Nr 52 Erster Blatt ‘ " 161. Zahrgang Donnerstag, 2. März M
W Gießener Anzeiger U ef w äs»
General-Anzeiger für Oberheffen Sässe
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Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.
Zuckerin-uftrie und Spetulation.
Air lesen in der „Deutschen Bolksw. .^orrcip ":
Als im September vorigen Jahres die durch zwei Campagnen hindurch geführte .Haussebewegung in ^urfer zusamnienbrach, bemächtigte sich der Kreise der Zucker Interessenten ein tiefgehender Pessimismus. Während im Monat August für Campagne 1910 11 schließlich 12 Mk pro Zentner geboren, aber von den fRohzuckersaoriken als zu niedrig abgelehnt waren, hatte, nachdem die Preise noch unter 9 Mk. gefallen waren, niemand, mehr P^r trauen. Man war so lange der Spekulation blindlings gesolgt, so das; man keinen Weg mehr sah, als diese Fül) rung entschwand. Da zwängte die bittere Rot allmählich dcn'Rohzuckerfabriken die Erkenntnis aus, das; ein ständiges Kcrabsepen der Forderungen gar keinen Zweck habe, sondern das; helfen allein könne eine Einschränkung deS An. gcbots. Man sing bannt an und erreichte zunächst das eine, daß der Rückgang der Preise zum Stillstand kam. Reicht wurde, den Fabriken der Verfolg dieser Politik sicher-- lich nicht; denn immer wieder mußten sie den Unkenruf Horen, daß sic mit der Anpassung des Angebots an die seweilige Nachfrage nur die Katastrophe hinausschöbcu, aber keine ösesnndüng der Verhältnisse schafften. Jlnb ständig ertönte von der gleichen Seife das laute Sehnen nach dem Eingreifen der Spekulation, die nur zu vielen ein wichtiger und notwendiger Bestandteil des Zuckermarktes schien. . _ . . ,
Aber trotz aller Lockru.se hielt sich die latröii Lescherde.n zurück — was anders soll man denn auch tun, wenn man nicht wein, oh rechts, ob links —, doch die Preise hielten sich trolzdem und gingen nicht unter die 9 Mk.-Grenze Und diese Stabuilierrgig des Wert- niveauS gab auch endlich dem Warffirhaudel und dem Verbrauch das entschwundene Vertrauen zu dem Artikel wieder. Man begann langsam nicht nur von heute a is morgen v-i sorgen, sondern entschloß sich auch zur Auffüllung der völlig eiitbioiv.it Lager, und zwar nicht nur im Im, sondern auch im Auslaute. England, unser Haupte abnehmer, trat in den letzten Wochen immer stärker als Käufer auf, so das; unser Export sich wesentlich günstiger als in der Vorsaison gestaltet. England -hat eben heute wieder Vertranen zum Markte, und wir hätten auch in der Vorsaison nie einen so miserablen Erport gehabt, wenn nicht die Hpekulalion die Preise bis in die Pu-ppen ge- ' trieben hätte.
Gewig hat der Umstand, daß die kubamiche Ernte hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbierbt, auch unserem -iuckerinarkte gcholien; aber der ausschlaggebende Zaktor Voar und ist, das; ,ich unsere Zuckerindustrie unter dem Zwange der Not entschlossen hat, selbständig tm Markte vorzugehen, Hoffentlich laßt sie sich die diesmal gc> machten Erfahrungen als Lehre dienen und läßt sich nicht wieder die. Spekutatisn, wenn dieser in kommender Zeit ein erneutes Eingreifen beliebt, über den Kvvf wachfen. Tie große Zuckerindustrie am Schürzenbaiide der Spcln- lation war 'wahrlick' kein erbauliches Bild. Aber sie hat diese Scharte nun dadurch ausgewetzt, daß sie sich mit eigener Kraft aus dem Rumpfe herausgearbeitet hat, in den sie die ungetreue, leichtfertige Führerin bineingebracht hatte. Und noch eins möge unsere Zuckerindustrie bo denken Ihr Gedeihen, ja chre Existenzmöglichkeit im Heu
tiqen Um sang c beruht auf dem Anwachsen rmseres Jnland- konsums: ein wesentliches Mittel zu bojen Z-ordermig almr find möglichst stablle Preise. Die Spekulation jedoch begünstigt und fördert nur Extreme in der Preisbildung und durchkreuzt damit alle Bestrebungen zur Hebung de.- Zuckerverbrauchs, deshalb muß die Industrie der maßgebende Faktor Der Preisbildung bleiben; em Produzent, bei nur produziert, beim Verlaufe seines Probuttes aber lein maßgebendes Wort mitzusprechen hat, der erfüllt seine Ausgabe nur halb, und Halbheit lötet.
