Rede stehenden Strecke vollziehen wird, behält sich die russische Negierung ba» Recht vor, sich in jeder ihr erwünschten Form an den Arbeiten zu beteiligen, und das Recht, gegen Erstattung der von dem Erbauer tatsächlich aufgewendetcn Kosten in den Besitz der Eisenbahn einzutreten. Tie hohen Vertragschließenden Teile verpflichten sich außerdem, sich gegenseitig an allen Tarifoder sonstigen Privilegien teilnehmen zu lassen, die einer von ihnen bezüglich dieser Linie erlangen sollte. Auf alle Fälle bleiben die übrigen Abmachungen des vorliegenden Abkommens in Kraft.
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Paris, 20. Aug. In allen Blättern, welche das deutsch- tnssische Abkommen mit fniint verhehlter Uebellaune besprechen, gelaugt der W u nsch zum Ausdruck, daß Rußland gün- stigcreEr^sahrungcnmitDeutschlandmachenmögc als andere Staaten, die zu der Berliner Regierung in Vertrags- Verhältnisse traten. Die .Hauptsache bleibe, daß Rußland allen E n t f r c m d u n g s v e r s u ch e n von der Triple-Entente mit F e st i g k e i t w i d e r st e h c.
Tic „N 0 w 0 je W r e m j a" äußert in ihrem Leitartikel ihre Zufriedenheit über das endliche Zustandekommen des Abkommens. Dieses beseitige die Ungewißheit, die Rußlands Schritte in be- slimmter Richtung vorschreibt und ebenso die Mißverständnisse mit dem weltlichen Nachbar, die hervorgerufen worden seien durch den Uebereifer von dessen Vertreter in Teheran. Die volle Einschätzung des Uebereinkommens sei allerdings noch unmöglich.
Die Pause in den Marokkooerhandlungen.
So ziemlich alle deutschen Blätter sind befriedigt davon, daß eine Pause in den Verhandlungen eingetreten ist und die deutsche Regierung die Möglichkeit besitzt, den Standpunkt, den sie einnehinen will, noch einmal genau zu erwägen. Aus dem Volke heraus wird überall Stimmung dafür gemacht, daß wär mit Ehren aus der Marokko- Geschichte hcrauskommen. Man spricht von einer großen Volksversammlung, in der alle Parteien durch Redner vertreten sein sollen. In der „Tägl. Rundsch." rät der frühere Gouverneur von Kamerun, v. Putt kam er, gleichfalls von einem Vertragsabschluß auf den bisher gerüchtweise erwähnten Grundlinien ab.
Ter ganze Congo Fraueais? Kaum denkbar. Also Gabun mit Libreville und dem an den Etat Jndependant Belge du Congo grenzenden Süden.. Das ganze Land ist aufgeteilt in etwa 34 Konzessionen, die mit den ausgedehntesten Rechten, teilweise sogar mit Hoheitsrechten auf undenkliche Zeiten ausgestattet — und die fast sämtlich „Pleite" sind. Also nichts damit. Statt dessen bietet man uns den Norden des Congo Franyais, das sogenannte „Territoire militaire du lac Tschad". Das heißt Bagirmi, Wadai und was darunter liegt bis zum Ubangi. Ja was sollen wir denn damit? Ein unfruchtbares, von fanatischen Mohammedanern beherrschtes Gebiet, in dem nichts zu holen ist als Schlappen. Um dies Gebiet zu besetzen, müßte die Kameruner Schutztruppe auf das Doppelte erhöht werden, imd wir würden für eine ganz nutzlose Sache mit schwersten Opfern auf der ganzen Nordlinie ständig gegen den Islam (Senussi usw., zu fechten haben.
Auch Dr. Paul Rohrbach, den man gleichfalls als Sachverständigen ansprechen kann, meint:
Jetzt verlangt man von uns, daß wir aus Marokko hinausgehen sollen, und bietet uns dafür einige wertlose Landstriche an dec Kamerungrenze an. Französisch-Kongo ist die schlechteste Kolonie, Die unsere Nachbarn besitzen, und die a l le r s ch l e ch- testen Stücke davon sind diejenigen, die an Kamerun stoßen. Auf deutschem wie auf französischem Gebiete ziehen sich hier teils ungeheure Sümpfe entlang, teils unbewohnte Urwälder, sogenannter „toter Busch".
