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20.9.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 221

Erstes Blatt

I6(. Jahrgang

Mittwoch, 20. September 19(1'

Gietzener Anzeiger

Ter Oletzenei Knzekge, erscheini täglich, ouyer Louniags. - Beilagen: i, Cimat wöcheurilch OtchenerKomitiendlStter, . Lrii ialiDÖckeiul.Krets- blatt für öen Kreislefecn tlicuctag unboieiloc ; remial monatl. taub uirt|d?a|lli(bt Seilfragei rtmipred) - Anschlüfie fui bu Dlebaftioii 112, 9

TLV General-Anzeiger für Vberhesten ^"teT^aJeiü!!S Rotaffonsörud und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch. und SteiNÖrnderei R. tauge. ReöaftioK, LrpedMon und Vndereh Zchulpraße 7. t-i» Donmiuqä u Uhr. vüdinzrn: Fernsprecher Nr. 50 OeschSflrstelle vahnhofftratze l-L.

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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Vie Reichsiagserlahwahi in Düffel-orf.

Düsseldorf, 19. Sept. Bei der heutigen ReichStagsersatzwahl für den verstorbenen Amt» gcrichtsrat Kirsch erhielten Haberland (Soz.) 33 812, Dr. Friedrich (Zentr.) 29 076, Herkenrath (nat. Bei ctnigung) 3138, Dr. Breitscheid demotrat. Bereinig 3510 und Chociszewski iPole> 271 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen Haberland und Dr. Fried rich statt.

Ls sind diesmal nur 69 807 Stimmen abgegeben worden, wahrend bei-der Wahl im Jahre 1907 <0 18h gültige Stimmzettel gezahlt wurden Dabei ist die Zahl dec wahlberechtigten um rund 18 000 gestiegen! Im Jahre 1907 hatte der Zentrumsadgeordnete rdirsch bei der ersten Wahl 29 259 Stimmen auf sich vereinigt Ter Sozial dcmokrat hatte 25'189 erhalten, der natiomilliberalc Mnn- oibat 14 664, der freisinnige 593, der Pole 268. Bei der Stichwahl siegte »tirsch mit 33 317 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 25233 Stimmen erhielt.

Der Sozialdemokrat hat also bei der diesmaligen Haupt- mahl über 8000 Stimmen mehr als das leytc Mat erhalten, die jentrumSftünmen haben um etwa 200 Stimmen ab genommen. Wie die hauptsächlich noch in Frage kommen den Nationalliberalen gestimmt haben, ist bei der Zunahme der Wahlberechtiaten raunt festzustellen: sie hatten keinen Kandidaten aufgestellt und wohl zum größten Teil Stimm­enthaltung geübt. Das Steigen der roten Flut infolge unserer politischen iLerhaltniise ist auch diesmal wieder bewiesen worden. Wenn die demokratische .Kandidatur Breitscheid nicht aufgestellt worden wäre, hätte der Sozial- demotrat heute schon gesiegt. 2luf das Ergebnis der bevor­stehenden Stichwahl aber wird man gespannt sein dürfen.

Die Berliner Morgen blätter äußern sich bereits über den Ausgang der Reichstagsersapwahl in Tüsseldorf:

TieBosfische Zeitung" schreibt:

Der Wahlkamvi in Düsseldorf ist bemerkenswert, weil die Nationalliberalcu, tun ihre Kräfte tut die Hauptschlacht im Iinimr iu schonen, aus die Aufstellung eines Kandidaten, wie au eine Wahlbeteiligung übet bannt, verzichteten und die Wahlkreisleitung der Fortschrittlichen Volkspartci zur Wahl des Sozialdemokraten im ersten Wahlgang aufforderte, da dieser idjon den Eharakter einer Stichwahl trage Der Versuch der Denioiratischen Bereinigung, aus diesen Verhältnissen Vorteil für sich zu ziehen, Hai nicht viel Erfolg gehabt. Die Demokratische Bereinigung Hal vielmehr dem Zentrum gewitzt, denn hätte diese Pailei, ivie es doch ohnehin von vornehereul ihre Absicht lür die Stichwahl Ivar, für oic Wahl bei Sozialdemokraten gewirkt, so wäre eine Stich wähl gestern überhaupt timineten und tue Niederlage des Zentrum-, im ersten Wahlgang herbeigeiührt worden.

