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14/12/1911 Erstes Blatt
 
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erhalten hat, ist nicht mit Sicherheit erwiesen, auch nicht, daß er wirklich geheim zu haltendes Material geliefert hat. Gt ist daher des Versuches gegen § 3 des Spionagegesetzes schuldig be- fun^c Angeklagte Eckern: ann war die Wirtschafterin von Wulff, Hipsich hatte zuweilen dieselbe Wohnung inne. Sie machte Schultz auf Wulff aufmeryam und arbeitete darauf bin, daß Schultz sich Wulffs, HipsichS als Spione bediente. Sie hatte volle Kenntnis von dem, was Schultz trieb. Daher ist sie der Beihilfe zum Verbrechen gegen § 1 schuldig. .

Was die Strafzumessung betrifft, so war HrPsrch am schwersten zu bestrafen. Denn er handelte lediglich aus Ge- winnsucht, oljne irgendein anderes Motiv. Er gab Geheim­nisse preis, die ihm in dienstlicher Tätigkeit bekannt geworden waren, und gefährdete das Deutsche Reich in erheblicher Weise. Irgendwelche Milderungsgründe sind nicht vorhanden. An zweiter Stelle kommt Schultz in Betracht, obwohl er als Ausländer anzusehen ist und auch ein Geständnis abgelegt hatte. Der Ver­teidiger hat für ihn mildernde Umstände beantragt, die aber nicht zugebilligt worden sind. M a a ck hat durch unwahre An­gaben die Untersuchung erheblich erschwert. Er mußte als ehe­maliger Kriegsfreiwilliger von 1870/71 sich ganz besonders der Gefährlichkeit der Spionage von Schultz und Hipsrch bewußt fein.

Pressest mmen.

Berlin, 14. Dez. Fast alle Morgenblätter loben das harte, aber gerechte Urteil des ReichsgerickM gegen die englisch-deutschen Spione. Der BerlinerLokalanzciger" äußert sich in einem anscheinend inspirierten Artikel über die schweren Gefahren, die Deutschland drohen und daß gelegentlich des Leipziger Prozesses tatr die Bestätigung dessen in die Augen springe, was wir uns scheuten cmszu- sprechen: daß ein dichtmaschiges Netz interna­tionaler undversch lagen st erSpionageunser Land umspannt, das sofort wieder ergänzt wird, wo immer es durch die Wachsamkeit unserer Sicher- heitsbebörden zerstört wird.

Ueber das System, das bei dieser Spionage herrscht, weiß dieTägliche Rundschau" interessante Einzelheiten ziu geben:

Es existieren verschiedene bekannte Agenturen, mit dem Sitz meist in Holland oder Belgien, die von ihren Rechercheuren haupt­sächlich Deutschland, Frankreich und England bereisen lassen. Das erkundete Material wird wahllos an den guten Zahler gelie­fert, oft gleichzeitig an mehrere Mächte. Tie Agenturen sind mindestens so gut organisiert wie der Internationale Mädchen­handel und kennt an allen Orten die faulen und brüchigen Existenzen. Von einem solchen Großunternehmen für Spionage war auch der in England verhaftete Kapitän Grosse enaa* giert. Auch dec bereits früher abgeurteUte Schultz, beides Leute, die längst ihre Lebensbasis verloren haben und bereits wegen Stempel- und Münz-Verbrechen usw. bestraft sind. Tas Blatt fragt: Warum die eng lische Admiralrtätfich mit solchem Abschaum befaßt, während doch sonst Offi­ziere aller Großmächte Wert daraus legen, Gentlemen zu bleiben und schmutzige Kerle nicht anzufassen. TieTäal. Rundsch." kommt zu dem Schluffe: erklärlich ist das nur auS dem fieber­haften Verlangen, unter allen Umständen uno mit allen Mitteln die Nachrichten zu bekommen, die man vor einem lieber» fall nötig hat.Eines Morgens, wenn die Deutschen erwachen, werden sie lesen, daß sie eine Flotte gehabt haben", hat ein englischer Seelord gesagt. Diesmal sollte, wenn es auch im einzelnen nicht nachweisbar ist, auch die Sprengung unserer Küstenbefestigungen und Hafenanlagen in die Wege geleitet werden.