Amtliche Richtigstellungen.
Verspätet teilt das Wolffsche Bureau mit, daß der Kaiser am Freitag in Wilhelmshöhe auch den Vortrag des Staatssekretärs v. Kiderlen-Wächter entgegeirgenom- men habe. Ferner schreibt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zu der Meldung der „Kölnischen Volkszeitung", die Nachricht der „Nationalzeitung", daß der Staatssekretär v. Kid erlen-Wächter auf dem Sprunge stehe, wegen einer von oben her geforderten Nachgiebigkeit in der Marokkofrage seinen Abschied zu nehmen, sei „von den Offiziösen" von Anfang an unbeachtet gelassen worden:
Tasistnichtzutreffend. Die Meldung der „Nationalzeitung" erschien mit dem Datum vom 4. August am 3. August abends; bereits in der nächsten Morgennummer des „Berliner Lokalanzeigers" wurde die Behauptung einer deutschen Minister- krisis im Zusammenhang mit der Marokkofrage als „Heller lln- sinn" bezeichnet. Arn Abend desselben Tages, am 4. August, griff die „Post" in ihrem berüchtigten Artikel die Angabe wieder auf, der Staatssekretär des Auswärtigen und der Reichskanzler fühlten slch zum Rücktritt gedrängt. In der ersten, nach dem Artikel der „Post" erschienenen Nummer der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wurden diese und andere Angaben dec „Post" als Ausgeburten eines überreizten Gehirns bezeichnet, eine Feststellung, durch die unmittelbar auch die Meldung der „Nationalzeitung" über eine deutsche Millisterkrisis getroffen wurde.
Später werden über diese Krisengerüchte sicher einmal mehr Einzelheiten mitgeteilt werden.
Eine große Marokko-Volksversammlung in Berlin.
In Berlin ist ein Ausschuß zur Vorbereitrmg einer großen Marokko-Volksversammlung gegründet worden. In der Einladung, die der Ausschuß an alle bürgerlichen Parieren richtet, heißt es: „Die beabsichtigte Volksversammlung soll nicht nur allen Deutschen, sondern auch dem Ausland zum Bewußtsein bringen, daß unser Volk auf Grund seiner Überbevölkerung, seines Fleißes und seiner Tüchtigkeit auf allen Gebieten das sittliche und geschäftliche Recht hat, neue Absatz- und Produktionsgebiete auf der Erde zu erwerben. Keine Macht der Welt kann und darf unser Volk an der Ausbreitung deutscher Kultur behindern." .Als Redner für die Maroktoverhandlungen sollen gewonnen werden: Reichslagsabgeordneter Dr. Arning in Hannover, General A. Keim, Abg. Hecks cher, Generalleutnant von Wrochem, Abg. Amtsgerichtsrat Satt» mann, Abg. Erzberger, Freiherr v. Reiblitz.
Kinderlen-Wächter auf Urlaub.
Badenweiler, 19. Aug. Staatssekretär v Kld erlen-Wächter ist für einige Stunden hier eingetroffen und im Hotel Römerbad abgestiegen.
Französische Rüstung.
Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Paris: Eine eigentümllche Nachricht bringen übereinstimmend „Petit Parrsren" und „Excelsior" aus Cherbourg: Dort sei am Samstag nachmittag ein telegraphischer Befehl des s.Jt a r t n e m i n i ft e r 3 Delcass 6 bei der Marinepräfektur eingetroffen, der anordnet, daß ein Viertel der Arsenal- arbeiter)d)aft ll e b e r ft u n ö e n mache, während die Hälfte des Per)onals, trotz des Sonntags, zu arbeiten habe, um mit großer Beschleunigung sämtliche Unterseeboote und Torpedoboote in Kriegsbereitschaft zu stellen. Von heute ab hat das ganze Arbeitspersonal des Arsenals täglich, bi» auf weitere», drei Ueberstunden zu
Stimmen aus Frankreich.
