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20.6.1911 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger für Oberheften

TieCkftener ZamllkenbkTtter" werden dem ainiciger* Biennal wöchentlich beigelegt, da» Hreisblatt siir den Kreis Lietzen" jroeimal wöchentlich. DierandwirlschaftUchen Seit« fragen" erscheinen monatlich jroeimaL

Nr. 142 Zweites Blatt W. Jahrgang

............................* Gießener Anzeiger

Dienstag, 20. Juni 1911

Rotationsdruck und Tevteq der vrüdl'ichen UnioersilälS - Buch- und 6teinbrutferel

R. Longe, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ l 18. Del.-Lldru AnzeigerGießen.

Zeppelin und Harden.

(Eine Entgegnung des Direktors EolSman.)

In Nr. 37 seinerZuku n f t" veröffcntlictne Harden unter dem TitelZur Sonnenwende" einen Artikel, der unter Herder Kritik nn dem Werke des Grafen Zeppelin und der von seinen Erfolgen dervorgerusenen nationalen Begeisterung zu dem Ergebnis kommt: die Erfindung Zeppe lins, die möglicherweise nicht einmal ganz diesem selber zuzuschreiben sei, habe sich in fortwährenden Uniällen von Z.-Luftschlfsen als unbrauchbar erwiesen; daher sei es Zeil, sich von der Sache abzuwendcn.

Auf diese Angriffe erwiderte Direktor C o l s m a n von der ,,G. m. b. H. Luftschiffbau Zeppelin" in Friedrichshafen in einer längeren Zuschrift an Harden, hie nunmehr von derW ü r t t e m b e r g e r Z e i t n n g" publiziert wird, nach dem eine Ausnahme der Entgegnung in der letztenZu lunstS"-Ausgabc nicht erfolgte und Direktor Eolsrnan auch leine Mitteilung Harde,is über die von ihm beliebte weitere Behandlung der Luche zugegangen ist.

Erwähnung verdient zur Kennzeichnung des Harden scheu Artikels die Tatsache, dass Hardens neuer An grifss-Artikel im wesentlichen der wörtliche A b > örud eines im Augu st 1908 in derZukunft" er schienenen ArtikelsZeppelin" ist.

Die Erwiderung lautet:

Friedrichshafen, Juni 1911.

Sic hatten die Güte, int Jahre 1909 einem Briefe von mir Raum zu geben, aus den Sie in Hcsk Nr. 37 derZukunft" jurüdtommen Mein BLies war die Zurüdiveisung eines An­griffs gegen das Ansehen des Grafen Zeppelin.

Ich erwarte von Ehrern Gerechtigkeitssinne, sehr verehrter Herr Harden, das; Sie mit diesen Zeilen in gleicher Weise versahren, die eine Erwiderung siuo auf den Teil Ihres Ans- satzcsL oniit n wend c", derLufts chiffbauZeppcli n" überschrieben war.

Es würde feinni Zweck haben, alle Irrtümer richtig zu stellen, die Ihnen in diesem Aufsatz unterlaufen; und der Ver­such, Sie zu belehren, hat keinen Zweck, denn Lie sind vor eingenommen durch den Verkehr mit denen, für die Sie eintreten und deren Rat Sie als höchste Weisheit preisen.

Nur einigen Irrtümern, die sich wie eine ewige Krankheit weiter schleppen, und denen Sie in Ihrem Aufsatz neue Nahrung geben, will ich cntgcgcntrclcn.

Wir haben unterlassen, aus leicht begreiflichen Gründen, durch Borträge und Aufsätze aus Fortschritte hinzuweifen, die im Bau der Luftschiffe in zwischen gemacht wurden; wir iverben das auch fernerhin unterlassen. - Aber was ich schrieb int Jahr.' 1909, daß man mit einer Kritik warten möge, daß mau erst ein Recht habe, zu verurteilen, wenn nach zwölf Monaleti kein Fortschritt, kein Erfolg erzielt sei, das, Herr Harden, macht mich heute noch nicht erröten; denn das uns anvertraute Pfund ist nicht vergraben.