Das neue französische Kabinett.
Tas von Herrn M o n i s nunmehr gebildete französische Kabinett wird radikale Bahnen wandeln, wie sein Programm, das bereits veröffentlicht wird, verrät. Daß Herr ''elcassü in die einflußreiche Steilung des Morineminifters kommt, wird bei seiner „Vorgeschichte" viele bedenkliche Fragen aufwerfen, zumal der neue Minister bcy Auswar-- rigeir vorwiegend aus unrtscha,tlichenl Gebiete sachverständiger sein soll, woraus dann geschlossen werden muhte, dah Deleasss nebenbei sehr leicht auch die auswärtigen Richtlinien sähren kann, lieber die neuen Persönlichkeiten werden ivir in einer der näd« teil Nummern ausführlicher berichten.
Paris, 1. März. Die Unterredung zwischen Monis, Berteaux und Deleasse währte 2 Stunden. Sie betraf die Perionenfragen und das Programm des neuen Kabinetts. Berten n r nahm das Kriegsministerium und Telcass^ das Marineministerium an.
Ten Blättern zufolge wies der mit her Bildung des Kabinetts betraute Senchor Mo ni § als er DelcassS das Marineministerium anbot, darauf hin, daß Delrassä seit vier Jahren für die Marin« sehr erfolgreich gearbeitet und sehr nützliche und einschneidende Reformen erzielt und erit kürzlich von der Kammertribüne herab Worte gesprochen habe, die einen überaus großen Eindruck gemacht hätten. Aber er wolle sich vorher auch über die äußere Politil des Kabinett v ni i t i h in ins Einv c r - nehmen setzen und ihn deshalb betreffs der Persöniicn- icii, der das Mincherium des Aenßern übertragen werden soll, zn Rate ziehen. Teleasss sei durch diese Worte sehr gerührt geweien nnd habe das Anerbieten Monis unverzüglich niißciwmmcit und sich and) cinverstanÄen er- liärt, daß das Portefeuille des Aeutzern zunächst dem Senator R i i> o t ongcbotcn werde. Ter >ür das Kriege miniüx> rium in Aussicht genommene Bcr t c a ux sagte zu Bericht er flattern, das neue Ministerium sei so ziemlich fertig und werde sich zweifellos der Kammer am Montag vorseellen.
Paris, 2. März. Die Ageuce Havas teilt entgegen anderslautenden Meldungen mi-, M on iS äußerte bei) einer gestrioen Bcsprech n ng mit Telcasse keines wegs die Ansicht, bcr. neue In,,,aber des Portefeuilles des Auswärtigen müsse sich in der Leitung der auswärtigen Politik von den Ratschlägen Delcassss 6 c st im in e n lasse n. Ein derartiger Anspruch wäre unzulässig. Monis gab Tc-cassä und Berteaux gegenüber lediglich den Wunsch zu erkennen, sich mit ihnen über die Wahl der zukünftigen Mitarbeiter inS Einoarnehmcn zn setzen.
Ais Ergebnis der Besprechungen zwischen Monts und den Persönlichkeiten, dir in das Kabinett eintreten sollen, läßt sich bezeichnen, daß die neue Regierung die Politik der Verweltlichung der Schule fortsetzen wird, jedoch unter strenger Vermeidung feder Art der Verfolgung.
Sie wird unter Aufrechterhaltung der Srdnung und wichet hcit für eine soziale Verbrüderung zu wirken suchen, die Listenwahl mit dein Propvrtionawmem vor schlagen, bei den Eisenbahirgeiellschaften sich l'ur die Wieder- anstellung der entlassenen Beamten verwenden, ^dagegen an dein Gesetzentwurf über die Unterdrückung der Sabotage fcsthalten. Indes sollen die Bestimmungen des Entwurfs, die den E'.senbahnangestellten das Recht des Ausstands nehmen, gestrichen werden. Außerdem wird die Regie runq die Einführung der Einkommensteuer weiter betreiben.
Paris, 2. März. Monis bot Ribot das Porte- ; e ui 11. e des Au s w är tigen an. Nachdem Ribot ab - rie lehnt hat, begab j ich Monis zu Poinear 6, der irinzipicll seine Beihilse in Aussicht stellte.
