festigt war und bereit Mauern und Türme nun langsam dein Zalm her Zeit verfallen Störche haben ihr Nest an den alten Wällen aufgeschlagen, sie gelten in Marokko für heilig und dürfen nicht gestört werden. Die romantische Szenerie einer langsam zerbröckelnden Ritterherrlichkeil wird plötzlich durch Trompetenfmrfaren belebt: Raisuli tritt soeben aus der Moschee, in der er Allah für einen höchst wundersamen Sieg gedankt hat. Ein Stamm hatte dem Sultan Mulay Hafid neun Monate lang getrotzt. Schließ- lich wandte, sich dieser an seinen „Freund" Raisuli, der jetzt den Namen Mulay Hamid führt, um Hilfe, und bat ihn, den ungehorsamen Stamm zu züchtigen. Raisuli nahm sich der Sache mit solchem Eifer an, daß er, wie man erzählte, innerhalb sieben Tagen das ganze aufrührerische Volk völlig ausrottete, Männer, Frauen und Rinder, und ihre Wohnungen durch Feuer zerstörte. Raisulis Grundsatz ist es, ganze Arbeit zu tun.
„Durch einen verfallenden Torweg kam nun zuerst ein Trupp von Soldaten, die Messinginstrumente bliesen, Trommeln rührten und alte Flinten schwangen. Dann kamen in langsam würdevollem Gang die Schecks in leuchtend weißen Burnussen, gelben oder purpurnen Pantoffeln und mit Silber beschlagenen Pistolen oder Schwertern. Viele von ihnen — im ganzen waren es wohl 200 — gingen paarweise. Und zuletzt kam Raisuli, der hroße Brigant und Aufrührer, Raisuli, der Soldat, Verbrecher und Gouverneur, von allem etwas und doch im ganzen eine Persönlichkeit für sich, mit nichts zu vergleichen. Gin mittelgroßer Mann, sehr stark, von lichter Gesichtsfarbe und vollem Bart. Klare hellbraune Augen, die ganz freundlich und frei blicken, sitzen unter einer mächtig gebildeten Stirn; die Hände, wenngleich fett, sind wohlgeformt und sorgfältig gepflegt. In kriegerischer Tracht, prächtig und prunkvoll angetan, tritt er heran, ein Mann der Tat, zum Herrschen geboren, pon dem eine merkwürdige, menschenbeherrschende Macht ausgeht."
Die Eg^länder lassen durch ihren Führer um eine Audienz bitten und werden eingeladen, mit Raisuli den Tee zu nehmen. In ihrer bestaubten und zerrissenen Tracht nach tanger Wüstenwanderung sind sie gerade nicht sehr hoffähig, aber Raisuli macht kerne Umftänbc, als er sie auf einer Terrasse seines .Dauses begrüßt. Die Unterhaltung geht nur stockend vor sich, denn der Führer, der den Dolmetscher bildet, kann nur etwa 60 Worte Englisch. Der stockenden Unterhaltung macht das Erscheinen des Tees ein Ende. Inmitten einer großen Dienerschar erscheinen zwei Männer, die große Präsentierteller tragen. Auf dem einen stehen zwei Kaffeetassen, ein Glas und ein silberner Teekessel. Die Tassen bekommen die Gäste, Raisuli trinkt aus dem Glas. Dazu werden englische Biskuits gereicht, die so hart sind, daß es maurischer Zähne bedarf, sie zu zerbrechen. Raisuli reibt sich die Hände, ist sehr vergnügt und zeigt eine geradezu kindische Freude, als ihm der Barometer überreicht wird. Als sich die Weisenden von ihm verabschiedet haben, revanchiert er sich, indem er ihnen seinerseits Geschenke mit auf den Weg gibt, große Mengen Butter, lebende Hennen, zu Paaren aneinander gebunden, große Mengen Gemüse, Milch, Körbe mit frischen Eiern usw.
Au- Stadt und CattO,
Gießen, 20. Juni 1911.
• • Hebammen - Verbandstag. Donnerstag, 22. Juni, findet in Steins Saalbau der 3. Verbandstag der hessischen Hebammen statt, der wichtige Fragen des so bedeutungsvollen und verantmortungSreichen Hebammenberufes verhandeln wird. Ein reichhaltiges Programm ist vorgesehen; es sprechen u. a. Professor Dr. v. Franque über „Mutterschutz durch die Hebammen", Prof. Dr. Walther über „Die Wiederholungslehrgänge als Mittel zur Fort-« bildung"; außer diesen werden noch Direktor Dr. Kupferberg-Mainz und Professor Dr. Koeppe sprechen. Frau Olga Gebauer, die Vorsitzende der Vereinigung deutscher Hebammen in Berlin, wird das Thema „Die Bedeutung der Landesverbände" besprechen. Auch die jetzt aktuell gewordene Frage der „Säuglingsfürsorge" wird zur Sprache kommen.
