur .Verteidigung des ganzen Reiches aus- einand ersetze.

Ter Abgeordnete Atherley Jones (liberal) sagte, er müsse zwar Grey seine Anerkennung aussprechen, weil er imstande ge­wesen sei, den Frieden ohne Sd)mälerung des Ansehens und der materiellen Interessen Englands aufrechtzuerhalten, glaube aber, daß die Beziehungen zu Deutschland nur durch die Ab kehr von der Politik der Herausforderung ver­bessert werden könnten, die von dem britischen Auswärtigen Amt befolgt worden sei.

Im Verlaufe seiner Rede erklärte Sir Edward Grey: Sir Henry Normann sagte, daß die Stimmung in Deutsch­land augenblicklich keine gute f e i. Es mag fein, daß wir etwas warten müssen, bis die Atmosphäre etwas besser geworden ist. Denken Sie andererseits daran, daß die Marokko- frage aus dem Wege geräumt ist, was auch der deutsche Kuazler in seiner ersten Rede gesagt hat. Was für Schwierigkeiten auch Auftreten mögen, Eifersucht auf Deutschlands Ex­pansion ist nicht unser Beweggrund und wird es niemals fein.

Die Regierung über die Wirkung der neuen Steuern.

DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: In der Sitzung bom 4. Dezember wurden aus der Mitte des Reichstags so ungünstigeAngaben über die bisherigen Erträge der neuen und erhöhten Zölle und Steuern gemacht, daß sich eine alsbaldige Richtigstellung seitens der verbün­deten Regierungen als unerläßlich erwies. Trotzdem wer­den die unrichtigen Zahlen in der Presse weiterverbreitet mit dem erstaunlichen Schlußergebnifse, daß die neuen Zölle und Steuern noch nicht 55 Proz. dessen gebracht hätten, was man sich von ihnen versprochen habe. Es ist Pflicht, dem von neuem entgegenzutreten. Deshalb bringen wir nachstehend die Ziffern über die Entwicklung der einzelnen Abgaben. Dabei sind für die Zeit vor dem Inkrafttreten der neuen Abgaben die tatsächlichen Erträgnis,e unter Be­rücksichtigung der Voreinfuhr, für lblu, uic nach dem Jahresabschluß aufgekommenen Summen und für 1911 die­jenigen Beträge eingesetzt, welche sich aus der seit langem bewährten, regelmäßig in der Etatsrede des Staatssekretärs verwerteten Novemberschätzung ergeben.

Hiernach sind auigeiümnten und geschätzt: 1. beim Kaffee- und Teezoll früher 76,2 Millionen, 1910 108,8 Millionen, 1911 113,4 Millionen,

2. beim Zabat (Gewichtszoll uno Wertzollzuschlag mit Ausnahme der Abgaben von Tabakrippcn, der Tabatsreuer und der Zigarettensteuer) früher 91,4 Millionen, 1910 141,b Millionen, 1911 155,9 Millionen,

3. beim Branntwein (Zoll, Steuer und Essiasäure- verbrauchsabgabe) früher 125,3 Millionen, 19.0163,3 Millio­nen, 1911 197,4 Millionen,

4. beim Schaumwein (Zoll und Steuer) früher 8,6 Millionen, 1910 14 Millionen, 1911 13,6 Mlllionen

5. bei der Leuchtmitte lsteuer 1910 9,9 Millionen 1911 12,4 Millionen,

6- bei der Zündwarensteuer 1910 13,6 Millionen 1911 18,2 Millionen,

7. beim Bier (Zoll, Steuer, Ucb°rg°ngs°bg°be und Ausgleichungsbcträge) früher 68,9 Millionen, 1910 146,b Millionen, 1911 164,9 Millionen, j 1Qin

8. beim Wechsel stempel früher 16,4 Millionen, 1910 18,7 Millionen, 1911 18,1 Millionen,

9. beim Scheckstempel 1910 3,6 Millionen, 1911

3,1 Millionen, M

10. bei Abgabe von Wertpapieren, ^winnanteil- scheinen und Zinsbogen früher 27,2 Millionen, 1910 5/,b Millionen, 1911 63,1 Millionen,

11. bei Abgabe von Grund st ücksübertragun- aen 1910 44,3 Millionen, 1911 41,7 Millionen,

12. bei der Erbschaftssteuer (Mehreinnahme für das Reich infolge der Herabsetzung des Anteils der Bundes­staaten von ein Drittel auf ein Viertel der Einnahme) 1910 4,7 Millionen, 1911 4,6 Millionen.

