Samstag, 2. Dezember (9U
16b Jahrgang
Erstes Blatt
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Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten«
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auf ein anderes Tier zu übertragen, von dein man weiß, daß Hexe verbirgt, wurde von einem nachgeahinten Bogel ausgeführb
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sein Serum dem menschlichen Höroer nichts schadet.
Nach einer Zeit von neun Monaten war es Tr. Flcxncr gelungen, vom Pferde das entsprechend^ Serum gegen die Genick- ,'tarre zu gewinnen, und auch dieses Serum erwies sich an Ässen als vollkommen wirksam, so daß nach fünfjährigen Versuchen Flexner die Anwendung auf den Menschen unbedenklich wagen konnte. Seine Erfolge sollen überraschend gut gewesen sein, denn wie es heißt, iinb tausende von Fällen von Genickstarre damit behandelt ivorbcn, wobei die Sterblichkeit etwa 10 v. H.
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Nr. 28$
ter rtetzener Snjetget eddirim läflhdi, anuer eonniag«. - Beilagen: pirrrnnt wöcheniiich 6i<tentr$amtlltnblätttr, voennal iPodieiul.Kitls» blatt sKrdenLrelr Ließen ,Tlen»tagt>ndFreitac,»; jN'tiinal motmtl. tanb- wirischaftlicheLeitsra^en ^eraipiech-AnIcklnsfe: für die Redaktion 112, Verlern u. Gxpedtt'on bl Slbtefle Hit Teoeschcn:
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Nachdem die Neugierde über die xicrfui-igcn Mitspieler durch tie eriic Szene geiattigt war, wand:- man iuh mit Ö/iio größerer Äu'mcrliamleit der Musik zu, die b?r -chövser von „Hänsel uno Gretel" geschaffen hat. Ste findet bei t;r Kritik allgemeinen Anklang: man rühmt ihr den »sreiluftcharakicr und den WalDcs- Cim, die den Meistern der deutschen Lper eigen sind", na di. Ter Komponist wandle auf den Spuren iü!agnerc', aber er habe leine eigenen innigen Harmonien gefunden Weniger zufrieden ist man mit dem Text, der hinter „Vämel und Gretel" zurück- nehe uno des eigentlichen Marchencharatiers entbehre, -R- ungen nurce in Rutscher Sprache: das Orckester leitete Schalk in vor-
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anjeigea Hototlonsörud und Verlag der vrühf'fchen Univ.'vuch- und Zkeindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Zchulitratze 7 bis Doniuuafle’ti'iiiir. vudingen: Fernsprecher Nr. 269 Scschüftsstclle vahnhofstrahe 16a.
Persiens letzte Stunde.
So sehr man uua> Den wuiti) für die fehl in Persien herrschende allgemeine Verwirrung ni seiner Erhebung zu
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betrug.
Gleichzeitig wird auch über eine neue Behandlung von Brustfellentzündung berichtet. Ausgehend von der in der neueren Immunttätsforfckung erworbenen Erkenntnis, daiz der Lrganismus sich nicht nur gegen Infektionen durch Bildung von Seyutzswffen — den sogen. Antikörpern — wehrt, sondern solche auch hervorbnngt, wenn krankhafte Neubildungen im Laufe einer Krankheit entstehen, hat man in der iünjften Zett erfolgreiche Versuche unternommen, die Ergüsse, die sich bei der Brutt- und Riovensellentzünduiig bilden, durch eine „A u t o s e rot h e r a - Die", bei der itd) also das Serum iclbft bildet, zum ^tfiromben ;u bringen, indem man den Erkrankten Pleuraflüssigkeit, welche die nötigen Antikörper enthält, unter die Haut spritzt. Tiefe Behandlungsmethode soll eine rasche Aufsaugung der krankhaften Flüssigkeitsansammlung zur Folge haben. Ein besonderer Vorzug dieser Therapie besteht darin, daß sie völlig ungeiährlich iit.
