Ausgabe 
17.2.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

sowie die z. Z. im Vordergrund des Fragen, welche am 3. März auf der im Reichsamt des Innern zu Berlin geben allein schon dem diesjährigen

dingungSwesen, Interesses stehenden Handwerkerkonferenz verhandelt werden, Handwerkertag eine

SSenvbctnfi, Redakteur Becker (Berlin) und Hoffmann Seligenstadt) als Kandidaten für die nächste Neichstagswahl in Vorschlag gebracht. Von dieser Kandidatenliste, von der ver­schiedene freiwillig ansscheiden dürften, soll irr einer nach etwa vier Wochen statt findenden Versammlung der zur Aufstellung gelangende Kandidat bestimmt werden.

besondere Bedeutung. Die Vorarbeiten sind im vollen Gange.

Deutsches Reich.

In der B u n d e s r a t s s i tz u n g am Donnerstag wurde die Vorlage betreffend die Grundsätze für die Fest­setzung der Beteiligungsziffern der Kaliwerks- L esitz er den zustärrdigen Ausschüssen überwiesen.

Der frühere Reichstagsabgeordnete E ck i n g c r (Zen­trum) ist in Englmar bei Straßburg gestorben.

Von der Aufstellung einer eigenen Kandidatur hat der Bund der Landwirte vorerst noch Abstand genommen. Die konservative Partei, die ebenfalls um Unterstützung der nationalliberalen Kandidatur ersucht worden ist, will erst Verhandlungen mit den Nationalliberalen pflegen, doch neigt man der .Ansicht zu, daß sie einen eigenen Kandi­daten aufstellen werden, der die Unterstützung des Bundes der Landwirte finde?: wird.

Aus .Hanau wird uns berichtet: Eine am 16. d. M. hier abgehaltene Vertrauensmännerversammlung des Bun­des der Landwirte für den Reichstagswahl- kreis Hanau-Gelnhausen-Orb hat zu den bevor­stehenden Reichstagswahlen Stellung genommen und fol­gende Entschließung gefaßt:

Die Vertrauensmärinerversammlung tritt dem Be­schlüsse der am 4. d. M. in Frankfurt a. M. abgehaltenen Versammlung Mer Landes-, Provinzial- und Wahl- kreisvorsitzenden der südwestdeutfchcn Abteilungen des Bundes der Landwirte bei und lehnt demzufolge die Unterstützung der von dec N a t i o n a l l i b c r a l c n P a r- tei ohne vorherige Fühlungnahme mit den Mitgliedern des Bundes Landwirte aufgestellte Kandidatur des Bau­rats Wohlfahrt ab, weil dieser Kandidat die ihm von dem Wahlkreisvorsitzenden des Bundes der Land­wirte vorgelegten Fragen bezüglich seiner wirtschafts­politischen Stellungnahme verneinend beantwortet hat.

Aus Münster (Westfalen) wird gemeldet: Ober- Präsident Freiherr von der Recke ist gestorben.

Bei den Gemeinderatswahlcn in Gera wur­den sämtliche Kandidaten der Sozialdemokratie gewählt. Die Sozialdemokraten haben zwei Drittel der Stimmen im Gemeinderat.

bannung auf eine der französischen Inseln der Südsee geschickten, Vaters trat er ,üt das 2. algerische Fremdenregiment ein. Er brachte es hier zunr Sergeanten. Dann gefiel cs ihm dort nicht mehr imd er ging nach Paris. Mit seinen wenigen Ersparnisse?: war es hier bald Mathäi am letzten. Kümmerlich schlug er sich dann als Türsteher eines Tingeltangels von Montmartre durch, wofür er, mit herkulischer Kraft begabt, der idealeHausknecht aus Nubierland" war. Keiner warf so ruhig mrd sicher die übermütigen, unbequemen Gäste zur Tür hinaus als er. Das war es, wie es scheint, auch, was die Aufmerksamkeit der städtischen Polizeibehörde auf ihn lenkte mrd sie bewog, den Sultansohn nnt einem seinen Fähigkeiten entsprechenden bessern Posten zu bedeuten, für den er auch eine schmucke, zu seiner schroarzen Haut in ihrer mattgelben Farbe vortrefflich ftcijenbc Uniform anzulegen hat. Prinz Unibalo soll darob so zufrieden und stolz sein, daß er den ernstlichen Gedanken gefaßt hat, sich sofort auch ;etzt nach einer Lebensgefährtin mnzuschen. Eine hübsche Genmsehandlenn soll die Auserwählte sein. Man darf daraus schließm, daß die blutgierigen Genüsse seines Vaters in ihm glücklicherweise keine ataviltischm Neigungen ähnlicher Art hinter­lassen haben.

