Ausgabe 
11.10.1911 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161. Jahrgang

Nr. 259

Erscheint täglich mit Ausnahme de- Sonntag».

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barmen sandten morgen Shuster

ausdrücklich die Pflicht auf, auch Privatpersonen an der 23er* letzung dieser Bestimmungenmit allen Mitteln" zu verhindern.

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Üe Herren: i-Anlage -g 34 kfnrter Strasse 4 Goethestrasse 44 iage 1-

lebenden Angehörigen aller Nationalitäten nicht unter­bunden werden, (lebhafte Zustimmung.) Tic Negierung werde dafür sorgen, daß auch die der tschechischen Natio­nalität angehörigen Bewohner von Wien in dem Bestreben, ihren Kindern die Wohltat eines ihrem sprachlichen Be­dürfnisse entsprechenden Elementarunterrichte durch private Lpserwilligkeit angedeihen zu lassen, nach Maßgabe der Gesetze geschützt werden.

Bei der weiteren Verhandlung über die TeuerungSaiüräge legten der Ackerbau- u n b dcr H andelsminister die von der Regierung getroffenen sowie die geplanten Maßnahmen zur Behebung der Lebensmiltelteucrung vor. Ter Justizminisier kam auf den Revolveranschlag vom 5. Oktober Furuck und er- klärte, er erblicke darin einen Zwischenfall, der ihn selbstver­ständlich von der gewissenhaften Erfüllung seiner Amtspflichten und der Verfolgung seines bisherigen Weges nicht abbring cm weide. (Lebhafter Beifall.) Ter Minister wies mit aller Ent­schiedenheit die Angriffe gegen den Richterstand ivegen zu strenger Urteile aus Anlast der Teuerungsausschrcitungen zurück und er- llärtc die Behauptung der Beeinflussung dec Richter von oben als eine Beleidigung des gesamten Richterstandes. Tas Schlag­wort von Klassenjustiz sei ein Schlagwort der Sozialdemokraten, während genug Leute glaubten, dast es nur eine einzige Klassen­justiz gebe und zwar die sozialdenwkratische Parteijusttz. Tas Abgeordnetenhaus sollte in eigenem Interesse alles vermeiden, was einer unbefugten Beeinflussung des richterlichen Ansehens und der Unabhängigkeit der Richter gleichkomme. (Anhaltender Beifall.)

Tie nächste Sitzung findet morgen statt.

zurück. Die Angelegenheit ist dem russischen Ge- unterbreitet worden. Wenn der Gesandte bis früh 10 Uhr keine Entscheidung getroffen hat, wird endgültige Schritte unternehmen.

Mittwoch, U. Oktober 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS- Buch- und Cteindruckeret.

R. Lange, Diesten.

Tieftefjenet ZamlttendlLNer" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Iliinifterertiärungen im österreichischen Abgeordnetenhause.

Wien, 10. Oki. Bei der fortgesetzten Beratung der Teuerungsanträge im Abgcordnetenhause wies der Mi­nisterpräsident den von dem Sozialdemokraten Tr. Adler bei Besprechung des Tripoliskonfliktes gegen eine befreundete Macht erhobenen Anwurf um so nachdrücklicher zurück, als er einen auch mit Oesterreich- Ungarn verbündeten Staat betroffen habe. Er wies ferner ganz entschieden den der Regierung gemachten Vorwurf der Untätigkeit in der Teuerungssragc zurück. Tie Verhandlungen mit Ungarn bezüglich der Fleischfrage würden fortgesetzt, lieber die Ergebnisse der Verhandlungen möge das Haus sein Urteil fällen, dem er sich bann gewiß beugen werbe. (Lebhafter Beifall.) Am Schluffe feiner Rebe erklärte ber Ministerpräsident, das Teuerungsproblem könne nur unter Berücksichtigung der Interessen aller produ­zierenden Stände, durch das Zusammenwirken der Regie­rung, des Parlaments, der Länder und der Gemeinden gelöst werden.

