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19.1.1911 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 19. Januar M

16t Jahrgang

Giekener Anzeiger

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Der Siebener« erscheint täglid), außer Sonntags. Verlagen: viermal wöchentlich SiebenerFamilieubläller zweimal wöchenkl-Xreir- blatt Mr den Ureis Stehen

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wieder eine Hetze gegen einen Museumsdirettor.

Der Wremer Mitarbeiter derKöln. Ztg." bcrid)tetvon einem heftigen Zwiespalt, der in den Kreisen der Bremer Kunstfreunde entstanden ist, wegen des Ankaufs eines Bildes von van Gogh um den Preis von 30 000 Mt., den Direktor- Pauli für die dortige Künschalle bewirkt hat. Der bekannte Landschaftsmaler Binnen hat sich mit einer Veröffentlichung an die Spitze einer unzufriedenen Mehrheit gestellt."Di­rektor Pauli", schreibt der genannte Herr,hat sich uni dre Breuker Kunsthalle, die er aus einer vollständig rückstän­digen provinziellen Anstalt zu einem schönen, modernen Museum ausgestaltet hat, zweifellos große Verdienste er­worben, die einer Gegnerschaft gegen dre neueste Erwerbung eine zu große.Schärfe nehmen müssen. Sachlich handelt es sich aber doch um einen offenbaren 9)dißgriff, der auch für Fernerstehende insofern Bedeutung hat, als man es dabei nicht bloß mit der Persönlichkeit des Direktors Pauli, son­dern mit einer typischen Erscheinung in^den Kreisen der fetzigen Museumsdirektoren zu tun hat. dem löblichen Bestreben, in die meist vernack)lässigten und rückständig gc worden en Sammlungen der verschiedenen Städte einen frischeren Zug zu bringen, und auch bei einzelnen Neugrun­dungen haben diese Museumsleiter sich in einem gegen­seitigen Wetteifer von einem gewissen Kunsthandel über­rumpeln und ins Schlepptau nehmen lassen. Dieser Kunst handel mit seiner geschickten Reklame für französische Werke, die in Frankreich selbst keinen großen Markt haben, erkannte die Schwäche der Nruseumsleiter und wußte sie auszunutzen. Man zahlte willig, wenn man es irgendwie aufbringen konnte, die höchsten Preise für gewisse groß gemachte Fran­zosen, nur damit der Kollege an einem andern Ort, der sich angeblich auch um das Meisterwerk bewarb, nicht durch denen Erwerb als findiger und als aufgeklärter erscheinen sollle, als man selber war. Der Kunsthandel beging damit am Ende fein Verbrechen, er machte eben sein Geschäft mit den Chanceii, die sich ihm boten, wenn die Museumsdirektoren durch die Presse ordentlich gekitzelt waren, und das wurde gründlich besorgt. Als alle Ueberreste der Impressionisten, alle Entwürfe, "die sie uilbefriedigt in eine Atelierecke- worfen hatten, so ziemlich an den Mann gebracht waren, setzte der Kunsthandel das gewinnbringende Geschäft ui Ame­rika und in Deutschland fort, ganz in der kunstgeschicht­lichen Reihenfolge und mackite jetzt, van Gogh zum modernen Götzen, um &en sich die Franzosen selbst gar nicht gekümmert hatten«Md auch weiterhin sich kümmern keine Lust zeigen."

land bekennen."