Insgesamt haben die aufgeführten Abgaben also ein» gebracht vor Inkrafttreten der neuen Finanzgesetze: 414 Millionen und 1910 727,1 Millionen, für 1911 ist der Ertrag geschäht auf 803,4 Millionen, also mehr 1910 313,1 Mill., für 1911 392,4 Millionen, während im Reichshaushaltsetat für 1910 die Mehreinnahme mit 295,2 Millionen und trn Etat für 1911 mit 328,2 Millionen angesetzt war. Gegen den für den Beharrungszustand erwarteten Mehrertrag von zusammen 417 Millionen bleibt der Ertrag von 1910 um 103,9 Millionen, der von 1911 nur noch um 24,6 Millionen zurück. Danach bringen die neuen Zölle und Steuern vor Ablauf des dritten Jahres des Bestehens n i ch t 5 5 P r o z., sondern mehr als 94 Proz. des geschätzten Be­tz arrungszu st andes. Daß sie auf den Beharrungs­zustand unmittelbar zuschreiten, läßt eine Entwicklung von 1910 auf 1911 vermuten, die jedenfalls kräftiger ist als bei­spielsweise die Entwicklung der Steuern von 1903.

Sie ReichrtagLwcchlbmeglmg.

Aus dem Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach.

Alsfeld, 14. Dez. Der Reichstags Wahlkampf in unserem Wahlkreis hat nunmehr auf der ganzen Linie eingesetzt. Am vergangenen Sonntag abend hielt der Kan­didat der wirtschaftlichen Vereinigung Vindewald im dicht­gefüllten Saale desDeutschen Hauses" eine ösfentliche Versammlung ab, in der auch der Gießener Kandidat Dr. Werner sprach. An der Diskussion, beteiligten sich Rechts­anwalt Kaufmann-Gießen und ein sozialdemokratisch-er Redner, denen gegenüber der Kandidat Dindewald einen schweren Stand hatte. Am Dienstag abend sprach , im großen Theatersaale desDeutschen Kaisers" der Kandidat der Fortschrittlichen Voltspartei Pfarrer Möbus-Uden­hausen, er behandelte insbesondere die Bodenreform; eine Aussprache sand nicht statt. Der Kandidat der Nationallibe­ralen, Landwirtschaftslehrer Heck-Alsfeld, ist ebenfalls eifrig bei der Arbeit und hält im Wahlkreise Versammlungen ab, die zum größten Teile besucht sind. Die Agitation der Sozialdemokraten wird demnächst auch einsetzen.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Italiener in Tripolis.

Trip olis, 14. Dez. (Agence Havas.) Die Italiener besetzten gestern Tadjura, ohne Widerstand zu finden.

Deutsches NeLch.

DieNorddeutsche Allgem. Ztg." schreibt: Im Reichs - j u st i z a m t sanden in der letzten Woche, anschließend an frühere Beratungen, Verhandlungen mit Sachverständigen über die inter­nationale Vereinheitlichung des Privatrechts statt. Neben einigen mit dem Seerecht besonders vertrauten Ju­risten toar.n Vertreter au^ R^dertrec en,Vec,m)crungsgeiellschaften, Dispacheure und Ladungsinteressenten zugezogen. Tie Ergebnisse der Beratung werden für die Stellungnahme Deutschlands zu den Entwürfen eine wertvolle Grundlage bieten.

In einer Bundesratssitzung am Donnerstag wurde den vom Reichstag angenommenen Entwürfen betreffend das Gesetz über die Ausgabe kleiner Aktien in den Konsularbezirken und im Schutzgebiete Kiautschou, betr. das Hausarbeitsgesetz, das Gesetz bett. Aenderung der §§ 114 a uff. der Gewerbeordnung, das Gesetz betr. die Aushebung des Hllsstasfengesetzes und das Versicherungs­gesetz für Angestellte, das Gesetz betr. die Handelsbeziehungen zum britischen Reich zugestimmt. Eine Reihe Voranschläge für 1912 wurden genehmigt.

Heer und Flotte.

General der Artillerie und G e n e r al i n sp e k- teur der Fußartillerie General v. D u l i tz wurde nach demMilitärwochenblatt" unter Genehmigung seines Abschieds­gesuchs zur Disposition gestellt. Lauter, Generalleutnant, Inspekteur der Ersten Fußartlllerie-Jnspektion, wurde zum General der Artillerie beförbert und zum Generalinspekteur der Fußartillerie ernannt.

2ürd?c und Schule.

