Ausgabe 
26.10.1911 Erstes Blatt
 
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Berlin, 26. Okt. Der große MilitärlustkreuzerM 4" wird nicht an den demnächst in Köln stattfindenden Luftschifi Manövern teilnehmen Der Ballon wird heute entleert und o b g c r ü ft c t, um später als kleines Luftschiff vom Typ des M 3" wieder -u erstehen.M 4" ist das größte der halbstarrcn, nach dem Groß-Basenachscheu System, erbauten Luftschiffe.

holten Der Unterricht umfaßt Rechnen, Mettbeneatik, Schrei­be.!, Stenographie, Buchführung, Himmelskunde, Erdkunde, Englisch, Französisch, Gesundhertslehre.

,( Kirchhain, 25. Okt. Bei der Kirmes in Groß- seelbeim kam es zu argen Raufereien. Ein 18jähriger Bursche namens Philipp Hofmann wurde dabei von einem gleichalterigen Dorfgenossen mit einer Wagcnrunge so über den Stopf geschlagen, daß man für sein Leden fürchtet.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche in Sich.

In Abänderung unserer Bekanntmachung vom 23. Lltotzer l. Zs. (Gießener Anzeiger Nr. 251) wird der Sperrbezirk beschränkt auf die au der Butzbacher Straße SeiderseiiS gelegenen Hofreitcn.

Gießen, den 25. Cftobcr 1911.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, Dr. Usin ger.

Auf vielseitigen Wunsch Nur noch heute und

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Letzte Nachrichten.

Paris, 26. Okt. Das französisch-deutsche Marokko-Abkommen wird erst dann dem Parla­mente zur Beschlußfassung vorgelegt werden, wenn die Algecirasmächte dem deutsch-französischen Marokkoabkom­men ihre Zustimmung erteilt haben.

London, 26. Okt. Gestern abend brach im Kauf­haus Walworth in London-Südost Feuer aus, durch das die Frau und drei Kinder des Besitzers erstickt wurden. Der Besitzer wurde mit schweren Verletzungen aufgefunden.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

WetterauSstcküeu in Hessen nm Freitag, den 27. Oktober 1911: Unbeständig, Iciditc Regenlälle, westliche Winde.

Spielzeit zirka l1^ Stunde.

Erzielte, wo aufgeführt, beispiellose Erfolge.

Gewöhnliche Preise.

AMm rill uwllöiges neues erstklassiges PrsgriM.

Der Zusammenbruch der Niederbeutschcn Boul

A Do rtmund, 25. Okt.

Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank in Dortmund wird am kommenden Montag, nachdem die um- fangreick-en Voruntersuchungen abgeschlossen sind, eine eigens zu diesem Zivecke gebildete Hilfskammer der ersten Straf lammer besckstistigen Der Umfang der Straftaten hat es notwendig

vermischtes.

C. K. Seltsame Bildnisse. Ucber merkwürdige Por­träts und ihre Entstehungsgeschichte erzählt Scarlatti in einem interessanten Aussätze der itaUentschcn Kunstzcitschrift Ars et Labor einige ergötzliche Einzelheiten. So hat der alte Pariser Baron Rothschild, dem im allgemeinen die Mittvelt nichts umsonst 8it überlassen pflegte, auch einmal, sehr zu seinem Mißbehagen, den Vorzug genossen, von einem berühmten Künstler umsonst vor-

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Großen - Buseck für 1912 Rj. liegt vom 30. Oktober bis einschließl. 6. November l. Js. zur Einsicht der Interessenten auf hiesiger Bürger-

raudtagswahl.

MMWlW ZU MM

Imerstag, dk« 26. Lktober, Muds 8 Uhr,

im Saale des Herrn Ziegler.

Redner: &M/w

Set Kandidat der fortfeürittl.^olfcpartci, Herr Prof.WM.

Hospiz^mT

erang. Sctiwesternnaus,

Todes-Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige DNtteilung. daß unsere liebe Mutter, Großmutter, Ur­großmutter und Ururgroßmutter

Anna Maria Walter

geb. Hamm

im Alter von 96 Jahren und 6 Monaten nach kurzem Leiden sanft entschlafen ist.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Großen-Buseck, 25. Oktober 1911.

