Ausgabe 
15.5.1911 Zweites Blatt
 
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schlossen.

Das Festmahl in der Stadthalle.

laus Anlätz der 50. Tagung Meinen r»ärmsten Dank aus' imbi wünsche eine günstige Weiterentwickelung des deutschen Handels.

Die Verlesung des Telegramms wurde mit großem Beifall Mitgenommen. Dann trat der

Reichskanzler von Bcthmann-Hollweg

vor -und hielt folgende kurze Ansprache:

Im Namen des Bundesrats, der Reichsregierüng Und des Preußischen Staatsministeriums überbringe ich dem Deutschen Handelstage zu seinem heutigen Feste aufrichtigen Glückwunsch. In die Tage größten idealen und materiellen Aufschwungs, den fünfer Vaterland je erlebte, siel die Jugend des Deutschen Handelstages. Sein Gründungsjahr mar dasselbe Jahr, in dem Wilhelm I. den preußischen Königsthron bestieg König Wil­helm, in dem 10 Jahre später der Herrscher dieses blühenden Landes, Badens unvergeßlicher Großherzog Friedrich als Wort­führer der deutschen Fürsten und freien Städte zum ersten Male den deutschen Kaiser, den Gründer des Reiches grüßte. Nicht Ungenutzt haben die im Deutschen Handelstage vereinten Berufs­stände die Gunst des Schicksals gelassen, sondern in rastloser Arbeit initgewirkt tint Aufstieg unserer Nation. Vermessen wäre es zu erwarten, daß das Wachstum in den kommenden Jahrzehnten ebenso gcwaltigfortschreiten werde, wie in dem' abgelaufenen halben Jahrhundert. Bleibt aber den deutschen Männern die zielbewußte Beharrlichkeit, der weite Blick, die zuverlässige Redlichkeit und der kühne Wagemut, der bisher aufwärts leitete, dann wird der Wechsel der Zeiten nicht hindern, daß der deutsche Handelstag wie seinen heutigen, so auch dereinst seinen 100. Geburtstag in voller Manneskraft begeht. Das ist der Wunsch und die Hoffnung, mit der ich Sie, meine Herren, am heutigen Tage herzlich begrüße.

Auch die Rede des Reichskanzlers wurde mit lebhaftem Bei­fall aufgenommen.

Die Festrede des Präsidenten.

Hierauf nahm der Präsident des- Handelstages Stadtältester Kaempf das Wort zur Festrede, in der er ausführte:

Der ineite Weg, den die Entwickelung von Deutschlands Ge­werbe und Handel genommen hat, wird erst deutlich, wenn man sich an die Zustände erinnert, die noch int Jahre 1861 bestanden haben. Die Masse und Münzen der einzelnen Staaten wichen in mannigfacher Weise voneinander ab, es bestanden nicht weniger als 31 Notenbanken und in Deutschland zirkulierten gegen 140 verschiedene Banknoten. Ebenso verworren war das Eisenbahn- tarifwesen. Mit umso freudigerer Genugtuung sind daher die Erfolge zu begrüßen, die auf diesen Gebieten durch die Einigung ,Deutschlands geschaffen worden. Gewerbe und Handel sind da­durch befähigt worden, den deutschen Bevölkerungszuwachs im Jnlande zu erhalten. Während im Jahre 1861 nur 35 Proz. der Bevölkerung in Handel, Gewerbe und Verkehr tätig waren, waren es 1907 über 56 Proz. In hervorragender Weise hat dazu das deutsche Schulwesen, namentlich auch das kaufmännische und gewerbliche Fortbildungsschulwesen beigetragen. Parallel mit der industriellen Entwickelung geht die des Handels, der nicht minder produktiv gewirkt hat. Neben dem Binnenhandel hat die ver­änderte wirtschaftliche Stellung Deutschlands den internationalen Handel entstehen lassen, dessen Bedeutung für die Besserung un­serer Zahlungsbilanz Noch unterschätzt wird. Seine Grundlagen sind unsere langfristigen Handelsverträge und unsere bewährte Goldwährung, das Paladium des Kredites Deutschlands als handel­treibender Nation. .Unsere Banken und Bankiers haben die Mittel der Nation gesammelt und in wirkungsvoller Weise Gewerbe und Handel zugeführt. Die große Bedeutung unserer Börsen hierfür wie für den internationalen Handel wird leider noch vielfach verkannt. Auch der Warenhandel sah sich durch die technischen Um­wälzungen und die Massenhaftigkeit der Gütererzeugung vor neue Aufgaben gestellt. Der Großhandel wie der Kleinhandel haben diese AufgÄen gelöst. Der deutschekönigliches Kaufmann hat im Jnlande so gut wie im Auslande für den Absatz des deutschen Gewerbefleißes gesorgt, er hat sich als würdiger Nachfolger der stolzen Kaufleute der alten Hanse gezeigt. Auch der Kleinhandel, dem' freilich starke Krisen nicht erspart blieben, braucht heute den Vergleich mit dem Auslande nicht zu scheuen. Nicht minder glänzend mar die Entwickelung des Transportgewerbes und der Binnen- und Seeschiffahrt. 1860 verfügten wir über 155 Dampfer von kaum 100 000 T., heute hoben unsere Handelsdampfer 4 Mill. T. Fassungsraum. Bezeichnend für den wirtschaftlichen Aufschwung ist es, daß der Verbrauch von Kohle pro Kopf der Bevölkerung sijch 'im den letzten 50 Jahren verfünffacht, der von Eisen sogar verzehnfacht hat. Unsere soziale Gesetzgebung ist vorbildlich geworden für alle Na­tionen. Deutschlands Handel und Gewerbe vertraut auch auf die "Zukunft. Sie wissen, daß ihnen Sorgen und Schwierigkeiten nicht erspart bleiben werden und daß es angestrengter .Arbeit bedürfen wird, um ihrer Herr zu werden. Aber wie das Reich die schlummernden Kräfte der Nation geweckt hat, so mögen diese Kräfte weiter wirken zum Segen für die Gesamtheit unseres Volkes. (Lebhafter Beifall.)

Es folgte die Festrede des.Generalsekretärs Dr. Soetbeer überDer deutsche Handel während der 50 Jahre seines Be­stehens.

Mit den Ansprachen von Vertretern befreundetelr Korpora­tionen, des Prorektors der Universität usw. war die Tages­ordnung erschöpft und die Festsitzung und zugleich die Vollver­sammlung des deutschen Handelstages wurde vom Vorsitzenden ge-

Arrs Stadt Land.

Gießen 15. Mai 1911.

** Die h es fische Literarische Sachverstän- digenkammer besteht nun schon 10 Jahre und heute noch weiß kaum ein Schriftsteller oder Journalist, Wo diese gesetzliche Einrichtung eigentlich ihren Sitz hat. Auch die Juristen, denen die Kammer Auskünfte erteilen soll, wissen nicht, wohin sie sich gegebenenfalles zu wenden hatten, die Kammer besteht durchaus im Verborgenen, sie ist arnh kaum schon in Anspruch genommen worden. Jetzt macht sie dadurch von sich reden, daß die badischen und württem- bergischen Journalisten und Schriftsteller sich bei ihrem Justizministerien beschwert haben, weil unter den elf Mit­gliedern, die der Literarischen Sachverständigen-Kammer für Württemberg, Baden und Hessen, mit dem Sitz in Stutt­gart, angehören, kein einziger Redakteur oder Schriftsteller ist. Die Ministerien von Baden und Württemberg haben sich auf die Beschwerden bereits geäußert, sie erkennen die Berechtigung des ausgesprochenen Wunsches an, daß auch Presse- und Schriftstellerwelt in der Kammer vertreten sein sollen, und sobald Stellen frei werden, will man der An­regung nachgehen. Das hessische Justizministerium ist von Württemberg aus verständigt worden und es ist nun an den hessischen Schriftstellern, sich um die Sache zu küm­mern. Die Lit. Sachverständigen-Kammer ist durch das Urheberrechtsgesetz eingesetzt und hat sich über Fragen des Schutzes Gerichten und sonstigen Behörden gegenüber auf Anruf zu äußern. Von den Kammern aller Bundesstaaten hat sich bis jetzt nur die preußische einen Namen gemacht und ihre in vielen Bänden gedruckt vorliegenden Gutachten zeigen, daß in den 10 Jahren nicht nur lehr fleißig gear­beitet worden ist, sondern auch nach allen Seiten der Grund­satz der Billigkeit und Gerechtigkeit gewahrt wurde.

** r h es sisch e Assessoren. Es bietet sich die Möglichkeit, im Herbst d. I. einen (!) hessischen Assessor zur .Ausbildung im Dienste der Hessis.ch-

Kreis. Schotten.