London, 14. De-. Das Urteil gegen Schultz er­regt hier Aufsehen und Mrd als äußerst scharf bezeichnet. Die Abendblätter bringen die Meldung meist ohne Kommentar, nur einige nennen das Urteil streng und heben hervor, daß es den Spruch gegen die Offiziere Trentch und Brandon, der ein milder gewesen sei, an Härte weit übertreffe.

Der Landesverrat des Schutzmannes Glautz.

Berlin, 14. Dez. Mehrere Blätter, darunter das -Mrliner Tageblatt" und dieDeutsche Tageszeitung" brin­gen Telegramme aus Wilhelmshaven, wonach die Affäre des vor kurzem aus dem GerichtsgesängniS in Wil­helmshaven entsprungenen Schutzmanns Glauß sich zu einem großen LandeSverratS-Prozeß aus- zuwachsen scheint. Seit langem schon soll danach die eng­lische Regierung im Besitz der Pläne für die gesamteWasserversorgungWilhelmshavens einschließlich des neuen Wasserturms sein. Man befürchtet weiter, daß die wichtige Einfahrt in den Jaüebusen verraten sei. Die Marineinspektion und das Kriegsmintste- rium haben Vertreter entsandt. Glauß lebte seit längerer Zeit auf großem Fuße und unternahm öfters Vergnügungs­reisen nach Paris. Noch kurz vor seiner Verhaftung durch den Kölner Kriminalbeamten sind große Summen aus Eng- lanb für Glauß angekommen.

Die Reichrtagswahlbewegmig.

Die Wiederaufstelluug Dr. Werners in Gießen.

Wir erhalten folgenden Bericht:

Die am Mittwoch im Felsenkeller zu Gießen unter dem Vorsitz des Oberbibliothekars Dr. Heuser tagende gemein­same Vertrauensmänner - Versammlung der deutsch-sozialen und der christlich-sozialen P a r t e i war sehr zahlreich besucht. Nach einleitenden Wor­ten des Vorsitzenden, in denen er u. a. die dank der Einigkeit der rechtsstehenden Parteien int letzten Landtagswahlkampf erzielten Erfolge betonte, ergriff der seitherige Abgeordnete des Wahlbezirkes, Herr Oberlehrer Dr. Werner aus Butz­bach, daS Wort zu einem Bericht über seine Tätig­keit während feiner s/<jährigen Zugehörigkeit zum Reichs­tage. Er wies Darauf hin, daß, außer daß er die den Lesern ja bekannten Reden in der Vollversammlung zum schwedi­schen und japanischen Handelsverträge sowie zur Maul- und Klauenseuche geljalten habe, er auch in Ausschüssen tätig gewesen fei, so im Bittschriften-Ausschuß zu Gunsten von Eisenbahnern, die gegen ihren Wunsch nach Gießen versetzt worden seien, und zu Gunsten einer reichsgesetzlichen Rege­lung der Ruhezeiten der Eisenbahner, sowie in dem Ausschuß jur Bekämpfung des Kurpfuschereiwesens, welches Gesetz aber nicht zur Verabschiedung gelangt tst. Auch hat er, wie bekannt, Anträge mit unterzeichnet für die Lahnkanalisation sowie in der Hcmdwerkersrage. Letztere seien ja nicht mehr zur Verhandlung gelangt, doch werde er demnächst Gelegen» hett nehmen, darüber in öffentlicher Versammlung hier zu reden. Eine namentliche Abstimmung habe er nicht ver­säumt, wie er auch an jedem Tage im Reichstage anwesend gewesen sei. Zum Schlüsse kam er noch zu sprechen auf die verschiedenen Preßprozesfe, die er angestrengt habe und die zu seinen Gunsten ausgefallen feien (so noch am Dienstag einen gegen daS Berliner Tageblatt).

