Zweites Blatt
Nr. U3
161. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
•y?ndi § 372 iit es nach Bestimmung brr obersten Verwaltung^.
Aba. Hoch (Soz.)k
um
Täglich frische
örge ber>
gemachten
CUiCC JICUK Vt.« W"11-
Miniüerialdirektor Caspar seine Erklärung in aller
§ Vermögen Ser «Z
) gonntbomi > 1
iraermeisttrei. iling,
Redaktion, Ervedition und Druckerei: vchuk- strahe 7. Grpebilion und Verlag: 51.
Redakiiomr^llS. Tel.-AdruAnreigerDießen.
Tie „6ie6eiier Zamilieadlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, dar „Kreisblatt für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschaftlichen Leitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
mb Deutscher Reichstag.
17 4. Sitzung, Sonnabend, den 13. Mal«' Wm Tische de» VundeSratS: Delbrück, Caspar. Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung 10 Uhr 15 Min.
Degen der 50 000 Wanderarbeiter wollen Sie den 3 Millionen Sanbarixitcr r nicht da4 Wahlrecht geben? Herr Arnstadt sagt, die Landarbeiter, auch selbst die sorial^emokratiichen, wählten ja doch nick' sozialdemokratisch und bat sich als schlagende? Beispiel angeführt. Nun, dann geben Sie ibnen dock das Wablrechtl 91 her es ist eben nicht wahr. Sie wollen keine Wahl haben, weil dadurch die Sozialdemokraten Gelegenheit zur Agitation erhalten.
916g. Lehmann-Wiesbaden (Soz.):
DaS Zentrum schweigt auf die zweimalige fßrobofalwn der Polen. ES schweigt, weil eS die Entrechtung der Arbeiter nicht begründen kann, weil eS weiß, wie jeder Dort seine außerordentlich prekäre Stellung nur noch verschlimmern must. Auch die Nationallibcralen reden nicht, und auch die Wirtschaftliche Vereinigung. Tie Rede des Herrn Arnstadt bat ein Bild gegeben von der Hilflosigkeit derer, die diese Bestimmungen vertreten müssen. (Ter Redner spricht wie der Abg. Hoch etlva eine halbe Stunde.)
Abg. Molkenbuhr (Soz.) spricht als vierter Sozial. Demokrat.
Nack einer Rede de-Z Abg. Korfanty (Pole) wiederholt Ministerialdirektor CaSpar seine Erklärung in aller Form: Eine Bestimmung wie die des § 3,3 ist für die verbündeten Regierungen Voraussetzung für die Einführung der landwirtschaftlichen Versicherung' u*i b damit der: ReichSversicherungs- ordnung^
Jubiläumstagung des deutschen Handelstages.
~ Heidelberg, 13.
Hatte vormiüag 11 Uhr begann in brr Aula des neuen Kollcgicngebäudes am Ludwigsplatz die Festsitzung zum fünfzigjährigen Jubiläum des deutschen Handelstagcs. Der Grost- herzog Friedrich II. von Baden war kurz vor 11 Uhr erschienen imb wurde von dem zahlreichen Publikum lebhaft be^ grüßt. Der Präsident Ko empf gelencte ihn ut den Festsaal und iio6m dort das Wort zu einer kurzen Begrüßungsansprache. Er dankte dem Großhcrzog snr sein Erscheinen und für das In- terefsc, das er sowohl als auch sein Erlauchter Vater Friedrich I., dem deutschen Handel stets cntgegcnbrachtc.
Ter Grotzherzog erwiderte:
Indem ich für die Begrüßung herzlich danke, ist es mir ein Anliegen, Sie bei dieser Festsitzung zu begrüßen und Sie ht meinem Lande willkommen heißen zu dürfen. Ich denke mit großer Bewegung daran, daß hier vor 50 Jahren sich der erste deutsche Handelstag loni'rituicrt hat, und wie ernst mein seliger Baler den ersten, so heiße ich Sie heute nach 50 Jahren herzlich willkommen. Während dieser 50 Jahre hat sich eine wobl kaum geahnte Entwickelung auf dem Gebiete oes deutschen Handels vollzogen. Daß dies möglich wurde, verdanken wir der nationalen Einigung, die von den Teilnehmern der damaligen Tagung erhofft wurde. Vierzig Jahre lang können wir die Segnungen der nationalen Einigung gemeßen. In dieser Zeit konnten nm uns inner dem mächtigen Schüße des Reiches weiter entwickeln. Die heutige Generation, die nicht die großen Tage vor 40 Jahren mit erlebt hat, muß auf die großen Taten von damals hingewiesen werden. Möge auch in Zukunft das Reich auf den Bahnen einer günstigen Entwickelung sich bewegen. Das ist aber nur möglich, wenn jeder einzelne seine Wünsche der Allgemeinheit unterorbnet. Em Vorbild m dieser Beziehung ist uns der deutsche st-aifer, der allen Gebieten des öffenHidjcn Lebens und allen Bestrebungen gleiches Interesse entgegenbringt. Der Großhcrzog schloß mit einem stürmisch aufgenonnnenen Hoch auf flauer Wilhelm II.