In der Sitzung beantwortete Ministerpräsident Gautsch auch die Anfrage betreffend Sperrung der tschechi­schen Privatschulen in Wien. Er legte eingehend deren Rechtslage dar und erklärte schließlich, die Regierung werde überall, wie auch in dieser Frage, im Sinne einer einwandfreien Handhabung der bestehenden Gesetze auf die Beseitigung der sich ergebenden Gegensätze wirten. So wie einerseits der deutsche Charakter Wiens und die Wahrung der Erhaltung der Gemeinde Wien ihm am Herzen liege und speziell auf dem Gebiete des Schulwesens hinsichtlich der öffentlichen Schulen und der bestehenden Einrichtungen zum vollen Ausdruck gelange, so sollte andererseits die innerhalb der gesetzlichen Schranken bestehende Möglichkeit einer geistigen und kulturellen Entwickelung der in Wien

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- straste 7. Exved.tion und Verlag: Redaktion: 112. Tel.-AbruAnzetgerDtesten.

Lin Zwischenfall in Teheran.

London, 9. Okt. Das Reuter-Bureau meldet aus Teheran: Tie Medschlis beschlagnahmten das Eigentum Schua es Sullanehs, des Bruders des früheren Schahs, in Teheran. Als der Schatz­meister Shuster fünf Gendarmen entsandte, die vorn! Eigentum Besitz ergreifen sollten, stießen diese auf zwei russische Konsulatsoffizieremit zwölf russi­schen Kosaken, die drohten, aus die Gendar­men zu schießen. Infolgedessen zogen sich die Gen-

Hager:

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pierc des Schiffes erzählten, daß der Bestimmungsort desScipio" der Hafen Monrovia im Liberia sei. Unter englischer Flagge verliest derScipio" den Hafen von Antwerpen, nahm dann aber sofort den Kurs aus Neuyork. Tie nächste Nachricht, die man dann von demScipio" empfing, verriet, daß das Schinug- gelschifs in der amerikanischen Marinewerft von Brooklyn seine kostbare Ladung glücklich gelöscht habe. Ter intcressaMeste Fall einer Ueberlistung der britischen Hasenbehörd^i verknüpft sich aber mit derVergnügungsjacht"Ban Righ", die im Jahre 1902 von einem venezuelanischen Präsidentschaftskandidaten, von bem General Matos, in Lonbon ausgerüstet wurde. Tie Hafenpolizei schöpfte Verdacht unb vcrhinberte denBan Righ" zwei Wochen lang am Auslaufen. Aber schließlich gelang es den Venezuclanern doch, die Engländer zu übertölpeln, unb sie glauben zu machen, es handle sich wirklich um eine gewöhnliche Vergnügungsjacht, die von einem reichen Liebhaber ber Wissenschaft gechartert sei, um eine Forschungsreise nach den karaibischen Inseln zu unter­nehmen. So konnte berBan Righ" mit seinerwissenschaft­lichen Mission" ungehindert ben Hasen Lonbons verlassen, legte am Abend in ber Themsemündung bei ber Canvey-Jnsel an, nahm von schon bereit liegenden Booten seine Ladung an Ge­wehren und Munition an Bord, u. a. sogar eine Anzahl Feld­geschütze und fuhr nun unter bem NamenLibertador" geraden- wegs nach Venezuela. Castto erklärte bas Schiff dann für ein Piratenschiff" und erging sich in wilben Vorwürfen gegenbie persibe englische Regierung, die dem Entweichen dieser Seeräuber Vorschub geleistet habe."