Der „Matin" erklärt neuerdings: Wir wissen, daß die Re- gierung der Republik das ganze Volk hinter sich hat das ieft entschloßen ist, sich nicht vor den maßlosen For '
Ein Deutscher als Spion in England seftgenommen.
Nach einer Londoner Blättermeldung wurde der Deutsche x a h y m u I B unter der Beschuldigung der Spionage vor den Unteriuchungsrichter in Plhmouth geführt. Die Blätter wollen wissen, dag in |einem Besitz eine Menge ihn belastender Korrespondenz gefunden wurde. Es soll sich um einen Dr. phil. ™ Oberleutnant des 13. Husarenregiments handeln. Er wird beschuldigt, einen jungen Anwalt in Plpmouth zur Gesetzes Verletzung betrmend Amtsverschwiegenheit verleitet zu haben. (In der deutschen Rangliste ist ein Offizier, aus den die Angaben zutreffen, nicht zu siuden.)
m^erAbldung 6rii9t "och folgende Einzelheiten: Der Deußche Max Schultz wurde auf einem Hausboot auf dem ^ealmslutz verhaftet und von dem Bürgermeister von Plymouth mir Cmrx;?, erni Beamten zum Verhör geführt, das geheim ivac. Cut turzer Bericht wurde Mitgliedern von der Presse gestellt. Wie es heißt, hat Schultz die ihm zur ^??ehm m der Zeit vom 1. Juni bis zum x?. .August verübt. Der Verteidiger verlangte alle Pa- I.hm gefunden worden sind, zu sehen. Die Polizei- behorde verweigerte dies, aber der Bürgermeister ordnete an, • JL * gezeigt würden. Ein an den Angeklagten ge-
richtcter Brrei ist von der Polizeibehörde auf dem Postamt des Aorfes Newton-Ferrers beschlagnahmt worden. Der Brief enthalt Noten von England im Betrage von 110 Pfund Sterling.
Verteidiger beanspruchte einen Teil des Geldes für die Verteidigung seines Klienten. Das Gesuch wurde aber ab- xC 31er mag darin liegen, daß man vermutet,
oa3 Geld könne von der deutschen Regierung stammen. Das Verfahren gegen den Angeklagten wurde bis zum 28. August zurück- gestellt. Eine beantragte Haftentlassung gegen Bürgschaft wurde abgelehnt.
Hesse».
Landtagswahl. Die Sozialdemokraten sind auch wr die bevor,»eh.ende Laudtag»waht wieder die ersten, die in Gießen wren Kandidaten bestimmt haben. Nachdem Stadtver-
rungen des Herrn von Kidcr len - Wächter zu beugen. Die französische Regierung ist neuen Vorschlägen Deutschlands zugänglich. Das Interesse beider Länder erheischt eine Verständigung, daher glauben wir, daß trotz allem der gesunde Menschenverstand des Herrn von Kidexlen den Sieg über seinen Wunsch, seine persönliche Stellung zu verteidigen, den Sieg davontragen und daß man schließlich zu einem ,W- kommen gelangen wird.
Der „Petit Parisien" schlägt eine ganz ähnliche Tonart an.
Die nationalistische „Siberte" droht, daß die öffentliche Meinung Frankreichs gewisse Ei nschüchtcrungsver suche Deutschlands verhindern und den etwa von Berlin aus hierher zu entsendenden Geheimagenten, die in kritischen Zeiten die Pariser Hintertreppen zu finden wissen, das Handwerk legen werde.
Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Paris: In den der Regierung nahestehenden Kreisen wird betont, daß die Fort- führungderBerlinerVerhandl ungen an drei wesentliche Vorbedingungen geknüpft fei. Erstens: Deutschland gibt seine grundsätzliche Zustimmung zu einem von Frankreich durchzuführenden, politisch und militärisch über die Algecirasaktc hinausgehenden Marokkoprogramm; zweitens Deutschland erklärt, daß bei der Regelung der Gebietsverhältnisse in Kamerun und französisch Kongo, Frankreich nicht dec allein gebende Teil sein würde, daß vielmehr Deutschland, wäre es auch nur des französischen Prestiges wegen, den sogenannten Entenschnabel von Kamerun zu opfern bereit wäre; drittens: die deutschen Ansprüche werden in dem Sinne eingeschränkt, daß Frankreich keine Einbuße seiner Verkehrsfreibeit an den Grenzen von Gabon, des Sudans und der Tschadseegegend erfährt. Diese Vorbedingungen, so wird hinhuaefügt, lassen einer auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden Diplomatie doch ein weites Feld nutzbringender Betätigung.
