M Jahrgang
Zweites Natt
Nr. 90
Erscheint ti-Uch mit Ausnahme bei Sonnt aqS.
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Zur granffurter Unwersitätsfrage.
Der Verband Deutscher Diplom-Ingenieure bittet uns lim Aufnahme folgender Notiz:
In der „Umschau", der lxckannten Frankfurter natnrwffsen- fchafklichcn Wochenschrift, mntfrc Patentanwalt Dipl.-Jng Dr. hn<i Berlin einen neuen Vorschlag zur Frankfurter Universi- '.ätsftage. Dr. Lang verlangt eine technologische Fakultät und weist die Notwendigkeit irnd den Nutzen einer solchen Fakultät iür die Frankfurter Universität nach. Der Verfasser beruft sich dabei auf das amerikanische und englische Beispiel, wo sich die Wissenschaft in unmittelbarer, Wechselwirkung nrit dem praktischen "eben befinde und die Großindustriellen als praktisch denkende Ülänner rnnen, daß die für die Universitäten gespendeten Summen aut angelegtes Kapital bedeuten. Die Erschließung des £> fl» bafeng ebiet-s und andere Industrie fördernde, Maßnahmen lennzeichneben die industrielle Entwicklung Frankfurts. Wenn Vehrlräftc ersten Ranges berufen werden, die auf der Höhe der modernen Technik stehen und den wirtsckaftliäien Unternehmungen der Stadt Ratgeber fein können, werde eine. Rückwirkung nicht ousbleibeu. In unterrichtsteclvftfcher Beziehung weist Dr. Lang auf die lservorragenden chemischen, elektrotechnischen. und Physikalischen Institute Frankfurts bin und auf die Möglichkeit, rechts- und staatsnnssenschaftliche Studien mit den technischen zu verbinden. Der Iweck einer modernen Universität sei die Ausbildung nicht nur tüchtiger Beamten und äeutc, sondern auch der geistigen Führer der industriellen Entwicklung.
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Kectta, burgenoeifa
Die „Gietzeuer ZamiUendlitter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt fit den Kreis Sießev" zweimal wöchentlich. Die „Qmdwittschaftllchen Mi* fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
8. Deutscher hilszschultag.
> Lübeck, 17. April.
Mit einer Borstandssitzung int Hause der Gemeinnützigen Gesellschaft begannen heute hier die Verhandlungen des 8. Vcr- bandstages der Hilfsschulen Deutschlands, zu dem eine große .Anzahl von Interessenten, namentlich aus dem Lehrerstcmde, aus allen Teilen Deutschlands eingetroffen sind. Mit dem Ver- bandstagc ist eine Ausstellung von Erzeugnissen, des Werküntcr- richts verbunden, die sehr reichhaltig beschickt ist. Die Tages-
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:?^ 112. Teß-Adr.: A nzeigerSießen.
Dienstag, 18. Apm f9Q
Rotationsdruck und Verlag der Brirhl'schen UniversitätS - Buch- und Stemdrnckereü