Nach lebhaftem Beifall und ganz kurzer Aussprache wurde darauf durch Zuruf Herr Dr. Werner einstim­mig als Kandidat der wirtschaftlichen Ver­einigung für die kommende Reichstagswahl

aufgestellt. §err Dr. Werner nahm die Kandidatur unter nicht minder lebhaften Beifallsbezeugungen dankend an. Es wurde darauf der Wahlausschuß gebildet mit dem Rechte der Zuwahl. Nach weiteren innere Angelegen­heiten betreffenden Verhandlungen, in denen u. a. der Kan­didat die Bitte aussprach, den W a h l k a m P f nur sachlich zu führen, schloß Oberbibliothekar Dr. Heuser die Versamm­lung mit einem Hoch auf den Kandidaten, worauf dieser mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog erwiderte.

Die Italiener in Tripolis.

Rom, 13. Dez. Ter Agenzia Stesanr wird <ruS Tripolis vom 12. Dez. gemeldet: Die Nacht ist völlig ruhig verlausen. Gestern früh gingen drei Bataillone, eine Eskadwn und eine Ge­birgsbatterie von Ain Zava zur Aufklärung in südlicher Richtung vor. Sie fanden bei Biedin ein kürzlich verlassenes kleines ara­bisches Lager und setzten es in Brand. Die Kolonne marschierte auf der Karalvanenstraße nach (Marian, etwa 15 Kilometer weiter uni) stieß auf ein anderes arablicycs Saget, woraus ungefähr ein Dutzend Araber z u feuern begannen, aber vor der italienischen Vorhut sich sofort zurückzogen. Auch dieses Lager wurde angezündet. Gestern nachmitlag gingen zwei Eskadrons von Tripolis auf Gargaresch vor. Sie stießen auf feinen Feind. Ein Flieger fand die Gegend von Zanzus und Bireldin fast ganz verlaifen. Im Weiterfllegen entdeckte er jenseits von Bireldin eine türkische Kavalleriepatrouille und weiter vorwärts Gruppen türkischer unb arabischer Zelte. Dian behauptet, daß sich im türkischen Lager Mangel an Lebensmitteln bemerkbar macht, deren Preise sehr gestiegen find.

Von B e n g y a s i wird gemeldet, daß einige Beduinentrupps sich vor d.r itaueiufu)en <yubv|i|LiHU gezeigt bauen. Unbebeutenbe Angriffe fanden aut die Vorposten statt, bei denen die Italiener keine Verluste hatten.

Von Terna wird gemeldet, daß Admiral Presbitero dort von Tobruk eingetroffen fei mit der Mitteilung, daß sich bei Tobruk nichts neues zugetragen habe. 'Die Verteidigungsstellung befindet sich in vollkommenem Zustaiide und ist von Infanterie und Artillerie stark besetzt. Die Flieger nahmen wegen zu starken Windes bei Terna keine Erkundungen vor.

Ausland.

Zwischen der P f o r t e uiw in u u i ü n b ist eine Art lieber» einkommen über die Dardanellen zustmide gekommen. Nach Mitteilungen auf der Pforte hat der russische Botschafter er­klärt, die Meerengenfrage solle nicht mehr berührt werden. Die Pforte hat dafür die Zusicherung gegeben, daß gemäß den Be­schlüssen des Ministerrats Rußlands Handelsschiffe auch im Falle, daß infolge kriegerisch Sdücksichten die Dardanellen geschlossen werden müßten, passieren könnten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14. Dezember 191k

* Das Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen für 1912 ist fertiggestellt und wird von jetzt ab zur Ausgabe gelangen. Es enthält in der ge­wohnten übersichtlichen Weise alle Angaben, die man von einem Adreßbuch nur verlangen kann. Biele Benutzer des Buches werden mit Interesse die Mittellung hören, daß es gelungen ist, einen beim diesjährigen Adreßbuch hervor getretenen Mißstand zu beseitigen. Durch die Dicke des eingehefteten Stadtplanes waren die Adreßbücher vielfach im Rücken aus­einandergefallen. Durch das Einfügen eines Falzes, an der der Stadtplan angeheftet ist, und Verdoppelung des Lein­wandstreifens im Rücken ist dieser Uebelftaud jetzt völlig be­seitigt. So wird denn das Adreßbucy in seiner neuen verbesserten Ausstattung den Geschäftsleuten und sonstigen Interessenten ein zuverlässiger Freund, und Berater sein.