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— Ter 29. Deutsche Kongreß für Innere Medizin findet vom 15. bis 18. Avril 1912 in Wiesbaden statt unter dem Vorsitz des Geheimerats Stintzing Jena. Tas Hauotthema, das am ersten Sitzungstage zur Verhandlung kommt, ist: Tao Röntgenveriahren r.n Dienste der Erkennung und Behandlung der Magen Tarmcrkrankungcn Reierent iit Rieder München. Zu dem Thema Haden noch Vorträge zu- gesagt' Professor R. Magnus .lltretbij: Tte experimentellen Grundlagen der Untersuchung des Magen-Tarmkanales und Professor Quervain ^Basel): Ehirurgtsche »Erfahrungen mit der Radiologie des Magen-Tarmkanales.
_ yuuipercin u - „xönigslinde i" in London. Tie grotc Sen'atwn bei der Erstaufführung von Humperdincks „Konigslineeeit", d:c am üJloiuaj aw.. j in dee Eoe-em viaröen- Cocr naufanb, waren — die Gan e. Man hatte von diesen ge- siederten Akteuren so viel erzählt, und nun ircuie , man sicy, mic geidiidt ne ihre Rotten ipuiten. Freu ich d.e >?auptgans, ine au[ Liefehl der Prinzen in die Krone des Prinzen vor der
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Tic Londoner Staa.vtunfr. a. dann, al.-•bi? n dil g.rade liebenswürdigen englisch-deutschen < i präche b endet waren, Dufür gesorgt, daß die deutschen Bäume roc ?cr in Marokko noch am Kongo in den Himmel wuchsen. Tie deutsch-sran- zosischen Verhandlungen haben lange gedauert, und Sie Herren (Drei) und Ä.quith mCgen in ihrer Liebe zu Frant- reich und i.,rer Verärgerung gegen De^t chland dann e.was weiter gegangen sein, a.s die realen englischen Interessen cs erforderten. Cb sie aus Ber.in einen 'Truck ausüben wollten, um es dann mit einem Flottenaükommen desto leichter lincinlegen zu können? Tie Meinungen in England ge.-en, wie die Pariaiueut^verhand.u..gen g.z.igl haben, über diesen Punlt auseinander. Wer in Tcut.tt)- land bisher vielleicht noch von einem Flvtienabruslungs- oder Einschranlungsabcommen g. schwämmt ha., beejoub seht doch wohl immer mehr baoon ab*.ommen. Mit Sentt- mciitcui.ä.cn wiro in solci.cn Zachen nichts crr.i.yt. S.nd wir denn etwa durch die B.r.iiier mo.oiuci ver.rage Fuan.- rcich auch nur um einen Schritt näher gekommen? „Wo eines Plas nimmt, must das andere rüden, wer nicht vertrieben sein will, must vertre.ben; da herrsch, d.r streit, und nur die Star.e siegt." Tie Wor.e Friedlands kiui- zcichncn heute auch die deutjch-engl.sche Lage, ^ir Creij <at zwar nicht wie ein buiterer Peo^yet g^prochcn, aber lichl und nüaiLnn. Es lag in ici.ien Wor^n sar uns eine gechhrüche «StimmuiigSmuche. Lttgiaiio besitzt d.e Welt- ncrrscha.t zur See und wacht cij.r.aajtig bar.tuf, dast ihm darin nicmanb g.cich komme, ^eoes ^chi<|, das Deut ch- land neu baut, ist ijm ein Lorn int Ange. S.r Gret) verstand cs nun glänzend, diese etwas brutale Tatiaaie in einen rcjigiiicrtvii <on zu uverse^^n, mb.m er DeutschiandZ Befähigung und Fortschritte in ho.,en Tönen Pties, cs zugleich aber au.sorocrte, die „sehr natürlichen BZurchrun- gen" zu zerstreuen, dag es agre.itve Tc.tdenzen »>ege. Al,o ein Appetl an un,ere Bescheidenheit. Als ob wir in bett letzten 20 Icchren etwas errungen ha.ten, das mit den englischen Eroberungen während dieser Zeit auch nur an* näycrnb in vergleich gebracht werden konnte! Tann gestand der engaiaic Staatsmänn un.