R. Lange, Ließen.
gss Ci iage ,en p Dank
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I<iug Bahadur, der Regent und Marschall von Nepal, dem Nana Sahib abgenommen hatte. Der Prinz ton Gwalior besitzt eine unsÄrtzbare Perlenkette, die aus 13 Reihen vollkommen gleicher Perlen besteht. Bei Staatszeremonien trägt dieser Potentat auch eine Schärpe, die von der linken Schulter zum rechten Knie geht, und die vollständig mit Perlen besäet ist. Der einzige Inder, der sich mit diesen Perlenschätzen messen farm, ist der Maharaja von Travancorc, dessen Herrschaft sich über die Ceylon-Perlen - fischereien ausdehnt. Die Smaragden des Maharaja von Nepal verursachten vor einigen Jahren in Lorckron die größte Sensation: er besitzt auch einen Lchwertknauf, der aus einem einzigen Smaragden geschnitten ist: bei. einem Durbar fällt jedoch, im allgemeinen Glanz solch ein Stück gar nicht auf. Der fd)on erwähnte Koh-i- noor gehörte ursprünglich den Mogulkaisern; nach den Sikh- .Kämpfen lam der Stein nach England, wo er auf Befehl des Prinz-Gemahls Albert einer neuerlichen Schleifung unterzogen nnirbc, wodurch der Stein sich von 186 Karat aus 106 Karat reduziert fand. Aber er soll, nach Angaben Taverniers, eines französischen Juweliers, der ihn im 17. Jahrhundert sah. Über 787 Karat gewogen und die Form eines halben Eies gehabt haben. Die Historie dieses Steins ist in ein Mysterium gehüllt: Tatsache ist, daß Ranjit Singh ihn oft in der Höhle seines blinden Auges zu tragen pflegte. Er gilt noch immer als das Symbol kaiserlicher Macht in Indien, und in den Augen der Eingeborenen macht erst der Besitz des Koh-i-noor den König von England zum wirklichen Herrscher des Landes. Aber die eingeborenen Kenner werden mit Erstaunen auch auf den großen Agincourt-Rubin blicken, der das Mittelkreuz der englischen Krone schmückt, ebenso auf den Saphir, Der von dem Kardinal von Pork dem Königsschatz einverleibt worden ist, und auf den blassen Saphir ans dem obersten Kreuz der Krone, der sich einer 900 jährigen Geschichte rühmen kann. Zu all diesen Schätzen kommen setzt noch die enormen, in den letzten Jahren gefundenen und noch ganz geschichtslosen Steine aus Süd- Afrika. Bei der symbolischen Denkart des Inders ist es auch erwünscht und notwendig, daß die Juwelen des Königs von England nicht von jenen der einheimischen Prinzen zu sehr in den Schatten gestellt werden — trenn auch der Kohsi-nvar ein absolutes Uebergewicbt bietet — und da der Durbar eine Prunkzeremonie ifi, so wird alles, was in der englischen Scha^ammer glänzt! xmb glitzert, nach Indien geschafft werden, um das Uebergewicht des von Jpdrext auch furnsällig W rrwvssc.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
formell bei, daß cs bem Obcrregisseur Bakof an der Dc> red)tigging mangele, die Freigabe bet durch die Liste vor- pönteir Vornamen zu beantragen, erklärte aber, daß nach der Verfügung des Ministeriums der Justiz vom 4 April 1909 auf welche das Amtsgericht den Erlaß der Liste, stützt) die angegriffene Verfügung des Amtsgerichts Gießen der gesetzlichen Grundlage entbehrt. Der Vorname Liselotte wurde vom Landgericht für eintragungsfähig in das Geburtsregister erklärt und zwar mit folgender Begründung: Jeder Vater ist berechtigt, den Vornamen feines Kindes zu bestimmen, die Wahl eines solchen ist durch keine gesetzlichen Vorschriften beschränkt. Die einzige Beschränkung ergibt sich aus der Rücksicht auf die öffentliche Ordnung, die aide Sitte und auch auf die Religion. Tamad) können Voi> namen nicht eingetragen werden, die unanständig, unsittlich oder'sonst geeignet sind, Aergernis zu erregen. Dilles das treffe auf den Namen Liselotte nicht zu, wie weiter feiner Darlegung bedürfe. Die Zusammenziehung zweier Vornamen sei diesem Namen auch nicht besonders eigentümlich. Auch bei anderen Vornamen, die. wie Liselotte seit langen Jahren im Osedrauch sind und sich eingebürgert haben, ist dies der Fall, z. B. bei Annemarie und Anneliese; auch könne man von einer Verketzerung ober willkürlichen Zusammenziehung von Namen bei Liselotte nicht reden. Unzulässig wäre eine Zusammenziehung von zwei Namen, als ein Vorname nur dann, wenn damit ein Vorname entstände, der nach den oben genannten Grundsätzen zu beanstanden wäre. Dieser Full sei aber mit Liselotte ebenfalls nicht gegeben.
" Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Wimpfen a. N., Kreis Heppenheim, und Gau-Algesheim, Kreis Bingen.