§ Vom Vogelsberge, 12. Mai. In vollem Um­fange ist jetzt der Frühling im Gebirge eingezogen. Sie Wälder, bis auf die desOberwaldes", die aber bald fofgeit p werden, sind in neues Grün gehüllt. Die Kirschbäume hab:» größtenteils schon abgeblüht, in voller Blütenpracht stete» noch in den Tälern die Kernobstbäume. Die Wiesen lafic-i im GraSansatze noch zu wünschen übrig, da der warme Mai­regen bis jetzt gefehlt. Viel Korn- und Weizenäcker mußten umgepflügt und neu bestellt werden. Schlechte Aussicht eröffnen sich für die am 1. d. M. aufgegangene Reh jagfc Viele Tiere sind an einer Seuche und den Folgen des schliee- reichen Winters, an Nahrungsmangel, eingegangen. £« erste Hasensatz scheint gut davongekommen zu sein. Gin bedeutender Maikäferflug scheint sich einstellen zu wollen.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 14. Mai. Die inneren Arbeiten an den Schloßgebäuden werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Gegenwärtig ist man mit der Anlegmg eines neuen Ziergartens beschäftigt. Der Garten beinahe vollendet und steht in Verbindung mit dem großen Schloßhofe wie auch mit dem eigentlichen Schloßpark.

l. Butzbach, 13. Mai. Aus her Gem einderat^ sitzung vom 12. Mai. Die Wirtschafts Pläne über dcc Stadt- und Hospitalwald für 1912 wurden geneh' . migt. Ueber den Umguß der großen Glocke wurden von verschiedenen Firmen Offerten vorgelegt. Da einMr Herren für Verkauf der alten Glocken und Anschaffung nerui Gußstahlglocken stimmten, fand eine längere Aussprache stall weil die übrigen Herren der Ansicht mären, daß man aib Pietät die alten Glocken behalten solle. Hiergegen wurde» von den Gegnern Bedenken geäußert, weil die andew Glocken ebenfalls alt seien und es mit diesen geradeso W- mit der großen Glocke gehen könnte, während man ber M schafsung neuer Gußstahlglocken ein schöneres Geläute W und man dieser Gefahr sobald nicht ausgesetzt sei. HteM wurde der Antrag gestellt, der Firma Rinker in. ©nj den Umguß der Glocke zu übertragen. Bei der Adsttmwuh stimmten sechs. dafür und, fünf dagegen, Msdünu W»

Gegen 1/24 Uhr begann das Festmahl in dem großen Saale der Stadthalle. An der reich geschmückten Tafel saß Präsi­dent Kaempf zwischen dem Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar rechts und dem Reichskanzler links. Der Großherzog war bereits nach der Feier in der Universitätsaula nach Schützingen .abgereift, um von dort abends nach Karlsruhe weiterzufahren. Zunächst ierhob sich Präsident Kaempf zu einer Tankesansprache. Er betonte, daß dies ein bedeutender Tag sei und führte weiter aus, die Aufgaben des Handels müssen darin gipfeln, daß die Sonderinteressen hinter der Allgemeinheit zu­rück st e h e n. Der Präsident brachte schließlich ein Hoch aus auf Kaiser und Reich.

Die Rede des Reichskanzlers.

Darm hielt der Reichskanzler v, Bethmann-Hollweg fol­gende Rede:

Lassen Sie mich der Freude darüber Ausdrück geben, daß ich den heutigen, für den deutschen Handel so denkwürdigen Tag in Ihrer Mitte verbringen tarnt, in einer Stadt, in der uns Deutschlands Geschichte, sein schmerzlichstes Unglück, feine Schön­heit und geistige Größe, sein leidenschaftliches Hoffen und Ringen um Einheit so lebendig ist; in einem Lande, dessen Fürstenhaus wir immer mit besonderer Verehrung nennen, wenn wir von unserer nationalen Einigung sprechen. Auf die Anfänge dieser Einigung führen uns alle Erinnerungen des heutigen Tages zurück.

Ihr verehrter Herr Präsident hat in seiner Festrede die Verworrenheit der wirtschaftlichen Zustände geschildert, in ber der deutsche Kaufmann vor 50 Jahren bei jedem Schritt feinen Fuß verstrickte. Er hat gezeigt, wie aus der %ot unserer politischen Zerrissenheit das Bedürfnis zum Zusammenschluß des deutschen Handels, wie der Deutsche Handelstag erwuchs. Mit Stolz dürfen Sie sagen, daß die Geschichte des Deutschen Handels­tages ein Stück der Geschichte unserer Einheit geworden ist, daß die Forderungen, die hier vor 50 Jahren von den Vätern des Handelstages ausgestellt wurden, das Gerüst waren, in das der Bau unseres Wirtschaftslebens hineinwuchs, nachdem uns die politische Einheit geschaffen war.