*

M Eisenbahnperfonalien. Verliehen wurde dem vormaligen Streckenarbeiter Ludwig Spuck zu Gießen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Arbeit-. Ernannt wurden Luh II. in Gießen, Christian Keil in Friedberg und Schaffner im Probedrenst Fritsche in Betz­dorf zum Schaffner. Versetzt sind Güteroorsteher R. Ploch von Gießen nach Darmstadt, Bahnmeister Bartels von Brahlstorf (Dir.-Bez. Altona) nach Laubach. Die Prüfung haben bestanden: die Bahnmeisteraspiranten Hintze in Gießen und Möller in Lauterbach zum Bahnmeister. Belohnungen erhielten: die Schrankenwärter Grasch in Großenlüder und Isidor Bolz, Posten 75 GießenFulda für entschlossenes und zweckmäßiges Handeln beim Löschen eines Brandes, Lokomotivführer Schmidt in Gladenbach für das Verhüten des Ueberfahrenwerdens eines KtndeS.

"VereinfachuntzdesGerneinderechnunZs- wesens. Um die Revision der Oberrechnungskammer zu vereinfachen und die Revision der Rechnungen zu verbilligen, hat das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit der Oberrechnungskammer und dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung angeordnet, daß die seither von den Gemeindeeiunehmem neben den Gemeinberechnungen aufzustellenden verschiedenartigen Na­turalienrechnungen als Ergänzung zur Geldrechnung von Städten und Landgemeinden für die Folge zu unterbleiben haben und von den Rechnern nur dann noch aufzustellen sind, wenn diese die betreffende Verwaltung selbst aus­schließlich führen oder doch m verantwortlicher Weise dabei Mitwirken. Der Verwendungsnachweis über Holz und sonstige aus den Gemeindewaldungen gewonnenen Natu­ralien soll auf einem von den Oberförstereien aufzustellen­denAuszug aus der Kontrolle über die Naturalienein­nahme aus Waldungen" erfolgen. Dieser Auszug wird von den Obersörstereien nach vorgeschriebenem Muster auf­gestellt und wie bisher von diesen bis 1. November j. I. an die Bürgermeisterei abgegeben. Die seither in die Ur­kunden aufgenommenen Abzählungsprotokolle, welche nur Natural-Einnahmen beurfunben, bleiben für die Folge im Besitze der Bürgermeisterei und werden den Rechnern nicht mehr zugestellt.

**Derakadem. Bismarckbund schreibt uns: Die hiesige Ortsgruppe wurde vor zwei Jahren im Anschluß an einen Vertrag des Grafen Hoensbroech gegründet als eine Organisation wider den Ultramontanismus. Es war ein Akt der Notwendigkeit, auch an unserer Landes Univer­sität eine solche Gründung oorzunehmen, nicht etwa well wir in unserem engeren Heimatlande vielleicht den Vorstoß des Ultramontanismus fürchteten, sondern in Reib und Glied mit den anderen Hochschulen unseres Vaterlandes gegen die maßlosen Angriffe des Ultramontanismus zu kämpfen und um auch hier die Allgemeinheit über die Stel­lung des Ultramontanismus gegenüber unserem Vaterlande auhuflären. Nötig sind nur die Worte Borromäus-Enzy- llika, Motu provrw und Mainzer Katholikentag, um die maßlosen Angriffe des Ultramontanismus in seiner kras­sesten Form in eme greifbare Gestalt verwandelt zu sehen. Gerade der letzte Mainzer Katholikentag ist dazu angetan, die Psyche des Ultramontanismus zu studieren und denen die Augen zu öffnen, die noch für das wahre Fühlen und Denken der lUrramontanen in unserem Vaterlands kein