Nach einer weiteren Meldung har Poüicare dennoch ab- gelehnt, und die. Person des Ministers des .Auswärtigen: ist noch nicht bestimmt:
Paris, 1. März. Da Poiucare die Uebernahme des Ministeriums des Aeußern ab gelehnt hatte, hot Monis dieses Portefeuille dem Präfekten des Seine-Departements, de Selbes, Angeboten, der aber eben allS abgelehnt hat. Monis will jetzt das Portefeuille einem Vertreter Frankreichs im Auslände anbieten.
Paris, 1. März. Eruppi hat das Ministersum des Aeußern angenommen.
Tas neue Kabinett dürste sich wte folgt zusammensctzen.- Vorsitz und Ministerium des Innern Monis, Justiz I c a n neney, Ministerium des Aeußern E r u p p i, Krieg Berteaux, Marine Delcassä, Fiuanzen Laillaux. llnlerricht Steeg, öffentliche Arbeiten Charles Dumont, Handel P o i r r i c r , Ackerbau M ass« ober Paul Son* cour, Kolonien Messimh, Arbeit und soziale Fürsorge Viviani oder Paul Boncour. Ein Postministerium soll neu geschasfen werden und zwar soll Ehanmet dies Portefeuille übernehmen.
Wie die „Agence Havas" meldet, wird das neue Kabinett m seinem Programm in Bezug auf die auswärtige Politik betonen, daß es den f e st e n W ille n Yak, an den bestehenden Allianzen und Ententen scstzn- halten.
Nach einer Meldung der „Agence Havas" wurde E r u p p i zum M in ist e r des Aenß er n gewählt wegen Dor glänzenden Rolle, die er als Handelsminister in der Debatte über den Zolltarif und in den Verhandlungen überdies en Gegenstand gespielt hat. Er hielt zu jener Zeit viele bemerkenswerte Reden, in denen er für zollpolitischc Mäßigung und eine auf Verträgen aufgebaute Wirtschaftspolitik eintrat. Zn einer Zeit, wo wirtschaftliche Fragen in den internationalen Beziehungen eine überwiegende Rolle svielen, konnte die Ucbcctcagung des Ministeriums des Aeußern an den früheren Handels Minister nur als eine äußerst günstige Lösung angesehen werden.
Der „Figaro" über Telcasse.
Ter Wiedereintritt Delcassss in dic Regierima stößt in der sranzüslschen Vrefse.bisher nur auf Den Widerspruch des „Figaro" Ter „Figaro" erinnert daran, daß cs dic Politik TelcasseS in Marokko war, welche Frankreich mt Jahre 1905 zwaiig, zwischen bcr Kowcrcnz von Algeciras und einen Krieg mit Dcutichlaud' zu wählen. Ter „Figaro" sagt, c5 sei unwahr, daß Dclcaüä Damals geopfert wordcn sci wegen seiner patriotischen Politik. Dieser Ruhm iornme ihm nicht zu. Tas Eüwernchmen nut' England, dos ihm vom Publikum zugeschrieben werde, sci von Loubn, von Wc-ldcck-Rousseau, hon Rouvier und noch vor ihnen
Ufytes rünstlerisches Glaubensbekenntnis.
Uhde bat sich selbst einmal Darüber ausgesprochen, wie er zur religiösen Malerei gelangte. „AIS ich in dic Moderne hincinkam, respdtivc aus dem Schwarzen heraus ins Licht, als ich aus der etotgen braunen Atclieriunkc losürcble, da habe ich gedacht: etwas muß babei fein, das die Leute innerlich packt, sonst kann man ja mit seinen Bildern feinen Hund Inntcrm £?icn bervorlocken. Ich wollte nicht nur ‘)iatur)Lubkn geben, ich iudtfc Inhalt: ionit iiito badüc ich, die Bilder ja von 5?auS aus schon »a langwellig. Tie Impressionisten wollen nur_ eine neue malerische Formel. Ich suchte io was wie Seele. So iit das erste Bild dieser Art entstanden: „Üanllr die Kindlein zu mir kommen", tm Winter 83 84 ; aus dem Drang, etwas mehr geben zu wollen als bloße Abschrift aus der Natur. Ich nur damals gerade bei der Äinöevmalcrci, die mich mehr erneute, als die Studien an Erwachsenen. So bin ich hineingekoninien. Man wird iin Leven immer mehr ge- i(hoben, als man ich,übt. Es ging ganz nach und nach — und dann packte mich eben der Stoss und die Gestalt selber."