Ausgabe 
25.10.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 251

Erschein! tägNch mit Ausnahme beS Sonntags.

flott geipielrer Einakter

Tcs Herrn Reftrendars Antrittsvisite"

Beim Tanz hielten die

f e st. Ter Verein, schen Sängern auf dort preisgekrönt wieder zeigen, wie teil aepflegt wird.

der im verflossenen Sommer mit rheini- einem Wettstreit in Konkurrenz stand und heimkehrte, wird bei dieser Gelegenheit bei ihm die Sangeskunst und die Gesellig-

DieElehener $amilienblärter* werden dem ,9lngeiflcte otcrmal wöchentlich beigelegt, da- Krcisblati ffir öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TierandwlrtschaflUchev Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

** Stadt the ater. Ta die Ausführung von Nora von Publikum wie Bresse als hervorragend bezeichnet roor-

beschloß das reichhaltige Programm, meisten bis zum frühen Morgen aus.

Mittwoch, 25. Moder 19V

Rotationsdruck und vertag der Vrühl'schm UnwersuätS - Buch- und 6tfinbrurferel R. Longe, Dießen.

gicrungskommissar zu und auch vom Zenlru m wurde dem Antrag entgegcngelrctcn. Ein Mitglied des Aussichtsamts lür ^rrivatvcrsicherung stellt aus der bish-rigcn Praxis des Amtes fest, daß Gewerk-chaf en, die ih.cn Mitglie ern Unter mtzung ohne Rechtsanspruch gewahren, nicht als Lersicherung-vcr.i^e, sondern als Untcrslüvungsvcreine angesehen werden. Es müsse in den Statuten nur tlar ohne Täuschung der Mitglieder zum Ausdruck gebracht werden, daß ein Rechtsanspruch aus Unterstützung nicht bestehe.

Schärfer als dieser Antrag, mit den n Tendenz man eigentlich in dec Hauptsache einverstanden war, bekämpste Mrui eri loirektor E a s p a r einen anderen Antrag der Abgg. B e h ren s und Becker, wonach bei Fusionierung von Kassen den Mitgliedern aus Antrag ihr Bcrmögensanteil nach der Höhe der insgesamt geleisteten Beiträge auszuzahtcn ist. Die Antragsteller betonen, daß sich ihr Antrag gegen die freien Gewerkschaften richte. Tie Regierung ist aber der Meinung, daß dadurch die oft wünschens­werte Fusionierung erschwert würde. Der Antrag wurde nut erheblicher Mehrh.it angenommen und die erste Lesung des Ge­setzes beendet.

nommen werden wird.

Daß die Lords utd> die Unterhauskonservativen ihren Haß gegen das Kabinett Asquith und seine Anhänger wegen des Betogesctzes während der Sommerpause vergchen haben, läßt sich nicht annehmen. Aber sie haben für eine Agitation in diesem Sinne heute teilten guten Boden. Denn was hat nicht die schlaue englische Porttik in diesem Sommer geleistet! Sie hat es verstanden, die Franzosen mit dem englischen Interesse weiter so zu ucrEcticn, daß man sich bei den Marokloverhandlungeu alle Direktiven aus London holte und dadurch z. A. die Hoffnung Deutschlands auf das Suslaird zerstörte. Sie hat es verstanden, Italien gegen die Türkei aufzuhetzen, dadurch Deutfchland in eine schwierige Lage zu bringen und es letzten Endes das wird die Zu> fuiift zeigen zwischen einem Buitdesgenossen und einem Freunde wählen zu lassen. Ob aber Jicuien siegt, oder die Türkei in keinem Falle wird England ohne weiteren politischen oder wirtscha,llichen Gewinn aus der Affäre scheiden, mag es sich nun um die Angliederung Aegyptens, die Besetzung eines tripolitanisa-en Hafens oder um Koweit handeln. Nimmt man noch hinzu, daß auch bei der Revo­lution in China englisches Geld beteiligt zu sein scheint, weil man die deutsche und die nordameritanische Konkurrenz dort zu schmälern trachtet und eine Erweiterung des Be­zirks von Schanghai für dringend geboten hält, ja, berück­sichtigt man schließlich noch, daß der Ausfall der kanadischen Wahlen das Zollabkommen Kanadas mit der Union zum Scheitern brachte, so ergibt sich daraus, daß das Kabinett .Asquith auf dem Gebiete der auswärtigen Politik für die Konservativen unangreifbar dasteht.

