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26.10.1911 Erstes Blatt
 
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161. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.

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Ter Lordpräsident des Geheimen Rots, Viscount Mör­len, erklärte: Ich bin nicht davon überzeugt, das; eine solche Erörterung oder Prüfung billigcrweise bald erfolgen kann und glaube, das; es kaum sehr höflich von uns wäre, über jene wichtigen Verhandlungen zu debattieren von welchen unsere Interessen, wenn sie auch groß und gewichtig sind, verhältnismäßig nur mittelbar berührt werden, bevor nicht im Reichstag sowohl wie in der französischen Kammer darüber gesprochen worden ist. Ohne Zweifel wird die Regierung entsprechend der W ü r d e d e s H a u s e S und entsprechend 'der großen Bedeutung dieser Verhand­lungen für uns selbst es für angemessen halten, ohne Zeitverlust eine Gelegenheit zu ihrer Prüfung und Er­örterung zu geben.

Aus den letzten Sätzen spricht wieder der Weltschul- meister.

beiden Handelsabkommen wohl nur das Ängestelltcnversiche- rungsgesetz, das Hausarbeitsgesetz und das Gesetz über die Errichtung des Kolonialgerichtshofcs in Berlin ver-

man die Rückkehr der Zeugung auf Erden feiert. Ein anderer, sehr drastischer Mythus bcria-tel, wie N e r g a l, der Golt der Seuche, zu den Göllern der Oberwelt gezählt, Gemahl der Habcs- göllin E r i s ch k i g a l und so der Herr des Hades geworden ist. Noch märchenhafter Hingt der, wenn auch nur von ferne, der biblischen Paradieses-Erzählung verwandle Mythus von A d a v a, dem Sohne und Licoliltge des Gottes Ea, der, von dem höchsten Gott Änu in den Himmel vor Gericht berufen, dicht daran war, mit der Lebensspeise die Unsterblichkeit zu erwerben, aber aus allzugroßer Vorsicht dies herrliche Geschenk von sich wies, weil ihm sein mißgünstiger Vater das so geraten hatte. Ter E t a n a - Mythus erzählt, wie der Heros, um das Kraut des Gebärens herabzuholen, sich vom Adler zum Himmel tragen ließ, aber schwindlig geworden, herabstürzte.

Eine höher entwickelte Kunst hat dann aus den kleineren Stoffen große epische Gebilde geschossen. Tahin gehört vor allem das Gedicht von Gilgamesch, dem Könige von Ercch, und seinem Freunde Engidu. Ter erste Teil des Gedichtes beschreibt, wie die beiden Heroen einander finden und zusammen gewaltige Talen tun. Selbst Sitar entbrennt in Liebe zu dem herrlichen, sieggekrönten Gilgamesch, wird aber von ihm spöttisch abgewicscn. Ta sendet sie zur Rache schwere Krankheit und den Tod über Engrdu. Nun beschreibt der zweite Teil des Epos, wie Gilgamesch, von banger Todesahnung befangen, sich aus­macht, um das Leben zu finden, aber nach mannigfachen Aben­teuern doch schließlich, ohne es erlangt zu haben, heimkchren muß. Eingelegt ist die berühmte Sintfluterzählung. Einst hatten die Götter beichloisen, die Stadt Schurippak am unteren Euphrat durch eine Flut zu vertilgen; der Gott Ea aber riet seinem Liebling Utnapischtim in der Nacht, ein Fahr­zeug zu bauen. Phantastisch wird dann der Siib.airm beschrieben, durch den die Stadt zu Grunde ging, und vor dem sich die Götter selbst fürchteten. Ter in seinem Schiff gerettete Heros sandle, als der Sturm vorüber war und das Fahrzeug auf dem Berge Ni?ir fest saß, dreimal eine Taube aus, um zu erkunden, ob es draußen schon trocken geworden sei. Diese Episode ist besonders der biblischen Sintfluterzählung ähnlich. Um Utna- pischlims Opfer, das sie von ferne riechen, versammeln sich die Götter und erheben schließlich den Heros zu sich selber empor. Tas berühintesle aller babylonischen Even i|t die Erzählung von der Schöpfung der Welt. Tie Welt vor der Scyöpfung war eine große Wassermasse, in der zwei gewaltige Urweseu, Apsu und Tiamat, lebten. Aus diesen sind die Geschlechter der Götter entstanden. Tann ist es zu einem ZKriege zwischen oberen und unteren Göttern gekommen, bis endlich M a r d u k, der Gott von Babel, den Kamps aufnahm und das schreckliche Ungetüm Tiamat besiegte. Tas erlegte Urwefen zerschlug er in zwei Teile: aus dem einen bildete er den Himmel, der also als ein gewaltiges Meer vorgestellt wird; der untere Teil ist das Meer unter der Erde. Ter Mythus scheint Vorgänge babylonischer Jahreszeiten abzu-

Die Revolution in China.

