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25.10.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 251

Erster Blatt

161. Jahrgang

Mittwoch, 25. Moder 1911

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Anzeiger für

Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchuistrahe 7. bi! vornrittags's^üh" Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhofjtratze 16a.

Ter «iehener Anzeiger erfdieint täglich, miBcr LonntagS. - Beilagen: viermal wocbeullich tiefienerZamUtenblStler; imt'-inalroödicntLKreiii dlait fiirden Arnr Liehen (Dienstag und Freitag) ; zweimal inonatl. Land« wirtschaftliche Seitfrayen Ferniprcch - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Lidresse für Depeschen: «uzciger «icßen.

VcznaSvret«: monatlich75M^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlid) 65 Ps.; durch die Post Dtk.S. viertd- jäbrL «u5|d)L BesteUg. ZeilenpreiS: lokal 15 L!^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur:A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton', .Vermischtes* und Genchtssaal": K. Neu­rath; für .Stadt und Land": E.H>; für den Anzeigenteil: H. Beek,

Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.

Die Wahlparole der Regierung?

Nachdem am Montag der Reichskanzler die Anfragen über die Teuerung beantwortet hatte, ist gestern die Aus­sprache darüber fortgesetzt worden. Besonders interessant mußte es natürlich sein, was die N a t i o n a l l i b e ra len dazu sagen würden, daß Herr v. Bethmann-Hollweg größere Maßregeln zur Steuerung der Not glatt ablehnen will. Tie Antwort ist bereits durch den Llbgeordneten Fuhrmann erfolgt, und heute lesen wir in der naiionaliiberalcn Korre­spondenz, daß Herr Fuhrmann sich auf die einstimmige Auffassung der nationalliberalen Fraktion hat stützen können.Denn in dieser ist es als der allgemeine Ein­druck der Kanzlerrede festgestellt worden, daß es Herrn v. Bethmann nicht gegeben war, die warmen Töne für die schwere Notlage zu finden, in der sich be­sonders die Festbesoldeten, die Altpensionäre und vor allem auch die Eisenbahnarbeiter und -Handwerker befinden."

Es ist wohl richtig, was die Mehrzahl der deutschen Blätter betont, daß Herr v. Bethmann-Hollweg eine .Art Wahlparole hat verkünden wollen, und man kann an- nehmen, daß er nach einem Weg gesucht hat, auch die natio­nalliberale Partei dafür zu gewinnen. Das ist ihm an­scheinend nicht geglückt. Er hat eine mehr von Schutzzoll und Freihandel, als von der augenblicklichen materiellen Not des deutschen Boltes handelnde Rede gehalten, lieber die ihm vorgelegte Frage, wie die Regierung dem jetzigen 'Notstände zu begegnen gedenke, glitt er verhältnismäßig leicht hinweg, wenn er auch immerhin zugab, daß außer den von der Regierung bisher beliebten kleineren Maßnahmen auch die zeitweise Abänderung der Ausfuhrtarife für Ge­treide und die Frage der Gültigkeitsdauer und Verwen­dungsmöglichkeiterwägenswert" sei. Man hatte daher den Eindruck, daß es dem Reichskanzler gar nicht, darauf anlam, die 9totstandsfrage wirtlich zu lösen, sondern allein daraus, eine Prodomo-Rede zu halten und von weit hörbarer Stelle aus die Parole der Regierung für die Neuwahlen bekannt zu geben.Es geschieht nichts, und der Reichs­kanzler will sich auf die ©eite der Rechten stellen", das ist der Eindruck, dem der Kanzler hätte Vorbeugen sollen und müssen. So finb denn natürlich auch die Aeußerungen der Presse ablehnend.