Landkreis Gießen.
0 Lich, 17. April. Ein schöner Brauch au4 alter Zeit hat sich hier noch gut erhalten: Das Eier- werfen, dem jung und alt an beiden Ostertagen auf der sog. „Eierwiese" huldigen. Die alte Sitte erfreut sich in. der Bevölkerung noch der größten Beliebtheit.
= £id), 18. April. Der V. H. C. unternahm bei guter Beteiligung gestern seinen Familienausflug nach dem Schiften- berg. Am Freitag wird der Verein, der seit vergangenem Jahr wieder touristisch tätig ist, seine Generalversammlung im „Adler" abhalten.
0 Klo st er Arnsburg, 17. «April. Gestern und heute hatte das Kloster einen Besuch zu verzeichnen, wie selten au Ostern. Besonders aus Gießen, Bad-Nauheim und Friedberg waren viele Ausflügler anwesend, die zumeist ben Weg durch das prächtige Gottesackertal nach Lich nahmen Zahlreiche Fuhrwerke und Automobile belebten Pie sonst so ruhige Straße, die durchs St*!öfter führt.
R. Londorf, 18. April. Am Donnerstag, 13. d. M / hielt der E i s e n b a b n v e r e i n Londorf bei Gastwirt Lich- Londorf seine Frühjahrsversammlung ab Auf der Tages« ordnung stand unter verschiedenen anderen Sachen der Sommerausflug. Es wurde beschlossen, daß der Verein in Gemeinschaft mit dem E.-V.-Grünberg seinen .Ausflug am 14. und 21. Mai nach Fulda unternimmt. Später fand noch eine kleine Feier statt, zu Ehren des B. A. Seng- Geilshausen, welcher am 1. April nebst seiner Silberhochzeit auch fein 25jähriges Dienstjubiläum feierte. Die Kameraden hatten ihn mit Geschenken bedacht, welche von dem 1. Vorsitzenden, Bahnmeister Hitz, überreicht wurden. B. A. Weber-Odenhausen feierte sodann in schwungvollen Worten das Jubelpaar.
-m. Hungen, 18. April. Am 1. Feiertag, vormittags, war auf'bem an die Laubacher Bahnstrecke grenzen^ den hinteren Teile des Rods, wahrscheinlich durch Spaziergänger oder Kinder verursacht, Feuer ausgebrvchen, das durch das vorhandene dürre Gras und Moos reiche Nahrung fand und rasch um sich griff. Die Anpflanzungen junger Tannen und anderer Ziersträucher, die hier eine hübsche . Anlage bilden, wären bei dem herrschenden starken Winde sicher vernichtet worden, wenn es einigen Spaziergängern
(Eine märchenhafte Zuwelenparade.
Der große Turbar, der in diesem Jahre anläßlich der englischen Krönung in Delhi stattfindet, wird nicht in letzter Hrnsicht wegen der kolossalen Anl)äufung historischer Juwelen bemerkenswert werden. Vor allem wird nach langer Zeil und nach aben- teuerliefen Wanderungen wiederum der Koh-i-nvvr sozusagen das Präsidium über eine Sammlung von kostbaren Sternen rühren, wie sie nirgends anderswo üt der ganzen Welt zu sehen ist.
