Ausgabe 
19.1.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zwmer Vlatt

Nr. 1b

Erscheint Uigllch mit Ausnahme deL Sonntage.

ieters)

u r Verhütung des

r a n k e n k a s s e n von

Sank

unseres

ufs

Zckmück In seiner Schlichtheit und stillen Größe hebt sich der I baren Vorgänger der Korallen und Schwämme und gehören zu bet Stern würdig von den mit Goldbuchstaben und glänzenden Poli-, Periode des Erwachens des Lebens........

Ein wertvolles Perm ächt n i s für das Braun-,

der srheits- derzeit 3ni zur

turnt versehenen, aber doch nichtssagenden bäuerlichen Grab­malen aus deni Kirchhof ab. Umgeben ist er von dunklen Nadel­hölzern, von Lebensbaumen und verschiedeneil Tannenarten, die für den Hellen Stein einen wirkungsvollen Hintergrund bilden."

schweiger Museum. Der bekannte Kunstsammler August Basel, der am 3. Juni 1910 starb, hat dem herzoglichen Museum, in Braunschweig den größten Teil seiner überaus wertvolles, Sammlungen vermacht. Ueber diese großartige Bereicherung be­richten die beiden Vorstände des Museums, Eduard Flechsig und Christian Scherer, im Cicerone. Der kostbarste Bestandteil von Basels Kollektionen war seine Sammlung von Kupferstichen und- Zeichnungen, die bei einer Auktion wenigstens 400 000 Mark! gebracht haben würde. Es gelangen dadurch rund 7000 Blätter in das Herzogliche Museum, die die bereits vorhandenen Be­stände auf das Trefflichste ergänzen, denn der Sammler hatte bei der Erwerbung vielfach auf die Lücken des Museums Rücksicht^ genommen. Besonders gut sind die Kupferstecher des 17., 18. und 19. Jahrhunderts vertreten, so ist z. B. das vollständige Veuvre Chodowieckis vorhanden. Sehr reichhaltig ist auch die Menzelsammlung, die vor allem eine Fülle der heute sehr seltenen frühen Lithographien aufweist. Nicht ganz so vollständig, aber auch sehr gut ist die graphische Kunst des 16. und 15. Jahrhunderts vertreten; sie weist einige besondere Seltenheiten auf. Neben 140 Aquarellen und Handzeichnungen umfaßt das Vermächtnis sodann ein paar vorzügliche altdeutsche Bilder; andere Gemälde der Baselschen Sammlung sind dem Vaterländischen und dem Städtischen Museum in Braunschweig zugefallen. Tie prähisd)- rische Abteilung des Vermächtnisses umfaßt mehrere hundert Stein» geräte aus den verschiedensten Teilen Braunschweigs, sowie Urnen, Bronzcgeräte usw. Von kunstgewerblichen Arbeiten ist am besten ine Keramik vertreten. Unter den anderen Gegenständen ragen ein spanischer Elfenbeiniasten unb ein romanischer Altarlenö^ep hervor.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. W i s s e n s ch a f t. Shackleton plant für den Sommer 1911 eine Reise na# Spitzbergen, um festzustellen, ob sich die Insel während der Sommermonate als Heilttätte für Lungenkranke eignet. Für 1912 trägt sich Shackleton bereits mit dem Gedanken einer großen Südpolarexpedition, auf der vier Landexpedilionen Vor­gehen sollen. Professor Wilhelm Berger, der Leiter der Meininger Hofkapelle und bekannte Liederkomponist, ist in Jena an den Folgen einer schweren. Magenoperation gestorben Berger war der Nachfolger Steinbachs. Er war 1831 geboren und leit 19.03 Leiter der Meininger Kapelle.

Der Marinchaucha» im Vudgetaurschutz.

:: Berlin, 18. Jan.

Im Budgetausschüß machte Admiral Dährhardt nähere Mitteilungen über den bedauerlichen Unfall des Untersee­bootes Nr. 3, bei dem 2 Offiziere und 1 Matrose den Tod gefunden haben. Der Vorsitzende spricht das innige Mrtgesühl des Ausschusses an dem Unglück aus.