* * Das 58. Fcldbergfest stand unter keinem günstigen Stern. Der vorhergesagte Wetterumschlag trat am Samstag nachmittag ein. Der Aufstieg zu dieser Zeit war zwar noch von günstigem Wetter begleitet, auf der Höhe aber begann am Abend ein starker Regen. Der Morgen fing verhältnismäßig günstig an, von 10 Uhr ab wurde jedoch das Turnen einigemale durch Regenschauer unterbrochen. Trotzdem waren einige Riegen schon um 1 Uhr mit ihren Uebungen fertig. Von 1063 angemeloeten Wettturnern waren 993 angetreten. Pioniere von Kastel hatten die Uebungsplätze, 5 für die Freiübung, 6 für Freihoch- fprung, 3 für Weitsprung, 4 für Kugelstoßen mit Anlauf und 2 für den 100 Meter-Lauf hergerichtet und hielten sie während des Turnens int Stand. Nachdem von halb 7 Uhr ab das Kampfgericht in der Turnerhütte getagt hatte, traten dis Wetturner um 7 Uhr am Brunhildisfelsen an. Der Vorsitzende des Feldbergsest-Ausschusses, PH. R ö b i g - Rödelheim, hielt die Festrede. Nach der Begrüßung der großen Zahl Wetturner, insbesondere der aus anderen Kreisen der Deutschen Turnerschaft, gedachte er der Hundertjahrfeier des deutschen Turnens in der Hasenheide, verglich jene Zeit mit der heutigen, wies auf die Stiftung des Wanderpreises als Zeichen der Unterstützung durch die Behörden hin und gedachte noch der weiter in Aussicht gestellten Unterstützun- gen, durch die sich das Feldbergfest immer mehr zu einem großen vaterländischen Volksfest gestalten werde. Ans dem Wettkampf gingen 536 Sieger hervor. Von früheren ersten Siegern errang Fr. schneller vom Tv. Homburg v. d.. H. Sl Punkte. Ter 1. Sieg fiel an W. Bauscher, Tv. „Vorwärts", Fechenheim und Fr. Klee, T.- und Fkl. Hanau, mit 84 P., der 2. an W. Loos, Ak. Tv. „Alemannia", Darmstadt, mit 83 P., der 3. an K. Burkart, Tv. Bieber, H. Silbereis, Tv. Unter-Liederbach und H. Bolze, Tv. Frankfurt mit 82 P Im Eilbotenlaus bewarben sich um den neuen Wanderpreis 14 Vereine. Er fiel dem Tv. Mainz von 1817 zu, der 662/5 Sek. zum Durchlaufen der Bahn (500 Meter mit fünf Turnern > gebraucht hatte. Von Spielmannschaften traten 24 in Faustball, 2 in Sch lag ball und 2 in Schleuderball an. Ihre Ausführung wurde durch das Wetter stark beeinträchtigt. Um die Mittagszeit verschönerten die Sänger des Main-Taunus-Gaues, etwa 150 an der Zahl, das Fest durch zwei Chöre: „Turnerfestgesang" und „Wach auf" Mit der Siegerverkündigung um 6 Uhr schloß das 58 Feld- bergfest.
• • Für die Rheinfahrt der Freien Studenten- schäften zu Gießen und Darmstadt Sonntag, 2. Juli, sind über 80 Personen angemeldet. Die Reise beginnt in Mainz, von wo der festlich geschmückte Dampfer die Teilnehmer zunächst bis Rüdesheim bringt. Von hier geht es zu Fuß oder mit der Zahnradbahn über den Niederwald nach Aßmanns-
hausen zum Mittagessen. Darauf ist Besichtigung des Schlosses Nheinstein und Weiterfahrt rheinabwärts bis St. Goar; die Wiederankunft in Mainz erfolgt gegen 10 Uhr abends.