Der Nizarn von Hyderabad, der der älteste der regierenbcn Prinzen int Lande ist, besitzt auch den größten Diamanten, den 277 karätigen „Nizarn", der jedoch selbst nur dre Halste eines einstmals noch bedeutend größeren Steines ist. Der N tzam hat auch einen 180karätigen Diamanten, die „Viktoria", in fernem Schatz, für den er angeblich 8 Millionen Mark gezahlt hat. Dem Gaekwar von Baroda gehören drei berühmte Steine, der „Stern des Südens", der „Akbar" und die „Engenie". Set erfte wiegt 125 Karat und ist ein Brasilianer von reinstem 2Bai|er; er soll in geschliffenem Zustand für 1600000 Mark angekauft worden sein: der letztgenannte ist ein außerordentlich schöner Diamant von 51 Karat, der, wie sein Name besagt, eine Zeit lang im Besitz der Ex-Kaiserin Engenie war. Der Maharaja von Patiala ist der (Eigentümer des berühmten „Sanc y"-Diamanten, er gehörte ursprünglich Karl dem Kühnen, dann bem König Emanuel von Portugal und König James II., der ihn mit anderen Kronjuwelen im Jahre 1680 auf feiner Flucht mitnabm; später gehöre er Ludwig XIV., Ludwig XV., Napoleon, dem Prinzen Demidoif, bis er in die Schatzkammer des Maharaja gelangte. Ein anderer Stein, der nach vielen Wanderungen den Weg in die Heimat zurückiand, ist der „Agra", der einst den Streitpunkt -eines sensationellen Prozesses in London bildete.
Aber diese der Welt betamtten Steine sind beileibe nicht die allergrössten oder allersckönsten, die die Welt besitzt. In den Schastluimnern der indischen Prinzen liegen Juwelen, oft schlecht gefaßt, oft ungeschliffen, oft mit falschen ober mfnbcrmertigein Steinen zusammengesetzt, die nur zu Ausnahmegelegenheiten den Turban oder das Kostüm des Besitzers schmücken. Beim Durbar des Jahres 1903 waren Diamanten zu sehen, die selbst in Indien Verblüffung erregten, schon deshalb, weil von diesem Glanz und Reichtum kein Mensch, selbst die Nachbarn nicht, vorher eine ^Ahnung gehabt hatte. Der Maharaja von Tarbhanga znm .Verspiel trug ein Halsband, das berühmte „Naglakhä", doZ
Der Aufstand in Mexiko.
Der mexikanische Aufstand zieht sich sehr in die Länge. Die „Timesi" spricht schon davon, man wolle die Revolutionäre als kriegführende Macht anerkennen. In der Tat nimmt die Regierung der Vereinigten Staaten eine laue und abwartende Haltung ein, obgleich die letzten Kämpfe an der Grenze auch amerikanische Interessen geschädigt haben. Präsident Taft läßt es anscheinend bei papiernen „Ermahnungen" bewenden. Dagegen hat ein britisches Kriegsschiff, wie es scheint, handelnd in den Kampf eingegriffen und die Stadt St. Quentin vor einer Verwüstung durch die Rebellen bewahrt. Wir erhielten folgende Meldungen:
Washington, 16. April. Das Staatsdepartement erhielt die Meldung, daß an einem nicht näher bezeichneten Tage 30 Mann mit Maximgeschütz von dem britisch en Kanonenboot „Ä)erwater" in S t. Q u e n- 1 i n (Niederkalifornien) gelandet wurden, um die Stadt gegen den drohenden Angriff der Revolutionäre zu schützen. Da ein Angriff nicht stattsand, wurde die Llbteilung zu-- rückgezogen - Tas Staatsdepartement erhielt von dem amerikanischen Konsul in Juarez ein Telegramm, daß 3000 Aufständische, die der Besatzung vterfach überkegeu sind, sich in einer uicrfad)€n Entfernung von der Stadb befinden. Den nicht amtlichen Nachrichten zufolge verbrannten die Aufftäudischen südlich von Ciudad Persirie Miaz sechs Eisenbahnbrücken.
Mexiko , 17. April. Die Regierung erließ einen all- gcinemen Aufruf, an Freiwillige zur Ableistung eines sechsmonatigen Militärdienstes.
New York, 17. April. Nach einem Telegramm aus der Stadt Mexiko an die „Newyork Times" ist in allen, mexikanischen Staaten das Schwinden der Macht der Lund esrcg ierung deutlich bemerkbar. Daß die Flut des Aufruhrs im Wachsen begriffen ist, zeige auch das Auf- fajidjen zahlreicher Banden, die das Land brandschatzen, aber tticht zu ben Anhängern Maderos gehören. Die Bundes- bchörden seien unfähig, den Räubereien Einhalt zu tun. Die Lage einiger abgetrennt liegender Teile des Landes ist unzweifelhaft bedenklich.