Der Ausschuß verhandelte heute zunächst über die Neuregelung der Besoldungsve.'tnisse dec K a n z l e i b e a m t e n i m Reichs-

Die Enijcheidmrg über das Zchicksa! der Rnchsverslcherungsordnung.

:: Berlin, 18. Jan.

Der Reichsversicherungsausschuß halte heute die entscheidende Stellung zu nehmen zu der Foroernng der Regierung, die in erster Lesung gestrichene Bestimmung des Entwurfs wiederher­zustellen, toonaü) der Vorstand der L a n d k r a n k e n k a s s e n nicht aus einer Wahl hervorgehen, sondern Dom Gemcindeverband

TieGießener ZamMenviSNer" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatt fir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Bahnhofstrasse 51

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Wissenschaft und Leben.

Schon Herrs Pläne. Tie bereits mitgeteilte Ver­leihung des Grillparzer-Preises an Karl Schönherr wurde von der historisch-philosophischen Klasse der Akademie der Wissenschaften mit der Begründung vollzogen, daS Preisgericht erkenne in SchönhensGlaube und Heimat" das beste deutsche, dramatische Werl, das in den letzten drei Jahren aus der deutschen Bühne zur dlufführung gelangte. Es stelle der Bezeichnung gemäß wirklich die Tragödie eines Volkes nt so großartiger Weise dar, daß es in dieser Hinsicht nur wenige drama- lischc Schöpfungen in der deutschen Literatur erreichen ober ihm auch nur naheioinmen. lieber seine nächsten Pläne hat sich Schönherr wie folgt geäußert: Nach dem großen Erfolg von Glaube und Heimat" widme ich mich jetzt einer Arbeit, die ich eme Rastarbeit nennen möchte; ich.beschäftige mich jetzt damit, die Skizzen, die ich in letzter Zeit geschrieben und wohl auch publiziert habe, zu einem SkizzenbandAus meinem Merkbnch" zu vereinen. Sein DramaGlaube unb Heimat" sei binnen einer Woche entftanbe;;. Eigentlich sei dieses Stück ein Outsider. _ Tenn bevor er sich dieses Trauerspiel eines Volles von der Seele schrieb, habe ihn ein anderes Werl' beschäftigt. Er habe dieses aber liegen lassen und das Trauerspiel aus den österreichischen Alpen in wenigen Tagen vollendet. Er erzählte weiter, daß er ein neues Bauern stück fertig habe, das das Thema der Fruchtbar­keit behandelt und den Titel führtE i n g e s e g n e t e s I a h r". Er wolle es zuerst am Wiener Burgtheater aufführen lassen, wenn die3enr.tr keine Schwierigkeiten mache, rochönherr sprach dann über den N i e d e r g a n g d e s V o l k s st ü ck s in Wien und betonte, der Staat habe die Pflicht, die Aufführung von Volksstücken zu unterstützen. Sein Ideal wäre eine österreichische Natio­nal b ü h n e.

Wilhelm Buschs Grabstätte. Seit einiger Zeit

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hat die Grabstätte, in der der Großmeister des deutschen Humors den letzten Schlaf schlaft, ihre endgültige Gestalt erhalten. Auf dem kleinen Friedhöfe des Dörfchens Mechtshausen liegt sie gleich am Eingang linker Hand, von einem schmiedeeisernen Gitter um­geben.Zu Häupten," berichtet Heinrich Heine-Nordhausen, der unlängst eine Wallfahrt an Buschs Grab unternommen hat,steht ein von der Hand eines Künstlers in München gearbeitetes Grab, mal. Es ist ein schlichter Stein aus hellem Muschelkalk, etwa andertl>alb Meter hoch, 4050 Zentimeter dick und unten wohl einen Meter breit, an den Seiten nach oben glockenförmig ab gerundet. Nur der NameWilhelm Busch" steht daran in aus gehauenen Buchstaben, mit einem Kranz umgeben, weiter hchn,'verbunden war-

Donnerstag, 19. Januar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioerfitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^51.

Redaktion:e-^112. Tel..AdruAnzeigerGießen.