Hieraus verlas der Präsident Kaempf folgendes Antwort - tel egr am3t des Kaifersauf die gestrige Huldigungsdepejche: Dem deutschen H-mdelstage spreche für die freundliche Begrüßung
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
bebör>' zuläsiig. Ä a f i c n m i 11 e l für den Besuch von 8er- fnmmlunflcn zu i .rh'cnben, b-t den gesetzlichen Zwecken der Krankenversicherung dienen sollen. Die Sozialdemokraten beantragen, dies von b;r Bc' mmung der Aufsichtsbehörde unabhängig
Montag, so. Mai Ml
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniverstlätS - Buch- und Eteindnickerei.
R. Lange, Gießen.
Arbeiter hinein.
Dbg. Korfanty (Pole) fuhrt Beschwerde, daß polnische Aerzte! grundsätzlich von den Krankenkassen ausgeschlossen werden. *£i€ Sozialdemokratie nimmt nur Rücksicht.auf die Kasse, nicht auf die Arbeiter. Ter sozialdemokratische Standpunkt ist geradezu arbeiterfeindlich. Die Arbeiter müssen die freie Arztwahl haben. Für die Arbeiter eignet sich nur da- System der freien Arztwahl.
Die Kommissionsbeschlüsse bleiben unverändert.^
Nach § 886 kann der Kassenvorstand durch die Satzung ermächtigt werden, wegen Arzneilieferungen mit Apothekern usw. Vorzugsbedingungen zu vereinbaren. Alle Apo- ihekenbesitzer und -Verwalter imBereiche derKasse können solchen Vereinbarungen beitreten.
Abg. Schickert (Kons.) empfiehlt einen Kompromißantrag Schultz. Hier liegt eine gewisse Bevorzugung der einheimischen — Uso im Kassenbereicke wohnenden — Apotheker , und Drogisten gegenüber den auswärtigen vor. Ta aber für die an den Gren- jen des Kassenbezirkes wohnhaften Kassenmitglieder eine AuS- pahme nötig sein kann, so beantragen wir, daß das Versiche- ^ung-k-amt ermächtigt wird, Abweichungen in geeigneten Fallen zu gestatten.
Abg. Geck (Soz.)' stimmt diesem Antrag zu und' fährt Klagt Wer die Preistreiberei der Apotheker. Es wird mit Apotheken geradezu spekuliert. Tie Hohenzollern-Apotbeke in Köln kostete zum Beispiel 1907 etwa 380 000 27?*., 1908 aber brachte sie schon 640 000 Mk.
§ 885 wird mit dem Kompromißantrag angenommen,
Der § 836 Heißt unverändert.
Damit ist der Abschnitt über das Verhältnis der Kassen 3V den Aerzten, Zahnärzten und Apothekern erledigt., SSeiterberatung: Montag 12 Uhr-
Lckluß 4/. Mr.
2J.