Die Entstehung der Metalle. In seiner ums Jahr 1700 erschienenen Schriit:Physica, oder vernünftige Ab­handlung natürlicher Wissenschaften" nimmt der Physiker Tr. Nicolaus Börner an, daß die Metalle unter der Erde entstehen/, ebenso wie die Pflanzen auf der Erde aus einem eamcnfprnj Er verwirft die Anschauung, daß die Metalle seit der Erichagung der Welt int Innern der Erde vorhanden seien und behauptet, daß sich diese erst in der Erde entwickeln, reis und vollkommen werden. Liegen sic jedoch allzulange in der Erde,, so werden ftc überreif und fallen der Zerstörung anheim; diese Erscheimmg nennen die Bergleute verwittern, lieber den Ursprung der Me­talle findet sich in dem erwähnten Werk eine gelungene Tqcouc, die in der Prager ZeitschriftLotos" nachgedruckt ist: ,Mas den Ursprung der Metallen belanget, so wird davon unterschied­lich Zehalten. Einige stehen in der Meinung, cs waren all2 Metallen so viel man derer bereits aus der Erde gegraben hatte, oder noch graben werde, bet) der ersten <^chöpsung^von Gott in die Erde gelegt worden, ohne daß noch heut zu -Lage dieselben wüchsen: Alleine, daß solches nicht seyn könne, schlienen wir aus unterschiedenen Beweg-Ursachen. Tenn wo keine Metallen aurs neue gezeugt werden sollten, so würden Gold und Silber, weil man selbige fleißig suchet, voriängst nicht mehr in der Erden an denjenigen Orten, wo man sie noch immer häufig grabt, zminden gewesen seyn, sondern hätten lange ein Ende nehmen muiiem Weil aber Gott bei der Schövsung einem jeben .unge Urne jichk sortzupflanzende (Kraft verliehen, so wird er locoes gewitzt ich, ben den Metallen nicht unterlassen, sondern selbigen wwohl als andern Körpern ihren gewissen Sarnen gegeben haben, durch welchen sie sich vermehren können. Gestalt dieses aus der Berg-Leute Erzählungen klärlick abzunehmen: denn wenn ne irgendwo em- schtagen und allda die Metallen nicht zeitig sondern nur wie einen schleim oder Seife in der Erden liegend finden, sagen sie, wir sind zu frühe kommen: Lassen iie aber solchen Metallen noch 30 oder mehr Jahre Zeit, so werden sie reu und vollkommen. Tenn wir müssen uns nicht einbilden, als wenn alles in der Erden still und ruhig wäre, sondern wissen, daß beständige Veränderungen darin vorgehen. Maßen die Natur in der Erde sublimiert, wenn Zinnober bereitet wird, oder crystallisiert, indem allerhand Sofien entstehen, nicht weniger coaguliert; wie denn zu allen harten Körpern eine Koagulatton erfordert wird. Auch wird unter der Erden destillirt und silttirt, und dadurch das Wasser von seinen bevgemischten groben und fremden Theilen gesondert, anderer chimischen Wirkungen, welche die Natur verrichtet, zu verschwei­gen, wozu die unterirdische Wärme, welche an .manchen Orten lehr groß ist, gar viel hilft."

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^rtschchzrats ell geblieben, denn 'Jet. GtntaS mehr nb erfennen,

Jii immer )Q1 macht Agebn i^Maltung r1!" ?abei snch^ l>e andauernd nach Tuplbar machenden 9 der inländischen «en mit neuen ter Mark, die aber sum Schluß wieder 109gen einen Kurs- da sich für diesen aachte und narnent- Äbzug nach Nord- vockrat. Auch im etilen Preisen leb. Jnlandsangeboten, rigen Geboten der ten Preisen schwer :n zumckgeht. Im int sich der Export 'takten. Braugerste lehr Beachtung und Nur ih Bayern nssische Futtergnste dazu auch die feste . Artikel hat Argen- Ernteaussichten er- e Exporteure frühere üisches Getreide am ach Qualität, wobei

