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21.6.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. H3

XXX Wltptntr erfd?ehti täglich. außer Sonntag«. Beilagen: viermal wöchentlich LiehenerZaivilienblättkr; zweimal wöchentl.Xrei5- dlattfSrdenXrelrGlehen (T ienStag und Freitag > ; -weimal nwnatL £aib-. wirtfchafUich« Sdtfragtn Fernsprech - Anschlüße. für die Redaktion 112, Verlag«. Expedition 51 Adrefie Mr Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Erst« Blatt

chs. Jahrgang

Mittwoch, 21 Juni 19N

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

VezugSprei«: monatlich7SV^viertel- ;.TJ'rhd) M 2.20; durch .'Ibhoke- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel* jährL auSschl. Bestellq. ZerlenpreiS: lokal 15Ps^ iiiiSivärtS 20 Mennig. ILhefrebafteirr: A. Goetz. PcrankwoNlich für den volinschen Teil: August Goetz; fürFeuille­tons .Vermischtes* und x, -wr , e , TGenchkösaal-: K.Reu-

HotattonsörtK! und Verlag der vrübl'schen Umv.-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange. Redaktion, Erpedition und vruckerek: Zchulftratze 7. .Stadt und vüdingen: Zernsprecher Rr. 50 Sefchäflrstelle Bahnhofstraße <6a. «injetgenteU:b.Wa

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Vie Reid)$rat$roaf}kn in Oesterreich.

§cutc fanbett die Stick) Wahlen in ganz Oesterreich statt, deren Ausfall den (tinbrurf der ersten" Wahl bestätigt, oa die Christlichsozia len namentlich in Wien schwere Vcr- lustc erlitten. In den Gewinn teilen sich in der Reich'- Hauptstadt die Deutschs rechettlichen unb die Sozialberno- traten. Ta aber letztere in der Provinz ebenfalls Einbußen erlitten, tomint der Mandatsgewinn ausschließlich dem deut­schen Nationalverband zugute, der damit zur stärksten Partei im Reichsrat wird. Die Wahlbeteiligung ist eine sehr rege. Aus mehreren Städten Böhmens unb Galiziens kommen Nachrichten, das; die Bevölkerung sehr erregt ist. Vielfach ist Militär bereit gestellt. Auch in Wien ereigneten sich uni Mitternacht unb in Lemberg nach Verkündung der Wahl des Sozialisten Breiter infolge der Ausschreitungen der Anhänger Breiters vor der Statthalterei Zusammenstöße mit dem Militär und der Polizei, wobei von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. 13 Personen wurden verletzt. Aus Sambor wirb gemeldet, das; nach Veröffentlichung her Wahlergebnisse die christliche unb jüdische Bevölkerung ein­ander angriffen. Das einschreitende Militär ging mit ge­fälltem Bajonett vor. Zehn Personen wurden verletzt, lieber die gestrigen Vorgänge in Trchobyoz ist die Unter­suchung im Gange. Tic Blätter geben die Johl der Toten und Verletzten auf 18 dezw. über 30 an. Der Zustand merherer Verletzten soll lebensgefährlich sein.

Heber den Ausfall der Wahlen liegen bis jetzt folgende .Meldungen vor:

Wien, 20. Juni. Von 560 Abgeordneten sind bisher endgültig 416 gewählt, und zwar Deuts ch*F re iheit - liche 104 gegen 79 im alten Hause, Sozialdemo­kraten 80, unter ihnen autonomistische, gegen 87, bür­gerliche Tschechen 82 gegen 8-1, (5 hristlichSoi Ziale 7 6 gegen 96, Bukowina er Rui h e ne n 5 gegen gegen 5, Ru m an »er 5 gegen 5, Alldeutsche 4 gegen 3, jubijdycr Klub 1 gegen 3, Wilde 6 gegen 4. Bei dem Polen flub, den Italienern, Südstaven und galizischen Nulhenen sind noch Wahlergebnisse ausständig. Endgültig gewählt sind Jtali euer 15, bisher 1 Gewinn, Polenk i u b 32, bisher 4 Gewinne und 3 Verluste, Sübflauen 34 gegen 37, galizische Ruthen en 3 gegen 26, bisher ein Ver­lust. llnbefomtt sind noch die Ergebnisse von 4 Stichwahlen. Außerdem sind noch 8 Stichwahlen und 58 Wahlgänge in Galizien erforderlich.