17. £-1. ’
Achten ‘r^gen .^hülenp^- * m, » S8j j
m Zwangti \ Pittmin soifE- üfung dcr nefci ■(beten yorber*.".-- g ben 12. 3» ■’ tlags 4 Uhr. r ' rrzoglichcn ■ jen—ßirnmer»1 unit PergUlch^l)liüi kläning bes Slrd ijjeS Mb aa( - - hreiberci b_e§ - T § zur Einsicht t l n niedkrgclcgt-
. SliW-hmk! >
IdlA-di---«"
Abg. Hoch (Soz.): Tie Kommission ist in zweiter Lesung umgefallen und bat sich auf ein paar ganz nichtssagende Bestim- mutigen zurückgezogen. Wir haben stets scharf betont, daß die Koalitionsfreiheit der Aerzte nicht e>nge|chrankt werden soll. Aber besondere Vorrechte sollen sie nicht haben. Em Zug unglaublicher Bevormundung geht durch die KommissionS- beschlusse. Die Behörden können machen wa- sie wollen. Wir haben böse Erfahrungen mit ihnen gemacht. Wir kennen die rück- sichtslose preußische Bureaukratie. ES ist eine starke Zumutung, uns da? Oberversicherungsamt als Aufsichtsbehörde zu geben. Mit allen diesen Vorschriften wollen Sie die ärztliche ftürir'y nickten. DaS paßt ja in Ihr ganzes System der Entrechtung der
Abg. Dr. Mugdan (Vp.):
. In ter AuSgleichSlesung sind die Unstimmigkeiten zwischen Zentrum und Konservativen so gründlich beseitigt worden, daß . )as Zentrum alles tat waS die Konservativen wollten. E? ban- )elt sich auch um eine Entrechtung der landwirtschaftlichen Unter« lehmer. freilich nicht derjenigen, die in den Kreistagen das großo Wort führen, sondern der großen Masse der Kleinbauern and mittleren Bauern. Denen nehmen Sie durch die beiden Paragraphen das Recht, das der kleinste Handwerksmeister hat. Und der Ausschluß vom Wahlrecht wird noch unerhörter, als ja der Großgrundbesitzer in der Lage ist, sich eine Betriebskranken- kasse zu begründen, wenn er auch nur in der Saison 60 Versicherte beschäftigt, und daß er in der Lage ist, überhaupt seine ganzen Arbeiter der VersicherungSpslicht zu , entziehen und bei sich zu versichern. Diese Großgrundbesitzer spielen im Osten in den Kreistagen die Hauptrolle, und so wird die unerhörte e • itimmung getroffen, daß für die Landkassen Personen wah- len, die wahrscheinlich mit den Kassen selbst gar nichts zu tun haben. In diesem Paragraphen swcken die schlimmsten B e • ftimntungen der ganzen Vorlage. Es ist eine Entrechtung der Arbeiter und der Arbeitgeber.
Damit schließt die Diskussion.
Abg. 5-cfltcr (Vp.) versucht eine persönliche Bemerkung zu machen. DaS Zentrum und die Rechte lassen ihn nicht zu Worte kommen. Abg. Fegter strengt seine Stimme zu den, höchsten Schrei tön en an, aber die Mehrheit tut das gleiche und icbe5 sei- ner Worte ertrinkt in dem hallenden Getöse.
In der namentlichen Abstimmung wird § 343 mit 170 regen 103 Stimmen, § 349 mit 179 gegen 96 Stimmen, in leiden Fällen bei 4 Enthaltungen angenommen. Mit der Volks- Partei, den Sozialdemokraten und den Polen gibt auch der Abg. Thoma und einige andere Nationalliberale rote Neinzettel ab; die blauen Enthaltungszettel sind anscheinend von oberschlesnchen ZentrumSabgeordneten abgegeben.
Tie Verhandlung über die Landkassen Bai 8K Stunden ge. bauert.
Es folgt § 345, bet die Dahl der Beisitzer bei den Ortskrankenkassen regelt. Das Stimmrecht der einzelnen Arbeitgeber bemißt ch nach der Zahl ihrer versiche- cungSpflichtigen Beschäftigten; die Satzung kann ei ibftufen und eine Höchstzahl vorschreiben.
Abg. Busold (Soz.) begründet den CtreichungSantrag der Sozialdemokraten. Dies ist eine schmachvolle Entrechtung des Handwerks.
Vizepräsident Dr. Spahn ruft den Redner zur Ordnung.
Abg. Busold (Soz.): Ich bin selbst Handwerker. Das Klein- Handwerk darf den Großbetrieben die qualifizierten Arbeiter aus- bilden, aber beim Wahlrecht wird es durch die Mittelstands- Parteien unterdrückt. Das Stimmrecht richtet sich nach dem Geld- sack. Tie fachliche Ausbildung kommt, nicht in Betracht. Wir werden bei den nächsten Wahlen dafür sorgen, daß diese Behandlung den Handwerkern zum Bewußtsein kommt.
Der Antrag wird ohne weitere Erörterung abgelehnk.