Neger über Selb st er zieh ung. Unter den Ein­geborenen Afrikas mehren sich die Stimmen, die die Norwendigteit gründlicher und vor allem praktischer, den cinsachm aTrttanu±f?n Verhältnissen angemessener Erziehung betonen: sie wollen eine afrikanische, nicht eine Kopie der für sie unbrauchbaren europäischen Erziehung. Bei der Jahresversammlung des Techntüten In­stituts in Lagos hielt, wie wir derKolonialen Rundschau' ent­nehmen, ein Eingeborener eine Rede, die diesen Wünschen Aus­druck gab; er redete seine Hörer an:Wer von euch jungen Leuten, der Ehrist ist, hätte wohl Lust, Tischler, Maurer, An- stteicher oder Schmied zu werden? Hohe Kragen und elegante Krawatten mögen ja sehr sein aussehen, aber ich läge euch, datz diese hohen Kragen und eleganten Krawatten noch einmal zu eurem Verhängnis werden. Wieviele junge Leute der heutigen Generation haben vorzeitig dies Institut verlassen, um bet Be­hörden oder Kaufleuten Elcrks zu werden? Ein Elerk kann allerdings leicht durch unsaubere Manipulationen im Monat zwei Dollar und mehr nebenher verdienen. Aber was ist die Folge? Tas Gefängnis in Lagos ist voll von unseren jungen Leuten. Wären sie im Institut geblieben, so könnten sie heute tüchtige Mechaniker sein. Es ist eine sehr ernste Sache für die jungen Leute und für uns alle, die wir Eingeborene dieses Landes sind." Ein anderer Eingeborener sagte:Tic ersten Missionare, die vor 50 Jahren zu uns kamen, begnügten sich nicht damit, uns zu Ehristen zu machen, sondern sie wollten daneben europäisierte Afrikaner oder imitierte Europäer aus uns machen: sie lehrten uns unsere eigenen Sitten verachten und erklärten, nichts in unfern Bolksgebräuchen sei gut und deshalb erhaltenswert. Unseren Vätern wurde gelehrt, daß alles Europäische überlegen und alles Einheimische unmoralisch, albern und abergläubisch sei. Tie große Mehrheit von uns verachtet auch heute iwch alles, was an unfern Sitten wirklich) gut ist und zieht es vor, in den schlimmsten euro­päischen Lastern zu leben, eben weil sie europäisch und darum nach ihrer Meinung besser sind. Der Eingeborene nmß sich bewußt werden, daß er zuerst ein Afrikaner und dann em Ehrist oder eng- lischer Untertan ist. Ksine Erziehung kann ihn zum

Ter Unfall des Unterseebootes U. 3, der entgegen der ersten Annahme drei tapferen Männern das Leben gekostet hat, ist der erste, den die deutsche Marine mit dieser neuen Waffe erlitten hat. Gewiß find die drei Männer, die in treuer Pflichterfüllung auf ihrem Posten ausharrtcn und dabei untergingen, aufs tiefste zu betrauern, aber gleich­zeitig tonnen wir auch stolz auf die Mannschaften fein, die mit zäher Ausdauer und mit Todesverachtung an der Rettung der versunkenen Kameraden arbeiteten und durch I das Torpedolanzierrohr ins Innere des Unterseeboots dran-

Europä er machen. Er ist geboren als Afrikaner, er wird ; bleiben und ganz gewiß als Attilaner sterben. Wenn JLU. iuvuul, daß Lagos, Benin, Abeokuta, Ibadan und das ganze Borubaland in der Welt einen guten Nomen Haden )ollen, dann müssen wir uns zuerst und vor allem zu unterem eigenen Vater-

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_ General-Anzeiger für Gberhefsen

Annahme von Anzei-en R-taüo«r-nuk UN- Verlag -er Vrühl'schen Univ.Vuch- UN- Ztein-ruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition unv Vruckerel: §chulstratzet* Land": E.Heß; für den to «rpeöition ffir Büdingen: »ahnhosstraße 16a. - Telephon Nr. 50.Moment«!: H. «---

Und in diesem Tone geht es fort. So gewiß es wahr ist,! daß ein in Paris zentralisiertes Kunstbörseanertum die Preise für nur in der Mode geltende Künstler gewissenlos hinauftreibt, so sehr muß die Art zurückgewiescn werden, mit der journalisttsche Besserwisser 5zand1uno.cn bedeutender Museumsleiter zu kritisieren wagen. Direktor Pauli ge­hört zu den hervorragendsten deutschen Kunsthistorikern und es gereicht ihm zur Ehre, daß sein Wissen vor der modernsten Kunst nicht Halt macht und daß sein Mut groß genug war, das Bild eines herrlichen, nur von Kurzsichtigen (die freilich dieMehrheit" bilden) angefeindeten Malers um einen gar nicht einmal so hohen Preis zu erwerben. Jeden­falls wiegt der eine van Gogh zehn Binnen auf.