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** Für die Sitzung der Stadkver ordneten^ V e r s a m in l u n g am Freitag, 20. Januar, nachmittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung ausgestellt worden: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen. 2. Baugesuch Karl Wchrurn für Crodnerstraßc 49. 3. Baugesuch Karl Horn für Marltstraße 28. 4. Baugcsuch E. Blödner Nachfolger für Plockstraße 2. 5. Dispensgefuch des Edi Kohlcrrnanu

ür Wetzlarer Weg. 6. Dispensgefuch des H. Horn für die Bleichstraße. 7. DispenSgcsuch des Einil Schön für die Neu- tadt 16. 8. Dispensgefuch des Konrad Rübsamen am Wis­marer Weg. 9. Dispensgefuch Hermann Flick für Bismarck- kraße. 10. Dispcnsgesuch Hes Konrad .Häuser für Riegel- ffab 21. 11. Bauausführungen auf dem Brhnlfof. 12. Aus- kellung einer Wagenremife durch die Deutsch amcrik. Petro­leumgesellschaft' auf Flur 8 Nr. 23. 13. Anlage einer Graben - Überbrückung im 3. Feld rechts der Lahn. 14. Anschluß Nord- Anlage 9 an das eleltr. Kabelnctz. 15. Desgl. Neuenweg 29. 16. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 17. Genehmi­gung von Handabgabcn aus dem «Ltadtwald. 18. Genehmi­gung von Rechnungen. 19. Rechnungsabschluß des Gas- und. Wasserwerks für 1909. 20. iDesgl. des Elektrizitätswerks- für 1909. 21. Rechnung der Armenkasse für 1909. 22. Ge­such der Marie Luise Kreyer um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft im Hause Walltorstraße 37. 23. Gesuch des Theodor Rösch um Erteilung der Erlaubnis zur Veran­staltung von theatralischen Vorstellungen im .Hau,e Walltor­straße 36/38.

** Liebig-Museum. Professor Dr. Sommer inj Gießen teilt uns als Vorsitzender des Arbeitsausschusses für die Erhaltung des Liebig-Laboratoriums mit, daß ihm von ungenannter Seite für das zu errichtende Liebig- Museum 1000 Mk. zugegangen sind. Für die hochherzige Spende dem Geber oder der Geberin herzlichsten Tankl Es ist außerordentlich erfreulich, daß, nachdeni schon be­trächtliche Summen größtenteils von Nichthessen einge- gangcn sind, nunmehp nach der öffentlichen Darlegung der ganzen Sachlage in der vom Gießener Bürgervercin ver­anstalteten Versammlung auch das Interesse in Gießen selbst sich immer mehr regt. 2luf diesem Wege ist Aussicht vor­handen, daß das Werk zur guten Durchführung kommt.

** Fürs orge für entlassene Gefangene.-. Wenn der Gefangene die Strafanstalt verläßt, fehlt es ihm" nur zu oft an den nötigsten Kleidern und Schuhen; ber* Anzug, in dem er verhaftet wurde, wird ihm zwar bei der Entlassung ausgehändigt, befindet sich aber meist in einem) sehr dürftigen Zustande. Denbesseren" Anzug fat bic Familie wahrcnb ber Inhaftierung bes Ernährers versetzen müssen. Der kärgliche Arbeitsverbienst, beit ber Ent­lassene aus bcin Gefängnis mitbringt, reicht nicht zur Deckung ber bringeubften Schulben, bie inzwischen für Miete und dergleichen erwachsen sind, geschweige denn zur Beschaffung ' von Kleidungsstücken. Der hessische Schutzverein für entlassene Gefangene hilft zwar wo er kann, und gerade bie Ausgaben, bie in den letzten Jahren burch Anschaffung von Kleibungsstücken unb Schuhen erwachsen, sinb ununterbrochen gestiegen. Der-

jAusschuß gut geheißen.