Die sozialdemokratischen Anträge auf Streichung des Bor- sitzeZ dcS Arbeitgebers oder seines Stellvertreters in der Ge- triebskrankenkasse (zu 8 851, Redner Abg. v. Molken- buhr, Soz.), auf Gewährung des Wahlrechts auch an die frei- willigen Mitglieder der Betriebskrankenkassen (zu § 853, Redner Abg. Sachse, Soz.), auf Beseitigung der geltenden Bestimmungen über die Bestellung deS Vorsitzenden bei den JnnungS- krankenkassen (zu § 354, Redner Abg. Schmidt- Berlin, Soz.), werden abgelehnt. AIS 8 354 r beantragen die Sozialdemokraten, paß Arbeitervertretern in den Detriebskrankenkassen bis zum Ablauf ihrer Wahlperiode durch den Arbeitgeber nur aus einem wisttigen Grunde gekündigt werden könne.
Abg. Emmel (Soz.) begründet ben Antrag mij dem Verlangen nach einer Sicherung gegen Maßregelung.
5>rg 1
Äl issraM'M'
UW
’gs. k6:
ooaer, po„ ‘
$u machen.
Abg. Büchner lSoz.' begründet da» und geht auf die Debatten |bcr letzten Tage ein. sprickt von einem Verrat her A r- Lciteröertreter de« Zentrum« und von einer schnöden Entrechtung der Landarbeiter.
Vizepräsident Sckultz erteilt dem Redner scharfe Rügen.
Der Abschnitt über die Verwaltung der Kastenmittel wird erledigt.
Bei 8 376 wird ein K 0 m p r 0 m i ß a n 1 r a g C ch u l tz angenommen, wonach unter den von den Kassen dem Versicherung-amt einzureichenden Nachweisungen durch eine andere Raffung der Kommissionsbeschlüsse u. a. mitzuteilen ist, die Zahl für die Kassen tätigen Aerzte, Svczialärzte, Zahnärzte, Zahntechniker, Apo- Ihekerbcsitzer-Verwaltec und anderen solchen Personen, welche Arzneimittel fei Ib alt en. _ (Im KommissionSbeschluß jhieß es: und anderen Arzneimittelhändlern.)
Mit § 377 beginnt der Abschnitt über
da« DerhnltmS der Krankenkasse zu den Aerzten.'
Die Kommission bat in zweiter Lesung die nach sehr schsvle« rlgen und umfiänblidien Verhandlungen in erster Lesung getroffene Regelung fallen lassen und in wenigen Paragraphen Kompromißbestimmungcn beschlossen zwischen dem Standpunkt der Vertreter der freien Arztwahl und dem Kassen- itandpunkt. In der AuSgleickSlesung wurde daran nichts mehr ge- ändert. Jetzt liegt zn diesem Abschnitt nur ein Antrag der •Bolen vor auf Abänderung deS 8 378. Dieser lautet nach dem KommissionSbeschluß: Tie Beziehungen zwischen Krankenkassen und Aerzten werden durch schriftlichen Vertrag geregelt; die Bezahlung anderer Aerzte kann, von dringenden Fällen abgefeben, abgelehnt werden. Der polnische Antrag will, daß nur ein wichtiger Grund zur Ablehnung führen kann, der weder religiöser noch politischer Natur sein darf.
Wrst-ÄnlLtzt € I ie§ uonbtir ffYji |
parg
ut prima Cuehu Üe anbeten Gew >u den biü^iier.
G12. Neuen S i
Aba. Dr. Votthoff (Vp.)
befürwortet ben Antrag dringend. Hier handelt eS sich nicht um' Parteipolitik, sondern um Schuh der Arbeitervertreter in der Ausübung ihres Amte?. Ter Redner erinnert das Zentrum an feine Zustimmung zu einer entsprechenden Bestimmung für die SichervmlSmänner in den preußischen Bergwerken und nimmt tveiier Bezug auf die auf nationalliberalen Antrag beschlossene viel weiter gebende Bestimmung für bje Arheilergusschüsse in den staatlichen Betrieben.
Berichterstatter Abg. Horn-Rruß (Natl.) t Die Kommistione- Mehrheit bat den Vergleich mit den Sich-rheitSmännern nicht für rtid^altig gehalten, weil diese polizeiliche Funktsimen auszuiLen haben.
Der Antrag wird' abgelehnt.
Als 8 355 beantragen die Sozialdemokrateni Ter Kassen« Vorstand (bei Kaffen aller Art) ist verpflichtet, den Gewerbe- aufsichtsbeamten auf Verlangen Auskunft über Zahl und Art der Erkrankungen zu erteilen. Ein Kompromißantrag Schultz fügt diesem Anträge der Sozialdemokraten hinzu: Die oberste Verwaltungsbehörde kann hierüber Näheres bestimmen.