König Oedipus im Albert Schumann-Thea­ter zu Frankfurt. Wie uns von der Direktion des Albert Schumann-Tl)eaters in Frankfurt mitgeteilt wird, steht es nun­mehr fest, daß nur 3 Aufführungen desKönig Oedipus" unter Leitung von Professor M a x R e i n h a r d vom Dentsck-en Theater m Berlin tn den ersten Tagen des Monats Mai stattfinden.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Der hervorragende Wiener Kinderarzt mid Vorstand der dortigen Unwersitätskinderklinik, Hofrat Professor Dr. Theodor Esche - rrch ist einem Herz schlage erlegen. Professor Escherich hat tnrr em Alter von 54 Jahren erreicht. Er litt seit einigen Jahren an Verkalkung der Arterien. Der Gelehrte hatte sich zuerst üi München als Dozent für Kinderheilkunde habilitiert und kam dann nad? Graz, von wo er int Jahre 1902 als Nachfolger Wider- hofers an die Wiener Universität berufen wurde. Henry Rouion, ständiger Sekretär der schönen Künste, und der Av- geordnete Denys Cochin wurden zu Mitgliedern der Akademie p-ranyaise gewählt. Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft be­schloß wegen der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden im .Mai in Hellerau bei Dresden zu tagen.

beeinflußt hätten; das vorhergehende Jahr habe eine er­freuliche Besserung gebracht, die ihren Ausdruck in dem Ausgleich der Jahresrechnung zeige. Bei der Wichtigkeit der Flußbäder für die Volksgesundheit könne nicht genug auf den Verein aufmerksam gemacht und Mitglieder ge­worben werden, umsomehr, da der Beitrag gering und für jeden erschwinglich sei. Der Kassenbericht besaote wesentliche Besserung im letzten Jahre und ließ erkennen, daß die in vorjähriger Hauptversammlung besprochenen Maßnahmen dem Verein zum Vorteil gereichten. Nach Bericht des Revisors wurde der Geschäfts- wie Kassenbericht für gut befunden. Die Vorstandswahl erledigte sich durch Wieder- und Neuwahl eines Mitgliedes. UnterVerschie­denes" ward ein Antrag angenommen, wonach die hiesige Lehranstalten besuchenden Schüler, deren Väter nicht Mit­glieder find, gegen einen Jahresbeitrag von 2 Mark die außerordentliche Mitgliedschaft erwerben können. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsch, daß der Verein, der 75 Jahre so manchem Heilung gebracht und so manchem Gesundheit und Frohsinn erhalten habe weiter blühen und gedeihen möge.

- Probe-Alarmierung. Der in Gießen stationierte Hilfszug wurde gestern abend von einigen Mitgliedern der Kgl. Elsenbahndirektion Frankfurt a. M. zur Probe alarmiert und nach Lollar befohlen. Um 7 Uhr 10 Min. traf das Telegramm hier ein, 30 Minuten später fuhr der Hilfszug, bestehend aus Lokomotive, Arztwagen, Hilfsgeräte-, sowie einem Mannschaftswagen, ab. Mit dem Zuge fuhren zwei höhere technische Beamte, der Bahnarzt Sanitätsrat Dr. Zinßer, eine Anzahl im Sanitätsdienst ausgebildete Eisenbahnbedienllete, sowie einige Werkstättenarbeiter, letztere als Aufräumungs­mannschaften, nach Lollar. Dort wurden Uebungen im Ein- und Ausladen, sowie im Verbinden von Verletzten ausgeführt. Die Vertreter der Eisenbahndirektion sprachen sich befriedigt über das rasche Eintreffen des Hilfszuges, sowie das sichere und gewandte Ausführen der Sanitätsübungen aus.

** Ausstellung der hessischen Privat ar chitek- ten in Gietzen. Der irn Jahre 1910 gegründete Verband Hess. Privatarchitekten hält seinen diesjährigen Verbandstag in Gießen av. Damit verbunden ist eine Ausstellung von Zeichnungen, Modellen, Kunstgewerblichen Gegenständen, sowie Zimmereinrichtungen. Da Gießen bis jetzt noch fein geeignetes Ausstellungshaus für die bübenöe Kunst und das Kunstgewerbe besitzt, hat Herr Oberbürgermeister Mecum, in richtiger Erkennt­nis des Bildungswertes einer solchen Ausstellung, den rechten Flügel der ehemaligen alten Klinik zur Verfügung gestellt.

** Wegen des eingetretenen T Unwetters, das auch im Gebirge starte Regensälle gebracht hat, muß der Schikursus auf dem Hoherodskopf vorläufig um 8 Tage verschoben werden.

"Verhaftet wurde der Bauunternehmer B. von Rieder-Weisel wegen Wechselfälschung. B. hat auch Hier in Gießen einige Neubauten ausgeführt und noch ver­schiedene Bauplätze erworben.

** Maul- und Klauenseuche. Neue Aus­brüche der Seuche find gemeldet aus Charlottenhof, Meck- lenburg^Strelitz. uni> Maichingen, Württemberg.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 15. Febr. Auf dem Schulhofe brach heute ein ILjähriger Schüler den Arm; die neue Sanitätskolonne trat dabei zum ersten Male in Tätigkeit.

----- Großen-Linden, 16. Febr. Die Oberpostdirek­tion in Darmstadt hat nunmehr die Einrichtung des O r t s - ernsprechnetzes in Großen-Lüiden genehmigt. Mit der Einrichtung des Netzes wird demnächst begonnen werden.

Harbach, 16. Febr. Bei der Jagdverpachtuug wurden 1050 Mark erzielt. Den Zuschlag erhielt Guts­besitzer Klemm in Winnerod. Der seitherige Pachtbetraa betrug 755 Mark.

Kreis Alsfeld.

§ Rupperten rod, 16. Febr. Zu einem schönere Akte gestaltete sich die gestrige Schluß fei er des hiesigen Kursus der Kreis-Wand er-H aus Haltung sfchule. Kreisrat Dr. Heinrichs eröffnete den theoretischen Teil der Abschiedsfeier, der im Schulhause stattfand, mit dem Hin­weis, daß dieser Kursus der sechste seit Gründung der Haushaltungsschule im Kreise sei und daß bereits 750 Schülerinnen in dieser ihre Ausbildung gefunden. Er be­tonte die Wichtigkeit des theoretischen Tetls der Ausbil­dung, der, entgegen dem Anstoß, den man vereinzelt da­von nehme, von wichst: zu untersch^ender Bedeutung für )ie Ausbildung des Denkens der .Ächülerinnen sei. Nun begann durck) die Lehrerin, Fräulein Hölzer, die Prüfung >er .Schülerinnen. Die Schlagfertigkeit der Antworten, die Sprachfertigkeit der Schülerinnen auf dem nicht leichten Gebiet der Ernährung mit ihrer prozentualen Einheit er» regten die ungeteilte Bewunderung der zahlreichen Zu-

2luslanfc.

Im englischen Unterhaus stellte Viscount Wo l- nter (Unionist) an Sir Edward Grey die Anfrage, ob er sich über die Ansicht der britischen Regierung über die geplante Befestigung Vlissingens äußern wolle und ob die bestehenden Verträge Großbritannien das Recht zur Intervention in dieser Frage gäben. Sir Grey er­widerte, die Darlegung der Anficht der britischen Regie­rung über die von einer fremden Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Beifestigung ihrer Landesgrenze scheine chm nicht verlangt zu sein, insoweit diese Maßnahmen rein defensiver Natur seien. Wenn dagegen vorkommenden­falls irgend welche Vertragsrechte oder Verpflichtungen davon berührt würden, würde die Frage zu einer freund­lichen Erörterung zwischen den Parteien des Ver­trages kommen, bevor irgend eine von ihnen ihre Mei­nung ausdrückte.

Aus Petersburg wird gemeldet: Am Donnerstag morgen wurde die Polizei aus den Jnnenräumen der Universität zurückgezogen und vor den Eingängen und den Seitenfluren aufgestellt. Die Erregung der Stu­denten dauert a.n. Sie störten die Vorlesungen, selbst die des Rektors. Zu diesem Zweck gossen sie in den Hör- sälen für orientalische Wissenschaften übelriechende Chemi­kalien aus. Darauf drang die Polizei wieder in die Uni­versität ein und v er haftete etwa 20 Hörer, die zur Polizeiwache gebracht wurden. Die Studenten erklärten, sie würden sich nicht eher beruhigen, als bis die verhafteten Kommilitonen freigelassen würden. Ein Professor wurde von den Studenten gewaltsam aus dem Hörfaal des Uni- versitätsgebäudes entfernt. Acht Professoren und 22 Privatdozenten der Universität ht Moskau reichten ihr Abschiedsgesuch ein.

Kardinal Ramp olla soll an Influenza schwer er­krankt fein. Sei Zustand gebe zu Besorgnissen Anlaß. Der Papst, der auch leicht erkrankt war, ist aus dem Wege der Besserung.

Aus Oporto wird gemeldet: Nach Schluß einer Katholikenversammlung wurden die Teilnehmer beim Verlassen des Saales von einer Gruppe Manifestanten ausgepsiffen und verfolgt. Ein Katholik, der einen Manifestanten durch einen Revolver schuß verwundete, gegen feinen amerikanischen Unternehmer eine SchadenersatzklagV uu. Nach dem seinerzeit geschlossenen Vertrage sollte MaScagni sem Wert tn 'Amerika selbst dirigieren unb zwar sowohl in Newyort rote in allen großen nordarnerikanischeii Städten, die ber einer genau wstgesetzten Reife besucht iveroen sollten. In lemer Eigenschaft als Komponist und als Dirigent sollle Mascagni dafür em Gehalt von 80 000 Mark im Monat beziehen, während der Unternehmer für alle Reisekosten und für den Unterhalt!

^Ttonunen mußte. Außerdem waren dem Komponisten

M0 Mark für die Leitung von Konzerten garantiert. Mascagni beschnUngt leuieat Unternehmer nun, den Vertrag ohne Grund gerochen zu haben und beansprucht vollen Ersatz des Schadens. Die Klage wird bereits tn diesen Tagen vor den Mailänder Gerichten zur Verhandlung kommen.

Eine außergewöhnliche Operation. Einen Word, an Unerichrockenl-ett und Nervenkraft hat dieser Tage ein 26 lahrrger rumänischer Arzt, Al^ander Fzaieon, in Paris voll- brW: er hat an sich selbst eine schwere Operation vorgenommen. Fzaieon hat ein neues Anästhetikum erfunden, dessen schmerz- bttaubeiide Wirkung er mit dem komplizierten NamenRachi- strychno-stovansiation bezeichnet. Dieses Anästhetikum läßt dem PMicnten sem völliges klares Bewußtsein, beseitigt aber alle Schmmzempsindlichlell. Diese Emdeckung bildet die Grundlage einer wiltzrichaftlichen Arbeit, die der Rumäne bei seiner rnedi- ätnildjen AbMußprüfung, der er sich in einigen Wochen unter- aieben wird, v-orlegen will. UiUerdesscn aber hat er die Wirk­samkeit seines Anästhetikums in einer einzigartigen Form, nämlich an sich selbst, erprobt Fzaieon hatte feit einiger Zeit ein Bruch- leiben, das immer schlimmer wurde und notwendig operiert wer­den mußte Er beschloß, diese Operation selbst an sich vorzu­nehmen und dabei sein neues Schmerzbetäubungsmittel zu er» p^ben Adit kaltblütiger Ruhe wandte er das Anästhetikum an, letzte sich dann aus den Operationstisch, nahm sicher und ohne das

k 01 i)er Erregung die Operation an sich vor, nähte

9<1?0 Mlut *u öctL ~ic Operation dauerte SJt m?16 kclbeniat des jungen Mediziners, der sich

völliger Genesung befindet, macht in Paris großes Aufsehen und ist das Tagesgespräch.

