Ausgabe 
18.4.1911 Erstes Blatt
 
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davon.

Kreis Lauterbach.

Tie in hiesige

**3ufammenfto6. Am verflossenen Samstag nachmittag kolidierte an der neuen Kaserne ein Fuhrwerk mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn, wobei der Straßenbahnwagen aus dem Geleise sprang und eine längere Betriebsstörung eintvat. Der Fuhrmann kam aus der Kaserne und überfuhr das Geleffe, als gerade ein Strabeubahnwagen ankam. .hierbei scheute das Pferd und der Wagen ruß einen eisernen Mast der Srratzenbahn vollständig um. Der Fuhrmann kam mit geringen Verletzungen seooch ist der Maiellaljchaden nicht unbedeutend.

Schlitz, 13. April. Tie Bürgermeisterei schreibt uns: Nr. 83 des Gießener Anzeigers erschienene Notiz, daß die höhere Bürgerschule ganz aus StacuSwsten übernommen worden sei, beruht leider auf einem Jrrtuur, zu welchem der wohl­meinende Einsender wahrsa-eintich nur durch die Ankündigung des Großh. Rektorats für die Anmeldung neuer Schüler veranlaßt worden ist. Die Verhättnisse der höheren Bürgerschule bleiben unv-erändert. Anderseits hat die Gemeilide Schlitz einen Beiveis des Wohlwollens der Negierung neuerdings dadurch erfahren, daß die hiesige Bezirks Lasse aufgehoben worden ist mW durch eine tlntererheberstelle ersetzt wird.

Lungen noch fehlte, ist es ckuch möglich, daß die wegen der Feiertage erfolgte provisorische Befestigung durch das Holzgerüst bei dem herrschenden Sturm nicht Stand hielt. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend.

** Der hessische LandeSgewerbevere in feiert im Oktober d. Js. sein 75jähriges Jubiläum, welche Feier im Rahmen einer größeren Veranstaltung begangen werden wird. Anläßlich dieser Feier soll von der Zentralstelle für die Ge­werbe in Darmstadt eine Denkschrift herausgegeben werden, in der auch eine Darstellung der geschichtlichen Entwickelung der OrtSgewerbevereine gegeben werden soll, die länger als 50 Jahre bestehen. Dem hessischen Landesgewerbeverein ge­hören 13 Bczirksverbände mit 10 945 Mitglieder an.

Der neugegründete hessische Desinfektoren­verband wird gemäß einem Beschluß seiner letzten, in Darmstadt abgehaltenen Versammlung bei den zuständigen Kreisämtern jetzt darum vorstellig werden, daß die Tätigkeit der Desinfektoren fürderhin als Hauptberuf anzusehen ist, und den Desinfektoren infolgedessen ein Jahressixum gewährt werden müße. Für die auszuführende Desinfektion soll ferner eine entsprechende Vergütung festgesetzt werden.

-1. Die Matthäuspassion" in der Frankfurter Fefthalle. In der riesigen Frankfurter Festhalle, in der die Chöre um den Kaiserpr-eis seinerzeit so viel eingebüßt hatten, veranstaltete der Cäcilien-Verein am Karfreitag wie gewöhnlich eine Ausführung von Joh. Seb. Bachs Matthäus- passion, die insofern eine besondere Blleuttmg gewann, als man dazu ein ganzes Heer von Sangern aufgeboten hatte. Der Cä­cilienverein hatte sich die Amsterdamer Gesangvereinigung der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst und Mitglieder LesKouzertgebou w - Orchesterszur Unter­stützung eingeladen und unter der Leitung ihres gemeinsamen Dirigenten Willem Mengelberg die große Ausgabe mit Ge­schmack und überraschender Durchführung zu Ende geführt. Durch Verlegung der Podien und durch andere Hilfen hat man es ver­standen, die mangelhafte Akustik der Halle wesentlich zu ver­bessern, so daß nur an wenigen Stellen ein Mangel fühlbar wurde. Der größte Eindruck, den man aus dem, von etwa 15 000 Per­sonen besuchten Riesenkonzert gewann, war der der vollkom­menen Genauigkeit und Disziplin, die sich wie spielend dem Diri­genten anpaßte. Von den Einzelpartien sind besonders die Herren Valus aus Leipzig, Deniß aus Rotterdam, Lldolf Müller aus Frankfurt, sowie die Damen Noordewier-Redingius aus Hil­versum und Altmann-Kuntze aus Straßburg zu erwähnen. Dem Konzert wohMen das Großherzogspaar von Hessen, Prinz Heinrich von Preußen nebst Gemahlin bei, lowie das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen unb Prinz Georg von Griechenland.