DerBo rwärts":

Die Sozialdemokratie hat diesntal 8423 Stimmen mehr c: halten als bei der letzten Wahl. Unter diesem Stimmenzuw.ichs dürfte sich freilich eine erhebliche Anzahl nationalliberaler Stimmen befinden. Daß die Nationalliberalen zum Teil für den Sozialdemokraten eingetreten sind, dar wohl daraus zurüttge stihrt werden, daß der Zentrumslandidat Dr. Friedrich noch kurz vor der Wahl die ioanfabünteer vor den .'ijpr gestoßen hat Lr hat es nämlich in der letzten Stund- kategori'ch abgeirdm, dem öansabmid irgend eine idinnliche Erklärung ui geben.

DieDeutsche Tageszeitung":

Es find, wie man aus dem Vergeben teS tzansabundeo gegen den Zentmmskandrdaten ganz natürlich folgern muß, die stimmen der Hanfabündler, die dem Sozialdemokraten zu seinem Erfolg verhalfen. Der dansadund bat sich also sowohl nach seiner Parole, wie nach dem Erfolg auch hier wieder als der beste ccbritt- macber der Sozialdemokratie erwiesen.

DieTägliche Rundschau":

Diele Wahl spiegelt alle- Trübe, Verworrene, Gedrückte dieser Tage wieder. Du sozialdemokratischen Stimmen haben gewaltig Angenommen. Bei der letzten Wahl waren e* 25 389, diesmal und es, offenbar untn Mithilfe der Fortschrittlichen und unter dem Zuströmen der Mitläufer, 33 812 geworden. Der Weg bei oer Shrtiioabl ist den bürgerlichen Patteien auch diesmal vor- gezeicknet. Jetzt müssen alle Berdrosscnen betau». Der Zentrums - kandidat als der bürgerliche Vertreter muß zum Siege geführt werden.

Tas ,D a o e d l a 11":

Man wird önnehmen dürfen, daß in dem sozialdemokratischeu Zuwachs von 33 Prcnent ein gut Teil Linksliberaler Stimmen steckt, die im Jahre 1907 noch den National liberalen zu gute ge­kommen find, .vätten auch die demokratischen Stimmen gleich im ersten Wahlgang dem Souclbemotraten zugesübrt werden können, so wäre deiien 'Lieg bereits cittsckneden So bleibt als erfreuliches Ergebnis dieses erneu Wasfcittzanges die Tatsache, daß eine Vock»- bürg des Zentrums schwer erichüttert ist und daß die beste ^Ans- fiat vorhanden ist, iie bei Anspannung aller Kräfte im Stich­wahltag zu nehmen.

DieP o ft":

Daß der sozialdemokratische Kandidat diesmal eine beträcht­liche Sttmmemiinabme aus itdi vereinigt bat, nunnrt nicht wunder bei ber Zerrissen Heu und Berlietzung der bürgerlichen Parteien Ter Zuwackis von über 8000 Stimmen setzt sich einmal aus neuen .'Inhangern zusammen, davon aber auch aus fortschrittlichen Kreisen, da von einer eigenen ManbiDctur abgesehen wurde Bei der not' wendig inerbenbcn Stichivahl wird die Sozialdemokratie sicher ich mehr erhalten, da sie bei ihrer stranen Organisation schon alle Wähler auf die Beine gebracht haben werd Der iozialdcmolratische Kandidat kann auch nur dann unterliegen, wenn die Wähler Tür den Zentrumskandi- baten tmtrcicn. Wir erwarten, das; dieser als das kleinere liebet am das Nacickrücklichste unterstützi werden wird.

Abg. vassermann über Marokko.