Weiter staub noch zur Beratung bie von ber Ministerial- abteilung für Forst- unb Kameralverwaltung in Aussicht genommene Vermin berung ber Oberförsterei-- bezirke, zu welcher Frage das Mitglieb ber Ersten Kam­mer, Fürst Isenburg-Birstein, in einer ausführ­lichen Denkschrift bem Ausschuß eine Reihe geeigneter Vor schlage unterbreitet hat. An ber hieran angeknupften Aus­sprache beteiligten sich Geh. Justizrat Prof. Dr. Schm ibt, bie Abgg. Brauer, Molthan u. a., während als Re­gierungsvertreter an Stelle des verhinderten Geheimrats Wilbrand der Geh. Oberforstrat Walter nähere Erläu­terungen gab.

In einer demnächst ftattfinbenben Sitzung soll noch weiter über die Ersparnisvorschläge bezüglich der Ober- rechnungskammer und über die Zuschüsse für bic Lanbwirt- schaft usw. beraten werben.

*

R. B. !D armftabt, 18. Jan. Der Gesetzgebungs­ausschuß ber Ziveiten Kammer trat heute nachmittag unter Vorsitz bes Abg. v. Brentano zu einer Sitzung mfammen, bic sich bis abenbs 6 Uhr ausoehnte. Zur Be Talung stand zunächst der Antrag betr. bic Einführung zweijähriger Bubgetperiobcn, ber mit allen gegen eine Stimme abgelehnt würbe. Dann würbe vom Ausschuß bic Regierungsvorlage, betr. bie Stockholz - Berechtigung, angenommen. Der Antrag K öhler- L a n g s b ö r s, betr. die Fideikommisse, wurde vor­läufig zu ruck gestellt, ebenso bie Vorstellung bes Hessischen Lanbesvereins für Toten ein ä sch erung in Darm stabt, 'die Feuerbestattung betresfenb. Die Vorstellung Les Hessischen Landesvereins für Frauenstimmrecht, tetr, die Zulassung ber Frau ;ur Schulverwaltung, soll ber Regierung als Material für bic später in Aussicht stehenbe Äevijion ber Jvlksschulgesetzgebung überwiesen werben. Ter /Ausschuß setzt morgen seine Beratungen um 10 Uhr fort.

bestellt werden soll. Staatssekretär Delbrück hatte gestern die Erklärung abgegeben, daß im Falle der Ablehnung dieser Vor- chrift die ganze Rcichsvcrsicherungsordnung gc- fallen sei. In der heutigen Sitzung wurde diese Erklärung durch den Ministerialdirektor Caspar noch ausdrücklich dahin^ er­weitert, daß auch die sonstigen politischen M i ß b r a u ch s der ------ ------

der Regierung vorgeschlagenen Kautelcn, so­weit sie in er st er Lesung abgelchnt seien, wieder- hergestellt werden müßten, da die verbündelen Regierungen sonst bie Reich svcrsichcriingsord- nung ablehncn. Dies bezieht sich vor allem auf die H älf t e -- [ung in der Zusammensetzung des Vorstandes der Ortskrankenkassen und entsprechend auch der Bei

DieNachtwa ch e" w i e d e r h c r g e st e l l t. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, war Sonntag das vor einigen Tagen von Bubenhänden beschädigte Gemälde Rembrandts,Dre 9t a ch t w a ch e", dem Publikum wieder zugänglich. Erne un­geheure Volksmenge strömte durch die Säle des Reichsmuseums, doch niemand blieb vor den l>errlichen Gemälden stehen, alles strebte dem kleinen Saale zu, der das kostbare Gemälde der nieder­ländischen Schule birgt. Mair machte sich gegenseitig am die beschädigten Stellen aufmerksam, doch das geübteste Auge konnte keine Spur mehr von den drei Schrammen entdecken. Die Jöcp lctzungen scheinen demnach glücklicherweise nur sehr germgrügig gewesen zu fein.

_ Ein van Dvck üerbrannt. Bei einem Brande in der Wohnung des Kimstsammlers und vielfachen Millionärs Rhsch- kow in Petersburg verbrannte das herrliche van Dycksche GemäldeSamson und Da lila". Bilder von van Dyck in Privatgalerien sind nicht allzu häufig, da die meisten Werl- des Nteisters in den großen Museen wie dem Louvre untergebracht sind. Das Bild entstammte wahrscheinlich der besten italienischen

Zeit vmr Dycks. .

