Ausgabe 
2.8.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

161. Jahrgang

Zwetter Blatt

Nr. 179

Erscheint tLgNch mit Ausnahme deS Sonntag».

Will hier (Vranfreidi und dort Spanien sich einen

ein?

Die Derfafiungsrcform in IHcdlcnburg.

Aber richte

Wir haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß unser Anteil an den, marokkanischen Handelsverkehr und die verbrieften Ansprüche unserer Multurpionierc an der ökonomischen Detter - enlroirfluna des afrikanischen Reichs, nicht geringer ;u bewerten sind, als d,e Frankreichs Sie a u f z u g e be n , wäre ( e i rti t- Sollen alle Vereinbarungen aus trüberen Tagen hin-

Die wflefONt SewtiHenblättef* werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» Mrctsblalt fir bei Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftliche, Sell- hegen** erscheinen monatlich zweimal.

Ermordung eines Deutschen in Kalifornien.

Bochum, 2. Aug. Die verlautet, ist der Diplom ingenieur Winkler, der in Kalifornien eine Goldmine leitete, dort überfallen und in bestialischer Weise ermordet worden. Frau Winkler, die zurzeit in Bochum weilt, bat bisher noch keine ausländische Mitteilung über die Er­mordung ihres Mannes erhalten

2lit» *inO7 unO tt,and.

Sieben, 2. August 1911.

Grosherzog den Abgeordneten nachstehendes:

Er glaube im Vorgehen der Ritter chait den Wunsch erblicken zu sollen, ihrerseits zu einer Verständigung über die Deriassungs frage berzuiragcn. Cbnc auf d,c Gür.clbcücn bc5 von der Slitter- idtiit g Hart en, ihm soeben überreichten Beickllmes enuugeben, müsse ex doch daraus I inweisen, bat; dieser 'ich im wesentlichen mit Den Bor'chlägcn deck:, welche bereite bei den körn misarisch-deputatischeu Bcrhan blutigen des I e M e n 121 n b t a g e -3 gemacht wurden, welche aber schwerwiegeu. den Bedenken begegneten. Er nehme jedoch an, das» durch den Bejchlus- der Rill csciast nur eine Grundlage zür wertere Verhandlungen geboten werden soll, so bau mr die Frage Raum bleibe, ob es möglich sei, durch Modiitkation der Vorschläge den bc;cid)neicH Bedenken Rechnung w tragen Von dreier An­nahme aus fei er bereit, eine Prüfung der Vorschläge .tu reranla-'cii

. I lUJIll Ul- ** V l y L L L L lUf U UlV 1 1

Rostock, I Aug. Ter ('f r ü B I) c r 5 o g empfing gc|tcrn jrcu[ ständigen Einwohner des Kurortes und hitit braven im Palais von Rostock dir auf dem ritterfd Etlichen KonventIMusikern .... i unter dem 13. Juli erwählte Abordnung Nach der Ent-s dein Tagewerk in der Lommerftische so ein, da-j du den Kur

Ratschläge für den Aufenthalt im Kurort gibt jemand tu Oec ^ohiiQ/en Zeitung. <-r idjreiui: .iirg.rc dich nicht über die Kurtage. Der Vcrnünfiigc begegnet irnnlo.en Einrichtungen, die er nicht zu äntern vermag, mit Humor und Gleichmut. Aergere dich auch nicht über die Lurmuitt. Sic a>

Die deutsche Kolomalgeselljchast für Kompensationen innerhalb Marottas.

Die Deutsche K 0 l 0 n i-a l a e s e ll s ch a s r vcrüssent- licht eine Erklärung, in der sie für Deutschland Kvmpcn- fationen innerhalb Marokkos sorderl. TicMitteilungen" ber tffcsellschaft in Berlin bringen zwei sehr bemerkenswerte Darlegungen, die sich gegen Kompensationen au r,er halb Ma­rokkos wenden 3ut Maroklofrage selbst heißt es darin:

* Für die Sitzung der Stadt verordn cten- Bersammlung am Donnerstag, 3 August, nnrtirn. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Mitteilun­gen. 2. Baugesuch Nicolaus für Leltersweg -3. Bau­sache Dehrunl ivlaubrechtstraße 810. 4. Bausachc Wehrnm Ette Glaubrecht- und Erednerstraße. 5. Baugcsucii Gustav Belitz für die Marburger Straße. 6. Baugeiuch W. Dutl- ner für die Marburger Straße. 7. Sauge)uch Georg Deans für die Schützenstraße. 8. Anbringen eines Erkers am Neu bau von Stüttrath im Asterweg V. Anbringen eines Frrin.'ii- schildeS Jraukfurler Straße 62 10. Ausbruch der Wetz­

steingasse für Gas- und Wasserleitungen. 11. Herstellung! einer Wasserzuleitungsanlage für die Anlagen am allen Friedhof. 12. Gärtnerische Anlage oes Gelände- strcifens entlang des Lazare, tgrundslüttes an der £fi Anlage. 13. Verpachtung eines Lagerplatzes an der SRargareuulnljic und BauoispenS für ihn. 11. Beeinträchkiguttg itäbl. Eigen­tums durch Anlegung von Ausgängen von Den f?nfn . n Kaiser-Allee 115 uru> i 17 nach dem Trieb. 15. E l c k t r i s ch c Straßenbeleuchtung 16. Fernzündung der Straßenlaternen 17. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 18. Haushaltungsutnerrimt für Schülerinnen oer Stadtmädchenschule an ocr Haushaltung, schule des Alice-Schuloereins.

Die Promenadenkonzerte. Die Eingesandt^ in unserer Zeitung und die Verhandlungen darüber m fccc letzten Stadtverordnetensitzung haben bargetan, daß baß Gießener Publtluui auf die Veranstaltung der Promenaden»

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

Mittwoch, 2. August 19U

Ae.ation-druck und Verlag der Brühpschen Umversuät4 - Buch- uns GteinbmtfereL R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Truckerri: Sckul- ftvage 7. Expedition und Verlag: «-E bl. Redaktion: N2. Tel.-Adr^ An^igerGteßen.

fertig.

Blsscn aus dem marokkanischen -tuchen berausnebmeti, 10 b< anspruchcn wir für uns ba> (öleiche. Wir werden uns nidit mit einigen tausend Quadratkilometern Landes in dem vorn Aui rühr durchtobtcn Tschadsecdinrikt abspeisen lassen, sondern ver langen gleichfalls wie seue Macht die Kompensation in Marokko selber und halten für einen gegebenen A u s gleich das Hinter land von Agadir, das Sus. Hier wurde in erster Reihe durch beutfdte Holonialpionierc die Flagge dem scheit Fleißes <iufred)terhalten. Wir suchen eine Zerstückelung des Landes nicht, aber wir wollen uns auch nicht aus her durch die Tüchtigkeit und Rührigkeit unserer Landsleute errungenen Stellung herausdrängen lassen: einmal, weil wir die («rund fotze des Völkerrechts nicht mißachtet sehen wollen, sodann wegen unserer Stellung in der rnolmmmedanischen Welt, der wir nicht als landeshungrige Lkkupatoren bekannt geworden sind, sondern als deutsche Miilturpionicrc. Und was soll mit all den Werten geschehen, die von unseren Landsleuten in einem Menschenalter unter Schwierigkeiten und gegen Widerstände in Marokko lang sam und zähe ausgebaut worden sind? Die maßgebenden Per- sdnlichkeiten der Deutsckien Kolonialgesettschast sind sich darüber einig, daß es für das Deutsche Reich eine Ehrensache ist, sich nicht auS einer auf dem Boden des Rechts und aus eigener -traft errungenen Stellung in Marokko hrrausdrangen zu lauen, lieber eine etwaige Abtretung Togos schreibt die der Deutschen Kolonialgeseltschast nahestehendeDeutsche

l?ccr und jlottc.

Das LinienschiffL stfrieslau d" wurde in Wilhelntshaven in Dienst gestellt, unter dem Kvm manbo deS Kapitäns Engelhardt. Die Herb st manover der Hochseeflotte beginnen am 20. August.