Ist es vielleicht kein Erfolg, wenn bei den letzten 60 Fahrten kein größerer Defekt eine Fahrt unterbrechen ließ und das gewünschte Jiel stets erreicht wurde, wenn Motore, Getriebe und Propeller zuverlässig arbeiteten, fast ununterbrochen? Ist es kein Erfolg, daß die G e s ch w i n d i g k e i t g e st ei g e r t wurde, so das; Z-Schisse im Verhältnis zur Motorstärke die größte G schwindigkeit besitzen und daß das Luftschiff, welches jetzt die Fahrten beginnt, die größte Geschwindigkeit d e r b i s her gebauten Luftschiffe aller 5 1) ft c m c besitzt?

Haben Sie nicht gelesen von der Höhenfahrt auf 1810 Meter, die in wenigen Minuten erstiegen wurden ohne jede BallastanSgabe? In diese Höhe können die Schiffe zurückkehren, beliebig oft; das ist von großem Wert für die Kriegsbrauchbarl.it, ein Erfolg sondergleichen Oder ist es k e i n Fortschritt, wenn das Gewicht um 1000 Kilogramm herabgesetzt und dennoch die Festigkeit erhöht wurde ?

Das wurde erreicht ohne Kuratorium: und in i t einem solchen würde sicherlich nicht mehr erreicht worden sein.

Da Sie von Fortschritten nichts lesen, leugnen Sie solche, weil Sie über Unfälle der Z>5 chiffe lange Spa l t e n

in den Zeitungen lasen und über Nn'älle anderer £'umrfnnc nur kurze Notizen, so bemessen Sie die oiröye der Unfälle und ihre Zahl nach der Größe und Zahl der Zeitungsnachrichten: Fortfchritt und Leistung aber lassen ije unerwähnt D a s bar i b i c große Ni ässe sich leisten, tollte oberem M ann nicht tun, der Wert darauf legt, als einer zu gel- le n, der nach der Wesen und Dinge Tiefe trachtet. Sie schreiben zwar. Sie seien nicht sachverständig, doch das entschuldigt Nicht. Allerdings sind Sie nicht sachverständig, dock' hoben Sie auch als Laie sich bei weitem nicht die Mühe ge­geben, die notwendigst en Kenntnisse sich anzueignen, die allein berechtigen würden, über solche Materie in solcher Weise zu schreiben.

Nickt mal die Ehronik der UnglückSfälle bemühten Sie sich zu studieren, mir so ist zu erklären, daß Sic Unfälle aus­führten, die niemals st a 11 i a n b c n

Sic schreiben:Em rascher Blick aus die Geschicke der Zepvelin Mähne lehrt uns ihn erkennen nämlich den Jammer. Vielleicht war der B:> . , n raich und daraum die Irrtümer; aber warumm«One"? Das Wort hier angewandt ist weder richtig noch geschmackvoll; und bedeutet an dieser Stelle, aus Ihrer Feber, gewollte Herabsetzung, gewollte Schmähung.

Es ist unreckit und heißt der Lefseu0ichk.it Sand in die Augen streuen, zur Beurteilung der Z Schisse die ganze Ehroml zusührcn. Man führt doch and) nicht die Fehlbauten, Unfälle und Fehler her Gebrüder Wright an, wenn man das Ergcbnis ihrer großen Arbeit bciDcrlci. Es würde doch auch ein unver­gleichliches Wunder gavefen sein, wenn das erste Luftschiff und bic nädifholgcnbcn vollkommen gewesen wären. Auch die heutigen inackwn daraus feinen Anspruch, noch, Gott sei Dank, erscheint uns das System sehr e n t w i ck l u n g s s ä h i g. Ick, will durchaus nicht bic Unfälle der lüften Zeit beschönigen; Pech war dabei, auch Fehler wurden gemachi, sie werben immer gemacht werben mit und ohne Kuratorium; doch zu berechtigter, vernichtender Kritik der Erfindung des Grafen Zeppelin, wie sic Ihnen beliebt, haben diese Unfälle leinen Anlaß gegeben.

Gestatten Sie mir, daß ich die Ursache des letzten Unfälle-? ins Gedächtnis jurürfrufe.

