Ausgabe 
16.3.1911 Erstes Blatt
 
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dieser Beziehung mit gutem Beispiel voran

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Brotteller, lackbretter, in, Kuchen- ollen, Putz- tter, Wasch- ihetrockner, . Auswahl

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2.20; durch weigslellen

Momente höck)ster seelischer Erregung habe ich daraus jenen harten Ausdruck ui nichtöffentlicher Sifrung geprägt.

Ich habe ihn schon längst als nicht gegen die nationalliberale Partei in ihrer- Gesamtheit und nickt gegen die Parteileitung im Gießener Woblkreüe gerichtet bezeichnet. Ich tue das.auch heute iwct'mals, betone aber zugleich, daß ich es war, der angegriffen: wurde und sich dann wehrte. Tamil ist die Sacke wohl endgültig erledigt. Angriff und Abwehr waren zu säxrrf und deshalb bedauerlich. Dr. F, Werner,

äußerste bekämpft werden. Die Antisemiten aber hätten gar kein Herz für das Volk, sie müsse man verabscheuen. Dabei stelle es sich immer mehr heraus, daß die Reichs- sinanzreform ein Schlag ins Wasser gewesen wäre. Statt der 500 Millionen Mark hole inan nur 300 Millionen aus dem Leibe des arbeitenden Volks heraus. Das sei auch

Eine Erklärung des vertu Dr. Werner.

Wir hatten gestern geschrieben, über das beleidigende Wort Dr. Werners von derSchurkenpartei" müsse Auf­klärung geschaffen werden. Heute erhalten wir von Dr. Werner mit der Bitte um Ausnahme folgende Erklärung:

1. Dem blinden .Haß, der aus jeder Heile des erstennational^ liberalen" Eingesandts spricht, schenke ich keine Beachtung. Da ist so viel Böswilligkeit unb absichtliches Mißverstehen zusammen - getragen, daß die Absicht gar zu deutlich erscheint.

2. Anders liegt die Sache bei dem zweiten Herrn Einsender, der ja schließlich nicht aus seiner Haut heraus kann, der aber ehrlick nach Verständigung und Einigung suckck. Dem stimme ich freudig zu. Erste Bedingung freilich ist, daß man begrabene Dinge ruhen läßt.

Wenn ick erst mit alten Dingen anrücke, dann werden wir überhaupt nicht fertig. Tann gibt ein Wort das andere, und eine Verständigung ist unmöglich. Ein bußenb Gründe hatte ich für mein scharfes Wort, das vor über vier Jahren siel. Einer davon war, daß ein Flugblatt der Liberalen in Gießen die deutsche Bewegung alsSchmach unseres Volkes" bezeichnete. In einem

Genoffe Eöhre in Gießen.

Die von der sozialdemokratischen Partei im Cafe LeiV zu Gießen einberufene öffentliche Wäblerversammlung war sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende eröffnete die Ver­sammlung mit einer kurzen Begründung der Einberufung und erteilte hierauf dem von der Versammlung lebhaft be­grüßten Reichstagsabgeordneten Paul Göhre das Wort. Ohne irgend welche neuen Gesichtspunkte hervorzukehren, oder auch nur hervorkehren zu können oder zu wollen, wie der Redner sich selbst ausdrückte, hält er dem schwarz- blauen Block die Sünden vor Augen, die dieser an dem deutschen Volke, in erster Linie an dem arbeitenden Teile, begangen hat. Die größte Sünde, bei der sich so recht die ge­meine Sinnesart des schwarz-blauen Blocks gezeigt habe, sei die Schaffung der Reichsfinanzreform mit ihren vielen in­direkten Steuern. Die ganze Tätigkeit dieser Ri ichstagsmehr- hcit sei darauf ausgcgangen, die Großgrundbesitzer und Jun-, ker zu schonen und zu bereichern, das arme Volk aber auszu­beuten. Es sei dies umso verwerflick>er, als diese Leute vor jeder Wahl das Versprechen abgegeben hätten, wenn neue Steuern nötig würden, so sollten sie auf die Schultest der Leistungsfähigsten abgeladen werden. Ihre Handlungsweise stehe damit im direkten Gegensatz. Tie Konservativen hätten ein Herz von Eisen und Stein, das mit ihnen verbündete!

Die Ztichwahlparole der notionaUiberalen Partei.