DieKöln. Ztg." schreibt u. a.:

Eine gewisse Enttäuschung wird die heutige Rede des Reichs­kanzlers auf allen Bänken außer den konservativen hervorgerufen haben; die Stille im Zentrum nach dieser Rede, ivährend die Rechte Beifall rief und die Linke zischte, bewies deutlid), daß dem Zentrum die Unnachgiebigkeit des Kanzlers in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen nrcht gerade angenehm war, wenn es auch im stillen Kämmerlein den Standpunkt des Kanzlers teilt. Ter Reichskanzler ging so weit zu behaupten, daß alle Vorsd)läge auf zeitweise Aufhebung oder Suspendierung der Getreide- und Futtermittelzölle, auf Reform des Einsuhrscheinsystems, auf Ein­ffuhr gefrorenen Fleisches, in ihrem letzten Hintergedanken auf ,eine grundsätzliche Acnderung des bestehenden Zoll- und Wirt- schastssystems hinausliefen. Hierbei hat er verschwiegen, daß ähn­liche Vorschläge aus Kreisen der Industrie und der National- liberalen Partei erhoben wurden, die über den Verdacht einer Gegnerschaft zur herrschenden uird von ihnen seit Jahrzehnten betriebenen Wirtschaftspolitik haushoch erhaben sind. Einen Vor­zug hat die Rede unbestritten: sie hat Klarheit geschafft. Man weiß es jetzt: der Kanzler ist bereit, mit,den Konservativen durch­zuhalten. Sr hat ihr System, jede Förderung, die das grotz- agrarische Portemonnaie berührt, als nationale Gefahr zu bran^> marken, übernommen und damit für den schwarz-blauen Block eine Wahlparole ausgegeben, die die Form des Wahlkampfes

nicht veredeln, aber doch keinen Menschen mehr täuschen wird. In diesem Zeichen wird der schwarz-blaue Block nicht siegen.

Die agrarischeDeutsche Tageszeitung er­klärt:

Was die Ansichten und Absichten des Herrn Reichskanzlers bezüglich der Abstellung der burd) die Dürre des letz.cn Sommers verursachten Schwierigkeiten anbelangt, so wollen wir daran beule f ein c Kritik üben. Wir werden im Zusammenhänge mit dem weiteren Verlauf der Debatte daraus zu sprechen kommen. Im allgemeinen ist eS erfreulich, daß nach ein-nc langen Schweige­periode von dem Vcrlr.'tcr der verbündetenNegierungen ein um­fassendes Bekenntnis zu der altbewährten vom Fürsten Bismarck inaugurierten Wirtschaftspolitik erfolgt ist. Zu den Grundsätzen, die der Reichskanzler entwickelt hat, können sich alle diejenigen Parteien im allgemeinen bekennen, die an den jetzt besleli.nden Zolltarifen mitgearbeitet haben, sowohl die Vertreter der Land­wirtschaft, wie der Industrie.

TieVoss. Ztg ":

Eine andere Wahlparole also hat er nicht gefunden. Wie zugkräftig der Sammlungsruf ist, bat man sattsam bei den jüngsten Ersatzwahlen erfahren. Um die E.klärung, daß die Rest rnng nichts Durchgreifendes gegen die Teuerung zu tun weiß, wirb ihre Wir­kung nicht verfehlen.

In England versteht sich die Regierung ebenfalls einiger- maßen auf die Hygiene. Aber sie läßt gefrorenes argentinisches und australisches Fleisch auf die Markte selbstverständlich. Ein durchaus gesundes Nahrungsmittel. Und sie läßt, was d.r Heine Mann verzehrt, fast durchiveg von Zöllen und Steuern frei. Selbstverständlich.

Und sie hat keine Umsturzpartei. Was dort Sozialdemokrat heißt, kann als Gast des Kriegsministers sogar dem deutschen Kaiser vorgestellt werden.