> g.täoigst „srcund^ch..st- liche Abmachungen" in Afrila zu, das heipt, sur unser gutes Geld burjen wir, während Eng.ano Aegypten uno die Hul,te Per,iens in die Ta.che steclt, uns auch ein Stückchen Neuland laufen. Und, |v sagte Sir Erey dann bcinahe höhnisch noch: „Tie Haupt,ache bei der Besserung unserer Beziehungen zu Teut,chiand mutz jein, dag wir leine unserer biö* verigen Freundschaften op,ern." Wir werden uns also schon auf die eigene Starte ver.asten massen. Nicht nur England gab es Poseidon, schnelle, hurtige Schisse zu bauen, jjer Reichseauzrer i,at visher noch leine Uebcr.icht des Re ich s- voranschiags sur 1jx2 hcrausgegeben. Es heipt, der neue Voransch.ag mache nur einen Anieihebedars von C.0 Millionen erforderlich, während im Jahre 1911 noch 103 Millionen gebraucht wurden. Bei der üverall ängstlich geübten Sparsamkeit, über die Herr Wermuth wach., braucht man über die „fortschreitende Sanierung unjerer Reichs,inanzen" darum noch keine Iubclii.der aiizusttmmen und Die R.tchs- siiiatizresorm nicht zu üeryimmeut. Wir werden abwarten, wie der neue Voranschlag im einzelnen aussieht, und dann wird man auch wieder ein neues Urteil über Herrn v. Bet.stnann unb jeine Helfer fällen können. Tag der .Heeres- und Marine.,aushalt eryvhte Ansorderungen stellen must, davon wird man nach den Ereignissen des Sommers in allen Voliskreisen überzeugt sein.
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monntiidi?! Est^ viertel- lähdub Mk. 2.20; durck» ilbbolf- u. Zweiastcllen monatiicfi 65 Pi.; durcd die Post Mk.2.— viericl- rnbrl. auoldiL BesteUq. 3filenprcie: loLUlölM^ ewiuärH 2U Pfenniq. Tlrefredakteur: A Gocn. VcrantivortNch für den polui|d)cn itd: Auausl (Böen, für ,Fe»ill«- ton', ,'1‘fmit,d'irJ* and .Wevidiidfaar. H. Neu- rmh; für ,otabi und Vnnbe: E.Heu; für den Änzetaenteil: H. Beck.
ntglicher Weife.
C. Ä. Eine Ausstellung „Stätten der Arbeit". Eine eigenartige reizvolle Idee liegt Dem Plan einer Ausstellung zugrunDc, Die unter Dem Titel „Statten Der Arbeit" zunächst im yjtari 1U12 in Lresoen in Der waieric Ermt UriioiD cruifnet werDen unb Dann eine längere Tournee durch Teutschland antreten toll, wobei sie befonoers in Eisen sich einer Ausstellung „Tie Industrie in Der bilDenden Kunst", die aus Anlaß Des tunbertfährigen Jubiläums Der Kruvv'chen Gußstahlfabrik im Kunstmuseum Der Stab: veranstaltet roirD, anglieoern mirD. In Der Welt Der Hochöfen, in Den »äien unb auf Den Lagerpia^n hat Der bildende jtünüla unserer Tage Dantoare Motive für sein Schaf,en geiunDcn, und bie Ausstellung soll zeigen, welchen Ein lus; die Statten der Arbeit auf Die moderne stnnst gewonnen haben und wie umgekehrt Die künstlerische Schöpferkraft Die Schön beit Dieser neuen Motive als Ausdruck für den Geist unseres Jahr hunderts erkannt hat. Tas Programm ist so weit ats möglich gern Et "■ alle Eeoieie der oild no.u vunii au-:tr ur üirdnti-iur sind einbe;ogen, unb die Beteiligung soll sich nicktt allem auf Teutschland beschränken. Tas 'Amt Der Jury für die Einsendung^ haben übernommen: Lovis Eorintb, Präsident Der Ber iner Sczeision, Ernst Gosebruck, Ttrektor des Kunstmuseums d.. stabt Eisen a. D. R., Prof. Freiherr v. Habermann, Jra i- Dent bet Nlünchener Se;es>wn, Pros. Arthur .stampf, Pra i Dent Der Berliner Königlichen ÄtaDemie Der Künste, Tr. Ernst Posse, Tirerwr der .stöniglichen Gemäldegalerie in Tre-den, Tr. Georg Bier mann, Herausgeoer des „Cicerone", Berlin, Ludwig W. Gutbier, Tresden.