Gestern abend ist die Stichwahlparole der national- kberalen Partei endgültig festgelegt worden, und aus der heute uns zur Veröffentlichung übergebenen parteiamtlichen Kundgebung geht hervor, daß der Beschluß vom letzten Samstag nicht gültig war, da der Besprechung die Zu­ständigkeit mangelte. Die nationalliberale Partei des Wahl­kreises tritt in der Stichwahl für Dr. Werner, den Bürger» licheu Kandidaten, ein. Sie tut damit nichts anderes, als was auch von zahlreichen Parteiblättern draußen im Lande gefordert wurde, so z. B. von derOffenbacher ata.", die bekanntlich im scharfen Gegensatz zu derWormser Ecke" steht. Auch aus der Veröffentlichung der parteiamt­lichen Nationalliberalen Korrespondenz in Berlin war eine indirekte Aufforderung zu ersehen, für den bürgerlichen Kandidaten! qinzutreten. Es waren, auch bei den natio­nalliberalen Parteipolitikeru, freilich ernste und berechtigte Bedenken gegen den R a s s e n a n t i s e - mitismus in Herrn Werners Programm, die manchem

stand wird uns parteiamtlich folgendes mitgeteilt:

Am vergangenen Samstag fand im Hotel Kaiserhof in Gießen eine Vorbesprechung statt, an der einzelne Mitglieder des Wahlkreisvorstandes, des engeren und weiteren Vor­standes des nationalliberalen Vereins Gießen teilnahmen und bei der es sich um die Frage drehte, ob zur Beschluß­fassung Über die Stichwahlparole eine Vertrauensmänner­versammlung einberufen werden solle. Die am Samstag veranstaltete Besprechung konnte ein endgültiges Resultat nicht zeitigen mit Rüchicht auf den unterm 29. Januar 1911 gefaßten Beschluß der Vertrauensmännerversammlung, daß im Falle einer Stichwahl zwischen einem bürgerlichen Kandidaten und dem Sozialdemokraten der bürgerliche unter st ützt werden sol l".Mit Stimmenmehrheit," lo hieß es in diesem Beschluß weiter,wird angenommen, daß über diese Frage keineBertrauensmän nerve r--

sich mit anderen Empfindungen, die das Leben gibt, gar niM vergleichen läßt. Zwar regnete und schneite cs, als wir, von Pont-ä-Mousson kommend, bei Pagnh die deutsche Grenze über­schritten, und das neue Dentschlanb sah sehr traurig aus. Aber in uns war heller Jubel, denn uns stand das Wiedersehen des heißgeliebten Vaterlandes bevor, das Betreten der Heimat, deren Luft wir atmen müssen, um wirklich zu leben. Es war ein volles und reines Entzücken, da wir die Grenze bei Saarbrücken überschritten. Die Blicke der Begrüßenden, die Befriedigung, Freude und der Stolz, womit sie auf uns sahen das Herz ging einem auf unb manche Träne ber Freude floß aus unseren Augen. Unb von jetzt begann ein Fest der Heimkehr, viel schöner und gewaltiger, als int Jahre 1866, die getane Arbeit war auch schwerer unb grünblicher gewesen, tue Resulatc völliger. Welche Reden der neue Kaiser überall erhalten, das haben Sie wohl in den Zeitungen gelesen, aber was kein Blatt verkünden kann, das ist der Ausdruck, die stille ergreifende Sprache in den Ge­sichtern der tausend unb tausend Menschen, welche zwei Tage- fahrten lang überall am Wege standen, jeder voll von Hingabe und rührender Liebe und Dankbarkeit in Auge und Zügen. Den Kaiser suchte jeder, unb wenn sie ihn erkannt, bann wiesen sie mit ben Hänben nach ihm:Da, da ist er", freudestrahlend, mit feudrtem Blstk riefen sie ihr Hurra, warfen Hut und Mützen und grüßten mit den Tüchern. Der kleine Junge schwenkte die schwarz-weiß-rote Fahne, der Greis schwenkte mit dem Feuer des Jünglings den Hut, aber ihm flössen die Tranen in denl weißen Bart, er fühlte ganz anders, was erfüllt war. Und dies wiederholte sich an jeder Bahnsperre, an jedem Haltepunkt, auf jeder Station, uns schien das ganze deutsch.' Volk zum Gruß an die Bahn geeilt, auf ber wir so schnell dahinsausten. Es waren überall dieselben Grüße, und gerade in ihrer endlosen Wieder­holung erhoben sie Gemüt und Gedanken ganz unbeschreiblich. Wir fuhren dahin wie Selige, wie auf Engelsflügeln durch ein Reich des Glanzes und der Liebe getragen. In der gehobenen Seele erhielten alle Erlebnisse ber letzten Vergangenheit bie Klar­heit unb Lebenbigkeit sichtbarer Bilder. Neun Monate harter Stümpfe zogen durch den Sinn. Alles, was man in diesem Feld­züge erlebt und gelernt, die 'Menschen und ungeheure Verhältnisse, das Edle und Scheußliche, Freund und Feind, die Bundesgenossen in ihrer Bedeutung nb Schwäche, bas alles fuhr geisterhaft in wackcm Traume an bem inneren Auge vorüber, unzählig waren bie Gestalten, schmerzlos wurde auch bas Sorgenvolle, das man erlebt hatte, frei unb sicher schwebten bie Gedanken darüber. Und immer wieder hob neues Hurra, ber wehende Gruß, der feuchte Glan; glückseliger Blicke ber Landsleute am SSepe das EKmüL zu frohem Genuß ber Gegenwart. Auch traurige Eindrücke bliebrn nicht aus, schwarze Gestalten in der Menge ober an ben Fenstern verdeckten mit bem Tuch das Antlitz, trenn der Freudenruf um