Zit Osnabrück hat am letzten Sonntag eine schon kurz erwähnte, große nationailibcralc Verfammlung statt- gefunden, lucldn eine besondere Dcdeulung bnrd) die Teil- nähme der Reick'stagsabgg. Dasserrnann, Dr. Arning und Wachhorft de Wente erhielt. Tie Ausführungen Basser- inanns über die Marottopolttik ivoUcn wir noch etwas aus- führlicbcr mitteilen. Nach derNatt, ilorrefp." sagte er:

Wir haben in diesen Zähren unsere Friedensliebe gar ost big zum lleberbrut betont und mit Liebensimirdigkeiten gegen Franlreich und England nickst gespart. Wenn man nun heule den Laus der Dinge übernehl und auf das Verhalten Englands und Frankreichs in der Maroklofrage blickt, so kann man wohl sagen, daß mit einer Politik der Liebenswürdigkeiten nun­mehr enbgül i tg abgeschlossen werden konnte, und ich meine, man wird auch nicht der Meinung fein, daß ein so harter Staatsmann, wie Staatssekretär o. .st i oerl en-W a cht er, in feiner Marokkopolitik am Ende den Eedanken veriolgeu konnte, eine Bersöl iiung und Berbnlderung nut den Franzo en herbei^u- lühren. Für so naiv halte ich den Leiter der deutichen auswär­tigen Politit Nicht, daß er einem solchen Phantom nachiagen möchte. . Aber auf der anderen Seite muß man eines sagen: Leicht ist eine energische Politik, wenn man auf das deutsche Volk hinichaut und auf die Stimmung der Patrioten im Lande, aus den ganzen tiefen sittlichen Ernst, der in dem denkenden Deutschen m dieser ganzen Phase der Marokkovolitik geherrscht hat Unser Volk bat erkannt, daß cs sich darum

handelt, dem Ausi'chalten Deutschlands an» den freien V>V tetc der Erde Einhalt zu gebieten Ein Land, das mit ein >o starken BevölkerungSiunabme zu rechnen bat, wie Deutschland, das bald zu einer Einwohner«ahl Don mehr als 8t' Millu'u^t fluffteigen wird, kann sich nicht damit begnügen, nur im Pater- lande einer Erwerbstätigkeil nachziigehen: bat- rnnw hinaus und seinen Schaiien#brana in wirtschaftlicher Betätigung in iermn Ländent stärken, muß m Wettbewerb treten nut allen Ländern der Welt und sich bewerben an den AuSlaiidsniärkteii Zn bet Erkenntnis der Situation ist das bnuidie Volk einig, unh aul dieser Erkenntnis heraus balwn wir dir Anmaßung Eng­land- zurückgewiesen. Die bürgerlichen Parteien i.nd in uatrio- tischem Empfinden in der Marokkofrage einig, die konservative Presse und auch die de» Zentrums haben 'ich in hinein Sinne ausgesprochen, und ich stelle mit Freuden feil, daß unsere Freunde von der Fortschrsttlichen Bolksvaitei m Nnrr Umsicht m allen Phasen der Marokkovolitik dieser Tage vollständig mit unS einig sind Wir sind weil davon entfernt, m frivoler Weise, wie uns wohl borgeroorfen wird, zum Teil anth aus dem Znlande von verblendeten Politikern, zum Stiege zu hetzen Zeder von uns ist wobt davon Überzeugt, daß cm Slrieg etwas Furchtbare» ist. jeher von uns muß die Hebetzengung Haben, daß etwas isttoßes bei einem Kriege auf dem Sviele lieb: Erwähnt feien z B die deutschen Kolonien und der vandel mit ihnen, der lieh ui den letzten Jahrzehnten angebahiti hat und bei tut da» Reich so notwendig ist. i-ewiß et Fennen wir alles da» an: Aber andererseits müssen rou lagen, Drohungen dürfen ein Volk wie das deutsche, das mächtig und stark, einig in patriotischem Empfinden dasteht, nicht schrecken, e» bart nicht zutückweichen vor ihnen, auch wenn sie anS Mmistermunde etivlgcn, nicht vor dem Maulheldentum eine* verrn Deleasiv, daS uns er­innert an nnc Renommisterei deS Zabtes 1870. Wir werden un­beirrt unfcrai Weg in bei auswärtigen Politik weiter gehen. Man hält uns vor, daß Bismarcks Politik eine andere gewesen sei. Bismarck hatte darauf hingeuelt, die Franzosen in Afrika tunlichst fest zu bmben, ihnen dort Weicgenbeit zu geben, auch zu kämpfen, und iie daburch abzuzteben von europäischen Streitigkeiten. Mittlerweile haben sich bie Tinge aber entwickelt, und man könnte in einer Aase sehr ivohl bie Frage aufwerfen, ob Bismarck noch berfclben Mannug in So ist z. B. batauf hinzuweifen, daß im Norden von Afrika ein neues großes Welt­reich franzöfifcher Nation entstein, m dem itnr ein unerfchöps-- liches Reservoir schwarzer Truppen sehen, die im Notfall auch in einem europäischem Äticgc verwendet werden können Angesichts dieser Tatsache ist es auch klar geworden, daß in allen derartigen Ländern der politische Einfluß entscheidet. Bn der Sntiendung des bcutlchen KriegSichiNes nach dein Süden von Marokko' waren wir der Meinung, daß dieses entivebcr bedeute, daß nunmehr Denlickland sein Stück von dem Lande verlangen iverde oder die Wiederherstellung der Asgccirasakte un Auge Halle. So würde es natürlich etn höchst bebauet lieber .1 u » gang fein, wenn zu den zwei Stücken Pamer, die wir in der Vllgeciia-»afir und in dem Ävbonunen von 1909 haben, noch einen dritten Fetzen Papier bekommen würden, der uns die Rechte, die wir schon haben, erneut verbürgt. Dann wäre es in der lat1 gescheiter gewesen, die Verhandlungen abzubrechen unb unser Schiff vor Agabtr zu lassen.

Abg. Dr. Arning, der die marokkanifcheii Verhält- nisse bekanntlich an £rt unb Stelle studiert hat, machte u. a. solgende tatsächliche Mitteilungen

lieber die Stimmung, die in Marokko herrscht, sei nur rin Erlebnis erwähnt, das ich in der Nähe oer Stabt Marrakesch hatte Als ich vor einem Brunnen stand, wurde meut Diener genagt: Ist der Mann einPruß? Als das bejaht wurde, konnte ich Wasser bekontmen. Mir ivutd. abei mugetcili, daß cm Franzose kein Wasser erhalten haben würde Eine ähnlich günstige Stim­mung sür die Deutschen nimmt man un ganzen Lande wahr Noch hoher gingen bie Wogen ber Begeisterung, al» bekannt wurde, baß kanischen Gewässer enrianbr hätten, lieber den Erzreichtum de» Landes habe ich zu lagen, daß meine Erwartungen bn iwitem iiberrroifen rouroen llcberrafcht haoat mich vor allem bi iu( lorbtntlidw Fruchlbiikeu und die Vorzüge ber klimani'chen Verhältnisse, die einer Ansiedlung

Ihurat und Napoleon.

In Her jüngsten Nummer ber PariserRevue" bringt fceir be Jarle Stucke au» der noch unveröffentlichten lorrcsponbenz zur Veröffentlichung, die Zoa d)im Murat al» König von Neapel mit feinem kaiserlichen i'trrn und Gebieter in Parts führte Tie mitgeteilten Stücke gehören in die Jahre 180b bi» 1812 und eröffnen einen sehr interessanten Einblick in das Berhaltu'.s zwischen dem Zmperator und seinem Vasallen. Es war kein gut.: Verhältnis. Murat, unter dessen Eigenschaften die Intelfeu bekanntlich eine große Rolle ioiclte, strebte von dem Augen­blicke an, da ihm durch die Gnade ^ines Herrn das Konigre,w Neapel verliehen worden war. dahin, sich bei feinem Volk' v: Dular zu machen und ihm die Lasten der militäriidh'ii Beiepung des Landes zu erleichtern. ?(ucb machte ihm bie .Hönigfvuk.et Vergnügen: er begrünbcie einen Crben, schul Vlbd5tuel unv. Dabei machte er aber seine Rechnung ohne Napoleon, ber in Murat nichts anderes haben und sehen wollte, als einen blinb gehorsamen Satrapen So bekam er denn aus .Pans lehanc Tinge zu Horen:das ist eine udcl angebrachte Anerei", xmty«. Napoleon in Bezug auf die von Murat neu gcidbahencn 'Adels- titel, unb seinen schönsten Erben beiber Sizilien lehnte er ein fach ab unter dem Vorwande, baß er ihn nicht als ber Ente erhalten habe. Die Briefe Napoleons an Murat wimmelten von den heftigsten 2ludfällcn und bittersten Vorwürfen, unb . man muß allerdings sagen, daß der Eäsar den König von leinen Gnaden ziemlich en Canaille behandelt hat

Wie sich Murat dazu verhielt, das zeigen die hier veröffent­lichten Briefe. Er soncht bann in pathetischen unb bewegten Worten feine Verzweiflung über bie Ungnabe aus, tn bie er bei Napoleon gefallen ist:Wie konnte es nur meinen jemben. Die noch mehr die Ihrigen find, gelingen, ein Jmtrument u zerbrechen, bai nie aufgebört hat. Ihnen treu zu bienen Unb welche--, ist mein Unrecht? Iw kenne es nicht, und man wirb kein anderes finden, als daß ich Sie wie einen Vater, wie einen Wohltäter liebe: bin ich nickt Ihre Kreatur, vshr scdmler, unb Sic nicht ber Urheber meiner Erhebung? . . . Ach' Lieber <;cb: mein Geickick unb mein Glück zu Grunde, und värc glänzende Lauibal-.n möge fick vollenden!" Verfidierungen bieier Art 1 euren in den Briefen immer wieder. Auf bie härteiten Vorwune bat Murat immer nur bie Versicherung tiefitcr Ergebenheit und voll­kommener EoferbersiN'chcut. Gelegentlich rüst er aus^ ..'.Xc.m:: Sie Ihr Königreich zurück und geben ci? mir ehre rcuiibdiaji triebe", denn ohne sic gibt es tüv mich lein Gluck. .Iber selbst ber Wurm trwnnu sich, wenn er getreten wird, und zu­

weilen entschlüpft auch Murat eine Art von Klage über das Per halten des Kaisers.Wie soll man uck betrage», mie regieren, Sire, wenn man bei icbem Schritte fürdueu muß angebalten zu ivcrben ober zu mißfallen? Ich bin weit davon entfernt, mtd) behagen zu wollen, b\c Klagen find nicht mehr zeitgemäß, mein Schickia! muß fid) vollenden: aber vielleicht hätte ich andere Emvstndungen erwarten dürfen."

In einer langen, nicht ungeschickten Denkschrift versucht Murat später sich gegen bie Anklagen, bie Napoleon gegen ihn erhebt, zu verteidigen, doch ist es ihm bis zur Abreise ins Feld im Jahre 1812 nicht mehr gelungen, Napoleons feindliche Stim­mung gegen ihn zu besiegen. Wie wegwerfend sein »tn ihn behandelt bat, daiür ist betontere ein Punkt bezeichnend Murat erwartete unb verlangte als König behandelt zu werten, aber Naooleon ließ den Briefwechsel nut »hm durch seine Minister führen, oder er überging oen König von Neapel überhaupt und ließ seine Willenskundgebungen von * einen Ministern an bie des Königsrciws Neavel direkt übermitteln. Tas kränkte Joachim Murat tief. Er war doch nun einmal König geworden und irollte es nun auch fein oder dock scheinen, aber für Napoleon blieb er immer einfach ein Genera! Tic Königskrone von^Neapel r;ar für den armen, glänzenden, citdn Seucrgeneral eine Dornen­krone : viel Freute ha: sie ihm nicht gebracht, und mit dem Verrate von 1814 unb dem traurigen Ente Joachim Murats kam feine napolitanische Epifode zu einem tragischen Abschlüsse.

Bismarck unb derElfer". Dir lesen in der Rhein -Westf. Zeitung: T,e Erinnerung an denEtter Kometen- wein", ten Wein des Kometeniahres 1811, ist in bieten Wochen wieder besonders lebendig geworden, und gerne vergleicht man icinc Güte m;t den Aussichten, die ter heurige Wein allen Freunden ves Rebern'ancs lieret. Ost ist batet auch barauf bingcroiften worden, bcß Goethe dem berühmtesten Seine deS iergangenen Iabrt,under:s in dem Scheulenbuchc tes tvcnöiuichen Twans ein etrizcs Denkmal gesetzt bat, dort, wo er von dem Br>nier des Weines treunblicbe Mienen fordert, damit sich ihm der Etter tm Glat'e nickt trübe Weniger bekannt dürste Dagegen fein, daß ter Komcienwstn auck eine biston'cke ironncn Hat und daß Bismarck zu feinem^ Lobe einst Worte hoher Anerkennung sprach. Es war im Juli 1878, als ter Berliner Kongreß, dem die Neugestaltung ter Verba misse aut her BalkanHalbinscl oblag, seine Arbeiten io ront geiorxri baue, haß die schwierige Au gave als volttnd^t er d einen tonnte Bis­marck enipiand eine liest- Genugtuung übe: tes Wert, das den ^uropäiichei'. Frieden idicrn sollte und ,Hn auch latsawlich ge­sichert ha:. Denn Der Krieg zwischen Griechenland und ter Türkei

hat den Charakter eines totalen Zusammenstoßes niemals ver­loren. Nach der llnterzcchming bei Kongreßakie lud ter Kanzler Die Abgesandten der Mächte zu festlichem Mahle ut bie Räume bcs Rcichvkanzlerpalais, und ließ gegt.i Ende Der laicl einige Flaschen bes in iein cm Mellern lagcrnoen, bereits 67iährigen ,'tometenroeine» herautholen und innen Gasten kredenze» Einen vollen Römer in der vand, in dem oer nrtgolbenc Trank des Johannisberg am Rhein glanzte, sprach Bismarck nur ivtnige aoer cindrucksvolle Worte, in eenen er da» Gold tes Anne-- mit der ehrlichen Arbeit verglich, die von dem Kongreß während der letzten Wochen geleistet .oorten war: Dann leerte er fern Glas auf den dauernden Volkcrfrieden und das wachsende Ver- stäiidniS ter europäischen Völker untereuianbfi Einer ber Teil­nehmer an jenem Mahle, ter Damalige Leaalwu-rat uno spätere Gesandte Bulch, betonte wiederholt mt Prwatge<präd' bie ime Wirkung ter Sorte Siemarde unb rügte hinzu, daß e rElfer" m gcratezu weihevoller Stimmung getrunfen wordenei.

AuS der MünchenerFügend" Zn eii:,*nt größeren Lrt der Pfalz in Tabakfelterreviuon. Em Steuer» revii'orvon drüben" behautgt gemein'chattlicv mit den Pttanzern bie vestcllten Äecker. Plotzlick bleibt er vor tinrm "irunbiucf i'vehen und sagt:To 'ckau her, bot iS g reiner T a ba k!" vieraur allgemeines Schmunzeln den um't.bentrni Bauer,i; einer melde: fid?; ,/tfchuldigcn, Derr Znfchbckdci, des äch ta Tuwak, tes find Dickricwe. Ter verr Reruoi 'ckütittr ungläubig den Kopf, muß sich aber an ter Beschauen Heu der Wurzeln doch von oer Wahrheit tes Gesagten überzeuge» Nach kurzem Bedenken spricht er:Aba oös wann fa Drckwurzeln warn, naeba wärs ganz gwn» Tabak'" Ein älterer »m trifft auf einem Vohttätigkrm-ba ai Die geschiedene ,"vrau ines Be­kannten, deren ettvas lockerer Leben-w^ntel den flnlal; ut Sckii- düng gegeben hatte. «Fetzt verlauft sie mit ianfiem Augcnauffchlas rrommc Traktätchen. Gan; erstaun: stagt er st:Nanu, grätige Frau, was machen Siebten» h.ci?Ach!" >a': mit ihrer

Unschuldsmiene,£>crr S.. ;d> 1 ;b jmeinen vcuai C gejunot»." Darauf er:Wie heiß: er denn?" KurzliL« -viittc ich zu Bcuä) bei meinem Schrragci Wir faßen gerate bei T: ch. Am Dimmcl stand ein Gewittc. Klein F : i h ch e u wollte feine Suppe nicht essen. Ta fiel Der erste Tomiestml igSieyst du," tagte Mama zu Frischen,oer rnrnnclpcvn ölst, ; I Du Derne Supvc nicht ißt " Ü6nängft.t nahm rer m m Löffel und Den Teller leer Nach Tnck mußte Fri^mr.

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