Ter Waffenhandel in Kriegs- unb Revolutionszeiten ist ein austerorbentlich einträgliches Geschäft, unb wenn immer an irgend einem Winkel der Welt Aumanbe ausbrechen und die Völker aufeinandcrschlagcn, finden sich, bald schlaue Geschäftsleute zur Gründung einer Schmuggelgeftllschaft zusammen. Tann wird ein Schilf ausgerüstet, unb wenn es gelingt, bie Hasenbehörden zu täuschen und glücklich die Küsten des Bestimmungslandes zu er­reichen, so ist ein glänzendes Geschäft gemacht, denn die kriegs- fübrende Partei zahlt in solchen Fällen Riesenpreise für Waften und Munition. Aber die Unternehmer solcher zweifelhaften Ge­schäfte setzen sich auch schweren Gefahren aus, ihr Schift kann mit allen Vorräten jederzeit konfisziert werden, und zugleich^drohen den Veranstaltern des Unternehmen» recht erhebliche^ Strafen. Tas Völkerrecht verpftichtet nämlid) jeben neutralen Staat, die Ausrüstung und Bewaffnung sowie das Auslaufen von Fahr­zeugen mit Kriegswaften unter allen Umständen zu verhindern, unb ein besonderer Paragraph legt den Kulturnationen noch

Dom Zchiffzschmuggel in Kriegsbeilen.

Mit begreiflicher Verstimmung hat man in Konstantinopel erfahren, daß die britischen Haienbehörden von Soulhcunpwn hie vier 25 Tons großen schnellaufenden lRotorboote mit Be­klag belegt hat, die die iürkisck)e Regierung in Woolston in Bau gegeben hatte. Diese schnellen kleinen Schiffe waren dazu bestimmt, ben Schmugglern an den Küsten der Türkei das Hand- crl zu legen, und infolgedessen hatten die Fahrzeuge auch eine Bewaffnung mit Maschinengewehren und leichten Schncllfeuer- .leschützcn erhalten. Man kann darüber im Zweifel sein, ob diese Fahrzeuge int marinetechnischen Sinne als ölriegswaffen betrachtet werden können, aber in dem Augenblick, da man ihre Gefährlichkeit und militärische Ueberlegeicheit über Handelsschiffe Erkennt, hat England mit ber Beschlagnahme und Zurück­haltung bie)er Boote bie Pflicht erfüllt, die das Völkerrecht in Kriegszeiten den neutralen Mächten auferlegt.

England hat schon einmal allzugroße Weitherzigkcit in ber Auffassung seiner Neutralitätspflichten mit schwerem (Selbe be­zahlen müssen; wenn in den 60er Jahren bie britischen Hafen- bchörben vorsichtiger gewesen wären und das Auslaufen der in England gebauten und ausgerüsteten berühmtenAlabama" iKii)inbert hatten, wäre es dem britischen Staatssäckel cn'uart geblieben, später eine Entschädigung von mehr als 65 Millionen Mark an Amerika zu zahlen. Tie Sorglosigkeit englischer Hascn- b'amtcn in Kriegszeiten hat ben englischen Staatsmännern schon mehrfach unangenehme Auseinandersetzung^ mit anberen Mächten c .ngctiagen. Erst vor 5 bis 6 Jahren kam es zu einer gefahr- Ihd)cn Verstimmung zwischen London und Petersburg. Damals b .ldeten den Stein des Anstoßes das britische KohlenschisfJohn Grafton", das den russischen Revolutionären 5000 moderne Gc- n.chre und große Mengen Munition zuführen solfte. In der Ostsee wurde derJohn Grafton" von russischen üanonenbooten c ^gehalten und verfolgt; in ber Nähe ber schwedischen Küste Mengte bann bie Bemannung das eigene Schiff in die Luft unb rettete sich mit Booten nach Schweden. Noch tagelang wur­den spater am Strande Kisten mit Gewehren unb Revolvern L.ageschwemmt.

Ein anderer Fall von Waft'enschmuggel aus England führte mährend des spanisck>-amerikanischen Krieges zu lebhaften Er- öcterungcn. Ter englische DampferSeivio" war insgeheim von einem amerikanischen Syndikat angefauit worden unbjollic bem kviiegführenden Amerika eine Ladung Muniiion und Sprengstoffe ;iiführen. TieSchmugglerware" war sorgsam in Kisten ver­dickt, die bie InschriftMaschinenteile" trugen, unb die Pa-