**Jnder Eisenbahnverstorben. Der schon längere Zeit an Tuberkulose erkrankte, 27 Jahre alte Ph. Demaud aus Oberbiel, starb gestern nachmittag kurz vor Gießen, als er von seinem Vater und einer Schwester in die hiesige Klinik gebracht werden sollte. Die Leiche wurde nach dem neuen Friedhof gebracht.

Art» Statt rrnd Land.

Gießen, 18. April 1911»

Die Osterfeiertage

Haben den schönsten Verlauf genommen. Nachdem unsere Wetterpropheten zum Toll eine nicht immer ganz ungestörte Freude in Aussicht gestellt hatten, war die Luft umso größer, als unter blauem Himmel die mildesten Lüfte unsere Fluren frühlingsmäßig belebten. Alles wanderte hinaus in Wald ;unb Feld oder auf die Berge, wo freilich ein bläulicher Schleier die Ausblicke ins Land verhinderte, aber doch als >eine nicht minder stimmungsvolle Frühlingsgabe freudig hingenommen wurde. Man konnte im Freien sitzen, und dieSaison-Eröffnungen" in den Badeorten, Bad-s)Lauheim, Homburg oder Wiesbaden, hatten damit das erforderliche Gepräge. Musik und Tanz, das durfte gleichfalls die Losung Her Feiertage sein, und der Verkehr auf den Eisenbahnen toar ungewöhnlich stark. Aus dem Gießener Bahn­hof war der Verkehr im Vergleich <zu früheren Jahren ganz saußerordenllich groß, uird die Beamten mußten .mit Au­sspannung aller Kräfte arbeiten, um die Züge abzufertigen. Wei fast jedem einzelnen Zug mußten noch mehrere Wagen eingestellt werden, und auch der Sonderzug-Verkehr war tschr groß. Trotzdem ging der Betrieb sloll von stallen sund ohne daß sich ein Unfall ereignet hülle.

Draußen, in der weiteren Umgebung, leuchtete gleichfalls hie Ostersonne, und im allgemeinen nahmen die Feiertage leinen ungetrübten Verlaus. In Dresden brachte ein schrecklicher Unglücksfall beim Ballonwettfliegen einen Miß­lang, und die Keinen Milleilungen bringen Berichte von Bränden und Verbrechen. Doch dergleichen kommt ja alleTage vor. Mitgefühl wird es erwecken, daß im H ar z Trauer ein- gekehrt ist: das große Kurhaus in Hahnentlee ist voll­ständig abgebrannt. In der Reichs Hauptstadt war dasbunte Gewimmel" auch diesmal wieder besonders igroß. Dort war, wie es in den Berichten heißt, dem etwas kühlen ersten Feiertage mit zeitweise böigem .Weller der zweite mit warmem Wetter und klarem Himmel gefolgt. Von früh ab stürmten die Ausflügler in die Umgebung. Die üblichen Straßenbahnzusammen- ftöße fehllen nicht, doch kam es zu keinen erheblichen Verunglückungen. Hingegen gab es, namentlich am ersten Feiertage, durch den heftigen Sturm zahlreiche aufregende Bootsunfälle. Die Reiseaufstellung verzeichnete n i ch t w e- niger als 12000 Besucher an den beiden Feier-

** Die Kuppel am Darmstädter neuen Hauptbahnhof eingestürzt. Am ersten Osterfeier- tag, mittags gegen 2 Uhr, ist die eiserne Dachkonstrukllon der großen kuppel über der Mittelhalle des Empfangs- Äebäudes, das soeben im Rohbau fertig gestellt wird, unter ^mächtigem Krachen eingestürzt. Die nach den Plänen der sCisenbahnbaubeyörden von einer großen Darmstädter Firma ausgesührte Kuppel hat zirka 15 Meter im Geviert und ;ertob sich in einer Höhe von zirka 7 Meter auf den ca. 15 Meter hohen mächtigen Pfeilern aus Kalksteinen, welche (in die Vorder- und Rücksette des Empfangsgebäudes ein­gefügt find. Von den Auflagen sind einige schwere Steine abgestürzt. Ob ein Konstruktionsfehler vorliegt, oder welcher andere Umstand dem Unfall, der zahlreiche Menschenopfer hätte kosten können, ^ugrunbe liegt, muß die Untersuchung ergeben, jedenfalls ist das Vorkommnis bei der ständigen Kontrolle durch die Ingenieure, Techniker, der Baubehör­den usw. sehr eigentümlich. Da man mit der Montierung ^och beschäftigt war und ein Teil der inneren Verslle-