Tic Wahlbewegung im WienerGemein de bezirk verlief sehr lebhaft, doch kamen leine ernsten Zwischenfälle vor. Die Polizei intervenierte lediglich bei kleineren Zu­sammenstößen, sie verhaftete 187 Personen, zumeist wegen Ucbertrctung des Polizeischu tz-G.esetzes und polizeiwidrigen Verhaltens.

Bei den Stichwahlen in Wien sind nur zwei Christlich-Soziale, nämlich Kuhn und Heilingcr, ge­wählt worden. Von den übrigen Mandaten entfallen 9 auf die Deutsch-Freiheitlichen und 12 auf die Sozialdemokraten Tic Christlich--Lozialcn verlieren bei den Stichwahlen in Wien 15 Mandate, von denen die Deutsch-Freiheitlichen 7, die Sozialdemokraten 8 gcroinnen Bisher war Wien im Abgeordiictciihause uon 20 Christlich-Sozialen, 10 Sozial demokraten unb 3 Deutsch-F ortschrirtlern vertreten. ")tun- mehr wird Wien von 4 Christlich^-ozialeu, 10 Deutsche Fortschrittlern und 19 Sozialdemokraten vertreten sein.

Gefallen sind fast s am t l ich e ch r i st l i ch - so z i al e n Führer, unter ihnen der gewesene Präsident des Abgeord­netenhauses P a 11 a i, Pr i n z v. Lichten ft ein, Hanbels- mniifter Weiskirchner, der gewesene Eisenbahnminiftcr v. W i 11 c f, der Bürgermeister Wiens, N c u m a i) r, der

Vizebürgermcister Wiens, H i e r h a m m e r. Aus Mistelbach wird gemeldet, daß der gewesene Minister G mann gegenüber dem oeulsai.fr ech e it lichen uanbt daien in der Minderheit geblieben ist

Die Krönungsfeier in England.

ii.

Das Programm für die 8 eönuugsfeierlichkeitcn ist folgendes: Am 20. Juni: Staotsbankett im Buckingham Palast, darauf Ball in der Albert-Hall 21. Juni: Tiner im 3t. Zames Palast bei dem Herzog von Connaught. 22. Zuni: .ürönung in der Westminster-Abtei > von 11.13 norm. Liv 2.30 nachmittags. Abends Fant Ui en din er im Buckingham- Palast. 23. Juni: Prozession des Königs und der Königin durch die City und Sud-ä!ondoii. Diner im Auswärtigen Amt. 24. Juni: Flottenparade vor Spitheod. 26. Juni: Gala-BorsteUung im Opernhause. 27. Zuni: otavfenfeft im Park des BuctingHam^al aftes. Gala-Vorstellung in His Majeftys-Theater. Souper und Ball bei Graf Derby.

London, 20. Zuni. Der deutsche Kronprinz über­reichte heute dem König im Auftrag des Kaisers den F e l b m a r s ch a l l st a b. Gestern machte der Kronprinz im Laufe des Nachmittags Besuche bei sämtlichen Mitgliedern des stöniglidicn Hauses. Das Frühstück nahm der Mion Prinz im Anny- unb Navi-Klub ein. Ferner besuchte der Kronprinz die Olympia, während dort keine Konkurrenzen stattsandcn und nahm die Pferde der beutschen Offiziere, die sich dort befinden, in i'lugcnschein.