Und doch wird nicht einer von den Männern, die den ersten deutschen .Handelstag einberiefen, die Entwicklung geahnt haben, die der deutsche Handel in diesen 50 Jahren genommen hat. Die Zahlen unserer .Handelsbewegung, die uns so nüchtern und selbstverständlich erscheinen, hätten jener Heidelberger Ver­sammlung wie ein Märchen geklungen. Die Zeit lag ja noch nicht weit zurück, wo man die deutschen Kaufleute im .Aus­land in Wilder Verachtung den Hühnern verglich« die

in der Streu die 'Korner aufpickteii, die eble Werde aus der Krippe fallen ließen.

Das Zaubermittel, durch daß das Märchen Wirklichkeit wurde, hieß Einigkeit. Nur weil zuerst dais Allgemeine sichergestellt wurde durch die gemeinsame begeisterte Arbeit aller Stände, so hat alles Einzelne auf festem Grund und in gesichertem Rahmen wachsen können.

Die alten Probleme der wirtschaftlichen Einheit sind gelöst, neue sind an ihre Stelle getreten. Heute steht ber deutsche Kaufmann mitten in organisatorischen Aufgaben, von denen man vor 50 Jahren auch nicht einmal eine Vorstellung hatte. Mit tausend Fäden ist er in die Weltwirtschaft verkm'wft; den Gönnern früherer Zeiten steht er als gleichberechtigter Partner gegenüber; das Deutsche Reich ist eine Firma geworden, zu der man sich mit Stolz bekennt. (Lebhafter Beifall.)

Und doch, meine Herren, die uns Deutschen so besonders sympathische Abneigung gegen den Racker von Staat ist, wenn ich nicht irre, auch aus einem Telle der Kaufmannschaft noch nicht gewichen. Der alte Gegensatz zwischen Individualismus und Staat wird immer noch durch die Bücher geschleppt, als ob der Posten noch unverändert validierte. (Heitcr- l'eit.) Im Wirklichkeit laufen die Interessen und Pflichten der Privatbetriebe so mit den Interessen und Pflichten des Staates ineinander, daß der Gegensatz, wo er konstruiert wird, ein ge­künstelter ist. Kein privates Erwerbsgeschäft ist heutzutage noch reines Geschäft, es ist in gewissem Sinne zugleich Amt. (Sehr richtig.) In der Sorge für seinen Betrieb und für die in ihm tätigen Personen erfüllt der Landwirt so güt wie der Gewerb etreibende undder Kaufmann P stich­st en gegenüber der Allgemeinheit, ohne die wir uns Unser heutiges staatliches Sehen nicht denken können. . Man kann da nicht mehr scheiden. Das Ansehen Deutschlands in der Welt ist dem deutschen Kaufmann in reichem Maße zu Gute gekommen. Aber wo bliebe das Ansehen des deutschen Namens im Aus­lande, wenn der deutsche Kaufmann da draußen es nicht ver­stünde, sein Ansehen hoch zu halten? (Zustimmung.) Wer ein privates Gut verwaltet, soll es heutzutage tun in Prokura der Allgemeinheit. (Bravo.) Darum können Staat und Privat­wirtschaft nur gedeihen, wenn sie sich gegenseitig von dem gleichen Geiste burdjbringßn lassen. Man rühmt deutscher Swats-- auffassung, Pflichtbewutztsein und Rechtsgefühl als treibende Kräfte nach. Kaim unser Handel ohne diese Tugenden prospe­rieren, wäre er ohne sie zu seiner jetzigen Blüte gelangt? Und wiederum: Nüchternes Kalkulieren, Rechnen mit realen Größen, frei von allem Phrasentum und doch große Ziele im Auge nur so kann der deutsche Kaufmann seinen Platz in der Welt erobern und behaupten. Kann unser Staatsleben unter anderer Flagge segeln?

Und noch eins. Wirtschaftliches Leben ist ohne Egoismus Undenkbar. So auch das staatliche Leben, so auch das politische Leben der Parteien. Aber es gibt kurzsichtigen und weitsichtigen Ego ismus. Kein verständiger Kaufmann düntt sich zur Alleinherrschaft berufen, und ebensowenig gibt er um vereinzelten Augenblicken Profits willen notwendige Ver- bhtbungen und Beziehungen für die Zukunft preis. Solcher Geist, Blick auf das Ganze, nicht Haften am' Kleinen und Klein­lichen, weitherziges Erfassen alles Tüchtigen, sollte auch unser politisches Leben erfüllen. In diesem Sinne akzeptiere ich die aus Ihren Reihen so oft erhobene Forderung: Mehr kaufmännischer Geist in unsere öffentlichen Zustände.

Die treuesten Wunsche für Sie und in Ihnen für unser Vaterland, fasse ich in den Ruf zusammen: Der Deutsche Handelstag Hoch, hoch, hoch! (Lebhalster, lang anhaltender Beifall.)

Im weiteren Verlaufe hielt Kommerzienrat V o g e l-Chemnitz eine von Humor durchwehte Ansprache, in der er dem Reichskanzler und den übrigen Regierungsverttetern für ihr Erscheinen dankte. Der badische Finanzminister Rheinboldt erhob sich sofort zu einer Gegenansprache um für die freundliche Begrüßung auch durch den Vorredner zu danken. Er sprach des weiteren über die hohe Einschätzung des Handelstages durch die Regierung, die allen Verhandlungen mit dem größten Interesse folgte. Er toastete auf das Wohl des Präsidenten Kaempf.

Nach dem badischen Finanzminister Rheinboldt toastete der erste Vizepräsident der Berliner Handelskammer Franz v. Men­delssohn auf die Vertreter der auswärttgen Handelskammern, indem er sich an den französischen Vertreter in seiner Landes­sprache, und an den englischen Vertreter in englischer Sprache wandte. Der Präsident ber Internationalen Handelskammer­vereinigung in Brüssel, Canon Legrand, ergriff hieraus das Wort, um zu betonen, daß die verschiedensten Länder Vettreter entsandt haben, er aber nicht nur als Vertreter Belgiens, sondern gleichzeitig auch als Vertreter des internationalen Komitees an­wesend fei. .

Im weiteren Verlaufe des FestmahG brachte« .Geheimrat Deußen einen Damentoast aus, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen (wurde. Geheimer Kommerzienrat Andreae- Frankftirt a. M. betrat schließlich die Rednertribüne, um der Tätigkeit des Generalsekretärs Soetbeer eine besondere Wür­digung zuteil werden zu lassen und ein Hoch auf ihn auszubringen. Um 1/2? Uhr löste sich die Festversammlung auf, um eine Wagen- sahrt nach der Sttstsmühle anzutreten. Um s/<9 Uhr findet Schloßbeleuchtung statt, die auch der Reichskanzler be­sichtigen will, der dann seine Wefterreise antreten wird. Später am Abend fand noch ein zwangloses Beisammensein in der Stadt- Halle statt. ,

Karlsruhe, 13. Mai. DemStaatsanzeiger zufolge hat der Großherzog dem Präsidenten des Deutschen Handelstages, Johannes K a em p f - Berlin, und dem Vorsitzenden der Handels^- fanrnter Breslau, Geheimen Kvmmerzienrat Eichborn-Breslau, das Großkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löweit ver­liehen. ___________________

Preußischen Eisen balfngemeinschaft einzrüe, rufen. Bewerbungen müssen bis spätestens zum 1. Juft bei dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Fina^ll Wirtschaft und Eisenbahnwesen, eingereicht werden. 9)1E; i düngen von Assessoren, die ein Dienstalter von drei hnti mehr Jahren haben, können in der Regel nicht berücksich^r tigt werden.

** Konzert-Verein. Wie man uns mitteilt, frnb die Vorbereitungen zu dem großen Chorkonzert rv» 31. Mai int Stadttheater, abgesehen von den Musikproben. L? als abgeschlossen zu betrachten. In Rücksicht auf die mit-31 wirkenden Kinder (Schüler und Schülerinnen des Gwn-m nasiums und der höheren und erweiterten Mädchenschule, Iz die unter Leitung des Herrn Musiklehrer Leopold Gelle; ihre wichtige Aufgabe zu lösen haben, ist der Anfang der Hauptprobe am 30. auf 61/4 Uhr, des Konzertes am 31. auf 7 Uhr abends gelegt. Den umfangreichen ber«^ bindenden Text hat Fräulein Ida Strack übernommen, er befindet sich also in den allerbesten Händen, am $xrrmo« nium wird unser geschätzter Organist der Stadtkirche Ottoil Görlach seines Amtes walten. Für das 1. Klavier, das . Wolf-Ferrari in seinem Werke als vollberechtigtes Solo, Instrument behandelt, ähnlich wie in Beethovens Chov Phantasie, ist Assessor Kurt Blumenau gewonnen worden. Das Ganze leitet Professor Trautmann, der gleichzeiüg als Mllwirkender zu betrachten ist, am 2. Klavier.

Landkreis Gießen.

r. Londorf, 12. Mai. Am vergangenen Mittwoch fand hier die erste Versammlung der Grundbesitzer behusz Einleitung der Feldbereinigung statt. Es wmdr einstimmig beschloßen, die Kosten durch 3 Proz. Masfen- gelände und den Rest durch Umlagen zu decken. Bei bet Wahl der Abschätzer erlangte keiner der Gewählten die etJ forderliche ^-Mehrheit, so daß Ernennung durch die Landes­kommission erfolgen muß. Als Schiedsrichter wurden Bürger- meister Braun-Rüddingshausen und Hrch. Magel VI. daselbst gewählt.

x Lich, 12. Mai. Einen erfreulichen wirtschaft­lichen Aufschwung hat unsere Stadt in den letzter Jahren genommen. Das zeigt sich nicht nur an der bei bet letzten Volkszählung zu verzeichnenden beträchtlichen Zu­nahme der Bevölkerung, die vorher Jahrzehnte lang stehe» geblieben oder gar zurückgegangen war, sondern vor allem auch in der lebhaften Bautätigkeit, die in den letzte» fünf Jahren hier eingesetzt hat. Der Fremde, der viel­leicht mehrere Jahre Lich nicht gesehen hat, muß staune» über das gänzlich veränderte Bild, das ihm die Stadt bietet, wenn er sich ihr mit der Bahn oder von einer deö das Wettertal umsäumenden Höhen nähert. Da zeige» sich dem verwunderten Auge jetzt hohe Schornsteine unib Schlote als Zeugen dafür, daß Industrie und damit mo­dernes Getriebe auch in das früher so ruhige, von seiner Vergangenheit träumende Städtchen ihren Etuzug geholte» hat; oder es vernimmt das Ohr schon von weitem den einst so ungewohnten schrillen Ruf der Maschine, der die Arbeits­stunden der Industriebetriebe ankündigt. Da haben die letzten Jähre ein mächtiges Ton werk gebracht, das sich' eines ungeahnten flotten Betriebs erfreuen kann; die 3W gersche Eisschrankf-abrik und die Schiefersteinsche Fabrik fiitfi landwirtschaftliche Maschinen sind erstanden und tragen beit Namen Ljchs bis weit über die Grenzen Hessens hinaus Nicht zu vergessen ist die alle Licher Bierindustrie, die sich bedeutend ausgedehnt hat. Mit diesem' industriellen Auf­schwung geht Hand in Händ eine außergewöhnlich tece priv ate Bautätigkeit. Jenseits der Wetter, am Bahnhof, wo sich auch gegenwärtig wieder mehrere Häuft im Bau befinden, ist ein ganz neues Viertel entftanber, ein Stadtteil für sich,Sachsenhausen" heißt er im VoM- mund. Ern großzügiger Sttaßenplan, dessen Ausführung in nächster Zumnft liegen dürfte, ivird das Bahnhofsviertcl in direktere Verbindung mit der oberen Stadt bringe» und damit einer verkehrswirtschaftlichen Notwendigkeit ab« helfen. Auch die Errichtung eines öffentlich,en Gebäüdes, einer neuen, allen modernen Anforderungen aenügende» Volksschule, wird in wohl nicht allzu ferner Zeit unsere Stadtverwältung beschäftigen. Die FeldbereinigungspMe haben dieser Frage schon Rechnung getragen.

Kreis Lauterbach.

^Grebenhain, 12. Mai. Trotzdem sich unfett Gemeinde in den letzten 5 Jahren nur um 9 Einwohner vermehrt hat und zwar von 701 auf 710, ist die Schüler« zahl in der unteren Klaffe um 21 gestiegen und von 60 81 angewachsen. Der Schulvorstand hat auf Weisung der Schulbehörde bereits beschlossen, eine dritte Lehrerstelle zu errichten.