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schäft. In Meiningen ist der Kgl. Ärchivdieelwr a. D. Oieb. Archiorat Tr. phil. Richard T o e o n e r im b«J. Lebens- lahre gestorben,
Lin Seium gegen die (oenidjiarre.
AuS dem Rockeseller-Jnstitut für Medizin in y? euyork, Dem die Heilkunde bereits manchen wertvollen Fortschritt verdankt, kommt Die Nadirickt, daß des en Leiter Tr. Limon Flexner ein Serum gegen Die Genickstarre hergestellt hat, das auöcrorbcntlid) wirksam sein soll. Tie Lterblichtett bei der Genickstarre Ivar bisher außerordentlich hock», betrug gegen 80 v. H. unb erreichte bei envachsenen zkranken noch höhere Werte; durch das Serum von Flexner soll es möglich sein, sie auf 10 v. H. herabzusetzen. . . _
Tie Schwierigkeit bei der Gewinnung des serums gegen die Genickstarre lag, wie ein Bericht im „Neuyork American" über diese wichtige Erfindung auSeinanberictit, Darin, baß eö mnadnt ‘ durckiaus nickt gelingen wollte, die Genickstarre vom Menschen auf Tiere zu übertragen. Weder Meerschweinchen, iwck Marne, nod) Kaninchen, nod) Ässen, an denen sonst Die Bakteriologen ihre Versuche zu mackien pflegen, erkrankten nach der Einimviung der Erreger Der Genickstarre, der Meningokokk e n. irntweder riefen die Impfungen bei den Tieren überbauet feine Verande- rungen hervor, oder eS zeigte sich ein Kraiikheitsbiid, das von der memchlichen Genickstarre Durchaus verschieden roav. ■sdmcblid’ gelang cs jedoch, an As,en die Erscheinungen Der Genickstarre durch Meiiingoloiienunviung vervvrzu^u.eii, iabe..i tthr gro(e -i'it'iigai mgeweiidet wurden. Tie Einspritzung erfolgte bei Den Ancn stets in Den Rückenmarkkanal. Ter zweite schritt, der zu tun war, bestand darin, daß Flexner Af .en unemvlinblich gegen das G.tt der Genickstarre zu machen suchte. Tas wurde _am dem bekannten Wege erreicht, Daß er mit ganz geringen xoien bc-j giftigen Stof es begann, so daß fick- Das Vermcksuer ganz allmählich an das Gift gewöhnen konnte, bis es schließlich die zehn- bis pvölffache Menge einer Injektion vertrug, die ein unvorbereitetes iier getötet hätte. Es Dauerte Monate dis dieser Zustand der Immunität bei verschiedenen Affen erreicht war. Xrei Sffcn wurden mit Meiiingokokken infiziert. Ter erste erhielt gleickzcttig eine Scrumeinspritzung, der zweite erst, nachdem die Genickstarre bei ihm zum Ausbruch gekommen war, und der Dritte wurde unbehandelt gelassen. Tas Ergelmis war, baß das erste Ver,uchs- tier überhauvt nicht erframte, daß das zweite in kurzer Zeit gesundete, und Daß das dritte nach wenigen Tagen starb. Tas Ecrum ijatte also alles geleistet, was man nur verlangen konnte. Natürlich konnte Tr. Flexner nun nicht e.wa daran DenLn, ron Den '.inmuit gemachten As en Serum zu gewinnen und es Menschen ,zu injizieren, Die an Genickstarre erkrankt waren, denn er mutzte damit rechnen, daß Af>enierum vom mensch.ichen Körper vieUeicht nicht vertragen wird. Er machte sich daher daran, die Immunität