Zm Buckinghain-Palaft fand gestern abend eine Fcst - l i cf) Fett zu Ehren der fremden Fürstlichkeiten und der Vertreter der fremden Staaten statt.

An der gestrigen Familien täfel im Bücking Harn-Palast nahmen u. a. deutschen Fürstlichkeiten das Kornprinzcnpaar, die G r o ß h e rzo g s p a a r e von Hes­sen, von Mecklenburg-Schwerin, von Mecklenburg-Strelitz, Prinz Heinricli von Preußen, die Erbgroßherzogin von Mei­ningen, das Prinzenpaar Friedrich Marl von Hessen, Prinz Rupprecht von Bayern, das Prinzenpaar Zohaun Georg von Sachsen, das Herzogspaar von Moburg, Herzog.Ernst Gün­ther von Schleswig Holstein teil. Rach der Tafel folgten das Kronprinzenpaar und fast alle deutschen Fürstlichkeiten der Eiuladuiicz des Herzogspaares von Sutherland zu einem außerordentlichen Ball fest im Staffordhoufe.

Heute abend fand im Buckingham-Palast ein Fest­bankett statt, zu dem 562 Gäste erschienen waren, die än einer Reihe von kleinen Tischen saßen; der König führte den Vorsitz an einer Tafel, die Königin an einer anderen. Hilf di e'rechten ^eitc des Königs saß die Kronprinzessin, auf der linken die Prinzessin Higaschi-Fuschimi von ^apan, auf der rechten Seite der Königin Erzherzog Karl Franz Zoseph, auf der linken der deutsche Kronprinz, neben ihm der Kronprinz von Rumänien. Tic Banketthallen waren glänzend erleuchtet; das prachtvolle goldene Tafel-Service, das 60 Zentner wiegt, war von Windsor nach dem Bücking ham-Palast gebracht worden.

Tic Generale Lord Methiten und Sir Williani Richol son wurden anläßlich der Krönung zu Feldmarschällen er- nannt.

Deulsch-amerikanischc Zriedensbestrebungen.

Neuyork, 20. Zuni. Ter Ausschuß für Frie­de n s b c st r c b u na c n unb internationale Benehnngen des b c u t f d) > a nt c r i f a n i f d) c n Ratio nalbundcs vcröfl'enl licht angesichts des Schiedsgerichisentwuries einen Aufruf an das deutsche Voll, welcher gleichzeitig abid)riftlid>. an den deutsche,! Botschafter zur llcbermiltclung an den Kaiser und Reichs tag, wwie an den Präsidenten Tast und an den Kongreßausschuß für Auswärtige Angelegen Hein n gegangen ist. Tarin wird gesagt, in dem vorgeschlagenen SchiedSgeiichtsvertrag mit Großbritannien sehe man die Festlegung eines beinahe hundertjährigen Friedens^

uüande--. Mit Tcnidilanbt würde er den Frieden für immer zu sichern iudicn, der überhaupt nie getrübt worden und seit Grün­dung der Reoudlik bestanden habe. Zm Vertrauen aui unsere )'.'.ilturverwandtsd)afi wenden wir uns in diesem nvltandiidulid) bedeutenden Augenblick an euch, liebe Siammesbrudei. mit der Bitte, eure Bemühungen mit den unseren für den Abschluß des Vertrags zn vereinigen. Wir wissen, daß unser altes Vaterland vielleicht mehr als irgend ein anderes Land burdi seine ge- schid tische Enuvidlung an du Kriegsgefahr gemabnt und auf seine Ltürke zn vertrauen gelehrt wird. '.Iber gerade die ge­schichtliche Entwicklung weiß zwischen den Vereinigten Staaten und Dtutsd'land aus den Frieden und friediertige Austnnander- ietzung bei W c i n un g v c r idn eben hei t en bin. Gewiß gibt es Fälle, wo die elementaren Gewalten trob jeder Bindung losbrechen unb ebensowenig durch Verträge wie burdi Gesetze zurüdgehalten werden. Aber ebensowenig, wie uns soldw Fälle veranlassen, die bürgerlidicii Gesetze überhaupt zu verwerfen oder sie für Mi, los zu erklären, können sie den Grund dafür bilden, int inter­nationalen Leben aus das Rechtsverfahren ganz und gar zn ver­zichten Am Schluffe des Aufrufs heißt c. sprecht au-?, daß das deutsche Volk diesen Friedensvertrag nut der Schwester- natipii icufeii? des Weltmeeres wünscht, daß ihr vertraut aus die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit unseres Anerbietens, daß Freund fcbaft und 1 richtigfeit malten soll zwischen eurent und unterem Volke, das 25 Millionen Bürger deutsdien Blutes zu den Seinen zählt." i