Abg. Severing '(^°a) begründet ben Antrag und stimmt b-m Zusatz zu.
Abg. Schickert '(Kons.)'k Dir können dafür mit dem Zu'atz stimmen. Eine gewisse Regelung durch die oberste Derwaltungs- behörd- halten wir allerdings für notwendig, schon damit der statistische Eifer nicht zu weit führt.
Der Antrag der Sozialdemokraten wird' mit dem Zusatz angenommen.
Bei § 358 (Funktionen des Ausschusses)' wird ein vom Abg. Kuntze (Soz.) begründeter Antrag aSgelegnt. Die folgenden Paragraphen bis § 871a find schon gestern erledigt worden.
-S-k ;
Ibcne rcw Vorbe^ getiteigerung ° >
tn'inÄ><f
Die zweite üefung der ReidisverHdierungsoTdnung.
Achter Tag.
Die Beratung geht weiter bei den Bestimmungen über die Organe der Landkraiikenkassen. Nach 8 343 werden die Vorstandsmitglieder der Landkassen, sowie auch der Dorsitzend« von der Vertretung des Gemeindeverbandes ge> wählt. Nach § 849 wählt diese auch die Beisitzer. Wo im Bezirk eines Versicherungsamts nur Stadt- und Landgemeinden und kein Gutsbezirk in Frage kommt, kann das Wahlrecht bezüglich bei Beisitzer den Vertretungen der einzelnen Gemeinden übertragen werden. Die Sozialdemokraten, die Volkspartei und die Polen beantragen die Streichung der §§ 343 und 349. Ein Eventualantrag der Polen will die Wahl des Vorstandes dem Ausschuß übertragen.
Abg. Fegter (Vv.):
Vorstand und Beisitzer sollen hier noch den KommissionSq beschlüssen ohne Mitwirkung und Einfluß der Versicherten bestellt werden. Die KreiSauSschnsse und Kreistage sind saft durchweg eine Vertretung deS Großgrundbesitzes und hie und da auch bet großen Gewerbetreibenben; bet Bauern- und bet Arbeiterstand sind darin nicht vertreten. In den Gemeindevertretungen sitzen auch nicht dir Versicherten. Die drei Millionen Staatsbürger auf dem Lande, die man notgedrungen in die Versicherung einbezieht, srllen also entrechtet werden, ein Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter. In der Kommission hat die Rechte von diesen Bestimmungen ihre Zustimmung zur yanzen Versicherungö- oibnung abhängig gemacht, genau so wie beim Hasenschaden, und die Regierung fühlt sich als Vertreter der privilegierten Minder- heit. Nicht wir sind die Schrittmacher und Vorfrucht der Sozialdemokratie, sondern Sie. lleberlegcn Sie eS sich noch bis zur dritten Lesung,
Abg. Stückle» (Soz.) ieekämpft die Kommissionsbeschlüsse mit noch schärferen Ausführungen. Die ganzen Landkassen sind ein Hohn auf die Kranken- Versicherung; es ist eine verschlechterte Armenpflege zur Ent- laftung der Besitzenden, ein Ausnahmegesetz in deS Wortes verwegenster Bedeutung. Weshalb sagen Sie Wahl? sagen Sie doch Ernennung durch den Landrat, das wäre kurz, einfach und ehrlich. Tie Landarbeiter werden Ihnen bei den nächsten Wahlen die Quittung geben. Ihr Hauptmotiv steht ia in der Begründung: man will die politische Aufklärung verhindern, man will die Sozialdemokraten nicht aufs Land. Lehnen Sie unsere Anträge ob, so ist das nut ein weiterer Beweis politischer Heuchelei.
Präs. Graf Schwerin-Löwitz rügt diesen Ausdruck.
I Geheimrat Lvielhagcn erklärt, daß als Wablorgan nicht die ^AreiSauSschüssc, sondern die Kreistage gemeint sind.