Der französische Kriegs rnini st er über seine Reformen Der französische Kricgsininister er­klärte einem Berichterstatter, er könne mit Befriedigung seststellen, daß die von ihm durchgeführte Umgestaltung des Oberbefehls nirgends einer ernsten, grundsätz­lichen Kritik begegne. Dura) die Neuorganisation desselben habe Franlreich etwas erhalten, das es bisher nie besessen habe, einen Oberbefehl, der in Friedenszeiten so eingerichtet sei, wie er in Kriegszeiten sein werde Ich habe bedauert, fuhr her Kriegsminister fort, daß Okneral Pau mein An erbieten abgelehnt hat, aber noch überraschter war ich, als ich sah, daß eine ganze Partei, welche die Reiteinrichtung mit dem General Pau als bewundernswert bezeichnete, mir einem Male erklärte, daß diese ohne ihn nichts tauge. Beweist das nicht, daß nicht wir sondern unsere Gegner in alle Fragen die Politik lincintragen? Die Regierung verlangt nur eines von den Generälen, denen sie die nächsten Posten verleiht, nämlich loyale Gesinnung Jedermann m tennt übrigens die Tüchtigleit des Generals Zoff re und des Generals Eaftetnau an, der in Kriegs­zeiten sein unmittelbarer Mitarbeiter fein wird. Zm Kriegsfall wurde der zum Oberbefehlshaber der iftarmce bestimmte General Ioffre mit feinem General- stabschef Castelnau an die > renz abg ...u, während Gene ra( Dubail in Paris beim Mrnister bleibt. Mit diesen drei Männern werde ich mich bemühen, das Cffenfiv- j n ft e m zu entwickeln, welches unser Generalstab in allen Den Kricgsvorbereitungen gewidmeten Arbeiten betätigen soll. _____________________________

Kolonialzeitung":

Wir glauben wohl, daß es unserem Nachbar panen würde fein nordwestafrikaiiisches Militärrcich von 2.5000 Einwohnern durch cm Land obzurunden, oas von uns auf das beste zivilisiert und emwittelt worden ist. Tk Teutsdw Solonialgcjellschast muß gegen einen foldjen Handel Widerspruch erheben, ganz allgemein aber gegen jede Abtretung deutschen b i c t e. xer moralische Eindrutt einer solchen würde für jeden Freund unserer Politik ein beschämender und schmachvoller stin.

Ta« Verhalten der Etngeborenen in Agadir.

Der Spezialberichternatter derKölnischen Zeitung" meldet aus Agadir vorn 31. Juli: In Agadir befinden sich zurzeit noch vier Deutsche und zwei Spanier. Der KreuzerBerlin" ist beule nach Teneriffa 3um zwhlcn- einnehmen abgefahren. Ec. wird inzwischen hier durch den E b c r" ersetzt. Dank der Anwesenheit der deut­schen Kriegsschiffe Herr sch tim ganzen Gebiet v 0 n M 0 g a d 0 r b is z u m ä u ß e r st e n d c n g r ö ß t e Ruhe. Selbst in Tarubont wurden einige aus Biarrake sch kommende Deulfche gut ausgenommen Dieser Tage oe^ juchten die Scheichs aus dem gefürchteten B e r g - ft a m m Utanan den Kommandanten derBerlin" uitd haben ihm erklärt, daß überall Genugtuung über die An­wesenheit des Kriegsschiffes herrsche Die Utanan luden die Kommandanten und die £ffixiere ein, in ihr Gebiet tU kommen. Der Kommandant Loh lein empfahl ihnen, stets für die Erhaltung der Ruhe des Landes zu wirken.