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Neues von derGenick starre. Wertvolle Ausschlüsse über das Wesen unb die Entstehung ber vielgefürchteten Kinder­lähmung, ber sogen. Polio-myelitis, bie gcrabe jetzt in ber englischen Grafschaft Tevonshire unb in Tornwall epibemieartig aufgetreten war unb zahllose Opfer geforbert hat, wird ein amt­licher Bericht des englischen Aerzterats bringen, ber unmittelbar vor ber Veröffentlichung steht. Unsere Kenntnisse über bas Wesen ber Kinderlähmung waren bisher ziemlich bürftig; bie neuen Studien unb Beobachtungen ber englischen Mediziner werden den solgenschweren Beweis für die enge Verwandtschaft dieser furcht­baren Kinberkraiikheit mit der Genickstarre erbringen. Als vor drei Monaten in Tevonshire unter den Kindern bie Seuche ausbrach, glaubte man es anfänglich mit einer Epidemie von Flecktyphus zu tun zu haben. Gewisse ungewöhnliche Symptome beim Aus­bruch der Krankheit veranlaßten jedoch Tr. R. E. Reece zu genaueren Beobachtungen und Forschungen, aus benen heroorgeht, baß bie Kinderlähmung mit ber Genickstarre eng verwandt, wenn nicht sogar identisch ist. Schon bei ber großen Kinderlähmungs- epibernte, bie im Jahre 1906 Neuyork heimsuchte, unb bei der mehr als 2000 Krankheitsfälle beobachtet wurden, war der Ver­dacht aufgetaucht, daß selbst die in England bisher nur ver­einzelt auftretenden Fälle auf Ansteckung durch einen Bazillus zurückzuführen seien. Bis vor kurzem neigte man gewöhtilich dazu, die Lähmungserscheinungen aus Erkältungen, auf plötzliche Nerven­erregungen ober auf Stöße und Fälle zurückzuleiten. Tie dies­jährige Epidemie in Kornwall und in Tevonshire, übrigens der erste Fall, in dem bie Krankheit seuchenartig in England aufgetreten ist, hat nach genaueren Untersuchungen ben Be­weis erbracht, baß die Bazillemheorie zu Recht besteht. Proben der Nückenrnarkslüssigkeit von kranken Kindern sind gegenwärtig in London noch ber Gegenstand bakteriologischer Untersuchungen.

Tie Vereinigung für staatswissenschast- liche Fortbildung, Berlin W, Behrenstraße 70, veran­staltet im kommenden Winter ihren 20. Fortbildungskursus, dec am 1. November beginnt und am 16. Februar n. Js schließt. Ter 2 t u d i e n p l a n ist soeben erschienen. Er enthält Mit- tcüungen über bie Vorlesungen, die Besichtigungen und Stndien- reisen, die Einzelvorträge und über geschäftliche Angelegenheiten. Tas beigefügte Verzeichnis ber konvensatorischm Vorlesungen ist als provisorisch anzusehen; es wird gegen Ende des Monats durch ein erweitertes enbgiltiges ersetzt werden.

tcilungcn des Reichskanzlers von den Ausschußmitgliedern nicht nur mit bereitwilligem Kopfnicken ausgenommen werden.

In Paris gibt man sich natürlich jetzt zufrieden. Heute wird von dort gemeldet, daß das Parlament erst Ende Ok­tober oder Anfang Noveinber über daS Aokommen zu Gericht sitzen wird. Tas ist also zu einer Zeit, wo der deutsche Reichstag schon gesprochen haben wird. Tie Franzosen wissen sich klug einzurichten. Einige ihrer Pressestimmen sind auch bemerkenswert:

Paris, 10. Okt. TerFigaro" schreibt:

Viele Leute schreien bei uns über Demütigung, weil die Regierung sich richtet, einen Teil des Kongos an T e u t s ch l a n d a b 5 u t r e t c n. Das ist sicher sehr unangenehm, aber wir wußten es mib^ hatten das Prinzip bereits feit Juli angenommen. Am ersten Tage ber Verhandlungen, sobald wir in eine Unterhandlung zu zweien eingetreten waren, mußten wir wissen, warum es sich handelte: Freiheit der Aktion für Frank­reich in ^Marokko gegen Ueberlassung einzelner Gebiete an Teutsch- land. Es ist jetzt zu spät, um daraus noch einzugehen, auch können wir nicht mehr über das Prinzip der Kompensationen diskutieren, sondern nur über ihren Umfang. Mit gu.cm Willen unb Geduld kann man zu einer für beide Länder an­nehmbaren Lösung gelangen.