Berlin, 25. Ott. Der Chef des Kreuzer-Ge­schwaders meldete, er habe das FlußkanonenbootVa­terland" nach Tschangscha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, am Siangfluß entsandt, das die Aufständischen ohne Kampf besetzten. In Han kau ist alles ruhig.

Peking, 25. Okt. In der Nähe von Hankau kam es beim Sicbenmeilcncreek, das unterhalb der Stadt in nordöstlicher Richtung gelegen ist, zu einem Gefecht. Tie Aufständischen griffen den Gegner wiederholt an, zogen sich aber, obwohl sie Verstärkungen erhielten, etwas zurück. Das Gefecht scheint nicht bedeutend gelvesen zu fein, da nur ein Heiner Teil der kaiserlichen und aufständischen Truppen beteiligt war.

Heber 5000 kaiserliche Truppen sind von Peking nach Sinjangtschau an der Greßzc von Hunan und Hupe ab­gegangen. Tie Entsendung eines britischen B^atail- l o n s aus Indien, das als Gesandtschaftswache dienen sollte, wurde wieder aufgegeben, da die Wachen der an­deren Gesandtschaften beträchtlich verstärkt worden sind.

bilden: in der Regenzeit des Winters ist die ganze Welt von Wasser erfüllt, aber die Frühsonne durchbricht die Nebel und Wolken und diese schöne Welt entsteht. Alle diese Gedichte sind voll von Schwung und Kraft, aber zugleich von ungezügelter Phantastik, Wildheit und Roheit, das Denkmal einet leidenschaft­lich-wilden Urzeit.

Ta die babylonische Kultur den ganzen alten Orient beeinflußt hat, da wir bet einigen der babyloniichcn Mythen ihre Wanderung durch den Orient verfolgen können, so liegt die Frage nahe, wie weit diese Mythologie aus andere Völker, vielleicht auch auf die Griechen und das Alte Testament gewirkt hat. Im Alten T e ft a m e n t ist besonders die Sintflut et zählung zu ver­gleichen, die der babylonischen im ganzen Ausriß sehr nahe steht. Anck kann bei dem unvordenklichen Alttr der babylonischen und der verhältnismäßigen Jugend ccr hebräischen Kultur fein Zweifel daran sein, daß Die hebräische Erzählung als eine Tochter-Rezen­sion der babylonischen zu betrachten ist. Dafür spricht besonders das Lokalkolorit der Sage, das nach Babylonien als ihrem Heimat- lande hinweist. Babylonischen Ursprungs sind ferner die zehn Nrahnhertndet Menschheit, welche die biblische Ueberliefetung zwischen Schöpfung und Sintflut ansetzt und deren Namen sich als Uebetsetzungen oder Uebertragungen der Namen der zehn babylonischen Urkönige herausgeslellt haben. Besonders ist der biblische He noch auf ein babylonisches Urbild zurückzuführm. Auch in der biblischen Schöpfungsgeschichte 1. Mos. 1. findet sich eine babylonische Spur: auch hier heißt es, daß die Welt ursprünglich Wasser war und daß dies Wasser von der Gottheit nach oben und unten geteilt worden ist, und der Aus­druck, der im hebräischen iür dies Urwasser gebraucht roirb, tehom, stimmt mit dem babylonischen ti h^m-at auch lautlich überein. Nun wird zwar in 1. Mose 1 von einem Götterkampfe nicht ge­sprochen, aber dieser Zug ist auch im Hebräischen in vielen poetischen llcbcilieierungen bei den Psalmisten und Propheten erhalten. Im ganzen sind es also, nicht sehr viele babylonische Mythen, die in der biblischen Urgeschichte wiederlehren.