« I konzerten roeislid» aus dem Dege gehrst. Denn wenn im ibn« gegennabme der aui dem Kotwent gciauten und in der I r,r |ptlfcll.-t 1)01l »cin B<-rgiiugen mvou unb raubst den lieben Presse bereits bekannt gegebenen Beichlusie eröffnete der ^^wohne'i-n br-3 Kurortes, denen d Musik OVuuf; bereitet, den beiwohnen, so wiege dein Haupt nicht etwa in OkMnfen nadi Dem Takte der Muiik Man könnte sonst mein hl du feist ebentau* umimiikalisch Aergere dich nicht, wenn du demen Namen nicht in bei Knrliste findest Er fiebt meist erst ixxnn, nr.mn man den Kurort verlassen tat. Freilich ist der Abdnick de Namens in bcT Kurliste für viele die cin»,ge Gelegenheit, ibren Nomen gedruckt zu sehen, trav in unterer Zeit bei maiuheii Memchen ein beglückendes Gei übt envedt Indefsen ist es noch iimner med er- umhdM'r, man findet seinen Namen überhaupt nicht, als daß man ihn verdruckt iuibet. Und das ist bei den meisten Namen m der Kurliste der Fall Daher hat es auch gar keinen itred, in der Kurliste nach Namen von Fremden, Perw^indien iind^Be iaiuuen zu forschen Sie sind meist verdruckt. Nur die -titel inb richtig, um al wenn es bochklingende sind, lind tvenn man zufällig einen richtig gedruckten Ninien eines heben Menschen entdeckt und ibn schnell nuiiucben will, so ist er, weiiii man in 1 einem Logis nach ilun fragt, sicherlich abgereist. - Man dort auch in Shiroricn von anderen Dingen als mir von seinen Lewen reden. Frage niimals, wenn du einen Bekannten auf der Kurpiom'- nade triffst, obseine liebe Frau" audi da ß'i. Er könnte in» zwiidjen gemneden uno mit feiner jolgeiiden Frau auf der Hoch* zeitsreise sein und weiß dann nickt, weld>eliebe fVinu" du mault. Das Tragen von Eheringen bei einem Paare, mit dem cn im <hirort bekannt imrü, beweist nicht, daß das Paar ein Ehepaar ist. Selbst em Streit zwischen den beiden kann in dieser Beziehung lauschen Derabrcde nut Leuten, die du int Kurorte vor einer Stunde keuneii gelernt hast, nickt gleich Tagespartien, oder fordere sie gar auf, dich daheim zu besuchen Wenn du and) ein Rechn ha sh dick für einen großen Menschenkenner zu halten. 10 kannst du dick» doch täusdien. Und man täusckn itd) mein über icinc Reisegefährten. Denn in der Fremde gibt fick »eder anders a\> daheim. Auch du erscheinst, losgeloit von deinem B rüte, laut deinen Alltagssorgen und Alltagspflidsten, tenen aud.is, als nric sie bid) daheim wiederfinden, und auck du tannir enttan'denö wirken Glaube alles, was dir auf Reisen vorgelogcn wird. Wenn du Zweifel in >:as Reiselatein irgendeines modernen Münch­hausen setzest, birg ihn tief in deinem Busen, denn o hat gar keinen Zweck, solchen Zweifel zu äußern. Tu wirst nur tut uiilwflich gehalten, und der andere, der dich angAogen hat. halt sich durch solche nernuinilid'c Unhöflichkeit berechtigt zu ixr '?n9b* heil, and) dir dein Reiselatein nicht zu glauben.

vor 40 Zähren im Bois de Boulogne.

Als letzten Nachhall der vielen Erinnerungen, d>e der deutsch­französische Krieg wieder erweckt hat, veröffentlicht ocr auch bei uns nwhlbefaniuc militärische Mitarbeiter d.°Gaulot!," Lbern- leumant Roussct, unter dem TitelZm Zähre 1S<1 im Bois b: Boulogne" eine reizvolle Schilderung der Vorgänge des ^vat- irühlings, wo vor den Mauiwn von Paris Franzosen gegen Franzosen fämpftat. Mit vielen seiner Kameraden war Cberttlcutiumt Rot: set damals im Bois de Boulogne ut einem ZelUaaer untergebracht.

,r3n tvcldKin traurigen Zustande biianb sich damals der Bois de Boulogne f" so beginnt Roussets Schilderung. ,/Jm Innern unendliche Laufgraben, von Vorsorgen den Geistern in ..ickzacklinien entworfen, die ihn in allen Richtungen durchwühlten! Vor deii Wällen waren auf zwei ober dreihundert Meter die Baume wenige Fuß über dem Boden abgesagt und so zu kläglichen Stümpfen geworden, die aus der Ferne wie gewaltige FußangAn aussahen, die vor dem Festungsglacis ausgelegt waren, -tu- rissigen, klaffenden unb zerfetzten Bauwerke schienen uns jeden Augenblick am den Kops zu fallen, und durch nrüstes Trümmenflb von Steinen, von denen nicht einer an seinem ursprünglichen Platze geblieben war, mußte man sich einen Weg bahnen, um die Mell er räume des Eajü Cascade zu erreichen, wo un crc Martc- tendcriit ihre Herde aufgestellt hatte. Es war ein sck)onerlicher und zugleich trauriger Anblick. Niemand glaubte, dar, es ic möglich sein werde, die kläglichen Trümmer wieder hcrzustellen, oder die Branomarlungen des Unheils, das durck? unsere Arn i . iih.it nock erschwert werden sollte, wegzuwischen. Zn unserem Mitleid mit ben Trümmern gingen wir so weit, zu vergessen, i .1' die 'iJatur eine fruchtbare Mutter ist, die schnell wieder I erstellt, was die Menschen vernichtet haben. Ats mir einige Wochen später zur Truppenschau wiederkamen, waren die Löcher

Boden verschwunden unb schon grünten junge Bäume an Stelle der ehemaligen traurigen Stumpfe.