räte bem Lluge wohltuende Konstruktionsstärke und in der Aus- pxchl der Rohstoffe eine verfeinerte Wirkung.

Die Geschäftsbanken zeigen das Schwinden der sichtbaren Eisenkonstrukttonen und deren Ersatz durch massive Pfeiler in teüs monumentaler Ausdrucksweise. 9Jlan kann dem beut]d)en {©tabtbÜbe zu dieser Einkehr glückwünschen. Es war eine Ver­irrung des Schönheitssinnes, wie große mächtige Baukörper m dünnem Eisengestänge der Konstruktionsstärke zwar genügten, in Wirklichkeit aber jedem menschlichen Ange ein Greuel waren. «Auch in diesem Falle hat es sich gezeigt, daß die Menschen den Ausdruck der Stärke sehr wohl begreifen können, jedoch in der Baukunst das tatsächliche Empfinden nicht gekürzt sehen wollen.

Die Grundrißdisposttionen der Geschäftshäuser zeigen (toeite Verkaufshallen, worin die Treppenanlagen und die All Zer Ein- unb Ausgänge ein wesentliches Merkmal bilden. Jitter- essaMe Lösungen von Jndustllebauten bekunden das Vordringen des archttektonischen Gedankens auf diesem Gebiete. Es gab Eine Zett, da man für den Bau von Arbeitsstätten nur die Knotwendigen Formen einhielt, und alles was .baruber rschwenbung erachtete. Mit bem Wachsen der Willichaft- Lichen Vermögen erinnerte sich bie Industrie ihrer künstlerischen -Repräsentationspflicht unb sogleich erschienen bie Fabrttneubauten der größeren Werke in architektonischen Formen.

I Das Vordrängen des Kunstbedürfnisses ist ein, sehr guter Wertmesser unserer Kultur unb zugleich ber wirtschaftlichen Lei­stungsfähigkeit. Ein armes Volk kämpft in dem Ringen um das tägliche Brok zu schwer, um noch Mittel und Zett für die Kunst zu erübrigen.Kunst braucht Gmist", sagt ein altes Sprichwort, unb ein anderes:Wo keine Kunst, ist. alles mn- sunst", b. h. bei einem kunstarmen Volke steht bas wirtschaftliche Ellrägnis gleich Null. Das deutsche Volk hat sich in diesem Punkte {feinen großen Männern würdig gezeigt. Nicht nur, daß es lim Zusammenschmieden des geeinten deutschen Reiches das Seme 'tat, sondern auch in gleich hervorragender Welse durch baj zähe MuSbarren des deutschen Arbeitssinnes, um bie Palme ber Ku

Vindstoß, ber den Ballon den Sokdoten, die ihn hielten, völlig pntllß. Der Ballon war dem tobenden Sturme preisgegeben. In diesem Augenblick durchzitterte ein gewaltiger Angst­schrei die Luft. An dem schräg hochgehenden Ballon hing Der bekannte Ballonfabrikant Korn. Mit mächtiger Stimme tief er:Aufreißen!" Die Reißleine wurde gezogen, aber anscheinend nicht genügend. Der Ballon wurde von einem Wirbel- Aurm erfaßt, ans die Erde niedergeschlagen, llß einen Teil ber Umzäunung nieder und prallte bann 15 bis 20 Meter in die Höhe. Schließlich schlug er auf den Kohlenlagerschuppen ber Gaswerke auf. Hiest hob ihn der Wind abermals in die Höhe unb führte ihn auf das Dach des Schuppens, bann stürzte Fabrikant Korn zur Erde nieder mtb blieb wie tot liegen. Die Schiefer des Daches hatten die Stricke durchschnitten unb ber IKorb mit bat vier Insassen: v. Oidtman, Bvdmann, Urban imh Kölle stürzte auf das Schuppendach: dieses wurde durch­schlagen. Der Ballon wurde von einem Blitzableiter durchbohll und Funken aus ber Asche des Gaswerks entzündeten das Gas. Das furchtbare Schauspiel toat das Werk weniger Sekunden. Biele Frauen wurden ohnmüchttg. Die verunglückten Luftschiffer sahen entsetzlich aus. , _

Nach einer letzten Meldung haben die Aerzte bie Hoffnung Ö Er^ltung des Lebens des Hauptmanns v. Oidtman noch nicht gegeben.