** Ausflug des Gießener Eisenbahn-Vereins. Am Sonntag machte der Eisenbahnverein für Gießen und Umgegend seinen diesjährigen So m m er a us f lu g. Um 1 Uhr fuhren kurz hintereinander die beiden Sonderzüge ab. Da sah man denn fast halb Gießen im strömenden Regen nach der Bahn laufen bezw. rennen, retten, flüchten usw. Als man kaum int Zug saß, hörte der Regen selbstverständlich sofort aus. Na! Man hatte wenigstens das kolossal erhebende Gefühl, in vollständig durchnäßten Kleidern im wasserdichten Abteil zu sitzen. In äußerst fideler Stimmung kam man daher gegen 3 Uhr in Limburg an und zwar bei herrlichstem Sonnenschein. Unter Vorantritt einer Musikkapelle sand der Einzug der Gäste statt. Der Festplatz war die Wilhetmshöhe mit herrlichem Garten. Das Lokal war im Handumdrehen so voll, daß man sich glücklich schätzen konnte, mit vieler Mühe und Not endlich einen Platz gesunden zu haben. Viele fanden gleichwohl allerdings kein Unterkommen. Nachdem man sich an Kaffee und Kuchen hinreichend gelabt, wurde der berühmte Domschatz besichtigt, der sich allerdings nicht im Dom selbst, sondern in der einige Schritte davon entfernten Stadtkirche befindet. Diese Mitteilung wird Interesse haben für die zweite Abteilung des Vereins, die n ä ch st e n S o n n- t a g nach Limburg fährt. Ein Besuch des Domschatzes wie auch des Domes selbst ist sehr empfehlenswert. Dann giny es wieder nach dem Festlokal, wo man inzwischen schon eifrig mit dem Tanzen begonnen hatte. Und so merkte man nicht, wie ein Stündchen nach dem anderen entschwand und allgemein bedauerte man es, daß die Uhr auf einmal schon gegen acht zeigte. Um 8 und 81/2 Uhr fuhren die beiden Züge ab unter dem Schwenken der Taschentücher der Abfahrenden und der zahlreich am Bahnhof zusammengeström- ten „Eingeborenen".
** Au sflug von Kassel nach Hessen (Vogelsberg, W e t t e r a u , R h e i n b e s s c n, Odenwald), am 25. bis 29. Juni 1911. Um den Besuchern der landw. Ausstellung Kassel und besonders den Mitgliedern der Deutschen Lcmdwirtschafts- gesellschast Gelegenheit zu geben, die landwirtschaftlichen Verhältnisse des Gaues kennen zu lernen, in dem die jährliche Wanderausstellung stattfindet, veranstaltet sie nach den verschieb denen Gegenden Ausflüge. So ist auch ein Ausflug nach Hessen vorgesehen, der ursprünglich in Verbindung mit einer Reise durch Thüringen als Studienreise gedacht war, mit Rücksicht aber aus das Auftreten der Maul- und Klauenseuche in Thüringen mußte der Besuch in Thüringen aufgegeben werden, so daß nunmehr die Reise nach dem Großherzogtum Hessen als Ausflug von Kassel aus stattfindet. Für die Teilnehmer an diesem Ausflug ist Gelegenheit geboten, in kurzer Zeit einen interessanten Ueber- blick über die landw. Verhältnisse Hessens zu gewinnen. Tie Reise führt von Gießen nad) Lauterbach, wo die Iung- viehweiden des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen besichtigt werden, und geht bann durch den Vogelsberg weiter über Stockheim, Nidda und Friedberg. Am zweiten Tag wird der Wetterau und zwar ihrem südlichen Teil in der Umgegend von Friedberg ein Besuch abgestattet. Ter nächste Tag ührt nach Rheinheisen zum Studium des dortigen Weinbaues und toidb sowohl dem Keller der Großh. Domäne in Mainz, bereit Einrichtungen und Weinberge in Nackenheim sowie die Anlagen der Obst- und Weinbauschule in Oppenheim besichtigt. Die Domäne Mönchhof und Rheinfelder Hof werden am folgenden Tag besichtigt, wobei die Teilnehmer Gelegenheit haben, wie in Oberhesien so auch den intensiven Betrieb in Starkenburg kennen zu lernen. Ten Schluß dieses Tages macht der Besuch der Einrichtungen der landw. Versuchsstation in Darmstadt. Der Abend wirb hier im Kreise von Starkenburger Landwirten verbracht werden. Der letzte Tag führt nach den Ver- üchsfeldern der landw. Versuchsstation Darmstadt in Ernsthofen und bann nach der Jungviehweide des Landwirtschastskammer- Ausschusses für Rheinhessen in Schloß Nauses. Die Reise wird unter Leitung des Sekretärs der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hesseit Dr. Hamann zur Ausführung gebracht. Die, die tcilnehrnen wollet:, fönnen ihre Teilnahme heute schon bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschast in Berlin SW. 11, Dessauer Str. 14, aber auch noch in Kassel, und zwar an den ersten befiden Ausstellungstagen bis Freitag, 23. Juni, abends, bewirken.