In der inneren Politik wird nur die Arbeiterpartei wegen des bekannten Eiscnbahnausstandes der Regierung vielleicht zu schaffen machen.

London, 24. Oft. Tas Unterhaus trat zu seiner H er b st! i tz u n g zusammen. Der Liberale Mason fragte den Premierminister, warum die britische Regierung Italien und der Türkei nicht ihre guten Dienste zwecks Beendigung der Feindselig leiten Angeboten habe. Asquith erwiderte, die Regierung sei nicht der Ansicht, daß irgend eine öffentliche Mitteilung über diesen Gegenstand in diesem Augenblick das durch Blasons Frage angedeutete Ziel fördern würde. (Allgemeiner Beifall.) Mason fragt ferner, ob der Premierminister wisse, daß die Regierung gemäß der Haager Koiwcntion, an der sic tcilgenommcn, verpflichtet sei, ihre guten Dienue anzubieten und ob nicht Italien auf jener üvnfcrenz anregte, daß ein solck>es Anerbieten nicht als unfreundlicher Akt angesehen werden sollte. Ter P r e m i e r m i n i st e r erwiderte, die Regierung sei mit diesen Tatsachen wohl vertraut. Asquith setzte auseinander, daß der Rest der' ©eiiion den Regierungsvorlagen Vorbehalten sein solle. Tie Regierung schlage vor, vor Sessionsschluß unter anderem das Gesetz für die Kohlenminen sowie über die Prisen im Seekriege, welches die Londoner Deklaration berühre, zu erledigen. _ .

Balfour beklagte sich über die Kürze der Zett, dte von der Regierung für die Beratung wichtiger Fragen zur Lersügung gestellt wird. Wenn er auch nicht zu einer Besprechung der auswärtigen Angelegenheiten drängen wolle, so glaube er doch, daß der Minister des Aeußern eine Erklärung abgeben sollte. (Allseitiger Beifall.) Er hoffe, der Premierminister Asquith würde Gelegenheit zu einer Erklärung finden, an die eine Besprechung angcknüpft werden könnte.

Im weiteren Verlauf der Sitzung erklärte A s q u i t h , er halte es nicht für natürlich und gerechtfertigt, sondern sogar für sehr erwünscht, daß bei der Besprechung der auswärtigen An­gelegenheiten der Staatssekretär des Auswärtigen Erklärungen atgebe, sowohl über Marokko als womöglich über andere Fragen, die dann für die öffentliche Darlegung und Besprechung reis sein möchten. Ich hoffe, daß diese Erklärung, wenn sie abgegeben wird, nicht einen derartigen Eharakter tragen werde, baß sie zu einer scharfen oder gar polemischen Aussprache führe. Er könne in diesem Augenblick den Zeitpunkt der Erklärung nicht voraus- biitiminen, aber dies würde nicht später, sein als es im öffent­lichen Interesse notwendig sei. Er hofse, sie werde im Laufe von 14 Tagen oder drei Wochen gegeben werden.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- (träfet 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:^^112. rek.-Lldr^Anze,gerDießen,

Die AuMdung öes hilsrkaffenscsetzrs im Ausschuß

:: Berlin, 24. Okt.

Ter Reichsversicheruiigsausfchuß halte heute mit der Been­digung der ersten Lesung des Gesetzes über die Hilfskassen noch eine ganze Sitzung zu tun, so bau die Beratung des A nge^ stellten»er sichern n g s g e s e tz e s er ft m o t gen beginnen kann. Tie zweite Lesung des HilsSlassengesetzeS wird morgen zuvor ohne Schwierig i cn i:: mrz.r Z.i. ^r.e.ijt werben können.