Abg. Kulcrski (Pole)
spricht im Sinne von Fegter und Stücklen und siebt in den Bestimmungen eins der schlimmsten Ausnahmegesetze gegen die Polen; eS geht nicht nur gegen die polnischen Arbeiter, sondern auch gegen die polnischen Arbeitgeber. DaS sollte sich da- Zentrum überlegen. Sie binden unS an Händen und Füßen und werfen uns dem Moloch der bakatistischen Bureaukratie zuw Fräße vor. Und e5 wird ein Ausnahmegesetz gegen das ganz, katholische Element in unseren Landesteilen. Zu 00 Prozeni katholische Streife haben einen protestantischen Kreistag. Von Ihnen, meine Herren vom Zentrum, hängt es jetzt ob. Berufen Sie sich nicht auf die Freundschaft mit den Kon- servativen. die eS nicht wollen; das ist nicht Freundschaft, das ist Abhängigkeit. Als beim DereinSgesetz die Freisinnigen erklärten, wegen des Sprachenparagraphen könnten sie dies Werk des BülowblockS nicht fallen lassen, da haben Sie, meine Herren im Zentrum, das verurteilt. Hier handelt eS sich um etwa» ähnliches. Sie haben für uns Worie, aber keine Taten. Sie dürfen diese Sacke nicht macken. Noch in elfter Stunde: lieberlegen Sie sich d'e Sache. Wenn S i e nur fest bleiben* die Regierung gibt bann schon nach.
Direktor im Reichsmnt des Innern Gaspar:
Mit allem Nachbruck lege ich Verwahrung ein gegen die Behauptung, daß es sich um eine Entrechtung und ein Ausnahmegesetz handele. Im Gegenteil handelt es sich um eine Verbesserung bet Lage der Landarbeiter; und ich habe im ausdrücklichen Auftrage deS Staatssekretärs zu erklären, daß für die ver- bünbeten Regierungen die Aufrechterhaltung des § 343 eine unerläßliche Voraussetzung für b i c Einführung der landwirtschaftlichen Stranlcnüer« Sicherung überhaupt ist. Uebrigcns wirb die sächsische Regierung höchstwahrscheinlich von der ihr im § 349 gegebenen Befugnis Gebrauch machen.
Abg. Arnstadt (Koils.)k
Nack ben Erklärungen des Regierungsvertreters kann ich ml5 zur Begründung unseres Verhaltens kurz fassen. Zu ben Lmid- kaffen gehören die Landarbeiter, das Gesinde, die Wanderbetriebe, die Hausgewerbetreibenden und die unständig Beschäftigten. ES wird immer nur eine beschränkte Anzahl ihr Wahlrecht aiivfibcn können. Die Dienstboten können nicht abkommen, ihrem Wahlrecht zu genügen. (Gelächter links.) Auch die räumliche Entfernung spricht sehr gewichtig mit. Unsere landwirtschaftlichen Arbeitet legen auch wirklich wenig Wert auf dasWahlrecht, ^Großes Gelächter links. Zuruf des Abg. Fegter.) Wir vertreten die Landarbeiterintereffen mindestens so gut wie Sie, Herr Fegter! (Beifall rechts.) Ich protestiere mit aller Entschiedenheit dagegen, daß wir die landwirtschaftlichen Arbeiter zu Arbeitern zweite^ Klasse degradieren lassen. Was nützt denn überhaupt den Landarbeitern ein Wahlrecht (Große Heiterkeit links.), dessen praN tischen Ausführungen soviel im Wege steht? Wer wählt? Ein paar Dutzend von gewisser Seite,beeinflußter Arbeitdr, die nach politischen Grundsätzen wählen würden, und für eine solche Vertretung danken unsere Arbeiter. Denn was ist das Ziel der Sozialdemokratie? (Aba! b. d. Soz.) Sie wollen nur festen Fuß auf dem Lande fassen, was ihnen bish'.r nicht gelungen ist» (Lacken und Widerspruch der Soz.) Unsere ländlichen Arbeiteo sind Gott sei Dank monarchisch gesinnt. Unsere Arbeiter wiffen sehr wohl, wo ihre Freunde sind. (Lachen links.) Ich | bin von allen Landarl»citern in memem Orte gewählt, auch von len sozialdemokratisch organisierten. (Hohngeläckter der Soz.) Bur Krankenkasse würden sie ebenso wählen. (Gelächter links. Die Sozialdemokraten verhöhnen den vom Rednerpult abtretenden Abg. Arnstadt, waö entrüstete Kundgebungen auf der Rechten Hervorruft.)
*««a.
'ur Nttüufc "chböjchung - ’b sind m
zu l<0 M , 120
1 , 96 ’
, 400 , M auf btm
wohin qu4 s
’i d« I. obtnl; j
te Radis
»sorgen alle* 16 ypDcnw«;:


