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19/06/1911 Erstes Blatt
 
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Ans Stc^SL und Land.

Gießen, 19. Juni 1911.

Der Wert des Spazierengehens.

Das altbekannte Wortspiel vomBessergehen, wenn man mehr ginge", ist kaum noch nötig, erwähnt zu werden, seit sich allgemein die Wahrheit dieses Wortes Geltung verschafft hat. (Ls gibt kaum noch einen Menschen, der von dem wohltätigen Einfluß des Spazierengehens aus Körper und Geist nicht überzeugt wäre. Und trotzdem be­gegnet man eigentlich wenig Spaziergängern! Wie das nur kommt? Nun, einige Gründe sind leicht zu finden. Die Männer vor allem sind in unserer hastenden Zeit zu­meist so viel beschäftigt, daß sie nur verhältnismäßig selten zu einer ruhigen Evholuugsstuude kommen; sie meinen, das Spazierengehen werde bei ihnen durch die vielfache geschäft­liche Tätigkeit ausgelöst. Haben sie dann wirklich einmal eine freie Stunde, so suhlen sie sich sehr leicht müde und abgespannt und sehnen sich nach Ruhe, vollkommener Ruhe. Dazu kommt noch, daß Theater, Konzerthallen, Ballsäle, Varietes, Kinematographs, Vereinshäuser, nicht zum we­nigsten auch Bierteller, Restaurants, EasöS, Automaten usw. Manner wie Frauen und Kinder anlocken, so daß die Stun­den, die früher einem Spaziergang geweiht waren, jetzt in Vergnügungslokalen verbracht werden. Tas ist sehr zu bedauern. Tenn wir find tatsächlich nirgends besser auf­gehoben als in der Natur. Nicht ohne Schaden für Leib und Seele dürfen wir sie ignorieren! Die frische, sauer-, stosfreiche Lust, Bestrahlung durch das Sonnenlicht, Be­wegung usw. lvirten beim Spazierengehen so großartig aus unseren Körper ein, daß sich unser Wohlbefinden schon in den Stunden des Spazierengehens hebt und wir gewöhn­lich lebensfreudiger, lebensmutiger, geistig regsamer und körperlich frischer heimtehren als wir sortgegangen sind! Natürlich müssen wir langsam gehen und müssen uns im seelischen Gleichgewichte befinden, wir müssen die Luft in vollen Zügen einatmen und dürfen draußen in Feld und Wald nicht wunderwas für Ideen sammeln wollen. Gehen wir einmal spazieren, so sollen wir alle die kleinen Tages- gefchäfte und Tagessorgen hübsch daheim lassen, um uns ganz dem Genüsse des Spazirengehens anheim zu geben. Mr sprachen vorhin, daß mancher vielbeschäftigte Mann

meint, er yave es nicl)t notwendig, in Gottes Natur hinaus­zupilgern, da er durch seine geschäftliche Tätigkeit genug Bewegung habe, vielleicht genug,auf der Straße liege". Das ist aber nicht richtig gedacht. Wie Essen und Essen sehr- zweierlei sein kann, so ist auch zwischen Gehen und Gehen ein großer Unterschied. Zwischen den .Häusern ist nicht immer gute Luit, nicht immer genügend Licht. Inmitten des Menschenschwarms und der zu erledigenden Dages- geschäste ist eine körperliche und geistige Sammlung und zugleich Kräftigung kaum möglich. Man muß abgezogen und ganz einer ruhigen Stunde hingegeben sein, wenn das Spazierengehen seinen so wohltätigen Einfluß in vollem Maße auf uns ausüben soll!

*

** Vom Großherzoglichen Hof. Das Groß­herzogspaar hat am Samstag Nachmittag von Groß- Gerau aus die Reise nach London zur Teilnahme an den Krönungsfeierlichkeiten angetreten.

** Landes Universität. Heute feiert der Geheime Kirchenrat Prof. D. Dr. Krüger den Tag, an dem er vor 2 5 Jahren an der hiesigen Universität Privatdozent ge­worden ist. Der hochverdiente Gelehrte ist auch als außer­ordentlicher und ordentlicher Professor unserer Universität treu geblieben, zu deren festesten Stützen er jetzt gehörst. Besondere Verdienste hat er sich um 'die Universität auch er­worben als Ephorus der Stipendiaten. Das Rektorat be­kleidete er im Jahre 1902/1903.

** Vom Nationalliberalen Verein Gießen wird uns geschrieben: Infolge Verhinderung des Partei­sekretärs Knittel wird der für Dienstag den 20. ds. Mts. angekündigte Diskussionsabend erst am 27. ds. Mts. statt­finden.

** V o m S t a d t t h e a t e r wird uns geschrieben: Noch­mals sei darauf hingewiesen, daß zu der morgigen Auf­führung vonGraf von Luxemburg" die Herren Stu­dierenden an der Abendkasse Ermäßigung genießen.

** Im Kinematograph erfreut sich der neue Spiel- plan eines lebhaften Zuspruchs und großen Beifalls. Der Ballonaufsiieg des hiesigen Luftschiffervereins und der Ver­kaufstag in Steins Garten ziehen noch immer die Zuschauer sehr an und haben von ihrer Wirkung noch nichts eingebüßt und c§ fragt sich, ob derartige heimische Aufnahmen nicht mehr Anziehungskraft ausüben als selbst die spannendsten Kriminalgeschichten. Daß wir im Prinzip überhaupt gegen derartige Kriminaldarstellungen sind, haben wir wiederholt ausgesprochen. Auch gegen die sogenanntenergreifenden Dramen" läßt sich voin Standpunkt des guten Geschmackes manches anführen, obwohl sich darunter ost sehr hühsche Aufnahmen finden. Zu diesen gehört aber die tragische Liebe der Tierbändigerin nicht. Ganz famos ist das Farbenlichtbild (Naturaufnahme) Die Weihe eines Bonzen. Sehr lustig sind die humoristischen Stücke Der Neffe, Wenn Frauen Schutzleute werden und Der Weinagent. Das grotze Kriminaldrama Die Maske, das vorzüglich dar- gestellt wurde, fesselte die Zuschauer ungemein und hatte einen

recht großen Erfolg.

** Preisgekrönte Turner. Ter Turnverein Gießen von 1846 errang bei dem gestrigen Feldberg- feste, das durch die llngunst der Witterung sehr zu leiden hatte das Turnen mußte mehrfach unterbrochen wer­den einen schönen Erfolg. Von 994 angetretenen Wett- turnern errangen die Turner Ludwig Bepler den 9., Philipp Schwab den 20., Karl Loos den 21. und Heinr. H a m e l den 23. Preis.

** T i e Heugrasversteigerung brachte für die städtischen Wiesen 13 821 Mk., für die Wiesen des Stadt- erweilerungsfonds 1822.50 Mk., für die Hospitalwiesen 450 Mark, für die Wiesen der Plockschen Stiftung 40 Mk. und für die des Gas- und Wasserwerks 75 Mk., im ganzen 16 208.50 Mk. gegen 20100 Mk. oder 3892 Mk. weniger als 1910. Die Heuernte an Wegen und Rainen brachte 690 Mk. und für den Stadterweiterungsfonds 275.50 Mk., oder zusammen 965.50 Mk. gegen 1545 oder 579.50 Mk. weniger als int Vorjahr.

* Die Kracheburg an der Neustadt und das Schneider'sche Anwesen wird nun bald vom Erdboden ver­schwinden. Die Bürgermeisterei hat das Hochbauamt an- gewiesen, beide Häuser abbrechen zu lassen.

*» Die neue Mauer, die das Grundstück des Laza­rettes von der Ost-Anlage abschließt, ist seit einiger Zeit fertiggestellt. Hoffentlich werden sobald als möglich vor der Mauer gärtnerische Anlagen hergestellt.

** Selbstmordv ersuch. In der Restauration zum Philosophenwald machte am verflossenen Samstag abend die vorübergehend sich hier aufhaltende Margarete deW e r- bilo einen Selbstmordversuch, indem sie Sublimatpastillen zu sich nahm. Sie wurde von Mannschaften der Saui- tätskolonne nach der Klinik gebracht. Lebensgefahr scheint ausgeschlossen zu sein, lieber das Motiv zur Tat gehen eigenartige Gerüchte um.

** Jugendliche Ausreißer. Am hiesigen Bahn­hof wurden gestern abend zwei Brüder, Oehl aus Cob- leuz, 10 und 11 Jahre alt, obdachlos betroffen und in polizeilichen Schutz genommen. Die Buben wollen mit ihrem Vater nach hier gereift und int Stich gelassen worden sein.

Landkreis Gießen.

0 Klein-Linden, 18. Ium. Unser Feuerwehr- f e st nahm heute trotz des Regens int Garten zurBurg" einen ichöncn Verlaus. Zu dem Kommers gestern abend hatten sich auch zahlreiche Mitglieder der Gießener städtischen freiwilligen Feuer­wehr cingesunden. Brandmspeltor W i e g and t - Gießen über­brachte die Glückwünsche der Gießener Wehr. Die Gesangvereine Eintracht",Arion" undHarmonie" trugen Chöre vor, und die Turner sanden für ihre Tarbietungen lebhaften Beifall. Kom­mandant K. Jung II. danlte allen für die Verschönerung der Feier und toaltete auf die Gießener Wehr und den Brandinsveltor Wiegandt. Heute mittag trafen die Wehren aus der Umgegend ctn. Als sich der Festzug durch das Dors bewegte, kam leider ein hestiger Regen. Im Burggarten begrüßte der Kommandant Jung die Gäste und Kameraden. Lehrer L. Keil hielt eine Ansprache. Tem Protektor der hessischen freiwilligen Feuerwehren, dem Groß­herzog, galt seinGut Wehr!", Bei Gesang und Tanz sand das Fest seine Fortsetzung.

r. Londorf, 18. Juni Bei der gestrigen Wahl eines Bürgermeisters wurde unser seitheriger Bürgermeister Wil­helm Auma nn einstimmig w i e d e r g e w ü h l t. Von 198 Stimmberechtigten wählten 182; gewiß ein Zeichen höchsten Ver­trauens, das man unserem Ortsoberhaupt entgegenbringt.

m. Hungen, 18. Juni. Beim Transportieren eines schweren eisernen Herbes in einer hiesigen Bäckerei, wo ein neuer Backofen errichtet werden soll, ereignete sich am Samstag früh ein eigenartiger Unfall. Als nämlich der : Herd Tür kurze Zeit aus einer Decke ausgestellt worden war, brach diese plötzlich durch und einige Arbeiter, die dabct beschäf­tigt waren, stürzten etwa vier Meter tief herab auss Pflaster.

Lustschiffalrrt.

Grauenvolle Todesfälle.

Issy les M o u l i n e a u x , 18. Juni. Der Flieger Leut­nant Princeteau ist tödlich abgcstürzt. Lein Leich­nam wurde mit Brandwunden bedeckt unter der in Brand ge­ratenen Flugmaschine hervorgczogen. Der Absturz war > ch reck- l i ch. Leutnant Princeteau machte knieend übermenichliche An­strengungen, sich aus den Trümmern des brennenden Appa­rates zu befreien. Seine Kräfte versagten schließlich, und er ,ank ohnmächtig in die Flammen, die eine Annäherung der Retter unmöglich machten. Princeteau ist 36 Jahre alt und stand beim 7. Ehasseur - Regiment. Sein Bruder war .Augenzeuge des Unfalles.

Budapest, 18. Juni. Auf dem R a k o s e r F1 ugfelde, wo in den Abendstunden ein zahlreiches Publikum die für heute angekündigte Ankunft des Wiener Oberleutnants Bier erwartete, unternahmen mehrere Flieger, nachdem bekannt geworden war, daß Bier heute nicht eintrifft, Flugversuche. Tabei geriet ein Flugzeug beim Abstieg in die Menge, die er>chreckt aus­einander stob. Ein Mädchen rannte in der Verwirrung ge­rade in den Apparat und wukde von der Flügelschraube ersaßt, die ihm den Kops buchstäblich vom Leibe riß.

Drei Arbeiter zogen ji blieb am Gebäll hängen un

Ausland.

Die britische R e i ch s k o n f e r c n z nahm einen Antrag des Premierministers von Kanada, Wilsrid Saurier, an, es möge eine Kommission für das ganze Reich zur Untersuchung der Handelsbeziehungen des Reiches ernannt werden. Laurier beantragte ferner, die Regierung zu ersuchen, sie möge Verhandlungen einleiten mit denjenigen fremden Regierungen, die Handelsverträge haben, welche sich auf die liebersee-Tominien beziehen, mit dem Ziele, jedem dieser Dominien die Freiheit zu schassen, sich von dem Vertrag zurückzuziehen ohne diesen für das übrige Reich zu verschlechtern. Sir Edward Grey erklärte im Namen der heimatlichen Regierung sich mit dem Antrag einverstanden, woraus derselbe angenommen wurde.

Eine Madrider M e 1 du n g bestätigt, daß die spanischen Behörden in O r e n s e und Pontevedra vier Waggons mit alten Remington-Gewehren und Munition beschlagnahmt haben, die nach Portugal eingeschmuggelt werden sollten, vier andere Waggons hätten die portugiesische Grenze bereits über­schritten. Die Waffen seien angeblich von einem aus Hamburg kommenden Tampser gelandet worden. .

Tie beim Selamlik in Prischtina vom türkischen Grotzwczier verlesene Proklamation des Sultans lautete in ihrem Hauptteil: Ich war vor einem Jahr tiefbetrübt, daß hier unter den Brüdern Blut vergossen wurde. Ta ich aber von ihrer Treue überzeugt mar, so habe ich die .Ereignisse den Einflüsterungen einiger Agitatoren zugeschrieben. Die Kundgebungen der Treue, die ich bei meiner Reise wahrgenommen habe, erwiesen, daß ich mich nicht irrte. Daher habe ich gemäß den Bestimmungen des Gesetzes die Begnadigung aller wegen der letzten Ereignisse verurteilten oder angeklagten Personen verkündet und ein Gesetz unterschrieben, nach welchem die Blutfehden beendet werden. Tie zur Schlichtung der Blutpreise nötigen Geldmittel habe ich gewährt. Ich hoffe, die Albaner werden anerkennen, daß das Heil ans dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz beruht, daß sie denjenigen, die sie gegen das Gesetz auswiegeln sollten, teilt Gehör schenken, daß sic die Blutrache ausgeben und das Recht innerhalb des Rahmens des Scheriats, sowie der Gesetze suchen und meinen Willen befolgen werden. Den türkischen Blättern zufolge be­trägt die Zahl der begnadigten Albaner 200.

DemNcwyork Heralb" wird aus Port-au-Prince ge­meldet, daß der Expräsidcnt .Castro sich nicht an Bord des dort unter deutscher Flagge cingetroffenen SchiffesK vnsul G.rosstuk" befindet. Tie Schiffsoffiziere seien vom Präsi­denten Simon empfangen worden.

Vorschläge gemacht, die voraussichtlich zu einer Verständigung mit dem anderen Hause führen dürfte.

Dcnt?ches Aerch.

Der Kaiser traf am Sonntag mittag von Hannover in Gelle ein. 9tach Besichtigung verschiedener Räume des Schlosses nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der gesamten Garnison ent­gegen und begab sich darauf in das Vaterländische Museum, wo er besonders das von ihm gestiftete SchlachtgemäldeTas Treffen an der Görde" besichtigte. Hierauf zeichnete sich der Kaiser m das goldene Buch ein und setzte die Fahrt nach Hamburg fort, wo er um 4'7 Uhr bei der St. Pauli-Landungsbrücke eingetrofren ist. Zum Empfange waren anwesend Bürgermeister Predoehl, Bürgermeister Bnrchard und Gesanbtcr v. Bülow. Ter Kaiser begab sich an Bord derHoheuzollern", wo die Kaiserstandarte *S her ersten V »rlagen, die dem neutn Reichs­tag zugehen werden, wird ein Gesetzentwurf wegen Aenderung der F a h r k a r t e n st euer fein. Tie preußische Staatsbahn­verwaltung möchte die unangenehme Wirkung der staffel förmig en Fahrtartensteuer, die eine starke Abwendung der Reisenden aus der ersten zur zweiten und aus dieser zur dritten nndsoweiter zur Folge hatte, dadurch beseitigen, daß an deren Stelle prozentuale Zuschläge zu allen Fahrkartenpreisen erhoben werden, etwa 31/s vom Hundert, womit mmt ebensalls ungesähr aus den leljigen Be­trag der Fahrkartensteuer von rund 20 Millionen kommen dürste. Ta aber hierfür schwerlich im künftigen Reichstag, wie er auch zusammengesetzt sein möge, eine Mehrheit zu haben sein dürste, so würde die geplante Reform im wefentlichen darin bestehen,, daß man die Steuer für Fahrkarten erster Klasse erheblich herab­setzt und den dadurch entstandenen erheblichen Ausfall durch eine entsprechende Erhöhung der Steuern für die zweite und dritte Klasse, vielleicht auch durch die Einführung einer Steuer, für die vierte Klasse auszugleichen suchen wird.