Eine geologische Entdeckung m b er Ant- arcti*. Nach einer Unterredung mit Ray Priestley, die kurz vor seiner Wfahrt mit Kapitän Scotts SchiffTerra Nova", in ber Presse von Neu-Seeland veröffentlicht wurde, ist eine wichtige geologische Entdeckung gemacht worden. Prießley^der seit einigen Monaten im Verein mit Professor David in Sydney an der Denkschrift über das geologische Werk der E. Shäckletonschen Expedition arbeitete, erklärt, daß er während jener Expedition ein Stück Gestein auf dem Beardmore-Gletsch?r entdeckte, das sich jetzt nach genauer Untcrina/ung als zu der Klasse der kambri- s ch e n Forschung gehöric erwies. Es .scheint, als ob eine ähnliche Formation in den letzten Jahren von Briffith Taylir in Süd-Australien aufgesunden wurde, der ebenfalls zu Kapitän Scotts wissenschaftlichem Stab gehört. Die in bicien Jieibeil Gcsteinsarten aufgefundenen Fossilien surd identisch und die ^cküuß- folgerung ist, daß in einer nicht allzu entfernt liegenden Seil arctis mit dem Festland von Australien Diff erwähnten FoWien jvch die unatittel-

Die Vereinfachung der hesstschen Staatsverwaltung.

R. B. Darmstadt, 18. Jan.

Der parlamentarische Ausschuß für Wer- teinfachung der Staatsverwaltung hielt heute .unter Vorsitz des Staats Ministers Ewald im Sitzungssaal der Ersten stamm er eine vierstündige Beratung ab, der auch die Minister o. Hornbergk, Geheimräte Dr. Becker #unb 'Seit, Ministerialrat Dr. Hölzinger unb Geh. Oberforstrat Walter beiwohnten. Es würben zunächst .die zum F u stizh au sh a 1t gemachten Ersparnisvor- schlage bezitglich der höheren Beamtenstellen beraten unb die Vorschläge der Regierung angenommen. Ueber bic Stellung bes Finanzausschusses dazu berichtete Abg. Dr. .Osann. Dann fanb eine eingehenbe Besprechung über 'die Vereinsachungsvorschläge im Ministerium des Innern statt, wobei Minister v. Ho m b ergf über bic von ber Re­gierung vorgeschlagenen Vlbäitbeningcn berichtete. Aach leim Kapitel Genbarmerie würben verschiedene Vor- Ichläge zu Ersparnissen erörtert, wobei ber zu biefent Ka­pitel eiugdabene Genbarrncrieoberst v. Norrnann auf Wunsch verschiebener Ausschußrnitglieber über Organi sationssragen usw. näheren Aufschluß gab. Gegenüber einer Anregung bes Abg. Ulrich, beit militärischen Cha ratter bes hessischen Genbarmeriekorps zu beseitigen, be­tonte bav Mitglieb ber Ersten Kammer, Graf Stvlb er g- Roßla unb Abg. Brauer bic Notwenbigkeit ber Beibehal­tung ber jetzigen Genbarmerieorganisation. Im übrigen würben bic Vorschläge bes Ministeriums über bic in ben verschiebenen Ressorts vorgesehenen Vereinfachungen vom

tragspflicht. . r, . ...

Tas Zentrum hat daraufhin leinen gestrigen Antrag, über bic Frage der Hälstclung erst am Schlüsse der Beratung zu ent­scheiden, zurückgezogen. Die Beratung erstreckt sich zunächst nur gut den 8 343 über den Vorstand der Landlrankenkasien. Em Vertreter des Zentrums tritt jetzt für die W i e d c r h e r st e l - lung des Paragraphen ein und crflärt gegenüber den Vorhaltungen von volksparteilicher, sozialdemokratischer unb be- onders auch polnischer Seite, daß man sich in einer w a n g^s- läge befinde und es sich hier nur darum handele, den h 343 anzunehmen oder das ganze Gesetz scheitern zu laßen. ^.ie Re­gierung werde nicht nachgeben. Die Abltimmung der Tutglicbcr des Zentrums im Ausschuß werde lediglich eine persönliche fein, da mit der Fraktion bisher noch keine Fühlung genommen werden kOliNte. L an