Mehrere Blätter ninbigen die Einberufung eines M i- n ist er r atS für Donnerstag oder Freitag nach Rambouillet an, zu welchem sich alle Minister, auch die zurzeit in Bädern befindlichen, unter dem Vorsitz des Präsidenten Falliöres vereinigen sollen. Gegenstand der Beratung dürsten die deutsch-französischen Verhandlungen auf Grund des Cambonschen Berichtes fein.
Nack dem „Petit Parisien" wird Botschafter Cambon, der am Sonntag abend nach Paris abgereist ist, bereits am 27. ober 28. August nach Berlin zurückkehren.
Der englische Ersenbahnausstand beendet!
London, 19. Aug., (11.40 Uhr abends.) Der E is e n b a h n a u s st a n d i st b e i g e l e g t.
Der Vergleich zwischen den Eisenbahnern und den Eijen- bahngesellfchaften enthält folgende Bestimmungen: 1. Ter Streik ist sofort zu beenden. Die Arbeiterführer sollen nach besten Kräften sich bemühen, die Leute zur unverzüglichen Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen. 2. Alle Arbeiter, die durch den Streik oder die Aussperrung in den gegenwärtigen Streit verwickelt sind und innerhalb der angemessenen Zeit sich wieber zur Arbeit melden, sollen von den Gesellschaften sobold als möglich wieder- eingestellt werden. Niemand soll wegen Kontraktbruches gerichtlich belangt ober sonstwie bestraft werden. Artikel 3 enthält Einzelheiten über die Einberufung von Einigungsämtern, welche über die strittigen Fragen beraten sollen. 4. Es sollen sofort Schritte unternommen werden, um die Fragen zu regeln, die zwischen den Gesellschaften und benjenigen Kategorien bet Angestellten schweben, die in dem Vergleichsabkommen von 1907 nicht einbegriffen waren und zwar sollen die Fragen durch eine Konferenz zwlscheii Vertretern der Gesellschaften und Vertretern ihrer Angestellten bis zur Berichterstattung durch eine besondere Untersuchungskommission geregelt werden. 5. Beide Parteien jeDten dem Ausschuß jeden Beistand. 6. Jede Frage, die wegen Auslegung dieses Vergleichs austauchen könnte, soll dem Handels- amt vorgelegt werden. Tie Regierung macht den Vorschlag, daß ein Ausschuß eingesetzt werden soll, der die Wirkung eines EiNigungs--und Schiedsgerichts-Abkommens für die Eisenbahnen prüfen und darüber Bericht erstatten soll, welche Aenderungen gegebenenfalls wünschenswert seien. Ter Aus- Ichuß soll aus fünf Mitgliedern bestehen, nämlich aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Anzahl mit einem unparteiischen Ob- maun, unb soll während der nächsten Woche zusammentreten. Er soll die Arbeiten so schnell wie möglich erledigen. Beide tcien haben die Versicherung gegeben, daß sie die Beschlüsse des Ausschusses annehmen wollen. Die Regierung sicherte ferner den Eisenbahngefellschasten zu, daß sie in bet nächsten Session dem Parlament ein Gesetz vorlegen wird, durch das wegen der Steigerung der Arbeitskosten, Ijerborgcrufen durch die gegenwärtige Aufbesserung der Lage des Arbeiterpersonals, eine angemessene allgemeine Erhöhung der Tarife als gerechtfertigt erklärt werden soll.
Tie Eisenbahnarbeiter hielten im Hydepark eine von 30- bis 40 000 Personen besuchte Massenversammlung ab, in der fie deschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen.
. König hat in einem Telegramm an den Premier- rnuufter Asquith.die Regierung zu der glücklichen Beilegung des Eisenbahnausstanbs beglück w ü n s ch t.
~ o n b o n, 20. Aug. Das Kriegsministeriuni ord- nete an, daß die Truppen sobald wie angängig in ihre Bezirke zurückgefandt werden. In Llanelly begingen die Ausständigen in vergangener Nacht Plünderungen und Brandstiftungen. Als ein Bahnhof-Güterschuppen in Brand gesteckt war, erfolgte eine Explosion. Drei Personen wurden getötet, viele verletzt. Die Polizei ging mit Stocken, das Militär mit dem Bajonett vor, viele Personen wurden verwundet.
ordnetet Ed. K t u in m wegen eines Halsleibens es ab! ebnen mußte, eine Kandidatur für den Landtag anzunehmen, haben feine Parteigenossen Redakteur Vetters als Kandidaten ausgestellt. — Für den Landtagswahlkreis G r o ß c n l i n d c n - Heuchelheim soll für die Sozialdemokraten Schneidermeister Diehl-Gießen als Kandidat auftreten.
Deutsche Kolonien.
Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwest - af ri f a. Laut nunmehr erschienenen Geschäftsbericht; schlägt diese Gesellschaft 50 Proz. Dividende gegen 64 Proz. im Vorjahre vor. Der Ueberschuß beträgt 1 309 939 Mk. gegen 1 679 619 Mark im Vorjahr. Es erbrachten die Landesverkaufsrechnungen 100 430 Mk. gegen 676116 Mk. im Vorjahr. Die Bergwerks rcchnung hat 1105 353 Mk. ergeben gegen 1018 452 Mk. int Vorjahr. Die Zinsen betrugen 129 921 Mk. (110 347 Mk), die Unkosten beliefen sich auf 137724 Mk. gegen 137828 Mk. Die Steuern betrugen 189 925 Mk. gegen 301831 Mk. Vor getragen werden 159 945 Mk. gegen 224 394. Man hatte meh: erwartet. Das geminderte Erträgnis wird besonders darauf zu- rückgeführt, daß der Landkauf wesentlich zurückgegangen ist, während die Einnahmen aus Bergrechten nur eine verhältnismäßig geringe Steigerung erfahren haben. Die Haupteinnahmequelle der Gesellschaft werde in Zukunft das Bergrecht sein. Die Erwartungen, die von der Beteiligung an der Deutschen Diamantengesellschaft gehegt wurden, haben sich nicht erfüllt, und es sei der Diamantreichtum des Sperrgebietes überschätzt worden.
Srohseuer in Gietzen.
Gießen, 21. August.
Gestern abend um 11 Uhr wurde die hiesige Bevölkerung durch das Signal Großfeuer aus ihrer Ruh geschreckt. Der östliche Himmel glühte in einem riesigen Feuerschein. Dichte Rauchwolken und prasselnde Funken wurden durch den eintretenden Ostwind gegen die Stadt zu getrieben und erfüllten die Straßen mit einem starken Brandgeruch. In der Marburger Straße brannte das große Anwesen des Landwirtes Sievers und die gc- wattigen Feuermassen bedrohten die benachbarten Gebäude oft ganz bedenklich. Das Feuer, das durch eine um» gefallene Stallaterne in einer Scheuer ausgebrochen war, fand an den Futter- und Getreidevorräten reichliche Nahrung und hatte sich im Nu über sämtliche Stallungen und Scheunen ausgebreitct, wo es an dem leichten Fachwerkbau rasch weiterfraß. Ein in der Mitte des Hofes liegender, großer Haufen Torf geriet ebenfalls rasch in Brand und erfüllte die ganze Gegend mit beißendem Qualm.
Die Rettungsversuche.
Durch die Militärfeuerwehr und Passanten wurden die Pferde und Kühe unter größter Mühe gerettet, auch ein Teil des Hühnerhofes und einige Schweine konnten in Sicherheit gebracht werden. Vi e rz i g S ch w e i n e und eine Anzahl Hühner kamen in den Flammen nm. Das Geschrei der Schweine, von denen nur einige unter Lebensgefahr gerettet werden konnten, klang schauerlich rurch die Nacht. An den brennenden Gebäuden, die in heller Glut standen, war nicht mehr viel zu retten und nach einigen mißglückten Versuchen mußte sich die Feuerwehr darauf beschränken, die Gewalt der Flammen einzudämmen. Durch Funken wurden auf den dahinterliegenden Wiesen einige Bäume in Brand gesetzt. Weitere Einzelheiten über )en Brand können wir nicht mitteilen, da der Schutzmann Nr. 22 unseren Vertreter trotz seiner Vorstellungen von der Brandstätte verwies, obschon er wie die Herren der Negierung usw. sich dicht an dem Wohnhause aufgestellt hatte.
Die Tätigkeit des Berichterstatters ist zum mindesten nicht weniger' richtig, als die Anwesenheit der anderen Persönlichkeiten, denen der Zutritt gestattet ist. Er hat die sehr wichtige Aufgabe, die Rettungsarbeiten genau zu verfolgen und etwaige Mangel zur Besprechung zu bringen. Wie erinnerlich, wurden auch bei dem letzten Brande die Mängel erst nach der öffentlichen Besprechung abgestellt.
Besonderer Beachtung bedarf aber die Feuerwehr, die auch diesmal nicht rechtzeitig genug eintreffen konnte. Aber damit nicht genug. Auch diesmal war nicht genug Wasser vorhanden, und ein Feuerwehrmann stand nahezu 10 Min. auf der Leiter bevor er Wasser geben konnte. Auch die Spritze, die von der Pflichtfeuerwehr bedient wurde, gab nur einen jämmerlichen Wasserstrahl ab. Mit welchen! Ernst von einigen Leuten gearbeitetet wurde, mag aus den folgenden beiden Fällen erläutert werden. Mitten im tollsten Brennen um Vi12 etma, wurde plötzlich besohlen, daßdie Pflichtfeuerwehr, die sich längst nützlich gemacht hatte, wo sie konnte, an tret en solle, wodurch die herrschende Aufregung natürlich noch ucr; mehrt wurde. Der zweite Fall bezieht sich nicht auf die Organisation, sondern auf die Disziplin. Ein Mann der Pflichtfeuerwehr war auf der Suche nach seiner Abteilung, als ihn ein am Spritzenschlauch stehender Feuerwehrmann gewahrte, ließ er brennen, was brennen wollte, und richtete den Wasserstrahl aus nächster Nähe auf den jungen Mann, der sich rasch zurückzog, aber auch dann noch über und über begossen wurde. Da er bei der raschen Flucht seinen Hut verloren hatte, kehrte er zurück und wurde sofort wieder begossen. Solche Zustände sind geradezu standallös. Man sollte meinen, daß die Feuerwehrmannschaften für das Feuer da wären, und die Absperrung den damit beauftragten zu überlassen hätten. Nach dem Gebaren des Mannes scheinen dre Vorschriften darüber anders zu lauten. Durch die Verzögerungen m der Absperrung usw. war im Anfang der Andrang des Publikums sehr stark, dann mürbe her Strom durch Militär eingedämmt.
Durch das verspätete Eintreffen der Feuerwehr wurde auch ein Nachbarhaus in Mitleidenschaft gezogen, wobei die Türen anbrannten, sowie Kleidungsstücke und Werkzeuge vernichtet wurden. —
. gestrigen Vorkommnisse haben wieder gezeigt, daß das Loschwesen m Gießen nicht auf der Höhe stehl, unb bajj es bringend notwendig ist, eine ständige Berufsfeuerwehr hier einzurichten.
Zu dem Feuer erhalten wir noch folgende
Zuschrift.
s. Befremden unb Bedauern ist heute nacht wieder um i/19riirl)mUn9 worden, baß die Feuerwehr erst um /sl2 Uhr Zur Stelle war, nachdem der Brand bereits um rr ttyr rm vollen Umfang ausaebrochen war. Nachdem an dieser Stelle schon mehrfach über die Mangelhaftigteit im ^euerlv)a>ioejeu Klaae geführt worben ist, muß man boa) sagen, wohin sollen Die Zustände in einer immer größer