DerPetit Partsien" schreibt:

Ter auf Marokw bejugiidje Ten des Abkommens zwischen Frankreich und Teutschland wird nicht mit den Unterschriften der Verhandelnden, sondern nur mit ihren Anfangsbuchstaben gezeichnet werden. Beide Teile der Verhandlungen, über Marokko und das Kongogebiet, sollen nach dem Wunsche Teutschlands erst in ein und derselben Urkunde unterschrieben werden.

Paris, 10. Okt. Wie verlautet, soll der Zusammen­tritt des Parlaments, da die Verhandlungen über die marokkanische Angelegenheit noch nicht ganz abgeschlossen sind, und die Regierung wünscht, daß sic vor dem Beginn der parlamentarischen Session beendet seien, vom 24. Okt. auf den 31. Okt. oder wenn nötig auf den 7. Nov. verschoben werden.

Täbris, 10. Okt. Ter Befehlshaber einer Abteilung von Anhängerndes. Schahs, RaschidNisarn, schlug die Regierungstrnppen in Tasudsha in die Flucht, der Kom­mandeur der letzteren wurde verwundet. In Salmas, wohin Reschid marschierte, herrscht große Niedergeschlagenheit.

Der Schiffahrtsabgaben-Ausschuh Oes Reichstags.

Berlin, 10. Okt.

Ter Schiffakrtsabgaben-Ansschuß des Reichstages nahm seine Beratungen wieder auf und begann in zweiter Lesung mit Ar­tikel 2 (Ausbringung unb Verwendung ber Mittel). Ter Minister ber öffentlichen Arbeiten, von Breiten buch, leitete bie Ver­handlungen mit einem längeren Expose über bie Stellung der Regierung zu ben bisherigen Beschlüssen des Ausschusses ein. Tie Regierung sei bereit, den Anträgen aus der ersten Lesung unb den zu Artikel 1 in zweiter Lesung gesteiften Anträgen Folge zu geben. Tas Gesetz habe für sie damit jedes finanzielle In­teresse verloren und sei nichts weiter als ein Verkehrsmeliorations- gesetz. Ter Minister warf einen Blick auf die ungeahnte Ver­kehrsentwicklung ber Eisenbahnen und Wasserstraßen und be­tonte die Notwendigkeit der Verbesserungen der Schiffahrtswege. Er bat den Ausschuß, die Arbeften so zu beschleunigen, daß das Gesetz noch in der laufenden Session verabschiedet werden könne.

Im weiteren Verlaus der »ibung ertiarte ber Staatssekretär Delbrück namens der Reichsleitung, daß sie großen Wert auf bie baldige Verabschiedung des Gesetzes lege, das auf verkehrs­politischem Gebiet einen großen Fortschritt darstelle.

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Die neuen Hundertmarkscheine.