Auf Anfrage von volksparteilicher Seite erklärt Mini­sterialdirektor Caspar, Uurch das in den nächsten Tagen dem Reichstage z U g e h e n d e Einführnngs- gesetz zur Reichsversicherungsordnung werde sest- gelegt werden, daß die in ländlichen Ortskrankenkassen versicherten Arbeiter gegenüber dem heutigen Zustande nicht schlechter gc|teUt

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

aiic nationalliberale Fraktion tritt für die Regre- tungsvorlage ein. Der Vertreter der wirtschaftlichen Ver- cmigung erklärte sich für seine Person gegen ben § 343 Em Mitglied der fortschrittlichen V o l k s p a r t e i betont, datz die ablehnende Haltung seiner politischen Freunde gegenüber ben Lanbkrankenkassen unb ihrer Einrichtung die endgültige Stellung seiner Fraktion zur gesamten Reichsversicherungsordnung in t e i n c r Weise fest! ege.

Die Abstimmung

ergab bic Wiederherstellung des § 343 in folgen­der Fassung:Bei der Landkrankenkasse wählt die Vertretung des Gerncindeverbandes den Vorsitzenden unb bic anderen Mit­glieder bc* Vorstandes, darunter einen oder mehrere (Stellver­treter des Vorsitzenden. Diese Mitglieder müssen zu c i n e m D r i 11 e l aus d en b e t e i l i g t e n Ar b e l t g eb e r n, zu zwei Dritteln aus ben beteiligtcn Ver 1 ichcr- ten bestimmt werden. Die oberste Verwaltungsbehörde kann bestimmen, daß der Vorsitzende unb bic anderen Mitglieder des Vorstandes gewählt werden, wie die Vertreter im Ausichuy/

Die 23 e ft i nt m u n g über bic Dri11elung w urdc aus Antrag bes Zentrums angenommen. In ber Gesamtabstimmung über den § 343 stimmt das Zentrum geteilt. Tie Annahme erfolgt mit 15 gegen 13 Stimmen Dagegen stimmen vier Zentrumsabgeordnete, die Fortfchnttler, die Sozial­demokraten unb bic Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung und der Polen. , . _ _ . .

Die §§ 344 bis 348 über die Zulammensetzung des Ausschusses werden Wit redaktionellen Acnderungen der Fassung der ersten Lesung angenommen. Auch hier wird ber Ausschuß gedrittelt. L

Zu § 349 wird beschloß en: Die Landesregierung kann in solchen Bezirketi von Versicherungsämtern, welche ausschließlich aus Land- und Stadtgemeindcn zusammengesetzt und in denen selbständige Gutsbesitzer nicht vorhanden sind, das Wahlrecht den Vertretungen ber einzelnen Gemeinden übertragen und hierüber näheres bestimmen.

Weiterberatung Donnerstag. _______________

GieS®eslei"S«,t!*

amt des Innern. Vom Zentrum werden weibliches Arbeitskräfte empföhlen, bereit Vorzug von der Lei­tung der Reichsdruckerei ausdrücklich anerkannt worben sei. Der Staatssekretär erklärt, die weiblichen Arbeitskrättc feien weniger leistungsfähig, so «daß ihre wettere Benutzung Bebenkei^ habe. Ter Smatz sekretär hält unser Kanzleiwesen noch stlv weiter entwicklungsfähig. . .

Als Folgerung der -?lusfprachc ftellt das Zentrum den Antrag, daß im nächsten Haushalt eine Anzahl der Kanzlei- [teilen bei sämtlichen Zentralbehörden als künftig wegfallend be­zeichnet unb bic Diätarstellen beschränkt werden Es wird fest- gestellt, daß Kaiizleibeamren bisher noch eine Gttraocrgutung er­halten haben, sobald sie innerhalb ihrer fiebcnftüiibigcn Dienftzcil! mehr als 6 Bogen abgeschrieben haben.

Der Zentrumsantrag wird einstimmig a n g c rt o nt m e^n. Am Donnerstag wird die Beratung des Marinehaushalts fortgesetzt. ___ ____

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Gießen, 19. Januar 1911.

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