•• Herst ellung von Fernsprechanschlüssen. Im Interesse möglichst frühzeitiger Jnangrisinahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist e5 erforderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüsse spätestens bis zum 25. Juli den Kaiserlichen Telegraphenanstalten vorliegen. Verspätet angemeldete Anschlüsse, die infolgedessen außerhalb des Bauplanes nur mit Mehraufwendungen (z. B. durch besondere Entsendung einer Baukolonne usw.) herzustellen sind, werden in dem laufenden Bauabschnitt nur dann ausgeführt, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mk. leisten, oder, wenn diese Mehrkosten den Betrag von 30 Mk. übersteigen, den wirklich aufgewendeten Kostenbetrag erstatten.
•• Von den Wandernden. In der Herberge zur Heimat logierten im Mai 922 Gäste (gegen 1401 im gleichen Monat des Vorjahres). Unter den Beherbergten waren 271, die das Logis durch Arbeitsleistung beglichen (774), 651 waren Selbstzahler (627). — Im Arbeitsnachweis waren 125 offene Stellen gemeldet, darunterreichlich zwei Drittel für Handwerker; davon konnten 44 Stellen besetzt werden und zwar 12 in Gießen und 32 nach außerhalb. Von den untergebrachten Arbeitskräften waren 26 Handwerker und 18 ungelernte Arbeiter.
Landkreis Gießen.
A Großen-Linden, 19. Juni. Eine Versammlung des Ober hessischen Bienenzüchtervereins und des Obstbauvereins fand gestern nachmittag in der „Linde" statt. Trotz des ungünstigen Wetters war der Besuch sehr gut. Großes Interesse für Herren und Damen hatte der Vortrag beS Obstbaulebrers Dr. Hoffmann- Friedberg, der über das Thema sprach „Der ländliche Garten, unter Berücksichtigung der Bienenzucht", und zahlreiche Winke gab, wie der Gärtner sich der Bienenzucht widmen kann. Den Dank der zahlreichen Imker und Obstzüchter sprach der Vorsitzende des Oberhessischen Obstbauvereins, Lehrer Buß- Leihgestern, aus.
Kreis Alsfeld.
----Alsfeld, 19. Juni. Da der Finanzausschuß der Zweiten Ständekammer die Gewährung eines Staatszuschusses für die Wiederherstellung der Walpur giskrche ablehnte, ist man zunächst nur auf den Ertrag der Lotterie zur Wiederherstellung beS Rathauses unb ber WalpurgiS- ticche angewiesen. Den Rest ber Baukosten trägt bie Kicchenkasse«.
Kreis Friedberg.
1^. Bad-Nauheim, 19. Juni. Zurzeit arbeitet man eisrig an der Herstellung der Gurgelzimmer in unserer neuen Trinkkuranlage. In etwa zehn Tagen wirb man bamti
fertig sein. Dann ist bas letzte in ben Trinkkuranlag«, vollenbet unb unser Babeort um einen wichtigen Heilfaktor reicher geworden.
Hessen-Nassau.
X Gelnhausen, 18. Juni. Für die durch das Unwetter am 29. Mai geschädigten Landwirte des Kreises Gelnhausen sind bei dein Vorsitzenden deS Kreis- ausschusseS bis jetzt Geldspenden im Betrage von 4352 Mk. eingegangen. ES spendeten u. a. Graf zu Psenburg-Meerholz 350 Mk., die Gräfin-Mutter zu Psenburg-Meerholz 100 Mk., Frau Konsul Becker-Gelnhausen 300 Mk., Fabrikant Dr. Wilhelm HeraeuS-Hanau 150 Mk. u. s. f.