^ Ter zufällige Anlaß *,u diesem ersten religiösen Werk war eine Szene, dic Uhde in einer bayerischen Dorfschule beobachtete, als er Die Schulkinder in einem lichterfüllten Raum sich dicht um einen jungen, frtTmblidK'n Pfar-er scharen sah. Er selbst wollte bei diesen Werken vor allem ihren künstlerilchen Gehalt betont wissen. „AIeine sogenannte religivic Malerei ist nicht der Kcrn, sondern nur ein Teil meiner Kunst," sagt er in einem interessanten Sclbst- bekenntniö, das die Beilagen und Klasingschen Monatshefte ver- öjsenllichlen. „Alle diese Bllder suid mehr oder weniger malerische Probleme. Für die Erscheinung deS Lichtes pa^t die Perwu Christi wunderbar schön. Er nmroc mir zum Problem des Lich-teS. Bei dem großen Altarbild, das ick vor zwei Jahren für Zwickau gemalt habe" — der Künstler beutete auf den in der Nähe stehenden ersten Eillwurf dazu —, „da habe id> etwa gedackn: daS Licht in bcr ganzen Welt erscheint in der Perion Ehristi. Matthäi 4, 16 war <lls Thema gestellt; aber ebenso gut kann es jede andere ähnliche Stelle sein. Also: Lichtbringer in die Finsternis der Welt und bcr Farben! Die „Jünger von Emmaus", das „Tischgebet", immer ist cs dasselbe Liu.-tProblem, der Gegenstand kommt sür mich erst iit zweiter Linie. Einige Franzosen gingen voraus, bei uns Licbennann; die wolllcn bas Licht ans der Natur l-eraussiudcn: icn wollte außer dem Lichr noch Inner- lichkell, und so kam ich daraus; ich griff „die" Verkörperung des Lichtes auf, Christus." Auw tue die Wahl eines allläglichen Zelltostütns, mit dem Uhde die Gestalten des Neuen Testaments in die unmittelbare Gegenwart rückte, führt er in feinen von der Deutschen Revue bexiiffcntlid/tcit Unterhaltungen mit Hermine Diener rein malerische Gründe an: „Iä: iinde, daß alles tiefer unb wahrer wirkt in imferer Tracht und daß sich feinere Töne
sufammenftimmen lassen als nut den ia reicitbcn Farben orientalischer Gewänder." Für seine Modelle sucklle er sich immer einen echt deutschen VolkSlypuS aus, denn and)' das Nationale erschien ihm als ein wichtiges Element bcr wahren Mimft. Verhaßt war ihm jedes Nach ahmen der Alten. „Jedes Kunstwerk soll bas Gevrägc feiner Nationalität und bcr Individualität feines Schöpfers tragen." Dabei war er ein großer Scrcfjrcr der Meister der Vergangenheit; als sein eigcnilichcs Ideal sah er Rembrandt an: „Der, den ich am meinen verehre, ist Rembrandt. Rubens, Velasaues haben ficher viel besser gemalt al? Rembrandt: aber dieser war doch bcr größte aller Maler, weil er der menschlich mächtigsle war. Seine Auffassung der Tinge war fabelhafr und ganz von innen heraus, kraft feiner Liebe für alles. Er harte etwas, daS über die Malerei hinansging, er befaß reinste Genialität. Er roar vielleicht der einzige, der wirklich Ehrislus malen tonnte. Dies ist, wenn Sie wollen, mein künstlerisches Glaubensbekenntnis."
— S ch la cht enb il der aus der Berliner N at i o na I g a I cr i e im Zeughaus. Tic bereits vor einiger Zeit angeiünßigtc Entfernung von Schlacht (Urbildern aus bcr Natwnalgalerie in Berlin ist jetzt ausgeführt wordcn. Im Erdgeschoß des Zcughaui'es ist soeben eine Gedächtnis Halle eingcrid)tci worben, bie das Andenken an die großen Kriege des 19. Jahrhunderts, ehren soll. Es standen hier bekanilllich id'on immer große plastische UcberfiaTün bcr wichtig stsn Schlachtfelder. Zn diesen sind nun bie bisher in der Nalionalgaleric aufgehängten Scküack.tengemälde gekommen. ES lmndell fich zunächst nur um eine Probe, die zwischen den Direttioncn der Narionalgalerie und des Zeughauses vereinbart ist; ob es dabei bleiben soll, werden die zuständigen Ministerien zu cillscheiden haben. Ter freiwerdende Raum in der Nationalgalcrie soll, wie daS „B. T. B." meldet, dazu benutzt werden, dic älteren Bilder großen Formals, besonders bcr Berliner Schule, so Werke von Gustav Richter, .’öenr.cbcrg, <apangcn- berg, auch Ackxmdack: usw., zu besserer Geltung bringen, als das bisher in bcr Natronalgalerie möglich war.