schcn, welche die Token bestatteten und die Verwundeten! sortschafften. Daraus erklärt sich, daß die Italiener am folgenden Morgen, als sie die Stadt besetzten, säst keinen Widerstand sanden. Der in der Stadt durch das Bombarde- ment eingerichtete Materialschaden ist nicht beträchtlich, da die Zahl der aus die Südseite der Stadt abgegebenen Schüsse gering war. Tie Lage bessert sich sowohl in Bcnghasi wie m der nahen Umgebung. ,

Malta, 24. Okt. Nach Briefen au5 Benghasi richtete das B o m b a r de m c n t der Italiener groß«? Verheerungen an und rief eine große Panik hervor. Zahlreiche Wohnhäufer und anDccc Gebäude wurden zcr- pört, die Malteserlirche ist teils eingestürzt, wobei 8 Per- loiteit getötet, 10 verwundet wurden. Tas britische Konsulat ist schwer beichädigt, der englische Konsul verletzt worden. Mehrere jüdische englische Staatsangehörige, die in bad Konsulat flüchteten, wurden getötet oder verwundet. Nach Briefen beträgt die Zahl der Getöteten unter den Eingeborenen schätzungsweise 4 000.

Die Agenzia Slefani bezeichnet die türkische Meldung über angebliche schwere Verluste der Italiener in

Tie Gefechte bei Ben Ghasi.

Die Agenzia Slefani meldet aus Benghasi: Tie italienischen Truppen sahen sich bei der Landung einer seindlichenSireitkraftvon nichtweniger als 5 00 oder 600 regulären Soldaten gegenüber, die durch 4 000 oder 5000 Araber verstärkt waren. Tie Berl'.'.ste der Türken, insbesondere der Araber sind be­deutend: die Zahl der Toten beträgt etwa 400, die An­gaben über die Zahl der Verwundeten schwanken zwischen §00 und 1200. Tie Verluste des Feindes wären noch größer gewesen, wenn der Einbruch der Tunkelheit nicht seine Flucht m das Innere des Landes begünstigte. In der Stadt zurückgeblieben waren während der Nacht sehr wenig Men-

Ter überraschende Wechsel im englischen Ministe­rium, besonders der Austausch der Aemter zwischen Churchill uns Mc. Kenna wirb in der Presse lebhaft besprochen. Die Ansichten gehen stark auseinander. Ein Teil ber umonistischen Presse be­trachtet bic Ernennung Churchills als einen Erio.g der Anhänger brr Sparsamkeit i m Schiffsbau. Anbere, Ivie dieMor- nittgpost", nehmen dies als Zeich n, baß bic Regierung den Ernst ber Lage in ber Weltpolitik erkenne.Daily Chroniclc" uubDaily News" führen ben Tausch zwiscyen Churchill unb Mc. Kenna auf persönliche Grünbe zurück.Daily Chro­

nicle" sagt, ber frühere erste Seclorb Fischer bot im Jahre 1908 nach bem Rücktritt von Lorb Tweebmouth seinen Einfluß auf, um Churchill zu bessen Nachfolger zu gewinnen.Moruing Leaber" hofft, Churchill werde als Apostel des Sparfamkeits- prinzips in Europa ein Beispiel geben. .

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

** Der Gesangverein Harmonie feierte am Sams­tag fein 65. Stiftungsfest. Biele geladene Gaste unb Ehren­mitglieder waren zu dem Fest erschienen. Der 1. Vorsitzende B. Amen- begrüßte die Erschienenen und gab dem Wunsch Ausdruck, daß allen der Abend in angenehmer Erinnerung bleiben möge. Tie Festrede hielt der Ehrcndirigent Lehrer AIbach- Gießen. Er gab eine geschichtliche Entwicklung des deutschen Männerge'angs unter besonderer Berücksichtigung des Gesang­vereins Harmonie. Er betonte wie immer in den Männer- gefangcereinen das deutsche Lied mit Begeisterung gesungen wurde. Zu den Zeiten der Befreiungskriegen, in ben Tagen als der deutsche Einheitsgedanke das Volk ergriffen hatte unb' im deutsch-französischen Kriege. Sein Hoch galt dem beutschen Männergesang. Tie tiorgetragenen Chöre zeugten von guter Schulung unb großer Hingebung ber Sänger. Besonders ist die Pflege bes Volkslieds bem Verein hoch anzurechnen. Ein

Aus Statt und Land.