Die Lage -er Arbeitrmarkter im Mai 191L
Frankfurt a. M., im Juni 1911^
Der Arbeitsmarkt bietet das Bitd des Vormonats. In fast! allen Zweigen geht die Konjunktur weiter in bie Höhe. In der M e tia 11 i n b u ft r i e konnten in Frankffrrt a. M. nicht alle Arbeitskräfte beschafft werden; besonders stark war die Nachfrage nach Bauschlossern, ©penglern und Installateuren. Auch Schmiede wurden sehr viel berfangt. Der starke Arbeiterbedarf zeigte sich bei einer Reihe von Großbetrieben. Durch Ankauf eines Anwesens hak eine Fahrrad- und Automobilfirma ihren Betrieb vergrößert: auch eine Reihe von Maschinenfabriten und eine Blattgoldfabrik haben ebenfalls Vergrößerungen bczw. Neubauten vorgenommen. Zwei neue Betriebe sind nach Frankfurt a. M. verlegt worden, eine Mhlersabrit und eine Apparatefabrik, so daß in Fachkreisen angenommen wird, die Nachfrage werde weiter gut sein. Zurzeit wird in einzelnen Fallen mit Nachtschicht gearbeitet. Nur von einer Meßinstrumentenfabrik, einer Gußapparate- und Maschinenfabrik und einer landwirtschaftlichen Maschinenfabrik wird von einer weniger günstigen Konjunktur gesprochen. Eine Eisengießerei unb Osenfabrjt in Bockenhelln hat ihren Betrieb eingestellt, in einer Drahtwarensabrik ist wegen Lohnsorderungen Streik aus gebrochen, ebenso sind bie Spengler und Installateure in eine Lohnbewegung cingetrctcn. Die Ardefts- vermittlungsstelle klagt darüber, daß die Vermittlung von Schmieden durch die Lohnbedingungen vielfach erschwert werbe, da die Leute auf ihren Dörfern ost mehr bekämen, als ihnen hier geboten würde. Auch von Kassel, Mainz, Offenbach, Oberlahnstein unb Wetzlar wird berichtet, daß in den Branchen der Waschinen- Industrie und Metallverarbeitung die Beschäftigung flott gewesen sei. Ueber ben Mangel an Bauschivssern unb ÄHmieden wird auch dort gelingt.
Für die P o r t ef euil l e i ndu str ie in Offenbach rt. M. gift das gleiche wie im' Vormonat. Der Saisonniedergang hält noch an. Für Sattler und Tapezierer fand sich gute Beschäftigung,- namentlich in Frankfurt a. M. wurden Leute gebucht; bei ben Tapezierern wirb bie Erklärung dafür in bem Umftanb gesucht^ daß vor Pfingsten wegen ber vielen Reparaturen "in den Wohnungen eine Hochkonjunktur einzutreten pflege. Mainz wird Mangel an Tapezierern gemeldet, während aus Wiesbaden be^ richtet wird, daß der Besdüfftiguugsgrad gegen den Vormonat,- wenn auch gering, gesunken sei; namentlick) in kleineren Geschäften seien Gehilfen entlassen worden, während bie größeren Möbelgeschäfte besser beschäftigt seien.
Aus der Industrie der Holz- unb Schnitzstoffs lütrb folgerns vermerkt: Bei ber stäbl. Arbeitsvermittlungs- ßelle in Frankfurt a. M. war nach Schreinern auf Bauarbeck starke Nachfrage, so baß nicht alte offenen Stellen besetzt werden konnten. Dagegen war in ber Möbelbrauche für bessere Polier-« arbeiten weniger Arbellsgelegenheit vorhanden: in größeren Betrieben wurden Leute wegen Arbeitsmangcl entlassen. Für Glaser^ Nahmenmacher, Wagner unb Küfer war reichlich Arbettsgelegcm- heit vorhanden. Aus Kassel und Mainz lauten bie Berichte eben- falls günstig. Aus Mainz wirb berichtet, baß auch bie Bildhauer gut beschäftigt gewesen seien. In Hanau war bei 2 Firmen ein Streik der Schreiner, Glaser und Zinnnerer ausgebrochen. Bei ber einen Firma mürbe ber Streik ber Schreiner und Glaser inzwischen beigelegt, während die 'Differenzen bei" Zimmerleute noch fortbeftehen. In Worms iiitb am 8. Mai 308 Sehreincr in den Ausstanb getreten. Der Streik ist noch nicht beendet. Eini- gungsverhanblungen sind eingeleitet. Ebenso stehen in Darmstadt bie Glasergehilfen int Ausstand. Im übrigen ichrd bet Geschäftsgang in Tarmstabt in besseren Möbeln als sehr gut bezeichnet; es wirb behauptet, daß eine derartige Besserung feit 3—4 Jahren nicht mehr zu verzeichnen gewefen sei. In Mainz ist am 4. Mai in der Holzindustrie ein Tarifvertrag mit Gültigkeit bis zum 15. Februar 1915 abgeschlossen worden