Die proUamkrung der Republik in Portugal.

fori t ch e n Regierung besagt:

Tic Revolution mar du- Folge einer langen Krise, in der die Braganza ihre unheilvolle Tätigkeit verschlimmerten burd) die (lerfuldclung ees Landes und die llnierbrudiuig aller Frei- betten. Tic einmütige Zustimmung zur Republik ift ein tvahres Volksurteil Die Botschaft liebt den F-eldzng heroor, der in der öffentlichen Meinung des Auslandes gegen die Republik geführt tuoroen ist und erinnert an die Versuche einer Gegenrevolution. Es war notwendig, so fuhrt Die Botschaft aus, die Diktatur zu verlängern, nm die Republik zn bncihgen. Diese mußte gegen den Klerilalismus kämv'en, ociku Tätigkeit sich ui Briefen von wahrhaft hochverräterischer Waiur enthüllte. Gegenüber den reli­giösen Orden befchränttc fid) die proviwrifchc Regierung daraus, die bestehenden Gesetze wieder in Kraft ;u setzen. "Die neue Regierung ift von btm großen Rationen anerkannt und die Oetsent- lid i.it verfolgt mit Vertrauen ihre Reformen. Tie proviforisdw Regierung ist glücklidt, daß sie imstande war, ohne eine Anleihe die Verbratichsneuern zu vermindern. Tie auswärtigen Be­ziehungen ivurden mit Würde aufrecht erhalten, die das monar­chische Regiment nicht immer gewahrt habe. Tie Botidxnt be­tont fchlicRlid), daß die provisorische Regierung geivunidn habe, der lonmiuierenben Versammlung die Initiative zu überlassen, gleichfalls die "Republik zu erklären.

Rad) Tchlnß der Sitzung der konstituierenden Versammlung machte der amcTifa»ifd>c Geschäft- träger dem Minister des Aenßem Mitteilung von der Anerkennung der por t ug i c f i schc n R e p ii l) l i t durch die Vereinigten Staaten. Tas Publikum oer- anfiaitctc vor der anrerilaniidcn Gesandtschaft eine begeisterte Jhinögcbung.

Rach ben eingelausenen Nachridsten sind gestern nirgends fK u 1) c ft ö r u n g c n vorgekonmten. Zm ganzen Lande herrscht große Begeisterung. Tic oTfeutlidicn Gebäude unb viele Privat- bäufer hatten geflaggt. Lldenos war illuminiert.

Der Ausstand der Seeleute.

London, 20. Zuni. Ter Ausstand der Seeleute fit *ier,t, fomcit die Cunard-Linie in Betracht kommt, als beendet an;ufel)e>i, da in einer Zusammenkunft zwischen Der- tretevn der Company und der Seeleute, die iKutc in Liverpool stattegfunden hat, eine Einigung erzielt wurde.

Tie Union Castle Litte und die Roval Mail Steam-Paket- gesellschaft ^sahen fid) gezwungen, die .Abfahr t von vier großen T a m p f em, oic zur FloNenparade nad) Spitehead gehen sollten, abzusagen.