TieFreisinnige Ztg.":

Nein, die Sache liegt so, daß die Regierung auch unter grund­sätzlicher Aufrechterhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik sehr wohl Maßnahmen treffen konitte, wenn sic nur wollte. Aber sie will eben nicht. Tas einemat wird die von den wahren Freunden der Landwirtschaft, insbesondere der viehzüchtenden Bauern und Kleinbesitzer, geforderte Suspendierung der Fnttermitielzölle als die Einleitung zu einer prinzipiellen und dauernden Zollfreiheit ausgegeben, dabei hat vor wenig mehr als einem Jahrzehnt, als wir unter einer gewaltigen Getreideteuerung zu leiden batten, ein so waschechter Agrarier wie der Graf Kanitz die Suspendierung der Getreidezölle verlangt! Daneben aber behaupten die Schutz- zöllner, eine zeitweilige Aufhebung der Zölle würde auch nichts nützen, da die Mehrheit der Futtermittel und ähnlich liege es bei dem Gernüse schon ohnehin zollfrei seien, da ferner aus dem Auslande sich auch nicht viel holen läßt. Nun, wenn das der Fall ist, warum macht man nun wenigstens nicht den Versuch, der ja bann boch für bie Agrarier unschädlich sein würde? Aber das gerade ist der große Vorwurf, den das Volk der Negierung machen muß, daß nicht wenigstens alles Mögliche getan wird, um der Teuerung entgegenzutreten.

Das IHaroftoabtommen.

+ Berlin, 25. Oft

TieVossische Zeitung" meldet aus Wien: Die deutsche Regierung hat das hiesige Auswärtige Amt verständigt, daß j^tzt zwischen Deutschland und Frankreich in der Marokko­frage eine Einigung zu stände gekommen ist. Die Einigung ist eine vollständige und erstreckt sich auch auf die Frage der Kompensationen. Der betreffende Vertrag wird bereits in der nächsten Woche nor­miert sein. Tie Unterschriften dürften in der ersten No­vemberwoche erfolgen.

Diese Meldung derBossischen Zeitung" stammt offen­bar aus derWiener Allgemeinen Zeitung", die allerdings gute Beziehungen zum Auswärtigen Amt unterhält. Nach

Saoigm).

23 Jahre alt, ko alt wie Goethe, da er den Werther schrieb, war Friedrich Karl von Savigny, als er sein epochemachendes Werk ,/DaS Recht des Besitzes" verfaßte. Ter geniale Jurist, dessen Todestag sich am 25. Oktober zum fünfzigsten Male jährt, stammte aus uraltem, lothrigischem Adel und wurde am 21. Febr. 1779 geboren. In seiner Vaterstadt Frankfurt erhielt er den ersten Unterricht, als er aber 1792 gänzlich verwaiste, kam er zu einem Freunde seines Vaters nach Wetzlar. Dort empfing er eine so vorzügliche Bildung, daß er bereits mit 16 Jahren bie Universität Marburg beziehen konnte. Von dem siebzehn­jährigen Studenten urteilte sein Lehrer Weis:Er hat so viele Beweise seiner ausgezeichneten Talente, scharfen Beurteilungs­kraft und gründliche Kemttnis im Römischen Rechte gegeben, daß ich ihn für den vorzüglichsten unter allen meinen Zuhörern während meines akademischen Lehramts zu erklären kein Bedenken trage." Mit 21 Jahren promovierte Savigny: feine Toktor- arbeit war eine meisterhafte Schrift. Sofort wandte er sich selbst dem Lehramte zu und wurde 1803 außerordentlicher Professor. In diesem Jahre veröffemlichte er das oben zitierte Hässliche Werk. Heidelberg und Greifswald boten ihm daraufhin ordent­liche Professuren an, aber er lehnte ab und beschloß, eine Studien­reise zu unternehmen, um Material für sein späteres WerkTie Geschichte bed_ Römischen Rechts im Mittelalter" zu sammeln. Borher vermählte er sich mit Kunigunde Brentano, die ihm b7 Jahre lang, bis zu seinem Tobe, eine treue Gefährtin war. -cn Paris, wo er mit feinem Amanuensis Jacob Grimm fleißig ötubien trieb, würbe ihm seine Tochter geboren.