(Siegen. 25. Oktober 1911.

** Eisenbahnpcrsonalicn. Ernannt wurde Gerichte-' assessor E b enb a ch bet ber Eisenbahndireüion in Frankfurt a. M. zum Regierungsassessor, Hilfsrangierführer Sechens in Gießen zum Rangierführer, Weichensteller Schäfer I. in Hungen zum Weichensteller erster Klasse. Belohnungen haben erhalten: Tie Hilssbahnwärter Heinrich Rühl unb Heinrich Schulz, sowie, bic Schrankenwärterin Maria Rühl in Göbelnrod, Bahnwärter Daume, Rottenführer K l ö s , Hilfsbahnwärter Scheuer­mann und B i e b c n k o p f in Lehnheim, Hilfsweichensteller Huke in Rotenburg, Hilfsschrankenwärter Rübestahl in Lüpfen- Hausen: für entschlossenes und tatkräftiges Handeln beim Löschen eines durch Funkenslug emstandenen Flnrbrandes, Oberassistent Matt in Bebra, Rottenführer Sommer unb Hildebrand in Hersseld für Abwendung einer Betriebsgefahr. '

** Behördlicher Verkehr mit ben Nieberlan- b e n. Tic gleichen Vereinbarungen, bie nach dem Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern vom 28. September 1909 über ben unmittelbaren Schriftverkehr in frcmdenpolizeilichen Ange-' legenheiten mit den luxemburgischen Behörden getroffen wurden,' sind nunmehr auch für den Verkehr mit ben niederländischen Be­hörden in Wirksamkeit getreten. Sowohl bie von beutschen Be­hörden ausgehenden Ersuchen, als bie beutschen Antworten auf bie nicberlänbis'chen Ersuchen, bie auch von ben niederländischen Polizeibehörden ausgehen können, sind an die niederländischen Generalstaatsanwälte zu richten. Ein Verzeichnis dieser Stellen unb ihres Amtsbezirks ist den betressenden Behörden mitgeteilt worden. Im übrigen sind die Bestimmungen des erwähnten Aus­schreibens auch für diesen Schriftverkehr maßgebend.

Der Gesangverein .Heiterkeit*, gegr. 1878, feiert am Samstag im Saale des Cafs Leib fein Winter-

Jn der ersten Lesung wurde auf Antrag des Abg. Gras Westarp (kons.) ein § 7a eingefügt, der die Mitglieder von Veriicherungsvercinen auf Gcgensei.igk-it unter ben Smutz einiger Bestimmungen bes Gesetzes Über ben Ver ichcrungsver.ra i stellt, besonbers bei den größeren Vereinen, bic ein 5:erbegclb von mehr als 30J Mark gewähren. Eine sehr eingehende Ausfpracye veranlaßte em vom Antragsteller schließnch zuiuckzezogcner An­trag ber Abgg. Behrens (Wirtsch. Vgg.) und Becker-Arns- berg (Ztr.). Danach sollen die Boämmungm des Gesetzes über bie pr.va^en Verjicherungsunternchmu.igcn aui die von Äroci.er-, Gesellen- unb Angestell.e>wereinc:i gcw. h ten Lesungen k.ii-c An lucnbnng finben, tuenn bte.'e niäjt den Hanptzivcck ber Vereinigung bilben uub ber Rechtsanspruch baraus ausgeschlossen i;i. xic Sozialdemokraten stimmten bicicm Anuag zu, gaben ih n aber eine Auslegung vom S anopunü b r Gcwcrkichaf.cn, Die bie Antragsteller selbst zurückiviescn. Ministnia bi.ekcor Caspar Icl.n.c ben Antrag ab, da er mir Unklarheit idjaje unb ein ge- wifscs Ausnahmcrecht für bic Gewerkschaften, soweit hier be­rechtigte Ansprüche Vorlagen, werbe durch bie Bestimmungen des Versicherungsauisichtsgefetzs ausreichend dafür gesorgt. Na- tionalliberalc und Konservative stimmten dem Rc-

3um IDköcrjufammentiitt des englischen Parlaments.