Seit Mitte Februar dieses Jahres kann manans Verlangen" von ben Kassen der Rcichsbank die neuen Bank­noten ausgeliefert bekommen. Wenn man sich einen neuen Anzug nach der neuesten Mode hat bauen lassen, so hängt man ihn nicht in den Schrank, sondern man zieht ihn an, um darin Lob und Bewunderung zu ernten. Dem Rcicks- bankdirektorium ging es mit der neuen Emission aoer nicht so. Die Banknoten haben auf derSchau" schlecht abgeschnitten. Statt des früheren handlichen Formates zeigt dieNeue" eine handtuchähnliche Länge. Tas Zu- lammeiif alten dieses Handtüchelchens erfordert ein voll- 'ländigcs Umlernen. Tie Banknote muß dreimal gefaltet loerden; das bedeutet für ordnungliebende Menschen, die alles genau machen, einen Zeitverlust und Geduldaufwand. Will man die neuen 9loten verschicken, wird die Kalamität noch viel ärger. Ungefaltet passen sie in feind der ge­bräuchlichen Geldbrieskuverl-Hormate hinein, einmal ge­faltet kann man nur kleinere Summen unterbringen. Ferner lsr .das neue Papier spröde und beim Einsalten der Scheine glaubt man, daß das Papier wie dünnes Glas bricht. Lie Scheine sind störrisch und ungeberdig, rollen sich wie die Igel auf, sind übelnehmerisch, denn einen Kniff ver­gessen sie nie, er bleibt ewig sichtbar. Tas neue Papier tft auch dünn, so dünn, daß die Schwerkraft der Masse ausgehoben wird. Tie alten Scheine mit ihrer göttlichen Lappigkeit" legten sich schön aufeinander. Wenn man dO neue Scheine eben mühsam geglättet und das Gcldband darüber gestreift hat, so rollen sich die beiden Enden auf wie die mit der Schere gekräuselten Enden eines Drachen- schwanzcö. Und wenn ein Bankier nun gar größere Pakete, tiroa 100000 Mark, zusammenbindet, dann erscheint ein Produkt, daS sich aus lauter Wellenlinien zusammenzusetzen ßcheint. Das neue Papier ist zu dünn, zu spröde und hat AU wenig Eigenschwere.

Geradezu hoffnungslos traurig ist aber das Wied er- t.ch en nach nur kurzer Wanderung von Hand zu Hand. Zer­rissen, zerknittert, in desolatem Zustande kehren sie zurück. Handelskammern von Bedeutung und Ruf, am letzten Mon­tag auch der Ausschuß des Deutschen Handels­tages, haben sich gegen die Ausgabe der neuen Scheine Ergisch verwahrt. Ans einer Zusammenkunft der Reichs- dankliftter hat da so einProvinzler" den Herrn Geheimen Rat aus Berlin ganz harinlos gefragt, ob es wahr sei, daß Das Direktorium die neuen Scheine ganz zurückziehen wollte. Der Herr Dezernent soll vor Wut ganz außer dem Häuschen geraten fein.

Die neuen Scheine haben bei alledem scheußlich viel V'5 e 1 d gekoste t. Die Zeichnung hat einer der ersten Ber- lincr Künstler entworfen. Gewiß, das künstlerische Moment erkennt auch jeder gerne an. Auch die Notwendigkeit des Wasserzeichens. Wer unglücklich im höchsten Maße ist seine .Anbringung in der jetzigen Form. Der findige Direktor tjer Hansa-Automobil-Gesellschaft Varel-Oldenburg benutzte diesen weißen Kupon zu einem Reklameausdruck. Tas war nicht nett von ihm. Die Lacher "hatte er aber doch auf feiner Seite._________________________________________________

Vie Entscheidung über öas Maroltoabkoinmen.

Tie Entscheidung naht. Heute meldet das Wolffsche Bureau, der Bundesratsausschuß für die auswär­tigen Ange legenheiten trete am heutigen Mittwoch zu einer Sitzung zusammen, und dieNorddeutsche All- gemeine Zeitung" schreibt dazu, daß der Ausschuß des Bundesrats für auswärtige Angelegenheiten versam­melt werde, um, wie in den letzten Jahren, vor Zusammen­tritt des Reichstages Mitteilungen des Reichskanzlers ent­gegenzunehmen. Diese Mitteilungen werden sich vielleicht tnud) auf die deutsche Politik beim Tripolis-Streit erstrecken. Leider wird man über diese Beratungen im Bundesrotsaus- schufse wenig hören; es ist sehr wahrscheinlich, daß die Mit-

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'der Beteiligung auch iung§furfu§ in der tns unter ärztlicher Leik- den Standes oder Ben-, ch der Mühe unterziet d der Woche, zusainr unehmen, wollen sich c I2 Uhr, im UebunM!. !g 11, Pünktlich einfind-

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