Gewöhnlich waren wir entlang der Mauer von Bagatelle untergebracht, gegen die man die Zelte so dicht rote, möglich drängte, um sie gegen die Granaten zu schützen, bre die H crr en K 0 ni muni fr e n uns ohne Unterbredjung und nut einer Frei­giebigleit herübersandten, die für uns höchst kostspielig hätte wer­den können, wäre sie nut ein wenig mehr Geschicklichkeit ver­bunden geivesen Glücklicherweise gingen die Geschoße meistens über unsere Köpfe hinweg und die Trainierbahn, die fick vor Bagatelle ausdehnt (das Ehamv d'Entrainement) mar in solchem Maße damit bestreut, das; sie halb aussehen mußte, wie em Alteisenlager. In ber Nackt aber war ber Höllenlärm sehr unangenehm, wenn man nicht auf Wackie war und ftblafen wollte. Manchmal wurde das Getöse so unerträglich, baß man nicht

einmal mit einanb 1 1 .

0 lange, bis die großen Geschütze des Moni Valerien durch cm paar wohlgeziette Schu.se bic kannoniere bcr^luirapicr zwangen, ihren nn aäuiidcn Totuicr AucüJaUiialtcn. Die Trupptn in ben Festungsgrabcn hatten vier Tage Ti en st und hieraus folgten vier Ruhetage im BoiS de Samt Eucuia Himer Rueil im Nordwesten hinter dem Mont Balsrien. Tenen, bic während des Ticnues nicht an der Front waren, ließ der Dienst leooch mitunter auch Mußestunden. Zch entsinne mich, wie ick) eines fdwnen Tages als idt zur Reserve gehörte, mit einigen Kameraden zum Sautt- Zames-See un Norowesten des Bois, ging, um einige Bratfische zu fangen. Der Erfolg war erstaunlich. Als wir unsere Bcute heimtrugen, bic, wie wir pachten ein l>errlichcs Mahl abgeben sollte, begegnete uns lltoer ein Stabsosiizier, ber mit verhängtem 3ügei berangaloppicrt kam und uns meldete, der Einzug in Pans stctw bevor und Lager müsse sogleich ..

Zn dem iolgcnbcii Wirrwarr vergaßen wir unsere Brat fische, und das Unglück wollte, daß der Koch, ein ordnungsliebend r und vordenklicher Mann, nickt das gleiche tat. (h: verwahrt: iic sorgwlug in der Lebensmittelkanune, die ivir erst volle neun Tage später sehen tollten. Zn welchem Zustande aber, großer Gott' Mir schauder:, wenn ich dran denke!

Un-cr sonst einförmiger Au'enthalt bei Bagat lle nrarbc enoü eine Woche vor diesem denkwürdigen Tage durck einen LoriaH uiitcrbrocken, über den man damals auf Befehl schwieg. Eines abends, als wir gegen 5 aus den Laufgräben zurückkehrten, stellte man uns in Schlachtordnung auf, unb sogleich sahen nur einen leichten Wagen sich nähern, ber von LongckampS kam. Ein kleiner, vom Kops bis Fußetnschließlid) des Hutes grau gcilcibcter Mann sprang heraus. Erst ieyte er sich seine Brille zurecht, dann steckte er seine Rechte zwisdren zwei Knöpfe in ben Gehrock, hierauf schritt er m Begleitung M a c M a h 0 n s , der leicht binftv, einigen Generäle» die Ti.ippin ab. Aber er betrachtete jie mit zerstreuten Blicken unb schien an alles andere eher zu denken, als ihre gute Haltung und Ausstellung zu prüi'cn. Dhiers er ivar es nämlich tneb in diesem Augenblicke Strategie. Bald zog er die Hand aus dem Rock, denn er mackre viele Handbewegungen beim Sprechen. Er zeigte auf den Mont Valerie, von dem gerade eine Granate kam. Sie platzte vor-" zeitig mitten in ihrer Flugbahn und ließ ein paar Eifenfplitter nicht rocit von ihm zu Boden fallest. Plötzlich blieb er stehen, fteUte fick auf Die Zehenspitzen unb uuüirtc dem Marschall, ber nickt immer feiner Meinung zu sein sckien, etwas ins Lhr. Dann brebte er sich plötzlich um, rief einen ber Generäle und begann auf freiem Felde einen Neinen Kriegsrat abzuhalten, wobei er ausgiebig sprach unb mit dem Stocke Linien aus ben Boden zeichnete. Dann bestieg er wieder den Wagen, grüßte mit einer grotz zügigen Hanbbewegung uno i>er chwand. Die Soloatyi