1808 ging er nach Landshut, aber schon 1810 an die neu» gegründete Universität Berlin, an deren Aufblühen er reichen Jlntcil hatte. Seine Lehrgabe war glänzend. Durch feine impo­sante Erscheinung, seine edle Sprache, durch die ruhche, klare volge und Entwicklung seiner Gedanken war er das Idealbild «meS akademischen Lehrers, und seine Zuhörer vergötterten ibn. ^"Berlin entfaltete er, obgleich ihm verliehene hohe Acmter ihn rielfach in Anspruch nahmen, eine unvergleichliche wissenschajt- Jidje Tätigkeit, die ihn zum Haupt der von Hugo gegründeten, <der er,t von ihm zur Entwicklung gebrachten historischen Rechts- iu)ule madflen. Er wies insbesondere gegen Thibaut daraus hin, r2» da» Recht nicht sowohl vom Gesetzgeber gemacht werde, als lieimehr sich im Volke selbst bilde und dort wachse. Tie Auf- der Gesetzgebung sah er nur darin, das gewordene, organimj

L cu sammeln, zu sichten und zu fixieren. Seiner

°cu aber sprach er in einer berühmt gewordenen Schrift das

Recht ab, eine umfassende Kodifikation in bie Wege zu leiten. Dazu fehlte ihr nach seiner Meinung die erforderliche historische Er­kenntnis. Sie müsse sich begnügen, ihre Straft auf eine höhere (Entfaltung der Rechtswissenschaft zu richten. 1815 erschien der erste der sechs Bände seiner großartigenGeschichte des Römischen Recbts", der einen klaren Einblick in die Kontinuität des römischen Rechtslebens von der ältesten Zeit bis zu den Glossatoren gab. Später beschenkte er die Welt mit dem leider unvollendet ge­bliebenen System des heiligen Römischen Rechtes. Er gab darin eine Tarstcllung des Justinianischen Rechtes, soweit es in Teutsch- lanb als sogenanntes gemeines Recht noch in Geltung war. Auch sein Lbliaationenrecht ist unvollendet geblieben. Schon 1811 war er Mitglied der Akademie geworden, 1816 zum Geheimen Justizrat, 1817 zum Mitglied der Justizverwaltung im Preußi­schen Staatsrat, 1819 zum Rat am Revisionshofe für die Rhei­nischen Provinzen und 1826 zum Mitgliede der Gesetzrevisions­kommission ernannt worden. Im Jahre 1842 trat er von seiner Professur zurück und übernahm das von Friedrich Wilhelm IV. für ihn gestiftete Ministerium für die Revision der Gesetzgebung. Er hat es sechs Jahre innegehabt, ohne daß es die Hoffnungen erfüllte, die man darauf gesetzt hatte. Tie Märztage haben ihm ein Ende bereitet. Vielfache Bitten, wieder literarisch tätig zu sein, schlug er ab,er wolle nicht mit abnehmender Kraft auf dem Felde der Wifsenfchaft fortwirken, in die er einst mit voller Jugend- und Manneskraft so gewaltig eingegriffen hatte." Eben­sowenig vermochte der Sitz im Preußischen Herrenhause und das Kronsyndikat ihn zur tätigen Teilnahme an der Gesetzgebung zurückzuführen. Er sammelte aber feine kleinen Abhandlungen und gab dieseVermischten Schriften" heraus. Ein sanfter Tod endete am 25. Oktober 1861 fein arbeitsreiches Leben. O. K.

Trau er feier für Ferdinand Hiller. Aus An­laß des 100. Geburtstages von Ferdinand Hiller fand an seinem Grabe in Köln eine Gedächrnisfeier statt. Zahlreiche Abordnungen waren erschienen, um Kränze niederzulegen. Nach­dem Paul Hiller und bie Schwiegertochter des Verstorbenen Kränze nictergclegt hatten, ivurden mehrere Ansprachen gehalten. In allen Reden fand die begeisterte Verehrung und herzliche Liebe Ausdruck, die dem großen Künstler und seltenen Menschen gezollt wurde.