~Äuf?hT C1 1L'n Gesetz entdeckte. Wie Kepler orzacht der Astronom Bigourdan in der bCL Naturwisscnschafteil. Zachst topUte Kepler Geistlicher werden, wurde aber von diesem Berus

** Zur Reichs tags Wahl. Das heutige Kreisblatt enthält die Einteilung der Wahlbezirke sür die Stadt Gießen. Der Termin für die Einsichtnahme der Wähler­listen läuft heute ab.

** Wegen der Stempelabgabe für Luxus­wagen und Luxusreitpferde verweisen wir auf die Bekanntmachung im heutigen Kreisblatt.

** Drei größere Ausstellungen finden dieses Jahr hier statt: am 12. und 13. März die Landesaus­stellung der hessischen Geflügelzuchtvereine, im Juli die 50. Jubiläumsausstellung des Oberhessischen Biencnzüchterverbandes und Ende September eine große Kr eis ausst ellung für Viehzucht, Ackerbau und Obstbau

** Männer-Badeverein. Die ordentl. Haupt- Versammlung sand am 15. Februar in der Brauerei Förtsch" statt. Dem vom Vorsitzenden Buchbinder Hoos erstatteten Jahresbericht entnehmen wir, daß der Verein in diesem Jahre fein 75jähriges Bestehen feiern kann, da er 1836 begründet wurde. Die letzten Jahve seien dem Ver­ein nicht förderlich gewesen, da die Witterung wie auch sonstige Umstände die Entwickelung des Vereins ungünstig zurückgewiesen und widmete sich nunmehr dem Studium der ^Rathematik. Er war darin so erfolgreich, daß er schon im Alter von 23 Jahren, im Jahre 1594, als Professor dieser Wissenschaft nach Gvaz berufen wurde. Da er Protestant war, wurde er nach fünf Jahren aus Steiermark vertrieben und begab sich nach Prag, wo er eine Stellung unter der Leitung des damals dort wirkenden Tycho Brahe übernahm. Tychv war bekanntlich der letzte Ver­treter eines Weltsystems, das die Erde in den Mittelpunkt setzte. Kepler teilte begreiflicherweise zunächst seine Ansicht, entdeckta aber bald UnftimmigfeiteiL Mehrere Jahre verwandte er darauf, die überaus staunenswert genauen Beobachtungen von Tycho Brahe mit den Bedingungen eines geozentrischen Weltsystems in Einklang zu bringen, aber er befreit immer einen Rest von 8 bis 9 Minuten, der chm viel zu groß erschien, um durch eine mangelnde Sorgfalt der Beobachtung erklärt zu werden. Es war vielleicht ein Glück für den Fortschritt der Wissenschaft, daß Tycho schon im Jahre 1601 starb, well sich nun Kepler durch keine ^Rücksicht mehr gebunden erachten konnte, in der Bahn der alten Anschau­ungen zu bleiben. Er versuchte es nun mit dem Kopernikanischen System und sah damit die bisherigen Schwierigkeiten gelöst. Diese Arbeiten führten chn dann bald zur Entdeckung der drei grund­legenden Gesetze, nach denen sich die Bewegungen der Himmels­körper vollziehen, und damll schuf er eine der größten Taten des menschlichen Geistes, die ihm einen Anspruch auf den Ehrentitel eines deutschen Newton gibt.