Schlitz, 17. Aprll. Durch bie Einschleppung ber Maul- intb Klauenseuche aus preußischem Gebiet in einige Ortschaften bes Schlltzerlandes sind viele Landwirte, die ihr Feld mit Rindvieh bestellen müssen, in eine unliebsame Lage gekommen. In anbettocht der Frühjahrsbestellung ber Felder, die durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse gegen andere Gegenden ohnehin schon im Rückstände sind, und kein Aufschub mehr eintreten kann, ist die Lage ber Landwirte um so beklagenswerter, als and) bie Pferde­besitzer nicht in ber Lage sind, allen Ansprüchen gerecht zu toerben. Sollte bie Seuche Wetter um sich greifen, so daß eine baldige Auf­hebung ber Maßregeln nicht eintreten wirb, bann fiitb bie Land­wille gezwungen, einen großen Teil ihrer Aecker unbebaut liegen zu lassen. Zur Verhinderung etivaiger Umgehung ber angeorbneten Maßnahmen ist ein Gendarm in bas verseuchte Gebiet staioniellt worden.

entwickelung rang. Die Steigerung bes Nationalvermögens kommt allen Berufsallen zugute. Der steigende Bedarf jeigt sich in der Baukunst, bem Wolmungswesen, mit großer Klarheit unb ist begreiflich, wenn man bie Wohnungsverhältnisse früherer Zetten mit den heutigen vergleicht. Allein die Regelung der Wasser­versorgung unb bie Anlage der Allgemeinheit bienender Licht­quellen, bieten, mit den besserwerdenden Wohnbauten in eine glückliche Verbinbung gebracht, eine erkleckliche Kulturleistung, um bie uns ältere Völkerschaften beneiden würben. Wenn nun tto^- alledem noch ansehenswerte Wünsche verbleiben, so werden auch diese zu erfüllen sein, wenn bas, Wunschdebürfnis nicht den Kreis ber Pflichten überschreitet.

Der 12. Deutsche Historikertag trat am 17. Aprll in Braunschweig, einem der historisch interessantesten Olle Deutschlanbs, zu seinen diesjähllgen Beratungen zusammen. Die Verhanblungen finden im Altstadtrathause statt. Neben _ den wissenschaftlichen Erörterungen sind Ausflüge nach Wolfenbüttel, Helmstedt, Königslutter unb Hildesheim geplant. In Hllbesheim ist bie Besichtigung ber Baudenkmäler, angefangen mit ber Michaeliskirche, vorgesehen. Die Stabt Braunschweig wird zu Ehren der Besucher eine Beleuchtung des Altstadtmarktes mw des Ältstabtrathauses vornehmen lassen. Auch findet für bie Gäste Festvorstellung im Herzoglichen Hoftheater statt bet ber Drei Siege" von Leopold Adler gegeben werden. Gleicktzettig mtt bem Historikerlag findet bie zehnte Konferenz von Vertretern landesgeschichtlicher Publikationsinstitute statt. Diese wird stch im allgemeinen auch nur mit Ergebnissen einzelgeschichtlicher Er­forschung en zu beschasttgen haben, so mit der phoiosE^^^ Reproduktion von Urkunden, dem Städteatlas für NiedersalMN und anderen prattischeu Fragen der histollfchen Kallhogrcttchie.