Viel bedeutsamer aber ist es, den Geist der babylonischen Mythen mit dem der biblischen Urgeschichte, gerade auch, sosern sie auf Babylonisches zurückgeht, zu Dcrgleid^en. Dieser Vergleich aber zeigt einen so großen Unterschied, daß er kaum größer ge­dacht werden könnte, einen Unterschied, der im letzten Grunoe aui bje unermeßliche Verschiedenheit beider Religionen zurück­geht. Die Religion der babylonischen Mythen i-t volmheiüisck und hat mit Sittlichkeit nicht- tun; die Religion Israels ist monotheistisch und hat mit der Sittlichkeit den engsten Bund geschlossen. Einzelne Erzählungen konnte Israel von dem älteren Volke übernehmen, aber es hat dies übernommene Gut erfüllt mit den Gedanken einer höheren und reutet en Religion. Ein solcher Vergleich des Babylonisch;.! und Biblischen also zeigt dem unpar.eiischen JBeoba^t.r, einen wie großen Dienst Israel der Menschheit geleistet hat.

Donnerstag, 26. ©Heber 9Vezna»vret»: mona1lich75M., viertel- /k A jährlich Alk. 2.20; durch

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«uzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer diS oormittagS 9 Uhr.

hat für die Reichstagsarbeiten ein Programm aufgestellt, das, wenn es innegehalten wird, die Reichstagsauslösung für Ende November oder Ansang Dezember erwarten läßt. Das Programm ist, wie alle Programme, natürlich sehr

abschieden können. Das Schicksal aller übrigen Vorlagen (Schissahrtsabgabcn, Arbeitslammergesetz, Novelle *zum Strafgesetzbuch) bleibt dunkel. Tenn an ihrer Verabschie­dung hat eigentlich nur die Regierung ein Interesse, nicht die Abgeordneten, die in RücksickU auf die Neuwahlen es kaum wagen werden, zur Deratmig oder gar Verabschiedung dieser ungemein strittigen Gesetze ihre Hand zu bieten. Außerdem müssen sie ihre Kräfte für die Wahlarbeit sparen und dürften daher um so geneigter fein, mit dem Reichs^ tagsrobot am letzten November (und zwar spätestens) Schluß zu machen.

Berlin, 25. Okt. DieNotdd. Allg. Zlg." schreibt: Als Tag der allgemeinen Wahlen für den Reichstag wurde, wie wir erfahren, der 1 2. Januar in Aussicht genommen. Ta dieser Tag in die Legislaturperiode des gegenwärtigen Reichs­tags fällt, wird zuvor dessen Auflösung zu erfolgen haben: der Termin hierfür steht noch nicht fest, durfte viel­mehr im Wesentlichen von dem Fortgänge der parlamentarischen Arbeiten bedingt.

Tas Arbeitsprogramm des Reichstags.

Berlin, 25. Okt. Ter Aeltestenrat des Reichstages trat heute vor Beginn des Plenums zu einer Sitzung zusammen. Man einigte sich dahin, daß am morgigen Donnerstag die Teue- rungsaussptache zu Ende geführt werden soll. Freitag soll die Aussprache über die Anfragen betreffend die Maul- und Klauen­seuche erfolgen, nach deren Beendigung, sich der Reichstag bis zum 7. November vertagen soll. Am ersten Tage nach der Ver­tagung werden Heinere Sachen verhandelt werden, so die Vorlage betreffend Kleine Altien und der Handelsvertrag mit Japan. Es wird als möglich angesehen, daß an den beiden folgenden Tagen eine Aussprache über die auswärtigen Angelegenheiten stattfindet. Am 10. und 11. November wird die Schissahrtsabgabcnvorlagc auf die Tagesordnung tonimcn, am 13. das HausarbcitSgesetz, aui 14. die lvewcrbcordnungsvorlage 114 a), am 15. das Hilis- kaisengcsctz sowie die zweite Beratung der Rechnungssachen. Am 16. bis 18. soll dann die dritte Beratung mehrerer Gesetze, u. a. die dritte Beratung betr. das Strafgesetzbuch und vielleicht das Arbeilskammergefetz erfolgen. Am 20. und 21. November finden Sitzungen nicht statt. Am 23. November wird die zweite Bc- ratung der Privatbeamtenvorlagc erfolgen. Bis Ende November hofft man zu Ende zu kommen.

Die babylonischen Mythen und das alte Testament.

Gießen, 26. Ott.