Allgemeiner Deutscher Musik-Verein. Aus Heidelberg wird uns geschrieben: In der am Dienstag von etwa 180 Mitgliedern btiua^en ^ubuulims-Hauptoeriammlung des. 1861 gegründeten Allgemeinen Deutschen Musik-

ciner Tcpcschc deS Wiener Korrespondenten derBerliner Morgenpost", der die Meldung derWiener Allgemeinen Zeitung" seinem Blatte telegraphiert, heißt es übrigens, daß die textliche Fixierung bereits im Laufe dieser Wochegcschchen wird und daß die Frage der Kompensationen in der Form eines Gebietsaustausches er­ledigt werde.

Dir Revolution in China.

Peking, 24. Okt. Tie Hauptmacht des Generals Pintschang steht noch bei 2 e n y a n g t s ch a u. Pint- schang berichtet in einer Botschaft an die Regierttn^ zu Pc- ting, daß die Revolutionäre 400 Geschütze besäßen und daß er sich zu weiterem Vorrücken nur verstehen könne, wenn er noch ineitcrc Artillerie, Munition und Geld zur Bezah­lung der Truppen erhalte. DieRevolutionären wer­den offensichtlich von Tag zu Tag stärker.

Amtliche Berichte aus Nanking, Wuhu und stziukiang besagen, daß an all diesen Orten die Bevölkerung außer­ordentlich unruhig ist. Tie öffentliche Meinung in Nord­china steht im allgemeinen auf Seiten der Revolu­tionäre. S i a n f u, das als Hochburg der Dynastie galt, ist $it den Ausständis ch-c n ü b e r g e g a n g e n. Tie Reglcrung ist bemüht, der Bitte Yintschangs um Artillerie und Geld nachzulommen. lieber die Feindseligkeiten liegen weiter keine Berichte vor.

K i u k i a n g ist in die Hände der Aufständischen ge­fallen. Sie brannten den Yamen nieder. Die Ordnung ist, anscheinend sonst nicht gestört.

London, 25. Olt. Ein aus Tokio in San Fran­cisco eingetrofsenes Telegramm meldet, daß die vier vor HankauliegendenchinesischenKanonenboote unter Admiral Satschengping sich den Rebellen er­geben haben.

Aus Hessen.

Die Gießruer Landtagswahl.

Vom Landtagsabgeoroneten Justizrat Grünewald erhalten wir folgende Zuschrift:

Ihr Bericht über die gestrige nationalliberale Versammlung nötigt mich leider zu einigen Richligstcllungen. Tas Wort Spreng­pulver habe ich nicht gebraucht. Ick) habe in Bezug auf Herrn Klmgspor gesagt, daß ich mich crnftlidj bemüht habe für eine Einigung der beiden Parteien auf seine Person unter Kom­pensation mit Henrich-Darm stabt; ich halte Herrn Klingspor für einen liberalen Mann unb guten Kenner unserer gewerblichen Verhältnisse unb ick) könne auch nicht vergessen, daß er burd) sein Verhallen in unb nach ber Stresemann-Ver- fammlung eine der liberalen Sache günstige Wanblung in' der Führung der Gießener naiionaliiberalcn Partei herbeigcfüknt habe. Man habe freisinnigerseits bie Hoffnung gehegt, er werbe in ber naiionaliiberalcn Fraktion bes Landtags sprengend zwisd)en ber liberalen unb ber bünblerischen Richtung wirken.