fammlung mehr einberufen werden soll, sondern, daß ie nur durch den Wahlkreisvorstand, verstärkt durch ben engeren Vorstand des Nationalliberalen Vereins Gießen, erledigt werden soll."

Mit Rücksicht auf diesen Beschluß war für Mittwoch, Io. d. M, nachmittags, ins Hotel Viktoria der gesamte Wahlkrcisvorstand, sowie der engere Vorstand des national liberalen Vereins Gießen eingeladen, und diese allein zu- ständigen Körperschaften faßten folgenden Beschluß:

In Ausführung des Beschlusses ber Lertrauens- männerversammlung vom 29. Januar gibt ber Wahlkreis- Vorstand, verstärkt durch ben engeren Vorstanb des Ratio- nalliberalen Vereins Gießen, folgenden Beschluß bekannt: Die Nationalliberale Partei des 1. hessischen Reichstags- Wahlkreises Gießen-Grünberg Nidda fordertihre An­hänger und Freunde auf, bei der demnächstigen Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten, Kontrolleur Beckmann, und dem Kandidaten der Deutschsozialen Par­tei, Oberlehrer Dr. Werner, ihre Stimmen dem bürgerlichen Kandidaten zu geben.

Wenn auch das die Nationalliberale Partei schwer be­leidigende Verhalten des Herrn Dr. Werner bei der früheren Reichstagswahl und die von antisemitischer Seite auch in diesem Wahlkampf gegen unfern Kandidaten, unsere Parteiführer und unsere Partei gerichteten ver­letzenden Angriffe es uns schwer machen, für Dr. Werner einzutreten, so halten wir es doch für unsere nationale Pflicht, unter Ausschüttung der persönlichen Moment, alles zu tun, was zur Verhinderung ber Wahl des Sozial­demokraten beitragen kann.

Zum Schluß bemerfen wir, daß Herr Dr. Werner die seinerzeit gegen unsere Partei geäußerte Beleidigung in einem Schreiben vom 14. März 1911 mit dem Aus­druck des Bedauerns zurückgenommen hat.

Der navionalliberale Wahlkreisvorftand und ber engere Vorstanb bes nationalliberalen Vereins Gießen.

Für ben Sommer des Jahres.1911 ift 'in Aussicht genommen, in Oberhessen an etwa 20 Punkten magnetische Beobacktungen anzustellen: diese versprechen besonders wertvolle Ergebnisse, da dort sehr wahrscheinlich die Basaltntassen des Vogelsberges einen großen Einfluß auf die erbmagnetifd^ Kraft ausüben werden.

Wenn diese Arbeit erledigt ist, wird für das Großherzog­tum Hessen eine magnetische Landesaufnahme vorliegen, die sich den im letzten Jahrzehnt in ben anderen! deutschen Staaten durchgeführten inaßnetifd)en Vermessungen würdig anreihen wird. In Preußen ist an 265 Punkten be­obachtet, in Bayern bisher an 118, in Sachsen an 100, in Württem­berg an 61 Stationen.

Um die hessische magnetische Vermessung an diejenigen ber benachbarten Länder anzuschließen, so daß schließlich magnetische Karten für bas ganze Deutsche Reich entworfen werben können, ist im vergangenen Sommer auch an einigen Orten ber Nachbar- länber beobachtet unb ebenso sino auch für 1911 einige preußische Anschlußstationen für bie magnetischen Messungen in Aussicht genommen.

Eine besonders eingehende Untersuchung verlangt das mag­netische Störungsgebiet, das sich an der Bergstraße vom Franken­stein bis nach Seeheim hinzieht. Hier übt das in dem Gabbro enthaltene Magneteisen einen so starken Einfluß aus, daß in der Nähe mancher Felsen, wie sie zum Beispiel aut ber Höhe bes sogenanntenMagnetbergs" anstehen, bie erdmagnetische Kraft kaum mehr zur Geltung kommt, unb daher das Nordende ber Magnetnadel nach Süden umschlägt. Jenes Störungsgebiet ver­langt ein engmaschiges Netz von Beobachtungen an zahlreichen Punkten, die nur etwa 1 Kilometer von einander entfernt sind: für die Inklination ist dies vor einigen Jahren schon ausgeführt, für die Deklination unb bie Stärke der erdmagnetischen Kraft steht solche Untersuchung noch aus.

Die Heimfahrt im Kaiferjuge vor vierzig Jahren.

In biefen Tagen wendet sich bie Erinnerung jenen großen und glücklichen Augenblicken unserer Vergangenheit zu, da der siegreiche Kaiser unb der größte Teil seiner Truppen wieder den heimischen Boden betraten unb unter allgemeinem Jubel ihren Einzug ins Vaterland hielten. Am 13. März hatte Kaiser Wilhelm mit warmem und erhobenem Herzen" benSolbatcn ber deutschen Armee" sein Lebewohl zugerufen, bevor er Frankreichs Erde verließ. Nun brauste der Kaiserzug der Heimat zu. Mitten hütein in diese begeisterte Freudenstimmung'versetzt uns ein Brief, der dieseHeimfahrt im Käiserzuge" schildert unb kurz danach in der WochenschriftIm neuen Reich" veröffentlicht wurde:

Ich bin in der Heimat bei Weib unb Kind, em glücklicher Mann. Wir haben im Eisenbahnwagen einen Triumphzug durch Deutschland gemacht, dessen eigentümliche begeisternde Wirkung

nationalgesinnten Manne es nicht leicht werden ließen, für den deutsch-sozialen Kandidaten einzutreten. Die Herren, die am Samstag für Stimmenfreigabe stimmten, hatten infolge der Aufregung des Wahlkampfes übersehen, daß die Vertrauensmännerversammlung vom 29. Januar 1. I. bereits die Unterstützung eines jeden bürgerlichen Kandi­daten gegenüber dem Sozialdcmotratcn in der Stichwahl unbedingt beschlossen halte. Schließlich fand der Stand­punkt, den gestern Prof. A. Körte in unserem Blatte vertrat, daß es nationale Pflicht sei, für den bürgerlichen, gegen den sozialdemokratischen Kandidaten ci.izutrctcn, die Mehrheit der maßgebenden nationalliberalen Körperschaf­ten. Herr Dr. Werner hat, wie er heute öffentlich wiederholt, seinen früheren schroffen Ausspruch über die national- liberale Partei mit Bedauern zurückgezogen. Der neue Kampf vor der Stichwahl hat bereits in aller Heftigkeit begonnen. Gestern abend sprach der frühere Pastor und heutige Bekenner des sozia^emokratischen Glaubens, Paitl Göhre, in Gießen, dessen Ausführungen wir in kurzen Auszügen hier wiedergeben. Möchte der unvermeidliche scharfe Krampf auf beiden Seiten rein sachlich und ohne perfönlkfyc Beschimpfungen ausgetragen iverden. Herr der hiesige Führer der Geno,sen, ist das soll werden im bisherigen Verlauf der Wahlagi-

Allenthalben zeigten sich die Folgen der Unterernährung. Um den Steuerausfall, zu decken, habe man mit vieler Mühe die Reichswertzuwachssteuer zum Gesetz erhoben, den ursprüitglich guten Kern dreser Vorlage aber durch Zusätze so verklausuliert, daß die Großgrundbesitzer und Terrain­spekulanten jetzt ganz davon befreit seien. Neue Steuern seien bereits angekündigt, aber nur indirekte: Zündholz- ersatzsteuer, Erhöhung der Tabaksteuer, zuletzt sogar Staats- inonopole. Dieser Wirtschaft müsse ein Ende gemacht wer­den. Jeder Wähler, der ein Herz für das Volk habe, müsse nächsten Dienstag eintreten für den Kandidaten der Sozialdemokratie, der Partei, die Freiheit und Gleichheit auf ihre Fahne geschrieben habe und bei der es kein An­sehen des Standes, der Religion oder Konfession gebe. Bei der freien Aussprache meldete sich kein Gegner zunt Wort. Nur Stadtverordneter Krumm suchte in längerer Ausführung die Grundsätze seiner Partei ins rechte Licht zu rücken. Nach einem Schlußwort des Abgeordneten Göhre, in dein er die Jdeengememschaft der fortschrittlichen Volks- vartei und der Sozialdemokratie ausfällig unterstrich, schloß ocr Vorsitzende die Versammlung.

Magnetische Landesaufnahme in Hessen.

Ein für bie Landeskunde des Großherzogtums Hessen unb für die Erweiterung unserer Kenntnisse von der Physik der Erde bedeutsames Unternehmen wird in diesen Jahren ausgeführt.

Nacktem von dem Großherzogi. Ministerium des Innern bie erforderlichen Mittel in den Haushaltsetat eingestellt und von den beiden Kammern der Lanbständcn bewilligt waren, sind im vergangenen Sommer an 24 (im Mittel 15 Kilometer von einander entferntem Punkten der Provinzen Starkenburg und Rheinhessen magnetische Messungen vorgenommen worden, um die Größe und Richtung der erdmagnettschm Kraft zu bestimmen. Hierzu sind dreierlei Arten von Beobachtungen erforderlich, aus denen bann bie magnetische Deklination unb Inklination, sowie bie Stärke des horizontalen Teils bet erdmagnerischen Straft berechnet werben kann. Diese brei Größen änbern sich von Ort zu Ort auf ber Erbe unb zwar für das mittlere Deutschland in der Weise, baß die Dellination ungefähr von Osten nach Westen, die Jnllination von Süden nach Norden, die Größe ber horizon­talen Kraft von Norden nach Süden zunimmt. Aber diese Regel kann durch Störungen, wie sie besonders durch vulkanische Ge­meine hervorgerusen werden, für solche Gegenden, beträchtliche Ausnahmen erleiden.

Tie Berechnung der magnetischen Messungen wird ,dadurch sehr erschwert, baß bie Größe und Richtung ber erdmagnetischen Krast fortwährenden Fl einen Acnderungen unterworfen ist. Da aber diese Aendetungen für ein großes Gebiet, etwa für das ganze Großherzogtum Hessen sehr nahe gleichzeitig und gleich Harr auftreten, fo genügt es an einem Orte des Landes, diese Aenderungen dauernd zu verfolgen. Zu dem Zwecke ist mit Er­laubnis ber Großherzogl. Forstverwaltung im Mörfelber Walbe, von allen störenden Eisenbahnen unb elektrischen Bahnen weit abgelegen, ein ganz eisenfreies kleines Holzhaus, eine sogenannte anagnetcsche Basisstation errichtet, in ber währenb bes Rommers magnetische Instrumente aufgestellt waren, bie bauernb j.cne Aenberungen ber erdmagnetifchen Kraft photographisch regi- jitierten.

Aus ben an verschiebenen -Orten erhaltenen magnetischen Be­obachtungen kann der Unterschied in der Richtung unb Stärke der erbmagnetischen Krast natürlich nur bann mit Sicherheit ermittelt werden, wenn bekannt ist, welche Aenberungen dr In­strumente, unb besonders bie Magnete derselben, auf den Reifen erlitten haben. Deshalb wurde eine Station und zwar ein eben­falls von allen störenden Einflüssen freier Punkt in der Gemarkung Grafenhausen als magnetische H a u p t st a t i on gewählt, und dort in einem kleinen Holzhause, um vor Wind unb Wetter geschützt iu, sein, fast in jeher Woche einmal magnetische Messungen aus- aeführt.

nr< 64 Erstes Blatt M. Jahrgang Donnerstag, lb. Mrz 19N

Der Sikhener Anzeiger monatlid»75Bf oiertel-

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