Tic Halle ui Düsseldorf hatte zwei Eingänge, bic mit Vorhängen geschlossen waren. Ein Vorhang zerriß im Nordwest sturm. Tic Italic, die der Stadt Düsseldorf gehört, war in Gefahr. Tic Stadt teilte der Tclag mit, daß fic die Ccffnung durch eine Wand schließen müsse, zur Herstellung eines Tores reiche die Zctl iiid-1. Wohl oder übel mußte fick) die Dclag fügen, sic tat cs, icdoch nicht, ohne aus die Nachteile hinzuweisen, die entstehen würden. Wäre her zweite Ausgang vorhanden gewesen, so würde er an dem Tage, als das Luftschiff zerbrach, benutzt ivorden fein, l'ir. lli. .hi war bann Nicht möglich, denn b f brauchte nicht mit den Steuerflächen zuerst gegen den Wind aus der engen Halle geführt werden und hätte aus schwenken können, als der Wind plötzlich umsprang. Liegt der Fehler nun am Luftschiff oder an der Halle? Ich bäte um Grrcchtigteit, Herr Harden! Auch die Falilciiuitg hat nickst Schuld, in diesem Falle, denn die Windmessung ergab nur geringe Stäne bis in gröbere Höhen. Ter Wind wehte gleichmäßig, in der Hallenrichtung. Beim L>crab- bringen des Schiffes aber iprang er plötzlich in vermehrter Stärke um, in einer plötzlichen kurzen und nur lokalen Bewegung.

Taß der gleiche Unfall bei anderen Luftschiffen im Jn- und Ausland mehrfach vorkam, das brachten Sic nicht; das wollen Sie nicht wissen; und ob der Materialschaden im Ver­gleich zum Wert und zur Leistungsfähigkeit weit geringer ist, wenn die ganze Halle zerplatzt, weit geringer wie bei Z Schiffen, wenn deren Gerippe zerstört wird, das wissen Sie nicht, das tonnen Sie nicht wissen; Sie urteilen nur nach der Größe des Trümmerhaufens.

Ein Z-Schiff mit einem neuen Gerippe bekommt eine neue Nummer, auch wenn fonft das gleiche Material verwendet wird. Wenn die Schiffe, deren Hauptbeftandteii eine Hülle ist, mit neuen Hüllen auch neue Nummern oder Namen erhielten, ob bann bic Liste der Verluste der verschiedenen Systeme große Unterschiede ouswiesett? Wissen <sie das, Herr Harden?

Cb den Luftschiffen im Kriege eine Bedeutung zitlommt, welche die hohen Kosten rechtfertigt, weiß ick) nicht; ich weiß nur, daß man nicht mehr aufhör en wird, Luft­schiffe zu bauen. Cb Aerovlan ober Luftschiff Die höhere Bedeutung zulommt'? Sie sind darüber fertig mit

obrem Urteil, vorsichtige Fachleute nörtc id> sogen bn* kein M en ich wissen könne, daß jebcihall* beibe miteinander bestehen mürben.

.luf Ihre Vergleiche mit anberen Schiffe«, auf Ihr Urteil über Brauchbarkeit im Kriege und Vcr.inkeiungsmo.i- lick len im Felde möcftc ,ch nicht eingehen Es ist barübci genug geschrieben. Nur noch «ine Richtigstellung bitte iw mir m ge­statten. Dir einer Ansicht, bic Sie zum zN eitenmale in Ihrem Blatte wiederholen.

Sic schreiben, daß Sic nicht wissen, ob '"rai. Zeppelin, rote Von ernsten Männern behauptet wird, beit wichtigsten Teil seines Systems von bem Ceiterrridxr Sck> wa r z übernommen unb bic Mögt feit zu Pcrbinbung her beiden Gondeln ,n cutem am er i t a n i f d) e n Patent gesunden habe Wenn man so etwas nicht weiß, sollte mau es indit wiederholen! Wer sind die ernsten Männer, die bas bebaiiutcn ? Sic irren, diese Männer. Ich weiß das, denn ick» habe die Ehre, dein Grasen Zeppelin nahe zu stehen und habe dem vcrstorbeiien Jndiistrikllen 'Lirl Berg, der das Lustschiss des David Schwarz baute unb aus seiner Tajckte bezahlie, sehr nahe gestanden.