Tas englische Parlament hatte am 18. August seine Pforten geschloffen, nachdem cs das schwierige Werk der Vctobill, unter deren Zeichen die letzte Session stand, glück­lich im Sinne des liberalen Kabinetts Asquith unter Tach und Fach gebracht, die Machtbefugnisse des Oberhauses also befdjcänlt hatte. Nun hat das Parlament am 24. d. M. wieder seine Sitzungen ausgenommen und soll cs bis Weih­nachten einen Arbeitsstoff erledigen, der gut und gern für eine ganze Session ausreichte. Tas liegt einmal daran, baß in ber Sommertagung ber Kamps um bie Vetobill so unglaublich viel Zeit wegnahm, daß nicht einmal das Budget erledigt werden konnte. Diese umfangreiche Arbeit, sowie die Verabschiedung der aus 86 Artikeln bestehenden Ver­sicherungsbill, von der allerdings 17 Artikel fujon beraten find, muß aber bis zu den Weil)nachtsferien ebenso erledigt sein, wie zwei große industrielle Vorlagen und mancherlei anderes, da sich wegen der Jagdleidensci)aft der Engländer fein britisches Parlament über Weihnachten hinaus zu- sammenhalten läßt und die Frühjahrvsefsion völlig von Dem noch einzubruigcnden Homcrulegcsetz in Anspruch ge-

Der itaiienijch-türkiiche Krieg.

Allmählich haben die Türren in Tripolis einen sehr kräsligcn Widerstand organisiert, und in Gefechten bei der Stadt Tripolis selbst und ferner namentlich auch bei Ben Ghafi haben sie, unterstützt von Arabern, den Eindring­lingen arg zu schassen gemacht. B^eichiiend ist, daß die amtlichen italienischen Meldungen ängstlich die Verlust- ziffem der Italiener verschweigen, während sic die türki- chen wijjen wollen und auch mit den Zahlen von Ver­hafteten Eindruck machen wollen.

Araber- unb Tiirkenangriffe in Tripolis.

Agenzia Stefani meldet aus Tripolis unterm 23. Okt.: Auf den gestrigen Angriff auf d i e Vorposten der Italiener folgte bald die Erhebung der Araber der Lase, welche einen Flankenangriff auf die Italiener aus- ührten, der zweifellos seit einigen Tagen vorbereitet war. Das Vorgehen wurde eingeleitet durch Scharen ara­bisch e r e i t e r, die unter den dunklen Uniformen der Türken durch ihre weißen Mäntel hervorstachen. Diese Reiter warfen sich mit großer Wucht gegen die italienischen Linien, wurden aber durch bie Gewehrfalven der Italiener aufgehalten und mit Verlust zurückgetrieben. Zur selben Zeit griff die türkische reguläre Infanterie, gedeckt durch Mauern unb Gärten, auf ber anberen Seite an unb versuchte bie Italiener burch ein heftiges aber nicht sehr wirksames Feuer zurück­zutreiben. Wahrend dieses Kampses griffen Araber- trupp» aus der Oase, die sich hinter Bäumen ver­borgen hielten, an und gingen im Flankenangriff gegendieitalienifcheuLinienvor. Tie Italiener machten, ohne Verluste zu erleiden, auch gegen diese Seite durch ein schnelles Manöver Front, unb es gelang ihnen, einen 2eil der aufständischen Araber zu umzingeln und ihnen große Verluste beizuoringen.

Die Stimmung der italienischen Truppen ist sehr ge­hoben. Einige Verwundete weigerten sich, die Fcuerlmie zu verlassen, andere kehrten dahin zurück, nachdem sie ver­bunden worden waren. Nach Angabe einiger Gefangener betragen die Verluste der Türken 100 Tote und bedeutend mehr Verwundete. Tie StaHener erlitten keine schweren Verluste. Tie Feindseligkeiten der Araber, die sich in der Lase zerstreuten, hörten auch nach dem Kampf nicht auf. Man meldete während des ganzen Tages Gewehrfchüffe an verschiedenen Orten, man ver- haftete alle, bic mit der Waffe in der Hand angetroffen; wurden. Tie Zahl der Verhafteten beträgt un ae- fahr 3 0 0. Ein Erlaß setzt die Todesstrafe für alle bie» lenigcn fest, bie mit Waffen angetroffen werden.