In der neuen Aula der Universität begannen gestern die r e l i g i o n s w i s s e n s ch a s t l i ch e n Vorträge, die in diesem Winter von den Professoren der theologischen Fakultät veranstaltet werden. Prof. D. Gunkel' sprach über Tie babylonischen Mythen und das alte Testament und führte die zahlreichen Zuhörer in andert­halbstündiger fesselnder Rede in die wilde phamasnsche Welt dieser alten Literaturdenkmälcr ein, indem er unter starlem Bet fall ausführte:

Die babylonischen Mythen sind uns zumeist erhalten aus der Bibliothek des assyriswen Königs Assurbanipal (um 650 v. Ehr.). Doch ist ein babylonischer Mythus es ist der von Adapa in dem Tell-Amarnatunde (um 1500) milaufgcsunden worden. Tie Entstehung der Gedichte aber dürfen wir noch in das dritte Jahrtaufend setzen. Die Mythen sind beim Feste vom Sänger vorgetragen worden. Doch gibt es auch eine eigen­tümliche Mischgattung von Mythus und Zauberformel; dem althochdeutschen Zauberspruch von Baldur und Wotan entspricht der babylonische Spruch vom Zahnschmerzwurm. Einige der Texte sind uns nur sehr lückenhaft bekannt. Tie Deutung der Mythen ist noch außerordentlich schwierig. Tie Aufsassung der Erzählungen, als Abspiegelung der Geschehnisse am Himmel mag sich im einzelnen Falle bewähren, ist aber nicht pls General­schlüssel der Mythendeutung zu verwenden. Tie Mythen zer­fallen deutlich in Einzelerzähluiigeii und in solche Gedichte, die einen ganzen großen Kreis von Mythen zusammensassen. Zunächst die Einzelmythen. Im Mythus von Jstars Höllen­fahrt wird erzählt, wie Jstar, die Göttin der Liebe, die bebräii'djc Marte, in die Unterwelt zu wandern beschloß, und hier zwar aus ihre gebietcrild)e Forderung Einlaß fand, aber an den Toren des Hades ihrer Würde und Macht intkleidet, gefesselt und mit Krankheit geschlagen ward. Dadurch aber erstirbt auf Erden alle Zeugung, bis sich die Götter dec Kreatur erbarmen und ein fabelhaftes Wesen in den Hades schicken, vor dem sich seine Tore öffnen müssen. Jstar wird mit dem Lebenswasser besprengt und kehrt in göttlicher Macht auf die Lberweit zurück. Dieser Lstar-My'.hus hängt irgendwie mit dem Mythus von Tamuz Stammen, den wir im Babylonischen als Erzählung nicht R- fitzen, aber aus der entsprechenden phönizisehen Sage von Monis ttiederherstelten können. Adonis ist der schöne Liebling Astar.es, «r auf der Jagd gerötet und von der Göttin beßagt wird. Ter Schluß des mitgeteilten Jstar-Mythus scheint gewesen zu sein, Laß die Göttin ihrem Liebling ein erfreuliches Los in der Unter- ftclt bereitet. Tamuz-Adonis ist der Gott des Frühlings, der ur der Brüte seiner Jugend zum Hades hinab muß. Ten Jstar- mythus dürfen wir uns denken an einem Jstarfeste gelungen, wo

Das IHarortoabtommen.

lieber das bevorstehende Marokko-Abkommen meldet dieKölnische Zeitung" aus Berlin: Es ist nun­mehr über alle Punkte des Abkommens mit Franlreick Einigung herbeigeführt worden. ES stehen nur nocy einige redaktionelle Regelungen auS und es ist zu erwarten, daß die Unterzeichuung in einigen Tagen stattfindet.

DemBerl. Lokalanz." wird aus Paris gemeldet: In französischen Regierungslrciscn wird heute erklärt, daß über die Grenzveräuderungen von Togo und T a h o m e y vorläufig keine Entscheidung getroffen ist. Deutschland und Frankreich hätten sich in dicfem Punkte dahin geeinigt, daß nach Abschluß der Kongo- und Kamerunvercinbarung ein deutsch-sranzö|ischer Ausschuß ernannt werden soll, um gewisse seit der letzten Abgrenzung von Togo und Tahomcy entstandene Differenzen an Ort und Stelle auszugleichen.

Im englischen Oberhause hat es am Mittwoch eine kurze Maroiko-Erörterung gegeben. Lord Eourtne er­suchte die Regierung, bald eine Gelegenheit zur Erörterung der deutsch-französischen Maroltoverhandlungen, nament­lich der Stellungnahme Englands dazu, herbeizuführcn.

Reichstagswahlen am \2. Januar.