Zn Glasgow kam es gestern abend zu ernsten Ruhe- lt Ölungen. Eine dichte Menge von Ausständigen versuchte den Zugang zu dem Ankerplatz der nad) Belfast bestimmten Dampfer zn em uigen, ans bem nicht zur Union gehörige Seeleute ein»

Gieszerrer Sta-ttheatev.

Tcv Graf von Luxemburg.

Operette von A. M- Willner und Robcrt-Bv- danzky. Musik von Franz Lehär.

Das Kurtheater von Bad-Nauheim begann gestern bei recht gutem Besuch sein hiesiges Operettengastsviel mit dem bereits für das vorige Zayr angesetzt gcivefencn Graf von Luxemburg, der erfolgreichsten Operette der letzten Zahre. Die Handlung, die an sich recht durstig ist, ist ge­schickt und so klug geführt, daß sie dem lebhaftesten^Interesse der Zuschauer begegnet und überall mit herzlicher Sympathie aufgenommen wurde. Das Stück erzählt von einem alten russischen Fürsten, der seiner Petersburger Gräfin durch­gegangen ist und sich in Paris der schönen Sängerin An gelc angenommen hat. Die Sebwierigleitott, die der standes ungemäßen Heirat entgcgenftcljcn, behebt der drelviertels verlebte Fürst dadurch, daß er einen verarmten Edelmann gewinnt, eben den Grafen von Luxemburg, der bereit ist, sich mit der Sängerin zum Schein trauen zu lassen und sofort die Scheidung einzuleiten, damit der Fürst möglichst bald zu seiner geschiedenen Gräfin kommt. Hinter einem Wand­schirm wird die Trauung vollzogen das Paar sieht sich nicht aber was in aller Welt ist natürlicher, als daß sie sich bei der Berührung ihrer Hände wenn auch unbekannter weise ineinander verlieben! Nach drei Monaten soll die Scheidung ausgesprochen werden und just am letzten Tag kommt der Heiratsgraf der ivährend der drei ledigen Ehemonate wieder ganz natürlich einen anderen Namen führen muß, tu den Salon seiner Frau, die gar nicht seine Frau ist, da er sich, in: Theater in die schöne Sängerin verliebt hat ob sterblich ober unsterblich das ist inch: gesagt auch von seiner Frau nicht, aber verliebt sind beide. Tann kommt der Fürst .... verliebt, verlobt, verlebt . . . verrat in seiner Seligkeit die Verabredung und Angele geht mit ihrem Gatten ins Gasthaus, aber nur bis

in die Empfangshalle, denn die ist fo hübsch eingerichtet, und so groß, daß sich dort alle Pärchen wieder zusammen­finden tonnen. Und das tun fic denn auch nach einem pikanten Zögern das erhöht das Mitgefühl Der Zuschauer und der Vorhang fallt über zwei ganz glücklichen und einem halb glücklichen Paare denn von dein fürstlichen Paarschwimmt" nur die bessere Hälfte in Wonne.

Tic Musik ist seit langem bekannt. Tic sorgfältige Ver­tonung Lehars, die sich mit spielender Leichtigkeit und graziöser Anmut rasch in Olr und Herz schmeichelt, hat gegenüber der lustigen Witwe und den darauf folgcnbcit '«Serien ganz bedeutende Vorzüge und einzelne Sätze sind wirlliche Perlen in der Cpcrcttenmufif, vor allem das schmelzende, sentimental-sinnliche Walzermotiv (Bist du's, lachendes Glück ...'? , das sich kunswoil und packend durch das ganze Werk zieht. Voll seiner Reize ist das niedliche Boheme-Tuett und oas kokette Chanson der Juliette mit seinem kecken Kehrreim. Mächtig wirkte auch das Maler duelt: Madel klein, Mädel fein, und das nünnige Treffe ineamat-Walzerlied. Erwähnt feien noch die Auftritts lieber des Grafen und Angöles aus den vielen klingenden Melodien ... die nun auch bald auf den Gießener Straßen heimisch werden dürften.