R o m , 24. Oktober Eaneva telegraphierte heute morgen: Tie Nacht verlief ruhig, die gestrigen Verluste des 11. Berfaglicriregiments waren: zwei Offiziere tot und zehn verwundet. Der M a n n f ch a f t s - Verlust ist noch nicht fest gestellt. Vom 82. In­fanterieregiment wurde ein Offizier verwundet, vier Mann sind tot, zehn verwundet, vom 84. Insanteriereaiment sind zwei Mann verwundet, von der Festungsartillerie ist ein Mann verwundet, vom italienischenRoten Kreuz" sind zwei Mann verwundet. Ter Feind wurde mit beträcht­lichen Verlusten zurückgeschlagen, mehrere Araber, die sich gegen uns auflehnten, wurden erfchofsen. Von den zahl­reichen Berhafteteii werden einige vor das Kriegsgericht gestellt werden, die Übrigen mehrere hundert Mann lasse ich einschiffen.

den Kämpfen um Benghasi als übertrieben. Sie gibt die Verlu'te der Italiener in ben Kämpfen um Benghafi nn Toten unb Verwundeten auf 109 an.

Ter öftcrreichijche Mmislerpriisibent über bie TripoliSfrage.

Wien, 24. Okt. Bei Beginn bet Sitzung des Abgeord­netenhauses beantwortete ber Ministerprasibent Freiherr von Gautsch bie Anfrage betreffend ben Tripolis- konflikt. Er wies zunächst bie Versuche, ein Müglieb beS Kaiserhauses mit ben politischeii Parteikämpscn in Verdinbung zu bringen, aufs schärfste zurück. Sobann erklärte er unb zwar, wie er ausbrücklich betonte, im Einvernehmen mit bem Minister beS Aeußern: Tie italienisch-türkischen Differenzen beschäftigen bic Regierung schon feit längerer Zeit unb v eranlaß ten sie, solvohl in Konstantinopel wie in Rom ihre Bemühungen aufzubieten, bamit möglich st eine Trübung ber Beziehungen beider Reiche ver­mieden werde. Die italienische Regierung begründete ihr Interesse an Tripolitanien seit icher mit wirtschaftlichen Mo­menten. Es ist bedauerlich, daß die frühere türkische Regierung unseren rechtzeitigen Ratschlägen kein Verständnis cntgegenbrachte unb baß Italien seine Alliierten von seinen Absichten nicht von vornherein verstänbigte. Die- ist, wie wir wissen, auf eine freunbschaftliche Rück­sichtnahme ber italienischen Regierung aut ihre feerbünbeten zurückzuführen. Auch war von Anfang an zu erkennen, baß das Königreich keineswegs gewillt gewesen wäre, eine frembe Vermittlung vor Ausbruch ber Feinbieligkeiten zu­zulassen. Es ist selbstverstänblich, daß bie Politik Oesterreich- Ungarns ihr Hauptgewicht aus bie Einschränkung bc5 Kriegstheaters legen mußte. In bieser Hinsicht gab bie italienische Regierung von Anbeginn ihrer Aktion ihre Disposi­tionen in unzweibeutiger Weise, indem sie ihren Entschluß bekannt­gab, alles vermeiden zu wollen, was eine unerwünschte Rückwirkung ihres Unternehmens aus den Balkan auszuüben imstande wäre und die türkischen Küsten des Adriatischen und Jonischen Meeres von kriegerischen Operationen auszuschließen. Wir haben allen Grund, diesen Entschluß der mit uns befreundeten unb alliierten italienischen Regierung als burchaus ernst unb loyal aufzufassen,

Tas Haus setzte hierauf bie Aussprache über die Regierungs-. Vorlage betreffend die italienische Rechtssakultät fort.

Im ungarischen Abgeordnetenhause erteilte der Ministerpräsident auf die Anfrage des Grafen Apponyr dieselbe Antwort, bie ber österreichische Ministerpräsibent gegeben hat.