einem konstitutionellen SlaatSwescn sehen mag, für Die Persien eben nod) nickt reif war, unb so sehr man auck daraus zurückverweisen mag, bas; bie zerrütteten persischen Finan-verl.ültnis.e auch heute noch Schulb baran tragen, wenn das Land der Grotzlönige noch immer auf einem unglaublich tiefen Niveau steht, — bas eine wirb man nicht leugnen können, daß im MedschliS Männer sitzen, >ie, von einem ehrlichen Patriotismus beseelt, fdion lange Den eigentlichen Grund für bie persischen Mißstände erlangt haben. Wie bie Großmächte ber jungen Türkei bis zu ihrem Heber fall burch Itaucn Zeit liegen, ihren inneren Neuaufbau zu volsziehen, so hatte bas, wofern man es rcbliü) meinte, aua; Persien gegenüber ge.chehen müssen. Aber weit aeschlt: Englanb unb Rußland jchlo.sen im Jahre 1907 ihr Abkommen, m dem sie zwar die „Integrität" PersienS anerkannten, sich aber im Süden und Norden des Lanocs „Einflußsphären" zuwie.en, so baß bie Integrität Perlens sich genau genommen nur auf das zw.schon beiden Sphären gelegene Gebiet beschränkte. England hat daraus den größten Vorteil gezogen, indem es durch dieses Abkommen einmal Rußland auf seine Seite brachte, bann aber auch durch bie Errichtung eines Pufferstaats im mittleren Persien ben Lormar.ch ber Russen nach Inbien, wenn |ie wieder zu ihrer historischen Englandfeindschaft zurück- rchrten, verhinderte bezw. erschwerte.
Unter dem Gesichtspunkte „Frieden mit Rußland um jeden Preis" ist es nur allzuoerstandlich, daß England, das fiü) sonst so gerne den Anschein gibt, der Hort der Schwachen zu jein, feinen Finger rührte, um dein Vordringen Rüglands unb seiner Einmischung in die persischen SerbäUniJe irgendwie Halt zu gebieten Möglich, baß es hierbei auch von ber Befürchtung geleitet war, Rußlanb tonne, faUs Englanb sich seinen Crrocilerunge-' beftrebungen in Persien widersetzte, das mit Teutschland in Potsdam abgeschio.sene Abkommen über Per,ien zu einer Annäherung in Europa erweitern, was natürlich die Treimäck.e-En.ente sehr empfindlich abge^chwächl hätte. Genug, England machte, nachdem es sich unter dem Vorgeben, in Südpcrfien fei ber Hanbel burch Räubereien loriwährend gestört, seinen dortigen Anteil gesichert hatte, Rußland leine Schwierigkeiten, als im Juli dieses Jahres ber von den Periern verjagte Schah Mohameb Ali einen Bürgerkrieg zu entfesseln suchte, um sich als Kreatur Ruß- lanbs wieder auf den 21)ron seiner Vater niederzulaisen. ^Tas Unternehmen mißlang zwar, aber war Rußland nicht aus inbireftem Wege zum Ziele gekommen, so schlug es int Oktober b. Js. ben direkten ein, indem es rnjOfdje Truppen bei Enseli am sta.pischen Meere landen ließ, angeblid) nur zu dem Zwecke, die stonsulatswache in Rescht abzulösen.
2chon damals sagte man sich, daß diese Angabe unmöglich der Wahrheit entsprechen könne. Und seit Mitte dieies Monats hat Rußland auch bie Maske fallen lassen, inbem es einen recht unbebeutenben Vorfall znm Anlaß nahm, Persien am 13. November ein Ultimatum zu überreichen. Ter persische Finanzbeirat, ber Norbamerilaner Mor g an Shu ft e r, hatte nämlich ein einem Bruber bes früheren Schahs geyöriges Lanbgut, bas an rufüsche Untertanen verpachtet war, beschlagnahmt unb war dadurch in Konflikt mit dem rustifchcn General- lonful geraten. Tie penische Regierung forderte deshalb eine gemeinsame Untersuchung des Falles, Rußland ließ sich aber gar nicht daraus ein, sondern verlangte Genugtuung, und erklärte, daß, wenn Persien diese nicht gewähre, es sich Maßnahmen zum Schutze feiner Untertanen Vorbehalten müsse, ja, es drohte mit dem Abbruch der diploma-
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberyefsen
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politische Wochenschau.
G.eßen, 2. T^zember.