Die Beerdigung findet Freitag, den 27. Oktober, nach­mittags 2 Uhr, statt. 6601

trdtiert zu werden. Auf einem Meisterwerke des großen Künstlers Jorace Verners, derSmala Avd el Kaders", sicht man auch einen al An Mann, der mit ängstlicher und hastiger Gebärde rin Schatzkästlein im Arme birgt und eiligst slieden will. Geficdtszüge und Gestalt stimmen vollkommen mit der Erscheinung des alten Rothschild überein, der über diese künstlerische Verberrlichung seiner irdischen Erscheinung sehr wenig erbaut gewesen sein soll, da die Rolle des greifen Flüchtlings aus dem Bilde ja nicht allzu rühm­lich ist. Ein anderes seltsames Bildnis, daß in Rußland in vielen Hunderttausenden mbrcüct wurde, ist ein Tolstoi Porträt, daS mit unendlicher Geduld und großer Geschicklichkeit aus winzig Heinen Buchstaben zusammengesetzt ist Tic Lettern sind so klein, daß man sie nur bei genauerer Betrachtung als Buchstaben er­kennt, dann bemerkt man aber auch, daß der seltsame Künstler den Bart Tolstois dazu beiiutzt hat, um mit Hilfe der fitinert Buchstaben ein ganzes Kapitel aus der Kreunersoiiate in das Porträt einzuschmuggeln. Ein ähnliches Dante Porträt kann man noch beute in Rom in einem bekannten Antiguitätengeschäft sehen: alle Linien des Kopses sind durch Buchstaben gegeben, und zwar durch Zitate au5 DantesHölle". '?Lber das wunderlichste Bild­nis ist doch wohl das Wagner Portrat, das eine findige junge Bayreutlter Tarne sich auf die Brust tätowieren ließ, um damit die Magner Verehrung der Bayreuther Wallfahrer weislich auS- zu nützen Jeden Fremden zog diese unternehmungslustige Dame eitrig beiseite und erkläre ihm, daß sie ein seltsames Geheimnis zu ü erraten habe. Gegen Bezahlung von einer Mark enthüllte sie dann das originelle Wagner Porträt, das von geschickter Hand in die Haut gestochen war, denn die Aehnlichkeit mit dem großen Meister war unverkennbar.

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DonnerStaa, 16. Nov. 1911, nachin. 3 Uhr, werden in unserem Amtszimmer die dem Friede. Wilh. Schmidt und Ehefrau geb. Romeiser in Gießen zugeschrie­benen nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert:

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Donnerstag, 7. Dez. 1911, nachmittags 3 Ubr, werden in unserem Amtszimmer die dem Ludwig Muller in Lützellinden und der Karl Diebel Ehefrau in Gießen zugcschriebenen nach­stehend verzeichneten Parzellen versteigert:

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Gießen, den 25. Okt. 191L Großh. Ortsgericht.

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14 Tagen ist auch uienseuche au». t Seuche rasch um Eehösle verseuch!, i. - Lieser Tage berg im Gasthaus trag über »Schnitt, lauinkS'. Bürger« tragenden nnmenS nitbe bei Schlosser. )et Einbrecher mußte des HauscS gestört gewesen sein muff prengel beschäftigter

Satzbildung. Lehrer:Run, Karlchen, bilde einmal einen Satz, in dem das WortOptiker" vorkommt!" Kartellen (nachdem er sich eine Zeit lang besonnen hat):Ich will doch nachschen ob die Kerle wirklich das Schwein gestohlen haben."

* Vom Regen in die Traufe.Na, Jochem, hat der Tierarzt Deine Kuh wieder gesund gemacht?"Ja, da hat hei wull, aber ich geh sie jetzt verkooscn, damit ich ihm die Kurkosten bezahlen kann!"

essen.

auch in Oberen , Lepper, bet vor 'che feinen 80. Gr« ' <it feinte (Btmatfin L worben, und zwar armsiadt, einer aut m, Ferner nehmen r.?lnwärter teil, b;: unen.

In der Metall- in der Frantsurtrr kurz nach 2 Uhr n zgebrochen, das nq, deS Lager? fu: ;rial angesüllte c war in dem Dach- n viel Packmatena- hat sich da» N' »lsbald einen ge ahr 5 b°6

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= Liederkranz. =

Samstag, den 28. Oktober 1911:

Hbend-Unferhaltung gM- in Steins Taalban. *W1 Anfang 8>/, Uhr.

v*/,J Der Vorstand.

Lnftschiffahrt.

DasLnftschisf Schütte-Lanff.

Mannheim, 25. Okt. (Privattelegramm 1 Verschiedene Gerüchte, die hier und auswärts über das Luftschiff Schütte-Lan- im Umlauf sind und die im Zusammenhang mit der Pause zwischen dem ersten und zweiten Ausstieg stehen, gaben Herrn Professor Schütte Veranlassung, die Vertreter der Mannheim« Presse auf heute nachmittag zu einer Besprechung auf sein Bureau in der Luftschiffwerft einzuladen. Es ist u. a. die Version verbreitet, daß die unfreiwillige Landung in Waldsee nicht so gut abge.aujcn sei, wie behauptet worden. Es heißt weiter, daß eine Ausbesserung von vier bis sechs Wochen notwendig fei, um das Luftschiff wieder flugbereit machen zu können. Demgegenüber kann festgestellt wer- den, daß die Luftschiffkonstrukteure die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Steuerfähigkeit des Luftschiffes so vorzüglich ist, daß das Reservesteuer, das sich an der unteren Seite des Hecks befindet, entfernt werden könnte. Nach der Landung des Luft­schiffes am verflossenen Mittwoch und km darauffolgendm Don» net.lag wurde sowrt mitdem Ueberholen" des Luftschiffes be­gonnen. Hierbei bat sich herausgestellt, daß sowohl das Gerippe als auch die Maschinen, die Ballonetts und die Steuervorrichtungen vollständig intakt sind. Das Nachsehen des Luftschiffes war am Freitag nachmittag beendet. Es sollte dann sofort mit dem zweiten Ausstieg begonnen werden. Inzwischen waren aber von den Wetlerivarten so ungünstige Nachrichten eingelaufen, daß es leichtfertig gewesen wäre, das Schiff aus der Halle herauszuholen In der Nacht vom Samstag zum Sonntag brach d^r sianal.fierte schwere Sturm los, der in der Nacht vom Sonntag auf Montag so stark war, daß in der Nähe der Luftschiffhalle Böen von 20 bis 25 Sekundenmetern sich bemerkbar machten. Die un­günstige Wetterlage hielt an. Die Heutiyen Telegramme gaben noch keine Aussicht aus Aenderung der Witterung, so daß für bic Nächsten Tage noch kein Aufstieg stattfinden kann. Bei dem zweiten Aufstieg wird das Luftschiff sicher über Mannheim kreuzen: cs folgt dann noch eine kurze Fahrt bei der Halle und dann acht das Luftschiff in fein Winterquartier, damit der große Motor, ben jetzt die Daimler-Werke fertig haben, noch in die vordere Gondel eingebaut werden kann. Da.Professor Dr. Schütte mög­lichst bald nach Danzig abreisen muß, um seine Lehrtätigkeit an der dortigen Technischen Hochschule wieder aufzunehmen, so ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß er das Luftschiff bei seinem zweiten Aufstieg nicht mehr führen wird.

Liebigshöhe

Am Sonntag, den 29. Oktober:

Militär-Konzert

ausgeführt von der Kapelle des hiesigen Int - Regts.Kaiser Wilhelm unter persönlicher Leitung des Obermusikmeisters Herrn W. Löber. 08941

__and Cabliau sind in lebendfrischer fst. Nordsee^ wäre eingetronen bei'»95 IGeorg WaL enteis Marktplatz 21 s«°s Teteion 46 gegenüber der Engelavotheke.

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aemack't, sie in verschiedenen Abteilungen vor Gericht zu erörtern. Infolgedessen wurden zunächst die Dwotunterschlagungen heraus- gcidMiit, die zuerst Gegenstand der Verhandtungen sein werden. Als Angeklagte erscheinen hier Bankier Ohm, Dankdircktor Schmitt und Prokurist Benner. Den Vorsitz im Gerichts­hof führt Landgerichtsdirektor H i l g c n st o ck , die Anklage ver­tritt Staatsanwalt Fuhrmann, den Angeklagten (leben die Rechtsanwälte Frank, Hoffmann und Nuß zur Seite.

Der Zusammenbruch der Niederdeulsd^n Bank hat im rhei­nisch-westfälischen Jndustriercvier und wctt darüber hinaus nicht minder großes Auffehcn erregt, und ebenso schwerwiegende Folgen gezeitigt, wie seinerzeit der Konkurs der Leipziger Bank Viele kleine Existenzen sind ruiniert worden: es sollen insgesamt 50 Millionen Mark verloren gegangen sein. Als Hauptschuldiger gilt nach wie vor Ohm, ber äls tüchtiger, aber etwas leicht­fertiger Geschäftsmann geschildert wird. Auf ihn ist die Ge- sckmftsmethode der Bank zurückzuführ.n. Um den schlechten Stand der Bilanzen zu verdecken, und vor allem um die faulen Debitoren aus den Büchern herauszubringen, wurden Tochtergesellsd'.aften gegrünbet Diese dienten wieder dazu, dem Mutterinstitul durch Wechsel Geld ju ctridjanen. Anscheinend haben die Mitglieder des Aufsichtsrats, von denen einige ebenfalls unter Anklage ge­stellt sind, ihre Pflicht nur in sehr laxer Weise erfüllt. Ohm war bei dielen Wechfelschiebungen so klug, seinen Namen nur höchst selten herzugeben, so daß der Beweis der Strafbarkeit gegen ihn sehr erschwert worden ist.

Als der Geldbedarf der Bank immer größer wurde, wurden in schnellerem Tempo Tochtergesellschaften gegrünbet, was Ende Juli v. I. die Aufmerksamkeit der ©taatdannxiltidr.ift wachrief. Ohm wurde schließlich in Haft genommen und bald nach ihm seine Mitangel.agten. Er beteuerte unabläifig, daß er unschuldig sei und bot eine Kaution von 100000 Mark an, um seine Entlassung aus der Untersuchungshaft zu erreichen. Die Beschlußkammer des Landgerichts lehnte indessen den Antrag auf Haftentlassung ab.

Die Angelegenh?it hat im Lause der Zeit mehrere tnter- essanle Zwischenfälle gezeitigt. Dem HauvtangeNaglen Ohm war gestattet, Zeitungen zu lesen. So erhielt er auch Kenntnis von deut jebcsmaligcn Stande der Angelegenh?it gegen ihn und brachte es.fertig, durch Briefe an verschiedene Zeitungs­redaktion sich energisch gegm die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu vernwhren und die Schuld auf allerhand dunk.e Hintermänner abzuwälzen. Ter Mitangeklagte Prokurist Benner wurde, nach- bem er einige Zeit in Untersuclmngshaft gesessen hatte, wieder ntllassen. 9üif Grund weiterer Nachforschungen erließ dann die Staatsanwaltsck^aft einen zweiten Haftbefehl. Als Benner hiervon Keitnlnis erhielt, meldete er sich freiwillig im Unter­suchungsgefängnis, wo man von ihm pber nichts wissen wollte. Darauf begab er sich zum Untersuchungsrichter, aber auch dieser nahm ihn nicht an. Erst am nächsten Tage gelang es ihm, wieder in das Untersuduingsgefängnis zu kommen.

Ein anderer Zwiiä>enfatt betraf Ohm selbst. Dieser war zu einer Vernehmung vorgeführt worden, die nach kurzer Zeit beendet war. Der Transporteur Ijatte sich für kurze Zeit ent­fernt und als er wieder kam, war Ohm entlassen worden und spurlos luwschivunden. Bei den Beteiligten entstand sofort der Verdacht, daß Ohm die Flucht ergriffen falbe und der Telegraph spielte nach allen Richtungen der Windrose. Inzwischen war Obm seelenruhig von selbst in das Untersuchungsgefäuguis zurück- gekehrt, wo man ihn zur allgemeinen Freude nach einiger Zeit entdeckte.

meisteret offen.

Großen-Buseck, am 26. Oktober 1911.

Großh. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Schwalb.

Amtlicher Teil.