Krawatten nachKarl dem Großen. Die neueste Herrenmode bringt Krawatten, bie genau nach denMotckxm unb Farbstellungen ber byzantinischen Gewänder hergestÄlt pno, die im Reliquienschrein ,Larls des Großen" im Aachener Munster

Kreis Friedberg.

sc. Rendel t. Oberhessen, 15. Aprll. Dor dem Sckwfsen- gericht Frankfull a. M. hatte sich heute der hiesige Viehl-ändler Wilhelm G r e b, der schon des öfteren, sogar mit drei monatlicher Gefängnisstrafe wegen Milchfälschimg bestraft worden war, wegen Vergehen gegen das Nahrungsmitteigesetz zu verantwollen. Vor ad* Tagen war Greb zu ber Verhandlung nicht erschienen. Ein Strafbefehl war deshalb gegen ihn erlassen, der inzwiick-en wieder aufgehoben wordeii ift. Heute war Greb da. Es wurde ihm vor- geworsen, daß er am 21. Januar b. I. Milch nach Frankfurt gefahren habe, die bas vierfache an Stallschmutz aufwies, als gesetzlich erlaubt, und am 7. Februar Milch zum Verkauf gestellt, die statt 2,8 v. H. Fettgehalt nur 2,15 v. H. batte, also von Greb entrahmt fein mußte. Der Amtsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis und 450 Mark Geldstrafe. Das Gericht sah den ersten Fall als eine Uebertretung an unb sprach eine Strafe von 20 Mk. gegen Greb aus, wegen des minderen Fettgehalts tarn das Gericht zu keiner Eutsck-eidung.

Starkenburg und Rhtinhessen.

Darmstadt (Uebungsplatz), 15, April. Heute nach­mittag unternahm Prinz Heinrich von Preußen in Gegenwart des Grobherzogs und der Großherzogin und der Prinzessin Heinrich von Preußen auf einer Eulerflugmaschine mehrere sehr schöne Flüge. Es wurden viele Passagier­fluge auSgeführt. U. a. nahm Herr Euler den ältesten Sohn des Prinzen Heinrich Sigismund als Passagier mit in die Luft. Der Eulerpilot Witterstädter erschien während dec Flüge plötzlich mit einem Pasiagier über bem Eulcrflugplatz und kehrte, nachdem er eine große Schleife um den Platz beschrieben hatte, ohne Zivischenlanbung nach seinem Flugplatz nach Weiterstadt zurück.

ch. Bingen, 17. Aprll. Bei zurückgeheubem Wafler- stanbe hat sich ber SchiffahrtSverkehr in ben letzten Tagen gehalten unb war recht lebhaft. Stellenweise sinb be­reits Kähne auf Sanbschwellen festgefahren. Die Frachtsätze bei Taloerfrachtungen haben sich nicht gebessert, ebensowenig die Schlepplöhne.

Ein Eijenbahnunsall.

Spandau, 16. April. (Amtliche Meldung). Bei der Einfahrt des Personenzuges 201 entgleisten heute gegen 3 Uhr 30 Min. nachmittags der Gepäckwagen und drei Personenwagen. Vermutliche Ursache der Ent­gleisung ist vorzeitiges Umstellen der Eingangsweiche. Leicht verletzt wurden durch Glassplitter Frau Schütze und deren Sohn aus Spiegelburg bei Neustadt an der Doste. Der Betrieb wurde nicht gestört.

schrifll

Laus deo optimo maximo Tandem bona causa triumphal 1597"

Ein untergehendes Zeemannswahrzeichen.

Auf bem äußersten Westende ber Insel Wangeroog, ber östlichsten in ber ostfriesischen Jnfelreihe, ragt ganz einsam auf bem Straube ein einzelner Kirchturm von beträchtlicher Höhe mtt drei schlanken Spitzen in die Lust. Es ist ber den Norbseefahrew wohlbekannte alte Kirchturm von Wangeroog, im Volksmunbeber Westturm" genannt, ber hier als letzter Uebemft eines früheren blühenden Juselborfes an vergangene Zetten unb an bie zerstörende Gewalt ber Sturmfluten erinnert. Er ist in ben letzten Jahren be­sonders baufällig geworden, und eine gründliche Instandsetzung würde Kosten verursachen, bie in keinem Verhältnis zu bem Nutzen stehen, ben ber Turm als Tagesseezeicheu für bie Schiffahrt gegenwärtig sein einziger Verwenbungszweck noch besitzt. So bürfte er in nicht allzuftllier Zett der salzigen Flut zum Opfer fallen.