die mit großer Freude begrüßteii deutschttschechllchen Ab­machungen vom Jahre 1890 zerriß, sich also als Feind des Ausgleichs erwies, sich inzwischen so verändert, daß er der geeignete Mann ist, das Ausgleichswerk in aller Unpartei­lichkeit zu fördern ? Wird nicht er, der sogar einstmals ver­langte, daß der Kaiser von Oesterreich sich in Böhmen mit der Krone des hl. Wenzeslaus schmücken sollte, auch jetzt wieder die Tschechen in jeder Weise bevorzugen und jene Zeiten erneuern, wo er gegen die deutsch-nationalejn Vereine in Böhmen mit aller Härte vorging, ja, in Graßlitz sogar auf deutsche Umzügler schießen ließ?

Wir glauben kaum an eine Gesinnungsänderung des Grafen Thun, mag er sich auch im vorigen Herbst bei den Ausgleichsverhaudluiigen noch so sehr als ehrlicher Maller aufgespielt haben. Denn man wird den Verdacht nicht los, daß das nur aus parteipolitischem Interesse geschehen ist. Liegt es doch im Interesse der Feudalen, nachdem das parlamentarische Leben in Oesterreich eine Aenderung er fahren hat, die deutsch-tschechische Verständigung, die doch einmal kommen muß, zu fördern und für ihre Zwecke nutz­bar zu machen. Wie schön, wenn Graf Thun die bohinische Frage löste! Tann würden Feudale, Klerikale und Slaven darauf Hinweisen können, daß nur sie und nicht die deutsch- nationalen Gruppen staatserhaltend zu wirken verstünden. Und wie wir den Grafen Thun zu kennen glauben, wird er seine Aufgabe erfüllen und das böhmische Problem losen. Freilich nicht im Sinne eines auch die Deutschen befriebiqciv den Ausgleichs, sondern im Sinne einer tschechischen Vor­herrschaft in Böhmen. Wenn aber die Teutschen etwa un Landtag obstruieren sollten, wird er Gewalt brauchen. Tenn er hat keine Geduld, sondern ein überschäumendes "Tem­perament und ein Selbst bewußt sein, das leinen Widerspruch duldet. Man versteht es daher, daß der deutsche National'- rerband der Ausgleichstatthalterschaft des Grafen Thun mit bangen Sorgen ciitgegensieht 'und, wenn es sich be­stätigt, daß ihni von Wien aus besondere Machtvollkommen­heiten mitgegeben sind, dem Ministerium Bienerth den Krieg

.Aus Wien wird uns geschrieben:

Schon seit den ersten Tagen des neuen Jahres ist da­von die Rede, daß der frühere österreichische Minister­präsident und jetzige Führer der Feudalen un Herren- l;au c, Graf Franz Thun, Schloßherr auf Tetschen, an Stele des kränkelnden Grafen Eoudenhove zum Statt- Ha ter von Böhmen ernannt werden soll. Und zwar mit dem Auftrage, den deutsch-tschechischen Ausgleicki zu­stande zu bringen, um dadurch nicht nur den böhmischeii Landtag wieder arbeitsfähig zu machen, und Böhmen ans seiner Finanznol zu retten, sondern auch das dritte Kabi­nett Bienerth vor der ilym sonst drohenden tschechischen Opposition und Obstruktion im österreichischen Reichsrat zu schützen. Und wenn die Ernennung des Grafen Thun zum Statthalter von Böhmen erst am Dienstag erfolgte, so liegt das wohl daran, daß Graf Thun für die Ueber- nahme dieses schwierigen Postens Bedingungen stellte, die ihm der Kaiser und das Ministeriuni Bienerth um kernen Preis zugeprhen wolften und bannten. Soll er doch nicht mein und nicht weniger verlangt haben,. als daß er nicht dem Minister des Innern oder dem Ministerrate über­haupt unterstellt würde, sondern direkt dem Kaiser. Es läßt sich nicht annehmen, daß man in Wien diese Wünsche erfüllt'hat. Denn die öfterreichifche Verfassung weiß nichts von einem Minister für Böhmen, und das österreichische Kabinett Bienerth würde direkt Selbstmord begehen, wollte es dem Grafen Thun eine Sonderstellung etnräunten, die sich in seinen Händen nur zu bald zu der eines Vizetonigs auswachsen und damit die Treimung Böhmens von Oester reich vorbereiten würde. Etwas scheint aber Graf Thun bei den Verhandlungen doch herausgeschlagen zu haben, wenn man auch, nm die Deutschen nicht vor den Kopf zu stoßen, amtlich nichts davon verlauten läßt. Er geht nicht als bloßer Statthalter nach Prag, sondern als ein mit besonderen Vollmachten ausgestatteter Schiedsrichter in dem deutsch-böhmischen Streit, dem man Kugestaiiden zu habeir scheint, daß er in allen Böhmen betreffenden Angelegenheiten eine be­ratende Stimme haben soll, die der Mnisterrat nicht imv- geijen darf, und ebenso scheint man ihm in Wien bereits versprochen $u haben, daß, wenn es ihm durch ferne Tätig­keit in Böhmen gelingt, ein Zusammenarbeiten der Deut- lchen und Tschechen im Reichsrat vorzubereiten, er die Bildung eines parlamentarischen Kabinetts au Stelle des jetzigen Beamtenministeriums übernehmen soll.

Die Den ts ch-Bühm en verhalten sich gegenüber ber Ernennung des Grafen Thun Lum Statthalter recht fkep- tisch, ja, sie halten sie sogar für die JnteressenBer D^llfchen in Böhmen direkt gefährdend, wenn man auch zugibt, datz Gras Thun bei den Ausgleichsverhandlungen des letzten Jalires eine ganz hervorragende Rolle gespielt und we­nigstens der Erllärung "Prags zu einer zweisprachigen Stadt zugestimmt hat. Denn mit voller Berechtigung fragt man sich: Hat Graf Thun, der vor zwölf Jahren als österreichischer Premierminister (18981899) seiner Politik eine deutschfeindliche Spitze zu geben wußte, und der vor fünfzehn Jahren als Statchalter von Böhmen (18911896)1 das Torpedolanzierrohr

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|jen und dem Kreil

Der amtliche Bericht.

Berlin, 18 Jan. Von amtlicher Seite wird über den Unfall Ides UnterseebootesU 3" folgende zusammen­hängende Schilderung gegeben: Bei den gestern gegen IO Ufti oormitlags .int östlichen Kieler Hasen bet -'öeikeudon stattgemn- denen Tauchübungen des UnlersecbootesV .-> fant dav Boot, ohne selbst wieder mit seinen HiUSmittelii an die Ober­fläche gelangen zu können Durch die von dem Begleckichijs fowit herbeigerufenen Kriegsschiffe und Werftfahrzeuge gelang es, eine V c rbindung mit dem gesunkenen Boote herzuitellen llus dem Boote wurde telegraphiert:Wasser cxnbringt ach­tern" Schon um 11 Uhr vormittags war der grotze djroimm - fr an der kaiserlichen Werft zur Stelle, und es selang, das Boot, das inzwischen durch Ausblasen des vorderen Ballalttanfv aus dem- Wasser gehoben war, mit Hilfe des Krans so wett zu heben, daß die Mündung des Torpedolancierrohres aus dem Watzer kam Durch dieses Rohr wurden gegen .ft- Uhr nachmittag.' 2 8 Personen aus dem B o ot g eholt. hierbei freicbnetm sich per Oberleutnant zur See B al en t tue r und der Boots- mannSmaat Heinrich, sowie der Torpedoheizer ^^5^/r be­sonders aus, indem sie durch das Torpedorohr rn daS hincingingen und die Kameraden unter schwierigen Umständen aus dem sehr engen Raume retteten.