Lediglich einig. Momtrultioitötrilc am Gerippe Ivaren bei dem ersten Z-Schiffe hic gleichen^ nnc bei dem des David Schwan, da die Einzelteile beider Sckstsfc in der Fabnk von Marl J3er<r in Lüdenscheid her gestellt wurocit. Scho» beim zweiten Scknif war nichts, was irgendwie dem Sckrwarzicheti Luftschisi gemein gewesen wäre. Ich nn dcrhole, daß die Aussage Ihrer crnfltn Männer nicht richtig ist.

Und von einem amerikanischen Patent weiß hier in Friedrichshafen kein Mensch etwas. Tie Gc- ichichte ist ebenso unwahr wie bic, baß Kriegsmini ft er v o n Einem infolge eines Konfliktes mit bem Grafen Zeppelin ober wegen bes Grafen Zeppelin feinen Mschieb genommen habe

Sonn en wen be". Daß nich einem Uebermos; von Be­geisterung bic Reaktion folgt, ist natürlich; so natürlich, wie bic Sonncniveitde. Auch ohne Unfälle unb Kiitit muß sie folgen! Es gibt aber eine Wiederkehr der Sonnenwende, nickst der Begeisterung, derer es nickst bedarf, wenn die Sache gut ist Die Wiederkehr aber des Erke n n e n s der Tüchtigen, der Fachleute und derer, die c8 angeht, sie bleibt dem Tüchtigen nicht versagt.

Unsere Vorväter cnUünbcten ein Feuer an den Tagen der Sonnenwende, das den Glauben entsachte an bic Wiederkehr des Lichtes nach langer Nacht.

Auch uns wärmt ein Feuer, das ist die Zuversicht auf den Erfolg unb die Gewißheit der Entwicklungsfähigkeit; ber Erfindung des Grasen Zeppelin. Tiefe Gewißheit kann keine Kritik, fei/ Unglück, lann keine Sommerfonnenweiidc ber bffcntlicfx'n Meinung nns rauben. Eolsman.

(Ein Besuch bei Haifuli.

Unter beiten, bic jetzt in Marokko benheiligen Krieg" bcrlüitbigcn, steht, wie vor einiger Zeit wieber fcftgcftellt würbe, ber burd) feine Taten als Räuber h a u p t m a n n bekannte Raifuli mit an erster Stelle. Ein Besuch bei biesem früheren Briganten, ber gegenwärtig bic Stelle eines Gouverneurs voü Azcla beflcibct, schildert ber englische Parlamentarier Allan H. Burg ohne imWibe World Magazine". Mit einem Freunde brach er zu biesem Aus­flug von Fez auf, unb cs war eine recht malerische Kavalkade, bic ihn geleitete. Wahrend bic beibcn Engländer aus arabi schen Bollbluthcngsteu ritten, begnügte sich ihr Führer mit einem weißen Maulesel, drei weitere Maulesel unb ein Affe trugen Zelte unb Proviant. Ein Solbat war ihnen zu militärischem Geleit mitgegeben, ein pechschwarzer Nubier von ritterlichem Aussehen. Als G e s ch e n k für Raisuli hatte man ein Barometer mitgenommen, nach bem Sprich­wort: .Kleine Geschenke erhalten bic Freundschaft.

Nach langen Ritten burch weite Wüsten, in benen hier unb ba blühenbe Cafcn wie traumhafte Märcheninseln aus- tauchten, kam ihnen enblich eines Mittags ber Atlantische Ozean zu Gesicht. Drei englische Meilen ging es noch an ber Küste entlang, bann lag Raisulis Stabt Azela vor ihnen. Azela ist cm stolzes Dciitmal vcrfallenber Größe. Eine alt^ portugiesische Niederlassung, bie einst stark be*

Der abgesührte IH. Jules huret.

Dem oberflächlichen Tcntschlanb-Reiscnben aus Paris widmete setzt berZwiebelfisch" eine eiitgehcnbe Betrach­tung. Tie vortreffliche Zeitschrift schreibt:

M. Jules Huret ist gescheit genug, bem technischen unb wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes, ber Crbnung unb Sauberkeit in unseren gemeinnützigen Anstalten volle Gcrechtiglcit wibersahren zu lassen. Dagegen bleibt er als echter Franzose nationalistisch beschränkt unb begriffsstutzig bei deutschen Kunst unb auch allen übrigen '.Heugerungen deutschen Geschmackes gegenüber. Tas alte, langst verschim­melte Vorurteil, baß Paris an ber Loitze ber Zivilisation marschiere, ist mit ber französischen Eitelkeit zu eng ver­wachsen und scheint selbst bei Denjenigen sranzostschen Schriftstellern, Die sich Der Cbjeltiuität befleißigen, unaus­rottbar zu sein. Niemand bestreitet den Vorrang des fran­zösischen Geschmackes während des 17. und 18. Janrhunderts bis tief in das 19. hinein. Lein Verfall m der Gegenwart aber liegt offen zutage Man braucht nur das jetzige Paris mit dem alten zu vergleichen, die Gesellschaft der Republik mit der des ancien regime, die jüngste Malerei und Dichtung mit der, die noch vor dreißig Jahren blühte.

M. Huret bchaupett liiynlich:Der Deutsche besitzt, darüber läßt sich nicht streiten, feinen entwickelten Ge­schmack . . ." Immer wieder kommt er darauf zurück. Leine Beispiele dafür sind zahllos. Da er sie aber fast nur aus her Lpießbürger Atmosphäre nimmt, fehlt ihnen alle Be­weiskraft. Daß die Männer unb Weiber unseres Mittel­standes in Berlin, München, Dresden usw. schkeckn angezogen sind, eine ungeschickte Haltung unb ordinäre Manieren haben, stumpfsinnig unb langweilig bahmvegeti-ren, wirb von ben beutschen Gegnern biescr Menschenklasse ebenso erkannt (?' unb verabscheut wie von den sranzösischen. Nur möchten wir es uns doch verbitten, ben unkultivierten Bourgeois für ein ausschließlich beutsches Gewächs zu er Hären unb uns andere Deutsche wo möglich mit dazu zu rechnen. In den Gassen von Paris und in ber französischen Provinz läuft er genau so abschreckend herum wie bei uns, nur daß er dort seltener einem ungefügen Bären, dafür häufiger einer Kreuzung aus Affen und Windhund gleicht und seine Begleiterinnen sich etwas anspruchsvoller und ge­putzter aber auch unsauberer kleiden als Die deutschen Klein bürgcrinneii. Ich dachte, dieser französische Mittclstandstyp

wäre durch Maupassants Novellen und die Zeichner der Pariser Witzblätter bereits historisch sestgclegt. Mit der Erscheinung unb bem persönlichen Ans treten ist es Sbcrrn Huret besonbers schwer recht zu machen. Lo bemängelt er bic beutschen Vollbärte ebenso wie bic kurz geschnittenen unb bic aiisgezogenen Schnurrbärte, unb auch bic glatt­rasierten Gesichter passen ujm nicht. Wir werben uns also alle wohl ober übel ben französischen Kuebclbart zulcgen müssen. In ben öffentlichen totalen lachen ihm bic Männer zu wenig unb bic Frauen zu Diel. Es mag zugegeben werben, baß bies in Frankreich umgekehrt ist: für Den Ge- famteinbrud guter Erziehung ist bamit jedoch nichts ge wonnen. Daß M. Huret bic Formen ber besten beutschen Gesellschaft an Der Quelle stubiert hat, ist nicht zu bezweifeln. Er erzählt mit Wärme von feinem Besuche auf einem schiefi- schen Rittergut, von einer llnterrcbung mit Dem Fürsten Bülow und bem Kommanbeur eines GarDeregimcnts, sowie von mannigfachen Auskünften, bic er sich bei Hofbamcn, Kammerherren, Rcgierungsbeamlcn usw. geholt. Lollten ihm ba wirklich feine Landsleute als leuchtenbe Vorbilber her Eleganz vorgeschwebt haben? Ter junge Deutsche von Familie ist nämhd) für M Huret nichts als ein gewöhnlicher Lafse und eine Art von Rastaquöre:. . . . sarkastisch unb zwanglos, soweit er bie» vermag . . . feine Krawatte stimmt bisweilen mit bem Anzug überein . . . feine unbeschränkte Bewundrrung gehört dem jungen Leutnant, jener Karikatur ber beutschen Armee." Ter Leutnant steht vor ihm idic aus bemLimplizissimus" geschnittciimit etwas einfältiger Miene, strahlend von einer nur schlecht verhehlten, fast Dcrtpunbertcn Genugtuung". Nein, Monsieur Huret, der kultivierte Deutsche ist durchaus fein unbeschränkter Be­wunderer des Leutnants, aber er weiß auch, daß die Thony- schen Karikaturen bei all ihren künstlerischen Reizen eben bocr nur Maritaturcn eines Heinen Lcbcnsausfchnittes sind und fein wollen, und daß stupide Einfalt unb Gcckenlfastig- leit durchaus nicht als Kennzeichen unserer jungen Qssizicre gesd)weigc denn des^gesamten deutschen ^Wels g.lten dürfen. Cb dieser in seiner äußeren Haltung und Erscheinung, seinen Manieren und seinem Auftreten nicht rocicutlid) vornehmer wirkt alS bic Herrenwelt der Boulevards, darüber soll man als unparteiliche Kenner bic na, sagen wir bic Eng länber befragen."