— TaS Schicksal eines Rembranbt. Ein schöner, bisher unbefannter Rembrandt ist in Petersburg entbedt worden und kurz nachher wieder auf rätselhafte Weife ver- fchmunden. DaS Werk, das eine Höhe von etwa vier Fuß Halle und ausgezeichnet erhalten war, stellte eine Frau mittleren Alters bar, die ein schwarzes Kleid trug mrd mit einem schwarzen Kopfputz geschmückt war, der wirkungsvoll von dem Weiß des brellen Kragens und bcr Svitzenmanfchetten ab stach. Tns Bllb wurde durch einen Zufall von einem Kammerherrn deS Zaren entbedt, der cs bei einem Streifzug durch die Ailliauitätrnläden Petersburgs bei einem Händler fand und nach lansern Handeln
für 20 000 Mark erwarb. Ta aber die Leinwand an einigen Stellen etwas beschädigt war, ließ der Kammcrherr das Bild bei dem Händler mit dem Auftrag, die schadhaften Stellen audbefürn zu lassen. Er wartete lange auf dic Ablieferung des Bildcs> als er ober nach Wochen nichts mehr davon hörte, suchte er den .Händler auf, nm sich nach Dem Verbleib des gekauften Kunstwerkes zu erkundigen. Der Händler machte Ausflüchte und erklärte zuerst, daß bcr Maler, bcr dic Ausbesserung vornehmen sollte, trank wäre. Schließlich aber behauptete er, daß das Bild von bcr Polizei beschlagnahmt worben sci unb erbot sich, den Kaufpreis zurückzuerstatten. Ter Käufer aber lehnte diesen Vorichlag ab und wandte sich an die Polizeibehörde. Bei bcr Vernehmung gab bcr Händler an, daß zwei Männer, die sich als Polizciaacnteii ausgaben, seinen Laden besucht hätten, bas Bild besichtigten unb erklärten, cS sei gestohlen. Sie beschlagnahmten bas Werk unb verschwanden. Ter Altcrtumshänbler, bcr den Rembrandt dem Kammerherrn für 20 000 Mark verkauft halle, will den kostbaren Schatz für nur 300 Mark erworben haben. Erft als bcr Handel mir dem Kammerherrn abgeschlossen war, wurde cs in Kunsthändler- kreisen bekannt, baß ein echter Rembranbt entdeckt worden fet, unb das Gerücht erregte begreiflicherweise lebhaftes Aussehen. Tie Polizeibehörde aber erklärt, daß sie nicmanbcm den Austrag erteilt habe, bas Bilb zu beschlagnahmen. Tie Feststellungen haben auch ergeben, das; der Petersburger Antiquitätenkaukmann das Werk hon einem wandernden .Händler gekauft hat, dem er nicht 300, sondern nur 30 Mark bezahlte. Auf 'die Frage nach der Herkunft des Werkes erfolgte btc Antwort, es stamme von dem Verwalter eines Landhauses in bcr Nähe von Petersburg^
— Kurze Nachrichten ausKunst u. Wissenschaft. Ter 5. Musilpädagogll'chc Kongreß findet vom 9. bis 12. April in Berlin im Reichstagsgebäude stakt. — Tie Hauptkagung der Allgem. Ev.-luth. Konferenz in Upsala findet vom. 28. August bis 2. September statt. — In H a l I r lehnten bie Stadtverordneten in bcr Theaterfrage nach mehrstündiger heftiger Auseinanbersetzung einen Antrag auf Einftihrnng eigener Re- g i c mit geringer Mehrheit a b unb stimmten dem Magistratsantrag zu, das Stadttheatcr dem bisherigen Direktor, Gchcimrat Max Richards, unter verschärften Bedingungen auf weitere Drei Jahre zu verpachten. Ter Magistratsantrag sieht auch Dic Schaffung eines besonderen libcrroau enben Ausschusses hör. — Wie ans Wien verkantet, hcrbanbclt die Hofoper mit dem Berliner Hoskapellmeifter Leo Blech wegen Annahme des Postens als erster Kavell m e tft cr , unb es wirb daran die Bchauptmig geinüpft, die Philharmoniker seien tief bcrfftnrrni, Dai; sie nur drei Jahre an Weingartner, bcr ein Jahrcsgehalt ron 12 000 Kronen bezieht, gebunden seien. Tic Philhargioniüw vrotefticren aber gegen diese Behauptung.