rügte sich, daß die Rettung der im Ko mm and o türm eingefchlosfenen drei Personen, be5

Wachtosfiziers und des Rudergasts nur nach -Hebung des Boote^ durch« denVulkan" möglich sei. Erst nach det Bergung der ~euic auÄ üem vorderen Schiffsraum konnte derVulkan an dre Hebung des Bootes und somit an die Rettung der eingeschlotzenen Leute gehen. Hierzu mußte das Unterseeboot erst wied-r in den Grund gesenkt werden. Trotz der früh einsetzenden Tunke heit und be-, fischen Windes gelang es demVulkan" um vier Uhr morgen«, öa-s Boot zu heben und die im Turm befindlichen Leute zu bergen. Diese gaben noch einzelne schwache Leb e nsz-eichenvon sich Tie schon vorher vorbereiteten und sofort mit allen Mitteln angestellten Wiederbelebungsversuche waren leider e r - folgloS. Die Namen der Verunglückten sind (wie schon mit- getcilt wurde',: Kapitänleutnant Mischer- Daimsladt, -.cuU

qcn, den Eingeschlossenen Hilft und Unterstützung bringend. Wenns nicht ein unglücklicher Zufall mitgespielt hätte, wäre, vielleicht auch dieser erste ernstere Unfall, der unsere junge deutsche UnertfccbDOtflottillc betroffen hat, ohne verhäng nisvolle Folgen abgelaufen. Ein böser Unstern wollte es, daß das TorpedobootmutterschiffVulkan", das lediglich dem! besonderen Zwecke dient, Unterseeboote, die abgesunken sind, zu heben, sich gerade gestern im Trockendock befand. Bis! derVulkan" klar gemacht und unter Tampf gebracht werden konnte, verging immerhin eine geraume Zeit, \o daß derVulkan" bei den Rettungsarbeiten anscheinend erst zu spät ernstlich eingreifen konnte. Man mußte sich anfangs auf die Verwendung zweier großer Schwimmkrane beschränken, die schneller alsVulkan" zur stelle sein tonnten. Hätte dieser unglückliche Umstand beiden Rettungs­arbeiten nicht mitgcsprochen, dann hätten diese vielleicht schneller bewerkstelligt werden können, und auch den letzten drei Mann der Besatzung wäre das Leben erhalten geblieben. Die Ursachen des Unfalls .konnten seither noch nicht fest- gestellt werden und alle Mutmaßungen Berlmer Blatter über Ledienungsfehlcr oder Materialversaguiig find müßige Kombinalionen, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehren, und es liegt auch kein Grund vor, dem amtlichen Bericht, den wir hier folgen lassen, im geringsten Grade ju mifi trauen. Jedenfalls wird die Untersuchung tn allernächster Zeit die Ursache des Unfalles klarstellen.

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erklären wird. .

Wien, 18. Jan. Bei der fortgefetzlen ersten Lesung des Budgets im A b g e o r d n e t e n h a u s e erklärte der Abg. F i e d - ler- Die Tschechen könnten gegenüber dem Kabinett Bie­ne r t h, so lange fich dessen Kurs nicht ändere, feine andere Haltung amrehmen als früher. Die Tschechen seren bei. den Prager AusgleictiSPerhandlungeir bis an die äußerfte Grenze des Ent­gegenkommens gegangen. Die Deutschen mußten gleichfalls )id) des Ernstes der Situation bewußt werden und von der fortgesetzten Steigerung der Ausgleichsforderungen ablassen, um die Zusammen- schließung der bürgerlichen Parteien sowie die ^chasfung einer konsolidierten Majorität und der daraus hervorgehenden Re- gierung zu ermöglichen.

Der Unfall des deutschen UnterseebootesU 5".

Die heutige Nummer umsabt 12 Seiten.

Der Ausgleichftatthalter Graf Thun.