Eine Feststellung des preussischen Gesandten beim päpstlichen Stuhl Berlin, 14. Dez. Nach Veröffentlichung des Motu proprio vom 9. Oktober d. Js. war, so teilt das amtliche Wolsfsche Bureau mit, der Königlich-preußische Ge­sandte beim Päpstlichen Stuhl angewiesen worden, bei der Kurie festzuftellen, ob der Geltungsbereich des päpstlichen Erlasses sich auch auf Deutschland er­strecken werde. Der Kardinal st aatssetretär hat Herrn v. Mühlberg nunmehr ertlärt, daß das Motu proprio Deutschland nicht berührt. Nach dem Erkenntnis der Kurie, daß das Motu proprio für Deutschland keine Geltung hat, besteht für die Staatsregierung kein Anlaß mehr, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

Aus SruSt und Land.

bleuen, 15. Tezember 1911.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Schung unserer Sradrvertretung begann mit der Verewigung des neugewählten unbesoldeten Bei­geordneten Dr. Schäfer, der in seiner Dankesaniprache warme Worte der Anerkennung für seinen verstorbenen Ann soorganger Georgi hatte. Die Sitzung selbst vertief tn ruhiger und sachlicher Weise, so daß die ausnahmsweise zahlreich erschienenen Zuhörer statt des erwartetengroßen ^agc3 nur sachliche nüchterne Arbeit zu hören bekamen, ^er von mehreren Stadtverordneten dem Oberburgermeiner gegenüber geäußerte Wunsch, baß nicht auf der Tages­ordnung fteyende Angelegenheiten erst nach Erledigung der ^agesordnnng vorgebracht und verhandelt werden möchten, liegt durchcms im Interesse der Bürgerschaft, der weniger an großen Reden ihrer Vertreter liegt, ms an gründlicher «achttcher Arbeit. Von den verhanoetten Gegenwänden sei hcroorge.)ooen, daß das Gesuch um Schaffung eines Be- oauungsplane^ für den südlichen Teil des Nahrungsberges abgeleynt wurde. D-en breitesten Raum in den Verband- lungen beanspruchte luieber einmal die Umgestaltung der A>e,^Anlage, die schließlich an £>en zuständigen Ausschuß zuruckverlmesen wurde.

* i

** Tageskalender iüv Freitag, den 15. Tez.: Stadt- tbeater:Tie ll-uder der Exzellenz/' Anfang 8 Uhr.

A k a d e m. B i s m a r ct b u n b : Vortrag von Generalsekretär Wahl: Tie Lehren des Dlatn-er Katholikentages. Abends 8/1, Uhr in Steins Garten. *

** In der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde dem Verkauf eines Bau­platzes an der Kaiser-Allee an dieTeutonia", oberhalb des Teutonenhauses, zugestimmt. Da die weiter oberhalb dort liegenden Plätze inzwischen an dieFrankonia" und dieAdelpbia" verkauft worden sind, so sind fetzt sämtliche dort liegenden städtischen Bauplätze in den Besitz der stu­dentischen Korporationen übergegangen. .

** In Audienz empfangen wurden vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Pfarrer Diehl von Sellnrod, Geheimerat Dr. Usinger und Schulrat Scherer von Büdingen. , ,

** Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die fünfte Lehrerstelle an der evang. Schule zu Erbach i. O. präsentierte Schulamtsaspirant Friedrich Gölz aus Dorf-Erbach: ferner der von dem Prinzen Friedrich zu Solms-Braunsels aus die erste Lehrerstelle an der Gemeinde­lchule zu Obbornhofen präsentierte Lehrer Wilh. Rupp daselbst. Zurückgenommen wurde die Versetzung des Lehrers Ludw. Pi rot von Ober-Wöllstadt nach Gau-Wemheim. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ofleiden. .

** Märchenvorstellung. Man teilt uns mit, datz die beiden Wiederholungen der von der Vereinigung für Volks­kunde veranstalteten Märchenvorstellung ausschließlich für be­stimmte Klassen b er verschiedenen städtischen Schulen bestimmt sind. Die Kinder werben von der Schule aus darauf hingewiesen und werden unter Führung der Lehrer stehen. Andere Kinder werden schon aus Mangel an Raum keinen Platz mehr finden.

** Stabttheater. Das Lustspiel von Stein und HellerDie Ahnengalerie", bas in den bisherigen Aus­führungen äußerst lebhaften Beifall gefunden hat, wird Sonntag abend zum letzten Male gegeben. Die Vorstellung findet wie die Nachmittags-Aufführung vonPolnische Wirt­schaft" zu kleinen Preisen statt. ,Polnische Wirtschaft^ erlebt damit hier bereits die siebente Aufführung.

Landkreis Gießen.

a. Klein-Linden, 14. Dez. Der Gesangverein Harmonie" hat Einladungen zu seinem 25jährigen Stiftungsfest am 29. Juni und 1. Juli 1912 an die Nachbarvereine ergeben lassen. Der Vortrag schöner Volks­lieder und volkstümlicher Gesänge sollen bei dem Feste ge­boten werden.