Aur Statt und Land.
Gießen, 18. April 1911.
*' Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstetle zu H u n g e n. Eine Lehrerstelle mit Organisten-, Kantor- und Lektordienst zu Gunzen au. Eine Lehrerstelle mit Organisten-, und Lettordienst zu Nudloö.
** Kunstverein. Am Samstag nachmittag besuchten die fürstl. Herrschaften von Lich in Begleitung des Landgrafen Elodwig von Hessen die Gemäldeausstellung des Kunstvereins. Der Fürst erwarb ein Gemälde „Grünes Tal" von Pros. H. v. Bolkmann und eine Rötelzeick)nung „Frauenkopf" von W. Thielmann. Nachdem wurde dem Museum des Oberh. Geschichtsvereins ein Besuch abgestattet, wo die Herrschaften unter Führung Dr. Kramers die Sammlungen besichttgten.
** Sudw estdeutscher Verband für Altertumsforschung. Die zwölfte Hauptversammlung des Verbandes ftndet vom 20 —23. April 1911 in Frankfurt statt. Eine Reihe hochmtevessanter Vorträge über das römische Germanien wird angekündigt, daneben stehen verschiedene Führungen und Besichtigungen (Ausgrabungen, Ringwälle usw.) auf dem Programm. Zu der Tagung sind alle Altertumsfreunde unserer Stadt eingeladen.
** Die Liste über die Vornamen für Neugeborene, welche laut amt^richterlicher Verfügung vom 15. April 1909, wie wir mitteilten, für das Standesamt Gießen besteht, ist nach einent Beschluß des Landgerichts Gießen vom 12. April b. F. ungültig bezw entbehrt, wie os in dem Beschluß heißt, ber gesetzlichen Gruttdlage. Oberregisseur Hermann Bakof, der bieseu Beschluß durck) eine Beschwerde herbeigeführt hat, wollte sein im Januar dieses Jahres geborenes TöchterckMt Lieselotte" nennen. Der Eintrag in das Geburtsregister utrter diesem Namen wurde vom StandesbeMUten unter Hinweis auf btc Liste für das Standesamt, die der die Aussicht über das Standesamt führende Amtsrichter aufgestellt hat, ver- we igert. Herr Bakof wendete sick) wegen Freigabe des Vornamens an das Amtsgericht, beantragte aber auch gleichzeittg die Aufhebung der erlassenen Verfügung, weil die Eltern dadurch in unzulässiger Weise in der d^amens- beileguug ihrer Kinder beschränkt werden. Das Amtsgericht wies die Beschwerde ab und beftritt dem Vater die Berechtigung, die Beseitigung der Liste als solche zu verlangen Die Eintragung des Namens Lieselotte sei aber nm deswegen zu beanstanden, weil dieser Name eine Verketzerung ber beiden Namen Elise Charlotte enthalte, was nach einer Verfügung des Ministeriums unzulässig fei. Hiergegen beschwerte sich Herr Bakof beim Äuidgericht. Seine Berechtigung zu einem Llntrage wegen Aufhebung oder Zurückziehung ber Liste begründete er damit, daß er noch öfter in die Lage versetzt werden könne, Kinder zum (Eintrag in bas Geburtsregister anmelden zu können. Würde nun die Liste der verpönten Namen weiter zu Recht bestehen, so sei er als Vater in der Wahl eines Namens beschränkt, was ohne weiteres gesetzlich nicht zu rechtfertigen sei. Tas Landgericht trat in seinem Entscheid darin dem Amtsgericht
ordnung des Berbarrdstages ist außerordentlich umfangreich. Eine vorgeschlagenc Satzungsänderung bezweckt u. a. den weiteren Ausbau der Organisation des Verbandes durch Gründung von Unterverbänden. In einer Vorversammtung werden sprechen: Hilfs- schullehrer Raay (CharloUenburgj über; „Werk- und Arbeitsunterricht in der Hilfsschule", und Rektor Kruse (Altona) über: „Die Disziplin in der Hüfssckrnlc". Für die große Hauptversammlung, zu der auch die Vertreter der paatlichen und städtischen Behörden geladen find, find drei wichtige Themata zur Bc- prechung vorgesehen. An erster Stelle steht die Frage der „geistigen Minderwertigkeit im deutschen Strafrecht, Straßprozeßrecht und Strafvollzug". Die Vortragenden, Staatsanwalt Niehoff i Braunschweig) und Schulinspektor Kiel Horn (Braunschweig) legen dem Verbandstage Leitsätze vor.