Im Reichstag soll in der nächsten Woche nochmals eine Marokko-Besprechung stattsinden. Wird es darauf hinauöfommen, daß nach ben geheimen Ausschußvcrhanb- hingen — Enbe gut, alles gut — ber Regierung ein Vertrauensvotum bargcbracht wirb? TaS wäre vcrschwe:ibctc Zeit. Tie schönen, seligen Tage bes Marokko-Traumes liegen enbgühig hinter und, unb bis unsere Abgcorbnctcn bie fünf Kilometer Kongo-User, bie uns geworben finb, »um Ziel neuer Unternehmungen machen werben, bis bahin hal's noch gute Wege. Unter ben obroaltenben Umständen war nicht mehr zu holen, so hat der Kanzler versichert. Wir haben durch deS englischen Ltaatsieccetärs Rede die obwaltenden Umstände noch etwas näher kennen gelernt, und unsere gatae auswärtige Politik muß aus bie Frage eingestellt werden: Wie regeln wir unser Verhältnis zu England? Wenn unsere Regierung fetzt, nach der Rede Sir GreyS, in der halbamtlichen Pces.e die englischen S.aats- männer jchelten läßt, sie hätten uns nichts gegönnt und sich alS Friedensstörer aufgcipiclt, so stehen Diese Lciilungcn auf einer ähnlichen Höhe, wie all die arnllichcn Presfesun- ben ber letzten Zeit Mit solchen Rebcnsarlen wird weder bie bei ber Marokkoakiion bewiesene beutle S.aaiskunst im Ansehen gehoben, noch bem Volke auf feinen Zukunfts- toegen vorangeleuchtet. Ter Aerger unserer am.licyen Aus- kanbspolitifer über bie englischen Betccrn ist ja nicht unbegreiflich: hat boch Sir Grey wieber lächelnb Darauf hin- gewiefen, bas enaliiche Eingreifen unb sogar auch bie pol- ternbe Rebe Lloyd Georges l-atcen bem Wel.frieden gecicnt. Apf ber einen Seite erreichte Zwecke, auf ber anberen bas Nachsehen. Ueberblidt man heute noch einmal bie Neichs- tagörebe des Reichskanzlers, so mutz man lachen über seinen wieber einmal bestätigten politischen Formalismus. Er hatte sich ungefähr so geäußert, batz Enaland nach unseren Beschwerben über bie eiigli,chen Trohrebcn nicht mehr darauf bestanden habe, an den Verhandlungen tcilzunehmen. Auch ein Erfolg! War England denn ausgefchaltet? Grey hat versichert, England habe während der ganzen Tauer der Verhandlungen mit Frankreich in iiuimcr Berührung gestanden. Und jedesmal, wenn Albion mit dem Finger winkte, schrumpfte die kong0iompen,ation, die ursprünglich daS ganze französische kongoreich umfassen fpiLe, weiter zusammen. Vlber England hat, das ist Bethmanns Trost, an Den Verhandlungen nicht direkt teilgcnommcn. Wollte die deutsche Regierung auf einen so mageren Vergleich hinaus, wie er am Ende erreicht worden ist, so brauchte man sich gar nicht so pedantisch darauf zu versteifen, England bei den Verhandlungen auszuschalien. Man konnte ihm, alS Signatarmacht von Algeciras, sagen, waS man wollte. Aber vielleicht wußte Herr v. Miherien selbst nicht recht, was er letzten Endes wollte, als er ben Panther nach Agadir schickte. Stätte sich in London nichts geregt, so wäre man vielleicht doch fo kühn gewesen, in Süd- Marokko zu bleiben. Man durfte aber bie englische Einwen- Dung mit ziemlicher Sicherheit erwarten. Ob bie eng- lischen Intereisen am Enbe fo groß gewesen wären, um bei einer schnellen unb kühnen Be,etzung marokkanischen Bobcns burch bie Deutschen einen Krieg zu beginnen, bleibt fraglich. Tie deutsche Regierung aber hat, das erkennen wir jetzt, nicht kühn, sondern kurzsichtig gehandelt. Als Wisserin des enalisch-französisckcn Abkommens von 1904 und nach den Erfahrungen von Algeciras hcittc fie fo nicht vorgehen dürfen. _______________________________
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