-ck. W ieseck, 13. Dez. In der heutigen Gemeinde­ratssitzung wurde über den erhöhten Bürgersteig in der Schulstraße, der nur für eine Seite genehmigt war, verhandelt. Nachdem der Vorsitzende die Sachlage erörtert hatte, wurden die Arbeiten als zweckmäßig anerkannt,- sie sollen dem Unternehmer der Kanalisationsarbeiten für den­selben Preis übertragen werden, wie er für die schon ge­nehmigte Seite festgesetzt ist. Für die Ausstellung der Ge­nehmigung zum Bezüge von Arbeiterfahrkarten und Ar- beiterradsahrkarten stand bisher dem Bürgermeister eine Gebühr von 40 Pfg. zu, die vom 1. Dezember ab, da an diesem Tage Bürgermeister Schomber sein Amt als Berufs­bürgermeister antritt, in die Gemeindekasse geflossen wären. Ein Antrag Luh verlangt die Abschaffung dieser Gebühren. Ter Vorsitzende erklärte sich für Beibehaltung, da sie der Gemeindekasse zugute kommen, jedoch wurde durch Stimmen­mehrheit die Abschaffung beschlossen. Als Schulvorstands­mitglieder wurden die Gemeinderäte Hch. Weller XVI., Balch. Wacker und Friedr. Deibel gewählt. Die Bewohner der Marburger Straße, die aus nur 5 Hofreiten besteht, hatten ein Gesuch eingereicht, nachdem ihnen der Voranschlag der Gemeinde zu hoch war, und sich noch zwei Besitzer aus­geschlossen hatten, die Wasserleitung mit engeren Rohren aus eigene Kosten erbauen AU dürfen. Es wurde ihnen die Genehmigung auf Widerruf erteilt. Im übrigen haben sie sich dem Wasserstatut der Gemeinde zu unterwerfen. Die Reinigung des am 1. Januar in Gebrauch zu nehmenden neuen Schulsaales soll für die Zeit vom 1. Januar bis 1. April der Wilhelm Größer Ehefrau für den ortsüblichen Preis übertragen werden. Mit den Kanalanschlüssen und den Einfriedigungen der Hofreiten in der Grabenstraße sind noch einige Anlieger im Rückstand da die Fahrbahn und Fußsteige der Straße gegenwärtig im Ausbau begriffen sind, soll, um ein späteres Aufreißen der Straße zu ver­meiden, ihnen eine Frist bis zum 1. April gewährt werden. Nach Ablauf dieser Frist sollen die Arbeiten unverzüglich von der Gemeinde auf Rechnung der Säumigen vorgenommen werden.

~ -n. Göbelnrod, 14. Dez. Gestern abend fand im Saale des Gastwirts Ehr. Schultheiß dahier eine gut besuchte Wählerversammlung statt, in der Reichstagsabgeord- neter Werner sprach. Gleichzeitig hatte sich auch nach Schluß der Versammlung eine größere Zahl Ortsbürger ein* gesunden, die auf Einlaoung des Ortsvorstandes erschienen waren, behufs nochmaliger Aussprache wegen der eiet» irischen Beleuchtung unseres Ortes. Trotzdem die Gemeinde sehr belastet und den höchsten Gemeindesteuer* satz (238,755 Proz.) im Kreise Gießen hat, ist sie docy nicht abgeneigt, auch hier diese Erneuerung einfuhren zu lassen.

Kreis Büdingen.

~ x Nidda, 13. Dez. Heute abend hielt Bergrat Dr. Schottler, Geologe aus Darmstadt, hier im Gambrinus einen Lichtbildervortrag über Vulkane und Erd­beben. Der sehr interessante, auch auf die Verhältnisse unseres na^en Vogelsbergs eingehende Vortrag war ziem­lich gut besucht.

Kreis Alsfeld.

X Alssed, 13. Dez. Tas Interesse für den Winter­sport macht sich auch bei uns lebhaft rege. Der Zweig­verein Alsfeld des Vogelsberger Höhenllubs beabsichtigt vor dem sogen. Homberg, einem bewaldeten Höhenzug, etwa 45 Minuten von A'lsfelo entfernt, eine regelrechte Rodel­bahn anzulegen. Die Bahn soll etwa 1300 Meter Länge mit schöner Kurve uno ausreichendes Gesäll erhalten. Die Voraroeiten zur Ausführung sind schon im Gange. Man lann dem Alsfelder V. H. E. oantbar jein, daß er hier einen vielfach geäußerten Wunsch in die Tat umsetzt, die von allen Sportfreunden und deren gibt es bei uns recht zahlreiche freudig und dankbar begrüßt werden wird. Seither mußten uujere wackeren Rodler den Vogelsberg oder gar bie Rhön auf such en, um dem schönen und gesunden Wintersport zu huloigen, was mit mancherlei Uirbequemllch- leiten injoige der notwendig werdenden längeren Eiseu- vahujayrt verbunden war. Künstrg werden sie es bequemer haben.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 14. Dez. Gestern wurden von unbe­kannter Hand an einem Neubau drei große Erker­scheiben durchschnitten. Der Täter tonnte dadurch