Die beiden anderen Vorträge betreffen: „Hirnverändcrmtgcn bei jugendlich Abnormen (Prof. Dr. Weygandt-Hamburg) und den „hauswirtschaftlichen Unterricht in der Hilfsschule" (Lehrerin Biesenthal-Berlin).
— Vom „ollen ehrlichen" Ringkampf. Seit einer Reihe von Jahren spielt bekanntlich der starke Mann im Spielplan des Varietes eine große Rolle. Er macht vollere Häuser als die fescheste Soubrette und die Kraft seiner Muskeln wird mit mehr Gold ausgewogen als die beste Stimme und die bestrickendste Grazie einer Tänzeriti. Und nicht nur der „Mann aus dem! Volke" begeistert sich für die Gewalt mächtiger Fäuste und die schöne Linie der Stimmten, sondern auch echte und Talmikaoaliere> und oft selbst ihre Damen hängen mit auftickstiger Bewuiiderung an dieser massiven Brettlkunst, die ihren Nerven wohltuende Sensation bringt. Sie alle erleben jetzt eine Enttäuschung. Was sie als Offenbarung urgewaltiger Kraft beklatschen, war „Trick", der „schwere Unfall" ihres Lieblingsringers, der ihr Blut in angenehme Wallung setzte, stand klug berechTtet auf dem mit dem Gegner heimlich vereinbarten Programm. So hat vor einigen Tagen der Meisterringer Willy Mebner enthüllt, der vor „Ama-, teuren und anderen Sachverständigen" in Chemnitz über Ring- kampsschwindel sprach Nach diesem Eingeweihten verfährt man bei den Ringkämofen nicht gerade nach dem Grundsatz: „Ueb immer Treu und Redlichkeit"; im Gegenteil, die Betrügerei ist nach der Erfahrung Metzners so groß, daß die ehrlichen Berufsringer sich in einer Übeln Lage befinden. Er erzählte, daß diese sich den „Managern" gegenüber, meistens Ringern mit großem Namen, verpflichten müssen, dem Ringen zu unterliegen Wenn sie das nicht tun, ist ihnen die MöglicUeit, bei dem Preisringen mit aufzutreten, so gut wie verschlossen und damit auch das Engagement. Tie „Manager" suchen grundsätzlich die Entscheidung bei den Kämpfen so wett als möglich hinauszuschieben. Sie steigern ba* durch die Spannung der bewundernden Mitwelt und erzielen mehr volle Häuser und einen höheren Gewinn Trotzdem werden die einzelnen Ringer ihrer Truppe armselig bezahlt. Oft werden' junge Leute angeworben, die vom Ringen nichts verstehen: ber „Manager" ist bei diesen vor einer Niederlage sicher. Diwht von einem gefährlichen Nebenbuhler Gefahr, so werden auch wohl Kniffe aingewendet, die den Gegner verblüffen, so daß er unterliegt Auch den Zuschauern gaukelt man etwas vor, um die Spannung ober Teilnahme zu erhöhen, bem Kampf eine bestimmte Richtung zu geben ober eine Ursache zu haben, ihn abzubrechen. Mit Htt^ von fieui en Schweins blasen, die mit Blut gefüllt sind, werden schwere Unfälle hergestellt, man läßt sich vom Podium hinabfallen, wirft na Kampf bat Preisruchtertisch um und treibt audeyeü Schwindel, Metzner behaupt^, es fei sogar schoZ ftozgcfewnea,
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