Verständnis zn haben scheinen. Wohl yat uffl;: al«- Laie in der Tagespreise von dieser gewaltigen Versammlung ge­lesen, ohne jedoch die Konsequenzen zn bedenken, die aus den Grundsätzen resultieren, die bei solchen und ähnlichen Ge­legenheiten von den geistigen und geistlichen Führern auf­gestellt werden. Aus diesem Grunde hat es die hiesige Ortsgruppe unternommen, mit dem Thema die Lehren des Mainzer Katholikentags vor die Oeffentlichkeit zu treten. Als Redner ist ein ausgezeichneter Kenner des Ultra­montanismus, Generalsekretär Wahl vom antiultramon- tanen Reichsverband gewonnen worden, dessen bisherige Tätigkeit ihn als Autorität auf dem genannten Gebiet er­scheinen läßt. (Näheres siehe Inserat.)

DaS Verzeichnis der für die Reichstags­wahl flimmberechligten Einwohner unserer Stadt umfaßt 648 9 Wähler gegenüber 6486 bei der letzten Nachwahl.

* Warnung vor einem neuen Schwindel vom Ausland. Seit einigen Wochen haben mehrfach größere Firmen und Banken im Deutschen Reiche aus Kiew Briefe in russischer Sprache und Schrift erhalten, in denen ein Un- bekannter, der sich bald Reitmann, bald Feldser nennt, nach­stehenden Vorschlag macht: Ein reicher russischer älterer Geistlicher möchte eine ihm nahestehende junge Person nebft üind mit einer Million Rubel versorgen, ihr aber, damit sie >hn nicht verlaffe, das Geld nicht schon anocrtraucn, sondern bei einer vertrauenswürdigen Person, und zwar, damit er nicht fompromitlieri werde, im Auslande auf 10 Jahre gegen einen Wechsel, den er bei sich aufbewahren werde, deponieren. Der Briefempfänger fei dem Schreiber als vertrauenswürdig empfohlen worden, und solle, wenn er auf das Geschäft ein­geben wolle, einen russisch sprechenden Beauftragten zu den weiteren Verhandlungen nach Lieiv schicken. Der Schwindel besteht nun darin, daß dieser Beauftragte veranlaßt wird, für die abzusaffenden Dokumente Stempelpapier zu kaufen, das natürlich bei der bedeutenden Höhe der Summe viel kostet. Dieses Stempelpapler wird dann dem Beauftragten unter irgend welchen Vorwänden von den Schwindlern entlockt, und da es GeldeSwert hat, versilbert. Auf diese Weise ist vor einiger Zeit eine Bank um 7500 Rubel geschädigt worden.

Landkreis Gießen.

---- Hausen, 13. Dez. Am Sonntag hielt der hiesige Zweigverein des Eoang. Bundes seinen ersten Vortrags­abend ab. Trotzdem man erst kurz vorher erfuhr, baü der Gesangverein .Germania" zur Verschönerung des Abends mitwllkte, war der große Wallbott'sche Saal dicht besetzt, ein Beweis dafür, daß der eoang. Bund mit diesen Veranstaltungen auch bei der Menge Anklang und Verständnis findet. Durch die Mit- Wirkung des Gesangvereins ,®ermania' unterstützten auch Mitglieder, die der äußersten Linken angehören, zum ersten Riale den Vortragsabend unseres evangelischen Bundes. Weiter brachte der Gesangverein gut eingeübte Lieder zu Ge­hör, wodurch sie in reichem Maße den Dank der Zuhörer erwarben.

KrciS Friedberg.

I/. Bad-Nauheim, 18. Dez. In unserer Stadt hatten wir seither keine Eisbahn. Die Schlittschuhläufer mußten warten, bis der große Teich zugefroren war, was manches Jahr gar nicht ober sehr spät der Fall war. Auch war daS Laufen auf dieser Eisfläche immerhin mit einiger Gefahr verbunden. Jetzt hat der hiesige Rodelklub bie Schaffung einer gefahrlosen k ünstlichen Eisbahn in die Hand genommen. Er wird mit einer Eingabe an die hiesige Stadtverwaltung herantreten. Es ist gegründete Aussicht vorhanden, daß die Stadt einen geeigneten Platz hergeben wird.