VomKronprinzenzumPolizei Wachtmeister. Hieronymus Jobs brachte es bekanntlich vom Kandidaten der Theologie zum diachtwächier. Seinem Lose sind wohl manche aridere Kcuididaten nicht der Theologie allein, sondern auch der Philologie, der Medizin und selbst der Juristerei gefolgt. Kaum einem aridem Menschen dürste aber das Schicksal schon so mll- gespiclt haben, daß er es vom Kronprinzen intb Erben eines großen ^eicl?es zum Polizeiwachtmeister brachte, obendrein noch vom Erben einer absoluten Krone zum Polizeibüttel einer Republik. -Jie stauzoi ucke Republik besitzt diesen einzigen Büttel, dem einst ein Thron wuckte und der jetzt froh ist, aus dem Stadtsäckel von *0*1= mit 300 Franken Gehall monatlich sein priuzliches Dasein als Pächter der Ordriung im 16. und 17. Stadtbezirk dem feinen, !ebenfalls mit Rücksicht auf seine ehemalige Würde für ihn aus­gepichten Passt) fristen zu rönnen. ES ist Prinz Siegle llnibalo, ter älteste euön bcs von Frankreich entthronten tiultand Behanzin von Dahiyney. Dach dem Tode seines beLmnllich in die Ver-

wurde geschlagen. Eine große Menge veranstaltete vor der Redaktion eines katholischen Blattes eine Kundgebung, wobei Rcvolverschüsse gewechselt wurden. Die Menge schlug dann die Türen zu dem Vcreinshaus der katholischen Arbeiter ein und zerbrach dort alles. Darauf zogen die Manifestanten durch die Straßen der Stadt. Die'Poli- zei ist machtlos. Der Zivilgouverneur gab seine Ent­lassung.

Nach Blättermeldungen aus Konstantinopel grif­fen die A u f st ä n d i s ch e n neuerdings A b h a an, wurden aber mit einem Verlust von 400 Toten zurück­geschlagen.

Aus Tanger kommt eine ernste Meldung: Die Er­regung bei den Zaers dauert an. 500 Reiter begeben sich zu den Nachbarstämmen, um 'diese zum Auf st and zu reizen. Der Kaid der Ben Buazza mußte fliehen mrd ftanzösifchen Schutz nachfuchen. Der Kaid der Alla wurde ausgeplündert unter dem Vorwmrd, daß er sich in das Lager von Boucherau begeben hätte. Der Han­delsverkehr zwischen Schuja und dem Gebiete der Zaers ist unterbrochen.

Aus Port Said wird gemeldet: Lebhafte Erregung herrscht hier über die Schändung europäischer Grabstätten. Eine Anzahl Gräber wurde geplündert.

Ans StaDt rind Land.

Gießen, 17. Februar 191L

** Tagcskalender für Freitag, 17. Februar. Stadt­theater: Gastspiel des Wiener Kunsllheaters: .Toppelselbslmord ' Anfang 8 Uhr. t

_ ** Lehrerpersonalien. U eb ertrag en wurde dem Schulanttsaspiranten Ludw. Philippi aus Wisselsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rixfeld. Erledigt ist die mit einem tat hol. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roden. Mll der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem kath. Pfarrer und dem Orts- voritand zu Ober-Roden, sowie dem Kreisrat zu Dieburg steht das Präsentationsrecht zu.

** Prüfung für das Finanzfach. Die schrift­liche Staatsprüfung für den höheren Finanzdienst findet am 5. April und an den folgenden Tagen statt. Gesuche um Zulassung zu der Prü,ung >ind bei der PrüfungSlömmission für den höheren Finanzdienst zu Darmstadt bis zum 20. März einzureichen.

** HL Hessischer Handwerkertag. Man schreibt uns: Wie sich jetzt schon sagen läßt, wird der Hand- werkertag in Mainz allem Anschein nach stark beschickt werden. Die Reichsgesetzgebung hat im Laufe der letzten Jahre zum Teil derart einschneidende Vorschriften gebracht, daß es natürlich ist, wenn weite Kreise des Handwerks an 'den in Mainz zur Beratung stehenden Fragen interessiert sind ünd ihre Vertreter entsenden. Bei der Hessischen Hand­werkskammer ist bereits neben anderen aus Gewecbeoereins- kreisen ein Antrag eingelaufen, der sich mit Bezug auf ein­heitliche Durchführung der Meisterprüfungen gegen die Be­strebungen wendet, die Gewerbeschulen mit Privilegien auszuslatlen, wie sie den Baugewerksehulen zugestanden sind. Auch die Handwerkskammer hat bekanntlich gegen diese Be­strebungen früher bereits Stellung genommen. Tas Ver-