Nun hat das ewige Frage- und Antwortspiek: Wann wird die Legislaturperiode des Januar 1907 gewählten Reichstages schließen, und an welchem Tage finden die Neuwahlen statt?, endlich ein Ende. Herr v. Bethmann- Hollwcg ist mit der Sprache hcrausgerückt und bat gestern dem zur Beratung des Arbeilsprogramms des Rcick)stagS versammelten Aeltestenrat amtlich Mitteilen lassen, daß die Reichstagsneuwahlen am 12. Januar nächsten Jahres statt- sindcn würden.

Ob Herr v. Bethmann sich zu dieser Tat hat bestimmen lassen, um seinen in den Augen der Regierungsmehrheit glänzenden Redetriumpl; vom Montag noch weiter durch Offenheit zu unterstreichen, muß man füglich dahingestellt sein lassen. Der zweite Tag der Teuerungsbesprechung hat ledenfalls so manches Wasser in den Wein der Hoffnung auf die Wirkung der vom Reichskanzler mit'gegeben en Wahl­parole geschüttet. Wenn man die Rede des' Zentrums­abgeordneten Heim liest, der, wie er erttürt, das ganze Zentrum hinter sich hat (?), so kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, daß auch die ZentrumSabgeordueten sich von der Wahlparole der Regierung nicht viel versprechen. Jedenfalls ist es hochersreuiich, daß die Parteien nun endlich den Termin der Reichstagsneuwahlen kennen und sich danach einrichten können. Denn es ist eine ersahrungs- gemäße Tatsache, daß der eigentlickze Wahlkampf erst dann einsetzt, n>cmi der Termin der großen Wahlschlacht an­beraumt ist.

Herr v. Bethmann hat es vorgezogen, die Reichstags­wahlen nicht bis zum äußersten Termin, dem 25. Januar 1912, an welchem Tage im Jahre 1907 der jetzige Reichs tag gewählt wurde, hinauszuzögern, natürlich in Rück­sicht auf den Voranschlag, der in diesem Falle bis zum 1. April nicht verabschiedet werden könnte. Ter 12. Januar- aber scheint dafür zu bürgen, daß der neue Reichstag etwa am 1. Februar 1912 zusammentreten könnte, also immerhin, da Ostern erst in den '2Lpril fällt, in der Lage wäre, inner­halb acht Wochen den Voranschlag für 1912 ordnungsgemäß zu verabschieden. Auch das bedeutet eineu nicht zu unter- schälenden Vorzug der jetzigen Maßnahme be< Regierung.

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" deutet ferner an, daß der Termin des Reichstagsschlufscs noch nicht feststehe, vielmehr im wesentlichen durch den Fortgang dec parlamentarischen Arbeiten bedingt )ei. Der Aeltestenrat

Aus Persien.

Ast er ab ad, 25. Okt. Tie Vorhut der Rcgie- rungstruppen unter Führung von Serdar Mochi in einer Stärke von hundert Manu wurde heute morgen von den Turkmenen Mohammed Alis geschlagen. Die Turkmenen mochten 25 Gefangene und erbenrrten mehrere Ges chütz e. I

Politische Tagesschau.

Eine Verbesserung der Elienbahnverbmdung zwischen der Insel Rügen und dem Festlande

ist für die nächste Zett geplant. Durch die Einführung der staatlichen Fährverbindung zwischen Rügen und Schweden hat sich namentlich der Güterverkehr mit Schweden in einer so erfreulichen Weise gesteigert, daß die augenblickliche Fähr­verbindung zwischen dem Hafen von Stralsund und Rügen nicht mehr ausreicht. ES ist deshalb zunächst beabsichtigt, die Fährverbindung zwischen Rügen uno Stralsund zu ver- bessern, indem man weitere Fährschiffe einstellen roirb, bie Fäyrbelten erweitern unb bie Bahnyvse in Stralsunb-Hafen und in Altefähr umbauen will. Für später ist eine lieber- brückung des Strelasundes geplant. Schließlich ist beabsich-

chön, aber wir hegen die Vermutung, daß, obwohl man chon Gesetze, wie bie Reform ber Fernsprechgebühren unb >er Strasprozeßorbnung, hat fallen lassen, von ben oben angeführten Gesetzesvorlagen boch nur ber kleinere Teil erlebigt wirb. Man wirb wegen ber beiben Pausen und ber wahrscheinlich mehrere Sipungen in Anspruch nehmen­den Beratung über bie auswärtige Politik neben ben