Zu letzterer mehr refericrenber Bemerkung war ich veranlaßt burch Aeußerungen, bie in ber vor einigen Wochen im Einl-orn stattgehabten freisinnigen Versammlung gefallen waren; eine eigene Ansicht, ob Herr Klingspor es vermögen werde, in dieser Art klärend unb scheidend in der nationalliberalen Fraktion zu wirken, habe ich am Freitag nicht geäußert, wohl aber habe ich in jener Versammlung gesagt, daß ein Einzelner dies nicht fertig­bringen werde, schon ber Frak.ionszugchörigkeit wegen. Ich habe wörtlich gesagt,damit müssen wir uns abfinden, daß Herr Klingspor im Landtag mit Herrn Osann aufsteht und sich mit Herrn Osann setzt, unb ba dies regelmäßig auch mit dem Zentrum unb dem Bauernbunb geschieht, auch mit diesen." Die national­liberalen Redner haben ja auch davon gesprochen, daß Kling­spor in der nationalliberalen Fraktionliberalisierend" wirken

Vereins bezifferte der Vorsitzenbe Generalmusikdirektor Pro­fessor Tr. Max Schilling-Stutigart in seinem Geschäftsbericht die Mitglieberzahl auf 1107. TaS Vereinsvermögen ohne die Stiftungen beträgt rund 79 000 Mark, bas Vermögen der Stif­tungen zusammen rund 160000 Mark. Auf bie Berufung des Tr. Edgar Jstel-München an die Generalversammlung gegen seinen vom Vorstand beschlossenen Ausschluß vom Verein billigte die Generalversammlung in fast zweistündiger Verhandlung mit allen gegen eine Stimme den Ausschluß des Beschwerdeführers. Tie Hauptversammlung wird morgen fortgesetzt.

Hk. Tic deutsche Südpol-Expedition. 'Dem so­eben erschienenenGeogr. Anzeiger" entnehmen wir: Tas Ex- peditionsschissDeutschland" ist am 30. Mai wohlbehalten in Ponta Telgada auf den Azoren eingetroffen; es hat sich auf der bisherigen Fahrt vorzüglich bewährt unb erreichte eine größte Geschwindigkeit von 7,2 Seemeilen in der Stunde, eine sehr befriedigende Leistung für das tiefbeladene Schiff. Während ber Fahrt wurden physikalisch- und biologisch-ozeanographische Untersuchungen vorgenommen, ferner meteowlogische und lüft» elektrische Beobachtungen, Bodenprobenuntersuchungen unb Tief­seemessungen, Verdunstungsmessungen u. a. angestellt. Nach Prüfung oes Schisses, oci Ladung und der Instrumente erfolgte die Weiterfahrt nach Periiambuco, von wo die Abfahrt am 23^ Juli erfolgen sollte. Oberleutnant Tr. W. Filchner, ber* Anfang Juli bie Heimat verlassen hat, wollte Ende August in Buenos Aires die Leitung der Expedition übernehmen; die letzte Sendung mit 15 Ponys unb 30 Eskimohunden aus Grönland ist am 17. Süiguft von Hamburg aus befördert worden.

Die .Liga gegen das Bücherverleihen". Ter leider nur allzusehr verbreiteten Mißt le, von Freunden und Be­kannten entliehene Bücher aus Trägheit ober Vergeßlichkeit nicht mehr zurückzugeben, will ein neuer Verein entgegentreten, ber sich in Frankreich gebilbet hat, bieLiga gegen das Bücherver­leihen", bie, wie schon der Name besagt, recht radikal oorgeht und bie Vergeßlichkeit guter Frennbe dadurch vor Versuchung schützt, baß sie bie Sitte bes Bücheroerlelhens selbst bekämpft.

Kurze Nachrichten aus K u n ft unb Wissen­schaft. In Moskau wurde eine Tolstoi-Ausstellung eröffnet. Vom russischen Finanzmlnisterium ist im Ministerrat beantragt worden, das Gut Tolstois Jass na ja Potjana durch den Staat arijufauTcn. In Prag wurde die legte Nummer des Simpliztisimus" ko n f i s z r e r t, wetl die Polizei in dem Titel­bild eine Beleidigung der katholischen Kirche erblickt,