hatten ivährend dieser ganzen Zeit die Geweine präsentieren müssen uno waren nicht zufrieden, und ick) muß lagen, tust diese erste Berührung des Heers mit dem Znhabcr oci tits- ührenden Gewalt alles andere als herzlich war. Am Abend l'prad) man in allen Zellen von nichts anderem als von oem f leinen Graue n", ber alle um ein Nichts in Aufregung versetzt hatte. Aber um 1 Uhr mor0.ii-> iu atm 0.' L oonn inzen die Offiziere, es wurde befohlen, lautlos die Waffen -,u , r* greifen, und verboten, laut zu wrcchen. Selbst die blauten Wa'-en und die Lageräte mußten feftgebunben werden, damit sie n>cht klirrten. Dann brach man hinaus in die bunflc Nacht, ohne zu wissen wohin. Wir mandrierten halb schlafend einetilce entlang. Wie lange? ich weiß es nicht, aber schließlich stoße» dte Spitzen der Kolonnen an aas Glacis Hier gibt es teilt schützendes Buschwerk mehr. Wir stehen hier völlig cntbluBt auf : 1.1 Felde mit den Baumstümpfen, so bidn an den Ä iilen, daß wir deutlich das eifrige Geipiach Horen, in das balmucr die Kanontere der Eommune verwickelt sind. Dahintcr herrscht ein schrecklicher Wirrwarr, dessen Grund uns entgeht, denn tvic wissen garn'.chts, nicht einmal, wozu wir hierher marschiert sind.

Ohne diesen i'orgloien Fatalismus, der auf bic Tauet die Nerven der Sotbaten tuhmt, die lauge im Biivat gelebt ..aben, hätten wir die ernstesten Gründe zur Beunruhigung gehabt. Plötz­lich erhellt ein gewaltiger Blitz die Mauer, und es iolgi öte schrecklichste Explosion, Die ich jemals gehört habe Ein Sausen wie von einer Windhose geht über unsere Kopie 1; nweg, es brüllt wie ein Donnerschlag, der neben uns em st. . unb es folgt das Krachen von Zweigen, wie eine Gewehrw. . Alle Geschütze des Walles waren gleichzeitig gelöst unb nur durch einen unverhofften Glücksfall war von uns nicht ein einziger Mann verwundet worden! Auch dieses Mal war die Salve schlecht ge­richtet, war zu hoch gewesen unb verlor sich, wie gewöhnlich hinter Bagatelle, dem Endpunkt aller Granaten der Momrnu» nisten! . . . Die Truppen kehrten nun um, und erst später er­fuhren sie, was das Tür ein nächtliches Abenteuer gewesen war. Thiers hatte für 100000 Franks Sörizier erlauft, der die Pone Dauphine ziemlich im Notoen oer £ ft feite des Bois, ausliefern sollte. Sörizier Halle dos Geld in bic Tasche gesteckt uno oann einen Hinterhalt gelegt, der durch die Ungeschicklichkeit ber Ka­noniere unwirksam geworden war!

Durst und Getränte.

Zn ber Siedeglut der Hitzwelle lechzt die leidende Menschheit nach labendem Trünke. Da taucht die Frage auf, ob und wann, wie und was man trinken sott. Das £b beharr feiner Beant­wortung, denn die versteht sich wohl selbst, wohl aber die drei anderen Fragen. Ein zeitgemäßer Aussatz des Arztes Dr. Marcel