Julius RObenbcrg. Professor Tr. Julius Robeu berg, einer unserer vielseitigsten Schriftsteller, begeht am 26. d. M. seinen 80. Geburtstag. Robenberg, ber durch fein außerordentlich umfangreiches literarisches Schaffen in den weitesten Kreisen bekannt geworben ist, wurde in 9io beit berg (Hessen) geboren, jtubiertc auf ben Universitäten Heidelberg, Göttingen, Berlin unb fcitagbc- bürg Rechtswissenschaft, widmete sich aber bann früh ber Literatur, m bie er mit lyrischen unb epischen Dichtungen cintrat. 1855 ging er als Korrcsponbcnt einer großen Tageszeitung nach Paris, promovierte bann in Marburg zum Tottor juric- unb bereiste 1876 bis 1862 ganz Norb- europa. Robenberg, ber feit 1863 feinen staubigen Wohnsitz in Berlin hat, bcgrunbcle hier 1874 bieT c u t f ch e R u n b- f d) a u", bereu Herausgabe er noch heute leitet unb die er im Lause ber Jahre zu einer ber vornehmsten Zeitschriften erhob. An seinem 70. Geburtstag würbe ihm ber preußische Professortitel verliehen.

Rat u rwis sens cha ft l. -geographische Stu- b i e n - R c i > e n. Um Natur- unb Wanberircundcn Gelegenheit zu geben, ihre Vergnügungsreisen zu icirthdicn Studienreisen ouszugestaltcn, hot DieDeutsche Noturwifsenichoftlichc Gcsell- )d:arx" einige Berliner Gelehrte geironnen, Die im 3ult und August roiücnidwitlidje Wandersahrien in bewnders reizvolle uns Dabei lehrreiche Gegenden vcranüoltcn. Zur Teilnahme find olle. Die und) wahrer Norurbetedrung Verlangen tragen, t jngclaOcn. So wird vom 9,-19. Juli die deutsche Nordseeküste bc|ud)i Hamburg, Helgoland, Noroiriesische Fnfeln, Schlesnng- Holstein, um das Meer, die Gezeiten, Watt, Mariä), Geest, Moor, Dünen um?, zu itubicrcn. Dabei wird ein uollitänöigcr Ucberblid über Die eiszeitlichen Ablagerungen Nordd.utfchlaiws gegeben. Vom 23.-29. Juli findet eine naturron l en * d? ift(idx Wonoer'ahr: durckr Thüringen üatt, bei der geologiickie und biologische Untersuchungen im Vordergrund stehen. Vom 30. Juli bis 5. August gep: eine dritte A nse in eie F r a n ki s di e S ch iv e i z, bekanntlich Teutid,lands größtes Höl-.nigebici, wo geologische und geograplniche Studien m.t b:ologi>ch.n verbünd-,n werden. Für jeDcn NaturircunD Dürfte die Teilnahme an solchen Studienreisen außerordentlich lobiiciib jein. Er lernt n>irtlid)f Nakurbeobachtunq, hat Gelegenheit zum Sammeln von Naturob/ekten unb fommr biUigcr dazu und jidjerer, als wenn er allem fährt, lieb erbte-3 wird ein besonderes Honorar für bie Führung nicht erhoben. Auskunft erteilt bic Gei'dfästsslelle ber Dentfä-en Naturwissen­schaftlichen Gesellschaft in Leipzig, Königstraßc 3.