Tie württembergische Zweite Kammer hat die Gehaltsordnung für die ständigen Leher und Lehrerinnen an den höheren Knaben- und, Mädchenschulen, sowie des Gesetzes betr. Abänderungen des Gesetzes vom 8. August 1907 über die Höheren Mädchenschulen angenommen, desgleichen die Gehaltsordnuiig für die Lehrkräfte an den Gewerbe- und Hanbels- schnleii, für die ständigen Lehrerinnen an den Fräuenarbeitsschulcn, die Tagegeldordniiiig für die unständigen Lehrerinnen an diesen Schulen, sowie den Entwurs eines Gesetzes betr. Aenderung des Gesetzes vom 22. Juli 1906 über die .Gewerbe- und Handels­schulen. _ ..

König Friedrich August von Sachsen ist zum Be­suche des Priiizregenten Luitpold am Sonntag in M ü n ch e n eingetrosscn. Ter König suhr mit dem Prinzen Ludwig im os- senen Wagen in die Residenz, wo der Prinzregent ihn begrübe.

zu nennen, daß leine Menschenleben zu beklagen sind und der Unfall, der so verhängnisvoll roerben konnte, nur mit äußeren Verletzungen der Arbeiter abtief.

Kreis Büdingen.

= Bedingen, 18. Juni. Immer näher rückt das Gauturns.est; immer kürzer wirb die Zeit, die uns noch von der 50jährigen Jubelfeier des- dinger Turnvereins trennt. Reichlich laufen die An­meldungen ein. Unter dem Ehrenvorsitz des Fürsten Wcfts- gang wetteifern die Einzelausschüsse, um zum Gelingen des Festes beizufragen. Besonders der Wohnungsausschuß ist in eifriger Tätigkeit, um Freiquartiere zu schaffen, was bei der Gastlichkeit der Büdinger nicht fchwer fällt. Für Unterhaltung hat der Vergnügungsausschuß reichlich gc- orgt. Außer den turnerischen Veranstaltungen haben die )iesigen Gesangvereine und die Gesangsabteilung des T. V. Langenselbold ihre Mitwirkung zugesagt, daneben wird die Kapelle des 2. Kgl. bayr. Jägerbataillons und der Jux- ftatz den Festteilnehmern Genuß bieten. An^ die städl. Gasleitung angeschlossen werden Halle und Festplatz in hellstem Licht erstrahlen. Tie Aufführungen während der Feier am Samstag abend erfolgen auf einer Bühne in der Haupthallq. Mit der Anlage des Festplatzes wird der Bauausschuß sofort beginnen. Ter Turnausschuß trägt Sorge dafür, daß bei den Vorbereitungen auf das Turnen Bedacht genommen wird, besonders aus die Wettkämpfe am Sonntag, die auf einem eingefriedigten Turnplatz sich ab­wickeln. Ter Festzug am Sonntag mittag wird um 1 Uhr an dem Kriegerdenkmal aufgestellt und geht alsdann durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplatz. Ter Preß­ausschuß hat eine Festpostkarte vorgesehen, woraus der alte Stadtteil Büdingens mit seiner mittelalterlichen Charak­teristik besonders zur .Geltung kommt. Eine kunstvoll vus- gestattcte Festzeitung wird neben Abbildungen von Bü­dingen auch das Bild des Gründers des Turnvereins, Prof. Dr. v. Thudichum, der im Ruhestand als Achtzigjähriger in Tübingen lebt, die Geschichte des Turnvereins, einiges über Büdingen mit seinen alten Bauten, Kirchen usw., Turnerisches u. a. m. enthalten. Das offizielle Festpro­gramm, sowie die Zugordnung, werden nur darin ent­halten sein. Die Eintrittspreise sind mäßig, gleich denen der beiden Turnfeste von 1896 und 1902.

Kreis Alsfeld.

/T Oberkleen, 18. Juni. Das 6. B untre sfest des Hüt­te n b e r g e r Sängerbundes fand heute hier in Verbindung mit dein 25jährigen Jubiläum des Gesangvereins Germania" statt. Ein Festzug von 25 Vereinen aus dem Hüttenberg unb bem angrenjenben Taunusgebiet. bewegte sich burrf) das schön geschmückte Dorf nach bem Festplatz. Ein heftiger Gewitterregen unterbrach leiber bas Fest auf kurze Zeit. Tie Festrebe hielt bet Bunbespräsibestt Lehrer Gu-enher. Er wies besonders aus den Aufschwung des deutschen Liedes, als eine Vorbedeutung unb eine Folge des erwachenben Nationalbewußt- eins hin. Fräulein Appel übergab eine von ben Jungsrauen gestiftete Fahncnschleife. Dann sang ber festgebenbe Verein unter Leitung des Lehrers Lanbgras-Kleeberg bas Begrüßungslieb. Es folgten nun bic Gesangsvorträge der Gastvereine, uittcr denen ich u. a. Vereine aus Pohl-Göns, Kirch-Göns, Butzbach (Or- ohensß Espa, Gambach, Griedelbach, Brandoberndors, Nieder- Weisel, Dietenhausen, Lützellinden, Rechtenbach, Volpertshausen, Hochelheim unb Nieberkleen befanben.