Starttuvurg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 13. Dez. Der 16jährige Ober­tertianer, der sich vor einigen Tagen einen Schuß in den Unterleib au8 gekränktem Ehrgefühl beigebracht hat, ist, ent­gegenstehenden anderen Meldungen gegenüber nicht gestorben, sondern befindet sich auf dem Wege der Besserung.

rm. Fränkisch-Crumbach, 18. Dez. In dem hie­sigen Schloß der Freihrn. v. Gemmingen wurde heute nacht eingebrochen. Anscheinend wurden Münzen, Wertgegen­stände aller Art rc. mitgenommen, doch läßt sich der Umfang des Diebstahls nicht feststellen, da die Bewohner im Süden weilen. ES scheint eine ganze Einbrecherbande tätig zu fein, die in der letzten Zeit die Umgebung wiederholt unsicher ge­macht hat.

(d) Mainr, 13. Dez. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten kam der Karnevalverein um einen Zu- schuß für den Nosenmontagsumzug ein. Ter Finanzausschuß wird über bas Gesuch beraten. Im vorigen Jahre betrug der Zuschuß der Stadt 3000 Aäk. Mit der Einführung der Reichsversicherungsordnung soll ein städtisches Versicherungsamt errichtet werden. Ten Vorsitz soll ein städtischer Beamter führen, während die 12 Beisitzer zur Hälfte aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen sollen. Mit dem 1. Juli 1912 soll das Versicherungsamt in Tätigkeit treten. Eine Vorlage über die Errichtung des Amtes wird noch den Stadt­verordneten vorgelegt. Mit dem Amt soll noch eine Auskunsts­stelle für die Versicherten verbunden werden. Stadtv. Ade­lung wundert sich, daß die Bürgermeisterei noch keine Vorlage wegen Notstandsarbeiten Dorgelegt habe. Oberbürger­meister Tr. Göttelmann bemerkte hierzu, daß gegenwärtig hierzu kein Grund vorliege, weil die Arbeiter überall reichlich beschäftigt seien, sobald stärkere Arbeitslosigkeit eintrete, werde er schon rechtzeitig mit einer Vorlage kommen. Es wurde beschlossen, das städtische Bureau in ein statistisches A m t umzuwandtln und zwar vom 1. April 1912 ab. Ter Vor- itzende m/uite, wo ein statistisches Amt exakt und unparteiisch arbeite, sei auch die Grundlage zu einer guten städtischen Ver­waltung gegeben. Zu den Kosten der Kinder-Volks­lesehalle des Vereins für Volksbildung wurden 1600 Mark jährlicher Zuschuß bewilligt. Tem Mainzer Karnevalverein wurde für die kommende Karnevalsaison die Stadthalle wieder zu dem Mietpreise von 4000 Mark überlassen, es sollen aber ür die politischen Parteien zur Abhaltung von Versammlungen für die Reichstagswahl uno für eine ev-enttiäle Srichmvbl die Halle an gewissen Tagen Vorbehalten bleiben. Tem Verein für Feuerbestattung wurde für die Erweiterung des Urnenhains ein Beitrag von 6000 Mark bewilligt. Tie Einführung von Gasautomaten in den kleineren Wohnungen hat sich aus­gezeichnet bewährt, es sind bis jetzt über 500 Anschlüsse erfolgt und liegen wieder viele Anmeldungen vor. Tie Stadt liefert dcn Leuten die Gasherde, eiserne Tische und Gaslampen umsonst. Zur weiteren Aufstellung von Automaten wurden 50 000 Mark bewilligt. Vom Bureau wurde mitgeteilt, daß das neue Real­gymnasium, nachdem die Pläne vom Ministerium Genehmigung gefunden, alsbald erbaut werde. - Für Kabellegung nach den Vororten wurden 62 000 Bkark bewllligt.

Gerichtssaal.

Darmstadt- 13. Dez. Der Eisenbahnunfall, der in der Nacht zum 8. Juli d. I. auf Station Dörnberg statt- fanb und außer einigen geringfügigen Verletzungen des Zug^

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