Der vom Meer und seinen Stürmen umrauschte einsame Turm würbe, wie bie ZeitschriftDie Flotte" erzählt, auf Betreiben bremischer Kaufleute 1597 bis 1602 vom Grafen Johann XVI. von Oldenburg mtt einem Kostenaufwand von 24 000 Talern erbaut. Er sollte zugleich als Leuchtturm und als Kirche dienen. Er hat eine Höhe von beinahe 60 Nieter (54 Meter über Hochwasser) und ist bei klarem Wetter etwa 30 Kttometer wett sichtbar. Er ist im Rechteck gebaut, seine vier Setten sind den vier Haupt­himmelsrichtungen zugekehll. Ein schlankes, in drei Spitzen von denen die mittlere bie höchste aus laufendes Dach krönt den massiven Bau. Bei seiner Erbauung lag wohl auch bie Absicht vor, für bie Bewohner ber Insel im Fall ber höchsten Not eine sichere Zuflucht vor ber See zu schassen. Dementsprechend ist bas Mauerwell von gewaltiger Ställe. Es besitzt unten eine Dicke von 2i/3 Meter, bie sich nach oben bis auf 1 Meter ver­mindert. Nur die unteren Stockwelle enthalten Fenster, bie oberen erhalten ihr Lick-H durch schmale Ceffnungen in ben Wänden. Ein großer über ber Eingangstür eingemauerter Stein trägt die Jn-

(Lob sei bem guten Gotte, endlich triumphiert die gute Sachett

Ein Kircl>enscl)iff hat neben bem Turm nie bestanden. Der Kttcheuraum, ber das erste Stockwerk ausfüllt, enthielt Altar, Kanzel, eine kleine Orgel, 13 Bänke, zwei Logen unb einige

webesammlung, Krefeld, schceibt ber Bad. Land.-Ztg. hierüber: Der Elefantenstoff in bem Reliquienschrein Kalls bes Großen im Münster zu Aachen ist ein schweres reinseidenes Körpergcwebe, mit 5 verschiedenen Fallen im Schuß. Das Muster besteht aus großen Kreisen, von 0,78 Meter Durchmesser. Da zwei solcher Kreise auf dem Stoff zusammen stehen, war ber Stoff 1,56 Meter breit gewebt. Die Grundfarbe ist purpurrot, bas Muster weiß, gelb, fabbirblau. und smaragdgrün. In ben Kreisen steht je ein ElefMtt vor einem ftilijierten Baum. Die Leiche Karls des Großen wurde 814 beigesetzt. Das Grab wurde im Jahre 1000 durch Otto ILL geöffnet, und alsbald wieder geschlossen. Dann wurden die Gebeine des 1165 selig gesprochenen Kaisers durch Kaiser Barbarossa 1166 der Gruft enthoben, und in den 1215 fertiggestellten Schrein gebettet. Der Elefantenstoff dürfte ram entweder als Grabtuch 814 in den Sarg gelegt, oder von Otto III. im Jahre 1000 zum Einhüllen ber morschen Gebeine verwendet worden sein. Aus sttlisttschen Gründen ist in erster Reihe 814 als Entstehmigsjahr des Stoffes auzmiehmen. Eine am unteren Rande des Stoffstückes eingewebte griechische Inschrift besagt, daß der Stoff im Leyxippos, der Kaiserlichen Staatsmanufaktur von Byzanz getollt sei, und zwar unter ber Leitung zweier Be­amten, deren Namen als Cpimack)os und Petros gele|'en_ toerben. Der Karlsschreiu, wie erinuellich, ist behufs genauer Feststelttmg des Musters und Alttas des Stoffes im Juli 1906 unter kirchlicher Feierlichkeit geöffnet, bas Grabtuch Mr Veröffenllick>ung heraus- genommen, und im November desselben Jahres wieder in ben Schrein gelegt worden. Anwesend bei dieser Gelcgenhett maren das Aachener Domkapitel, Vertreter des Erzbischols von Köln, höhere Staatsbeamte, und als Sachverständiger ber Veranlasser der ganzen Vornahme, Geheimer Rat Professor Dr. Julius Lessing, Direktor des königlichen Kunstgewlle-Museums in Berlin, ferner Professor Dr. von Falle, Direktor des ©täbti|d>en Kunstgetoelle- Museums in Köln, Professor Paul Schulz-, Konservators Kümgl. Gewebesammlung in Krefeld, und Dr. Kreutz, Assistent am Königlichen Kunstgewelle-Museum zu Berlin.