In der Zigarrcni ndnstric ist, wie auS Gießen gemeldet wird, der Geschüstsgang infolge der Tabaksteuer noch sehr schlecht; in einer Anzahl von Fabriken sei die Arbeitszeit unt täglich zwei Stunden gekürzt worden. Der Verdienst sei im allgemeinen schlecht. Tie Posamenteric-Inbusttie in Seligenstadts ist gut besckMigt. In ber Schuhsabrikation in Offenbach a 2JI herrscht ein sehr flotter Geschäftsgang. Teilweise wurde mit Ueberltunden gearbeitet. Das Baugewerbe ist nach saft allen Berichten gut beschäftigt, auch an kleinen Plätzen (Wetzlatt. In Kaffes bieten besonders Tiefbauten reichliche Beschäftigung. Sfcud) die Vorarbeiten zur landwirtschastlichen Jubiläumsausstellung bringt reichlich Arbeitsgelegeilheit. Aus Wilbungen wirb gcmelbet, daß ber Bau ber Ebertalsperre fortwährend viele Arbeitskräfte IjeranurfK. Im Bu ch bru cker g ew e r be ist nach Fertigstellung ber Fahrpläne wieder eine größere Arbeitslosigkeit eingetreten. In Fraickfurt a. M. z. B. verblieben bei ber Tarifgemeinschaft 43 Hetzer, 17 Trucker, 2 Maschinensetzer, 1 Korrektor unb 1 Schweizerbegen arbeitslos, zusammen 64, gegen 21 im Vor- • monal. Der Bezirk Franksurt a. M. zahlte Unterstützungen an 60 Arbeitslose für 910 Tage 1982.75 Mark (gegen 41 Arbeitslose für 907 Tage 1562.25 Mark im Vorjahre) unb an 64 Reisende für 188 Tage 237 Mk. (gegen 55 Reisende für 206 Tage 250 Mk.). Inl G ast und S cha nkwir t scha fts g ewerbe hat sich die Arbeitsmarktlage der Eröffnung ber Saison entsprechend und infolge ber günstigen Witterung bebcutenb gegen ben Vormonat gebessert. In Frankfurt a. M. wurden, wie üblich, haupffäch- lich junge, eben erst aus der Lehre entlassene Leiite und solche imj Alter von 25 bis 30 Jahren gesucht. Die Aufttäge für OctriL- kellner konnten nicht alle erledigt werden. 3u Ende dos Monats hat sich ein Mangel jan besserem Personal bemerkbar gemacht. Bei ben ungelernten Berufen war für Pucker, wie aus Frankfurt a. M. berichtet wird, bas Geschäft ruhig, bafür für Haiisburfchen mit Kost und Logis und jüngere Ausläufer »ehr flott. Au: dem landwirtsch, Arbeitsmartt hätten nach dem' Bericht aus Frankfurt p. M. mehr Stellen besetzt werden fönnen, wenn die richtigen Leute zur Verfügung gestanden hätten. Auch aus Wetzlar kommen Klagen, daß es schwer hält, die landw. Arbeiter- - suchenden infolge ihrer Minderwertigkeit unterzubringen. Auf. dem weiblichen Arbeitsmartt ist, wie aus Kassel berichtet wird, Mangel an geschultem Personal für den Haushalt und Wirtschafts- betrieb. Fabrikarbeiterinneil merben ebenfalls vielfach gesucht.
nationaler Deutscher Rundflug.
Kieler Flug Woche.
Kiel, 19. Juni. Am heutigen britten Tag ber Kieler Flugwoche startete die Mehrzahl ber hier anwesenden Flieger. Auch Thelen unternahm nach bem gestrigen Mißgeschick nrieber einen Aufstieg. 8,45 Uhr abenbs traf König ein, ber um 7,30.Uhr mit Leutnant Koch als Paffagier mit seinem Albatros-Zweidecker in Hamburg unter großen: Jubel der Zuschauermenge aufgestiegen war. Paul Lange, ber irm 7,45 Uhr mit seinen: Eindecker in Hamburg zur Fahrt nad) Kiel startete, kam in Gewitterböen unb müßte in ber Nähe von Bremstebt niebcrgebeu, dabei wurde sein Flugzeug leicht beschädigt, doch hofft der Flieger, morgen nachmittag die Fahrt stach Käel sortsetzen zu können. — Den täglichen Höhenpreis beim gestrigen Wettfliegen erhielt H:rth> der auf seinem Eindecker mir einem Passagier 1100 Meter Höhe erreichte.