Kreis Friedberg.

B. Friedberg, 18. Juni. Zur der im diesjährigen Sommcrsemester abgehaltene technischen Vorprüsniig hatten sich 14 Schüler ber Gewerbealademie gemeldet. An der Hauptprüfung (Abgangsprüfung) nahmen 18 Kandibaten teil, die meist sehr gute Ergebnisse hatten. Als heute vormitlag ein Lokomotivführer mit einigen feiner Maschine angebängten Wagen die Maschinenhalle verlassen wollte, suchte der Masckvnenpntzcr Konrad noch etwas mit Putzen nachzuholen. Er wurde von den Rädern gepackt und schwer verletzt.

Kreis Wetzlar.

Q K inzenbach, 19. Juni. Hestige Gewitterregen gingen gestern mittag über unsere Gegend nieder. Tic jetzige . Witterung ist nach Wunsch der Landleute, sie können endlich btc Gemüseseiber bepflanzen, auch sind die weiteren Futtcraussichtcir gesichert. Das Aeugras steht noch.größtenteils auf bem Halm, auch hier gibt es gegen bas Vorjahr eine geringere. Ernte.

Hessen-Nassau.

? Rodheim a. d. Bieber, 18. Juni. Heute war ein Ehrentag für unsere Veterane n. Galt es doch, eine Ehrentafel für die Kriegsteilnehmer von 1366 imb 1870/71 ihrer Bepiinntting zu übergeben. Die Kirche war bis aus den letzten Platz gesullt. Die Gedenktafel trägt die Rainen von 60 Veteranen, nämlich ans Robheim: Frhr. v. d. Hoop, Leutnant (gefallen 1866), Ph. Bech- lniger, Gg. Benber III., K. Bender I., K. Bernhardt, D. Ehrist, L. Dönges IV., A. Dudenhöier V., G. Gerlach, I. Hasselbach, K. Jung, I. Koch, K. Müller, L. Peppler, Ehr. Platt IV., L. Reh IV., (5km. Rosenbecker, L. Rosenbecker, 6). Schmidt, I. Schimpf, I. Schniibt, L. Schmidt, K. Stork, K. Weil IV., I. Gerlach, K. Koth; aus Bieber: PH. Becker, PH. Bernhardt, L. Bremer, L. Hof­mann, Fr. Löber, Fr. Reeh und H. Reeb, Gg. Renschlmg, E. Schlicht, I. Schmidt, L. Steinniüller, H. Börding, und au§ Vetzberg: P, Gönzeleuchter, L. Krümel, PH. Mohr, I. Reeh und L. Reeh, H. Reichinann, L. Schmidt, H. Schneider, I. Steinmuller, L. Stein­müller, A. Weil. Die Gedenktafel trägt oben da? eiserne Kreuz mit ber Umschrift: Golt mit uns. TieTaiel wurde von Fr. W. Platt zu Robheim ausgeführt.

[-1 Marburg, 18. Juni. Im Alter von 83 fahren starb gestern hier ber Oberlehrer a. D. Professor August Dute. Der Verblichene gehöre viele Jahre bem Lehrkörpetr ber Hungen Oberrealschule an. Ferner ist gestern ber hier wohnhafte Wirk!. .Geheime Kriegsrat a. D. Albert Duncker gestorben, ber ein' Alter von 61 Jahren erreichte.

w Wiesbaden, 18. Juni. Der Reichskanzler v. Beth- mann-Hollweg ist mir Uiitcrstaatssekretär Wahnschaffe kurz nach 8 Uhr morgens hier eingetroffen. Er besichtigte bic Ent- w ü r s c für bas Bismarck - Den f m a l unb begab sich nach ber Elisenhöhe bei Bingerbrück, wo bas geplante Denk­mal seine Ausstellung finden soll.