Tie Darstellung, von Hermann Norden, der den Fürsten etwas vergröberte, flott und schneidig geleitet, hatte ebenso wie die £pcrcttc selbst einen vollen Erfolg. Nach dem etwas matten, gewissermaßen taftenben Ansang er hoben sich die gesamten '.'.'litroirEenbcii im zweiten Aufzug zu einer recht bedeutenden Höhe, zu einem Ensemble, wie es auch die seit Zähren eingespielte Truppe des Frankfurter Opernhauses nicht geschlossener herausbrachte. Otto Beer von der Wiener Bottsoper eroberte sich mit seinem wohligen Tenor unb seinem flotten Spiel als Heiratsgras rasch die Herzen. Kurt Harden vom Stadu .ater in Bielefeld sang

Theater an der Wien errang als .i.ig'.-.c mit ihren hervor­ragenden Oualitäun ebenso wie . einette Ries vom

Kurtheater in Kissinaen als reizvolle, quecksilberige Juliette einen bcbcutcnbcn Erfolg. Bei den folgenden Aufführun­gen wird nod) näher au» die einzelnen Darsteller, die fid) al* tüchtige Kräfte erwiesen haben, zurückzukommen fein. Tas Srchesrer wurde von Mar Schaffner mit (Geschmack und sicherer Hand geleitet.

*

Tie Brücke nennt sw- ein internationales Znstitut zur Cnciiiiicrung der .< Ärbc.t, am 12 Zuni in Bünden gegründet wurde. Mil Dem 3 n ter nationalen Bibliographischen Institut in Brüssel, bas den etwa 25 Millionen Zettel mntassen- ben Katalog der Truckwerkc aller Zeücn und Völker her|teilt, hat cs gnniMcgcntc Vereinbarungen oercity getroffen. Ter Be> g runder dieses Znstituts, Paul Ctict, wurde $u einem bet Ehren- rra>identen der Brücke ernannt. Ten Vorsland der Brücke bilden: Geheimrat Pros. Tr. Wilhelm Ostwald in Großbothen bei Leipzig mter Vorst?ender, Redakteur M. W. Bührer in München, von bem der cantf Lrgant'^rionsp-in aus-nng, zweiter Voriitzender, Schriftsteller Tr. '?Üwlf Sam r :ii üncheu (Generaletretär. ^tt ter Brücke ist München. Tic Brücke will den mehr meck'anischen Teil der geistigen Arbeit aller Richtungen nach dem Grundsatz ber gegctiieitigen Hilf, und freiwillig geleisteter Mitarbeit der Geistesarbeiter organisieren. Tie>> Organisierung soll <rfolgen a> automattich: ourd> allgemeine Cuiführiing einheitlicher Ber- ränoigungsmiitd, besonders tinbciflühcr Formatt und einhcü- lichcr auf gedruckter Registrature..merke für alle T ruckwerkc; b organ.-awrisch: durch Ueberbrückung der Inseln, auf hen-'it zurzeit die Mehrzahl Der geistigen Arbeiter ?mdwi0ucn wie Cinzttorgannationen noch stehen. . m Zusammenhang damit wird sich dic Brücke mit Der Zeit ausge'alten zu 1. der Auskunftsstelle der Auskunftsstellen: 2. einer Zentra- und Hochschule der Lrgani- fat.on, und im Anschluß Daran <u einem Museum für Lrgom- sation-ieck.nck un weiteucn Sinne des Vortes, das in sich alles übersichtlich vereinigen soll, roas auf allen Gebieten menschlicher Tätig leit ausgedackt und ausgeprobt worden ist, um die geistige Arbeit zu fördern und ;u erleichtern t 3. ;n cin-r allgemeinen txtrtomci'.iüLi dcii Vc-rrreiung .er esarbeiter all.-r Richtungen Tic Satzung des Instituts ist kostenlos zu beziehen durch Tic Brücke, Schwindstraße 30, München.